Montag. 25. September 1922
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Werhessen)
Zweites Blatt
Nr. 225
erau,
Kirche und Schule
Roman
dem
sein
Der
des Himmels neuen
von allen Seiten
Adern der Erde
ltd}cii Gewässern des Tiergartens die
sommerlichen Schwüle begann seine
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in allen schwärz» Wasser-
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Ende.
hatte er sich vor ihm wie sich schaukelt.
Mit der
DEGEA-SDARGLUH KÖRPER
VEDBüRGEN LAUT WISSENSCHAFTLICHER FESTSTELLUNG EIME GASEFlSPADNlS
Sie las uird Brust.
Es lautete:
„Wahnsried
..Hm," sich um in
Halbwegs anzukleiden, dann wurde ihm schwarz Vor den Augen, und er tonnte sich gerade noch an der Lehne seines Bettes halten.
Lene besann sich nicht lange. Entschlossen sprang sie hinzu, stützte ihn mit ihrer Kraft, führte ihn, bis er auf dein Sofa lag, angetan mit seinem Reiseanzug, fahle Blässe auf den knochigen Wangen, aus der Stirn, die viel höher,
23. Sept. Immer noch nicht ist die Ernte unter Dach und Fach. Hier und da sieht man noch Sommerweizen aus dem Halm stehen und auch die Zahl der Fruchthaufen ist noch sehr grob. Besonders die Güter sind mit der Ernteeinbringung noch sehr zurück. Schlechtes Wetter, aber auch Arbeiterinangel sind die Ursache. Auch die Grummeternte geht nicht vonstatten. Schon 14 Tage liegt das Grummetgras, hat eine üble Farbe angenommen und sehr an Nährwert verloren. Die schlechte Witterung nutzt der Bauersmann zum Honiglochen aus. Aus allen Dörfern strömt der Geruch der dampfenden Latwerge. Alle Töpfe schicken nicht zum Einfüllen der „Butter des armen Mannes". Alle einschlägigen Geschäfte sind ausverkauft, denn einen Zwetschensegen hat das Jahr 1922 gebracht, wie lange Zeit nicht. Ueberreich ist auch die D i r n e n e r n t e ausgefallen. Tägl'ch werden auf einzelnen Stationen Bahnwagen voll verladen. Der Zentner gepflückte Ehbirnen, z. B. Gute Luise oder Diehls Butterbirne, wird dem *Er- zeuger mit 400 Mk. bezahlt, während der Ber° braucher in der Stadt 16 Mk. für das Pfund zahlen muh. Man kann leicht erraten, wo der fast mühelose hohe Gewinn emgeheirnst wird. Bereits werden vereinzelt Herbstkartoffeln ausgemacht. Allgemein klagt man über den groben Schmutz, der ihnen anhafteL Auch sinder man in schweren Böden viele faule und angef aulte Kartoffeln.
darauf ankommen!"
Roch einen langen Blick tat er auf die abgehärmten Züge des Mädchens, zog seinen Hut und ging.
Der Juni prangte in grüngoldener Fülle über den Gärten Berlins, durch die offenen Fenster wallte heiher Lindenduft, im Westen stand ein ewiges Gewitter, aber es war nur die blauschwarze Linie des Grünewalds, die sich unter dem Himmel dahinzog, bis sie sich auflöste in weiblichten Formen.
Heinz liebte es, wenn sein Ruhebett an das geöffnete Fenster geschoben wurde, und er dann aus seiner luftigen Höhe über die flimmernden Dächer der Rachbarhäuser unb ihre bunten Balkons blicken konnte. Das waren oft ganz phantastische Dinge, die er da zu sehen bekam, aber am liebsten verträumte er sich doch in jene gewitterblauen Waldformen hinein.
„Beinahe wie daheim." sagte er.
Aber da rannte die Lene hinaus, warf sich drauhen in der Küche auf einen der alten, abgenutzten Stühle, schlug ihre schwarzseidene Schürze vors Gesicht und schluchzte herzbrechend.
Baalstompel
von Margarete v. Oertzen» F ü n f g e l d.
(Schluh.)
machte der Doktor mitleidig und sah dem finstern Flur. „So lassen Sie es
Landwirtschaft.
bs. Aus der mittleren Wett
Vermischtes.
Schmuck im Werte von einer Milliarde gestohlen.
Berlin 23. Sept. Heute vormittag erbeuteten Einbrecher bei der Witwe eines Diplomaten in der Landshuter Straße m Berlin Schmuck, Juwelen, Gold- unb Silbersachen im Werte von etwa einerMilliarde. Der Einbruch war während eines Spazierganges der Dame ausgeführt worden. Gestohlen wurde u. a. ein Goldschmuck, den die Dame vor vielen Jahren vom Sultan von Sansibar geschenkt erhielt Der Schmuck, der einen Goldgehalt von etwa 2 Pfund hat, besteht aus einer schweren Kette, einem Diadem und sechs Armbändern, sowie' zwei silbernen schwere:! Fubringen. Weiter erbeuteten die Diebe Radeln, Ketten, Ringe, 17 Orden, silberne Leuchter, Decher und eine Kette aus Porzellanperlen, die 5000 Jahre alt sind und aus ägyptischen Ausgrabungen stammen, und andere Kostbarkeiten. Aus die Ergreifung der Täter und die Wiederherbeischaffung der Sachen ist eine Belohnung von 10 Prozent ausgesetzt.
Der Marienburger Mord ein Gattemnord':
Berlin, 23. Sept. Anschliebend an die Strabendemonstration nach der Ermordung Ra» thenaus war in der Rächt zum 11. Juli bte <5rau des Schriftleiters der „Marienburger Ztg. , Dr. Reis angeblich am Fenster ihrer Wohnung in Marienburg erschossen worden. Der Bedacht richtete sich zunächst auf demonstrierende Eisenbahner. Dem „D. T." zufolge wurde jetzt der Gatte der Ermordeten unter dem Der- dacht des Mordes verhaftet
* Erledigte Lehrer stellen. Erledigt eine Lehrerstelle für einen katholischen Lehrer .... der Volksschule zu Weiskirchen IKrers Ossenbachl, Dienstwohnung ist nicht vorhanden: zwei Lehrerstellen für evangelische Lehrer an der Volksschule in E b e r st a d t (Kreis Darmstadt).
Vögel ängstlich zu kreisen begannen
Von den Häusermauern brannte vergangener Sonn ng ast, unb dort, wo die Strahmlinien zusammenliefen in einen einzigen Punkt, hing ein häs-licher, rötlicher Stickdunst von Schwüle unb Staub. ,
„Ans Fenster!" befahl Heinz.
Ein wcihgsiihender Ring bezeichnete die Stelle, wo die Sonne hinter dem blauen Gewölk stand.
..Wenn es doch nur endlich endlich los- brechen wollte!" sagte Heinz.
„Weib Gott, ja!“ antwortete Lene gedruckt.
Durch das Fenster strich ein unruhiges Wehen, strich über ein Zeitungsblatt auf dem Tisch, wendete es um, beugte ein paar langstielige Blumen im Grase, raunte in den Spitzen- säumen der Vorhänge — geheimes Geben, von dem man nicht wusste, von wannen es kam, noch wohin es entschwand.
llnö aus dem Wehen wurde ein wuchtiges Fegen, ein Sturm — eine Minute lang war die ganze Strahe bis hoch hinauf zu den Dachfirsten eine einzige Staubwolke — dann stürzten die Wolken am Himmel krachend zusammen, und em blauzuckender Schein warf Dinge und Menschen, Häuser und Bäume in grellen Silhouetten an bte Wolkenwand. ,
In den Geschäften drehte man das elektrische Licht an.
Reifeunruhe.
Eines Tages befahl er Lene, alle seine Koffer herbeizuschaffen, den groben Aheaterkorb den Rohrplattenkoffer unb die gelbledernen Reisetaschen. In diesen Dingen hatte er immer einen gewissen Luxus getrieben.
„Wir reisen nächste Woche," sagte er fest, „unb diesmal bleibt es dabei! In anderer Luft werde ich schon gesund!"
Die Lene hob die Augen gen Himmel. Aber sie widersprach nicht unb gehorchte.
Vom Bett aus leitete er das Packen.
„Mädel, hast du noch nie einen Frack zusammengelegt?"
„Rein, noch nie." sagte sie geduldig, und er
gröber schien als sonst.
Er lag unb wandte sein Gesicht Fenster zu.
„Wir reifen boch übermorgen, war erstes Wort.
Doch Heinz war glücklich. So stiNzufrieben " noch nie gefühlt. Die Zukunft lag ein See, auf dem das Sonnengold
erhielt — bis es gleich siedendem Blei kochte und über den
derartige Frachtvergünstigung, die als Rotstands- mahnahme anzusehen ist, nicht zu rechtfertigen.
Zur Bekämpfung des Bargeldmangels.
Wie die „Voffische Zeitung" erfährt, wirb in den nächsten Tagen ein Hilfs- hunbertmarkschein he au gebrat>t werd n. Zur Bekämpfung bev Bargeb.iol sol.en Druckereien in einer ganzen Anzahl von Provinz- ftäbten zum Rotendruck heixmgezcgen werden. In den nächsten Tagen werde es mögliche fein, täglich 8 Milliarden Papiergeld in den Verkehr zu bringen. Im Laufe des Monats Oktober ertoariet man einen groben Rückstrom von Bargeld in die Kassen der Reichsbank.
Aus Stabt unb Land.
Dieben, den 25. Sept. 1922.
Die Kinos in Heften am 1. Juli 1922.
Das soeben erschienene August-Heft der „Mitteilungen der hessischen Zentralstelle für die Landesstatistik." veröffentlicht interessante Angaben über die Lichtspielbetriebe in Hessen am 1. Juli 1 922. Es handelt sich habet um eine erstmalige Veröffentlichung. Danach betragt die Zahl der am 1. Juli gezählten Licht- spiäbetriebe 91. Hiervon entfallen auf Oberst e f f c n 17, unb bavon 3 auf Gießen, 2 auf Butzbach unb je 1 auf Alsfeld, Büdingen, Ribda, Ortenberg Bad-Rauheim, Friedberg. Grob-Karben, Ober-Rohbach, Vilbel, Lauterbach, Schlitz und Schotten.
Mit 7 täglich spielenden Kinos steht Mainz an der Spitze aller hessischen Kinoorte, ihm folgt Offenbach mit 6 Lichtspielhäusern, bann rAht sich Darmst adt mit 4 derartigen betrieben an, mit 3 Filmtheatern bildet Dieben den Schluß der groben hessischen Städte mit Kinvbetrieben. Die übrigen Betriebe dieser Art verteilen sich auf die verschiedensten Plätze bis in die Dörfer hinein.
Von besonderem Interesse ist die amtliche Ermittelung über die Gründungsjahre der einzelnen Betriebe. Man ersieht daraus, daß die Rachkriegsjahre eine bislang nie da- gewesene Hochkonjunktur i n Kinogrün- düngen brachten. Er wurden Lichtspielbetriebe gegründet: 1907: 2, 1908: 3, 1909: 1. 1910: 2, 1911: 2, 1912: 11, 1913: 4, 1914: 3, 1915: 2. 1916: —, 1917: —, 1918: 5, 1919: 20, 1920: 16. 1921: 15, 1922 (bis 1. Juli): 5. Wenn man bedenkt, dab viele Leute, die vor dem Kriege von dem Kino nichts wissen wollten, brauben in Feindesland in den Armeekinos Gefallen an dem Flimmertheater fanden und auch heute noch zu feinen Freunden gehören, wenn man weiter berücksichtigt, dab weite Kreise des Volkes heute vom Theaterbesuch zum Kino abgewandert sind, und zwar auch aus Gründen, die finanzieller Natur find, und wenn man fchlieblich nicht vergibt, dab vor allem die geldkräftige Jugend heute stärker denn je zuvor das Hauptkontingent der Kinointeresfenten stellt, so ist die Hochkonjunktur in Kinogründungen hinreichend erklärlich.
Frachtermäßigung für Kartoffeln, Obst und Teigwaren.
Die Reichsbahn führt sofort Fr acht- ermäbigungen für Kartoffeln, Obfl und Teigwaren ein. Der Ausnahmetarif für frische Kartoffeln, der für Stückgut und Wagenladungen gilt, ermäßigt die Rormalfracht um 20 Prozent. Die am 1. Oktober eintretenb? Gütertarif erhöhung findet auf frische Kartoffeln keine Anwendung. Für frisches Obst werden die Sätze des bereits bestehenden Ausnahmetarifs dergestalt . weiter ermäßigt, daß an Stelle der Frachtberechnung der Wagenklasse A die der Klasse C, bisher B, sowie für Stückgut.eine Ermäßigung von 50 Prozent, bisher 40, eintritt. Auch für diesen neuen Ausnahmetarif bleiben die September- tarife nach dem 1. Oktober bestehen. Für Teig- waren, Rudeln, Makkaroni, kochfertige Suppen, Suppenwürfel, Fleischbrühwürfel und Suppenwürze in Wagenladungen tritt ab 1. Oktober ein Frachtnachlab von 15 Prozent der normalen Oktoberfracht ein. Die Reichsbahn hofft, diese Vergünstigungen bis 31. Dezember bestehen lassen zu können. Den Maßnahmen liegt die Voraussetzung zugrunde, daß die Tarifermäßi- gung auch tatsächlich den Verbrauchern zugute kommt und sich in den Kleinhandelspreisen der Erzeunisse bemerkbar machen wird. Andernfalls wäre eine
„Uebermorgen!“ wiederholte sie dumpf. — Schweiß stand in großen Tropen auf ihrer Stirn.
Der grelle Sonnenschein war wie aufgesogen von einer unaufhaltsam näherrückenden Macht. Aus dem Herzen des Grünewalds stieg ein Ungetüm, das dort geschlafen hatte — eine große, blaugraue Wolke, die lawinenmäbig anschwoll, ' " Zuwachs
Für eine Familienwohnung wird die Gemeine» Verwaltung sorgen, für eine weitere Wohnung kann nicht gesorgt werden.
* Die hessischen Volksschullehrer und - lehrerinnen. Rach eurer amtlichen Statistik in den Erläuterungen zum diesjährizen stessi- 6)en Staatsvoranschlag beträgt die Zahl der im Staatsdienst befindlichen hessischen Volksschullehrer und Volksschullehrerinnen zur Zeit 3710. Rach dem für die Eingruppierung Der Lehrer und Lehrerinnen in die Gruppen 7, 8 und 9 der ftaat» liten Desoldungsordnung maßgebenden Verhältnis 3 2- 1 verteilen sich die 3710 Lehrerstellen wie D[qf Gruppe 9: 618 Rektoren unb ältere Lehrer und Lehrerinnen: Gruppe 8: 1237 Lehrer und Lehrerinnen: Gruppe 7: 1855 Lehrer und Lehrerinnen Die vom Hessischen Landtag für die Besoldung der Lehrer und Lehrerinnen im Staatsvoranschlag bewilligte Summe belauft sich aus 173 018 449 Mark. Nachdem das neue hessische Dolksschulgeseh die Lehrer zu Staat, beamten gemacht hat haben die Städte und Gemeinden zu den Lehrerbesoldungen nichts mehr beantragen. Die Volksschulleistungen der Städte und Gemeinden sind nur noch sächlicher Natur.
rm. Die Einführung von Dienststempeln für Schulv o r st ä n de hat das Hessische Landesamt für das Blldungswefen durch eine Verordnung vom 20. d. M. an die Krers- und Stadtfchulämter beftimmt. Danach sind die Schulvorstände zur Führung eines Dlenststempels verpflichtet, der das Wappen des Hess. M>lls- staates mit der in deutschen Buchstaben ausgefuhr- ten Umschrift: „Volksstaat Hessen. Z^r Schu^ vorstand zu......
Stempels ist allein der Vorsitzende des Schulvorstandes oder sein Stellvertreter berechtigt. ®er Stempel ist bei Ausfertigung von Urkunden und Bescheinigungen, sowie bei der <5ranherung mit Dienstmarken zu verwenden. Die Äoften für Die Beschaffung des Stempels haben die Gemeinden zu traaen.
mußte lachen, wie so oft, wenn sie in ihrer Einfalt recht trocken daherredete.
Er konnte aber auch ganz lriddelig werden, wenn sie ungeschickt mit seinen Kriwatten. Handschuhen and ähnlichen Kleinigkeiten hantierte, in denen er doch sehr eigen war. Seine seidenen Strümpfe behandelte sie mit Respekt, aber ihre rauhgearbeiteten Finger blieben immer an der Seide hängen.
Der Schweiß brach ihm aus allen Poren, in feiner Ungeduld, zur Untätigkeit verdammt zu sein.
Kaum war der letzte Riemen zugeschnallt, da sandte Heinz die Lene Ait einem Telegramm auf das nächste Postamt:
„Frau Doktor Bode, Bayreuth. Eintreffe Montag abend. Güldewin."
Lene zitterte das Herz. Sie wagte nicht, zu widersprechen und wagte nicht, 'ihn allein zu lassen. Aber doch trotzte sie seinem Befehle nicht, denn sie fürchtete feinen Zorn.
Der älteste Junge des Hauswarts, Der ihr ja alles besorgte, konnte vielleicht —.
„Du gehst selbst!" sprach Heinz, als erriete er ihre Gedanken. „Hörst du, Gene? Selbst!"
Roch auf der Treppe blieb sie stehen, in bangen Zweifeln.
Dies Telegramm war ja ein Wahnsinn! Wenn sie es gar nicht aufgäbe?
Aber Heinz erwartete wohl eine Antwort.
Aus der Straße angelangt, merkte sie, das lüft- und wettcrgewohntc Waldkind, wie selten sie jetzt an die frische Luft kam. Ihre Füße zogen sie müde über den Asphalt, aus Dem elegante Damen in Stöckelschuhen ihr entgegentrippelten, und ihr Kopf schwindelte unter der erbarmungslosen Lichtfülle eines Iulimittags, die kein grüner Schatten dämpfte. Alles war grell auf grell gestimmt
Als das Telegramm endgültig auf gegeben war, befiel sie eine furchtbare, herzbeklemmende Angst.
Sie stürzte ihren Weg zurück, in ihrem Provinzfähnchen, in ihrem Hut, den Heinz für ein Muster der Geschmacklosigkeit erklärt hatte. Und Dann die vier Treppen hinauf, die so fein mit blauen Samtläufern belegt waren, bis auf die letzte, und die doch so grausam hohe Stufen hatten, so grausam viele Stufen!
Sie stieß die Tür auf. Und alles, was sie mit verhundertfachten Sinnen der Horge geahnt hatte, war ein getroffen: Heinz halte versucht, aufzustehen: es war ihm noch gelungen, sich
das ehemalige „Posthäuschen", wo die landwirt- schastl. Winterschule untergebracht ist und bis zur Fertigstellung des Reubaues die staatlich: Försterschule. Zwei weitere bekannte Gasthäuser dienen nicht meHc ihrem ursprünglichen Zwecke. Die ehemalige Hofmannsche „Traube", ein auch in Wanderkreisen sehr bekanntes und geschätztes Gasthaus, ist vollständig für Wohnzwecke eingerichtet worden. Vor einem halben Jahre ging das rühmlichst bekannte Gasthaus „Zur Post" in den Besitz der Mitteldeutschen Kreditbank über, die seit dem 1. September nach umfangreichen Umbauten Darin ihre Geschäftsräume und Wohnungen für zwei Beamte untergebracht hat. Der Wohnungsmangel hat jetzt dazu geführt, daß ein Amt aufgehoben wurde, das Kreisvermessungs- amt, dessen Arbeitsgebiet verschiedenen anderen Bezirken zu gew iese n worden ist. Nachdem e $ zuerst in einem staatlichen Gebäude, dann in einem städtischen Hause seine Diensträume hatte, war es zuletzt in einem Privalhause untergebracht, dessen Besitzer vor kurzem Die Wohnung gekündigt hat, weil er sie zu geschäftlichen Zwecken verwenden muh. Bei Aufhebung des Kreisvermefsungsamtes und der Wegzug von fünf Beamten aus anderen wirtschaftlichen Erwägungen, ist sehr zu bedauern. Es Dürfte der Bürgermeisterei kaum nachträglich gelingen, Die bereits verfügte Aufhebung des Amtes rückgängig zu machen.
a. Ober-Lais, 23.. Sept. Die Sammlung für die Altershilfe ergab in den beiden Gemeinden unseres Kirchspiels, in Ober-Lais und Glashütten, den sehr ansehnlichen Betrag von rund 10 000 Mark. Die Summe verteilt sich fast gleichmäßig auf beide Gemeinden.
Droben, im fünften Stock, saßen die beiden Menschen, Heinz und Lene, wartend beisammen.
Sie sahen den Westen langsam sich erhellen und aus dem blitzgelb umsäumten, krausen Wol- fenranb einem bewimpelten Schiffe gleich den roten Sonnenball gleiten.
Eine köstliche Frische strömte aus rauschenden Baumkronen über Die erschlaffte Welt, Der Regen siel in schweren, satten Tropfen auf die steinerne Brüstung des kleinen Balkons.
Heinz faßte Lenes Hand.
„Du! Weißt da, was die Frau Doktor faaie? Meine Heimat hätte ich in dir verkannt! Und meine Heimat hat mich nicht verlassen, sie ist zu mir gekommen und hat alles verziehen. Du bist so gut, Lene!" '
Immer wieder das Wort! Lene lächelte schwach, aber mit klopfendem Herzen.
Immer mehr goldene Mauern, goldene Zinnen bauten sich auf aus dem fließenden Wolkenmeer. Dächer von Kristall und Karfunkel.
Güldewins Auge wurde starr, und plötzlich reckte er eine magere Hand und reckte sie nach der Sonne, die nun aus den sammetschwarzen Spitzen der Grunewaldkiesern ruhte:
War ich denn blind bis heute? Sieh, Kind! Das' ist ja nicht der . . . Baalstempel ... das ist" . . .
Er rang mit einem Keuchen, das fast wie ein Jauchzen klang, nach dem armen Rest Menschew- odem.
„Das ist der Gral" . . -
Sie fühlte sich umklammert, so daß sie wankte. In unsagbarem Schauer folgte sie seinen Blicken.
Da zerstoben die güldenen Mauern, die das Heiligtum bargen.
Heinz fiel sanft aus Lenes Armen zurück auf das alte verblichene Sofa der fremden Mietwohnung.
Es war Rächt geworden. Die Sonne fort.
Und langsam — langsam — zum letztenmal — rollte der dunlle Borhcmg hernieder über Heinz Güldewin.
Die elektrische Glocke schrillte.
„Depesche!"
Lene las mit erloschenen Augen. Gerichtet war sie an Herrn Heinz Güldewin, Wilhelmsaue, Berlin- Friedenau.
** Amtliche Personalnachrichten. Ernannt wurden am 15. September die Kriminalwachtmeister Heinrich Ren n stiel aus Gehaus (Kreis Eisenach), Georg Stock aus Landenhausen (Kreis Lauterbach), Philipp T rumpsheller aus Weiten-Gesäh (Kreis Erbach): Die Polizeiwachtmeister Heinrich Winter aus Oberseemen (Kreis Schotten), Ludwig Weih aus Büttelborn (Kreis Groß-Gerau) zu Polizeioberwachtmeistern: PH. Roßmann aus Ernsthofen i. O. zum Kriminalwachtmeister: sämtliche mit Wirkung vom 1. Oktober 1922. — Ernannt wurden am 16. September Der Landgerichtsrat bei dem Landgericht der Provinz Starkenburg Hermann Müller zum Amtsgerichtsrat bei dem Amtsgericht Darmstadt II und Der Amtsgerichtsrat bei dem Amtsgericht Darmstadt II Dr. Wilhelm Conzen zum Landgerichtsrat bei dem Landgericht der Provinz Starkenburg, beide mit Wirkung vom 20. September 1922. — Durch Entschließung des Ministeriums des Innern vom 19. September 1922 wurde Der Gerichtsassessor Dr. Wilhelm R e e b zu Friedberg zum Regierungsassessor ernannt. — In den Ruhestand verseht wurde am 15. September der Gendarmeriekommissar Friedrich Lehrhard in Oppenheim auf sein Rachsuchen unter Anerkennung seiner dem Staat geleisteten Dienste mit Wiickung vom 1. Oktober 1922 an.
** Von Der P o st. Vom 1. Oktober ab wird Der Höchstbetrag für Wertpakete, die ohne Siegelverschluh verschickt werden können, von 500 aus 1000 Mk. erhöht: ferner werden die Höchstbeträge für Postausträge zur Geldein- ziehung, Postprotcstaufträge und Rachnahme- sendungen von 5000 Mk. auf 30 000 Mk., für Postkreditbriefe von 10 000 auf 50 000 Mi. und Der Betrag Der an einem Sage auf Postkredit- briese abgehoben werden kann, von 3000 Mk aus 10000 Mk. heraufgesetzt.
Kreis Schotte«.
* Schotten, 23. Sept. Die Versteigerung der städtischen Obsternte erbrachte der Stadtkasse einen Erlös von 30 000 Mark. Obwohl man die Händler von der Versteigerung ausgeschlossen hatte, wurden Die Preise von Den übereifrigen Käufern ziemlich in die Höhe getrieben. Diese unsinnig: Preistreiberei ist sckhr bedauerlich.
X. Schotten, 23. Sept. Qlud) in unserer Stadt Herrscht starke Wohnungsnot. Die private Bautätigkeit ruHt infolge Der teueren Bau- preise fast ganz. Die Stadt bat verschiedene Maßnahmen zur Linderung Der Wohnungsnot getroffen. Außer dem Hause mit 2 Wohnungen für Gendarmeriewachtmeister, das feit einiger Zeit bezogen ist, hat die Stadtverwaltung Den Bau eines Hauses in Der Lohgasse in die Wege geleitet. Vorher hat sie das früher im Besitze Der Familie von GünterrvDe befindliche Anwesen in Der Alteburg zu Wo'hnungszwecken getauft, ferner


