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Nr. 72
Der Otetzener »nzelaer erscheint täglich, außer Sonn- und Feiertags. Monattichevezvgrpreise: MK 11.50 «mschl Träger, lohn, durch die Post MK 14 - einschl. Bestell, geld, auch bei Nichkerschei- nen einzelner Nummern infolge höherer Gewalt. Fernsprech-Anschlüsse: für bieSd)r!ftleitung 112; für Druckerei, Verlag und Geichäftsstelle 51. Anschrift für Drohrnach. richten Anzeiger Lietzen.
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Erster Blatt
172. Jahrgang
Samstag, 25. März 1922
GichenerAnzeiger
General-Anzeiger für Gberhefsen .
Druck und Verlag: vrühl'fche Univ.-Vnch- und Steindruckerei R. Lange. Zchristleituna, Geschäftsstelle und Druckerei: Schnlstrahe 7.
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Wochenrückolick.
Der ReparationSausschuß diktiert uns die Zahlungspflicht für das Jahr 1922: insgesamt 720 Millionen in Gold und 1450 Millionen in Sachlieferungen. Das Londoner Ultimatum vorn Mai vorigen Jahres forderte 37$ Goldmilliarden. Wenn man den Vergleich, die uns gewährte Minderung, errechnet — es handelt sich aber nur um eine Stundung, da wir später den Restbetrag mit Zinsen zurückzahlen sollen — so kommt das neue Diktat des ReparativnSauSschusseS auf 2,17 Gvldmilliarden. Herr Rathenau hatte in seiner Rote vom 28. Januar Leistungen Deutschlands in Gold und Waren tatsächlich in einer solchen Höhe angeboten, wie sie die ReparativnSkommission jetzt festgesetzt hat. Dieses Stück Erfüllungspolitik will die „Frankfurter Zeitung" — die von einem „deutschen" Angebot, nicht demjenigen Rathenaus spricht — gewissermaßen heilig halten. Wir sollten uns über diesen Punkt der Pariser Entscheidung, so sagt das Blatt, nicht wundern, sollten nicht darüber klagen. Aber eS ist halt doch der Kern der ganzen Aufregung, in die wir wieder hineingekom- mrn sind. 282 Millionen Goldmark haben wir in ZehntagSraten bereits gezahlt; bleiben noch 438 zu tilgen.
DaS Empörendste an der Pariser Rote ist, das) sie der rapiden Entwertung unserer Mark kaum Beachtung schenkt. Sie spricht nur von den „Irrtümern der deutschen Finanzgebarung". Diese Finanzschuldfrage wird von der Entente ebenso gewaltmäßig und schlagfertig zu deutsche!) Lasten beantwortet wie die Kriegsschuldfrage. Warum der Dollar heute beinahe 750 Mk. gil.? — Weil t ie deutsche Regierung nicht genug Steuern eingetrieben hat! Braucht man da überhaupt noch eine Konferenz von Genua? Diese sollte doch vornehmlich die Stabilisierung der Währungen erleichtern und durchzusetzen suchen. Ratürüch hat Herr Rathenau im Januar mit sehr wenig Tim- und Boraussicht sein Angebot gemacht. Er muhte damit rechnen, das) man ihn beim Wort nehmen und dah die in Aussicht stehende fürchterliche Verschlechterung unserer Valuta alles umstvhen würde. Die Devisenbeschaffung für Reparationsleistungen hat es bewirkt, dah die Rvtenpresse imm^r weiter in Lätigkeit treten muhte; das Defizit in unserer Reichswirtschaft ist ebenfalls eine Folge der ungemessenen Ententefvrderungen. And nun fordert die Reparationskommission, das Reichskabinett sollte endlich den unerfreulichen Zuständen ein Ende machen. Der Etat für die Ausführung des Friedensvertrages mit einem Defizit von 170 Milliarden beruhte auf einem Kurse von 45 Papiermark für eine Goldmark. Jetzt hat der Kurs fast das Doppelte erreicht. Die Reparationskommission hat damit überhaupt nicht gerechnet, indem sie neue deutsche Steuern in der Höhe von 60 Papiermilliarden M«»l fordert, denn auch damit wird das Defizit heute nicht mehr beseitigt. Tlnd die Mark sinkt immer tiefer! Freilich muten uns die Pariser Herrschaften eine automatische Anvassung unserer Steuern an die sinkende Valuta und die künftige Vermehrung der deutschen Schuld zu. Gut ausgedachi, aber auch der raffinierteste Erfüllungspolitiker wird hier ratlos dastehen! Bei zuneh- tnender Armut sollen immer höhere Steuern gezahlt werden.
Die HalSabschneidcrmethoden, mit denen in» der „autonomen" Wiederherstcllungskom- mrssion Poincare über Lloyd George gesiegt hat, sind aber damit noch nicht erschöpft. ES werden ganz unhaltbare Fristen diktiert mit Androhung neuer Sanktionen, und ferner soll unS eine Finanzkontrolle auferlegt werden, die unS jeder staatlichen Selbständigkeit berauben würde. Deutschland soll nicht nur in der Ausführung seiner Steuergesetzgebung „beaufsichtigt" werden, sondern den fremden Mächten sollen Maßnahmen gestattet sein, „um fest gestellte Mängel abzustel- l e n“. Das Maß unserer kulturellen Aufwendungen würde also künftig von der Entente bestimmt werden. Dies ist die unerträglichste aller aus dem Pariser Diktat hervor tretenden Anmaßungen. Tieber- all, innerhalb aller deutschen Parteien, hat sich dagegen der größte Sturm des Tln- willens gewendet. Das kann keine deutsche Regierung unterschreiben. Daneben noch eine beängstigende Musteickarte kurz befristeter Anweisungen: bis 30. April Auflegung einer inneren Anleihe, „Studium" äußerer Anleihe, im selben Zeitraum neue Maßnahmen gegen Kapitalflucht, Kontrolle der Auslandsdevisen, Kontrolle über Ausfuhr und Deviseneingang. Maßnahmen zur Rückkehr geflüchteten Kapitals und bis 31. Mai Ausführung einer Handelsstatistik nach VorkriegS- muster, die natürlich in ausgiebigem Maße jeglicher Handelsspivnage Vorschub leisten wird. DaS Gebot einer inneren Anleihe neben
der Zwangsanleihe klingt wie ein Hohn. Aber ivenn dieses gesamte Programm Ende Mai nicht zur Zufriedenheit der Pariser Zwingherren erfüllt ist, ist der Zahlungsaufschub verwirkt, und dann wird dieselbe Reparationskommission „die Verfehlungen den Mächten mitteilen und neue Maßnahmen Vorschlägen" . . .
DaS Kabinett Wirth hat, wie aus Berlin gemeldet worden ist, eine Reihe von Rückfragen nach Paris gerichtet, zu denen die in offensichtlicher Hast hingepfuschten Einzelheiten der Rote reichlich Anlaß geben; aber es wird diesen Rückfragen wohl jede ironische Schärfe fehlen, die einem wirklich zielbewußten Widerstand gegen solche Gewaltpolitik vorauSgehen könnte. Herr Wirth will u. a. sich vergewissern, ob es mit einer neuen Steuer von 60 Milliarden neben der geplanten Zwangsanleihe wirklich seine Richtigkeit hat oder ob die Zwangsanleihe durch eine laufende Steuer in dieser Höhe ersetzt werden soll. Auch über die Verrechnung der Kosten der Besatzungsarmeen stehen in der Rote des Reparationsausschusses Sätze mit zweideutigen Auslegungsmöglichkeiten, die eine Aufklärung erheischen.
Am gestrigen Freitag hat der Reichspräsident eine Kabinettssitzung abgehalten und am Montag soll noch eine Beratung mit den Ministern der deutschen Länder stattfinden. Der Ernst der Lage erfordert dies; aus der bayerischen Presse war dringend gewarnt worden, keinen neuen Ersullungsbückling zu machen, ohne daß auch die Einzelregierungen ihre Meinung ausgesprochen hätten. Rächsten Dienstag soll die Entscheidung des Reichskabinetts fallen, und der Reichskanzler wird sodann in längerer Rede vor dem Reichstag die Lage besprechen. Vielfach wird vom Ende, vom Bankerott der Erfüllungspvlitik gesprochen. Eine innerliche Wahrheit ist dies gewiß, aber offenbar und wirksam, und vor allem auch heilsam, wird sie erst, wenn nicht nur die Rechtsparteien, sondern auch die große Mehrheit des deutschen Volkes, und vielleicht auch die Männer der Regierung selber, die Erfüllung jetzt als erfüllt ansehen. Wir wollten Herrn Dr. Wirth den schweren Gang gerne erleichtern, und eS muh von neuem ausgesprochen werden, was schon früher einmal in ähnlicher Stunde gesagt worden ist: Der jetzige Reichskanzler kann seine bisherigen sehr bestrittenen angeblichen Erfolge mit einer verdienstlichen Handlung abschliehen, die dem Vaterland vielleicht eine Erlösung bringen könnte. Wenn er nämlich nicht seinen Posten einfach verläßt, sondern seiner Politik fortan diejenige Richtung gibt, die der nun offenkundig gewordenen schmählichen Vernichtungspolitik mindestens Frankreichs entspricht. Ob bei solcher Entscheidung das in Paris überstimmte, vor Genua zögernde und zweifelnde England sich nicht genötigt sehen würde, Farbe zu bekennen gegen die Methoden Pvincar^S? Eine mutig entschlossene deutsche Politik ist aber nicht mit bloßen Kraftworten einiger Vollst.ule zu machen. Das ganze Deutschland muß es sein! Das Deutschland, das auch im Osten wieder einen schmählichen Hieb erhalten hat, indem mehrere unzweifelhaft deutsche Orte an der Weichsel von der Interalliierten Grenzkommission — in der ebenso französische Politik gemacht wird wie in der Reparations- kommission — Polen zugeteilt wurden. Ostpreußen hat dadurch alle Berührung mit dem Weichselstrvm verloren; sein ihm im Versailler Vertrag zugesprvchenes Recht — ach, wie kärglich, wie kümmerlich ist dieses „Recht" — ist einfach niedergetreten worden, well Polen gegen die Ostdeutschen strategische Stützpunkte braucht! In dieser Frage sind wohl alle Deutschen einig. Run schlägt jedoch die große Stunde, kn der es um noch mehr, um unsere staatliche Selbständigkeit, geht! Die Pariser Presse leugnet die Züchtigung des deutschen Nachbars nicht; sie spricht ihre Genugtuung offen aus. Der „Petit Parisien" sagte, es sei selbstverständlich, dah alle Deutschen hart arbeiten und äußerste Entbehrungen leiden müßten und daß dem deutschen Kapital vernichtende Lasten auferlegt würden. Ist das nicht deullich? Der „Vorwärts", das Haupwrgan der deutschen Mehrheitssvzia- listen, hat auf die Rote der Reparativnskonr- mission erklärt, die Entente möge sich vorsehen, daß die deutschen Arbeitermassen nicht endgültig den Glauben an eine friedliche Verständigung überhaupt verlören! So lange dies nur ein bloßes StimmungSwvN des „Vorwärts" bleibt, ist im deutschen Interesse nicht viel damit anzufangen. Wenn aber die deutschen Arbeiter mit allen deutschen Ständen zusammen, wenn die deutschen Senter, die Städte, die Gemeinden, die Parteien, sich gemeinsam aufstellen in der bestimmten Erklärung, Fremdherrschaft nie und nimmer weiter dulden zu wollen, so wird dies in der
Welt schon eine nützliche Wirkung tun, und Herr Lloyd George, der soeben der italienischen Regierung seine 2lbreise nach Genua angekündigt hat, wird dann vielleicht besser wissen, was er zu tun hat, als er es heute weiß.
Das Finanzdiktat her Reparalionskommisfion.
Hnbinettsrat in Berlin.
Berlin, 24. März. (WTD.) Heute nachmittag hat im Reichskanzlerhaus unter dem Vorsitze des Reichspräsidenten ein Kabinettsrat stattgefunden, bei dem die durch die Roten der Reparationskommission geschaffene politische Lage zur Erörterung stand. Der Reichskanzler entwickelte in längeren Ausführungen im .Anschluß an die Verhandlungen, die heute vormittag im Reichskabinett stattgefunden haben, die Richtlinien der von der Regierung einzuschlagenden Politik. Der Reichspräsident stellte am Schluß der Ve° ratung fest, daß alle anwesenden Minister mit den vom Reichskanzler dargelegten Richtlinien einverstanden seien. Auf Grund dieser Aussprache und der in den einzelnen Ressorts der Reichsregierung noch fortzusehenden näheren Prüfung der DJoten der Reparationskommission wird der Reichskanzler am Dienstag im Reichstag den Standpunkt der Regierung darlegen, nachdem die für Montag nach Berlin geladenen Minister- präsidenken der Länder Gelegenheit gesunden haben, sich zur politischen Lage zu äußern.
Besorgnisse in London.
Pari s, 24. März. (Wolff.) "Der Londoner Krrrespondent der „Chi agv Lri'm e" schreibt, den englischen Geschäftsleuten und P o- l7i t i ke rn bereite die Forderung der 'Re« para."ionskommission un Deutschland viel Sorge. Ein h rvorragertder Beamter d-r Finanzverwalü-g erklärte den Korrespondenten gestern, er fürchte, diese Forderungen würden Deutschlands Bankerott bedeuten mit dem Ergebnis, daß keiner der deutschen Gläubiger irgend etwas erhielte. Deutschland würde die für 1922 festgesetzten Summen bezahlen und dann den Dingen ihren Lauf lassen. Trotzdem die Repara- tionssrage von der Konferenz von Genna ausdrücklich ausgeschlossen fei, erkenne man immer deutlicher, daß dort die gesamte Lage Europas in Betracht gezogen werden müs'e, und daß es unmöglich sein werde, die Erörterungen der deutschen Verbindlichkeiten und Zahlungsfähigkeit von den Verh.mdiungen auszuschlie.en.
Die deutschen S-tchliefernngen.
Paris, 24. März. (WB) Wie das „3 o u r- nal des Debats" mitteilt, ist heute vormittag die Reparationskommission zu Beratungen über verschiedene Abrnachungen betreffend die deutschen Sachlieferungen zu- sammengetreten. Sie hat das Wiesbadener Abkommen, das Demelmans-Ab'omme i und das in Anlehnung daran am 15. März in Berlin paraphierte französijch-deut'che Abkommen geprüft.
Ci» amerikanisches Mitglied der NeparatronSkomMission.
L o n d o n, 25. März. (WTB.) Das Reu- tersche Bureau meldet aus Washington vom 24. März: Im Weißen Haufe wurde erklärt, Präsident H a r d i n g erwäge die Frage, den Kongreß zu ersuchen, zur Ernennung eines amerikanischen Mitgliedes in der Reparationskommission die Ermächtigung zu erteilen. Man sei der Ansicht, dah die Führer im Senat sich einem solchen Ersuchen nicht widersetzen werden, und daß sie dem Weihen Hause gegenüber schon zum Ausdruck gebracht hätten, irgendein Weg zur Beendigung der augenblicklichen indirekten Methode und Verhandlungen mit den Alliierten werde für wünschenswert erachtet.
Tagung des Vv kerbundsrates.
Paris, 24. März. (WTD.) Der Völker- bundsrat, der heute zu einer außerordentlichen Sitzung zusammengetreten ist. hat heute nachmittag im Louxembourg-Palais seine erste Sitzung unter dem Vorsitz des belgischen Vertreters Hymans eröffnet. Er hat sich mit der Frage der russischen Flüchtlinge beschäftigt. Im Verlaufe der Sitzung wurde festgestellt, daß 30 000 Pfund Sterling genügen würden, um innerhalb kurzer Zeit zum Abtransport der 15 000 Flüchtlinge zu schreiten, die sich gegenwärtig ohne Existenzmittel in Konstantinopel aufhalten. Die Prüfung dieser Frage wird morgen fortgesetzt werden.
Konferenz der alliierten Außenminister.
Paris, 24. März. (WTD.) Die Minister des Aeußeren Frankreichs, Englands und Italiens sind heute nachmittag im Quai d'Orsay zusammengetreten. Am Schluß ihrer Deratungen wurde folgende Mitteilung ausgegeven: In der Vormittagssihung haben Lord Curzon. Schanzer und P o i n c a r e das Studium der finanziellen Maßnahmen begonnen und haben die Sachverständigen beauftragt, einige besondere Punkte klarzulegen Am nachmittag haben die drei Minister des Aeußeren lange die Frage bezüglich Thraziens und der Meerengen geprüft. Sic: haben die militärischen Sachverständigen ange- i hört, denen sie die endgültige Prüfung einiger militärischen Punkte dieser Angelegenheit übertragen haben. Das Studium dieser Frage wird! in der morgigen Sitzung fortgesetzt werden. •
Anerkennung der amerikanischen Ansprüche in London
Paris, 24. März. (Wolfs) Die .Chicago Tribüne" meldet aus Washington: England soll sich bereits dahin entschieden haben, daß der Anspruch der Vereinigten Staaten auf 241 Millionen Dollar fürDesetzungskosten anerkannt und die Vereinigten Staaten bei der Bezahlung den übrigen Desetzungsmächten gleichgestellt werden müßten.
Ratifaktion des Vier-Machtc-
Abkommens in Washington.
Washington, 24. März. (WTD.) Der Senat hat das D ier-M ä ch t e-Abkv mmen mit 67 gegen 27 Stimmen ratifiziert.
Die Not der deutschen Presse,
Eine Erklärung
des Reichswirtschaftsministeriums.
Berlin, 24. März. (WTB.) Auf die demokratische Anfrage über die Rot im Zeitungsgewerbe wurde heute im Reichstag eine Erklärung des Reichs- wirtschaftSministeriums abgegeben, in welcher es heißt: Die Schwierigkeiten, durch welche die Tageszeitungen und die Fachpresse schwer bedroht werden, beruhen im wesentlichen auf der infolge der Geldentwertung ungünstigen allgemeinen Entwickelung der wirtschaftlichen Verhältnisse, der Steigerung der Preise für Papierholz, Halbstoffe und Hilfs- stvffe zur Erzeugung, den Löhnen, Gehältern und anderen porduktionSverteuernden Tlmstän- den. Daraus ergibt sich, daß alle behördlichen Maßnahmen zur Senkung des Preises, wie die Sperre der Zellstoffausfuhr, die scharfe Drosselung der Ausfuhr von Druckpapier, die Prüfung der Gestehungskosten und die Verhandlungen mit den Interessenten nur einen bedingten Erfolg haben konnten. Entscheidend bleibt die hohe PreiSlagefür Papierholz. Welche Maßnahmen bei der gegenwärtigen Lage durchführbar erscheinen, wird die Reichsregierung im Einvernehmen mit dem interfraktionellen Ausschuß des Reichstags und dem ReichSrat beschleunigtentscheiden.
Aus dem Reiche.
ReichSratsbeschlüsse.
Berlin, 24. März. (Wolff.) Im weiteren Verlaufe seiner gestrigen Sitzung hat der R e i ch S- rat den Entwurf der Reichshaushaltsordnung (Tomptabilitätsgesetz) tau Verteilung von 600 Millionen Mark Entschädigung der Gemeinden für den durch Wegfall der Dest-uerung des Mindesteinkommens erlittenen Ausfalls an- genommen. Es wurde beschlossen, die Devölke- rungszahl der Länder als Maßstab festzusetzen. Cs handelt sich qur um die Oberverteilung an dre Länder, die danG die Tlnterverteilung an bte Gemeinde^ vornehmen werden. Ein Gesetzentwurf zur Anpassung des Strafgesetzbuches an die Verfassung sieht den Schuh des Reichspräsi' d e n t e n, der an der Gesetzgebung beteiligten Körperschaften, des Reichsrats, des Reichswirtschaftsrates, der Reichsregierung, der Regierungen bei ßänber, ferner den Schuh der Mitglieder der Regierungen von Reich und Ländern bei der Vornahme von Regierungshandlungen sowie ter Staatsform und der Farben von Reich und Ländern gegen Beschimpfungen vor. Von der beantragten ImmunitätderStaatsratsmit- glieber ist Abstand genommen worden, ebenso von der Ausdehnung des Schuhes auf die Staatspräsidenten ter Länder. Ein Antrag Preußens will Bestrafung für die Wegnahme und Zerstörung jeder Fahne in den Farben des Reiches oder eines deutschen Landes, nicht bloß der Flagge einer zur Flaggenführung befugten Person. Unter Ablehnung aller übrigen Anträge wurde die Vorlage mit dem Anträge Preußens angenommen
Das Siedlungsgefeh vor dem preußischen Staatsrat.
Berlin, 24. März. (WTD.) Der p r e u h i> sche Staatsrat hat den Gesetzentwurf bett die Genehmigung der Siedlungen nach § 1 des Reichssiedlungsgesehes nach den Ausschutzanträgen anaenommen. Ein Regierungsver- tretec erklärte, daß zur Siedlung Staatsdomänen, Moor, Oedland, Grvhgrundbesih von Kriegsgewinnlern, schlecht bewirtschaftete Güter und Latifundien zur Verfügung ständen. Niemand denke an eine Zerschlagung wertvoller Betriebe. Im Westen komme nur Oed land in Frage.
Hessischer Landtag.
6. Sitzung.
St. Darmstadt, 24. März.
Am Regierungstisch: Staatspräsident Tllrich, Arbeitsministec Raab und R gierungcEommiffarc.
Präsident Adelung eröffnet die Sitzung um 3741O Tlhr. Vor Eintritt in die Tagesordnung erhält das Wort zu einer
kleine Anfrage
der Abg. Kiel (T1SP.). Er fragt, was zu der Entlassung des Lehrers Hillebrandt aus ter Landesirrenanstalt geschehen ist, der nach dem Gutachten der Psychiatrischen Klinik in Marburg nichts im Wege steht.
Oberrnedizinalrat Dr. Balser: Das Gutachten ter Marburger Klinik ist uns zugegangen, es beurteilt die Krankheit Hillebrandts genau wie wir und hält H. nicht für unbedingt gemeingefährlich. Wir haben darum heute H. versuche


