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von Oesterreich, um den Preutzenkön.g: dort um eine der unerkannten Schönheiten des Kongresses Ueppig gekleidete Diener in grober ®ala, gut gespulte Kosaken in Uniform, kaukasische Lakaien schritten auf leisen Sohlen geräuschlos von Gruppe zu Gruppe, boten Erfrischungen an. Champagner, Sorbet, eisgekühlte Früchte, Konfitüren aller Art. Der Raum war aber von so ungeheuerlichen Abmessungen, Mb auch die größte Gesellschaft ihn nicht füllte. Graf Martinez fand schnell eine kleine Laub-, dicht von Hecken umgeben.

Hier, Baronesse! Run ruhen Tie erst . .

es war so unheimlich heib im Tanzsaal, dab ich mich um Sie zu sorgen begann . . . dann gestalten Sie mir, zu sprechen .ach. ich hätte Ihnen ja so viel, so unendlich viel zu sagen . .

ich glaube, nie könnte ich damit fertig werden

Wie das Herz klopfte und pochte . . .

Er winkte einen Kosaken heran, lieb ihr eine Schale Sorbet reichen. Sie schlürfte die kalte Speise mit 'Segler; sie war am Verschmachten. Es war wirklich sehr heib. glühend heiß im Sanz­saal gewesen. Auch bis hierher schlugen die Hitze­wellen, trotzdem einige mächtige Fontänen bis zur Decke sprühten.

Ganz still fab sie. das Gesicht gesenkt, mit verschränkten Händen. Schwer und hastend za- glcictz ging ihr Atem. Einmal dachte sie:Mutzt ich nicht glücklich sein und mich freien? %£ «5 nicht unrecht, Mb ich mich sorge? Hab' ich ihn denn nick' lieb lieb über alles in der Welt? Warum diese verzehrende Angst vor etwas Kom­mendem?" , r

(Fortsetzung folgt!

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Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)

Zweites Blatt

Nr. 21

Mittwoch, 25. Zunnar 1922

(Rachdruck verboten.)

12. Fortsetzung.

Die Blüchermchten.

Roman von HannSvonZvbeltitz.

Wertung notwendig gewordenen Erhöhung der Umlage bezahlen im Jahre 1921 54 Proz. der Verbandsangehörigen nicht mehr wie rund 18 Mk. und einschließlich der Aufwendungen für die Schweizer Schuld nicht mehr wie 37,50 Mk.

Zum Vergleich dafür wollen wir aber an­führen, Lab z. V. heute ein Buchdruckergehilfe an Jahresbeitrag für seine Organisation von nicht weniger wie 480 Mark bezahlt, der Landarbeiter von mindestens 200 Mark. Hierbei muß allerdings berücksichtigt werden, daß der Landwirt mit Staats- und Gemeindesteuern mehr belastet ist, wie die genannten Verufsgruppen. Diese Zahlen sollen vorerst genügen, um der Oeffenttichkeit einmal ein wirkliches Bild davon zu geben, welche Beiträge die hessischen Landwirte zu ihrer Berufsorganisation leisten.

So wirkt die vom Verfasser bekämpfte Not­verordnung über das unbeschränkte Umlagerecht für die Landwirtschaftskammer, ohne die es der Landwirtschaftskammer nicht möglich wäre, eine Kapitalaufnahme vorzunehmen.

20. Wenn der Verfasser die Vorlage der Re­gierung, die RotverorDnung. als unannehmbar bezeichnet, dann ist dies wiederum ein Beweis dafür, daß der Verfasser die Verhältnisse nicht kennt, datz er nicht weih, aus welchem Gedanken- gang heraus diese Verordnung erschienen ist. An 'anderer Stelle haben wir bereits darauf hin- gewiesen, datz die Erhöhung der Umlage der Landwirtschaftskammer für technische Maßnahmen und Verwaltungszwecke auch nicht annähernd der Geldentwertung entsprechend erfolgt ist, und wir dürfen immer wieder auf den Preisunterschied für ein Paar Stiefel im Frieden Hinweisen gegen heute zum Beweis dafür, daß eine Erhöhung der Umlage der Landwirtschaftskammer ebenso wie auch bei allen anderen Organisationen, eintreten mutz. , , , . ,

Die vorstehenden Zahlen haben aber bewiesen, wie wenig die grobe Mehrheit der hessischen Land­wirte durch die Umlagen der Landwirtschafts­kammer belastet werden, und zwar einschließlich der Aufbringung für die Schweizer Schuld, sofern diese restlos durch Umlage zu decken wäre. Die von der Regierung aber dem Landtag vorgelegte Verordnung ist eine unbedingte Rotwendigkeit, um die hessischen Landwirte noch vor weiteren Schä­digungen zu bewahren, die entstehen können, wenn der Landwirtschaftskammer das unbeschränkte Um- lagerechl nicht verliehen wird. Der Geldgeber wird, besonders dann, wenn er sein Geld mündelsicher anzulegen verpflichtet ist, eine ausreichende Sicher­heit für die Bereitstellung der Mittel verlangen Dah die Landwirtschaftskammer diese Mittel auf dem billigsten Wege beschaffen muß 'st selbst­verständlich. Sie muh auch die Mittel aus Grün­den der Solidität und d?r Zinsenersparung in Form langfristiger Darlehen zu erhalten suchen. Zu diesem Zweck dient das unbeschränkte Umlage­recht Die Abtragung der so aufgenommenen Mit­tel ist eine Sache für sich und erfolgt entweder auf dem Wege der Umlage nach und nach ober, wie es beabsichtigt ist, durch, von der Reichöregie- rung unterstützte geschäftliche Mahnahmen in Ver­bindung mit anderen Säubern.

Wer also gegen diese Verordnung der Re­gierung Sturm läuft, schädigt die Interessen der hessischen Landwirte ______

Kirche und Schule.

* Zwecks Aufstellung einer Au­to ä r t e r l i st e der technischen Lehrerin­nen ergeht an die bis jetzt noch nicht zur Ver­wendung gekommenen Anwärterinnen, die sich für Schule und Fortbildungsschule zur Verfügung stellen wollen, die Qlufforberung, entsprechende Gesuche bis spätestens l.März d. I. bei dem Landesamt für das Dildungswesen einzureichen In Betracht kommen in erster Linie Anwärterin­nen, die mindestens zwei Prüfungen (für Hand­arbeit und Hauswirtschaft) abgelegt haben. Den Gesuchen sind Zeugnisabschriften und Lebenslauf beizusügen. Frühere Meldungen sind zu erneuern.

x Wieseck, 24. Ian. Mit den beiden Auf­führungen des MärchenspielsWeihnachts- Schneeflocken" von Ilse Posseldt am Samstag und Sonntag zeigte unsere Kinderkirche den zahlreich Erschienenen, wie sleihig sie unter der Leitung ihrer Helferin seit Wochen geübt. Was Frau Auguste Burk in Reigen und Bildern, zum Teil felbstschöpferisch, den Kindern gelehrt, konnte sich sehen lassen, und man konnte an diesen lebendigen Schneeflocken, Christkind, Engeln, Frau Holle, dem Rikolaus und den Bauersleuten und Kindern in Tracht nur seine Freude haben. Auch für die Schaffung einer schönen Szenerie hatten sich willige Hilfskräfte gefunden. Selbstlos stellte sich auch ein gutes Instrumentalquartett zur Ver­fügung in Otto Becker, den Brüdern Karl und Otto Pfeiffer und Gustav Weller. Rach Abzug der Unkosten werden dem Glockenfonds wieder einige hundert Mark zufliehen.

a Ober-Lais, 24. Ian. Aus dem Kirch spiel Ober-Lais - Glashütten berichtet die kirch­liche Statistik für 1921 folgendes: Die Zahl der evangelischen Trauungen betrug 16, die der Getauften 31. Konfirmiert wurden 23 Kinder, verstorben sind 10 Gemeindeglieder. Die all­gemein erhobenen Kirchenkollekten (in diesem Jahre 16) betrugen 1394 Mark. Die Gesamtsumme der milden Gaben an Vereine und Anstalten evan­gelisch-christlicher Liebestätigkeit ergab 1354 Mk. An Opfern und Gaben für örtliche kirchlich: Zwecke gingen ein 1150 Mk. Somit betrug dic Gesamtsumme aller Gaben 3898 Mk. Auf den Kops der Bevölkerung des Kirchspiels kommt da­nach der Betrag von 4 Mk.

- Ober-Widdersheim, 24. Ian Wie bereits in einer Reihe oberhessi'ch r Dernembn. so'l nad- Beschlutz des Kirchenvoräandes nach hier eine Evangelisation stattfinden. Evan- celifationsprediger Walther von.BeuerntoirD tom 30 Januar bis 5. Februar täglich abends r.8 11 br in der Kirche zu Ober-Widdersheun Cvangelisations - Dort rüge halten Außerdem werden auch Bibelstanben gehalten werden Evangelisationsprediger Walther ist ein in weiten Kreisen bekannter und beliebter Redner, der sich überall einer sehr gtoben Zu- Hörerschaft erfreut.

Gerichtssaal.

Berlin, 24. Ian. (WTD.) Der frühere Kriininalwach tmeister und jetzige Privatdetektiv Louis Hauschild ift wegen versuchter Bestechung zu 3000 Mark Geldstrafe verurteilt worden. Sr bot einem Finanzassistenten in Wilmersdorf 1000 Mk. für jede aus den Steuerakten des Staatsministers Helfferich ab- gesch riebene Seite an. _

Und nun sah Luise wieder wie eine Träu­merin, hörte nicht auf die rauschenden Fanfaren, sah nichts von dem Spitzentanz der schonest De- moiselle Rigottmi. Dachte immer an die alte vornehme Frau drüben, hinter deren Stuhl zetzt wieder, hochaufgerichtet, der Sohn starrd. Dachte mit pochendem Herzen:Ob id> if>r wohl mcht mißfallen habe? Sie war so gütig . . . Iah schvtz ihr dabei die Erinnerung an die eigene Frau Mutter durch- den Sinn. Gütig war die eigentlich nie gewesen. Ader mehr war sie immer: gut war sie. Hatte sich durchgerungen und durchg^qualt mit der Kinderschar, gesorgt für diese, tagaus, tagein, von früh bis spät. An ^harten . und einem gelegentlichen Iagdhied hatte es d nimmer gefehlt doch immer waren die zur rech­ten Stund- gekommen.Menschen hat ftt: a uns gemacht!" dachte Luise unb schloß m Dank­barkeit die Hande ineinander. ..Und wenn ich oer andern, seiner Mutter, heut' vielleich nicht gun8 mißfallen hab', so wird auch das wohl dein BUrt sein .

Am nächsten Abend also gab der Moskowiter sein Zauberfest. Am Mittag aber wurden im Goldenen Lamm" zwei wunderschöne Bukette abgegeben für Frau v. Dachroeden und tfrauletn Luise von Giese. Die zierliche Frau bekam wohl die kostbareren Blumen. Der Strautz für das Fräulein war Heiner; er war nur aus dunkelroten Bosen zusammengestellt Rosen zur Winters­zeit

Als der Wagen schon vor der Tür' hielt und der Herr StaatäminifUr, Exzellenz, etwas unge­duldig auf und abschreitend im Salon ©artete, tarn Frau von Dachroeden zu Luise hrnuber- aehusckt, begutachtete ihre Toilette, das rasa- feibene Kleid und die Flechtenfrisur höchst ernst- f-z-rfr ä£>o aus dem Rosenstrauß die schönste -Blute heraus, holte eine Brillantagraffe herbei und wollte die Rose in Luisens Kor'age befestigen. Die aber wehrte ab, immer heftiger, immer ent­schiedener. Bis Frau Dachroeden es schließlich ailfgab den Kopf schüttelte und Halo ärgerlich, bald belustigt ausrief:Mit Pernnssion, Luise Du bist wahrhaftig ein Schaf!" Worauf sie ceibc lachen mußten. So datz der Herr von Humooldt kräftig an die Türe pochte:Run aber wird's wirklich Zeit. Bedenkt, Latz wir doch nicht nach den Majestäten kommen dürfen."

Der Majestäten gab es denn freilich/ int Pa lais des Grafca Ehr ll Rasumowski di? Menge und Masse, und der sonstigen Fürstlichkeiten, Ho­heiten, Durchlauchten, Erlauchten so viel, datz von dem einzelnen kaum noch Rotiz genommen wurde. Trumps waren eigentlich nur dir schönen Frauen und schönen Mädchen, die eleganteste Toilette und die schwersten Edelsteine, die größten Perlen. Das gewaltige Treppenhaus her­auf in dem ein riesiger erzener russischer 'Adler gleichsam Wacht hielt, wallt? und wogte die farbenpräck.tige Gesellschaft bis zum ersten Stock, wo die Idealgestalt der Austria, ein Meisterwert Tvmasinis aus carrarischem Marmor gemeitzett, den Abschluß bildete. Hier öffneten sich die Prunt- aemächcr, mit orientalischer Pracht ausgOltattet. von hier gelangte man in den fast ubermach.igen Lanzsaal hier wartete Graf Martinez, um ftch

Deutscher Reichstag.

158. Sitzung, nachmittags 1 Ufcr.

-Berlin, 24. Ian. 1922.

, Das Haus beriet zunächst eine Anzahl kleine Anfragen.

Aus eine Anfrage des Abg. Bulle iDntl.) gibt ein Regierungsvertreter die Erklärung ab, datz angesichts der allgemeinen Lage und der Kohlenlieferungen an die Entente es leider nicht möglich sei, Tirol und Vorarlberg besser mit Kohlen zu versorgen. UebrigenS fehle es hier eigentlich nur an Qualitätskdhle.

Auf eine Anfrage des Abg. Dr. R o e s i ck e (Dnts.) gibt ein Regierungsvertreter Auskunft über die zu gründende grohe Gesellschaft zum Handel mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen. Alle Interessenverbände, Landwirtschaft. Konsum- vereine, Handwerk und Gewerbe würden daran beteiligt. Das Reich werde mit 25 Proz. beteiligt sein.

Sodann wird die Beratung des Reichsschul- gcsehes fortgesetzt. t ,

Abg. Kunert (11. S.) bedauert, datz nur die Geistlichkeit, nicht aber auch die Eltern- und Lehrerschaft vorher gefragt worden sind. Der Entwurf bedeute eine Auslieferung der Schule an die Kirche. Der Religionsunterricht werde den ganzen Lehrplan beherrschen. Das wäre ein Ver­brechen an dem Geiste der Kinder. Redner bean­tragt, über den Entwurf zur Tagesordnung über zugehen.

Abg. Weih (Sem.): Die gestrige Debatte hat gezeigt, wie tief leider noch immer die ken- fessione'len Gegensätze sind. Pflicht des Staates ist, die Schulerziehung nicht nur als Wächter, sondern auch als Träger zu übernehmen. Wie verträgt sich dieser Entwurf des Staatssekretärs Schulz mit de n alten BLDungsre ormer cochalz? Es wird nicht wie früher die Konfessionsschule wieder angestrebt, sondern cuch der llnlerrich'. in anderen Fächern, wie Geschichte, soll kon­fessionell beeinflußt werden. Wir wollen den Religionrunterttcht nicht beseitigen, aber es gibt crack noch andere Fächer, die geistig und sitt­lich^ bildend sind. Das Erziehungsrecht und d e Erziehung-pflicht der E.tern wollen wir nid): beeinträchtigen. Rechte und Verpflichtungen zwi­schen Staat, Kirche und Familie müficn aber genau abgetrennt werden, älnser Ziel ist die nationale Einheitsschule.

Staatsselretär Schulz: Bei diesem Gesetz, bas aus schwerer politischer Rot entstanden ist, ist in erster Linie der Politiker, nicht der Pä­dagoge der Wprtführer. Weder Lehrer noch Bischöfe lind fb:r den Entwurf'befrag! worden. Tw Regierung hat versucht einen Ausgleich zu finden. Zufrieden ist niemand. Man mag aber tic Dinge sich selbst einmal entwickeln lassen Verfassungswidrig ist der Entwurf nicht, wohl eher kann man das Weimarer Schulkompromitz verschieden ausiegen. Der Entwurf ist nicht Werl eines einzest en. Schulkonfere-zen. R.ichskabinttl und Reick r' at haben sich tage.a g mit ihn be sckättigl Trotzdem tat er mir Llnfreundttchltttten in Menge eingetragen. Aber ich werfe die Flinte nicht ins Korn.

Abg. Frau Lang-Brumannn (Banv. Bpt) tann fick von de' Gemeinicha tsicku e fein rechtes Bild machen. Di- Tatsache, öae der Ent­wurf die Bekenntnisschule hintan etzt, genügt für ihre Partei, das Gesetz abzu'.ehrew

Abg. Frau Zetkin (Komm.) hält de Vor­lage für eine faule Frucht an dem faulen Baum des Schulkompromifses. Sie rühmt das Aufblühen des Volksschu'.wefens SnwietrutzlandS und ap­pelliert an die Massen, den Kampf für das Schulideal deö Proletariats zu führen.

Staatssekretä Schulz erklärt der Entwurf sei nur eine Etappe um Rcick schu geletz. ebenso wie das G.undschu ge eh, das lammende Lehrer- bildungsgefey und die Vereinbarungen der Länder mit dem Reich über die Crziehungs» deihilfe.

Abg. 2Tolf Hoffmann i Komm. Arbeits­gemeinschaft) meint im Hinblick daraus, datz Staatssekretär Schulz sich e nen Volldar: habe abnehmen lassen, man müsse nich nur äutzcriich, sondern auch innerlich von ihm agen: Mensch, wie hast tu dir verändert! Als Redner sich gegen die christliche Ethik werd.tt. ru t Abg Lav.renz tTtschntl.): Uns wollen Sie cl"r an den La tei n:7:pfahl barg n' Dar.'.u erw-d.rt de 21b i Hoffmann: Wir hingen keinen, tote wollen ßte das Arbeiten lehren!

Damit schlief t die Debatte. Die Vorlage geht an den Bildungsausschutz. Morgen nach­mittag 1 älhr Interpellationen, kleine Vottazeit und AusschutzbWichte. Schlutz gegen 7 älhr.

von Frau v. Dachroeden die erste Quadrille, von Luise die erste Mazurka zu erbitten. Er hatte auch weiter vorgesorgt! der Herr Staatsminister mutzte lächeln: denn am den Grafen scharten sich Be­kannte und Freunde, junge Kavaliere, und be­warben sich um die übrigen L,änze. Schon klangen vom Innenraum die sützschmeichelnden Klänge der Zigeunerkaprlle, die sich'der Schlotzherr eigens für diesen Abend aus Petersburg verfchrteben hatte.

21ber die Mazurka haben Lutse ^und Graf Martinez nicht miteinander bis zum Schlutz ge­tanzt.

Sckon nach der ersten Tüinbc hielt er inne und bat: ..Baronesse, wollen Sie mir nicht ein Viertelstündchen des Plauschens schenken ?

Sic nickte stumm. Das Blut wollte ihr ichon wieder in die Wangen steigen, und das Herz pochte.

^Er führte sie in den Wintergarten, der vtel- leicht das grötzke Wunder in diesem Wunderpalast war Denn er war wirklich ein Garten, ein glas­überdeckter. ricseagrotzer ©arten mitRt.sm- palmen, mit frisch grünenden Rasenflächen, mit Bosketten und Caubengäng:n. mit Nutzenden Blumenbeeten und mit Tarashecken die sttlle ab­geschiedene Plätzchen umschlossen, recht zum Plau­dern und zum Austausch kleiner oder grotzer Geheimnisse geschaffen Geheimnisse der Po­litik, der Intrigen oder der Liebe.

Cs schien denn auch, als übe der -Mnttr- garten die grösste Anziehungskraft auf dw Gesell- fchaft aus: mehr fast als der prunk«ide Tanz­aal. stieb er all hatten sich Gruppen gcbifte. hier ehrfurchtsvoll um den Zaren, dort um den Kaiser

21. Der Aitikelschreiber wünscht, da" in Zu­kunft das Schwergewicht der landwirtschastl. Tätig­keit in die Provinzialstellen verlegt werde, um endlich dasHeine Bureau in Darmstadt zu er­reichen. Aus dem letzten Gedanken erkennt man die Absicht des Artikelschreibers, die einheitliche Zusammenfassung aller Kräfte, die einmütige Ver­tretung der Gesamtinteresseii der hessischen Land­wirtschaft sind ihm unangenehm. Er will haben, datz man wieder die einzelnen Provinzen gegen­einander ausspielt, datz es den entscheidenden Stel­len möglich ist, nach Belieben ihre Entscheidung zu treffen, d. h. entweder die Auffassung Starken­burgs. oder die Oberhessens oder Rheinhessens sich zu eigen zu machen.

Wer diesen Weg den Landwirten weist, will den Einflut' der Landwirbschaft brechen, will sie wieder zum Spielball der verschiedenen Interessen machen, der will keine einheitliche Vertretung der Interessen Der hessischen Landwirtschaft. Preutzen und andere Länder haben für viel größere Be­zirke wie Hessen, nur eine Landwirtschaftskammer, nur in Hessen will man die Zersplitterung, weil man glaubt, mit den einzelnen Provinzen Spiel­ball treiben zu können, mit der Gesamtvertretung nicht. Der gesunde Sinn unserer hessischen Land­wirte und die jetzt 15jährige Arbeit der Landwirt- schaftskammer, die den ursprünglichen Gegensatz zwischen den Provinzen überbrückt hat, wird diese schädigende Absicht zu vereiteln wissen."

Landwirtschaftskammer keinerlei Schuld trifft, was ebensowenig der Fall ist bei den anderen land­wirtschaftlichen Körperschaften. Kommunalverbän- den und Städten Deutschlands, die sich in gleicher Laye befinden, und gegen deren Valutaschulden Diejenigen unserer hessischen Landwirtschafts­kammer geringe sind. Dort kümmert sich in der Oeffentlichkeit niemand um die Valutaschulden der Genannten. Riemand wird dort so in den Kot gezogen, wie man es in Hessen gegenüber der Landwirtschaftskammer zu tun beliebt stlnd warum geschieht dies in Hessen der Landwirtschaftskammer gegenüber? Weil sie eine Entwickelung genommen hat, die manchem ein Dorn im Auge ist. Weil an ihrer Spitze Männer stehen mit Erfahrung und Tatkraft, beseelt von dem Gedanken, das Selbst- bewutztsein 6er hessischen Landwirte zu stärken und die Lan6wirtschaftskanlmer wirklich zu dem zu machen, was sie sein soll, eine Vertretung der Ge­samtinteressen der hessischen Landwirtschaft. Sie wollen die Einigkeit Der hessischen Landwirte, nicht Zwietracht zwischen grotz und klein, keine Sonder­interessen in den einzelnen Provinzen des Landes, sondern eine einmütige Stellungnahme der ge­samten hessischen Landwirtschaft.

19. Datz 6er Artikelschreiber nicht Fachkreisen entstammt ober, wenn es trotzdem der Fall sei, dah er keinen Anspruch hat, als landwirtschaft­licher Berufsgenosse angesehen zu werden, das be­weist seine in demagogischer Weise aufgemachte Zahlenberechnung über 6ie Umlagen, die ein Land- wirt ir,:t 50 Morgen Feld auf Grund der neuen Verordnung zu zahlen hat. Wer ein Gut von 50 Morgen Land mit einem Steuerwert einschlietzlich seines Betriebskapitals von 600 000 Mk. einschätzt und dabei noch zum Ausdruck bringt, dah die Bodenwerte heute noch höher und infolgedessen auch der Beitrag zur Landwirtschaftskammer für den fraglichen Zweck ein gröberer als berechnet sei, der ist weder sachverständig noch sachlich. Fünf­zig Morgerr Land sollen einen Steuerwert von 600 000 Mark haben, also für den Morgen Land einschließlich Gebäude und Betriebskapital (was wir noch annehmen wollen) nicht weniger wie 12 000 Mark. Welchen Wert haben dann erst die größeren Güter in Oberhessen, und welches Rot­opfer. das, wie heute die Zeitungen bringen, neu kommen soll, müßten alle diejenigen in Zukunft bezahlen, wenn diese Einschätzung den Tatsachen entspricht. Die hessischen Landwirte können sich, wenn sich aus der Berechnung des Artikelschrei­bers Folgen für die hessische Landwirtschaft er­geben, beim Artikelschreiber hierfür bedanken.

Wie die Belastung der hessischen Landwirt­schaft aber ausfiele, möge aus folgendem ersehen weiden

Sollte die Schuld von rund 38 Millionen Mk. allein durch Umlagen, die aber nicht gleichmäßig nach der Zahl der Verbandsangehörigen, sondern nach dem*Steuerwert des Grund und Bodens ein­schließlich Betriebskapital erhoben, gedeckt werden, und würde man ferner die Abtragung auf eine Reihe von Jahren verteilen, dann hätten für die Abtragung Der Schuld einschließlich der Verzin­sung durchschnitllich jährlich zu tragen, berechnet nach der Einschätzung für 1919. die in ihren Grund-

Die Hessische Landwirtschafts- Kammer und ihre Schulden.

(Schluß.)

17. Der Artikelschreiber behauptet, datz die Versammlungen der Kammer, also Deren Haupt­versammlung wie die ihrer Provinzialausschüsse sehr teuer feien. Die Anforderungen für die Haupt­versammlung der LanDwirtschaftskammer und ihre Ausschüsse bleiben Dieselben, ob die Geschäftsstellen groß ober klein sind, denn die Versammlungen müssen stattfinden, und von den Mitgliedern der Kammer und ihren Ausschüssen kann man nicht verlangen, baß sie ohne Vergütung der Reisekosten unb bet Tagegelder an diesen Sitzungen teil­nehmen.

18. Das für die Landwirtschaftskammer, wie für die hessische Landwirtschaft an sich bedauer­liche Ergebnis der Vieheinsuhr aus der Schweiz während des Krieges war es Wohl in erster Linie gewesen, welches dem Artikelschreiber die vielleicht schon lange gesuchte Gelegenheit gab. nun der Landwirtschaftskammer aber einmal einen ge­hörigen Tritt zu versehen. Hätte er den Mut ge­habt, seine Ausführungen, die er ohne Rennung des Ramens der Oeifentlichkeit übergeben hat. im Vortragslurs zu Gießen zu vertreten, dann hätte er auch Gelegenheit nehmen können, die Ausfüh­rungen, welche dort vom Vorsitzenden der Lan6- wirtschaftskammer über die Entstehung unb Ent­wickelung bet Schweizer Schutt) gegeben worden sind, zu hören. Cs liegt keine Veranlassung vor, auf diese Frage heute nochmals eingehend zurückzu- fommen. Man warte die Verhandlungen im Land­tag ab, soweit die gegebenen Aufklärungen nicht genügen. Rur das darf betont werden, baß ge­legentlich des Vortragskursus der Präsident des Landesemährungsarntes erklärt hat, daß die

lagen heute noch gilt: 54 Prozent aller Verbands­angehörigen: im Jahre 1921 17 Mk.. im Jahre 1922 bis 1926 12.50 Mk., vom Jahre 1927 ab 6.90 Mark; weitere 31 Prozent der Verbandsangehö­rigen würden Durchschnittlich zahlen: im Jahre 1921 44 Mk.. im Jahre 1922 bis 1926 32,50 Mk., vom Jahre 1927 ab 17,90 Mk.

Je rascher abgetragen wirb, um so geringer ist ber Aufwand». Denn je länger bic Schuld bleibt, desto mehr Zinsen erfordert sie, je rascher es mög­lich ist, nicht nur allein durch Erhebung von Um­lagen, sondern, wie es in Verbindung mit Den Reichsstellen unb den anderen beteiligten Ländern babsichtigt ist, auf andere Weife die Abtragung zu bewirken, um so verhältnismäßig geringer wer­ben die Lasten für unsere hessischen Landwirte werden.

Es darf an dieser Stelle zugleich als Ant­wort auf die Ausführungen des Artitelschreibers einmal Darauf hingewiesen werden, wie grotz eigentlich die Beiträge der hessischen Landwirts für dieungeheuren" Verwaltungskosten derLand- wirtschaftskammer sind. Wir machen aber sofort Darauf aufmerksam, datz diese Höchstzahlen an Beiträgen nicht nur den Aufwand an Verwal­tungskosten. sondern auch diejenigen für dieDurch- sührung technischer Maßnahmen, überhaupt Den Gesamtaufwand, soweit er nicht durch sonstige Einnahmen gedeckt wird, enthalten. So zahlten jährlich bis zum Jahre 1919: 54 Proz. aller hessischen Verbandsangehörigen nicht mehr wie 2 Mk.. weitere 15 Proz. nicht mehr wie 3 QHf., 16 Proz. nicht mehr wie 5 Mk., 11 Proz. nicht mehr wie 11 Ml. Beitrag zur Landwirtschafts­kammer. Mit Eintritt der durch die Geldent-