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Nr. Zweites Blatt Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Tderhefsen) Samstag, 24. Juni 1922

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Schlich der politischen Aussprache.

Deutscher Reichstag.

233. Sitzung, 2 Uhr nachm.

Berlin, 23. Juni.

Das Haus erledigt zunächst Kleine An­fragen.

Aus eine Anfrage der Unabhängigen, ob Reichswehrkompagnien sich an einer bayerischen Regimentsfeier beteiligt hätten, die in Wirklichkeit eine monarchistische Demonstration rar, und ob Kronprinz Rupprecht den Parade­marsch abgenommen habe, anltoortetc Major von Schleicher, daft mit Genehmigung des Reiche- Vehrministeriums eine Reichswehrkompagnie sich an einer Gedenkfeier für die Gefallenen des be­treffenden Regiments beteiligt hätte. Es seien auch Mitglieder der bayerischen Königsfamilie zugegen gewesen, die in Beziehungen zum Regi­ment standen. Zu monarchistischen Demonstratio­nen sei es nicht gekommen.

Auf eine Anfrage des Abg. Lembach (Dl.-Rat.) beziffert ein Regierungsvertreter die Kosten der Genuadelegation mit einer Million 50 000 Lire, also rund 10 Millionen Mark.

Sodann wird die Aussprache über die auften« politischen Interpellationen fortgesetzt.

Staatösetretär Müller wendet sich gegen die Darstellung des Abg. Reichert, als ob die Sach- lieferungsabkommen uns eine Mehrbelastung über den Versailler Vertrag auferlegt hätten. Gegen­über den unerträglichen Bedingungen des Lon­doner Ultimatums hätten diese Abkommen viel­mehr wesentliche Erleichterungen gebracht. «

Abg. Dr. Helfferich (Dntl.): Deutsch­lands ganzer Hammer mühte jeden an packen, der die Begründung der Interpellationen gehört hat. Bei diesen erschütternden Anklagen mühte jedem daS Bild auffteigen des gefürchteten Kaiserreichs, das uns vor Augen steht als grobe Vergangen­heit uird als Sehnsucht unserer Zukunft. Die Denkschrift des Auswärtigen Amtes ist ein monu­mentales Denkmal des deutschen Friedenswillens, des Friedenswillens unseres groben Altreichs­kanzlers BisiiMrck. 3d) begreife die besondere Stel­lung des Auhlmminjsters. aber ich habe kein Ver- pärckmis für die abgeklärte Art, mit der er die fuochtbare Drangsalierung der deutschen Bevöl­kerung am Rhein und an der Saar erörtert hat. Richt Mifttraucn sondern Erbitterung und Ern- fiörung empfindet die Saarbevöllerung. Warum agen $ie das nicht, Herr Minister? Die Bo vollem ng am Rhein und an der Saar fühlt sich im wahrsten Sinne verraten und verkauft. (Stür­mische Unterbrechung der Linken. Zurufe: Schänd- loser Geselle.) Was jetzt an der Saarbevöllerung verübt wird, ist das Ergebnis eines schamlosen Betruges, den sich die französische Regierung bei den Bei h rndlungen txm Versailles eiaur: t hat. Dr. Helfferick sucht im einzelnen nach utvei en dab die Sachlieserungsabkoimnen doch eine Me' r- belaslung Deutschlands bedeuten Der deut chr Ec» Port werde vollständig in die Hände der Repa- rationSlommisiion gegeben. Wir l Chien. fährt 6er Redner fort, deshalb die Sachlieserungsab- fommen ab. Dann naih Artikel 8 des Londoner Ultimatum« in Kru t treten. Der Redner nimmt f.ibann seinen Parteifreund von Oldenburg gegen die Angriffe deS Abg. Stampfer in Schuh und stellt fest, bah eine unbedachte Qlcufterung dcS lln» i.uts hier ausgeschlachtet worden sei. UebrigenS habe Herr v. Oldenburg doch das betreffende Feld bebaut. Die Erfüllungspolitik, fährt der Redner fort, hat bisher die von der Regierung erhofften Fruchte nicht gebracht, sondern unser Volk immer tiefer ins Elend gestoben. Den scharfen Worten des Reichskanzlers gegen die und angesonnene Finanzkontrolle hat er nicht die Tat folgen lassen. Seine Hoffnungen auf Genua sind gescheitert, und er lieft den Reichsfinanzminister den Kanossagang rach Paris an treten. Mit der deutschen Rote vom 9 Mai hat sich die Regierung im Gegensatz zu der Hntschlieftustg des Reichstags gqaen die 'Sinan,5- lontrvlle gestellt. Selbst dem Rcichslanzler gingen 2iese Pariser Zugeständnisse zu weit. Gottseidank sind die Anleiheverhandlungen gescheitert: denn He kurzfristige Anleihe hatte uns nur eine Er­schwerung unserer Lage gebracht Wir ver­langen, daft die Regierung sich jetzt von den ber Reparationskvmmission gegenüber eingegan» neuen wahnsinnigen Verpflichtungen als befreit betrachtet, schon deshalb, well fie nicht die Zu­ll immung des Reichstages gefunden haben. Die Regierung hat den Reichstag über ihre Haltung bei den Pariser Reparationsverhand­lungen gevadezu irregeführt Sie hat im wesent- lichen alles das zugestanden, was die Repara­tionskommission in ihrer 'Rote verlangt und was Ler Reichskanzler selbst als unannehmbar be­zeichnet hat So sind der Reparattonskommission ach dem französischen Text alle Mittel der Untersuchung zugestanden worden. Ebenso ver- §sllchtet sich die deutsche Regierung nach dem­selben fvanzöfischen Text, sich über ihre Ge- 'ctzeSvorlage mit der Reparationskommission zu t'crftänbigen. (Die Rede des Abgeordneten erfährt 'lürmische Unterbrechungen von rechts und links. ODbg. Höllein erhält einen Ordnungsruf.) Der Redner schließt seine Ausführungen über die Reparationsverhandlungen mit dem Rus: Eine Regierung, die ohne Ermächtigung des Reichstags wesentliche Bestandtelle der deutschen Souveräni- :ät veräußert, gehört vor den Staatsgerichtshof! Die weiteren Ausführungen des Abgeordneten über die Ausgaben für die Besatzungstrupven and über die Satrapenwirtschaft im besetzten Gebiet führen zu erneuten Entrüstungskund- Qcbungen der Reckten und stürmischen Zwischen- mfen der Linken.) Helfferich schließt der Forderung, keine neuen Devisenankäuse mehr vor- umebmen. Die Fortsetzung der Erfüllungspolitik et die sichere Katastrophe. Die Grenzen der Erfüllungspolitik seien schon überschritten. So­lange das Fvchsche Wort gelte: »Mit dem Finger am Abzug kann man von der deutschen Rc- perung alles erreichen," Solange gebe es für

Deutschland kein: Rettung Dem .Feinde müsse gezeig. werden, daft cs in Deutschland noch Männer gibt. Stürmischer Beifall rechts, iro­nische Hurrarufe li'cks.)

Als Ada S r ad er iKomm.) seine Rede be­ginnt, verlassen die Abgeordneten bis auf sechs deir Saal. Auch er bezeichnet dir Behandlung ber Bevölkerung om Rb i 1 und an der Saar als einen Bruch les Völkerrechts, macht ater die wilhelminische K.llgLpU ick dafür vcrantworlllch

Abg. Sollmann <Soz.) bebauert. bah Dr Helfferich durch seine Rede die Einheitsfront zur Abwehr der französischen Gewaltvollti? zerrissen bäte. Wenn die Deutschnationalen das Kaiser­reich herbeisehnten, so würde feine Partei sich mit aller Mir In g gen die Wiederkehr eines solchen Unglücks wenden.

Ak-g. Kor el l (Dem.,: Die Rebe Hellferichs rechtfertigt das hier gefällte Urteil. er ser der gröftte Piovoialcur des Reichstages. Ein Mann, dessen Kriegspolitik fo furchtbare Folgen für infer Vaterland gehabt habe, täte besser, fetzt schw i- genb zur Sei! zu flehen. Die Deutschnationalen und die deutschvölkischen Ortsgruppen, die in den Versammlungen den Mund so voll nähmen, sollten auch irir oen französi'chen K i gsgerkch- len etwas mehr Blut zeigen als bisher. Wenn diese Leute scharfe Worte gebrauchen wollten, sollten sie auch die Folgen gemeinsam mit den Rheinländern tragen und nicht ihre Op'cr im Stich und zu schweren Strafen verurteilen lassen. An dem Elend s i nicht tie g'gento rtige Re­gierung schuldig, sondern der Verlust des Krieges und der Versoiller Vertrag. Auch seine Partei betrachte die Gewährung der inneren "Anleihe als VoratlSse: ung der cingegangenen Ve pflich» tungen. Redner fa)üe)t mi: der Aufforderung an die Regierung, die Reparationskommisfion zu ersuchen, Milderngen hinsichtlich der Kohlen­lieferungen ein treten zu lassen, und fordert eine Abkehr von der unmöglichen Larifpolitik des Derkehrsmi nisters Gröner.

Reichsfinanzminister Dr. Hermes: Dr. Helfferich hat weil über das Ziel hinausgeschossen. Tatsächlich ist seit dem Londoner Ultimatum eine Erleichterung unserer Leistungen eingetreten, die wir auf dem von ihm vorgeschtagenen Wege sicher nicht erreicht hätten. Zum crftcnmal ist von einem internationalen Expertengremium an­erkannt worden, bah die Passivität unseres Han­dels und Zahlungsbilanz uns an der Erfüllung unserer Verpflichtungen hindert. Wir haben die Anleihe nickt um ihrer selbst willen erstrebt, sondern zur Wiederherstellung eines gejunben europäischen Wirtschaftslebens, cic ist nicht zu­stande gelommen. ober wir werden weiter bemüht fein, unsere Lasten nach Möglichlell zu vermin­dern. Zn den "Bemängelungen des Abg. Helfferich an der Übersetzung der Roten habe ich zu er­klären, daft der Originaltext der deutsche ist. Die Ueberschung, die regelmäßig in französischer oder englischer Sprache auf gegeben wird, und deren Herstellung von der Kriegslastenkommission be­wirkt wird, bient dazu, Miftverstänbnisse zu ver­hüten. 3ebet, der mit Ueberfeijungen in fremden Sprachen zu tun hat, weih, batj es ganz unmöglich ist, eine volltommene Hebcreinftimmuna einer dreisprachigen Ueberfehung herzu stellen. 2ch kann nicht anertennen, daft dieBemängelungen Hclffe- richs zutreffen, weift auch nicht, welches Interesse er hat, zu behaupten, die deutsche Regierung habe weitergehende Zusagen abgegeben, als es der deutsche Text der Rote besagt. Der Geist der ver­schiedenen Sprachen und die Ueblichkeit in den Formen bei den verschiedenen Völkern töimen zu Ruancen im Ausdruck führen, die bei wörtlicher Ueberfetzung verschiedenes zu bedeuten scheinen, obgleich sachlich dasselbe gemeint ist. Wir werden die Verhandlungen weiterführen und erhoffen ein Ergebnis, daft ganz Europa eine Politik der Ge­sundung und Sachlichkeit ermöglicht. Bei den Ver­handlungen gelten für uns die Vorbehalte: 1. Die deutsche Souveränität darf nicht angetastet wer­den. 2. Keine Störung deS geregelten Ganges der Verwaltung. 3. Keine Verletzung des Steuer­geheimnisses.

Abg. Dr. Decker (D. Vp.) gibt der Freude darüber Ausdruck, daft die Regierung die Auf­fassung seiner Partei bestätigt habe, wonach der deutsche Text der maftgebenbe sei. Er bedauert aber, von der Regierung keine ziel- und richtung­gebende Erklärung gehört zu haben.

Abg. Dr. Helfferich (Dntl.) erklärt, ihm sei ein Felsstein vom Herzen gefallen nach der Versicherung, daft für die Roten der deutsche Text gilt. Er bitte, auch in Zukunft nur die deutsche Sprache für die Aeufterungen unserer Regierung gelten zu lassen, damit so grobe lledersenungsseb- [cr keine unangenehmen Folgen habe. Der Red­ner weist sodarnr die Angriffe Korells zurück und geht bami auf die politischen Vorgänge derKriegs- jahrc ein um nachmweisen, baft er vor dem un­eingeschränkten U-Boot-Krieg gewarnt habe.

Abg. Er ispien (USP.) bedauert, baft die Regierung sich nicht über ihre innere Finanz- und Steuerpolitik ausgesprochen habe, welche die 'Re­parationsleistungen ermöglichen solle. Die Lasten dürften keineswegs auf btc Arbeiterschaft allein gelegt werden.

2lbg. Dr. Spahn (Z.) bcflrcitet, baft die seinerzeit im Reichstag abgegebene Zentrumser- flärung dem damaligen Reichskanzler eine Blanko­vollmacht zur Einwendung des U-Boot-Krieges gegeben habe.

Abg. Helfferich hält demgegenüber- seine diesbezügliche Auffassung aufrecht.

Rach persönlichen BemerEungen werden so­dann die Sachlieferungsverträge in zweiter und dritter Beratung gegen die Deutschnationalm, die Deutsche DolkSpartei und die Kommunisten angenommen.

Morgen 12 Uhr: Kleinere Vorlagen.

Schlaft 9 IBjr.

Sitzung der Stadtverordneten.

G i e ß c n, 24. 3uni 1922.

Die gestrige Stadtverordnetensitzung stand im Zeichen der WohnungSnn.. 2Uk'Fra­gen von Bedeutung, die angeschnitten wur­den, sind auf diesen Urfpnmg zurückzufähren. Das Wohnungsproblem wird immer verwickel­ter, stall einer Lösung näherzurvmmen. Za, es ist unschwer vorauszusehen, daft bei der wei­teren PreiScntwickluitg in der bisherigen Rich­tung und Schnelligkeit bald jede Möglichleit, die drückenden Mißstände auf diesem Gebiete zu bessern, unterbunden fein wird. 3n Anbe­tracht dieser klar vorauszusehenden Entwick­lung ist es durchaus zu billigen, daft die Stadt­verwaltung in der Festsetzung der Sätze für die Wohnungsbauabgabe bis an die Grenze des Möglichen heranging. Die Ver­hältnisse erfordern schnelle und möglichst um» assende Maßnahmen zur Beseitigung der Wohnungsnot. Es müssen daher sofort alle er­reichbaren Mittel zur Verfügung gestellt wer­den, um neue Wohnungen zu schaffen, solange überhaupt noch gebaut werden tann. Dieser Erlenntnis verschloß sich auch die Stadtver­ordnetenversammlung nicht. Freilich, Härten und Unannehmlichkeiten werden sich bei der Durchführung der Vorlage nicht ver­meiden lassen. Die greife im Woh­nungswesen passen sich immer mehr dem lawinenartig anschwellcnden allge­meinen Teuerungsfaltvr an. Hoffentlich kommt bei der Anwendung der neuen Bestimmungen der Grundsatz voll zur Geltung, schwer be­lasteten Schultern nichts Unerträgliches auf» zubürden.

Anwesend sind Bürgermeister Krenzien, die Beigeordneten unb zirka 30 StabtDerorbnete.

Es wirb beschlossen, der Stabt Alsselb zu iftrer 700 Jahr-Feier die Glückwünsche ber Stabt Gieften zu übermitteln.

Die vorgescklagenen Satze für bic Reben- bezüge bei stabtische'n Beamten wer­ben genehmigt.

Die Gewährung eines Vorschusses an die Bangen ossenschast 18 9 4 in Höhe von 500 000 Mart wirb angenommen

Der Beschassung von Baustossen in Höhe von 18 482 und 15 619.50 Rlark wirb nach­träglich zugestimmt.

Zur Herstellung von Kümmer­st c 1 n c n wurden zwei Maschinen im Werte von 55 000 Rlark angeschafft, deren Kauf nachträglich bewilligt wird.

Der erbetene Vorschuftan die Gieftener Rudergesellschaft von 1877 in Höhe von 2000 Mark wird genehmigt

Zur Erricht .! ng von Rvtwohn in - g en .beantragen die Bau- unb Wohnungsbepu- tation, einen Krebit von 1 Million Marl be­reit zu stellen mb schlagen als Bajgelänbe einen Platz an der Licher Strafte vor. Bürgermeister Krenzien betont die Rotwenbigkeit biefes Schrittes namentlich mit Rücksicht auf die teo- (;enbc Gefahr, baft baufällig geworbene rser oft plötzlich eine Räurnang e.'fordern, bte ober nur bann ohne Schwierigkeiten erfolgen kann, trenn Rotwohnungen vorhanden sind. - Stadtv. Mann wendet sich gegen die Vorlage, ba man emberen Orts schlechte Erfahrungen mit solchen Rotwvhnungen gemacht habe. Lieber solle man den Betrag erhöhen unb etwas Danernbes schaf­fen. Stabtv. Höhn unterstreicht dem gegen­über nochmals die Feststellunge:, des Bürger­meisters Krenzien, daß Rotwotznungen erforderlich find, um Reparaturen an g sährdeten ifern unteinctmen zu können. Stadtv. Simon be­antragt, dem vorgesehenen Betrage von einer Million Mark zuzaflimmern die Platzfrage aber zwecks Rachprüsung an die Daudeputation zrrück- zuverweisen. Di-ser Antrag findet bie Billiging ber Versammlung.

Zur Beschaffung eines Waggons Asphalt werden 40 000 Mk. genehmigt.

Die Versammlung tritt nunmehr in bie Be­ratung des ursprünglich an erster Stelle vorge­sehenen Punktes ber Dr.gesord.nung ein, ber erst jetzt in Angriff genommen wird, da zu Beginn der Sitzung bie Beschlußfähigkeit zweifelhaft war. Bürgermeister Krenzien führt zur Fest­setzung bcs Zuschlages zur Woh­nungsbau abgabe u. a. folgendes aus: Rach den ^schlichen Bestimmungen erhebt ber Staat 1.25 Mi. von je 100 Mk. der Branbversicherungs- summe. Den Gemeiriben steht das Recht 31, Steu­ern in ber gleichen bis hoppelten Höhe zu er­heben, mit betonterer Genehmigung auch noch höhere Satze zu bestimmen, jebzxb darf ter Be­trag nicht über bas Dreifache tes staatlichen Satzes hinausgehen. Die Stadtverwaltung schlagt bie Erhebung von 3.75 Mk. für je 100 Mk. 'tes Brandtastenwertes vor. Der Gesamtbetrag dieser Abgabe würde in 8proz. Verzi'.sung auf zwan­zig Hahre eine Summe ergeben, bic den Bau von 74 Wohnungen ermöglichte, womit allerdings nicht en samt alen Behuf affen Rechnung ge­tragen uoerben tann; denn cs gibt in Gießen 1500 Wohnungssuckente, von tenen 500 als dring­lich vorgemerki sind. Für die Blietfätje würde mit einer Erhöhung um 80 Proz. ter Vortriegs- säye zu regten fein. Es ist notwendig, baft alle OKittel zur Herstellmg von Wohnungen oif bte» lern Wege schnell getoonren to rtem; tenn bic (Snttridlung broht tehin fort^afbreiten, baft in kurzer Zeit teelleicht nur noch bie Haüic ter Wohnungen von bem gewonnenen Betrage her­gestellt werden können. Stabtv. Dr. K ra us- mullcr sieht in ber Vorlage eine schwere Be­lastung, mift ihr aber zustimmen, ba es bie immer mehr verschärfte Wohnungsnot erforbert, daß schnell Mittel zur AbhUfe bereilgefterit werden.

Stadtv. Maier ist gegen bic Vorlage, ba sie unsozial wirke. Zusrinnnen könne er ihr nur,

trenn dafür Sorge getragen werte, bah eine ge­rechte Staffelung nach bem Einkommen ein gehalten werte Stabtv. Michel fti-.nmt bem Vorred­ner zu inb betont die nifozia'.c Wirk ing der Verlage, die er bekämpfen müsse, wie er sich früher gegen btc Bestimmungen über bic Ströhen- tcintgting? mb Müllabs.i6.gebühren gewandt habe. Wertere seien übrigen? für Darmstadt vom Verwaltuugsgericht für ingüktg erf-ärt morheik

Rach dem von feiten ter ctablpeviraltung v er­st chert Worten ist, baß nach Möglichkeit allen Härten bet ber Anwendung ter Bestimmrngen vorgebeugt werden soll, wird bic Vorlage ange­nommen.

Die Vaugefuche Brinkmann, Petsch, Häu­ser unb Scholl werten bewilligt.

Für bie Erweiterung ber Sern» fprechanschlüsso im Stabthause, da- auch einen teilten Hauptanschluh erhalten soll, werden 53 000 Mark rtnstandsetzungSkosten unb 1520 Mark für bie jährliche Unterhaltung ge­nehmigt

Für die Verlängerung ber elcTtrl« schen Leitung in der ©rebnerftrafta werben 50 000 Mark bewilligt.

Für»bie Erhöhung ber Löhne ber stäbtischen Arbeiter wird ein entsprechen­der Kredit gewährt.

Em Kredit von 5760 Mark sür den Z a h r e S» trag an den Be^iiksarbeitgcber- verband wird bewilligt.

Der Voranschlag der PlockscheN Stiftung wird angenommen.

Der Au l^sungderKommission für Wirtschafts bei Hilfen wird zugestimmt unb deren Tätigkeit der Wohlfahrtskommission übertragen.

Die Gesuche um Erlaubnis zum Schankwirtschaftsbetriebe toci beit

sämtlich genehmigt

Die Pvlizeiverorbnung betreffsEt n« richtung unbBetriebeSbesRutzvieh- Marktes in Gieften wirb angenommen.

Da sich bie bewilligten 35 000 Mark gut Beschaffung einer Lichtbatterie für das Stabtth ater als unzureichenb erwiesen, teer­ten die benötigten 70 000 Mark genehmigt.

Zum Betriebe des StadttheaterS war in einer früheren Stadtverordnetenversamm­lung ein Zuschuft von 250 000 Mark für bie Spielzeit 1921,22 bewilligt worden, den die gestrige Versammlung auf 450 000 Mark erhöhen muhte.

Zur Festsetzung de« OrtSlvhne- ttnrb eine ISOprozentige Erhöhung der diesjähri­gen Sätze angenommen.

Der WasserpreiS wirb von 1^0 auf 2,25 Blari pro Kubikmeter erhöht.

Nm iltyr wirb btc öffentliche Sitzung gefchloffen.

Die Stadtverorbneten Frau Baumann, ®r Krausmüller unb Winn haben folgende Ansragebzw. Antrag bei ber Stabtverwal- tung eingereichl: 1. Wir fragen an, ob bie un­gefähre Zahl ter in Rot betrüblichen Klein­rentner unfeter Stabt bekannt ist und was biS jetzt fettens ber Stabt für bie Linberung tec Rot in diesen Kreisen geschehen ist. 2. Wir beantragen angesichts ter bauernd steigenden Preise für Heiz­material Holz ufte, zu bedeut end ermäftigten Preisen für die in schwierigen Verhältnissen teoen- den Kleinrentner zur Verfügung zu stellen

Vermischtes.

Die Opfer des Hamburger Schiffs Unglücks.

Hamburg, 23. Juni. (WTB.) Die Zahl der- Opfer, die das Kentern des Dampfers Avare" forderte, beträgt nach den neuesten Feststellungen 48. Heute wurde die 19. Leiche geborgen. 9 Deutsche und 20 Ausländer wer­den noch vermißt.

Revolveranschlag auf einem Anwaltsbureau.

Heidelberg, 23. Juni. Heute nach­mittag wurde, gegen den Rechtsanwall Dr. Kauf­mann m seinem Bureau ein Mordversuch verübt. Ein Landwirt aus Sandhausen kam, laut Reuer Badischer Lanteszeitung" zu Dr. Kauf­mann, um von ihm die Grund alten eines Pro­zesses zurückzuvcrlangen. Während Dr. Kaufmann die Allen aus einem Fach zu nehmen suchte unb sich bückte, gab ter Landwirt einen Schuft aus ihn ab, ber jedoch das Ziel verfehlle. Dr. Kaufmann setzte sich energisch zur Wehr unb im Handgemenge feuerte ter Landwirt noch zwei Schüsse ab, die ebenfalls fehl gingen. Auf die Hilferufe tes An- qegriffenen unb herbeigelockt burch bie Schüsse ge­lang es dem beiteieilenben Photographen Herbst unb dem Angegriffenen, den Datcr zu überwäl­tigen und zu entwaffnen. Polizeibeamte führten den Revolverhelden ab. Angeblich soll das Motiv zur Tat in ter Verärgerung des Landwirts über einen verloren gegangenen Prvzeft zu erbacfen sein.

Spielplan der Frankfurter Theater.

Opernhaus. Sonntag, 25. Zrini, abends 6i > ilftr: Tannhäuser. Montag, 26 : Boccaccio. Dienstag, 27.: Die toten Augen. Mittwoch. 28.: Cctengiin. Donnerstag, 29Die Afrikanerin. Freitag, 30.: Tiefland. Samstag, 1. Zull: Mig­non. Sonntag, 2. Juli, nachmittags 5 Ülhr: Tristan unb Zsolte. Montag, 3.: Hofimanns Er­zählungen. Dienstag, 4.: Boccaccio. Mittwoch, 5.: Das Rheingold.

Schauspielhaus. Sonntag, 25. Hont, abends 7'Mfyr:-Kanon Lescaut. Montag, 26.: Turaickot Prinzessin von China. Dienstag, 27.: Der Tausch. Mittwoch, 28.: Ein Sonmiemachts» träum. Donnerstag and Freitag geschlossen. Sams­tag. 1 Juli: Das welle Land. Sonntag, 2. Zali, abends 7>- ilfjr: Das weite Land Montag 3.: Das weite Land. Dienstag, 4.: Das weite Land. Mittwoch, 5.: 5. GastsViel ter Berliner Rotter- Bühnen.

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