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Erscheint tüglich, ae^tr Sonn» und Feiertag,, mit berSamstagsbeilage: GießenerJamillendlätter Monatliche Oejuasprelfe: 'JJlh, 20. und Ml,. 2. Trägerlohn,durch diePost MK.22, auch bei Nicht» erscheinen einzelner Num­mern infolge höherer Gewalt Fernsprech» Anschlüsse: fürdieSchrist» feitung 112; für Verlag und Geschäftsstelle 61. Anschrift für Drahtnach­richten: Anzeiger Gtefoei.

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Samstag, 24. Mi (922

Erstes Blatt

(72. Jahrgang

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

vnick und Verlag: vrühl'sche Univ.-Vllch- und Steinöruderei R. Lange. Zchriftleitung, Geschäftsstelle und Druckerei: Zchlllstratze 7.

Annahme von Anzeige» für die Tagesnummer oi« zum Nachmittag vorher ohne jede Verbindlichkeit. Preis für 1 mm Höhe für Anzeigen v 34 mm Breits örtlich 150 Pf., aus wärt» 180 'Pf.; für Reklame- ?lnzeigen von 70 mm Breite SOU *Pf. Bei Platz- Vorschrift 20 Aufschlag. >>LUplschriftleiter: Äug. t'toetz. Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz; für den übrigen TeÜ: Karl Walther; für den Anzeigenteil: fians 'Be*, sämtlich in Gießen.

Das Todesurteil der Vefatzungspolitik.

II.

Wir bringen heute den Schluß des gestern begonnen Artikels aus der Feder des bekann­ten deutsch-amerikanischen Journalisten, Herrn F. M. Glven, der Ende Mai dieses Jahres die besetzten Gebiete im Westen bereist und seine Eindrücke in dem bemerkenswerten Be­richt niedergelgt hat, dessen Veröffentlichung wir heute beendigen.

---Sn Trier wurde in den letz­ten Tagen ein friedlicher Bürger, der ver­suchte, zwischen den Geschützen einrückender Artillerie die Straße zu kreuzen, von einem französischen Offizier mit dem Säbel derart mißhandelt, daß er bewußtlos zusammenbrach. Man zieht m Trier gern Vergleiche zwischen amerikanischen Truppen, die zuerst dort wa­ren, und der gegenwärtigen Besatzung, und zum Ruhme der amerikanischen Armee muh gesagt werden, daß diese Vergleiche sehr zu Gunsten unserer Jungen ausgefallen. Das ist übrigens im ganzen Besatzungsgebiet so. Man sagt, die amerikanischen Soldaten seien zwar etwas rauh, aber sie seien gleichzeitig gutmütig und ließen sich nicht leicht etwas zu schulden kommen, dessen sie sich zu schämen brauchten. Deshalb herrscht im Besatzung«- gebiet gleichmäßig der Wunsch, unsere Sol­daten in Eoblenz zu behalten, weil man in ihrer Anwesenheit Schutz gegen neue Drang­salierungen und eine Gewähr für den Frieden erblickt. Auch die Engländer sieht man viel lieber als Franzosen und Belgier, weil sie sich' anständiger aufführen. Sn Koblenz ist das Verhältnis zwischen den amerikanischen Trup­pen und der Bürgerschaft ausgezeichnet. Un­sere (Zungen sind ebenso gern dort, wie die Bürgerschaft sie dort behalten möchte. Der Adjutant des General- Allen sagte mir, es gebe nicht einen amerikanischen Soldaten in Koblenz, der gern nach den Vereinigten Staa­ten zurückkehre. Gin Kompliment für die Be­völkerung, das der Unterstreichung nicht be­darf. Vorkommnisse, wie sie sich in Trier, Duisburg, Ludwigshafen und anderen Städten ereignet haben, wo Offiziere und Soldaten der Besatzungsarmee in Trupps die Straße durch­zogen, den Passanten die Hüte von den Köp­fen schlugen, sie selbst schwer mißhandelten, Fensterscheiben zertrümmerten, und das alles ohne jegliche Veranlassung, sind dort, wo die Amerikaner stationiert sind, nicht zu verzeich­nen gewesen. Auch das empfindet die Bevöl­kerung dankbar, daß die Amerikaner sich an den auf Lostrennung der Rhein- landeundderPfalz vom Reiche gerich­teten Zettelungen nicht beteiligen. Es liegen Beweise vor, daß diese Zettelungen v o n d e n Franzosen in jeder Weise direkt und indirekt unterstützt werden. Als s. Zt. der Badenser Haas nach Speyer kam, um den Regierungspräsidenten abzusetzen und die pfälzische Republik zu proklamieren, wur­den französische Truppen bereitgehalten, ihn unter ihren Schutz zu nehmen, falls der An­schlag gelänge. Glücklicherweise hatten die Be­hörden Kenntnis von dem Vorhaben des Herrn Haas erhalten und loyale Arbeiter zum Schutze des Regierungspräsidenten aufgebo­ten. Als Herr Haas mit seinen Getreuen an­rückte und den Regierungspräsidenten auffvr- derte, ihm die Leitung der Geschäfte zu über­geben, wurde ihm ein Empfang zuteil, mit dem er schwerlich gerechnet hatte. Die Arbeiter nah- inen ihn beim Kragen und warfen ihn kurzer­hand auf die Sttaße, wo er mit blutigem Kopfe anlangte, und wo dann die französischen Sol­daten sich seiner annahmen, so daß es bei dem blutigen Kopfe sein Bewenden hatte. Einen ähnlichen Mißerfolg hatte Herr Dorten aus Wiesbaden zu verzeichnen, als er mit einer Anzahl seiner Getreuen nach Koblenz kam, um dort die rheinische Republik auszurufen.

Roch ungenierter als am Rheine und in der Pfalz verfolgen die Franzosen ihre poli­tischen Pläne im Saaraebiet. Rach den Bestimmungen des Versailler VerttageS ist es nicht statthaft, Soldaten in diesem Gebiet zu halten, trotzdem stehen dort ungefähr sieben­tausend Franzosen. Ihre Anwesenheit macht sich in derselben Weise bemerkbar, wie am Rheine und in der Pfalz. Wiederum nach den Bestimmungen des Versailler VerttageS soll das Saargebiet von einer fünfgliederigen Kommission im Auftrage des Völkerbundes verwaltet werden. Diese Kommission setzt sich gegenwärtig zusammen aus einem Franzosen, einem Belgier, einem Dänen, einem Kanadier und einem deutschen Verräter. Sie steht ganz und gar unter französischem Ein­fluß. Ihre Weisungen erhält sie nicht aus Genf, sondern aus Paris, und ihr ganzes Be- stteben ist darauf gerichtet, das Saargebiet für die Angliederung an Frankreich reif zu machen, SaS Saargeöiet gcht lang-

Neue Gefahr für das deutsche Grenzland. |

Augen auf!

Aus Paris wird, offenbar inspiriert, ge­meldet:

Petit P a r i s i e n schlägt einen Ausgleich der englisch-französi­schen Interessen am Rhein und im Orient vor, in dem Sinne, baß Frankreich der britischen Politik in Kleinasien die ge­wünschten Zugeständnisse macht und dafür freie Hand imdeutschenWesten er­hält. Das vitale Interesse Frank­reichs liege am Rhein.

Ein englisch-französischer Ausgleich auf Kosten des Rheinlandes; Ein Freibrief an Frankreich für die Besetzung neuer deutscher Gebietsteile!--Augen auf!

Helft den Oberschlesiern!

Anläßlich der Abtretung Oberschlesiens gibt die Reichszentrale für Heimatdienst demnächst ein Sonderheft ihrer ZeitschriftDer Hcimatdienst" heraus, in dem der erste Sachverständige, wie Reichsministcr Schiffer, Staatssekretär Lewald, Abg Hoctzsch, Qfbg. Pachnicke, Abge>rdneter Fleischer. Abgeordneter Löffler u. a. zu der neuen Lage des Deutschtums an der Ostgrenze Stellung nehmen. Das Sonderheft, an dessen Spitze sich ein Geleitwort des Reichspräsidenten befindet, ent­hält insbesondrre einenAn alle Deutsche" über­schriebenen Ausruf des Oberpräsidenten der Pro­vinz Oberschlesien, den wir heute zu veröffentlichen in der Gage sind und der folgende Wortlaut hat:

Die Würfel in Obcrschlesien sind gefallen. Deutsche Gebietsteile mit zum großen Teile deut­scher Bevölkerung sind vom Reiche abgetrennt und Polen angcglicDot worden. Deutsche sind gezwun­gen, unter fremder Herrschaft zu leben, als Fremde

in ihrer eigenen Heimat. Deutsche Brüder und Schwestern stehen in schwerem Abwehrkampf gegen die gewaltig andrängende polnische Flut, deren Endziel die völlige Verdrängung der deutschen Äultur aus Oberichlcsien ist. Es muß eine der dringendsten Sorgen des Mutterlandes sein, in diesem schweren Kamps jede mir mögliche Unter- stühung zu leisten.

Zu diesem Zweck ist der

Ober schlesische Hilfsbund gegründet worden. Er ist nach Entscheidung des Wohlfahrtsministeriums vom 24. Februar 1922 die einzige Stelle, die jetzt die alleinige Saminel- erlaubnis für diese Aufgaben im deutschen Ober­schlesien erhalten ha'. Hierdurch ist jeder Zersplit­terung der in Oberschlesien tätigen Kräfte sowie der für diese "Zwecke zu sammelnden Gelder ein für allemal vorgebeugt."

Mögen die Abschiedsworte, die der Reichs­präsident gemeinsam mit der Reichs» und der preu­ßischen Staatsregierung den Oberschlesiern an die­sem deutschen Srauertagc zurief:

.Oberschlesier! 3n der Schicksalsstunde, die Euer Heimatland zerreißt und den Bruder vom Bruder trennt, reicht Euch das ganze deutsche Volk die Hand!"

dadurch ihre Verwirklichung finden, daß jeder Deutsche es als seine Ehrenpflicht empfindet, Mit­glied des Obcrschlesischen Hilfsbundes zu werden. Möge darüber hinaus jeder Deutsche nach besten Kräften durch eine große einmallge Spende an den Obcrschlesischen Hilfsbund die Schaffung eines Deutschen Fonds für Oberschlesien" ermöglichen, um so die Arbeiten zur Erhaltung der deutschen Kultur und deutschen Gedankens in Oberschlesien für ewige Zeiten sicherzustellen.

Breslau, den 20. Juni 1922.

geA. Bitta, Oberpräsident von Oberschlesien, M. d. R.

sarn aber sicher dem wirtschaft­lichen Ruine entgegen.

Als ich meine Tour durch das besetzte Ge­biet zum Abschluß gebracht hatte, da habe ich eS als Amerikaner als tiefe Be­schämung empfunden, daß dieses Frankreichs welches heute am Rhein, in der Pfalz und im Saar gebiet seiner Kulturfeind­lichkeit so offen Ausdruck gibt, uns als Waffengenossen hat begrüßen dürfen. Ich habe dasselbe Empfinden ge­habt, als ich in Weiderich, einem Stadtviertel von Duisburg, in einem belgischen Quartier stand, dem ehemaligen Evangelischen VereinS- haus, und die Verwüstungen betrach- tete, die die entarteten Söhne poor little Bel- giums dort angerichtet haben. Sie haben un­ter anderm die schöne Orgel kurz und tlein ge­schlagen, haben Stühle zu Hunderten zerttüm- mert und ins Feuer geworfen. Es gibt in die­sen Räumen keine Tür, die noch gerade in ihren Angeln hängt, es gibt keinen Schrank, der ganz ist. Das ist auch eine von den Rassen, mit welchen wir die Welt erlösen und die Erde wohnlicher machen wollten. Roch einmal habe ich dieses beschämende Empfinden gehabt, als ich dem kleinen blonden Mädchen gegenüber- stand, das das bedauernswerte Opfer eines belgischen Lüstlings geworden war; als eine betagte Frau aus Düren mir erzählte, was sie erleben mußte, als sie ihre siebzehnjährige Tochter vor den Angriffen farbiger Lüstlinge schützen wollte; als ich die Leidensgeschichte einer feingebilbeten jungen Frau hörte, die mit knapper Rot und mit schwerer Schädigung ihrer Gesundheit einem solchen Angriff ent­gangen war; als ich die besorgte Miene eines greifen Medizinalrates sah, der mir ergreifen­des statistisches Material über die Verseu­chung der Bevölkerung im allgemeinen und der Jugend im besonderen unterbreitete; als pflichttreue Beamte mir anvertrauten, man habe ihnen mit sofortiger Verhaftung gedroht für den Fall, daß von den Schandtaten der Franzosen und Belgier etwas in die Presse gelange, einerlei, ob sie für derartige Ver- als ich beim Wandern du.ch die Straßen der Dffentlid)ungen verantwortlich seien oder nicht; rheinischen Städte Gefahr lief, von einem halbwilden gallischen Kulturträger auf die Sttaße gestoßen zu werden, weil ich nicht wußte, daß auch ein freier Amerikaner vor die­sem Gesindel aus zuweichen hat.

Das ich gehört und gesehen habe,Über­trifft weit auch meine schlimmsten Befürchtungen. Sine übelriechende, drückende Atmosphäre liegt über dem fran­zösischen und belgischen Teil des Besatzungs­gebietes; die Atmosphäre der Wiesbadener Pari-Bar. wo die Franzosen sich mit Reger- toeibern bei schmutzigen Tänzen amüsieren. B o r d e l l - A t m o s v r e in des Wortes scheußlichster Bedeutung d i e Lebens- luftdesimmermehrderDegenerie- rung anheim fallenden dekaden­ten Galliertums. Sn dieser Luft wellt blühendes deutsches Land. Sn ihr leben prächtige deutsche Menschen ein qualvolles Leben, führen die deutschen Behörden einen verzweifelten Kampf gegen die maßlosen For­derungen der fremden Unterdrücker, gegen un­

erhörte Anmaßung und brutale Willkür. Un­gezählte Millionen haben die rheinischen und pfälzischen Städte geopfert, um den Woh­nungsansprüchen der Besatzungsbehörden zu genügen, aber je zuvorkommender sie sich zei­gen, desto unverschämter werden die An­sprüche. Die Städte sind verpflichtet, darüber au wachen, daß den Franzosen für ihre Bor­delle deutsche Mädchen geliefert werden. Es gibt keine Zumutung, die nicht an sie gestellt wird, keine Demütigung, die sie nicht über sich ergehen lassen müssen. SosiehtderF rie­ben aus, den Versailles den herr­lichen rheinischen Landen, dem ehedem so blühenden Saargebiet und der schönen Pfalz bescheert hat ein Gewaltfriede in des Wortes grausamster Bedeutung..

Scharfmachers; desTeinps".

Paris 23. Zuni. (WB) Bet einer Be­sprechung über die Erklärung Lloyd Ge­orges brirrifcnd die Forderungen Eng­lands an Oie alliierten Staaten be­merkt derTemps", die Schuld Frank­reichs bei England belaufe sich an Kapitac'und aufgehäuften ci sen auf 530 Millionen Pfund Sterling. Weder das Kapital noch die rückstän­digen Zinsen seien fällig vor drei Jahren nach der vollständigen Wi Hei. Herstellung des Frie­dens, aber die^ laufenden Zinsen tonnten vom Monat Oktober ab verlangt werden. Das Blatt weist daraufhin, daß Frankreich seine Schulden nicht zahlen könne, wenn es seine Forderungen nicht einziehe. Wenn England daran denke, seine Forderungen a.7 die frarrzös.sche Regierung ein- zuziehen, habe sein Schatzamt nur eine Entschei­dung zu treffen und seine Premierminister nur einige Worte zu reden. Englc nb Ha rd e frei, ohne die Zustimmung noch den Rac irgend jemandes anzurufen. Es notifiziere einfach. Wenn., Front- reich feine Forderungen an Deutsch­land einzichen wolle, was gesche e dann? Die Retarationskommission trete in Szene, und in dieser Kommission habe Frankreich nur eine Stiiyme unter vieren. Wenn Frankr.ich davon Ikicche. allein gegen Deutschland vorzugehen, würden Proteste laut. Wenn es eine Debatte über die Herab!etzung der deutschen Schuld ohne sichere Kompensation vermeiden wolle, versetze man es in die Minderheit. Don Zeit zu Zeit er­innere man es daran, daß die Reparationskom- Million durch Minderhritsbeschluß jede Zahlung bu ungefähr 1930 ausichieben könne. Wenn ober Frankreich sich direkt mit Deutschland ne.stän­digen wolle, was geschehe bann? 'Man habe das beim Wiesbadener Abkommen ge'ehen. Diese Lage nennt das Blatt.unerträgllch.

Die allierten Schulden bei Lkmerika.

Pari s, 23. Zuni l Wolff. - Der Wastzingwner Berichterstatter derEhicagoTribune" mel­det, das ständige Zögern der alliierken Re­gierungen, in die Verhandlungen mit den Ver­einigten Staaten bezüglich derSchuldenfragc einzutreten, veruriache den offiziellen ameri­kanischen Persönlichkeiten großes Är. behagen, wenn He auch ein diplomatisches Stillschweigen beobachteten. Bisher habe keiner der Schuldner­staaten eine Kommission nach Washington gesandt, um mit der für diese Frage geschaffenen amerika­nischen Kommission zu beraten, obwohl bereits über zwei Monate vergangen seien, Alldem Hughes die Einladung absandte. Die ameriranische Kommission warte geduldig auf die Ankunft der

ausländischen Sachverständigen. Ursprünglich M mitgeteili worden, die Engländer würden Mitte April die Derhandlungcu beginnen, bald darauf aber habe man erklärt, die britischen Knanzsach- oerständigen feien durch die Genueser Konferenz in Anspruch genommen. Rach Abschluß der Ge­nueser Konferenz habe die amerikanische Regie­rung geglaubt, die britische und die französisch« Delegation würden nunmehr unverzüglich nach Amerika kommen, aber jetzt habe die Haager Kon­ferenz begonnen und sie könne viele Wochen dauern. Die Behandlung der Frage durch diploma­tische Kanäle befriedige die amerikanische Ärnn- mission nicht, die gebildet worden sei, um mit ähn­lichen Kommissionen der Schuldnerstaaten zu her- handeln. Außer in der Frage der Kriegsschulden habe die amerikanische Regierung auch in der Frage der DesetzungStosten einen Beweis von Geduld gegeben. Die Berechtigung dieser amerika­nischen Forderung sei anerkannt worden, wann dieses Geld aber gezahlt werden würde, das wisse niemand.

In der Depesche heißt es zum Schluß^ Wenn auch die amerikanische Regierung sich gern voll- bezahlt sähe, so sei sich das Staatsdepartement doch klar über die Verwirrung In den euro­päischen Angelegenheiten.

Um den Anschluß Deutsch-Oesterreichs.

Berlin, 24. Zuni. (WTB.) Sn der Fragst des. Währungsanschlusses Oester­reichs an Deutschland veranstallete gestern der österreichisch-deutsche Dolksbund eine Aussprache im ReichstagsgebäudeSer Vor­sitzer rde des Bundes, Reichstagspräsident L o e b e eröffnete die Sitzung nilt folgenden Worten: Unter verbrüderter Rachbar sendet uns seine Klagen über seine drohende finanzielle und wirt­schaftliche Katastrophe. Sn unterem guten Stre­ben toerben wir uns auch nicyt hindern lassen, wenn uns die Regierungen der Entente Roten; schicken sollten. Sie haben dazu keinen Anlaß, kein Recht. 'Bravo!) Sie werden damit nur vor Öen Wett Dokumentieren, daß sie das Selbstbestim­mungsrecht eines Volles mit Füßen treten, ein Recht, das sie selbst prollamiert haben. Roten inerber .uns nicht beeinflussen. (Bravo!) Sodann legte der Wiener Qlationalrut Dr. Ellenbogen in längeren 2lusführungen das Problem des Krone und die Möglichkeit einer Besserung dar. Deutschland könne Oesterreich in seiner Finanznot helfen, wenn es sich mit einem gewissen; Betrage an der neugegründeten Rotenbank be­teilige. Weiter könnte Deutschland durch indu- ftiie.le Betätigung Helsen. Ellenbogen schloß seine Ausführungen mit den Worten: Wir wolle» nicht, daß lediglich Amerikaner und Tschecho- Slowaken uns .helfen; wir wünschen, daß es zunächst unsere Freunde sind, und daß diese bie Vorderhand haben. Wir wollen nicht von Frem­den folonifiert werden,

wir wollen unseren Brüdern angeschlossen werden.

Die Ausführungen des Redners waren von leb­haftem Beifall begleitet. Sn der Aussprache nach der Rede nahmen Wirtschaftsvolitikrr und Dank- sachleute zu dem Thema der Währungsunion mit Deutschland Stellung.

(Sine Erklärung Loebes zur Note der Botschasterkonfcrenz.

Berlin, 23.Zuni. (WTB) ZuderHava«. Meldung, daß die B o t s cha f t e r k o n se­ren z eine Rote fertiggestellt habe, die an dis deutsche Regierung als Protest gegen bie Reden oes Reichspräsidenten Loebe für die Verbindung Oesterreichs mit Deutschland gesandt werden soll, bringt die03. Z." folgende Erklärung Loebes: Sn allen meinen Reden hob ich her­vor, daß ich den legalen Weg der Anrufung deS Völkerbundes in lleberelnftinununa mit den Be­stimmungen der Verträge von Versailles und 6t Germain über den Anschlußgebanten empfehle. Sch denke nicht daran, zurückzuweichen, well ich die Svndercnstenz Oefterreid^ in seinem jetzigen Umfange für unmöglich halte, und well jeda Aendcrung dieser heutigen unmöglichen Lage bet hem absolut deutschen Charakter der Bevölkerung Oesterreichs nut in einem Anschluß an Deucsch land bestehen kann. Sch halte übrigen- diese ganze Meldung für sehr unwahrscheinlich, weil ich der Do.schafterkvnserenz für meine Redw nicht verantwortlich bin und ihr eine Zensur über die Reden des Präsidenten des Deutschen Reichs­tages nicht zusteht.

Das Attentat

aus Marschall Wilson.

L o n d o n. 23. Zuni. (WTB.) Sm Unter* Haufe wurden Chamberlain und der Staatssekretär des Snnem Shortt mehr als eine halbe Stunde mit aufgeregten Fragen nach den Begleitumständen der Ermor­dung Wilsons bestürmt Die Fragen wurden zumeist von ultrakonservativen Unioniiten gestellt und legte großes Mitgefühl cn den Tag. Cham­berlain teilte mit. daß gestern nachmitag vorn. Premierminister, dem Staatssekretär des Mini­steriums des Innern und ihm selbst eine Be­sprechung mit Beamten der Polizeibehörde ab» gehalten worden sei. Es seien sofort die not­wendigen Schritte einaeleitet worben. Sn der letzten Rächt hätten Polizeistreifen statt-, gefunden die zur Entdeckung von Waffen und Brandkörpern unö zur Verhaf­tung von IZMännecnundeiner Frau- geführt hätten. Heute wurde wieder eine