Erhöhung der Steuersätze nachgeholfen werden
Er- für bah Nor
mende Jahr mit einem Fehlbetrag von über 300 Millionen rechnen müssen. Das
gebnis der Einkommensteuerveranlagung 1920 berechtigt jedoch zu der Annahme.
man für 1922 üb->r die vom Reich gesehenen Beträge hinausgehen darf. Gewiß haben sich auch unsere eigenen Einnahmen, wie z. D. aus Holzverkauf, gegen das Vorjahr vielfach verdoppelt und, soweit eine Vermehrung nicht automatisch eintritt, wird durch eine
i|i in ver leyien <ycn »luynu, yviucieu. x)u). müssen. Aber trotz dieser Ginnahmesteigeruyg und werde versuchen, in runden Ziffern, vorbehaltlich | trotz des Einsehens einer höheren Summe aus
man in bezug auf die Einkommensteuer den Ansätzen folgen, wie sie in dem Reichsetat für 1922 festgelegt sind, dann würde man für das kom- [ weit
könnten. Für die Verwaltung ist es von ganz besonderem Interesse, einen Voranschlag zu bekommen, der wenigstens In seinen sachlichen Unterlagen als Grundlage für die Ausübung der Der- wÄtung des nächsten Jahres dienen kann. Der bisher vermißte Heberblick über das Jahr 1920 ist in der letzten Zeit endlich möglich gewesen. Ich
erforderlich geworden sind. — Der Ausschuß beantragt Annahme free Vorlage.
Abg. Mann (S.z.) übt scharfe Kritik an der oft willtürlichen Heraufsetzung dec Preise für Baumaterial. Die Regierung möge scharf darüber wachen, daß die ihr zur Verfügung gesellten reichen Mittel für B.nizwecke auf das sparsamste verwendet werden. Er verlangt und beantrag: weiter staatliche ülnterstützung der Bauhütten- Bewegung, die vom Reich als gemenrnichige Bau- gesel.sch.ifl anerl nnt würde.
- Abg. Rinc''KP.D.): Auch in d'eser Steuer sehen wir wiederum ei .e starke Te.astu. g des arbeitenden Volkes. Die Vortage bedeutet eine Erhöhung ter Mieten von 1914 um 200 Prozent. Das kann nur wieder zu einer Verschlimmerung der allgemeinen Lage beitragen. Do bleibt die Sozi .l sirru g der Bau.roffcrz uging? Die Re- • gieiru.rg selb'i treibt Wucher: sie bieret in Mainz Bc-erholz zu Preisen an, die gezen die Wuchergesetze verstoßen. Wir können der Voriage nicht zusti.nmen.
Die Vorlage wird g-gen die Stimmen der zwei Komnru i en angenommen.
Es folgt erste Beratung der Regierungsvorlage: Entwurf eines Gesetzes, die Erhebung vorläufiger Grund- und Gewerbesteuer für die Rechnungsjahre 1921 und 1922 betreffend.
Abg. Dingeldey (D. Vpt.) erstattet den Ausschuhbericht. Der Finanzausschuß schlägt trotz ursprünglicher Bedenken die Annahme der Regierungsvorlage vor, die durch die Rot der Gemeinden zur Rotwendigkeit geworden ist.
Abg. Brauer (Dbd.) spricht gegen die Vorlage. Der Redner bleibt auf der Tribüne unverständlich. Seine Partei sei grundsätzlich gegen die Vorlage, weil sie einseitig das flache Land belaste und die großen Städte begünstige.
Abg. Ho ff m a n n-S.l genstadt (Ztr.) spricht sich gegen die Rückwirkung der Steuer aus, der eine ganze Reihe Schwierigkeiten entgegenstehen. Er beantragt, daß für das Jahr 1921 der gleiche Sah erhoben werden soll wie für 1920.
Abg. Dingeldey (D. Vpt.): Der Ausschuß hat sich auch mit dieser Frage befaßt und den Standpunkt eingenommen, daß die Abwälzung auf den Mieter möglich ist, auch wenn er inzwischen verzogen sein sollte.
Finanzmimster Henrich: Es handelt sich hier im wesentlichen um eine Vollmacht. Die Gemeinden, die nicht in einer Rotlage sind, werden die Steuer auch nicht erheben. Es liegt im Interesse der Steuerzahler, daß eine möglichst schnelle Erledigung der Vorlage eintritt, denn der Verpflichtung der Steuer entgeht keiner, und wenn die Vorlage verzögert wird, muß desto mehr nachgezahlt werden. Alle Länder erheben eine derartige Steuer. (Widerspruch beim Bauernbund.) Wenn der Abg. Brauer meint, daß der Ertragswert gerechter wirkt, so ist er im Irrtum. Die Städte sind durchweg in schwerster Rotlage.
Abg. Lux (Soz.): Es ist unverkennbar, daß die Grundsteuer die kleinen Betriebe teilweise schwer belastet. Wir sind darum für eine Staffelung der Steuer zu haben, zweifeln aber. Baß die Herren von rechts dieser Staffelung zustimmen werden. Es handelt sich im wesentlichen darum, daß man den Gemeinden hilft.
Abg. Rink (K.P. D.) kann den Widerstand ber Rechten gegen die Steuer nicht verstehen. Die Landwirte haben, so lange die Preise spielen, doch die Pflicht (II Soll wohl heißen Möglichkeit), die Steuer auf ihre Produkte abzuwälzen. (Widerspruch. Oho!)
Abg. Hahn (D. Dp.) fragt, wie die Verteilung des Ausgleichsstockes gehandhabt wird.
Finanzminister Henrich: Im allgemeinen werden Gemeinden keinen Zuschuß erhalten, die geringere Steuern erheben als der Staat.
Abg. Glaser (Bbd.): Wir sind gegen die Steuer, weil sie eine einseitige ist. Es geht nicht, Grund und Gewerbe einseitig so schwer zu belasten.
Abg. Dc. Werner (D.-R.): Herr Kollege Rink scheint das Haus mit der Kommunistischen Zentrale zu verwechseln, wenn er hier von Schiebern sprach. Wenn man von der Steuer überhaupt spricht, sollte man sie Volkswirtschafllich durchdenken dann muß man zugeben, daß letzten Endes jede Steuer indirekt ist. Wir möchten, falls die Vorlage angenommen wird, dem Erleichterungs- antrag des Zentrums zustimmen und für 1922 den gleichen Betrag wie für 1921 erheben.
Abg. Drauer (Bbd.) stellt nochmals fest, daß Preußen noch keine Landgrundfl euer erhebt.
Abg. Dingeldey teilt mit, daß Abg. Hoffmann seinen Antrag bis zur zweiten Lesung zurückzieht,
Abg. Rink (K. P. D.) polemisiert gegen den Abg. Dc. Werner.
Abg. Kindt (D.-R.) weist die Angriffe gegen seine Partei zurück.
Die Vorlage wird in erster Lesung angenommen.
Rach der Pause folgt die erste Beratung der Regierungsvorlage, die Erstreckung des Fi- nanzgesehes für 1921 auf die ersten Monate des Rschnungsjahres 1922 betr.
Abg. Delp (S.) erstattet Bericht. Die Regierung war nicht in der Lage, den Voranschlag vor dem 1. April fertigzustellen. Dadurch wird die Erstreckung des Finanzgesehes auf die ersten Monate 1922 notwendig.
Ein Exposee des Finanzministers.
Finanzminister Henrich: Eigentlich sollte sich der Landtag jetzt in der Beratung des Voranschlags befinden. Statt dessen muh eine Verlängerung des bisherigen Budgets verlangt wer- Leu Die Regierung bedauert das am meisten Die Gründe für diese Verlängerung sind bekannt. Reben dew Hemmungen im Herbst vorigen Jahres durch die Wahlbewegung und die darauf folgende Regierungsbildung und die Ülmänderung der Ministerien war insbesondere der Hmstano von Bedeutung, daß über das Ergebnis des Jahres 1920 und insbesondere über den Ausfall der ersten Einkommensteuerveranlagung für 1920 nichts bekannt war. Zwar hat das Reich und ebenso auch Preußen den Staatsvoranschlag rechtzeitig beraten, aber diese Voranschläge sind kaum etwas anderes als Abschriften der vorhergehenden. Das Reich hilft sich mit zahlreichen Rach- trägen, die bei uns ausgeschlossen sind, da wir nur Ausgaben anfordern, aber neue Deckungsmittel im Laufe des Jahres nicht bereitstellen
der Rachprüfung im einzelnen, ein BUd von dem Ergebnis des abgeschlossenen Jahres zu geben:
Das Jahr 1919 schloß mit einem Rechnungsüberschuh von 5,5 Millionen Mark ab, der Reste- tock wuchs damit auf 16,3 Millionen Mark. Das ändert sich nachträglich durch Zugang von 8,3 Millionen Mark Deschaffungsbeihilfe, die das Reich zu ersehen hat. Der Restestock stellt sich sonach im Jahre 1920 auf 24,6 Millionen Mark.
Der Voranschlag für 1920 wies einen Fehlbetrag von rund 55 Millionen Mark auf, der mit 10,8 Millionen Mark aus dem Restestock und hüt dem Rest aus Anleihen gedeckt werden sollte. Dieser Fehlbetrag erhöht sich durch Rachbewilligung namentlich infolge der mehrfachen Gehaltserhöhungen, auf insgesamt etwa 63 Millionen Mark Der jetzt vorliegende Abschluß der Rechnung des Jahres 1920 zeigt einen Fehlbetrag von 14,2 Millionen Mark. Dieser wird aus dem Restefonds gedeckt, ohne daß dieser aufge- zehrt wird. Anlehensmittel werden nicht in Anspruch genommen. Allerdings ist dieser Rechnungsabschluß nur ein vorläufiger. Es fehlen noch Ausgaben aus der Ausführung des Besoldungsgesetzes, die auf ungefähr 6 Millionen Mark geschäht werden. Auf der anderen Seite sind in der Einnahme der Rechnung 1920 noch nicht enthalten die Mehrerträge aus der Einkommensteuer, die sich aus der endgültigen Veranlagung über die vorläufig gezahlten Beträge hinaus ergeben. Dieser Betrag ist nicht gering, wie sich aus folgenden Ziffern ergibt:
Das Gesamtsoll der Einkommensteuer für 1920 beträgt (ohne die Körperschaftssteuer) rund 640 Millionen. Davon entfallen auf das Land und die Gemeinden zwei Drittel mit 426 Millionen Mark. Rach dem Landessteuergeseh sind garantiert: dem Land 110 Millionen, den Gemeinden 100 Millionen. Es bleibt hiernach ein Heberschuß von 216 Millionen, der zur Hälfte der Staatskasse zufällt, zur anderen Hälfte dem Ausgleichsstock zugeht. Dis jetzt hat das Land auf seihen Gesamtantell von 218 Millionen 124 Millionen erhalten. Es bleiben also noch 94 Millionen verfügbar, die in dem folgenden Jahre verrechnet werden und als Reserve für dieses und die weiteren Jahre dienen können. In den Ausgleichssonds werden 108 Millionen Mark fließen Heber die Verteilung dieser Summe unter die Gemeinden werden in der Kürze Grundsätze aufgestellt. Aus dem Rechnungsergebnis des Jahres 1920, das hier im einzelnen nicht zergliedert werden soll, ist es von Interesse, daß die tatsächlichen Gesamtausgaben für die Verwaltung sich auf über 400 Millionen Mark stellten, gegenüber einem voranschlagsmäßigen Betrag von 270 Millionen. Meine früher wiederholl ausgesprochene Erwartung, daß der voran- schlagsmähige Fehlbetrag für das Rechnungsjahr 1920 angesichts der zu erwartenden Mehreinnahmen in der Rechnung nicht zur Tatsache wird, hat sich hiernach bewahrheitet.
Diese letztere Erwartung darf auch für das Jahr 1921 ausgesprochen werden, eine Hoffnung, die allerdings in der Hauptsache durch den erheblichen Heberschuß aus der Einkommensteuer des Jahres 1920 gestützt wird. Der Voranschlag für 1921 schloß mit einem Fehlbetrag von 50 Millionen Ma.rk ab, dec sich durch nachträgliche Bewilligungen auf über 15 0 Millio nen Mark erhöht, worauf allerdings die vom Reich erwarteten Ersatzleistungen für die Besoldungserhöhungen aufzurechnen sind. Für das rechnungsmäßige Ergebnis des Jahres 1921 fehlt zur Zeit jede Hebersicht. Die Ausgaben werden naturgemäß den vorgesehenen Betrag von 476 Millionen weit übersteigen. Es sind aber auch die Einnahmen gestiegen, und es sind, (worauf ich auch schon früher aufmerksam machte) höhere Beträge aus den Reichssteuern zu erwarten, als wir aufgrund der Mittellungen der Reichsregierung eingestellt haben. Rach den vorliegenden Aenderungen des Landes- steuergesehes wird der Anteil der Länder und Gemeinden für 1921 aus den Solleinnahmen des Jahres 1921 berechnet. Infolge der Aenderung des G^ehes über die Einkommensteuer, die für 1921 nur mit drei Vierteln des Jahresbetrages erhoben werden soll wird man für 1921 voraussichtlich mit einem Ausfall von einem Viertel, also mindestens 50 Millionen, rechnen müssen. Trotzdem aber darf man hoffen, daß der Restestock aus 1920 und der Heberschuh aus der Ginkommensteuerüberweisung von 1920, wie schon bemerkt, dazu beitragen werden, daß auch das Rechnungsjahr 1921 ohne Fehlbetrag abschließen wird.
Es kann also festgestellt werden, daß in den drei letzten Jahren vollzogenen Rechnungsabschlüsse durchweg günstig gewesen sind. Leider kann hieraus eine beruhigende Schlußfolgerung für 1922 nichb gezogen werden. Der Voranschlag befindet sich zur Zeit im Druck. Eine vorläufige Zusammenstellung gibt einen Gesamtbedarf der laufenden Verwaltung von mehr als 1050 Millionen Mark — gegen 476 Millionen in 1921 und 276 Millionen in 1920 —, und dabei kann man jetzt schon die Gewißheit mitnehmen, daß diese Ziffer sich im Laufe des Jahres noch erheblich erhöhen wird. Die Milliarde ist also erreicht und überschritten. Das mag erschreckend sein, und doch ist die Summe, gemessen an dem Geldwert, nicht übermäßig hoch. Der Bedarf der Vorkriegszeit betrug 70—80 Millionen jährlich, der jetzt angefvrderte stellt sich auf das 14fache dieser Vorkriegsziffer, also auf eine erheblich geringere Summe, als sie dem heutigen, stark gesunkenen Geldwert entsprechen würde —, ein 'Betoeid, daß die Regierung bemüht ist, sich äußerster Sparsamkeit zu befleißigen. Der Bedarf steht fest. Wenn auch im einzelnen vielleicht noch Abstriche erfolgen können, so werden sie an der Bedeutung der Summe kaum etwas ändern. Im Gegenteil, man muß mit einem weiteren Ansteigen des Ausgabebetrages rechnen. Weniger übersichtlich ist die Entwicklung der Einnahme, wenigstens, soweit die Heberweisungen aus den Reichssteuern in Betracht kommen, die mehr als ein Drittel des Gesamtbedarfs ausmachen. Wollte
Heberwetsungen von Reichssteuern, als sie der Reichsetat vorsieht, wird man unter allen Hm- ständen — aanz vorsichtig ausgedrückt — mit einer dreistelligen Millionenziffer als Fehlbetrag rechnen müssen, der sicher näher bei 200 Millionen als bei 100 Millionen liegen wird. Es bedarr unter diesen Hmständen keiner Begründung, daß. wie alle übrigen Abgaben, sich auch die Grund- und Gewerbesteuer eine Erhöhung erfahren mutz, die ohnehin bei der Art ihrer Veranlagung der Geldentwertung nicht folgt, heute kaum noch die Hälfte des Geldwertes darstellt, als dies bei ihrer erstmaligen Einführung der Fall war. Es wäre mit Rücksicht auf die rechtzeitige Veranlagung und darauf, daß die Steuerpflichtigen sich frühzellig darauf einrichten könnten, zweckmäßig, diese Steuererhöhung, die sich vielleicht in Form einer Staffelung vollziehen tonnte, heute schon zu beschliehen. Die Regierung hat jedoch davon abgesehen, diesen Antrag zu stellen, nachdem die Aussprache in dem Finanzausschuß ergeben hat, daß ein erheblicher Teil der Abgeordneten nicht geneigt war, eine derartige Steuererhöhung zu beschliehen. so lange nicht die Tatsache des Fehlbetrages durch Vorlage des Budgets aktenmäßig nachgewiesen sei. Ich halte mich verpflichtet, das hier festzustellen, um etwaigen späteren Vorwürfen zu begegnen.
(Schluß folgt.)
Aus Stabt und Land.
G ieß e n, den 24. März 1922.
Zur Neugestaltung der Liebigshöhe.
Zu dem kürzlich von uns gemeldeten Ankauf der Liebigshöhe durch die Stadl Gießen erfahren wir von unterrichteter Seite, dah die Pläne für die Ausgestaltung des Lokals wie des angehörigen Geländes gegenwärtig beim Stadtbauamte in Arbeit sind. Für heut-' kann bereits gesägt werden, daß die Stadtverwaltung beabsichtigt, das Gelände zu einem Volks- garten umzugestalten, in dem im Sommer auch Gartenkvnzerte abgehalten werden sollen. Es ist sicher, daß dadurch einem Bedürfnis abgehoben wird, da augenblicklich ein solches größeres Gartenlokal in unserer Stadt nach dem Eingehen von Steins Garten nicht mehr besteht. Der Platz vor dem Lrckal, der durch die allmähliche Beseitigung des Zaunes und der Baracken des Durchgangslagers sowohl an Aussehen wie an Hmfang gewinnen vUrd, soll in eiiie Festwiese um- gewandelt werden, auf der Veranstaltungen abgehalten Werdern können, für die jetzt nur Oswalds- garten zur Verfügung steht. Die Tennisplätze solle«, wie schon kürzlich gemeldet, wieder vollständig i» Ordnung gebracht und durch neue Spielplätze ergänzt werden. — Wir werden, wenn die Pläne fertig vorliegen, noch eingehender auf die Angeleg-vcheit zurückkommen. Zu begrüßen ist es sicher, daß durch das Projekt die Möglichkeit gegeben ist, in unserer Stadt ein würdiges Gartenlokal zu schassen. Wie wir erfahren, Halle sich auch ein Industrieunternehmen um den Ankauf des Geländes bemüht. Gerade an dieser Stelle, die gewissermaßen eine Ausgangspforte aus der Sbadt in den Wald darstellt, hätte aber eine Fabrikanlage stö-rend wirken können, ein weiterer Grund, den Plan der Stadtverwaltung gutzu- heißen und zu fördern. *
*• D i e .Frist für die Gültigkeit alter Frachtbriefe ist vom Reichsverkehrs- mtnifter bis zum 30. Juni 1922 verlängert worden. Es sind Lies die doppelseitig bedruckten, verlleinerten und die gewöhnlichen grohen Frachtbriefe, auf denen in der Bemerkung am oberen Rande die Worte „sowie das Ladegewicht" zwischen „Eigentumssnerkmal" und „des Wagens" nicht eingeschaltet sind. In sämtlichen Frachtbriefen wird in Zukunft der Vermerk aufgenommen, dah ffcr den Frachtvertrag im Verkehre außer der Eifenbahnverkehrsordnung auch das Abkommen mit Polen und der freien Stadt Danzig über den Durchgangsverkehr zwischen Ostpreußen und dem übrigen Deutschland gilt. Frachtbriefe mit tqefem Vermerk dürfen schon vor Inkrafttreten des Abkommens verwendet werden. Dann sind aber im Verkehr mit Ostpreußen die hierauf bezüglichen Worte zu streichen. Die Streichung ist ocen .Absender a>>,verkennen. Die alten Frachtbriefe dürfen im Verehr von und nach Ostpreußen mach Inkrafttreten des Durchgangsabkommens nicht mehr verwendet werden.
** Falsche Einkommen st euer- marke n. Rach einer amtlichen Mitteilung ist an verschiedenen.Orten versucht worden, gefälschte Einkomme nsteuermarken in Hmlaufzu fetzen. Es handelt sich hierbei meist um die Markenwerte von. 10 und 20 Mark. Die gefälschten Marken sind von den echten leicht dadurch zu unterscheiden, dah das Papier, auf dem sie gedruckt sind, kein Wasserzeichen enthält. Die Ausführung des Drucks (Steindruck) ist minderwertig iitnb weist kleine Abweichungen von den echtes Marken auf. Es ist ratsam, die Cinkommansteuermarken nur von den amtlichen Verkaufsstellen, also von Postämtern, zu kaufen.
•* Schutz den Anlag en! In letzter Zell werden die öffentlßchen gärtnerischen Anlagen wieder durch Abreihen von Zweigen und Betreten der Rasenflächen stark beschädigt. Sache jedes Bürgers ist ers, den Anlagen der Stadt seinen besonderen Schutz angedeihen zu lassen. Die Polizei- und Sicher j.eitsorgane sind nach einer Bekanntmachung des Polizeiamtes angewiesen worden, bei voikommenden Beschädigungen gegen die Täter unnachsichllich vorzugehen; auf das Verbot, Hunde in dem Anlagen frei Herumlaufen zu lassen, wird dabei besonders aufmerksam gemacht.
** Die Enthüllung einer Gedenktafel zu Eh^en der Gefallenen der israelitischen ReligiomSgemeinde Gießen findet am nächsten Sonmtag, vormittags 10 Hhr, in der Synagoge (Sstdanlage) statt.
Vorvotrzen.
— Tageskale^nder für Freitag. Stadttheater, 7 Hhr: „Der keusche Lebemann". — Johanneskirche, 8Hhrö Meisterbllder-Andacht. — Hotel Grobherzog, 8 Hhr: Mitgliederversammlung der Deutschnatiomnlen Vclkspartei. — Gasthof Sauer, Oswaldsgapten. 7 Hhr: Versammlung des Hessischen Wanderg-ewerbeverbandes. — Asto- ria-Lichtspiele: „Der <Krkuskönig", 6. Teil, Der Preisbvrer von Kalifornien".
— ©ine Frühjahrs-Schau messe findet auf Oswaldsgarten pom 26. März bis 2. April statt. Es ist nach allen; Richtungen Sorge dafür
getragen, daß die Besucher auf ihre Rechnung kommen. Ausgestellt sind a. a. eine Figur-8-Bahn, die einen großen Teil des Juxpia.^es einnimmt, die lustigen Tonnen, der Riesentettenflieger, Berg- und Talbahn, Riesenschaukel, Cake-Walt (zum ersten Male hier), sowie vieles andere. (Räderes siehe aus dem Anzeigenteile.)
Landkreis Gießen.
F. Langsdorf, 22. März. Der hiesige Verein für Krankenpflege zählt rund 200 Mitglieder. Der jährliche Beitrag für die Person "beträgt 20—24 Mark. Der Rest der Ausgaben wird aus der Gemeindekasse gedeckt. — Der Platz für das zu errichtende Kriegerdenkmal nebst Chrenfriedhofauf dem Friedhof wird gegenwärtig für seine zukünftige Bestimmung hergerichtet und mit Bäumen und Hecken bepflanzt. Das Denkmal soll im Sommer aufgestellt werden. Die Gemeinde ttägt sämtliche Kosten. —'Da auch hier der Winter weizen stark gelitten hat, war man selchet eifrig mit der Reubestellung mit Sommerweizen tätig. Die Ausgaben für das Saatgut sind recht beträchtlich. — Eine wichtige Entscheidung für unsere Gemeinde — die Wasserversorgung durch das Wasserwerk Inheiden — naht heran. Diese äußerst ernste Frage muß mit weitblickendem Verständnis und hingebender Opferwilligkeil behandelt werden.
Kreis Alsfeld.
* Alsfeld, 23. März. Der Feier des 700jährigen Stadtjubiläums soll folgendes Programm zugrundegelegt werden: Samstag (24. Juni), nachmittags, Eröffnung der Gewerbeausstellung; abends l Hhr Ein- läuten der Sonntagsfeier und Blasen vom Turm; abends 8 Hhr im Deutschen Kaiser Akademische Feier anläßlich des Jubiläums des GeschichtS- und Altertumsvereins. Sonntag (25. Juni), früh, Blasen vom Turm. Vormittags Festgottesdienste. Mlltags 1 Hhr Festzug, Festakt am Rathaus, Feier auf dem Lindenplatz, abends Illumination des Marktplatzes. Der Festzug soll mit historischen Gruppen ausgestattet werden.
△ Alsfeld, 22. März. Der Kreis verein für Obst- und Gartenbau hielt unter Vorsitz des Kreisdirektors Dc. Stammler im Mainzer Hof eine stark besuchte Mitgliederversammlung ab. Es wurde angeregt, eine gemeinsame Zellschrift mit der Landwirtschafts-- tammer an Stelle des Ratgebers herauszugeben. Falls die Obsternte günstig ausfällt, soll im Herbst eine Obstausstellung stallfinden, außerdem ist die Abhaltung eines Kursus über Obstbehandlung, Qbstverwertung und Wein Bereitung beabsichtigt. Im Anschluß an die Versammlung, hielt Obstbautechniker Wiesner- Gießen einen Vortrag über die Wahl. der Obstsorten für den Kreis Alsfeld und über den Anbau von Spalierobst an Mauern, Wänden, Gartenpfäden und Zäunen.
ck. Gonterskirchen, 23. März. Bei der Holzversteigerung im hiesigen Gemeindewald wurden folgende Durchschnittspreise erzielt: Duchenknüppel 180—200 Mk.. Stöcke 160—200 Mk., Reiserknüppel 70—100 Mark, Reisig 20—25 Mk. per Raummeter. Buchenscheitholz gelangte nicht zur Versteigerung, da dieses unter die Bürger vertellt wurde, und zwar pro Haushaltung zirka 6 Raummeter ä 100 Mark.
§ Rieder-Ohmen, 22. März. Die An• fahrt von Hochstämmen auf dem hiesigen Bahnhof und in Mücke hat in letzterer Zeit sehr an Ausdehnung gewonnen. Das muh bei den jetzige» Preisen für Rutzholz auffallen. Allein der Papiermangel, an dem die Zeitungen leiden, der Preis für Möbel erklären diese Erscheinung. Die fabelhaften Preise für das Brennholz erregen überall Klagen und Hntoillen und erfordern dringend eine Abhilfe für die Zukunft.
Kreis Lauterbach.
. ^AusdemSchlitzerlande,22. März- Rach 52jähriger Tätigkeit als Lehrer starb im Alter von 72 Jahren Lehrer Valentin Stephan zu Willofs. Deine gefamte' Dienflzell hat er im Schlitzerlande zugebracht, davon den größten Tell an der einklassigen Schule zu Willofs. Am 1. April 1921 trat er in den wohlverdienten Ruhestand.
Kreis Friedberg.
4 Butzbach, 2L März. Am Wiederaufbau unseres Volkstums, besonders was das Gemüts- und Geistesleben anbetrifft, hat ohne Zweifel die Pflege des Gesanges und da vor allem' wieder die Betonung des deutschen Volksliedes er-' heblichen Antell. Es ist daher nicht genug zu be-/ grüßen, daß sich die Tätigkcll der Männergesang- vereine allerorts Wieder neu belebt und in größeren Organisationen einem einheitlichen Ziele zu° strebt. So schlossen sich im vergangenen Jahre vierzig Gesangvereine unserer Gegend mit mehr als 1500 ausübenden Mitgliedern zum Wette- rauerSängerbund zusammen, der für diesen! Sommer bereits ein größeres Bundesfest in Mel-' bach geplant hat. Den einzelnen Bezirken des Bundes fällt die sehr wichtige Aufgabe zu, zwischen den einzelnen Vereinen ein enges Band zu knüpfen und die Leistungen durch gegenseitige Anregung zu heben. Erfreulich ist es, dah man in Erreichung dieses Zieles von den sogenannten Preis- und Wettsingen der Vorkriegszeit immer mehr ab° kommt. An deren Stelle führt man jetzt mehr und mehr Kritikwertungs-Singen ein. Der 1. Bezirk „Hausberg-Wettertal" des Wetterauer Sängerbundes hielt fein erstes Kritll- fingen am Sonntag hier im „Hessischen Hof" ab. 14 Dezirksvereine mit 600 Gängern beteiligten sich daran. Der Dundesvorsitzende, Lehrer Schenk (Melbach), der Dezi'ckävorsitzende, Lehrer Breidenbach (Hoch-Weis l), und M s kdircllvr Müller (Friedberg), der als Wertungs- richt er zugegen war, leiteten das Stncen mi‘ Ansprachen ein. in denen Entwicklung und Ziele des deutschen Mannergcsangs tlarpe egt wurden. Das Kri il rtgen selbst z igH durchw.g gute, zum Teil vorzügliche Lei 'n gen. L.ider nehmen die Kunstchöre im Verhältnis ^um Volkslied noch einen za breiten Raum em. Zwei vom Dezirks- birigenten Rcallrhrer Hildebrand (Rockenberg, geleitete Massenchöve („Brüder reicht die Hand zum Bunde" und „Singe, wem Gesang gegeben“) beschlossen ei id acksvoll die Veranstaltung, die ein zahlreiches Publikum stundenlang geses- seit hatte
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