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Erstes Blati

1Z2. Jahrgang

Dienstag, 25. Mai 1922

GieheiierAWiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Druck und Verlag: vrühl'sche Univ.-Vuch- nnd Steinöruderei R. Lange. Zchriftletttmg, Geschäftsstelle und Druckerei: Schulstraße 7.

Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohnejedeVerdindlichkcit. Preis für 1 mm Höhe für Anzeigenv 34 mmBreite örtlich 120 Pf . auswärts 150 'Pf.; für Reklame« Anzeigen von 70 mm Breite 450Pf. Bei Platz. Vorschrift 20, Aufschlag. Hauptschriftleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz; für den übrigen Teil: Karl Walther; für den Anzeigenteil: Hans Beck, sämtlich in Dietzen.

Der deutsch-russische Vertrag.

Halbamtlich werden folgende Ausführun­gen verbreitet:

Aus der Aot wurde der Vertrag von Ra» pallo geboren, jener Vertrag, der den beiden meistgeprüften Staaten und Völkern dazu ver­helfen soll, sich gegenseitig in ihren Wirt­schaftsnöten durch Hebung des Handels- und Wirtschaftsverkehrs beizustehen und der unter die Vergangenheit einen Strich zieht. Schon seit Wochen war der Vertrag in Vorberei­tung. Bereits in Berlin hatten zu einer Zeit, als noch niemand an die 2lbreise nach Genua dachte, Vertreter des Auswärtigen Amts und der Sowjet-Regierung den Entwurf fertig- gestellt. Als man am deutschen Volke einen neuen Aderlaß vornehmen und seine Wirt­schaft erneut fesseln wollte, kam er zum Ab­schluß. Sein Inhalt bezweckt nichts weiter, als den Wirtschaftsverkehr zwischen beiden Völ­kern zu regeln. Was Auslandszeitungen deutsch-feindlicher Tendenz dem Wirtschafts­abkommen politisch oder gar militärisch noch unterschieben wollen, ist nichts als böswillige Verleumdung.

Artikel I des deutsch-russischen Ver­trages regelt die Beilegung des Kriegszustan­des zwischen Deutschland und Rußland.

Beide VertragSkvntrahenten v e r z i ch - ten auf Ersatz der Kriegskosten und der Privatkriegsschäden. Sie verzichten auf die Erstattung der für die Kriegsgefangenen ge­machten Auslagen. Die russische Regierung verzichtet auf die Erstattung des Erlöses aus dem von Deutschland vorgenommenen Ver­kauf russischen HeeresgutS. Artikel IIstellt einen deutschen Verzicht ;auf Ansprüche dar, die sich aus von der Sowjettegierung gegen deutsche Reichsangehörige getroffenen Maß­nahmen ergeben haben. Artikel III fixiert die Wiederaufnahme der diploma­tischen und konsularischen Bezieh- ungen zwischen beiden Ländern. Ar­tikel IV enthält das sMeistbegünsti- gungSrecht. Artikel V versichert, daß beide Länder ihren wirtschaftlichen Bedürf­nissen in wohlwollender Weise entgegenkom- men werden. Die deutsche Regierung erklärt sich bereit, die ihr mitgeteilten, von Privat­firmen beabsichtigten Unternehmungen nach Möglichkeit zu unterstützen und ihre Durch­führung zu erleichtern . . .

Deutschland und Rußland hatten wirt­schaftlich bis zu den Unglückstagen von 1914 denkbar enge Beziehungen miteinander. Wohl war ftanzösischeS und belgisches Kapital in ge­waltigen Summen in Rußlands industriellem Leben investiert. Aber auch deutsches Unter­nehmertum war nicht minder stark vertreten. Vor allem aber war der Deutsche des Russen liebster Arbeitskamerad. Deutschfeindliche Hetzarbeit und Kriegsstimmung hat den Deut­schen dem Russen nicht entfremdet. Ueberall, ob in Moskau, ob in Petersburg, an der Wolga oder in Sibirien, ist die Achtung vor dem Deutschen Hie gleiche geblieben wie vor den Iulitagen 1914. Und auf dieser Achtung, die zu erhalten unser Bemühen sein muß, wollen wir den durch den Verttag von Rapallo fanltionierten Wirtschaftswechselver­kehr mit Rußland wieder aufbauenl

Gewiß ist das Problem Rußland auch heute noch eins der schwierigsten: Verkehrs­zerrüttung, Hungersnot, soziales Elend. Hilfe von außen aber und sie braucht keineswegs nur in klingender Münze zu bestehen oder in Lebensmittelzügen, sondern kann noch wirk­samer sein durch Einführung gutdurchdachter Organisation kann der Verelendung steuern und, wenn es auch langer Jahre dazu bedarf und schier übermenschlicher Arbeit, Rußland wieder zu dem machen, was es einst war: zur Kornkammer Europas und zum europäischen Rohstofflager.

Daß man heute, nach sicherlich zu langer Zett innerpolittscher Takttk, im Kreml gewillt ist, Wiederaufbaupolitik zu treiben, selbst un­ter Hintanstellung einst sakrosankt gepriesener Prinzipien . . . das wird jedem offenbar sein, der Rußlands Entwickelung in der jüngsten Periode mit offenen Augen verfolgt hat.

Wohl fordert der Hunger immer noch eine überaus große Zahl von Opfern. Doch in Moskau, Petersburg, an der nördlichen Wolga, überall, wo es Onbuftrie gibt, wer­den die Maschinen wieder instand gesetzt, wird nach Jahren qualvollster Agonie versucht, das Leben wiederzugewinnen.

Und da eS an allem fehlt im Sowjetreiche, an allem, was ein Volk braucht, um sich wie­der aufzuhelfen, darum geht die Sowjetregie­rung eifrig darauf aus, durch ftemdeS Kavi- tal, durch technisch durchgebildete Kräfte und ausländischen Unternehmungssinn und Or­ganisation ihrer zerstörten Volkswirtschaft neues Lebensblut zuzuführen. Das will sie, in­

dem sie dem Außenhandel die Bahn! f r e i g i b t.

Dieser Umstand wird den gemischt-! wirtschaftlichen Gesellschaften au- gute kommen, um deren Gründung sich die Sowjettegierung bemüht hat, und deren Zu­lassung im Außenhandelsdekret der Sowjet­regierung (bzw. Allrussischen Zenrial-Cxeku- tiv-Komitee) vom 13. März 1922 genehmigt wird. Ihnen wird das Recht eingeräumt zum Export- und Importhandel mit der R. S. F. S. R. die bestehenden Organe des Volkskommissariats für Außenhandel zu be­nutzen, oder aber was einer vollkommenen Oeffnung des russischen Markts gleichkvmmt sich eigene Apparate zu schaffen, d.h. Riederlassungen und Filialen zu gründen. Der Schlußsatz des Arttkel V des deutsch-russischen Abkommens enthält eine Erklärung der deut­schen Regierung,die von Privatfirmen be­absichtigten Unternehmungen nach Möglich­keit zu unterstützen".;

Schon vor dem Abschluß des Rapallo- Verttages waren zwischen der Sowjettegie­rung und deutschen Unternehmungen ge­mischt-wirtschaftliche Gesellschaften gegründet worden, von denen inur die Deutsch-russische Luftverkehrsgesellschaft, die in Kürze den Luft­verkehr MoskauKönigsberg i. Pr. aufneh­men wird, und die Deutsch-russische Trans­portgesellschaft erwähnt sein mögen. Wohl be­hält die Sowjettegierung dadurch, daß sie die Hälfte des Stammkapitals der gemischten Ge­sellschaften aufbringt und ihren Vertretern im Aufsichtsrat und in der Direktion Parität sichert, entscheidenden Einfluß. Immerhin aber ist dem Unternehmungsgeist und wirtschaft­licher Privatinitiative die Bahn nach Osten freigegeben.

Kauft vorläufig der Westen, kauft das valutastarke neutrale Ausland gewaltige Posten deutscher Waren, so wird der Absatz doch dann Stockungen erleiden, wenn die deut­sche Mark sich ihrem Friedenswert nähert und die Erzeugnisse deutscher Industtie und deut­scher Werkmannsarbeit sich -richt mehr unter dem Weltmarktpreis halten werden. Dann aber kann das ttiegs- und revvlutionsverwüstete, warenhungrige Rußland mit seinen Menschen­massen und Entwicklungsmöglichkeiten wieder als aufnahmefähiges Absatzgebiet für deutsche Waren und Industtieerzeugnisse in Frage kommen und uns Rohstoff-Gegenwerte lie­fern. Drum ist der Abschluß des deutsch-russi­schen Vertrages mehr als ein politischer Akt: eine politische Tat, die Deutschland ein neues weites Absatzgebiet erschließt und der deut­schen Arbeiterschaft, deutschem Handel und deutscher Technik Schassens- und Entwick­lungsmöglichkeit bietet.

Günstiger Verlauf der Reparationsverhandlungen?

Berlin, 23. Mai. Meldungen mehre­rer Blätter aus Paris zufolge nehmen die Besprechungen des Reichsfinanzministers Dr. Hermes mit der Reparationskommission einen günstigen Verlauf. Sv seien nach einer Meldung derVoss. Ztg." die italieni­schen Delegierten in der Reparativns- kommission davon überzeugt, daß eine Eini­gung zwischen Deutschland und der Kommis­sion zustande kommen werde.

Paris, 23. Mai. (WTB) Der .Petit Parisien" schreibt: Die Verhandlungen zwi­schen dem Reichssinanzminister Dr. Hermes and den Mitgliedern der Reparativnskvmmiftion sind gestern fortgesetzt worden. Aus diesem Meinungs­austausch wie aus demjenigen, der zwischen den Mitgliedern der Kommission selbst statt gesunden hat. scheint sich zu ergeben, daß die Stand­punkte sich etwas geändert haben. Je­doch wurde ein Einverständnis noch in keinem Punkte erzielt.

DasEcho Rational" schreibt, es fei un Ministerium des Auswärtigen auf Befragen er­klärt worden, daß der optimistische Ein­druck des gestrigen Abends über die Verhand­lungen, die Dr. Hermes geführt habe, sich nicht b e st ä t i g t habe Man habe geantwortet, bis jetzt lasse sich noch "keinerlei Schluß auf einen gün­stigen Ausgang der Verhandlungen machen.

Morgan in England.

London, 22. Mai. (WTB.) Laut .Times" soll'Morgan vor seiner Abreise nach Paris sich noch 12 Tage in London aufhalten. 2aut Daily Chronicle" erklärte Morgan in England, er sei nach Europa gekommen, um die Frage der Aufnahme einer Repavationsanlrihe für Deutschland zu erörtern.

Aus der Pariser Presse.

Paris, 22. Mai. (WTB.) Der ,L e m p s" schreibt in Besprechung der gestrigen Rede Poincares: Wenn Deutschland die Streitig- keilen der Vergangenheit wieder ausgräbt, an­statt seine Anregungen den Aufgaben des Frie­dens und den Weltfragen zu widmen, die die I Zukunft der Menschheit bedeuten, führt es eine neue Katastrophe heran. Die Stimmen von svl- | d)en. die sich seine Freunde nennen, ermutioen

es vielleicht, ein solches Wagnis zu versuchen. Die Bolschewisten hoffen ohne Zweifel auf einen französisch-russischen Konflikt. Andere haben viel­leicht ähnliche Gedanken, ohne es zu gestehen. Was uns anbetrifft, ist unser Gewissen ruhig. Wenn Poincar^ in Straßburg die gestern ver­nommene Sprache führte, wenn Frankreich sein Heer behält, stark genug, um Deutschland jeden Angrift untunlich erscheinen zu lassen, so erweisen unsere Regierung und unsere Soldaten der Sache des Friedens, der Wohlfahrt Europas und dem deutschen Volk selbst wichtigere Dienste, als viele sogen. Wiederauf bauer.

DasJournal des Dtzbats" schreibt: Es scheint, als warte man eine Unvorsichtigkeit von unserer Seite ab, um uns offen als Urheber des Krieges an den Pranger zu stellen. Wir wer­den uns hüten, diese Unvorsichtigkeit zu begehen, aber wir wollen aufs neue die Verantwortlich­keit feststellen. Die wahren Urheber des Krieges sind die Leute, die Deutschland zum Widerstand ermutigen oder, die ihm die Hand reichen, in der Hoffnung, dadurch verschiedene Profite zu fischen. Die führenden Männer Englands haben ihren Scharfsinn daran gewandt, das wirtschaft­liche Los Englands an dasjenige Deutschlands zu knüpfen: ja noch vielmehr. Sie haben, um Europa wieder aufzubauen, an die Zerstörer Rußlands appelliert, an die Diebe und Mörder, die das russische Volk bedrücken. Die menschliche und göttliche Moral wird verhöhnt.

Die Liberte schreibt: Da Wirth und Rathenau verbraucht sind, ist Hermes an ihre Stelle getreten. Wir sind nicht beim System Wirth, den Zah­lungen im Bereich des Möglichen, noch beim System Rathenau, den Sachleistungen. Wir sind bei den Kombinationen der a us l ä n d i s ch en Anleihen, die es Deutschland gestatten wer­den. seine Mark wieder zu heben, u b Frankreich eine Kleinigkeit auf seine Reparationsforderungen zu erlangen. Rach dem Blatt würden vielleicht die Sanktionen die Lösung beschleunigen, aber eine Lösung, die nur dazu dienen würde, die Sanktio­nen zu beseitigen, wäre eine reine Scheinlösung.

Anfragen im englischen Unterhaus.

London, 23. Mai. (WTB.) 3m Unter- häufe fragte ClYnes, ob die Aufmerksamkeit der Regierung auf die am 16. Mai aus der Kon­ferenz in Genua abgegebene Erklärung Tschit­scherins gelenkt sei, in welcher der russische Mi­nister Japan mit teilte, daß jeder Angriff 'Ja­pans auf die Republiken des fernen Ostens auto­matisch einen Kriegszustand mit Rußland herbei- führen würde: ob zweitens angesichts der Tat­sache, daß solche Gefahr solange drohe, als Ja­pan das sibirische Gebiet beseht halte, und ange­sichts des von Japan gegebenen Versprechens sich aus Sibirien zurückziehen za wollen, die britische Regierung nicht freundschaftliche Vorstellungen bei der japanischen Regierung erheben werde, die japanischen Truppen aus Sibirien zarück- zuziehen. Chamberlain erklärte, daß seine Aufmerksamleit auf diesen Punkt gelenkt sei. Die Antwort auf den zweiten Teil der Frage laute verneinend. Die britische Regierung vertraur darauf, daß die japanische Regierung zu ge­gebener Zeit ihr Versprechen erfüllen würde.

London, 23. Mai. (WTB.) 3m Unter« Hause erklärte Chamberlain in Erwiderung auf verschiedene Anfragen, die Debatte über d i e Genueser Konferenz werde am Don­nerstag stattfinden. Sir Worthington Evans werde die Erörterung seitens der Regierung er- eröffnen und eine allgemeine Erklärung abgeben. Der Premierminister werde auf die Kritik warten, cHe er weitere Darlegungen geben werde. Ein Blaubuch würde bezüglich der Genueser Verhandlungen vorbereitet und befinde ftch bereits im Druck. Er hoffe, daß das Blaubuch den Mit- gliedem des Hauses morgen nachmittag torgelegt werden könne. Ein Parlamentsmitglied fragte, ob das Dlaubuch Mitteilungen enthalte, woraus die genaue Art und die genaueren Zwecke der Haager Konferenz sowie die Aufzeichnungen über die Erörterungen in Genua ersichtlich seien, und ob es den Wünschen des Hauses nicht mehr entsprechen mürbe, daß der Premierminister die Debatte über Genua eröffnen werde. Chamberlain er­widerte, das Blaubuch werde alle notwendigen Abschnitte enthalten. Worthongton Evans könne besser die Darlegung der in Genue erreichten Ab­machungen geben als der Premierminister. Cham­berlain erwiderte weiter, er wolle dem Hause nicht verheimlichen, daß der Premierminister die Art der Kritik kennen lernen wolle, die gegen ihn ge­richtet werden würde, bevor er das Recht zu sprechen für sich in Anspruch nehmen wolle.

Darauf wurde an Chamberlain die Frage gerichtet, ob er wisse, daß dies für einen Premier­minister ein völlig neues Verfahren sei, der von einer Konferenz, die die Welt intereffiert, zu- rückkommt, ohne selbst die genauen Mitteilungen zu machen, die er zu geben imstande ist, und ob Chamberlain sich Rechenschaft darüber ablege, daß die Ansicht, der Premierminister solle die Diskussion eröffnen, weit verbreitet sei. Chamber­lain erwiderte, Evans würde die nottoenbigen Erklärungen für die Regierung abgeben.

Italien und England.

Paris, 22. Mai. (Wolft.) Der Berichter­statter desMarin" will von gut unterrichteter Seite erfahren haben, bah t einer (ei Vertrag zwilchen England und 3 t a I i e n unterzeichnet worden sei, allerbings seien bic gepflogenen Ver­handlungen mit der Aufstellung von vier Ent­würfen zu wirtschaftlichen und Handelsionoentio- nen abgefchlofsen worden. Diese Entwürfe be­

zögen sich 1. auf die kommerzielle Tätigkeit Eng­lands und Italiens in Rußland und die im Verhältnis der beiderseitigen Kapitalbeteilig­ungen vorzunehmetide Verteilung des etuxrigen Ruhens aus gemeinsamen Unternehmungen, 2. auf gegenseitiges Einvernehmen bezüglich der italie­nischen Politik in Libyien und in der ägyptischen Frage, 3. auf englische Unterstützung Der italie­nischen Handelsunternehmungen in Kleinasien, Smyrna und Qlbalia, 4. auf die Frage, in welchem Rahmen das gemeinsame Vorgehen 3talienS und Englands in Der Türkei und die Verteilung des Einflusses beider Länder im östlichen Mittelmeer zu regeln seien.

Rach dem Berichterstatter sollen diese Ab­machungen durch die Vorlage eines Protokolls in den Parlamenten bjiber Länder bekannt ge­macht werden.

Amerika und die Haager Konferenz.

Paris, 23. Mai. (WTB.) Rach einer Meldung derChicago Tribüne- aus Washington verlautete gestern aus Krei­sen der Regierung, daß, obwohl die Vereinig­ten Staaten sich nicht aktiv an der Konfe­renz im Haag beteiligen würden, die Re­gierung zweifellos durch einen i n o f f i z i e l - lenBeobachter vertreten sein würde. Das Blatt nennt den amerikanischen GeschäftSriä- ger als für diesen Posten bestimmt.

Oesterreich und seine Nachbarn.

Wien, 22. Mai. (WTB.) DieNeuS Freie Presse" veröffentlicht eine Unterredung mit dem rumänischen Minister Diamanti, der gestern gleichzeitig mit dem österreichi­schen Bundeskanzler Dr. Schober in Wien eingetrvffen ist. Diamanti erklärte, er nehme an, daß die Aufhebung der Generalpfand- rechie seitens Rumäniens binnen einer Woche erfolgen dürfte. Rumänien lege großen Werk darauf, in guten, freundschaftlichen Beziehun­gen mit Oesterreich zu stehen und Oesterreich, soweit es möglich sei, zu helfen. Vor allem möchte Rumänien Oesterreich Vieh, Getteide, Holz und Pettoleum liefern, wenn eS ge­linge, die Durchfuhr durch Ungarn zu er­möglichen.

Wien, 22. Mai. (WTB.) Zu Ehren des heute aus Genua hier eingettoffenen polni­schen Außenministers S k i r m u n t fand im Bundesministerium für AeuhereS ein Frühstück in Anwesenheit deS Bundeskanzlers Scho­ber, des Vizekanzlers B r e i S k h und der Minister Hennet und Greunberger statt. Hennet und Skirmunt betonten in Trink« sprächen, daß die bevorstehenden Handelsver­tragsverhandlungen die Beziehungen beider Staaten vertiefen würden.

Die polnische Herrschaft.

Posen, 22. Mai. (WTB.) Polnische Telegmphen-Agentur. Die Liquidationskom­mission in Posen, die auf Grund des Versalller Vertrages ihre Tätigkett ausübt, hat zehn deutschenEigentümern mitgeteilt, daß sie bis zum 10. Juli auf dem Liquida- tionswege ihre Güter zu verkaufe» haben.

Aus dem Reiche.

Deratungen deS Reichskabinetts.

Berlin, 23. Mai. Die Beratungen des Reichskabinetts über die Genueser Kon­ferenz, die Besprechungen des ReichSstnanz- ministers Dr. Hermes in Paris und die be­vorstehenden Anletheverhandlungen der Re- parationskommission wurden gestern nach- mtttag bis 8 Uhr abends fortgesetzt. Die Be­ratungen sollen heute vormittag weitergeführt werden.

Die Einfuhr von AuSlaudSzucker.

Berlin, 22. Mai. (Wolff.) Mit Rück­sicht auf den außerordentlichen Zuckermangel, unter dem die Bevölkerung seit einiger Zeit in zunehmendem Maße leidet, hat das Reichs­ministerium für Ernährung und Landwirtschaft die Einfuhr vvnAuSlandSzucker bis auf weiteres freigegeben.

Zur Frage der Schuld am Kriege.

Berlin, 21. Mai. Die deutsch- nationale Fraktion des Reichs­tages hat eine Interpellation eingebracht, die auf Grund der Erg^nifte des Prozes­ses Fechenbach folgende Frage an die Reichsregierung gestellt:

Ist die Regierung bereit, 1. das durch den Prozeß gelieferte Material den beteilig­ten Staaten mitzutellen, 2. die deutschen Ar- chive des Auswärtigen Amtes, aus denen sich unsere Richtschuld zweifelsfrei ergibt, zu öffnen und vpn dem Feindbund die Oeff­nung seiner Archive zu fordern, 3. dem Aus­land gegenüber sowie auch gegenüber den in diesem Jahre zu erwartenden zahlreichen Ausländern, die Deutschland besuchen werden, eine wirksame Propaganda behufs Aufklärung der Kriegsschuld zu rieiben, 4. gestützt auf das