Ur. 4b Zweites Blatt Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Donnerstag, 23. Februar 4922
Deutscher Reichstag.
177. Sitzung, mittags 2 Ubr.
Berlin, 22. Febr. 1922.
Sie Beratung teä Reichömietengetztzes wurde auf Anrrag &e3 Abg Becker- Arnsberg (Ztr.) ouf nächste Woche verschoben.
Das Gesetz betretenb die Erhebung einer Abgabe für d.e
Forderung des Wohnungsbaues wird sodann in dritter Lesung^ Angenommen.
DS folgt d.e zweite Beratung des Etats für 1922 beim Haushalt Les Reichspräsidenten.
2tbg. Dr. Hergt (Deutsch atl.) be pricht bk Neuwahl des Reichspräsidenten
•-nb betont, dah die Person des gegenwärtigen Xrichspräsiden'en dabei vvll.tändig ou.sche.de. Es 'ei eine Rechtsfrage, ob heute, eineinhalb Jahre rach Zusammentritt des Reichstags, noch immer er alte Rational Versammlung sprich ident zuRecht bestehe. Der Reichspräsident se.ber sei der Mei- nung, tah auch der Schein vermieden werden müsie, als ob ein Recht des Bolles geschmälert werden solle. Nachdem jetzt die ob-wschlejische Frage geklärt sei, habe die Regierung keinen weiteren Grund, sich zurückhaltend zu Leigen.
Aeichsjustizminister Dr. R a d b r u ch Die Retchsregterung muh es ablehnen, bei diesem Etattitel hierzu Stellung zu nehmen.
Abg. Fröhlich (Äomm.) lehnt den Titel ah. toeti der Präsident mehr Machtbefugnisse (xibe, als sonst dies bei Präsidenten von Republiken oder selbst bei Monarchen der Fall sei. Herr Fritz Gbert stehe souverän über der Reichs- Verfassung, wie seine zahlreichen Verordnungen der letzten Zeit beweisen. Er sei auS einer Partei ,.:cvoracgangen. die so von Marasmus erfüllt 'ei. datz sie die Schandjustiz gutheihe. die heute gegen die Arbeiter betrieben werde.
Abg. Dr. Kahl (D. Bpt.): Meiner Partei ‘teflt es fern, aus der Frage der Neuwahl eine politische zu machen. Wir wünschen aber, dah ine Bestimmung der Reichsversassung endlich stillt werde und möchten wissen, ob die Regie- ung überhaupt sich über diesen Punkt Gedanken gemacht hat.
Abg. AdvlsHosfmann (Komm. Arbeits- ytmelnfdxift) meint, die Rechte möge nicht so tun. als ob sie nach einer Rduwahl dränge. Ebert sei ia doch der Platzhalter sür den künftigen Monarchen. Seiner Ansicht nach sei der Präsident in ganz überflüssiges Möbel. Bei einer politischen Rull wie (SSert, der ja doch nur unter- schreibe, was andere ihm vorlegen, könne man 'aum in eine politische Aussprache eintreten.
Auf Antrag Les Abg. Schulz (Dromberg) D.-N.) wird die Abstimmung über den ©tattitcl ausgesetzt, weil die Regierung es abgelehnt hat. die Frage der Neuwahl hier zu beantworten.
Be'm Etnt deS. Reichskanzlers führte Reichs- tanzler Dr. Wirth aus: Vielleicht ist es künftig besser, an erster Stelle den Titel „Reichskanzler" zu beraten. Don einer Beunruhigung Im Volke wegen der Neuwahl ist keine Rede. Dor völllaer Erledigung der oberschlesischen Frage konnte nichts aeichchcn. Jetzt können wir mit den Parteiführern in Dorbeiprechungen eintreten und der Reichstag wird bald Gelegenheit bekommen, zu der Frage Stellung zu nehmen, denn sie ist dringlich
Darauf wird der Etat des Re chskanzlers angenommen. ebenso derjenige LesRe.chSpräsidenten.
Nächste Sitzung: Donnerstag nachmittag 2 Uhr. Justizetat.
Schluß nach 4 Uhr.
Aus Hessen.
SozialistlfHe Protestversammlung.
Da d - N a u h e i m. 21. Febr. Gestern fand hier im TLalysienhos eine Prot e st Versammlung des Gewerkschaftskartells und der sozialistischen Parteien statt. Grund dazu war die Tatsache, dah seitens des Ministerium- Ausweisungsbefehle gegensechs hierolSHandwerkertätigepolnische Staatsangehörige .erlassen worden sind, die sich in der kommunistischen Partei politisch betätigt haben sollen. Mehrere sozialistische und kommunistische Redner sprachen zur Sache: einer hob dabei hervor, dah man im ehemaligen Grvtz- herzogtum mehr DerständniS für Freiheit der Persönlichkeit gehabt habe als im heutigen Freistaate. In einer an die Regierung gerichteten Entschließung werden die sozialistischen Abgeordneten des hessischen Landtags aufgefordert, die sofortige Zurücknahme der getroffenen Massnahmen zu verlangen.
Schlichtungsausschuß der Provinz Lbcrhcffcn.
Sitzung vom 2 1. Februar 192 1
In der Antragssache des Deutschen Musi teroerbandes gegen sieben Kaffee- und Lichtspielhäuser in Giehen wegen Abschlusses eines neuen Tarifvertrages wurde folgende Regelung der Streitpunkte vorgeschlagen: Die Monatsgagen von 1650 und 1800 Ml. werden vom 20. Februar 1922 an um 40 v. Sy. erhöht. In Krankheitsfällen zahlt der Arbeitgeber wie bisher den Unterschied zwischen Gage und Krankengeld aus die Dauer von drei Wochen weniger drei Tagen Karenzzeit, jedoch künftig nur den Arbeitnehmern, die mindestens ein halbes Jahr ohne Unterbrechung bei ihm beschäftigt gewesen sind. Die Urlaubsgewährung bleibt in Zukunft der Derständigung im Einzelfall überlassen.
In einer Verhandlung zwischen dem D e r - band der Gemeinde- und Staatsarbeiter und der Stadt Alsfeld wurden die Grundzüge einer den Parteien nahegelegten tarif- vertraglichrn Regelung deS Arbeitsverhältniffes der Al selber stäLtischen Arbeiter besprochen.
Mit der Landwirtschaftlichen Zentralgenossenschaft in Darmstadt schloß der Derband der Brauerei- und Mühlenarbeiter für die Arbeiter der Zweigstellen Alsfeld und Burg- und Rieder-Gemünden einen Tarifvertrag ab.
Dem Einspruch von sechs Arbeitern der Butzbacher Leimwerke gegen Kündigung könne nicht stattgegeben werden, weil die Arbeiter nur für die Dorbereitung des Betriebes angenommen waren, der noch nicht in Gang ist.
jfitrehe unb Schute.
Freie Lehrerstelle. Erledigt ist eine mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende Schulstelle zu Frischborn, Kreis Lauterbach.
a. Nidda, 22. Febr. Gestern vereinigte bte zweite diesjährige Psarrkonferenz des Dekanates Nidda fast särnlliche Geistllche des Dekanate- tm Gasthaus zur Traube. Nach Eröffnung mit Schriftlesung und Gebet bjrd> Pfarrer Laut-Nidda und Degrützung durch Dekan Wiegel- Bingenheim wurde tn d e Be pr< chung wichtiger geschäftlicher Angelegenheiten eingetre« ten. Da diese Besprechung den ganzen Vor- mlttag ausfüllte, mutzte die aus der Tagesordnung stehende Aussprache über den Vortrag des Pfarrers Laut von der letzten Konferenz (die seelforgerlich: D-dcutang des Aprswls Paulus) für die nächste Zusammenkunft ve schoben werden.
a. W a l l e r n h a u f e n, 22. Fete. F ir die am Tiens tag, dem 7. März, hier stattfmderide Tagung der Kirchenvorsteher, wozu die Bereinigung der Freunde der Dorflirche ein» lädt, ist folgende Tagesordnung vorgesehen: Dormittags 101/? Uhr: Eröffnung durch Andacht in der Kirch« (Psr. Rühl »Wi gerShous n> 11 Uhr: Dortrag über .Das allgemei.« Priester um tes Christen in seiner Dedeu ung für den Ktrch-en- vorsteher" (P,r, G e 0 r g i - S menrrdj. 1 Ve Uh : Dortrag über „Der Dienst deS Kirchenvorstehers an seiner Gemeinde" (Landwirt und Kirchenvorsteher Heinrich R a u m a n n » Nanzhausen). 71/2 Ähr: Gemeindendend mit Heinrtch Naumann als Redner.
Handel.
Berlin, 22. Februar. Dörsenstim- mungSbild. 3n der Nachwirkung her Besorgnisse wegen der bereits gestern erwähnten Zurückhaltung der großen Geldgeber in der Hergabe von Tagesgeldern für Dörsen- zwecke, der anhaltend starken Schwankungen am Devisenmarkt (DvllarkurS vormittags 225, bei Börsenbeginn ungefähr 212) und der Befürchtung, dah dir zwar heute unterbrochene Steigerung der Getreidepreise bei dem hohen Stand derselben tatsächlich auch zur Verknappung des jetzt noch überaus flüssigen Geld- Bestandes beitragen könnte, nahm die Spekulation in ziemlichem Mähe Realisierungen vor. Hierdurch wurde der Kursstand der führenden Papiere um 30—50, vereinzelt auch darüber, wie bei Gelsenkirchener und Anglo- Guanv. um 100 Proz. herabaedrückl. Da aber Laurahütte auf die hartnäckig sich erhaltenden Gerüchte von Verhandlungen wegen Ueberleitung der Aktiettmatorttät in englischen Besitz weiter um 250 Prvz. anzogen und auch die übrigen oberschlesischen Werte nach anfänglicher Ermattung mit sich nahmen, trat eine Befestigung ein, die besonders bei
einzelnen Papieren die anfänglichen Verluste wieder wcttmachte und oberschlesische Werte zum Teil über die gestrigen Schluhkurse hinaus anziehen lieh. Das Publikum bewahrte heute Zurückhaltung und hatte teilweise hvch- limitierte Verkaufsauftrage auf den Markt gelegt, so bah sich auch im Grvhverkehr am EinsteitSmarkt das Geschäft ruhiger gestaltete. Bankaktien erwiesen sich als widerstandsfähig und von festverzinslichen Werten waren nur die mit Dalutaeinschlag etwas niedriger. Die Kurse unterlagen dann weiterhin nur geringen Schwankungen und das Hauptgeschäft spielte sich in oberschlesischen Montanwerten. Ilse- Bergbau (130 höher) und Berliner Elektrizitätsaktien ab.
Frankfurt a. M.. 22. Febr. Börsen- stimmungsdild. Der yerannahende Ultimo veranlasst dir Sp kulation zu einem Abbau der Engagements in Montanpapieren. Auch in den übrigen Papieren zeigt sich vielfach Abgade- neigung. Das Geschäft am Devisen- and Effektenmarkt betvegte sich In engen Grenzen Lebhafteres Treiben herrschte auf dem Kassaindustriernarste. 3m freien Derlehr hat Las Geschäft auch weseni- '.ich nach7eia f n. Deutsche Pstro'.eum 1950, Te 5 715, Rhenania 1110, Ufa 310, 3nag 570. Tiag 770, Bahnbedarf 530, Gebr. Fahr 700. Hansa Lloyd 440. Am Montanaktienmarkte zeigt sich die Haltung bis auf einzelne Spezialpapiere vorwiegend matt. Die Kursetndutzen betragen durchschnittlich ca. 70—120 Prozent. Adler-Werke Kleyer 615, stützten 20 Prozent ein. Ehemische Werte sind vorwiegend schwächer-. Bei den (Sich trlsttätsaktien waren Kuröast chlägr zu verzeichnen. 3m weiteren Verlause streck [ten die Ku le z. T. weiter ab. Valu:apapiere schwächer. Dar Dollar sank von 225 auf 210 dis 211,50. Die Börse schliefst auf der ganzen Linie schwach. Privatdiskont 41/2 Prozent,
Frankfurt a M., 23. Februar.
Berlin
Schluh- Schluh- Schlutz- Schlutz
Kurs Äur6 Kurs
1049,561.00,
Brief
22. Febr.
21. Febr.
21.2.
77,50
87,70
110, -
825,- 650,- 644 50
74,90 975,- 250,-
1205,- 1255,- 1715,-
1290,- 10*0,-
1265,-
83V,- 8c0, - 940,- 1225,-
835, - 6<4,50
62J,-
75,—
990,-
Kurs 22.2.
77,-0
87 90
104.SÜ
4,62 392,90
30,2j 78,85
143,65
519, 427, 38 S, »33, 555, 469, 380, 323, 312, 1300,
4,18
407,55 37,-6 82,40
148» .4
Adlerwerke Daimler 4° r. Hess. Staatsanl. Electron Griesheim Dtfche. Vereinsbank
21.2.
77,51 87,60
110,- 71,75
500.- «2 ,- 339,- 333,- 550,- 460,- 389,- 315,- 338,-
Dörsenkurse.
Frankfurt
112o - 1160-
11 0- 1660 -
1260 - 1050,- 1215,-
<60,— 730 -
918- 1245,-
790,— 615,- 610,-
75,- 910,- 248,75
408,15 32^4 82,60
148, 5
22.2. 77,50
87 50
110, -
73 50 495,- 410,- 339,- 331,- 546,- 460,- 374,— 320,- 336,-
4,53 392,10 3t.21 78,65
142,35
«05,- 337,50 332,- 545,- 463,50 376,- 319,50 342.50
1250,-
8516,45 8533,55 82.1,75 8258,25 1933. 5 19j6,96 1,45,65 1 <49, 5 87dH,20 380 050 3656, 0 3678,70 4G5r 0 > 4684,70 447x50 4484,50 63 .-4,15 5926,95 5694, W 5705 70 45 ,50 452,60 4 8,55 42/45
1108,85 1111,15 1068,SC 1071,10 98j,50 i83,50 9 i9,05 9 -6,95 219,78 220,22 212,73 218,11
2007,95 2)12,05 1940,65 1944,45 4271,70 427 ,30 4203,75 4214,25 3471,50 347dr50 34-6,55 3123,45
Datum:
Amsterdam-Rotterb. Brüssel-Antwerpen. Ehristiania Kopenhagen Stockholm Helsingfors Italien London ..... R^uhork Paris...... •
Schweiz Spanien Wien (altes) ... Deutfch-Oesterr.... Prag Budapest Buenos Aires . .. Bulgarien Konstantinopel . . .
Berliner Devisenmarkt.
Geld Brief Geld
Datum:
57» Dtfch. KrieaSanl.
4" ,Dtsch. Reichsanl. 37»Dtsch. ReichSanl. 4e/0 Preuh. Konfols Hamburg-Pakets.. . Norddeutscher Lloyd Eomm.u.Privatbank Darmstädter Bank . Deutsche Bank . . . Disconto-Gesevschast Dresdner Bank. . . Mittelst. Ereditbank. Nationalbank f. D.. Boch. Euhstahlwerke
lilO,- 1120,- 168 >,- 12 0,- 1U65,- 1223,- 774,- 730,- 920,-
1248. - 780,- 619,50 GuO, -
75,2k 952,-
73,80 73,75
600 -
Dhönix-Bergb.- Akt. 12x5’ Bad.Anilin-u. Soda 810, Höchster Farbwerke. 790, Allg. Slektr.-Ges. . . 965, Selten & Guilleaume 12 >5, Schuckert-Werke. .
Bud.- Eisenw.- Akt.. 1050, S.-LuxemstBergw.. 12C0, Gelsenkirch. Bergw.. 1210, Harpener Bergbau. 1725, Oberschl Eisenb.-B. 1350, Ooerschles. Eisenind. l!50
Die Blüchermchten.
Roman von HannSvvnZobeltitz.
>4. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
.Die Sehnsucht. Frau DchwiegermuUerl" Jetzt gibt's den dritten Kutz. Er soll de.i Mund treffen, trifft aber mir die Nasenspitze. „Vorerst batte ich fretlkt- Sri ec Maies ä: die SieLernach ii,t von unserem alten Freunde Blücher za bil igen, dann wollt' ich Ihnen vermelden, datz ter Jrnge. der Äuil. blessiert i t. nicht ge ährlich, beileste. und 'tuch aus dem Wege hierfür . . . und dann . . .“
Weiter ist der Herr von Bau e aber nicht gekommen. Denn jetzt wird eine Tür tm halst- öunleln Flur aufgeiiffen, es ftürmt etwas Kleines heraus, etwas Ziediches. Molliges, ein helles sützeS Stimrnchen ruft: ,Lexi — dal" Er lätzt fach die liebe Schwiegermama tn spe sein, die Lore liegt an seiner Brust, jubelt und jauchzt, ünb da hat er denn nicht die Nasenspitze gekützt, sondern richtig die Lippen, haarscharf, sofort, hat kein Wort sprechen können, fonbern nur geküsst wie ein Nimmersatt.
Danz entgeistert und atemlos hat sich die Frau von Giese an die nächste Wand gelehnt. Hätte auch kaum eingretfen können. Denn hinter der Lore her schwirrt es wie ein Bienenschwarm. Schiebt sich gleich eine Schutzwehr zwischen sie und das Paar: all die Giesemädels. die Blücher- nichten: Luise. Julie. Ftekchea und Lottchen. ilnb plötzlich fangen sie — und keiner von ihnen wtchte, wer zuerst angestimmt:
„Kaiser, hast du Lust zu trutzen, . . . trutze nur . . .
Wird dir aber wenig nutzen,
. . . Glaub es nur . . .
Deine Falschheit währt nicht immer, Denn dein Glück ging schon in Trümmer.
Meinst, man kann dich nicht besiegen?
... Du bist irr .. .
Da mutzt Blücher doch erliegen, . . Glaub' es nur! . . .
Latz nur deinen Hochmut schwinden.
3n Parts woll'n wir dich staden!"
Die alte Frau von G .ese, die Gest'-enge, ist fanftcr geworden von Tag tu Tag. Hat wohl der Krieg getan, der die Menschen oftmals wandelt: hat das Erleben getan mit den Kindern, den Mädchen: fing mit der Luise an und gtrg bis zum Kiekindiewelt, der Lore, die mit ei ern Male, fa;u‘aflen. vom Kindskopf 3um Manschen geworden war, zum Menschen mit beitem Herzen. ünt> dazu nun der Blessierte, der Junge, der .Kurt, der mit dreidoppelter Liede von der Matter empfangett u d umfangen wo den 11, f t: er in die Mansarde heimgekeh r. bcg'eltet u d geleitet dpn einem stattlichen Arzte unb geschmückt, man denke, mit dem herrlichen Kreuz von Eisen, das der Herr Ieldmarschall selber ihm noch vor der '2lbfahrt geschickt hat.
Tagsüber satz der Kornett im Wohnzimmer in dem groben tiefen Lehnstuhl, hatte wohl manchmal noch Schmerzen in der Schulter, scharte aber schon wieder ganz munter rad vergnügt in die Welt, in die enge um ihn ter, und in die re achtende Sommerlonne, die sich von früh dis spät mit Hellen frohen Strahlen ins Stübchen drängte. Tat sich gewaltig als „‘THann". da er des Königs Rock trug und das Kreuz dazu: begehrte auf. wenn Mur i-g ihn mitleidig hätscheln wollte, las seine Dossische täglich wie ein Aller, hat auch die ganze Schwestemschar weidlich tyrannisiert.
Sie mu'sten springen, tote er wo'ckte: Lui'e hier und Lore da, Fielch:n jetzt, und Lo te nachher.
Taten's auch gerne, denn sie waren nicht wen g stolz auf ihren Jungen, der für König and Vaterland geblutet
Die schönste Stunde jeglicher. Tages aber ist ihm gewesen, wenn der Heia- Doktor tarn, der HünSwanger. E^t war der immer nur ganz kurz zur ärztlichen Visite erschienen, hatte die Wunde besichtigt und neu verbarden, hatte zufrieden gelächelt, dem Kornett auf die ge'unde Schulter geklopft und gemeint: »Macht sich! Macht sich gat, sehr gut sogar. Ein paar Wochen Rahe und Geduld, und wir können wieder ins Feldlager. Rach Paris, mein ich."
Dann war er länger und länger geblieben. Der Junker freute sich dessen, merkte aber doch, da et scharfe Augen hatte und hellhörig war, datz es nicht mehr allein um seinetwillen gewesen. Er wollte sogar ei,erlüchtig werden. Ater er lachte doch: tonnt'® ci.er dem jungen Doktor verdenken, datz er gerne blieb, wo es die schönsten Mädels ir. ganz Berlin gab?! Wo man gemütlich im Kreise satz und guter Dinge war. von Kriegs- erlebnissen und Abenteuern sprach und vom Vater Blücher, wie der nun Paris besetzt und in Frankreich residierte. Sie waren ja alle vergnügt, die anätüge Frau Mutter eingeschEen — bis Md- stricht auf die Julie, die immer noch gern tn einer Ecke hockte und ihre feuchten Tra-maugen machte. Hatten alle gute Nach ächten. Luise von ihrem Grasen, dem F.anzl: F ekchen von ihrem Kapitän. Lern Herrn von Nebiih. dem Werner; Lore von ihrem Dause, dem Le i. Lotte merte man nichts davon an, datz sie noch leinen besetz, an dem shr Herz hing, und Julie . . . nun, die wurde laut Famllrecchesch'utz alle Jungfer: daran war nichts zu ändern.
Züricher Devisenmarkt.
22.2.
Wechsel auf Schwerzer Franken
Holland 100 5L = 1j6-1U 19 .-
Deutschland 100 Mk. -- 2>il '2.38
Wien 100 5tr. = 0.11 0.10
Prag 100 Kr. = 9.45 9.30
Pari« 100 Fr. = 46.50 46.45
London \£ =■ 22.15 2X49
3talien 100 2. 25.50 kMO
Brüssel 100 Sr. = 44.40 44.10
Budapest 100 Str. — 0.75 0.725
Nruyork 100 t = 510 — 509-5)
Marknotierungen.
Für 100 deutsche Mark wurden gezahlt:
Datum: 1.7.14. 21.2. 22.2.
Zürich Sr. 125 40 2,35 2,32
Amsterdam 31. 59.20 1^0 l.f.9
Kopenhagen Är. 88 80 2 27
Prag Str. 117 80 23.12 21,-
Stockhvlm Str. 88 80 175
Wten Str. 117.80
London Sh. 97.80 8 62 6,67
Pari« Sr. 125.40 5,- 5,08
Aeuyork $ 23.80 -.45
(Sn einem Teil der Auslage wiederholt.)
Die englisch-franzöfifchen MemunvS- Verschiedenheiten.
London. 22. Fehr. (WTB.) ,Tai^hTele- g ra p h" zusolge testeten hinsich lich ter Gc- mix-ter Konsere a keine unüterwi d tchen Vchvre- rigfeiten, ttas cm Hebe velntom men zwischen der britischen und sranzösifchen Regierung antetrisst. Nur In cev Frage des nahen Ostens schttnen auge:.b.icklih bic Ansichten in London unb Paris u»verern- da r zu sein.
Telephonverbindung London—Genna.
L 0 n b 0 n, 22. Febr. (WTB.) Reuter erfährt, bab zwischen London und Genua für die Zwecke der Stonfe-enz von Genua eine direkte Telephonverbindung t)e gcjrdlt werde.
Schanzet auf dem Wege nach Europa.
Neu york, 21. Febr. (WB -Der Führer der Italienischen Delegation der Washingtoner Konsereirz, Schanzer, hat sich nach Europa eingeschifft.
Die Kosten für daS englische BesatzungLheer.
London. 21. Febr. (WTM.) Im Unterhaufe teilte heute Sir Rok,ert Hör ne mit. das) die NeparationS bet rüge, die England von Deutschland bis zum Schlust des laufenden Jahres erhalte, wahrscheinlich nicht ausreichcn werden, um dir Äoftcn des britischen BesahungSheeres zu decken. Daher würden diese vorläufig nächt auf Re- parationSrechnung eingetragen werden.
Ein Streik im Elfast»
Pari«, 21. Febr. (WTB.) Nach einer Havasmeldung aus Mülhausen im E.satz hat eine dortige Svinnereifirma, nachdem gestern die meisten von ihren viertausend Arbeitern durch passiven Widerstand geien die Herabsetzung ihrer Löhne protestierten, beschlosst, ih-e W e r t ft ä t- t e n heute vormittag z u schlietzen. Die E'ek- trUitätdarBeiter hätten ten Solidari ätsstreik beschlossen. Durch die Stromunterbrechung feien die meisten Tertil- und anderen Fabriken in Mülhaufen und Umgebung zum Feier« gezwungen unb heute vormittag hätten bereit« Tausende von Arbeitern nicht arbeiten können. 3'zr Sicherung der elektrischen Stromversorgung. w?U7igstens zur Beleuchtung der Stadt, seien Vorkehrungen getroffen worden.
Schluß der LeqiSlaturperiodie in Spanien.
Madrid, 21. Fete. (WB ) Der König hat ein Dekret unterzeichnet, durch das die gegenwärtige Legislaturperiode als geschlossen crHärt und das Parlament auf ten 1. März wieder zusammeate^en wird.
Verurteilter kommunistischer Hetzer.
Limburg, 22. Febr. (WTB.) Von der hiesigen Strafkammer tourte der Frankfurter Kommunist Gust-av Wofs wegen einer in öffcn licher Da^k v rf jfrmlurg g ha tenen Rede, in ter er zum S.urze der Regierung und zum Anschiuh an Soto,e>Rutzland aufgefortert hatte, auf Grund des Paragraphen 133 deS D. G.B. zu 5000 Mark Geldstrafe verurteilt.
Der Herr Doktor Hünswanger kam also recht sleitzig unö' Blieb reä-t tancie, soweit es fr-e-ib seine Zeit erlaube. Mcmckmal to-'r d e 1 ämüch knapp, da er eine Stellu:g in den g o''en Lazarett in der Fried nate am Oranrrn-
burger Tor. angenommen chatte, wo fast nur Schwerverwundete lagen, bl? allrnäh'ich aus F'an- bem unb F ankreich abtran* Port ert waren. Er machte sich aber auch in ter Mansarde nü'lich als Awch nicht ru? um bei Ko nett. Mitteiös- voll hatte er zuerst auf Luiiäs schöres Gesicht und das schreckliche Mal gesete». bas sie immer nach enthie lte; und als Kurt dam von den Brwd- unglüd und ih er Te;L>bU"g erz'hlte. hatte er bescheiden um die Erlaubnis gebeie*. einmal genauer jufete’1 ' türten. Ein we riges sträub'2 sich Lui'e: aber ter junge Herr besä) die schone Gabe. Vertrauen zu wecken. So gab sie sich schließlich in seine Betend'ung. Er tyai'.e ein Vleichrnittel, das die buckelro'en Stellen allmählich te-cu'ziehen solte, und er hatte sanfte Hände, die zu kneten u«tf> ju dehnen tvutztrn. wo es ter kranken Hcut ert'at.
Dabei wiederholte er immer tote'er: „Cd) tarnt nichts versprechen, g^digeS Fräulein. Lin'er Wissen und Können ist S ückrerk. A er ho fe i bür,en tetr.“ Unb wirklich, es scheu, datz seine Kur anschiug. Die Ränder der 2 a-dstellen ter« schmalzen sich mit der ge und ge -I ebenen Haut, Brauen und Wimpern tegamien w.eter zu wachsen. Manchmal stand 2ui'e vor dmi Sdiegel, den sie bisher geschrut teie Feuer, blick e h nein unb sprach leise, ganz leise vor sich hin: „Ach Fraozl . . wenn doch würde . . . nur etwas, nur em weniges: um deinetwillen!“
(Fc-rtieyung fotgr.)


