Nr. 94 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gverhesfen)Samstag, 22. April (922
Die deutsche Antwort.
Genua, 21. April. (Wolfs.) Die heute dem Präsidenten der italienischen Delegation überreichte deutsche Antwort hat folgenden W 0 r t - la u t:
Deutsche Delegation.
Genua, 21. April 1922.
Herr Präsident I
- Auf das von Ihnen gemeinsam mit dem Vorsitzenden der französischen, britischen, japa- -Nischen, belgischen, tschechoslowakischen, polnischen, jugoslawischen, rumänischen und portugiesischen Delegation unterzeichnete Schreiben vom 18. April beehre ich mich, Folgendes zu erwidern:
Seit mehreren Jahren hat Deutschland die russische Sowjetrepublik anerkannt. Eine Auseinandersetzung zwischen beiden Ländern über die Folgen des Kriegszustandes war jedoch notwendig bevor die ordentlichen diplomatischen Beziehungen wieder' ausgenommen werden konnten. Die Derhandlungen, die hierüber zwischen beiden Regierungen geführt wurden, waren schon vor /in eh rerenWochenso weitvorgeschritten, daß sie den Abschluß ermöglichten.
Die russische Verständigung war für Deutschland deshalb besonders wichtig, weil hier die Möglichleit bestand, mit einem der großen am Kriege beteiligten Staaten zu einem Friedens- zvstand zu gelangen, der alle dauernde Schuld ncrschaft ausschlieht und von Grund aus erneute, durch die Vergangenheit nicht belastete freundschaftliche Beziehungen ermöglicht. Deutschland ging nach Genua mit dem herzlichen Wunsch auf gemeinsame Arbeit mit allen Völkern zur Wiederausrichtung des leidenden europäischen Erdteils, und im Vertrauen aus das wechselseitige Verständnis für die Sorgen aller seiner Glieder.
Die Vorschläge des Londoner Programms liehen die deutschen Interessen außer echt. 3bre Unterzeichnung hätte drückende Re- vorationsansprüche Rußlands gegenüber Deutschland hervorgerusen. Eine Reihe von Bestimmungen hätte dazu geführt, daß die Folgen der zaristischen Kriegsgesehe Deutschland allein zur Last gefallen trären. Wiederholt hat die deutsche Delegation die Mitglieder der Delegationen der einladenden Mächte in eingehenden Besprechungen auf diese schweren Bedenken aufmerksam gemacht. Dies ist jedoch ohne Erfolg geblieben; vielmehr wurde der deutschen Delegation bekannt, daß die einladenden Mächte Sonderverhandlungen mit Rußland eingeleitet hatten. Die Mitteilungen über diese Verhandlungen ließen darauf schließen, daß eine Verständigung binnen kurzem bevorstand, daß aber die Berücksichtigung der gerechten deutschen Wünsche nicht in Aussicht genommen war. Die deutsche Delegation ließ demgegenüber keinen -Zweifel, daß sie gezwungen fet, ihre In ter- essen unmittelbar zu vertreten, da sie sonst in die Lage gekommen wäre, sich in der Kommission einem Entwurf gegenüber zu sehen, der für sie unannehmbar, aber von der Mehrheit der Kommissionsmitglieder bereits vereinbart war. Der Vertrag mit Rußland ist deshalb am Sonntagabend in genauer Uebereinflimmuiig mit dem bereits vor Wochen ausgestellten Entwurf unterzeichnet und alSbald bekanntgegeben worden.
Dieser Vorgang zeigt in aller Deutlichkeit, daß die deutsche Delegation den Weg der Verhandlungen mit Rußland nicht aus Mangel an Gemeinschaftssinn, sondern aus zwingenden Gründen beschritt. Er zeigt ebenso deutlich, daß die deutsche Delegation bestrebt gewesen ist, von ihrem Verfahren jede Heimlichkeit fernzuhalten. Es würde durchaus dem Wunsche der deutschen Delegation entsprechen, wenn aus der Konferenz eine allgemeine Regelung der russischen Frage gelänge, und wenn in dieser Gesamtregelung der deutsch-russische Vertrag eingefügt werden könnte. Die Möglichkeit hierfür ist sehr wohl gegeben. Der Vertrag greift in das Verhältnis Dritter Staaten zu Rußland in keiner Weise ein. Auch ist er in jeder seiner Bestimmungen von dem Gedanken getragen, dessen Verwirklichung Sie mit Recht als das Hauptziel der Konferenz bezeichnen, nämlich von dem Geist, der das Vergangene als endgültig abgeschlossen anfieht und eine Grundlage für den gemeinsamen friedlichen Wiederaufbau zu schaffen sucht.
Was die weitere Behandlung der russischen Fragen auf der Konferenz betrifft, so hält auch die deutsche Delegation für richtig, daß sie sich an den Beratungen der ersten Kommission über diejenigen Fragen, die den zwischen Deutschland unb Rußland bereits geregelten Fragen entsprechen. nur dann beteiligt, wenn etwa ihre Mitarbeit besonders gewünscht werden sollte. Dagegen bleibt die deutsche Delegation an allen denjenigen der ersten Kommission übertragenen Fragen interessiert,
die sich nicht aus die im deutsch-russischen Vertrag geregelten Punkte beziehen.
Die deutsche Delegation hat rnü Genugtuung die Entwicklung begrüßt, welche die Verhandlungen der Kommissionen genommen haben. Sie fühlt sich einig mit dem Geiste der Solidarität und des Vertrauens, der diese Arbeiten beseelt. Weit entfernt von dem Gedanken, sich von der europäischen Gemeinschaftsarbeit abzuwenden, ist sie bereit, an den von der Inferenz von Genua zu erfüllenden Aufgaben im Sinne der D ö l k e r- versöhnung und im Sinne des Ausgleichs östlicher und westlicher Wohlfahrt mitzuarbeiten.
Genehmigen Sie, Herr Präsident, die Versicherung meiner ausgezeichneten Hochachtung.
Die Note Tschitscherins.
Genua, 21. April. (Spezialbericht des Ver- tretevs des W. T. B.) Die an die italienischen Ministerpräsidenten gerichtete Rote Tschitscherins hat folgenden Wortlaut:
Die russische Delegation hat mit größter Aufmerksamkeit die Vorschläge der alliierten Regierungen geprüft, dre in dem Anhang zum Protokoll vom 15. d. Mts. ent- halten sind, und hat gleichzeitig die Ansicht ihrer Regierung darüber eingeholt. Die russische Delegation verbleibt bei der Ansicht, daß die gegenwärtige wirtschaftliche Lage Rußlands und die Umstände, die sie herbeigeführt haben. Rußland reichlich berechtigen würden, sich von allen in den oben erwähnten Vorschlägen angeführten Verpflichtungen im Hinblick aus seine Gegenforderungen befreit z u sehen. Indessen ist die russische Delegation bereit, einen weiteren Schritt zu tun bei dem Bestreben zur Herbeiführung einer Lösung, um die Differenzen auszugleichen. Sie ist bereit, die Artikel 1, 2 und 3a des oben erwähnten Anhangs unter folgenden Bedingungen anzu- nehmen:
1. Daß die Kriegsschulden und die Zinsenrückstände oder die aufgeschobenen Zinsenzahlungen aller Schulden vermindert werden, und 2. daß ein angemessener finanzieller Deistand Rußland bewilligt werde, um ihm zu helfen, aus seiner gegenwärtigen wirtschaftlichen Lage so schnell wie möglich herauszukommen.
Was den Artikel 2b betrifft, so ist die russische Regierung unter dem Vorbehalt der oben angeführten Bedingungen vereit, den vormaligen Eigentümern die Ruhnießung ihrer nationalisierten oder beschlagnahmten Güter wieder- z u g c b c n, oder, falls dies nicht möglich ist, den berechtigten Forderungen der ehemaligen Eigentümer Genüge zu tun; sei es durch ein gegenseitiges, direkt mit ihnen abgeschlossenes Abkommen, oder auf Grund von Abkommen, deren Einzelbestimmungen auf der gegenwärtigen Konferenz erörtert und festgelegt werden würden. Ein finanzieller Bet- st a n d von selten des Auslandes ist absolut unentbehrlich für den wirtschaftlichen Wiederaufbau Rußlands. Solange sich kerne A us- sicht auf auf Wiederausba a bietet, sieht die russische Delegation keine Möglichkeit, ihr Land mit dem Gewicht der Schulden zu belasten, die es nicht zahlen könnte.
Die russische Delegation wünscht auch klar zu verstehen zu geben, obgleich sich dies eigentlich von selbst versteht, daß die russische Regierung keinerlei Verpflichtungen für die Schulden ihrer Vorgängerin übernehmen kann, solange sie nicht offiziell de jure von allen interessierten Mächten anerkannt worden ist.
In der Hoffnung, daß Sie diese Vorschläge für eine ausreichende Grundlage zur Wiederaufnahme der Besprechungen ansehen, verbleibe ich . . .
gez. Tschitscherin.
Der Inhalt des russischen Memorandums.
Berlin, 22. April. Wie die Blätter aus Genua melden, stell! das von der russischen Delegation gleichzeitig mit der Rote Tschitscherins überreichte Memorandum eine energische Widerlegung der Londoner Vorschläge dec alliierten Sachverständigen bar Rußland billigt in der Denkschrift vorbehaltlos folgende drei Punkte: 1. daß die Souveränität jeder Ration vollkommen respektiert werden soll, auch dort, wo sie die Frage des Besitzes, des Wirtschaftssystems und der Verwaltung nach ihren eigenen nationalen Grundsätzen regelt, 2. daß rechtliche und Verwaltungsgarantien für die persönlichen und sachlichen Rechte der Ausländer, die in Rußland Wirtschaft treiben, gegeben werden sollen und 3. daß volle Gegenseitigkeit herrschen soll zwischen allen beledigten Staaten in der Erfüllung ihrer Schuld-
Die Sd&ramentefyeg.
Roman von Marie Kerschen st einer.
1. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.)
Das Zielsichere seines Wesens hatte ihm Macht über die Bauern gegeben. IInö dennoch war er seines Erfolges niemals ganz froh geworden, weil er wußte, wie wenig bodenständtg, wie vollkommen aur die Hinfälligkeit eines einzigen Menschenlebens ec ausgebaut war. Was würde aus seiner Lebensarbeit werden, wenn er einmal die Augen schlosse? Diese Frage batte dem Plärrer manche nachdenkliche Stunde seines Lebens getostet. Er glaubte nicht daran, daß sein Wirken in das tiefere Wesen der Heidedörfler eingedrungen war und es in andre Bahnen geleitet hatte. Gar zu genau wußte er. daß es ein schwieriger Menschenschlag war, der von der Heide! 'Daß hinter diesen Stirnen der Aberglaube festsaß und ein der Friedfertigkeit abholder Sinn!
Rur mit Anstrengung, teils mit Gewalt, war es ihm gelungen, die Gemüter im Zaum zu halten. Wie unheimlich jedoch der Zunder in der Stille fortglomm, das hatte sich ihm etwa vor vier Jahren gezeigt, als er auf dem Heimweg von einem Krankenbesuch, ins Moos der Heide gebettet, ein etwa haldjähiiaes Mägdlein ce an= den hatte, das mit elfenfeinen Gliederchen zwischen den Gräsern strampelte, wohlich und zufrieden, obwohl der Abendttu fein Hemdchen schon gänzlich durchnäßt hatte. Als Schlosser sich bückte, um den seltsamen Fund näher zu besehen, sah er in ein rundes, blühendes Kindergesicht und in zwei Braunäuglein, so voll lachen
den Lichts, daß es war als hätte die untergegangene Sonne ihre Strahlen darin zurück- gelassen. Als er aber die Hände ausstreckte, um das Kind aufzukeben, das eine treulose M ttter wohl erst vor kurzem ausgesetzt haben mochte, fühlte er sich plötzlich von hintenher gepackt und zuruckgerissen. Schlotternd stand der Küster, der ihn begleitet hatte, vor ihm und hielt krampfhaft feinen Arm gefaßt, um zu verhindern, daß der Pfarrer das Kind berühre. Denn er hielt es nicht für ein richtiges Menschenkind. Er fürchtete vielmehr, daß irgendein Teufrisspuk ftc narre, um Unglück und Verderben über sie zu bringen. Harte Arbeit hatte der Pfarrer, den abergläubischen Begleiter zur Vernunft z i bringen. ilnö als er den Findling schließlich Heimtrug. wußte er. daß er den Küster zwar überredet, nicht aber überzeugt hatte.
Da alle Bemü ung des Pfarrers, die rechtmäßigen Eltern des Kindes zu ermitteln, scheiterte, blieb es fortan im Pfarrhaus und war bald der Sonnenschein im Leben der beiden alternden Leute.
Es wurde Magdalene genannt.
Das abergläubische Getuschel, das seit der Auffindung des Kindes im Dorfe umging, wagte sich, so lange der Pfarrer am Leben war. nicht heraus, denn man scheute feinen Zorn, wurde nicht laut, weil man des Pfarrers Autorität achtele. Aber kaum war er im Schatten des kleinen Wa'.dfrledhofes zur Ruhe gebettet, da lehrte sich Verborgene vor.
Aus der Schar der ins Dorf zurückkehrenden Weiber ließ sich eine Stimme vernehmen, die der Mißmut um allen Wohllaut gebracht hatte: »Habt ihr das Pfarrmädel gesehen? Dgs bat
euch keine Träne geweint, keine! Aber ich hab's alleweil gesagt, daß so eins kein Herz nit hat!" Die so redete, hieß im Dorf die Schlupfline.
weil sie immer eine' Haube trug, auf der eine große Bandschleife, im Dorfe „Schlupf ' genannt, saßZbreita'Usgespannt wie eine ^Ter-ermauä. Die Schlupfline gehörte zu den Menschen, die zeitlebens Gott und der Welt feind sind. Sie mußte nörgeln und heruntermachen, es ging nicht anders. Ihr Mann, der das doppelte Amt des Schneiders und Baders im Dorf versah, hatte von sonnigen Tagen nicht eben zu reden.
„Du mußt doch immer dein böses Maul wetzen. Line! " fiel ihr eine junge Frau ins Wort, die des Waldsackererbauern Eheweib war. „Was wird denn so ein Dingele vom Sterben verstehen'? Man meint, du hättest nie ein Kind nit gehabt!"
„3a, die Waldsackerin," zeterte die Schlupfline los, „die ist mein Lebtag die Gescheiteste von allen gewest! Aber ich weiß, was ich weiß! Das laß ich mir nit nehmen und wenn du mir den ganzen Waldsacker hintennachfchmcißt!"
„Wenn ich nur toüßt, was du nur immer für ein Gered daher machst! Wer was Richtiges weiß, der sag's grat) heraus und wer nie weiß, der halt den Schnabel —"
„Schnabcl?!" fuhr die Schlup'line herum. „Vielleicht kommt's noch so, daß du froh wärst, wenn der Schnabel dir was vergattern täti Aber der hutzelt dir dann was! Du bist von draußen reingeschneit und 'unsre Sachen sind ins re Sachen! Die gehen dich frei ntf an!"
„3a!“ stimmte die Weberin bei. .Waldsackerin, wer vom Dorf ist. der weiß, was es mit manchen Dingen für eine Bewandtnis hat!"
Verpflichtungen und in der Frage des Schadenersatzes an Ausländer. Die Denkschrift betont, daß die Mächte zu allererst an die Wiederherstellung der produktiven Kräfte Rußlands denken sollten und dann erst an die Befriedigung der Gläubiger Rußlands. Rußland habe im Bewußtsein der Rotwendigkeit, die Wirtschaft wieder zu beleben, feine Gesetze so abgeändert, daß sie nunmehr allen Ausländern mehr als genügend Garantien bieten. Die Freiheit im inneren Handel sei garantiert. Ferner seien Rechtsgarantien geschaffen worden für die Freiheit der indu- triellen Initiative und dafür, daß das, was in konfiszierten plnternehmungen angelegt war, wieder privat ausgenüht werden darf. Die ausländischen Rechte feien vor Requisitionen, Konfiskationen. ungesetzlichem Verhalten usw. also geschützt. Auch seien für den Schutz der den Ausländern gewährten Konzessionen Garantien geschaffen.
Landwirtschaft.
Schafbvckauktion in jDbcr«= Hessen. Die bekannte Auktion der fürstlichen Stammschäferei in Lich findet in diesem Jahre schon am 26. April statt. Zur Versteigerung gelangen zirka 25 Iährlingsböcke und zwei zweijährige Stammböcke. Sämtliche Tiere sind gekört. Um Interessenten die Beurteilung des Vlieses zu erleichtern, werden die Böcke ungeschoren abgegeben. ES ist zu erwarten, daß die Auktion sich eines großen Zuspruches erfreuen wird, zumal die im Vorjahre aus dieser Stammschäferei abgegebenen Zähr- lingsböcke sich durchweg züchterisch gut bewährt haben. (Siehe Anzeige.)
][ Marburg, 20. April. Eine in den Htadtsälen abgehaltene, von über 1000 Landwirten besuchte Generalversammlung desHessischenBauernvereinS faßte eine scharfe Entschließung gegen die auch für dieses Jahr angesetzte Getreideumlage.
bs. Aus der mittleren Wetterau, 20. April. Die Aussaat der Sommerfrucht will nicht zu Ende kommen. Schon vor 3 Wochen wurde begonnen. Teilweise ist der erste Hafer schon aufgelaufen. Es mangelt nicht an Feuchtigkeit, wenn es nur wärmer wäre, meint der Bauersmann. Viel Arbeit erfordert das ilmfäen der Weizenäcker, da durch das Aus- tomtern der größte Teil mit Gerste und Hafer bestellt wird. Der Sommerweizen ist schon aus- gefät Mit trüben Mienen schaut der Landmann auf seine Futtervorräte, die fast überall zur Reige gehen, Klee- und Grasfutter aber kaum buschen. Eine Ausnahme macht der Cwigklee oder die Luzerne, die gut ausgestoßen ist. — Die ersten Schwalben, die am Gründonnerstag ankamen, sind wieder verschwunden. Jedenfalls haben sie sich auf eine Tagereise nach Süden begeben. Seit drei jSagen vernimmt man den Kuckucksruf: „ Frühling, Frühling, wird es nun bald."
D. Aus dem Vogelsberg, 21. April. Die warme Witterung der vergangenen Woche brachte eine rege Tätigkeit der Landwirte beim Wiesenraumen unt> im ilmgraben der Gärten. Rach heftigem Sturm setzte nun die Kälte wieder von neuem ein. Auf den Hängen liegt eine dünne Schneedecke und das Thermometer zeigt wenige Grade über Rull. Allgemein sind die Klagen über den immer bedrohlicher werdenden Futtermangel. Die Feldbestellung mußte seither ganz zurückgestellt werden. Dies ist um so bedenklicher, als die Winterfrucht unter der strengen Kälte teilweise schweren Schaden genommen hat. Immerhin ist es nicht ausgeschlossen, daß dies besonders launische Frühjahr auch dem Gebirge bald wieder den ersehnten Sonnenschein schenkt.
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Der verurteilte „Diebsklub"
rm. Darmstadt, 21. April. Einen schweren Einbruch hat im Januar d. Is. eine Anzahl meist vorbestrafter junger Burschen in Lampertheim begangen, die sich zu „Diebsklubs" zusammengesunden hatten. Sie erbrachen einen Laden und stahlen daraus Waren aller Art, Lebensmittel, Stoffe usw. im 'Werte von mehreren Tcaufend Mark. Sie sind heute ziemlich geständig und werden verurteilt: M. Stesfan zu 1 Jahr, Gg. Ehret zu 1 Jahr 6 Monaten. Fr. W. P. Baumann zu 1 Jahr and H. A. Herschel zu 1 Jahr Gefängnis.
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][ Marburg, 20. April. Das Sch ö f - f e n g e r i ch t sprach heute nach einer umfangreichen Verhandlung den Vorsitzenden der Ortsgruppe Marburg der Reichsgewerk-
chaft Deutscher Eisenbahner, der beschuldigt wurde, anfangs Februar die Beamten der Reichsbahn zur Arbeitsniederlegung aufgefordert zu haben, frei. Der Amts-' anwalt hatte 3 Monate Gefängnis beantragt. Die Verteidigung führten die Rechtsanwälte Brill und Iuftizrat Heußner aus Cafsel.
Kirche und Schule.
♦ Freie Lehrers! eilen. Erledigt finbt eine mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende Schulstelle zu Dudenhofen. Kreis Offenbach, und zwei n;it evangelischen Lehrern zu besetzende Schulstellen zu Maar, Kreis Lauterbach.
△ Büdingen, 21. April. Mit Beginn des neuen Schuljahres fängt in 14 Gemeinden unseres Kreises die Fortbildungsschule den älnterricht an. Während bisher der Unter-, richt sich nur auf das Winterhalbjahr erstreckte, wird er sich künftig auf das ganze Schuljahr aus- dehnen. In Büdingen wird auch die Mädchen- fortbildungsschule eingerichtet.
Turnen, Sport und Spiel.
• D i e Fußballkämpse bei den K a m p f s p i e l e n. Der Hauptarbeitsausschuß für die Deutschen Kanapssvi-le IAbteilung Fußball) gibt jetzt die Teilnahmebedingungen bc- fannv Am Sonntag, dem 18. Juni, findet gewissermaßen als Einleitung zu den Kampfsprelrn das Entscheidungsspiel um die deutsche Fußballmeisterschaft statt. Am Montag, dem 19. Juni, steigt als erstes Vorrundenspiel em Spiel Berlin gegen die Balten, am Dienstag, dem 20. Juni, das zweite und dritte Spiel der Vor- runbe Mittel- gegen Rorddeutfchland und Süd» gegen Südostdeutschland. Am Mittwoch sind gesellschaftliche Veranstaltungen g plant, am Donnerstag finden die Zwischenrunden statt. Der Sieger des ersten Spieles spielt gegen Westdeutschland und der Sieger der zweiten Vorrunde gegen den der'dritten Vorrunde. Am Freitag steigt dann das Schlußspiel. Ein repräsentativer Kricketkampf und Iugendspiele tverden das Programm vervollständigen. — Gespielt wird nach den Regeln des Deutschen Fußball-Bundes, jedes Spie«, bis zur Entscheidung. Spielberechtigt sind nur Deutsche. Als Schiedsrichter für das erste Spiel am Montag ist K ie m e ye r - Leipzig bestimmt, während das zweite und dritte Spiel Cornelius- Berlin und Dr. Bauwens - Köln Leiten werden. In den weiteren Spielen werden Schmidt- Hannover und Riederberger- Stuttgart schiedsrichtern.
* Einen Frühjahrs-Turn- und Spieltag veranstaltet der Turnverein 1 8 4 6 ® i e ß e n am 29. und 30. April. Die Turn- abteihmgen (Turnerinnen, Turner, Zugendturner, Schüler und Schülerinnen) werden durch ein Dühnenschauturnen die Veranstaltung am Samstag, den 29. April, abends, in der Turnhalle am Oswaldsgarien einleiten und zeigen, daß in den einzelnen Abteilungen im vergangenen Winter — trotz der Kälte — tüchtig gearbeitet wurde. Der Sonntagmorgen gehört den Turnspielen und der Rachmittag der Fußball- a bteilung. Räheres wird noch befanntgegeben.
* Automobil-Tournier Bad Homburg. Die im Vorjahr mit so gutem Erfolg di-rchgeführte Veranstaltung soll, wie wir erfahren, in diesem Jahre wiederholt werden, und zwar vom 19. bis 23. Mai. Veranstalter ist wiederum der Frankfurter Automobil-Club in Verbindung mit der Kurverwaltung Bad Homburg.
Aus dem -tmtsverkündigungsblatt»
* * Das Arntsverlündigungsblatt Rr. 54 vom 21. April enthält : Landeswaisenkasse zu Darmstadt. — Crwerbslosenfürsorge; hier: erwerbslose Riederländer. — Anwendung des abge- enberien Oitsk.assenverzeichnisses auf die Erwerbs- lofcnfürforge. — Schutz der in fremde Verpflegung gegebenen Kinder unter 6 Jahren — Dienstnachrichten. — Feldbereinigung Harbach. — Gefunden, verloren.
Anwendung des abgeänderten Ortsklassenverzeichnisses auf die Erwerbslosenfürsorge. Durch die Bekanntmachung der ersten Rachprüfung des Ortsklassenverzeichnisses sind folgende Orte in höhere Ortsklassen cingeß a t worden: Burkhardsfelden in Ortsklasse D, Mainzlar in Ortsklasse D, Reiskirchen in Ortsklasse D, Staufenberg in Orts« klasse D, Trais-Horloff in Ortsklasse D, Schiffenberg in Ortsklasse C, Steinheim in Ortsklasse IX
„Weil ihr's halt alleweil mit Heren und föttigem Zeug zu tun hab«! Ich für meine Partie glaub da nicht dran. Rit eher, als bis mir einmal eine rechte Fuchtelhex ein Ei ins Rest legt 1 Aber da wird, scheinfs, nix draus. Ich paß schon solang draus, als ich im Dorf bin und das sind fünf Jahr!"
Bei dieser lästerlichen Rede schlugen bi2 Weiber schnell Das Kreuz über sich.
„Rimm dich in acht, Waldsatterm!" mahnte die Weberin, „manch einer hat sein fahrlässig Maul schon büßen müssen!"
„Vielleicht kann's uns di? gescheite Waldsackerin erklären," fuhr die Schlupfline fort, „wir das zugeh!, wenn ein Psarr', der doch kein Eh- teeib nit hat, auf einmal — mir nix, dir nix — ein Reugeborenes im Haus hat?"
„Der Christine das ihre wird's wohl nit gewest fein!" hohn lachte eine andre. „Die Christine, die Duckfete!" hatte da die Schlupfline wieder ein, „die hat euch frei das Mazil gehalten, wenn einer hat wissen wollen, wie das u;eht. Rur angeglotz, als wie zum Fressen, hat die ein!“
„Lirum, larum,“ ließ sich der Waldsackerin gleichmütige Stimme wieder vernehmen. „Der Psarr' hat's von der Kanzel verkündet, daß es ein Findelkind is. 3m Heidekraut brauß’ hat er's aufgelesen! So ein armes Dingele! Der Waldsackerer hat mir's verzählt!"
(Fortsetzung folgt.)


