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Ur. 08 Zweites Blatt Gietzener Anzeiger (Eeneral-Anzerger für Gberhessen) Dienstag, 2f. März f922

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Dent^cher Reichslaq.

191 Sitzung, nodymittagg 2 ilfyr.

Berlin, 20. Mär, 1922.

2hif dec Tagesordnung stehl die -weile Le- suihg der einzelnen ©leucrüorlagcn, und zwar zumächfi der

Vermögenssteuer.

Präfi ent Lode teilt den Wunsch deS 2kb testenausschllses mit. die -weite Lelung der Steuer- Vorlage.» dis Ende dieser Woche zu beenden, evtl, mit Hilfe einiger Abendstunden.

TLoi; rem Au schußanrrag soll am 1. 1. 1923 eine jährliche Vermögenssteuer erhoben werden, die betragen soll von den ersten an gefangenen oder vollen 250 000 Mark 1 vorn Tausend, für die nächsten 250 000 Mark 1 > > v. T.. die nächsten 250 000 Ollart 2 v T., für die nächten 250 OCO amxrt 3 v T.. für die nächste erste Utillbn 4 v. T., für die nächsten 2 Millionen 5 v. T., für die nächsten 3 Millionen 6 v. T.. für die nächste» vier Millionen 1 v. T., und für d,e nächsten fünf Millionen 8 v. T, für die nächsten -em Millionen 9 v. T., und für die weiteren Beträge 10 v. T. Auf die Dauer von 15 fahren erhöht sich die Steuer um einen Zahreszu schlag von 100 Prozent für die ersten, von 150 Prozent für die nächsten 250 000 Mark, und um 2C0 Prozent für die weiteren Beträge. Vis 100 000 Mart ist duS Bermögen nicht steuerpflichtig.

Abg Dr. H e l f f e r i ch (D.-N.) stellt zunächst fest, daß er mit feinen früheren Ausführungen keineswegs die Tätigkeit anderer Parteien habe herabsetzen wollen, die Kampsesweise der Deut­schen Boll "'artet gegen die Mittelstandspolitik her Deutschnationalen fei aber keineswegs freund­nachbarlich zu nennen. Steuern von solcher Höhe, wie sie die Borlage enthält, werden auf die Dauer nicht erhoben werden können. Wenn es der Regierung nicht gelingt, den Reichshaus­halt in anderer Weise in Ordnung zu bringen, tonnen wir alle einpacken. Die uns im Wies­badener Abkommen auferlegten Sachleistungen sind genau so phantastisch und unsinnig, wie die übiiqen Revarationssorderungen. 3n der Ra- tifiztemng dieses Abkommens ohne Befragung des Reichstages sehen wir eine Derfassungsver- letzung Wir freuen uns. dah die Dolkspartei in der Zwangsanleihe eine einmalige Maßnahme sieht, aber auch mit dieser Einschränkung unter­stützt sie die Erfüllungspolitik des Kabinetts Wirth. Auch wir sind nicht Gegner einer Ver­ständigung der bürgerlichen Parteien, aber wir sehen nicht ein, warum das Eteuerkompromih durchaus mit der Sozialdemokratie unter Aus­schluß bet Deutschnationalen gemacht werden muhte. Wir machen der Regierung bewußt Oppo­sition, aber wir vergessen darüber 'nicht die Staats- wendigteiten. Für die Sanierung der deutschen Finanzen gibt es nur ein Programm: die Re­gierung muß sich in der Reichsverwaltung nach der Steuerdecke strecken. Der Welt muh die un­geblümte Wahrheit über unsere Lage ohne Be­schönigung gesagt tverden. Eingriffe in die Der- mögenssubstanz bürten äußerstenfalls nur in Ber- binbung mit einer endgültigen Regelung der Kon­tributionsfrage erfolgen. Die gewaltige Belastung durch Vermögenssteuer wäre nur bei einer weit auseinander gezogenen Staffelung des Tarifs einigermnhen erträglich. Wir beantragen die An­nahme der Ausschuhcesolution, wonach die Hohe deS steuerfreien Bermögensbetrages und der Staffelung der Veränderung des Geldwertes an- gepaht werden soll, als zwingende Vorschrift in das Gesetz. Redner verlangt, dah der Mi­nister des .Auswärtigen vor aller Welt seine Stimme gegen Deutschlands Vivisektion hier er­hebt. Wir verzichten darauf, für die Würde dieses Reichstags zu sorgen. Wir erfüllen unsere Pllicht als Oppositionspartei, denn wir sind eine nationale Oppositionspartei.

Abg. Soldmann (XI.): Eine genügende Reichsvermögenssteuer würde Dutzende einzelner Steuervorlagen überflüssig machen. An dem er­schreckenden Hochgang der Preise trägt nur die bteuerscheu dec Besitzenden die Schuld. Wenn die Öteuuer nichts ausreicht, muh eben die Soziali­sierung erfolgen.

Abg Hol le in (Komm.): Die Vermögens­steuer nichts ausrcicht, muh ebm die So^ialv laslung des Besitzes herbeizufüh en. Dabei ist sie im Ausschuß noch weiter verschandelt wor­den, und Deutschnaüonale bis zu den sogenann­ten Demokraten hin waren bemüht, den Staat nach Strich und Faden um die Steuern zu be­mogeln. B.-rnstein will keine Katastrophenpolitik urtb deshalb keine Reuwahien..e nicht Er foffung der Sachwerte und Kampf gegen Sünnes u. Eo. die belle Wahlparole gewesen?

2Ibg. Kahmann (Scz ): Richt aas Agi­tationsrückfichten. sondern aas außenpolitischen and inneipolit schen Gründen arbeiten wir am Ausbau der deutschen Republik mit. Reine Freude tonnen allerdings Kompromisse niemals aus- lLsen. Wir haben keine Prinzipien beim Kom­

promiß aufgegeben, und hätten vielleicht txe Steuer im 3ntereffe der Ma len noch günstiger gestallen können, wenn die Unabhängigen positw mitgearbeitet Hütten, vielleicht sogar unter Llus- schal.ung der Deutschen Volkspartei.

Somit schließt die 2lu s rache über Para- graph 1, dec u itet Ablehnung der tommu;.i l- schen Anträge über frühere Zukrallfetzung les Gesetzes und längere Fortdauer der x u chläge angenommen wird. Zu ^Paragraph 2 über öieucr- pslicht und steuerbares Vermögen befürwortet Abg. Dr. Helfferich (Dntl.) einen Antrag wonach bei Anrechnung der ausländi ch-n Stei e das ausländ sche Grund- und Bet i b. vermögen ausgenommen werden soll.

Reichrsina izminister Dr. H e r m e s bittet, den Antrag abzulehnen, da die Besitzer solcher -Der- mögensteile sonst günstiger gestellt würden. als dem bisherigen Rechts u tanb entspreche. Rcdnw entschuldigt tie Ab v.s.mh it des ReiHeka-z er^ mit dringlichen Arbeiten bei der schweren outen- politischei. Lage.

Abg. Dr. B e ck e r - Hessen (D. Vp.) stimmt dem Anträge Helfferich zu.

Abg Fischer-Köln (Dem.) hält an der Ausschuhsassung fest. . v

Der Antrag Helfferich wird sodann abgelehnt und die nächsten Paragraphen in der Aus° stchuhfassung angenommen. § 5 bestimmt, dah Un- temehmungen von der Steuer befreit sind, deren Erträge ausschließlich dem Reiche, den Ländern und den Gemeinden zufliehen, auherdem andere gemeinnützige Einrichtungen. Sparkassen hingegen nur. wenn sie sich auf die Pflege des eigent- lichen Svarverkehrs schränken. Ein AntragSern- stein (Svz.) will auch diese Beschränkung der Steuerfreiheit der Sparkassen aufheben.

Staatssekretär Zapf tritt demgegenüber für die Ausschuhfassung ein, ebenso Abg. Dr. Becker (D. Vp.), während die Vertreter der Unabhängigen den Antrag Bernstein unterstützen. § 5 wird schließlich in der Ausschuhfassung an­genommen, eher, so die nächstfolgenden Para­graphen. Zu 8 10, der den Begriffsonstige Vermögen" definiert und als steuerpflichtig be­zeichnete Gegenstände aus edlem Metall, Schmuck» und LurusgegewlLnde. sofern der An chas° fungspreis für den einzelnen Gegenstand 10 000 Mark und darüber beträgt. Ein Antrag der Kom­munisten. stattAnschaffungspreis"gegenwär­tiger Handelspreis" zu sehen, wird abgelehnt und die Ausschuhfassung wird nach einem Zusatzantrag Molkenbuhr (Soz.) angenommen, wonach eine Ausnahme für die Werke Lebender oder seit 15 Jahren verstorbener deutscher Künstler zu­gelassen wird. Auch die nächstfolgenden Para­graphen werden unter Ablehnung kommunisti­scher Zuscchanträge angenommen. Ein kommu­nistischer Antrag auf Vertagung wird abgelehnt. § 16 bestimmt, dah die Vermögensgegenstände jeweils unter Berücksichtigung der allgemeinen wirtschaftlichen Verhältnisse zu bewerten sind. Bei der Ertragsermittelung soll insbesondere der Ertrag der letzten drei Jahre berücksichtigt wer­den. Die Wertfeststellung bei Grundstücken soll nach der Regierungsvorlage durchweg nach dem gemeinen Wert erfolgen. Der Ausschuß hat dafür den JSrtragötoert eingesetzt. Sozialdemokraten und Kommunisten beantragen Wiederherstellung der Regierungsvorlage.

Abg Schiele (SntL) widerspricht und be­antragt bei verpachteten Grundst ücken, die dau­ernd dem Land und forstwirtschaftlichen oder gärtnerischen Betrieben gewidmet sind, den Wert des Betriebsvermögens, das im Eigentum des Pächters steht, als einen Teil des zur Ver­mögenssteuer zu veranlagenden Gesamtwertes des Grundstückes festzustellen. Dieser- Betrag soll von dem Gesamtwert des Grundstückes abgezogen wer­den und dem Vermögen des Pächters zugerechnet werden.

Abg. P o h l mo n n (Dem.) bedauert, dah im Ausschuh keine Verständigung über den Para­graphen 16 zu erzielen war. Der Grundsatz des gemeinen Wertes würde zweifellos dazu führen, dah der G.undbefitz zum Papi wwert werde.

Abg. Herold (Ztr.) tritt für den Ausschuh- antrag mit der Aenderung ein. dah bei der Er- mitielu->g des Ertrag.'w.rtes i sb sondereauch' der Ertrag der letzten drei Jahre za berückfich- igen ist. Der Antrag will also auch die frü- erer Zähre für die Ertrags der echiung berück­sichtigen.

Ein Regierungsvertreter erklärt sich geacn diesen Zusatzantrag, der eine Ab chwächung des 9rundsai.eS b.beuten würde, dah der E t aas­wert möglichst dem gemeinen Wert angepaht sein soll. Auch der Antrag Schiele fei nicht annehmbar, da baS Gesetz ^Personen und nicht Grundstücke besteuere.

Abg. Henke (stlvP.) tritt für Wiederher­stellung der Regierungsvorlage ein. Mit dem Ertragswert wolle man nur die steuerscheuen Agi-arier schonen.

Abg. Hölle in (Komm.) erklärt, die An­träge zu'n Para^rap!.e i 16 s.i.n nichts als Steuers.,b)tagc Cj. Burg rtumS.

Tamil endet die Besprechung über diesen Paragraphen. 21b,iimmung und Wellerberatui.g Dieneta; 2 11 br.

Schluh 8 Uhr.

Hessische Handwerkskammer.

De Lehrling eu schuh de Ha d werkStammer beschädigte sich in seiner letzten öitzung mit der Frage der Erhöhung der Lehrzeit im Handwerk und der Regelung der Vergütung an die Lehrlinge Zur ersten Frage ist es angebracht, der Aufsassung entgegenzutreten, als ob durch die Dcschluh- affung der Dollversommlung der Handwerks­kammer 1921 auf Erhöhung der Lehrzeit um 3abr. die zur Zeit noch der Entscheidung des Mi i'ieriurns unterliegt, alle Ha rd.oerkszweige Zeichrnähig betroffen werden Die Erhötzu g tarn nicht für alle Handwerkszwllge in Frage kommen, 5a für eine ganze Anzahl eine dreijährige Lehrzeit genügt. Dagegen muh verlangt werden, für die Gewerbe, die der fortschreitenden tech -.ischen Ent­wicklung unausgesetzt Rechnung tragen müssen, eine längere Lehrzeit festzusetzen, und es wird hierfür die Erhöhung auf 3V2 Zahre gefordert. Mit anderen Handwerkszweigen, die nicht unter diese Kategorie fallen, deren zentrale Organisatio­nen aber bereits Anträge gestellt haben, werden weitere Verhandlungen ausgenommen. Die Regelung der Vergütungen für Lehr­linge ist zur Zell eine der wichtigsten Aufgaben der Handwerksorganifativnen: es muh immer wieder daraus hingewiesen werden, dah die Kor­porationen verpflichtet sind, innerhalb ihrer Mit­gliederversammlung unter Zuziehung der gesetz­lichen Gesellenausschüsse oder der Gehilsenvertre- tur gen diese Frage unverzüglich zu behandeln. Der Lehrli igsausschuh der Kammer wendet sich in diesem Sinne nachdrücklichst an die verantwort­lichen Vertreter der Handwerksorganisationen, nicht zuletzt in deren eigenstem 3nteresse.

Aus Stabt und Land.

Giehen, den 21. März 1922.

Der Unfug der Kleingeldham- st e r e i. Durch gesteigerte Ausprägungen der Münzstätten ist es gelungen, den Kleingeld- mangel nahezu zu beheben; denn es entfallen nach dem jetzigen Stande der Münzprägung auf den Kopf der Bevölkerung 10 Stück 50 Pfennig-, 20 Stück 10 Pf.- und 22 Stück 5 Pf.- Stücke. Wenn sich gleichwohl hier und da noch ein Mangel an kleinen Münzen bemerkbar macht, so ist das auf die bedauerliche Gepflo­genheit einiger Teile der Bevölkerung zurück­zuführen, Kleingeld zu Hamstern. Die Zweck­losigkeit dieses Hamsterns von Kleingeld steht aber allster allem Zweifel; denn jeder sollte wissen, dah sowohl das 5-, wie das 10-, wie das 50 Pf.-Stück viel weniger Materialwert besitzt als es dem Nennwert entspricht. Umso­mehr muh eS Wunder nehmen, dah noch immer die schon immer erwähnten unsinigen Ge­rüchte Glauben finden, wonach 50 Pf.-Stücke mit gewissen Münzzeichen außer dem un­edlen Aluminium Platin enthalten sollen. Wer Münzen auf Grund solcher Gerüchte zu einem höheren Preise als dem Nominalwert erwirbt, schädigt sich selbst und trägt obendrein dazu bei. den Erfolg der Bemühungen der Negie­rung zu vereiteln, die auf möglichste Behe­bung des Kleingeldmangels gerichtet sind.

(Sine Versammlung der Fleisch-

Lich wurde heute eine aus Waldeck stammende Wanderschafherde fe st gehalten, deren Führer nicht im Besitz der vorgcschrie- bencn, amtstierärztlichen Zeugnisse war. Die daraufhin erfolgende Untersuchung der Herde durch das Kreisveterinäramt Gießen ergab das Borhandenf e i n hochgradiger Räude. Es ist dies wieder einmal ein Be­weis, welche grohen Schäden unseren Schaf­beständen durch fremde Wanderherdcn zu- gefügt werden können und rote notwendig es st. auf solche Herden ein roachsamcS Auge zu haben. Die verseuchte Herde wurde zwangs­weise mit der Bahn an ihren UrsprungSort abttanSportiert.

KrciS Wetzlar.

kr. Krofdorf, 19. März. Unsere trotz der Nähe der Stadt bisher in Ortsklasse D befindliche Gemeinde ist bei der Nachprü­fung deS OrtSklassenverzetchnis- seS in Klasse C eingestuft worden. Die beiden hiesigen Gesangvereine ver­anstalteten heule ein gemeinsames, an Dar­bietungen sehr reiches Konzert, das sich eines guten Besuches erfreute.

Hcffen-Nanau.

Schließung sämtlicher Lichtspieltheater.

fpd. Frankfurt a. M, 19. März. Der Verband süddeutscher Lichtspieltheaterbesitzcr, der die Unterverbände 'Bayern, Baten, Württemberg. Hessen und Hessen-Nassau in sich schließt, hielt dieser Tage in Stuttgart eine stark besuchte Mit- gliederversamm'.ung ab, die den einstimmigen 'Be­schluß faßte, als Protest gegen die hohen L u st b a r k e i t s st e u e r n, die den Lichtspiel­theatern auferlegt find, und die Verelendung mb Zusammenbruch des g samten Lichtspi g'.ewerbeS unbedingt in naher Zell mit sich bringen müssen, von einem zu bestimmenden Zeitpunkt ab sämt­liche Lich t spielunter neh m u ngen zu schließen.

]f Marburg. 20. März. 3n den Stadtsälen fand am Freitagabend eine von den hiesigen kommunalen Vereinen einberufene stark besuchte Dürgerversammlung statt, die sich In der Hauptsache nach einem Vortrage des Rechts­anwalts Dr. Rhod e aus 5ramfu.t überetcucr- fragen und Kommunalpolitik mit den bekannten Eingaben der genannten Vereine gegen die Stadt­verwaltung an die Regierung und der zuteil ge­wordenen Beantwortung beschäftigte. Es wurde eine Entschließung angenommen des 3nhalls, dah die la toi neuartig steigenden Ausgaben eine andere Zusammensetzung der städtischen Körperschaften erheischten. Das Gemelndeverfasfu gsgeseh müsse baldigst verabschiedet werden, damit die Neu­wahlen za den Gemeindevertretungen baldigst ftattfinben könnten. Der Eisenbahnbedienstete Weber aus G.sselberg rannte am Freita-u end am Barfüßertvr mit seinem Rade so unglücklich gegen eine infolge der Straßen Verbreiterung vor einem -'naufe aufgeführte Mauer, dah er leben s- gefährlich verletzt in die Klinik ge- o.aa)t werden mußte. Das Rad ging völlig in Trümmer. 3n den Stadtsälen wurde heute der 10 Verbandstag des Maler- und Tünche rmei st er-Verbandes Hessen- Nassau abgehalten. 3m An ch.u) an zwet Vor­träge:Ursache und Wirkung der Gobnbefregung undWie passen wir unser Betriebskapital der Geldentwertung an", erledigte man geschäftliche Angelegenheiten.

Hessischer EvantzeUscher Landeskirchenlag.

bef <bauer des Kreises Gießen fand tm Hessischen "Hof" statt. Nach Erledigung der Rech- nungsablage folgten belehrende Vorträge von Dchlahth.f \re.tor Dr. Modde, Amt.v t.rin r- arzt Dr. Stein und Flcischd.schauer Lausch- Grünberg. An alle Vorträge schloß sich eine rege Aussprache an, die von dem großen Elser zeugte, mit dem die Fleischbeschauer des Ärel;e8 Gießen bestrebt sind, die für ihren verantwor­tungsvollen Beruf notwendigen Kemtnisse zu er­weitern und zu vertiefen. Für alle älteren Fleisch- beschauer, die 25 und mehr Jahre im Dienste der öfsentllchen Gesundheitspflege arbeiten, fit eine besondere Ehrung geplant, deren Vorbereitung Prof. Dr. Knell und der Vorstand des Ver­eins der Fleischbeschauer übernommen Huden. 3m weiteren Verlauf der Versammlung wurden Ver­eine-, Organisations- und Gedührenfragen zur Sprache g^b.acht.

taiiDfrctö Gicsicn.

* Eberstadt, 20. März. Durch die hie­sige OrtSpvlizei und die Gendarmerie aus

rm. Darmstadt. 20. März. Der Evan­gelische Landeskirchen lag erledigte heute nach­mittag ohne Aussprache den Voranschlag für das 3a br 1921, der an sich nur eine Verlängerung des Voranschlags für das Jahr 1920 mit den durch die Beamtenbesoldungs- erhöhungen notwendig gewordenen Zusätzen ist. Dann wird die neue Besoldungsordnung für d i e Geistlichen beraten. Hier kam in Frage, ob man die Kinderzulage über das 21. Lebensjahr hinaus bewilligen, oder, was damit nicht zu umgehen ist. 69 Geistliche weniger in die zweite Gehaltsgruppe, die etwa 9 bis 10 000 Mark höheres Gehalt bezieht, einstufen will. Nach Aussprache wird der Entwurf des Fi­nanzausschusses, der die Kinderzulage vvrsieht, angenommen. Dann wird ter § 2 inr-<itcn. der die Grundgehalte ses.seht. Es sind zw i Gruppen mit etwa 10 000 Mart Grhaltsunterschied vorgesehen. 3n die zweite (höhere) Gruppe sollen kommen: 23 Dekane, 30 Geistliche in den Städten Darm­stadt, Mainz, Offenbach Gießen und Worms,

Vie Pforte des Paradieses.

Roman von Ongeborg Bollq uartz.

Brredtinte UebetfeBung au» d m 28nif<6tn.

15. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

.Vergnügen machen? Vergnügen machen? Nein, 3nger, kxis würde mir kein Vergnügen machen. Bitte mich um alles andre um a l 1 e s andre. Mit Kindern oder nasewci en ju-gen Mäd­chen Klavier spielen das tolire das letzte, was mir Vergnügen machte. Nein, da schiebe ich lieber noch den Roll, .u -l. Aber es war l eo von dir, an mich zu denken. Ader jetzt muß ich gehen es war ein schöner Abend schön sehr schön und bc'gib mir, wenn ich etwas gesagt habe, was dir nicht recht war. 3ch habe wohl gesehen, daß du heute nicht recht bei Laune gewesen bist, aber mein Grundsatz ist nun einmal wollen die Leute reden, so laß sie reden wollen sie nicht nun, dann laß sie schweigen. Za das ist vielleicht ver'e >rt von mir ab?r nicht toahr es gibt dock; etwas, das man Takt nennt Satti Takt! Gute Nacht, 3nger, und laß dir's gut gehen."

Frau Borris ging ins Zimmer zurück und fetzte sich in den Lehnstuhl am Kamin. Ach, wie war doch dieser Tag traurig und angreifend gewesen!

Schon vom frühen.Morgen an hatte es schwer und drückend über ihnen allen gelegen. S.lbst ihre Musikstuichen, die sie sonst be.nahe als eine Art von Aufspannung betrachtete, hatten sie un­glaublich aneegriffen, nun. das tarn vielleicht auch daher, daß sie für das viele Treppensteigen und

Umherlaufen in der Stadt allmählich zu alt hatte ihr geglaubt und war so schändlich ge-

Gemüts

das war freudigen

Gelöbnissen herau gekommen So hatte sie dem Manne ihr Gelud e gehalten, den sie ms Leben

wurde.

Zuweilen hatte sie schon daran gedacht, die Stunden aufzugeben; muvte sie diese Zell doch ih.-em Manne, ihren Kind.m und ihrem Hau - wesen entziehen. Wenn aber d.r Mo at hc um war, dann brachte sie doch eine recht hübsche Summe nach Hause, und dieses Geld konnte jett sehr nötig werden, da Zens nur noch die drei Abendstunden im Kursus hatte. Alles wurde immer teurer, und Die Einnahmen wurden nicht größer, sondern in zwei Zähren, wenn Z.ns de Landwehrkompagr.ie verlor, sogar noch kleiner.

Aber sie konnte es nicht l u jnen, sie fühl e sich zuweilen übermüdet und jetzt war s e plötz­lich so mutlos geworden, daß sie am lieb,.en ge­weint hätte wie ein Kind.

3n der letzten Zeit war es auch mit Zrns' Stimmung recht schlimm beftelü gewesen, .md das hatte getoiffermoten sie und alle an gesteckt. Sie wußte nicht, wie es zuging. Mochte sie auch Noch so fröhlich erwachen, k um waren ein paar Stunden vergangen, soenttc sitz eine Art Schwer­mut über sie herein. Sie empfand las tote einen Bann, den rie nicht von sich ab ustzüttlli ber»

täuscht worden.

Aber war das alles auch wirllich ihre Schuld?

Ach, sie war es nun bald müde, zu kämpfen; es gelang ihr ja dvch niemals, den armen Men-

dauer zu verlassen. Stegergewiß hatte sie ihm' schen nur drm Daniel zu tei >en, roorem sich seine versprochen, er werde to e er Fr.ude an Leden: Seele jeden Tag i-fer v rst.nllr Nber toaä das gewinnen und die arme vertrauensvolle Seele schllimmste war, aus diesem Tunket fiel ein üg/itten

zurückgelockt jawohl, gstockt ty t e, inten sie ihn veranlaßte, sich cuf ih e Ära t u. d Au -

Sie hatte sich doch so redlich Mühe gegeben, ihm eine behagliche Heimat zu bieten und ihm der verständnisrollste Freuid zu sein. W e kam es denn, daß er jetzt verzweitelter war denn jer 3Hre Liede zu ihm war noch ebenso innig, wie an jenem Tage, wo sie ihn gewissermaßen angesleht batte, sie zu nehmen, stlnd auch seine Gefühle waren unverändert, das bewies schon allein die! er Abend, wo er erzürnt uib verzweifelt aus dem Haus gelaufen war, well er nicht ertragen konnte, daß sie auf ein Weilchen von ihm ging. De.ne Liebe zu ihr war unverändert, wenn er viel­leicht auch nicht mehr das alte Vertrauen in sie setzte

Sie meinte, sie hätten sich beide redlich Mühe gegeben, das Ziel ;u erreichen, das sie sich ge­setzt hatten ihm Frieden ins Herz zu geben warum war es ibne-i nicht gelungen V

Tante Ellinor hatte gesagt, um ihrem Manne das Arg' gefühl zu nehmen, muf e sie zuerst sclb i ohre Furcht fein und Frieden im He-en haben, urrb toä:jie.ti> sie d rb.m bll Tante Ellinor ge­wesen war, hatte sie sich auch mullg und froh gefühlt: aber sobald sie he u t r in ihre Wrh- irnng gekommen war, hatte dieselbe zitternde iln- tute sie ergriffen, die ihren Mann immer quälte, cie batte sie gefühlt in demselben Augenblick, n>o sie erfuhr, daß er das Haus verlassen habe.

mochte. Es war, als laste die gleiche ftimmung über ihnen allen.

So weit war es also gekommen bei all ihren glänzenden Plänen und

über das ganze Haus und machte es zu einer finsteren und engen Wohnung für die armen Kinder, und das quälte sie u^lich.

Ünb doch, wenn sie an die ersten Zahrr ihrer Ehe zurückdachte, in denen die Kinder ihr ganzes Glück gewesen waren, so fühlte sie sich nicht frei von G w s cn,b s en.

Hatte sie nicht damals über der Sorge für die Kinder oftmals ihren Mann vergessen? Sie hatte gemeint, eine Frau könne ihrem Mann ihre Lieb? nicht besser befreiten als dadurch, daß sie eine Mustermutter seiner Kinder fei: allem Tante Ellinor hatte trotzdem re';i die Mütter­lichkeit war das Astesbeheerschende in ihrem Wesen. Sie hatte ihn, den Einsamen, oftmals vergessen um der ganz H l loten to l en.

Aber was nützten alle diese Gedanken! Do hatte sie schon manchen Abend in Gewissens­bissen dagesessen und hatte sich mit Selbst Vor­würfen und unnützen A klagen gequält.

Wenn sie nur wüßte, wie sie es an greifen sollte, um das ins Gleiche zu bringen! Wenn sie nur fassen könnte, wie ihm und ihnen allen zu helfen wäre!

Plö' stich fuhr sie auf. Wenn er nun nicht mehr zu mckkehrte! Es war ;a m^g ich. daß er für immer gegangen war. D e A g , daß t iefes Schrecklichste einmal geschehen könnte, verließ sie nie. , , rl

Noch niemals war ihr das Dtse n so holf- nungslos verzwerflungsvoll, so fch e u d drehe ck> erschienen wie jetzt, und pl" lia) brach 'ie_ tm Gefühl ihrer eigenen Hilflosigkeit in hci -e Tranen aus.

(Fortsetzung felgt)