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bie sich teils in vorzüglich ineinandergreifendem Zusammenspiel, teils in Einzeltänzen aus wirkte. Mit der gewinnenden Anmut der Bewegungen, die besonders Tamara Gamsokourdia eigen ist. verbindet sich die männliche Kraft Alexander Demidoffs zu einem abgerundeten Kunstwerk der Eurhythmie. Beleuchtung. Bühnenbilder im Ver­ein mit geschickt gewählter Kostümierung gaben den passendsten Rahmen für die tänzerische Pan­tomime. die sich die Darstellung von Kompo­sitionen verschiedener grober Meister des Tones zum Ziel gesetzt hatte. Zum Gelingen dieser Aufgabe trug auch die Klavierbegleitung Paul Meyers wesentlich bei. Das in drei Haupt­teile zerfallende Programm lieb an Abwechslung nichts zu wünschen übrig, wenn auch die leicht­geschürzte Muse durchweg ein heiteres Antlitz zeigte. Hatte die Harlekrnade eine zauberhafte Märchenstimmung erzeugt, so führte das Nor­wegische Bauernidyll mit feinen an den deutschen Schuhplattler erinnernden Weisen in die etwas rauhere Wirklichkeit zurück. Den stärksten Beifall m-regte im 2. Test dieSpieluhr (Puppentanz)". Die grotesken Puppenbewegungen waren von ge­radezu überwältigender Komik. Diese Darbre- bmg hatte jedenfalls den Reiz der Originalität, den man bei den übrigen Dummern freß Pro­gramms begreiflicherweise nicht immer finden konnte. Der 3. Teil begann mit einerFantasia Galant" aus dem 18. Jahrhundert und Lang In ein Bacchanale von Saint-Saens aus, das sehr wirkungsvoll die Kunst des Tänzer Paares in höchster Steigerung offenbarte. Das Publikum brachte allen Teilen des Programms lebhaftes Interesse entgegen und suchte sich mehrfach, wenn auch vergeblich, Wiederholungen zu erzwingen.

tr.

Kissen hatte und die nach längeren Vechand- langen mit Vertretern der Eisenbahnbeam- ten am 9. Februar wieder aufgehoben wurde. Die Revision suchte aus der Aufhebung der Verordnung die Folgerung zu ziehen, daß ge­richtliche Bestrafungen auf Grund der Ver­ordnung unzulässig seien. Der Reichsanwalt erklärte jedoch, ein Stteikrecht der Beamten könne es nicht geben. Dies folge schon aus dem Verhältnis der Beamten zum Staat und aus dem Diszipltnargesetz. Das den Beamten ver­liehene Koalitionsrecht bedeute nur das freie Vereins- und Versammlungsrecht, nicht aber das Recht zur Niederlegung und Verweige­rung der Arbeit. Das Reichsgericht trat dar- <utf dem Anttag des Reichsanwalts auf Verwerfung sämtlicher Revis io - nen bei.

Streik der Bankangestellten?

Berlin, 19. Ott (Wolff.) 3n der von dem Allgemeinen Verband der deutschen Bankangestellten einberufenen o fenllichen Versammlung der Berliner Bankangestellten ist nach Ablehnung des Reichstarifschiedsspruches vom 12. Oktober 1922 beschlossen worden, zur Er­reichung angemessener Tarisb^üge die Anwen­dung aller gewerkschaftlichen Kamp­fe s m t 1 t e l vorzubereiten' insbesondere wurde die strikte Ablehnung aller tteberarbeit mit so­fortiger Wirkung beschlossen.

Deutscher Reichstag.

Berlin, 19. Oft 259. Sitzung, 2 Uhr nachmittags.

"Nachdem Minister K ö st e r sich zu Beginn dec Sitzung bereit erklärt hatte, die Interpella­tion Strefemann über die Krawalle am Zirkus Busch innerhalb der geschästsordnungsmähigen Frist zu beantworten, wurde die Aussprache über die Preiserhöhung für das erste Drittel der Getreideumlage fortgesetzt

Abg. Blum (Ztr.) bedauert, daß rein wirt­schaftliche Fragen die einzelnen Stände so tief zerklüftet haben. Der Bauernstand werde zu An­recht des Egoismus beschuldigt Die Regierung solle den zunehmenden Getreideschiebungen nach­drücklicher entgegentreten Der Dollarturs beein­flusse auch die Produktionskosten der Landwirt­schaft Der für das erste Drittel der Umlage zuerst festgesetzte Preis sei unter politischem Druck viel zu niedrig angesetzt worden. Darum sei die Erhöhung unvermeidlich.

Abg. > t u n o -LD. Vpt.) beklagt ebenfalls die falsche psychische Einstellung der Bevölkerung zum Ernährungsproblem, wo führe man die all­gemeine Rot fälschlich auf das Wucher- und )iebertum zurück statt auf die katastrophale Geldentwertung. Man könne der Landwirtschaft Utimöglich zumuten, daß sie allein ihre Preise der Geldentwertung nicht anpasse und das Umlage­getreide für ein Siebzehntel des Preises abg^re, der für freies Getreide gezahlt wird.

Abg. Dr. Böhme (Dem.) verlangt von der Regierung eine gröbere Aufklärungstätigkeit, um die Bevölkerung zu einer gerechteren Beurteilung der landwirtschaftlichen Produktionsverhä tnisse zu bringen, und verweist auf die einsichtsvollen Dar­legungen von Dr. August Müller im Gegensatz zu der Auffassung der Sozialdemokraten.

Abg. Heydemann (Komm.) verweist auf die, Erbitterung, welche die Brotverteuerung bei der Devöllerung hervorgerufen habe. Bon den Agrariern werde die Volksernährung sabotiert durch Verminderung der Anbaufläche. Die Aus- Lucherung der Bevölkerung könne erst verhindert tzerlen, wenn e ne p anmäßige Kontrolle der Produktion durch Organe ver arbeitenden De­völlerung erfolge.

Abg. Heim (Bahr. Dpt.) verzichtet auf das Wort, well er erst so spät durch die Kommu­nisten zum Wort komme.

Abg. Ledebour (U S.) polemisiert gegen die Ausführungen des Ernährungsministers. Es sei den Agrariern nicht um Produktionssteigerung zu tun, sondern nur um den Profll. Er fordere die Sozialdemokraiie auf, aus dec Koalition aus­zutreten, da sie sonst den Klassenkampf verleugne.

Damit schließt die AuZsprache.

Die Anträge des Zentrums und der Demo­kraten für Kleincentnerfürsorge werden debattelos einem Ausschuß überwiesen- ebenso der Gesetz­entwurf zur Aenderung des Einkommensteuer­gesetzes.

Morgen nachmittag 3 Uhr: Anträge zur Reichspräsidentenwahl. Schluß nach 6 Uhr.

Aus Hessen.

Republikanischer Richterbund.

Anter reger Detelligung hat sich, wie uns geschrieben wird, die Hess. Landesgruppe des republikanischen Richterbundes mit dem

Ditze in Darmstadt gebildet. Ihr Hauptziel ist, die neue Staatsauffassung gegen die frühere zu öertreten, und Justiz und Verwal­tung innnerlich auf die Gedanken der Demo­kratischen Republik einzustellen. In diesem Sinne will sie il a. Stellung zu Gesetzentwür­fen nehmen, gesetzgeberische Anregungen ge­ben, zum Schutz und Ausbau der Weimarer Verfassung und vor allem zur Heranbildung eines Beamtenkörpers beitragen, der freudig und wlllig dem neuen Staate Dient.

Aus Stabt uhb Land.

Gießen, den 20. Oktober 1922.

Die Neufestsetzung des Wertes der Natural- und sonstigen Sachbezüge bei dem Steuerabzug.

wird im heutigen Anzeigenteil bekanntgegeben. Als Erläuterung der Bestimmungen diene folgen­des Beispiel:

Für ein Dienstmädchm, eine Magd oder einen Knecht mit 400 Mark Monats lohn und voller Verpflegung einschließlich Wohnung, Hei­zung und Beleuchtung berechnet sich der Steuer­abzug vom 1. Oktober 1922 ab wie folgt:

Barlohn im Monat ...... 400 Mk.

Geldwert der vollen Verpflegung einsch i blich Wohnung, Heizung und Beleuchtung ...... 1500 Mk.

zus. 1900 Mk.

hiervon 10 Prozent ...... 190 Mk.

Dieser Betrag ermäßigt sich nach § 46 des Einkommensteuergesetzes in der Fassung vom 20. Juli 1922 für ledige Personen für den Monat für den Steuerpflichtigen selbst um 40 Mk. für Werbungskosten um . . . . . 90 Mk.

zusammen 130 Mk.

Der verbleibende Steuerbetrag von 190 Mk. 130 Mk. = 60 VZt ist in Steuermarken in die Ginlagebogen des Steuer­buchs zu kleben.

Die Cisenbahnfahrpreise ab 1. November.

Alte Fahrkarten zu doppelten Preisen.

Am 1. November tritt die Erhöhung der Eisenbahn - P e r s o n en t a r i f e um 100 Prozent in Kraft. Bisher wurden bei Tarif­erhöhungen die neuen Preise immer den Fahrkarten aufgedruckt oder durch tteberstempe- lung angegeben. Vom 1. November ab wird jedoch das Doppelte der auf den Fahrkarten angegebenen Preise erhoben, ohne daß dieser neue Preis auf der Fahrkarte vermerkt wird. Nur bei den handschriftlich ausgefertigten Fahrkarten wird der neue Preis eingesetzt Die Preise für Bahnsteigkarten werden gleichfalls verdop­pelt, kosten also vom 1. November ab 4 M k. Die bisher üblichen Hundekarten werden abgeschafft; für jeden Hund ist künftig eine halbe Fahrkarte 3. Klasse zu lösen. Ferner wer­den mit Wirkung vom 1. November beson­dere Schnellzugszuschläge für die 1. Klasse eingesührt: ste betragen in der 1. Zone (bis 75 Kilometer) 90 Mk., in der 2. Zone (bis 150 Kilometer) 180 Mk. und in der 3 Zone (über 150 Kilometer) 270 Mk. Diese Schnellzugszuschlagkarten werden am 1. Novem­ber neu aufgelegt, jedoch nur mit den halben Beträgen dieser Sätze also 45 bzw. 90 bzw. 135 Mk. bedruckt, um die Verdoppelung dieser Preise einheitlich durchzuführen: die bisher für die l.und 2. Klasse gültigen Schnellzugszuschlag­karten werden in solche für die 2. Klasse abge­ändert. Mit Fahrkarten, die mit einem Tage des Monats Oktober abgeftempelt sind, muh die Fahrt im Oktober angetreten werden.

Eine Hausbesitzer Protest- Versammlunq

gegen die von der Stadtverwaltung feftgefeftten Mietzuschläge von 614 Prozent fand gestern abend im Katholischen Vereinshaus statt Der von der Stadtverwaltung vorgesehene Pro­zentsatz wurde a b g e l e h n t und gefordert, die Mietzuschläge der mitllerwelle eingetretenen Geldentwertung entsprechend auf 204 5 Pro­zent festzusehen. Architekt Nikolaus be- grünbete den ablehnenden Standpunkt der Haus­besitzer und deren Neusorderung in sehr eingehen­den Ausführungen. Starter Raummangel zwingt uns, den Bericht über dieses Referat auf morgen zurückzustellen Einstimmig wurde folgende Resolution angenommen:

Die heute im Katholischen Vereinshaus über­aus stark besuchte Versammlung der Hausbesitzer Gießens legt allerschärfste Verwahrung ein gegen die tn dem Entwurf der Stadtverwaltung vom 6. Oktober 1922 vorgesehenen völlig unzureichende Höhe der Mielzuschläge und erblickt hierin einen

Gießener Stadltheater.

Ballett-Gastspiel von Tamara Gamsakourdia, Alexander Demidoff und Wassilji Orloss.

Gießen den 20. Oktober 1922.

Die Anschauungen über das Wesen coahrer Tanzkunst gehen heute weit auseinander. Den Anhängern der seither vorherrschenden Richtung, die den Tanz mit Mimik verbindet sind die Ver­treter einer neuen Auffassung entgegengetreten. Die das bisher Gewohnte schroff ablehnen und in rem rhythmischen Bewegungen ohne darstelle- rnsck^n Ausdruck das tänzerische 3deal erblicken. Ob dieser Streit der Meinungen je zu einer Snt- fdyeibung nach der einen oder anderen Seite fuhren wird, läßt sich noch nicht Voraussagen. Vermutlich werden beide Ansichten nebeneinander bestehen bleiben. Daß die ältere ganz unterliegen 0 r un$ lchvn aus dem Grunde un-

well sie dem Verständnis einer breiteren Masse eher entgegenkvmmt als die jün­gere, Die, in hohem Grade musikalische Veran­lagung ja bte Fähigkeit musikalischen Erlebens voraussetzt.

Das gestrige, Gastspiel des Moskauer Dal- letts war vollständig beherrscht von den über­lieferten Begriffe von tänzerllcher Kunst und tän­zerischen Aufgaben. Die Kunst der russischen Gäste äußerte sich ausschließlich m Tanzpa?to- mimen, bte ein Erlebnis oder eine ($t>HDbe bild­haft gestalten. TamaraGamfakourdia und Alexander Demidoff nur diese beiden kommen in Betracht da die Mitwirkung Waf- silji Orloffs nur in bescheidenem Maße aur Geltung kam verfügen über eine erstaunliche ja man möchte sagen, unübertreffliche Technik'

direkten Berstotz gegen die Bestimmungen des § 3 des Reichsmietengesehes.

Die auch hier wieder erkennbare gewaltsame Niederhaltung der Mieten nimmt den Haus­besitzern nicht nur die notwendigsten Existenz- bedürfnisse, sondern führt auch zum vollständigen Verfall der Häuser. Diese verkehrte Wohnungs­politik muß letzten Endes den Wohnungsinhabern den nötigen Schuh gegen die Llngunst der Witte­rung rauben und das bereits herrschende Woh­nungselend, mit zum Schaden der Mieter, immer mehr vergrößern

Wir müssen deshalb fordern, sofort in eine Neuprüfung der Mietzuschläge ein­zutreten und dieselben so zu bemessen, daß endlich ein Ausgleich zwischen Einnahmen und der durch die heutigen Lohn- und Preissätze bedingten Höhe der Ausgaben geschaffen wird."

*

* Amtliche Personalnachrichten. Ernannt wurde am 4. Zuli die Lehrerin Fran­ziska Fels zu Spreiidlingen (Rheinhessen) zur Lehrerin an der Volksschule zu Viernheim (Kreis Heppenheim). Ernannt wurden am 12. Ok­tober der Lehrer Georg Diehl zu Weiten- Gesäß zum Lehrer an der Volksschule zu Stein­bach (Kreis Erbach), der Lehrer August G e m - rn e r zu Fürstengrund zum Lehrer an der Volks­schule zu Störpg i. O. (Kreis Erbach), der Lehrer Wilhelm Huber zu Weiten-Gesäh zum Lehrer an der Volksschule zu Erbach t O., der Lehrer Heinrich Lehr zu Dudenhofen zum Lehrer an der Volksschule zu Dietzenbach (Kreis Offenbach), der Schuld mtsanwarter Friedrich Kaufmann aus Büdingen zum Lehrer an der Volksschule zu Merkenfrih (Kreis Büdingen). Ernannt wurden am 12. Oktober der Schulamtsanwärter Philipp Frölich aus Reichelsheim t O. zum Lehrer an der Volksschule zu Dreieichenhain, der Schulamtsanwärter Karl Ranft aus Beuern zum Lehrer an der Volksschule zu Alten-Buseck (Kreis Gießen), die SchulamtSanwarterin Käthe Sturm aus Oppenheim zur Lehrerin an der Volksschule zu Hungen, am 13. Oktober der Schulamtsanwärter Wilhelm Kranz aus Ruhl­kirchen zum Lehrer an der Volksschule zu Mühl­heim (Kreis Offenbach). Ernannt wurde am 13. Oktober der außerplanmäßige ordentliche Professor an der Landesuniversitat Gießen Ge­heimer Hofrat Dr. Carl Fromme zu Gießen mit Wirkung vom 1. April 1922 an zum plan­mäßigen ordentlichen Professor in der vhiloso- phiscAn Fakultät der Landesuniversttät Gießen. Ernannt wurden am 13. Oktober der Kreis­schulrat bei dem Kreisschulamt Offenbach Karl Maurer zum Stadtschulrat bei dem Stadtschul- amt Offenbach mit Wirkung vom Tage seines Dienstantritts ab, der Rektor an der Volksschule zu Offenbach Heinrich Karl Bechtolsheimer zum Kreisschulrat bei dem Kreisschulamt Offen­bach mit Wirkung vom Tage seines Dienstantritts ab. Ernannt wurde am 13. Oktober der Schul- amtsanwärter Adam Raitz aus Hetschbach zum Lehrer an der Volksschule zu Höchst L O. (Kreis Erbach). Ernannt wurde am 13. Oktober der Landwirtschaftsrat Otto Decker an der Land­wirtschaftlichen Schule zu Alzey mit Wirkung vom 25. Oktober 1922 an zum Landwirtschaftsrat an der Landwirtschaftlicher Schule zu Grünberg. Am 12. Oktober wurde der Forstwart der Kom- munalforstwartei Sickenhofen Oberförsterei Ba­benhausen, Christian Friedrich Schrodt II. zu Sickenhofen unter der Amtsbezeichnung »Förster" vom 1. Oktober 1922 ab in den Staatsdienst über­nommen. 3n den Ruhestand versetzt wurden apn 18. September der Studienrat an der Real­schule zu Gernsheim Ludwig Freund auf sein Dachsuchen, am 19. September der Studien rat an dem Gymnasium zu Bensheim Dr. Rudolf Glaser auf fein Nachsuchen, der Zeichenober­lehrer an der Ludwigs-Oberrealschule zu Darm­stadt Wilhelm Heiß auf sein Nachsuchen, der Studienrat an dem Ludwig-Georgs-Gymnasium zu Darmstadt Dr. Karl Lindt auf sein Nach­suchen, der Studienrat an dem Alten Gymnasium zu Mainz Adam Rudershausen, am 11. Ok­tober der Studienrat an der Realschule zu Mi­chelstadt Dr. Adam K l a s s e r t auf fein Nach­suchen, unter Anerkennung ihrer dem Staate ge­leisteten Dienste mit Wirkung vorn 16. Oktober 1922 ab.

** Mieterverein und Stadtver­ordnetenwahlen. 3n der Mieterversamm­lung vom vorigen Freitag wurde von dem Sprecher des Mietervereins-Vorstandes angekündigt, bei den Stadtverordnetenwahlen werde der Mieter- Verein mit einer eigenen Kandidatenliste auf den Plan treten 3m Gegensatz zu dieser Ankündi­gung hat eine am D.ienStag abend stattgehabte Mitgliederversammlung des Mietervereins die Aufstellung einer eigenen Liste ab­gelehnt.

" Organistengehalte. Man schreibt uns: Die anhaltenden Preissteigerungen und der. stetig sinkende Geldwert hohen den Verein evan­gelischer Organisten und Chordirigenten in Hes­sen veranlaßt, den Gemeinden erneut eine Her­aufsetzung der Organistengehalte zu empfehlen, und zwar unter Zugrundelegung der 1878 gehab­ten Mindestgehalle von 100 Mk. für 1 Gottes­dienst und 150 Mk. für 2 Gottesdienste das 100fache dieser Beträge, also 10 000 Mk. für 1 Gottesdienst und 15 000 Mk. für 2 Gottes­dienste. Viele Gemeinden sind in Erkenntnis der Unzulänglichkeit der bisherigen Bezahlung zu den Naturalleistungen früherer Zeiten zurückgegangen und haben wesentlich höhere Vergütungen An­erkannt. So bezahlt eine oberhessische Gemeinde 4000 Mk. in bar, 5 Zentner Frucht, 6 Rm. Duchenscheitholz und 3 Rm. Rebsigholz. Eine an­dere Gemeinde vergütet für 1 sonntäglichen Got­tesdienst 10 Rm. Buchenscbeitholz. Es ist der Wunsch vieler Organisten, daß die Natural­leistungen wieder mehr in Gebrauch kommen möchten, um den durch die Preissteigerungen gebotenen Vorstellungen und Gehaltserhöhung enthoben zu sein. Oberkonsistorium und Landes­kirchentag sind ersucht worden, auf dem Verord­nungswege eine neue Regelung herbeizuführen.

** Deutschlands voraussichtliche Zuckererzeugung. 3n Zuterindustriekrvisen rechnet man. wie demD. T." gemeldet wird bei einigermaßen günstiger Herbstwillerung und der Möglichkeit voller Einbringung der Ernte mit einer Mehrerzeugung von 1520 Prozent gegen die Erzeugung des letzten Detriebsjahres. Damit würde nicht mir der 3nlandbedarf voll gedeckt werden können, vielleicht bliebe sogar noch ein Teil der Erzeugung für die Ausfuhr übrig.

Bornotizen.

- Tageskalender für Freitag. Stadttcheater. 7 Hljr.Die Trösterin" Astoria- Lichtsdiele, ab heuteMaciste and die Tochter des Silberkönigs". - Palast-Lichtspiele:Unser

gememschaplttcher Frcund',Das voppÄte Knopp- eben" undGastspiel von Rene Olfen".

ÄuS dem . Stadttheater- Bureau. Anläßlich der Uraufführung der OperetteVerliebte Leute" am Ber­liner Theater am Rollendorfplatz das Werk wird bekanntlich am kommenden Sonntag hier erstmalig aufgeführt äußerte sich die Ber­liner Presse sehr anerkennend. KünnekeS Or­chester verrate in jedem Takt den überlegenen Musiker. Die modernen Tanzrhhthmen seien ihrer brutalen Wirkung entkleidet, und Her Walzer behaupte wieder seine Stellung. Dem Werke müsse ein unbestrittener ©rfnfa zuer- kannt werden, der vermutlich von L sein werde.

Wettervoraussage

für Samstag:

Wolkig, ohne erhebliche Niederschlage, schwache östliche Winde, kühl.

Unter dem Einfluß eines tiefen-Drucks über Frankreich hält das trübe, wollige Wetter an.

Landkreis Gießen.

* Wieseck, 20. Oft Der Vorschlosser Ludwig Rvdenhausen feiert heute sein 25jähriges -Uroertsjubiläum in der Eisenbahn- Nebenwerkstätte.

Kreis Alsfeld.

* Alsfeld, 19. Ott. Zum Ausbau derElektri^itätsversorgunghatdie Provinzialdirektion diejenigen Gemeinden, in denen die Dauarbeiten im Gange sind, ersucht, die Vollendung des Baues durch Bereitstel­lung von Geldmitteln tatkräftig zu unterstützen. 3n dem Rundschreiben bittet die Provinzial- direktion die bett. Gemeinden, ihr eine Ab -- schlagszahlung von 1 00 000 VZarf zu leisten mit der Maßgabe, daß, falls mit dieser Zahlung der wirkliche Baukostenantell überstiegen würde, der überschießende Betrag als Darlehen behandelt werden sollte. Das hiesige KreiSamt ersucht jetzt die Gemeinden deS Alsfelder Bezirks, die geforderte Ab­schlagszahlung bis zum 1. November zu be­schließen.

Kreis Büdingen.

)( Ortende rg, 19. Ott. Die Vorbereitun­gen zum berühmten Kalten Markt sind in vollem Gange. Schon jetzt liegen eine großeAnzahl Meldungen sowohl von Händlern als Daden- besihern vor. Der Auftrieb von Vieh, besonders Fohlen, eröffnet für ein flottes Geschäft trotz höchster Preise bte besten Aussichten. Der Besuch des Marktes wird in diesem Zahre durch die verspäteten Arbeiten der Landwirte allerdings etwas leiden.

Kreis Friedberg.

* Butzbach, 19. Oft. Die Deutsche Volkspartei und die Demokratische Partei haben sich auf eine gemeinsame Liste zu den Gemeinderatswahlen geeinigt

Heffen-Naffau.

spd. Frankfurt a. M., 19. Oktober. Die Stadtverordnetenversammlung stimmte einer abermaligen Erhöhung der Löhne für die städtischen Arbeiter nach den vom Magistrat vorgeschlagenen Sähen zu. Sie genehmigte sodann eine bereits am nächsten Sonntag in Kraft tretende abermalige sehr toefent- sich: Erhöhung derStraßenbahnfahr- preise. Die am 4. Oktober abgeschasstenMonats- farten sollen am 1. November wieder zur Ein­führung kommen, da durch ihren Fortfall die Fehlbeträge der Straßenbahn sich erheblich -o größert haben. D e ilrwartung, da da %u iifum stall der Vlonatöfarte sich oe: Wocyenkarie be­dienen würde, hat sich nicht erfüllt. Die vom Magistrat eingebrachte Vorlage auf Ein ührung einer Schlemmer st euer und Hocker- fteuer land trotz mancherlei Bedenken, nameat« lich gegen die letztere, freundliche Ausnahme bei allen Fraktionen. Für dieSch'emmerstcuer sprachen sich alle Fraktionen au3. Die Drohung des Gast­wirtsgewerbes, die Einführung der Steuern mit einem allgemeinen Streik zu begegnen, wurde allfettig als ein Schlag ins Wasser bezeichnet, da durch die Steuern das solide Gewerbe nicht im mindesten betroffen wird. Für die Schlemmer- steuer wurden die höchsten erreichbaren Sähe gefordert, da nur eine solche Maßnahme auf daS Ausland wirken kann.

fpd. Frankfurt a. M., 19. Okt. Einem übereinstimmenden Beschluß von Magistrat und Däckerinnung zufolge tritt am Freitag eine neue Brotpreiserhöhung von 37 auf 42 Mark für Markenbrot ein. Die Bäckeroehil- fen haben heute nun den erst in dieser Woche in Kraft getretenen Lohntarif gekündigt und verlangen abermals höhere Löhne. Darüber sollen noch dieser Tage Verhandlungen statt­finden, wahrscheinlich mit dem Ergebnis, daß abermals eine neue Erhöhung der Drotpreise erfolgt.

fpd. Limburg, 19. Okt. 3n dem hier eingettoffenen Aachtzuge aus Gießen fand man in einem Wteil den Reisenden Mo­ritz Ohly aus Cubr»ch bei Weilburg be­täubt und mit erheblichen Gesichts­verletzungen vor. Der Verletzte, der nur einen Arm hat, konnte über die Täter keine Auskunft geben.

Schlichtungsausschutz der Provinz Oberhessen.

Verhandlung vom 17. Oktober 1922.

Dem Deutschen Derkehrsbund, dem Arbeit­geberverband für Handel und Gewerbe und den Vereinigten Fuhrwerksbesihern von Gießen schlug der Schlichtungsausschuß für die Zeit ab 16. Oktober 1922 u. a. folgende TranZportacbeitec- wochenlöhne vor: Kraftfahrer 4C80 Mk. (statt bisher, seit dem 1. Oktober 1922, 3400 Mk.), Fuhrleute über 21 Jahre 3960 Mk. (3300), Lager­arbeiter über 23 Fahre 3840 Mk. (3200), Arbei­terinnen 2700 Mk. (2500). Das Zehrgeld bei

Heutiger Staub des Dollars

10 tthr vormittags:

Berlin 3350, Frankfurt a. M. 3400.