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Nr. 92 Zwetter Blatt Gretzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)Donnerstag, 20. April (922

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Renten der Kriegerrvitrven.

Die ©auteitung Reffen-Halfau bs Reichs- bundeS der Kriegsbesch digten teilt imB folgendes mit:

Di« Versorgung der Kriegerwitwen richtet sich wie die der Kriegsbeschädigten >Lch dem Reichs - vttforgmrgSgeseh Es ist ein Unterschied genracht zwischen erwerdsfähigen und erwerbsunfähigen Witwen. Die erwerbsfähige Witwe erhält 30 Prozent derjenigen Dezüge, die ihrem (5bemanne im Falle vollständiger Erwerbsunsähigleit als Kriegsbeschädigten zugestanden hätten. Die Rente der erwerbsunfähigen Witwe beträgt 50 Prozent dieser Bezüge Auf Grund des alten Militärhin- erbliebeneng<-sehes erhielt eine Kriegerwitwe zu .Anfang des Krieges ohne die später eingeführten Teuerungszuschläge monatlich 33,35 Mark. Ver­gleicht man diesen Rentenbetrag mit dem heutigen 'Vjcibnxrt, so mühte, wenn man der Witwe die gleichen Rentenbezüge in Gvldmark zukvmmn las­sen wollte, nach den Berechnungen des Statisti­schen ReichSamts der ZOfadye Betrag ausgezahlt werden. Das würde einen Monatsbetrag von 2310 Mark ausmachen, eine Summe, die zur Be­streitung des Lebensunterhaltes einer erwerbs­unfähigen Witwe in teueren Gegenden alS an­gemessen bezeichnet werden muh. Gegenwärtig erhalten au* Grund des Reichs Versorgungsgesetzes die erwerbsfähigen Kri?gerwitlven jedoch nur im Durchschnitt "der Ortsklasse A eine monatliche Rente von 188 Mk., in der Ortsklas e E eine solche Dtm 139,40 Mk. Die erwerbsunfähige Witwe er­hält monajlich 'm der OrtSklas'e A 313,55 Mk., in der Ortsklasse E 232,20 Mk. Die Witwen un­gelernter Arbeiter erhalten noch durchschnittlich 30 bis 60 Mk. monatlich weniger. Geht die Witwe keinem Erwerb nach, so erhält sie seit 1. März dS. 36. einen monatlichen Zuschuß von 160 Mk. 3nSgcsamt steht allo der erwerbsunfähigen Krie° gerwitwe eines gelernten Arbeiters. Landwirts, Geschäftsmannes oder Beamten zur Bestreitung ihres Lebensunterhaltes monatlich nur ein Betrag von 473,75 Mk. in den teuersten Orten und in der Ortsklasse E ein solcher von 392,20 Mk. zur Verfügung. Dah mit solchen Beträgen der Le­bensunterhalt nicht zu bestreiten ist, dürfte ohne weiteres klar sein. Deshalb muh die vom Reichs­bund der Kriegsbeschädigten, Kriegsteilnehmer und Kriegerhinterbliebenen aufgestellte Forderung nach der Verdoppelung der gegenwärtigen Ge­samtbezüge ohne weiteres als berechtigt anerkannt werden. Bei Verdoppelung der Bezüge würde z. D. eine erwerbsunfähige Witwe eines ge­lernten Arbeiters mit zwei Waisen unter Hinzu­rechnung der ebenfalls verdoppelten Waisenrente in der Ortsklasse B eine tägliche Rente erhalten, die den Höchstsatz der Erwe'.bslosenunterstützung für alle 3 Personen nur um 9,09 Mk. überschreiten würde In der Ortsllaf'e E würde sich ein täg­licher Mehrbetrag von 9,60 Mk. ergeben.

In der- Frage des Ausgleichs der Teuerung bat s'ch das Reihsarbeitsministerium bis jetzt gc- acnvb^r dem Antrag des Rmchsbun^es der Kriegs- befchä'-igt n auf den S andpu ift gest Ilt, immer nur bei den Witwen einen Llusgleich der Teuerung durch Gewährung von Teuerungszuschüssen zu versuchen, die nicht in Arbeit stehen oder nur ein Einkommen haben, das der Erwerbslosen­unterstützung nicht überschreitet. Dieser Stand" punkt, der teilweise in Adgeordnetenkreisen des Reichstages starke Freundschaft findet, muh aufs schärfste mihbilligt werden. Die Sache liegt doch so. dah sämtliche Kriegerwitwen von den ihnen gewährten Rentenbezügen nicht leben können und deshalb gezwungen sind, einem Erwerb nachzu­gehen. Auch hier trifft zu, was der Reichsrat bei Ablehnung eines Pensionskurzungsgefehes für die Beamten als Begründung ausgeführt hat, nämlich, dah der Arbeitsame zugunsten des Aichtstuers benachteiligt wird. Besonders zu be­achten ist aber, dah mit diesem System des Aus­gleichs der Teuerung die Reichsregierung den von ihr und der Rationalversammlung bei Schaf­fung des ReichsversorgungsgeseNes vertretenen Grundsätzen in bezug auf Erhaltung der Opfer des Krieges in der sozialen Schicht, der sie vor­dem Kriege angehör: haben, selbst ins Gesich. schlagt. Eine Hinterbliebenenfamilie ist durch den 'Tod ihres Ernährers stets in eine tiefere soziale Schicht hinabgedrückt worden. Wäre der Gefallene noch am Leben, so würde er in allen Fallen erheblich mehr durch.seinen Beruf erwerben kön­nen, als was seine Witwe jetzt erwerben kann. Die vom Reich gewährten Rentenbezüge stellen denn auch nur den Versuch dar, das von der Witwe erworbene Arbeitseinkommen zu ergänzen, um so die Erhaltung in der betreffenden Schicht nach Möglichkeit zu erreichen. Dah dies aber durch den Arbeitsverdienst der Witwe und ihre Rente nicht möglich ist, muh ohne weiteres klar fehl. Deshalb ist es ein ilnfinn, wenn die Reichs- reglerung auf dem Standpunkt steht, nur den nicht in Arbeit stehenden Kriegerwitwen einen ÄePsorte der Paradieses.

Roman von 3ngeborg Vollquartz. Berechtigte vebersetzung au» d m Dänischen.

(Rachdruck verboten.) (Schluh.)

Ja, lieber Orla, Du bist sehr weit von mit entfernt, aber für die Gedanken einer Matter gibt es keine Feme. Zuzeiten habe ich das Gefühl, als ob Du mir ganz nahe wärest. Mebri- gens glaube ich, dah es drüben in dem herrlichen Klima und bei den tüchtigen Menschen ganz wunderschön fein muh. Danke Herrn Worthing für die Zeilen, die er mir geschickt hat: es war ihnen anzumerken, dah er Dich versteht, und es ist sehr aufmerksam von Deinem Prinzipal, dah er mir selbst mitteilt, wie zufrieden er mit Dir ist. Es ist ein sehr guter Gedanke von Dir, dah Du Dir einen photographischen Apparat angeschafft hast: an der Hand der Bilder kön­nen wir Dich viel besser auf allen Deinen Wegen begleiten. Wir haben uns sehr gefreut über die reizenden Bilder von dem Ort. wo Da bist, und von der Familie. Fraa Worthing sieht fehr fein and gütig aus, und die Kinder sind reizend. Am allerbesten gefallen mir aber doch die Bilder von dem Gat, das ,Las Piedras' heißt. Du schreibst so wenig von Herrn and Frau Griffith, die dort wohnen, and doch Dämmte ich, dah ihre Freundlichkeit und Gastfreiheit die Llrsache find, dah es Dir jetzt drüben in dem fremden Land besser befragt Von der reizenden Marie! Griffith mußt Du mir in Deinem nächstenBrier recht viel erzählen: 'M) war gleich ganz hingerissen von ihrem frischen, sühen Gesichtchen and möchte

Ausgleich der Teuerung zu gewähren. Bei den Witwen der Reichsbeamten und sonstigen Pen­sionsempfängern erhöht sich durch jede Aende- rung der Bezüge dec Reichsbeamten die Hinter­bliebenenrente ohne weiteres, kein Mensch Hal bis jetzt dort versucht, den Deamtenwitwen und sonstigen Penfioirsempfängcrn von ihren »wohl­erworbenen Rechten" etwas abzusprechen. Diese Rechte werden sogar noch durch die Reichs Ver­fassung geschützt Kann man bei den Kriegerwit­wen nicht viel mehr von wohlerworbenen Rechten sprechen? Da selbst bei Verdoppelung der Wit­wenrenten diese die vom Statistischen Reichsamt errechneten Lebensunterhallungskvsten noch lange nicht erreichen, muh das Verlangen auf Verdoppe­lung der gegenwärtigen Gefamtbezüge der Wit­wen von jedem, der es mit den während des Krieges gegebenen Versprechungen noch ernst nimmt, in allen "Teilen anerkannt werden.

Reichslagsabgeordneter Otto Su t«

Wie wir bereits in einem Teile unserer ge­strigen Auflage mitteilten, ist der bekannte so- ztaldemokransche Abgeordnete Otto H a ö in Esirn gestorben.

Otto Hu6, dessen sympathisches 21uftreten auf der Konferenz in Spa noch in Erinnerung ist. wo er als Vertreter der deutschen Arbeit erinter- effen sprach, wurde am 2. Rovern der 1863 in Hörde (Westfalen) als So im eines Hüttenarbeiters geboren. Aach dem Vollsschu be uch lernte er Schlosser und arbeitete- als solcher in verschie­denen lh.inisch-westsälischen Berg- and Hütten­werken, u. a. auch bei der Firma Krupp m Essen. Als Handwerksbui-sche bereiste er Deutsch­land. Der Arbeiterbewegung trat er nahe, nicht sofort als Sozialdemokrat, sondern als Mitglied eines evangelischen Iünglingsveretns. Später schloh er sich dem zu den freien Gewerkschaften gehörenden Metallacbeitervcrband an und ging von da aus zum Verbände der Berg- und Hüttenarbeiter über, dessen Verbandsorgan ..Die Berg- und Hüttena beiierzcilung" er 11941395 redigierte. Seit Hu -s liebertritt zum Berg- arbci.eiDctbanö datiert ferne au sch'.ie liche Be­schäftigung mit Dergarbeilerfragen. Er war bald einer der besten Kenner aller Fragen des Berg- arbeiter-Schu es wie der bergbaulichen Fragen überhaupt. 3m Reichstage war er fast immer der alleinige Wortführer der sozialdemokratischen Fraktion bei der Beratung sozialpolitischer Maß- nafrmen für Bergwerks- und Hütten betriebe. An dem internationalen Zu summens chluh der Berg­arbeiter hat Hue groben Anteil: die inter­nationalen Bergarbeiterkongressr. auf deren tot* nem er fehlte, übertragen ihm meist auch die wichtigsten Referate. 3n einem zweibändigen Werk:Die Bergarbeiter"', historische Darstel­lung der Dergarbeiterverhältnisse von der älte­sten bis in die neueste Zeit, gibt er die aus­führlichste Geschichte der Arbeiterverhältnisse im Bergbau, die bisher existiert. Dem Reichstag gehörte Hu6 von 19031912 als Vertreter des Wahlkreises Bochum-Gelfer.ki ch.n-Hattv gen an. Bei den Dahlen 1912 unterlag er dem, von den Ralionalliberalen aufgestel.ten und in der Stich­wahl vom Zentrum unterstützten Bergarbeiter Heckmann. 1913^-1918 war et im Prcuhischen Abgeordnetenhaus als Vertreter des Wahlbezirks Berlin-Schöneberg. 3n die Rattonalversammlung wurde et vom Wahlkreis Arnsberg gewählt.

Schon vor der Revolution amtlich aufgefor- dert. in das preußische Handelsministerium ein- zutreten, tvar er dort seit Rovembrr 1913 als sozialdemokratischer Abgeordneter tätig, trat aber am 1. Dezember 1919 zurück, als durch die Reichs­verfassung die bergbauliche Gesezgedung Reichs- sache wurde und die Bearbeitung bWer Fragen auf das Reichsarbeits- und Reichswirtschafts- minifterrum übergingen, bzw. den Reichswirt­schaftsrat und Reichskohlenrat. Er kehrte in seine leitende Stellung rm Bergarbeiterverband zurüa und nahm außerdem eine wichtige Stellung im Vorstand des Reichskohlenrats ein.

Aus Stabt und Land.

© i e & e n, den 20. April 1922.

* Amtliche Personalnachrichten. Ernannt wurde Verwaltungsamtmann Gieß bei der Reichsschahabteilung in Darmstadt zum Re­gierungsrat. Ernannt wurde am 12. April der Studienrat an dem Realgymnasium in Darm­stadt Dr. Fritz Doller zum Studienrat an dem Ludwig-Georgs-Gymnasium in Darmstadt mit Wirkung vom 24. April 1922 ab. Am 13. April 1922 wurde der Gerichtsassessor Dr. Rudolf Kratz aus Darmstadt vom 1. April 1922 an zum Mi- nifterialamtmann bei dem Ministerium der Fi--

gerne ein gröberes Bild von ihr haben. Ste erlaubt Dir getoib, ein solches von ihr aufzu­nehmen, sie hat Dich ja auf den Bildern, die Du von ihr gemacht und uns geschickt hast, sehr freundlich angelächelt.

Aber nun will ich Dir auch von hier er­zählen. Es ist mir genau so gegangen wie Dir. Zu Anfang war es mir gar nicht leicht, als tch plötzlich aus unsrer Heinen, bescheidenen Woh­nung hierher in das grobe Haus verpflanzt wurde. Aber wein ich mir überlegte, dab Eure Grob­eltern in diesem Hause gelebt haben, dab es öte Heimat Eures Vaters ist, und daß es vielleicht einmal wieder in den Besitz der Familie tom- men Knute, dann konnte ich nicht anders, ich mutte mich darin heimisch fühlen. Es ist Dir wohl schon längst klar geworden, datz es Thh- strups Absicht ist, Mogens dereinst in das Ge­schäft aufzunehmen, und dab er es dann selbst­verständlich nach seinem Tode übernehmen soll. Er und Mogens kommen ganz ausgezeichnet mit­einander aus. Thystrup hält grobe Stücke darauf, bat Mogens freiwillig zu ihm gekommen ist und mit ihm wegen einer Anstel u rg in seinem Ge­schäft gesprochen Hot. und das war ja auch ,ehr tapfer von unferm lieben Mogens. Es ist mir sehr lieb, dab hier keine Garnison ist: denke nur, welch ein Schmerz das für ihn wäre! Übri­gens ist ihm das Geschäft durchaus nicht gleich­gültig. und er ist fetzt recht vergnügt. Zu An­fang war es gewiß oft schmerzlich für ihn, aber öab ich hergewmmen bin, hat ihm geholfen.

Wir können nicht anders sagen, als dab uns Zonas Thystrup ein guter Fr und gew sen i L Schon allein die Art und Weise, wie er Mogens in das Geschäft auf genommen hat, war ja sehr

nanzen mit der Amtsbezeichnung .Finanzrat" ernannt. Ernannt wurden am 5. April der Wärter Wichel Häger mit Wirkung vom 15. De­zember 1921 an zum Oberwarter an der Landes- Heil- und Pflegoanftali .PhilippSdospital" bei Goddelau: Peter Wilden aus Erumst.idt mit Wirkung vom 1. Februar 1922 an zum Wärter an der Landes-Heil- und Pflegeanstalt .Philipps- hvspita!"" bei Goddelau: Adam Lorenz Ko ob zu Heppenheim mit Wirkung vom 1. Oktober 1921 an zum Wärter an der LandeS-Heil- und Pslege- anftalt zu Heppenheim: Hosef Frink aus Reu- tershau.en mir Wirkung vom 1. Januar 1292 an; Wilhelm Pfeiff aus Kefielbach mit Wirkung vom 1. März 1922 an; Heinrich Pfeiff aus Kesselbach mit Wirkung v*om 15. März 1922 an; Philipp Krug aus Hammelbach mit Wirkung vom 20. März 1922 an zu Wärtern an der Landes-Heil» und Pflegeanstalt bei Gieren: Ernst Fink aus Blllertshausen mit Wirkung vom 11. März 1922 an zum Maurer <Wegwart» an der Landes-Heil- und Pflegeanstalt bei ® ich en. Ernannt wurde am 11. April die Marie Weitzel aus Büdesheim zur Küchen Haushälterin bei der Landes-Heil- und Pstegeanstalt Alzey mit Wir­kung vom 1. April 1922 an.

"'DieLebenSmittelwerdenbil- liger. Seit einigen Tagen find nach Presse­meldungen vielerorts die Preise für LebenS- nrttel, wie Butter, Fleisch und Mehl, etwas zurückgegangen. Zn Hamburg ist zum Beispiel die Butter um fast 10 Mart pro Pfund billi­ger geworden, was natürlich nicht ohne Ein- fluß auf die Preisbildung im Reich geblieben ist. In Berlin wurden am Viehmarkt für das Fleisch durchweg 56 Mark für das Pfund weniger geboten. Besonders in den süddeut­schen Ländern ist auch ein Nachlassen der Mehlpre se zu beobachten. In Gießen haben wir bisher von einem Rachlaffen der Preise noch nichts bemerken können, hoffen aber, dah sich die in anderen Städten eingetretene Ver­billigung auch bei und recht bald zeigt.

Diebstahl. Aus einem Garten auf dem Trieb wurden während der letzten Rächt vier Mistbeetfenster gestohlen. Sachdienliche Mitteilungen nimmt die hiesige Kriminal­polizei entgegen.

Landkreis Gicsten.

= Hungen. 20. April. Anläßlich der silbernen Hochzeit seines Mitgliedes Wilh. Grünbein brachte der Gesang­vereinLiederkranz" dem Jubelpaar gestern abend ein Ständchen, wobei die Glück­wünsche des Vereins übermittelt und mehrere Chöre zum Vortrag gebracht wurden.

Kreis Alsfeld.

^Alsfeld, 19. April. Den Erlaß einer Ortssatzung über Gewährung von Prämien für Freimachung von Wohnungen hat der Stadt vor stand beschlossen. Die Prämien betragen je nach Größ? der Woh­nung 10006000 Mk. Man hofft, auf diese Weise die Wohnungsnot mildern zu können.

Starkenburg und Rheinhessen.

rm. Darmstadt, 19. April. Wegen Steuerhint.erziehnng in großem Umfange ist ein hiesiger Privatier mit Familie verschwunden. Es soll sich um be­sonders hohe Beträge von ülmsaysteuer usw. bandeln, die an die Millionen grenzen. Eine stattgehabte Haussuchung konnte feststellen, daß der Vogel ausgeflogen war, doch fand man verschiedenes wertvolles Belastungsmate­rial. ES sind alsbald die nötigen Vorkehrun­gen getroffen, um das Verschwinden des Steuerschiebers über die Grenze zu verhindern.

rm. Bürstadt, 19. April. Eine schwere Bluttat ereignete sich dahier in der Rächt des 2. OsterfeiertageS. Der Fabrik­arbeiter Philipp Ohl hat den Arbeiter 3- Hohmeier in einem Wutanfall mit einem feststehenden Messer durch einen Stich in die Brust derart verletzt, daß der Tod alsbald eintrat. Dem schweren Verbrechen gingen ver­schiedene Händeleien voraus, die zwischen zwei hiesigen Gesangvereinen entstanden waren, well der eine bei einem demnächst stattfinden­den Wettsingen nicht teilnehmen konnte. ES kam hierbei nach und nach zu einem Wort­wechsel, bei welchem Ohl und Hohmeier be­sonders beteiligt waren.

uneigennützig, und es war auch schön von ihm, daß er mich nach Vaters Tod bat, herzukom­men und so lange zu bleiben, als ich wollte. Mögens und ich hatten schon den Plan gemacht, ich sollte mir hier eine kleine Wohnung mieten und zusehen, ob äch keine Musik!chülerinnrn be­kommen könnte. Aber dann kam Thystrup mit seinem Vorschlag, ich sollte ganz hierbleiben, und nun sind wir von dieser Anordnung alle fehr befriedigt. Ich besorge die Haushaltung mit zwei tüchtigen Mädchen und ohne mich selbst zu rüh­men, darf ich sagen, dab das alte Haus jetzt ein sehr gemütliches Heim geworden ist. Thy- strup selbst ist sehr froh darüber, und ich freue mich, hier nützlich sein zu lönnen, abgesehen da­von. dab ich wenigstens mit einem von meinen Kindern zusammen f .tu kann.

Ellen war an Pfingsten mit ihrem Liebsten hier, und Thystrup war ganz entzückt von ihr; sie ist etwas ru'riger geworden, aber das steht ihr gut. Im Mai hat sie ihre Stelle aufgegeben und ist zu ihren Schwiegereltern gegangen, die bei Vejle einen Hof haben. Dort soll sie die Haushaltung lernen bis zum Ianuar; da kommt sie dann hierher zurück, um ihre Aussteuer za nähen, und im März soll Hochzeit sein. Er wartet noch auf seine Anstellung und hofft jeben Tag, sie zu erhalten. Ellen hat ein etwas schlech­tes Gewissen, well sie Dir solange nicht geschri» ben hat. aber ich bin überzeugt, Du verstehst sie und verzeihst ihr. Sie hat eines von Demen Bildern bekommen und hat versprochen. Dir bald zu schreiben. Auch sie ist der Ansicht, Fräulein Muriel schr sehr liwreizend <ms.

Tante Rora und Base Malwine sind an Pfingsten ein paar Tage hier gewesen, und es

Hesicn-Rassau. Günstige Lage des Frankfurter Ardettsmarktes.

Frankfurt a. M., 19. April. Mit dem Beginn der wärmeren Witterung hat sich der Arbeitsmarkt in Frankfurt a. M. noch weiter gebessert. Sämtliche gelernten Berufe find vollständig beschäftigt und bei verschiedenen Fachgruppen macht sich sogar ein direkter Mangel an genügenden Arbeitskräften be­merkbar. Dies gilt besonders von gelernten Maurern, da sich die Bautätigkeit ganz be­deutend gehoben hat. Richt nur zahlreiche in­dustrielle Unternehmungen sind im Begriffe, Reubauten ausführen zu lafsen, auch die pri­vate Bautätigkeit hat wieder bedeutend ^ge­nommen. Auch macht sich jetzt ein Mangel an Bank- und kaufmännischen Angestellten bemerkbar, so daß bereits verschiedenen Aus­ländern die Einreise gestattet werden mußte, was aber mit großer Reserve geschieht. Die Post hat zwar ungefähr 100 weibliche Ar­beitskräfte entlassen, doch waren diese gleich wieder in offenen Stellen untergebracht. 12 089 Arbeitsuchenden standen 12 053 Arbeitsstellen gegenüber, so daß fast sämtliche Arbeit­suchende untergebracht werden konnten, mit alleiniger Ausnahme einiger ungelernter Kräfte. Erwerbslv,enunterstützungsempfänger sind jetzt nur noch 294 vorhanden gegenüber 800 im Februar und 700 im Januar dieses Jahres.

Selbstmord ober Verbrechen?

spd Kassel, 19. April. Aus der Fulda wurde dieser Tage die Leiche eines 18jährigen Mädchens gelandet. Der Hals und das Gesicht zeigten Erdrosselungsmerkmale. Die Leiche wurde von der Staatsanwaltschaft beschlaanahmt. Das Mädchen soll mit einem jungen Arbeiter, der seit einiger Zeit verschwunden ist, ein Verhältnis gehabt haben und diesem gegenüber Selbstmord­gedanken geäußert haben. Die noch recht dunlle Angelegenheit bedarf der Aufklärung.

Schöffengericht.

Gießen, 19. AprU 1922

Ein hiesiger Schneidermeister, der nebenbei auch noch ein Friseurgeschäst be­treiben läßt, ist angenagt, weil er im Oktober v. I. an einem Sonntag durch eine Friseuse in seinem Laden eine Dame habe frisieren lassen, was an Sonntagen verboten ist, und well er außerdem dem kontrollierenden Schutzmann den Zutritt zu feinem Laden verboten habe. Er bestritt nicht die Tatsachen als solche, behauptete aber, nicht strafbar zu fein, weil nicht er selbst, sondeim seine Friseuse, die Teilhaberin seines Geschäftes sei, die Dame bedient habe. Allein, da das Offenhalten der Frifeurläden an Sonntagen überhaupt verboten ist, wird er zu einer Geldstrafe von 50 M k. verurteilt, da er das Offenfralten gebilligt hatte.

'Degen Fahnenflucht und militä­rischer älnterschlagung wurde ein An­gehöriger des hiesigen Reichswehrregi­ments zu einer GesamtgefängniS- strafevoneinem Iahrundeiner Woche verurteilt. Zugleich wurde auf Dienstent­lassung erfannt.

Ein vielfach vorbestrafter Mon­teur aus Braunschweig versuchte im Som­mer 1921 in Gemeinschaft mit einem Arbeiter, der noch flüchtig ist, den Schaukasten eines Goldwarengeschäftes in der Bahnhof­straße dahier zu erbrechen, wurde dabei aber von einem Schuhmann erwischt. Unter Ein­beziehung zweier Strafen, die er in Hannover und Braunschweig erhalten hat, wurde er heute zu einer Gesamtgefängnisstrafevon zwei Ia hren und einem Monat verurteilt.

Gegen ein Dienstmädchen, das sich wegen Rückfalldieb st ahls zu verantworten hatte, und das trotz ordnungsmäßiger Ladung nicht erschienen war. erging Haftbefehl.

Das Verfahren gegen einen jungen Arbeiter von frier, der seinem Stiefbruder mit­telst Einbruchs250Mk. gestohlen hatte, mufote eingestellt werden, weil der Vater des Letzteren die Stellung des erforderlichen Straf­antrags nachträglich verweigerte.

Ein Kaufmann aus Charlotten- b u r g, der einem hiesigen Rechtsanwaltund Rotar auf dessen Zahlungsaufforderuna hin brieflich ^Anmaßung" vorgewoften und ihm mit einer Anzeige wegen Erpressung gedroht hatte, wurde wegen Beleidi­gung zu 300 Mk. Geldstrafe verurteilt.

In zwei Privatllagen wurde das Verfahren eingestellt, da der Privatkläger trotz ordmmgS- frat Tante Rora viel Vergnügen gemacht, ihre ölte Heimat wiederzasehen. Ich habe auch einen Tag Tante Rora and Malwine besucht, als tch Ponsin meine Schall) abbezahlte. Die beiden allen Damen haben es In ihrer kleinen Wohnung sehr hübsch, unb Malwine hält sie in bester Ord­nung Auf ihr liegt natürlich bte ganze Last, aber sie ist vergnügt dabei, und das ist ja die Hauptsache. Heden Freitag geht aus dem Ge­schäft ein Paket mit Kolonialwaren an sie ab; das ist ein Einfall von Thystrup, und Malwine ist nahe daran, zu glauben, ihre alte Gabe, die .Herrn am Bändel zu haben', sei die älrsache davon.

Tante Rora ist, wie ich Dir schon geschrie­ben habe, seit Vaters Tod sehr verändert; sie ist viel milder und zugänglicher geworden, und wir schreiben einander häufig. Deinem Vater ist sie nicht immer ganz angenehm gewesen; ich denke oft, wenn er sie jeht sehen könnte, würde er sie gewiß recht lieb haben.

Ia, lieber Orla, jetzt habe ich Dtr erzähll. wie es hier bet uns zu geht, und ich darf nicht noch mehr schreiben, sonst wird der Brief ge­wiß zu schwer.

Es ist immer eine wehmütige Sache, lebewoht zu sagen, selbst wenn es nur in einem Briefe geschieht. Ach, Heber Orla. wenn ich doch Each drei Kinder gef inb und glücklich hier in Eures Da'ers alter H?inat um mich versammelt sehen könnte.' Heden Tag sage ich mir selbst, daß dies in nicht allzu ferner Zeit geschehen werde, denn man soll sich nicht allein das Glück wünschen, man soll auch daran glauben.

Herzliche Grüße von Deiner Mutter Inger Dorris."