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Nr. 92

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Erstes Blatt

112. Jahrgang

150 'Pf.; für Reklame- Anzeigen von 70 mm Breite 430TL Bei Platz- vorschnft 20 Aufschlag. Hauptschriftleiter: Aug. Goetz Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz: für den übrigen Teil: Karl Walther; für den Anzeigenteil: ans Deck, sämtlich in (Biegen

Donnerstag, 20. AprU 1922 Anno am ooii Anzeigen für die Tagcsnummer bis zum Nachmittag vorher ohne jede Verbindlichkeit. Preis für 1 mm tföhe für Anzeigen v 24 mm Breite örtlich 120 Pf, auswärts

GietzenerAMign

General-Anzeiger für Oberheffen

vnid und Verlag: vrsfhl'fche Univ.-Vuch- und Steinöruderei R. Lange. 5chnftleitung, Geschäftsstelle und Drudcrei: 8chulstratze 7.

Die 9lid)tlinie Poincar^s.

der

man hier­aus

bvm Der-

Erploitivvertrag.

London, 19. 2lpril. (Wolff.) DioCB e ft - m in ft er Galette schreibt in einem Leit­artikel die einfache Satfads fei die,daßDeutsch­land und Rußland zwei der fünf führenden Mächte Europas feien und dah der Versuch, sie als Parias und Ausgeslvßene zu behandeln, die nicht teert sind, eine andere als unterwürfige Rolle bei der Aufgabe des Wiederaufbaues Europas zu spielen, wenn nicht mit einer Kata­strophe so doch wenigstens mit einer Enttäu­schung enden würde. Es sei Unsinn und sei immer ilnfinn gewesen, dah Frank­reich. Statten und Großbritannien erfolgreich und für lange Zeit die Rolle von Diktatoren Europas spie-

für uns unannehmbaren Form Entschuldigung. Schließlich Huben sie es vorgezogen, nicht mehr davon zu reden und die Verhandlungen wur­den wieder ausgenommen. Sie haben anläß­lich unserer Durchfahrt durch Ber­lin zu einem Ergebnis geführt. Der Text

len tonnten. ... gewesen, dah Deutschland und Ruhland zusam­men kommen muhten, wenn sich die Alliierten

unannehmbar schienen. Der erste Punkt war Ar- \[ in roerT;n

tifel 6, der bedeutet, dah Deutscl^and, Ruhland | des mtrimmierten Abkommens ist in Berlin

nicht enschtilehen fonnenwbie polnische, die bolsche­wistische und die Reparationsfrage in rationeller Weise zu behandeln. Sm ganzen fei das deutsch­russische Abkommen zu begrüßen. Es sei zwar eine Dombenexplosion und möglicherweise eine unangenehme Erplosion gewesen für die Leute, die gehofft hatten, politisch Kapital aus der Genueser Konferenz zu schlagen. Sie habe jedoch den Vorteil, dah sie allen die Wirllich- teit der Lage Europas vor Augen führe. Es sei vielleicht bedauerlich, dah die deutsche Regie­rung die Initiative vorweg genommen habe in einer Politik, die jede Regierung in Europa bald befolgen müsse. Aber wessen Fehler sei das ' Lloyd George und seine französischen Kollegen hätten sich seit drei Jahren den Lurus gestattet, unmögliche Träume zu träumen. Ihre Poli - t i f derSieger" le» weniger unmoralisch, als töricht gewesen.

Eine Anrnfuns, des Rcparationsansschnsses.

für die integrale Anerkennung und für eine Ga­rantie des Privateigentums aussprechen. Werde diese Annahme nicht erfolgen, dann werde die srakizösischr Delegation den Auftrag erhalten, nicht an den Beratungen teilzunehmen.

Paris, 20. April. (WTB.) DerPetit Parifien" glcu t zu w s en, daß Minsterp.ä'- dent Poincarä am kommenden Montag im Generalrat des Departements de la M.use in Bar-le-Duc eine politische Rede halten werde, in der er sich über die Zwischenfälle in Genua aussprechen werde.

Die französische Hetze.

Paris, 19. April. (WTD.) Der Abgeoro- nete Andr 6 Tardieu hat an Ministerpräsi- dent P o i n c a r 6 einen Brief gerichtet, in dem er ihn daran erinnert, dah er am 1. April in der Kammer entschieden erklärt habe, falls in Genua Versprechen gemacht würden, die Ver­träge von'1919 zu diskutieren, werde Frankreich sofort volle Handlungsfreiheit bean pruchen. Durch das deutsch-ru fische Abkommen sei nicht nur d«r Friedensvertrag verletzt, sondern auch eine ge­meinsame Politik der Provokation gegen den Geilt und Buchstaben des Versailler Vertrages verübt worden. Die fernere Teilnahme Frank» Reichs an den Konferenzarbeiten sei deshalb -für diejenigen, die dem Ministerpräsidenten vor drei Wochen ihr Vertrauen ausgesprochen hätten, eine peinliche Überraschung Die Verhandlungen von Genua zwischen den Deutschen und Russen könnte in Zukunft für Frankreich von ernsteren Folgen sein als die Politik der Vorgänger Poäncarös, die eine Herabsetzung der Lasten Deutschlands aus dem Friedensvertrag um jährlich mehr als 40 Prozent zum Ergebnis gehabt habe. Sobald das Parlament wieder zufarnmentrete, werde er deshalb den Ministerpräsidenten über seine all­gemeine Politik intervenieren.

französische Prcsscstimmen.

Paris, 19 April. (WB.) DerTempS' hat an der gestrigen, von den einladenden alli­ierten Staaten und der Kleinen Entente beschlof-

polttischen Lage.

Ein Bankett unter Deilnahme der Deutschen und Russen.

Genua, 19. April. (Spezialbericht des Ver­treters des WTD.) Die Rote der neun Mächte ist der deutschen Delegation freute früh überreicht worden. Die hier weilenden Kabinetts­mitglieder sind daraus zu einer Sitzung zusammen­getreten. Am Rachmittag werden die Sachver­ständigen zusammenkommen, und es wird eine Kabtnettssitzung der ganzen Delegation abgehalten werden. Die deutsche Antwort wird voraussichtlich im Laufe des heutigen TageS überreicht werden können. Die Stimmung ist durch­aus ruhig und fest. Man neigt zu der Anlicht, dah mit der gestrigen Rote das letzte Wort noch nicht gesprochen sei, und dah die Unterzeichner selbst im Interesse des ungestörten und fruchtbaren Fortganges der Konferenz einen Ausgleich finden werden. Zu erwähnen wäre noch, dah die führenden deutschen Delegierten, d. h. Dr. Ra- thenau, Dr. Hermes, Schmidt 'und Reichsbank- Präsident Havenstein, gestern abend einer Ein­ladung der italienischen Delegation zu einem Essen gefolgt find, an dem die führenden Dele­gierten aller Rationen teilgenvmmen haben.

Wie der deutsch-russische Vertrag zustande kam.

Berlin, 19. April. Zur Begründung des deutschen Abkommens mit Rußland gab, wie die Blätter aus Genua melden, der Leiter der Oftabtcilung des Auswärtigen Amtes, Ministerialdirektor v. Maltzan. folgende Erklä- rung ab:Als man der deutschen Delegation das Londoner Memorandum vorlegte, erklärten wir sofopt, dah uns drei Punkte darin

Paris. 20. April. (WTD.) Rach ..Petit Journal" soll Poincare von Darthou langt haben, dah, bevor jede Diskussion mit den Ru sen fortgesetzt werde, diese formell die Res o- lution von Cannes annehmen, d. h. sich

Weitere englische Stimmen.

London, 19. April. (WTB.) In einem Leitartikel schreibt derManchester Guar­dian" über den deutsch-russischen Vertrag, Deutschland und Rustland hätten. soweit ersicht­lich fei, innerhalb ihrer gesetzlichen und verfas­sungsmäßigen Recht, gefraiad.lt. Sie hätten aber zualcich in einer Weise gebandelt, die, wie sie wissen mußten, Sturm erzeugen muhte. Beide Länder seien weit gegangen, indem sie einen formellen Vertrag abschlofsen, der nicht der Kon­ferenz unterbreitet wurde, und zwar über die Hauptfrage, zu deren Erörterung die Genueser Konferenz einberufen wurde, und indem sie die Tedingungen verdrehten, wenn nicht verletzten, unter welchen sie eingeladen wurden, und die sie stillschweigend annahmen. Der Auss-hluh Deutschlands aus der ersten und wichtigsten Kom- mistion sei nicht eine würdevolle Maßnahme. Be­vor eineBestrafung" Deutschlands oder Auh- lands in Frage komme, müsse man erst klar wissen wofür man sie bestrafen wolle.

DerOb ferner sagt, ob der Vertrag als solcher gut oder schlecht in seinen unmittelbaren Wirkungen sei. scheine er doch in ziemlich ratio­neller Weise einen Teil dessen zu vollenden, was die Konferenz sich zum Ziele setzt. Der Verrrag beseitige die Last zweckloser Schul­den und ebne auch dem Handel den Weg. Er verhindere keine andere Macht, gleiche Verein­barungen mit Rußland zu treffen, sofern sie es wolle Es sei ein Separatvertrag, jedoch kein

dieser Sitzung gaben der Reichskanzler und Reichsminister Dr. Rachenau ein Bild

redigiert worden, wo Herr Rathenau uns er­klärte. er könne es nicht ohne Genehmigung des deutschen Ministerpräsidenten paraphieren. Dieses letztere hätte nicht vor der Abreise der Russen aus Berlin stattfinden können. Man hätte also notwendigerweise warten müssen, bis man in Genua zusammengetreten sei, um die Unterschriften auszutauschen. Litwinow er­klärte ferner, dah der russisch-deutsche Ver­trag vollkommen veröffentlicht worden sei und dah keine Militärkonvention ihn begleite.

Eine Widerlegung der Einwendungen.

Berlin. 19. April. (Wolff.) Von zustän­diger Seite wird mitgeteilt: Die Einwendun­gen der einladenden Mächte in Genua gegen den deutsch-russischen Vertrag bestehen tm wesentlichen aus folgenden Punkten:

1. Es läge eine S o n d e r a k t ion Deutsch­lands vor. Sonderverhandlungen wurden aber Mnächst unter Richtbeteiligung Deutschlands von anderer Seite eingeleitet.

Um Schädigungen zu vermeiden, muhten tetr mit Rußland ein Abkommen treffen.

2. Der Reichskanzler hat das Londoner Memorandum in der ersten Sitzung der ersten Kommission ohne Widerspruch als Derhandlungs- basis angenommen. Das Memorandum wurde aber in dieser Sitzung nur verteilt. Die Russen erklärten, dah sie es nicht kennen. Es wurde auch erklärt, dah das Memorandum die Regierungen nicht binde. Irgendeine Erklärung von Deutsch­land wurde nicht abgegeben.

3. In den Cannes-Resolutionen sei als Voraussetzung für die Genueser Konferenz festgestellt worden, dah Rußland die Soziali­sierungsschäden anerkenne. Die Resolutto- neu von Cannes togren vom Reichskanzler an­genommen worden. Einerseits aber hat in dem zwischen Deutschland und Rußland aeschlossenen Vertrage Ruhland in Form einer Aufrechnung die Sozialisierungsschäden ausdrücklich anerkannt und andererseits auf die Schäden, die Deutschland nicht bezahlt hatte, verzichtet. Außerdem ist in dem Vertrag ausdrücklich vorgesehen, dah, wenn Rußland mit einem anderen Staat ein Abkommen schließt, in welchem es sich zur Ersatzleistung für die Sozialisierungsschäden verpflichtet, diese Er- satzschäben analog auch an Deutschland zu zahlen seien. Prinzipiell wurde also eine cntschädigungs- lvse Sozialisierung nicht festgestellt.

4. Der Vertrag enthalte eine Verletzung des Art. 240 des Versailler Vertrages. Wir hätten durch den Verzicht auf die Softali- sierungsschäden Rechte entwertet, die wir nach Art. 240 auf die Reparationskommission über­tragen mühten. Aber diejenigen deutschen Rechte, die nach unserer Auffassu ng unter Art. 260 fallen, find längst auf die Repara-ionskommission über­tragen worden, und der von Deutschland ausge­sprochene Verzicht ist ohne Einfluß auf diese Rechte, da sie im Augenblick des Verzichts keine deutschen Rechte mehr darstellen. Wenn die Alliierten Rußland gegenüber auf die Geltend­machung dieser Ansprüche verzichten, dann können sie sich nicht beschweren. 6e::en sie aber ihre An­sprüche durch, dann fällt die Wirkung des deut­schen Verzichts weg. Der Vertrag von Rapallo verletzt also den Vertrag von Versailles nicht.

den Unwillen der englischen und französischen Delegation, halte cs aber für nötig, der Rote eine Form zu geben, die eine Verständi- g u n g zulasse. Im weiteren Verlauf der Dis­kussion, in der die Vertreter Belgiens, Ja­pans, Jugoslawiens, Rumäniens und der Tschechoslowakei die englisch-französischen, und der Vertteter Polens mit einigen Einschrän­kungen den italienischen Standpunkt vertraten, gelang es Schanzer, seine Anschauung durch­zusetzen und die Rote in eine gemähigte Form zu bringen.

Erklärungen Litwinows.

Paris, 19. April. (Wolfs.) Rach einer Meldung aus Genua hat Litwinow eine Erklärung abgegeben, in der er daraus hin­weist, dah Rußland schon Abkommen mit Polen, Finnland, Csthland, Li­tauen, der Türkei, Persien, Schwe­den und Italien abgeschlossen habe. Er versteht nicht die Ueberraschung, die man nach dem Abkommen mit Deutschland zeige. In Wahrheit verhandeln wir, so sagte Litwinow, mit Deutschland seit 1918. Deutschland hat Sowjetrußland durch den Friedensverttag von Brest-Litvwsk anerkannt und wenn die Vertre­ter Rußlands von Berlin am Ende jenes Jah­res ausgewiesen wurden, so sind sie sofort nach der Revolution wieder zurückgekehrt. Was un­sere Verhandlungen in Berlin behindert und verlängert hat, war der Mord an dem Grafen Mirbach. Die Deutschen verlangten in einer

Auf dem Wege einer Einigung?

Lloyd George hat sich bereit finden lassen, mit Wirth und Rathenau in Verhandlungen einzutreten. Es ist anzunehmen, daß es den beiden Vertretern Deutschlands gelingen wird, Lloyd George zur Vernunft und Mäßigung zu bringen. Der britische Premierminister hatte mit Rußland verhandeln lassen ohne Zutritt der Deutschen, er hatte plötzlich und gänzlich überraschend ein Londoner Memorandum auf der Inferenz zur Debatte gestellt, das für Deutschland, wie aus den folgenden Meldun­gen zu ersehen ist. absolut unannehmbar war. Man kann sich also nicht wegen Verletzung der Formen und Abmachungen ereifern; diese lag zuerst auf der Seite der Entente.

Wirth und Rathenau bei L>ohd George.

Berlin, 19. April. (Wolff.) Aus G e - nua wird bekannt, dah der Reichskanz­ler und Rathenau heute morgen mit den führenden Männern der Entente in direkte Fühlung getreten sind, und zwar auf Wunsch der Entente.

Berlin. 20. April. Wie bie Blätter aus Genua melden, wird die Antwort der deutschen Delegation auf die Rote der Alliierten und der Heinen Entente voraussichtlich erst heute überreicht werden. Diese Verschiebung wurde bedingt durch eine Kette von Konfe­renzen des Reichskanzlers und des Ministers des Aeußern mit den alliierten Staatsmännern und den Führern der russischen Delegation, die den ganzen gestrigen Tag ausgefüllt haben. So hatten Dr. Wirth und Rathenau mit Lloyd George in der Villa Alberti eine zweistündige-DesPrechuna, die Lloyd George angeregt hatte. Das Gespräch drehte sich hauptsächlich um den Vorwurf der Geheimhaltung, der in der Rote der Alliierten den Deutschen gemacht worden ist. Dr. Rathenau legte die Vorgeschichte des Vertrages dar. die von dem Ministerialdirektor von Mal."an den Pressevertretern mitgeteilt worden ist. Lloyd Ge­orge soll der deutschen Delegation andeutungs­weise die Annullierung des Vertrages nahcgelegt haben oder aber ihr Ausscheiden au« der poli­tischen Unterkommission. Wie die Blätter be­merken. kann Deutschland, ohne sich moralisch herabzuwürdigen und sich vertraglich unfähig zu machen, seine Unterschrift nicht zurückriehen. Die Blätter sehen eine Möglichkeit zur Losung darin, den Vertrag in die zwischen den Alliierten und Rußland zu schließenden Abmachungen einzu- -gllebern. ..

Wie baß /Betl Tagebl." meldet, ist die Antwort Lenins auf die Rückfrage der russischen Delegation nach Moskau gestern in Genua eingetroffen. Litwinow erklärte Preste- üertretern. daß die russische Delegation auf Grund der Antwort nunmehr bereit sei. die Verhand­lungen in der Villa Alberti oder in der politischen Untcrfommiflion fortzusetzen.

.Die weitere Haltung der deutschen Abordnung. G e n u a, 19. Aprll. (WTB.) Heute abend fand eine Sitzung der in Genua anwesenden Mitglieder der Reichsregierung statt, in der über die durch die Rote der Sig­natarmächte entstandene Lage beraten wurde. Im Anschlüsse hieran fand eine Sitzung der Sachverständigen statt. In

Paris. 19. April. (WTD.) Die HavaS- agentur teilt mit, daß Ministerpräsident Poin­care beschlossen habe, den französischen Ver­treter in der Reparationskommission. Dubois, zu ersuchen, die Kommission mit der durch den Abschluß des deutsch-russischen Vertrages auf­geworfenen Frage offiziell zu befaf.en. Der Mi­nisterpräsident werde die alliierten Regierungen ersuchen, ihren Delegierten die gleicheii Jnstrut- tionen zu erteilen, damit von der Reparativns- kommission in kürzester Zeit das Abkommen von Rapallo geprüft tccibe. Die Havas- agentur glaubt übrigens zu wissen, daß bereits ein persönlicher Meinungsaustausch zwischen den Delegierten in der Reparationskommislion statt- gesunden habe. Reben der bekannten Heran­ziehung des Artikels 260 gegen den deutsch-russi­schen Vertrag sei man in der Kommission der Ansicht, daß dieser auch grundsätzlich gegen Ar­tikel 248 verstoße, der die deutschen Güter und Einnahme.suellen mit Privilegien ersten Ranges zu Gunsten der 'Alliierten belastet. Außerdem hätten durch Artikel 116 Absatz 3 die alliierten Mächte ausdrücklich einen Vorbehalt bezüglich der Rechte Rußlands auf alle Restitutionen und Reparationen gemacht, die Rußland nach den Siundsätzen des Vertrages erhalten hätte. Die Sowjetregierung habe zwar freiwillig auf diese 'Bestimmungen zu ihren Gunsten verzichtet. Es scheine jedoch, daß die deut'che Regierung ihrer­seits einen solchen Verzicht nicht ohne Zustim­mung der alliie ten Mächte hätte unterschreiben können. In der Rcparationslommis ion flehe also auf dem Stan punkt, daß Deutschland durch wie er einmal seine Verpflichtungen dem Versailler Vertrag ve.l.ugnet habe.

oder einem Dritten, der an die Stelle Rußlands tritt, für die Kriegsentschädigungen, die Rußland aüf Grund des Versailler Vertrages hätte fordern können, zur Verfügung stehen müsse. Der zweite unannehmbare Punkt war ein Artikel der zweiten Beilage, wonach alle indu­striellen Unternehmungen, die am 1. 3. 1917 in Rußland unter ausländischer Leitung standen, als ausländische Unternehmungen hätten betrachtet werden sotten. Da zu diesem Zeitpunkte infolge des Krieges kein Unternehmen in Ruß­land eine deutsche Verwaltung aufweisen konnte, käme dies praktisch dem Ausschluß der Deutschen aus dem Kreise derjenigen aus­ländischen Industrien in Rußland gleich, die eine besondere Behandlung durch die Sowjetregierung erfahren sollten. Der dritte Punkt war Artikel 15 der zweiten Beilage, der festseht, dah alle vor dem 1. September 1917 in Rußland vollzogenen Enteignungen in Kraft bleiben sotten. Diese Enteignungen betreffen fast ausschließlich deutsche Unternehmungen. Deutschland war also auf Grund dieses Memorandums von allen Dortetten aus­geschlossen, die ein eventuelles Abkommen mit der Sowjetregierung gebracht hätten. Diese Eindrücke der deutschen Delegation wurden den anderen Delegationen ausführlich zur Kenntnis gebracht. Es wurde einem Mitglied einer frem­den Delegation erklärt, dah Deutschland sich ver­pflichtet |ü ,l>, die Drohungen des Memorandums durch direkte Abmachungen mit den Rus­sen zu parieren. Am Freitagabend kam der Pressechef der italienischen Delegation, Gian­nini, zu der deutschen 5>jlcgation und berichtete über Besprechungen zwischen Rußland und der Entente, die hinter verschlossenen Tü­ren stattfanden. Giannini fügte hinzu, dah er die Au, gäbe habe, die Ansicht der deuZchen Dele­gation über das Memorandum zu erfahren. Es wurde ihm darauf von den Deutschen erklärt:

1 Solange die drei erwähnten Punkte auf­rechterhalten bleuen, formen wir zu diesem Me­morandum keine Stellung nehmen.

2 . Wenn die Verhandlungen mit den Russen ohne uns fortgesetzt werden sollten, würden wir in unserem Interesse gezwungen sein, uns ander­weitig zu sichern.

Am Samstag erflärten Rakowsky und Joffe dem deu.schen Delegierten Waltz.an. d-ah die Russen auf Gründ gegenseitiger Konzessionen zu einem ilebereinfommen mit den En­tentemächten zu kommen hoff en Auch .rin britischer Delcg erter äu ,e:te sich in e.ner Unter­redung mit Machan sehr Optimist sch über den Verlauf der Verhandlungen. Maltzan wieder­holte ihm gegenüber, daß Deu schlan> durch di­rekte Verhandlungen mit den Russen die Si­tu a on parieren" te. Am Samstag abend b achten verschiedene Berichterstatter der deu schen Delegation die Rachricht. daß ein Uebereinkom- men zwischen Ru'land und den Ententemäch.en virtuell bereits erzielt wurde. Run.neh beschloh die deutsche Delegation, die russische Delegation um ein? Zusammenkunft für den nächster Tag zu ersuchen. Das Zusammenkommen fand am Ostersonntag in Rapallo statt Rach fc,r kurzer Dauer wurde der bereits in Berlin vor­bereitete Vertrag unterzeichnet.

Schanzcr a<s Vermittler.

DerEorriere della Sera" bringt Ein­zelheiten über die Sitzung, in der unter dem Bvrsitz Schanzers die Rote an Deutschland redigiert wurde. Danach habe Schanzer zum Ausdruck gebracht, daß es ihm nicht opportun erscheine, heftige oder beleidigende Worte in die Rote aufzunehmen. Er verstehe

senen Rote, die der deutschen Regierung über­reicht werden soll, manches auszusehen, vor allen Dingen, daß die beschlossene MaNnahme sich nicht auch gegen Sowjetrußland richte. Man schein r zuzulassen, daß die bolschewistischen Delegrerter das Recht hätten, einen Vertrag zu schließen während die Konferenz von Genua tage, ret die Resolution von Cannes verletze. 2Lber noch eine andere Frage erregt denTemps". Gr -inuLvix;« l iv v-t- schreibt nämlich, wenn Lloyd George gestern mehr

i. Seit zwei Jahren sei es klar! Erregung gegen die Deutschen als gegen öi: Bolschewisten gezeigt habe, sei das nicht abfällig s deshalb, wett die Deutschen versprochen haben