Ausgabe 
19.8.1922
 
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Pavagei mit Wg geg, kleinen Hund zu tauschen, ober kleinen Hund zu lausen gesucht, Schrisil. Angebote unter 08019 an den Hhener Anzeiger ömlltlgel iugelaufrn. Sbmbolfti

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viereckig gefaßt, am Fahrkartenschalter deS Pahnhofs verloren. Der ehrliche Finder er« hält hohe DrlohWng, Nzugeben O'W veMhmW" Löberstraße 19.

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Nr. 194 ZNettes Blatt Eichener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Samstag, st). August 1922

(Nachdruck verbot«.)

1. Fortsetzung.

Badsfempel.

Drmrcm von Margarete v. Oertzen F ü n f g e l t>.

Finger, schmal und wohlgepflegt wie die eines Chirurgen, nestelten an dem seidenen Lesezeichen eines aufgeschlagenen Buches. Schließlich sagte er: »Du nimmst es mir doch nicht übel, Rott­mann? Ich muh gehen!"

Rottmann verbarg einen kleinen Schrecken.

Also auch er!

Aber weiht du tu mir den Gefallen und erwarte mich! Hier sind die Zigarren wenn du eine nein, zwei geraucht hast, bin ich wieder hier."

Eine kleine, alte Ähr schlug mit Hellen Tönen fünf. In den Straßen war es schon dunkel. Diedinger rüttelte den Ofen auf.

Warum nicht?" gab Rottmann gelassen zu­rück. Er nahm das erste beste Buch, obwohl er nichts sehen konnte.

Riedinger war zum Ausgehen fertig, seinen Kleidern entströmte ein feiner Veilchenduft.

Auf der Straße klappte er den Mantelkragen hoch

Der nasse Asphalt spiegelte daS schvimmende Licht der Schaufenster wiä>er, nach dem trüben Tag täuschte die Helle, künstliche Deleuchtnng heiteres Sonnenlicht vor. Man drängte sich in den Straßen und war fröhlich und guter Dinge.

Diedinger bog in eine Rebenstraße ein. die führte zu den schwarzgetürmten Bosketts des um diese Jahreszeit ganz verlassenen und vergesse­nen Stadtparkes an der alten Mauer. Heber dem Graben schlossen sich die entlaubten Aeste der hundertjährigen Bäume zu einer dichten, finste­ren Masse zusammen.

Zögernd schritt er vorwärts, sah sich um, legte die Hände auf den Rücken und schob das Kinn aus dem hohen Stehkragen. Lust fehlte ihm in dem regenfeuchten Garten; aus dem Decken eines Springbrunnens wehte der Odem modern­der Blätter.

Da huschte etwas über den Weg. Er unter­schied eine weiße Boa, die plump und dick einen Hals umschlang, ein Gesicht ücrbecfte, fast bis

Beim Anhelfen des Mantels flüsterte die Kellnerin ihr in die Ohren: »Der da drüben sitzt, daS ist der Kritiker vom Tagblatt. Der Herr von der robusten Denus^f"

Die Valetta rückte an ihrem Hut, der das Ge­sicht fast bis zur Rase verdeckte in einer schiefen Linie, und streifte dicht an dem Tisch vorüber, an dem der einsame Gast sah. Der blickte empor, und sie schwebte vorbei, ein süßes Lächeln auf den Lippen. Fast schien ihm, als habe sie ihn so halb gegrüßt.

Doch seine harten, unbestechlichen, kritischen Augen veränderten ihren Ausdruck nicht.

Rottmann war inzwischen zu dem Entschluß gekommen, Riedinger crufzusuchen. Den Ern° zigen vom Theater, mit dem er eigentlrch ver­kehrte. Riedinger wohnte in einem alten Haus der Dorstadt, in einem Zimmer, das er mit ^originellem, meist antikem Hausrat ausgestattet hatte, einer Menge Bücher, alten Stichen em feines, blasses Kerlchen, dessen Stimme man nur auf der Bühne hörte, denn im Leben flüsterte er immer. Sein Fach war das des ersten Lieb­habers. Doch abseits der Bühne fehlte ihm jeher wärmere Ton er war ein kühler Denker.

So urteilten seine Kollegen. Rottmann kannte ihn besser. Er liebte es, in dem dämmerigen Gemach, darin alles von einem feinsten Empfm- den sprach, eine Weile auszuruhen von dem Theatertratsch und -klatsch Eine Zigarette zu rauchen und wieder zu gehen. Riedinger empfmg ihn stets gern, die _ beiden grundverschiedenen Naturen ergänzten sich gut

Doch heute fiel Rottmann eme gewisse nervöse Gezwungenheit in dem feinen, aber durch­gearbeiteten Gesicht des Schauspielers auf. Seine

Aus Stabt und Land.

Gießen, den 19. Aug. 1922.

Die Etttwickkung

des Vlitzfunk Telegrammvcrkehrs.

Der Dlitzfunkverkehr, der bekanntlich vor einer Reihe von Monaten versuchsweise ein- geführt wurde, befindet sich in rasch auf- steigender Entwicklung und hat sich seit Februar um mehr als das Zehnfache gesteigert. Die Einführung dieses Dienstes hat hiernach offenbar einem wirklichen Bedürfnis abqehvlfen. Die vorher vereinzelt geäußerte Befürchtung, daß die Gebühr von 50 Mar» für das Wort diesen Verkehr zurückhalten würde, hat sich nicht erfüllt. Die durchschnitt­liche Laufzeit eines solchen Telegramms gerechnet von der Aufgabe bis zur Äeber- mittlung an den Empfänger, die durch Fern­sprecher erfolgt hat in den letzten Monaten 12 bis 15 Minuten betragen; in vielen Fällen war sie geringer. Das vorliegende Ergebnis ist um so bemerkenswerter, als bis Ende vori­gen Monats zunächst nur acht Großstädte an dem Verkehr teilgenommen haben. Seit An­fang August ist der Blitzfunkverkehr auf allen Funklinien des Deutschen Reichs zugelassen.

* Amtliche Personalnachrichten. Ernannt wurden am 9. August: die Verwaltungs- pDaftilanten Friedrich Schleenbecker aus Heuchelheim, Fritz Rech aus Oppenheim, Jakob Schmitt aus Dieburg, Wilhelm Linke aus Darmstadt, der Finanzpraftikant Karl B r ö n i n g aus Darmstadt und der Verwaltungspraktikant Ernst Groh aus Düdingen zu überplanmäßigen Wipisterialoberrevisoren bei dem Ministerium des Innern. Ernannt wurde am 10. August 1922 der Staatsanwalt Dr. Karl M a l z a n zum Vor­tragenden Rat in dem Ministerium der Justiz mit der AmtsbezeichnungOberjustizrat". Er­nannt wurden: am 11. August der Verwaltungs- Praktikant Wilhelm Hans aus Alzey zum Ver- waltungsobersekretär; am 12. August der Ver- loaltungspraktikant Johannes Eich aus Dieburg zum Kassen Inspektor beim Arbeitshaus Dieburg. Ernannt wurden am 12. August der Polizeidirektor Dr. Wilhelm Wehner aus Gießen zum Vortra- aenden Rat im Ministerium des Innern mit der AmtsbezeichnungOberregierungsrat"; der Lan- desgendarmeriedirektor Dr. Hermann 11 f i n g e r aus Mainz zum Vorstand des Polizeiamts Darm­stadt mit der AmtsbezeichnungPolizeidirektor"; der Reg e ungsrat Rudolf Lauteschläger aus Darmstadt zum Landesgendarmeriedirektor; der Regierungsrat Dr. Erich Kayser aus Worms zum Polizeiamtmann bei dem Polizeiamt Darmstadt unter Belassung der AmtsbezeichnungRegierungsrat"; der Re­gierungsassessor Freiherr Adolf v. Gem - mingen-Hornberg aus Leutershausen zim Vorstand des Polizeiamts Gießen mit der AmtsbezeichnungRegierungsrat"; die Re- gierungsassefsoren Ludwig Grein aus Darm­stadt, Ludwig G r ü n h e i t aus Offenbach und Dr. Osmann G r o s h o l z aus Mainz zu Regie- rung«räten; der Oberrevisvr bei dem Revisions- amt der II. Abteilung der Oberrechnungskammer Jakob K u n z in Darmstadt zum Rechnungsrat bei dem Ministerium des Innern; der Derwaltungs- oberfefrelär bei der Landes-Hell- und Pslege- anftalt Gießen Adam ©reite zum Ministe- rialoberrevisor bei dem Ministerium des Innern; der DerwaltungSPraktikant Herbert Kraft aus Gießen zum Verwaltungsobersekretär bet der Landes-Heil- und Pflegeanstalt bei Gießen; der Kanzleiassistent Heinrich Trautmann in Darm­stadt zum Kanzleisekretar bei dem Ministerium des Innern; der Militäranwärter Kanzleigehilfe Philipp W e y l a n d in Darmstadt zum Kanzlei- affiftenten bei dem Ministerium des Innern. Ernannt wurden am 15. August 1922: der Ober­justizsekretär bei dem Amtsgericht Osthofen Peter Schneider und der Iustizpraftikant Wilhelm D e g u i s zu Ministerialoberrevisoren bei dem Ministerium der Justiz.

ttul Warnung für AuSwande- rungslustige. Seit zehn Jahren ist Lehrer Jung von Merlau als Lehrer hn ehema­ligen Deutschsudwestafrika tätig. Aus seinen in die alte Heimat gelangten Be­richten geht hervor, wie schwer das Deutsch­tum dort draußen zu kämpfen hat. Engländer-

und Burentum breiten sich stetig mehr aus. Diele deutsche Fqrmer, selbst ehemals sehr vermögende, verarmen. AuSwanderungS- lustige mögen sich danach richten!

** Leicht feuerfangende Guter, Heu, Stroh usw.» müssen nach einer der Han­delskammer in Berlin zugegangenen Mittei­lung der Eisenbahnverwaltung vom 1. Oktbr. ab wieder mit Planbedeckung zur Beförderung aufgegeben werden. Die für die Kriegs- und ÄebergangSzeit getroffenen erleichternden Bestimmungen gelten nur noch für Torfstreu und Torfmull. Die Eisenbahnverwaltung emp­fiehlt daher den Interessenten, sich rechtzeitig mit Wagendecken einzudecken, da die amtlichen Bestände an Wagendecken nur gering find und in erster Linie für Zollgüter usw. gebraucht werden.

** Die neuen Flugpo st marken zu 25, 40, 50, 60 und 80 Pf. sowie zu 1, 2, 3 und 5 Mark sind jetzt erschienen und bei den mit dem Vertrieb beauftragten Verkaufsstellen er­hältlich. Bei den Marken der Pfennigwerte, abgesehen von denen zu 50 Pf., handelt es sich um eine einmalige Ausgabe, da weitere Liefe­rungen nicht mehr erfolgen werden.

** Kraft-Landpostfährten will die Reichspost jetzt einrichten. Sie sollen an die Stelle der teuren und weniger leistungs­fähigen Pferde treten. Kleinere Kraftwagen einfacher Bauart sollen zwei Fahrgäste und einige hundert Kilogramm befördern. Sie sollen Rund- und Schleifenfahrten bei einer täglichen Wegeleistung bis zu 60 Kilometer und einer durchschnittlichen Stundengeschwin­digkeit von etwa 15 Kilometer ausführen. Ab­seits liegende Verkehrsanstalten und schleckte Wege sollen mit Fahrrad, Hilfsmotor ooer zu Fuß bedient werden. Im allgemeinen ist eine einmalige Postverbindung täglich ge­plant. Zur Zeit wählt man die geeigneten Wagen.

Kreis Büdingen.

Pilzausstellung in Nidda.

Die vom Obst- und Gartenbauver­ein für den Kreis Büdingen für den 13. und 14. d.M. vorgesehene Pilzausstellung in Nidda mußte eingetretener Hindernisse halber verlegt werden. Sie findet nunmehr be­stimmt am Sonntag und Montag in der Gewerbe­schule in Nidda statt. Leider hat das vor einigen Tagen über unsere Gegend gezogene Unwetter auch im Pilzbestand unserer Wälder beträchtlich auf geräumt.. Alle Pilze sind vom Regen dermaßen durchnäßt, daß sich das Sammeln außerordentlich mühsam gestaltet und der Transport mit großen Schwierigkeiten verknüpft ist. Auch die Haltbar­keit der augenblicklich vorhandenen Pilze hat sehr eingebüßt. Trotz dieser Hindernisse soll aber die einmal beschlossene Ausstellung durchgeführt wer­den, zumal nicht sicher ist, ob die Witterung der nächsten Woche das Einbringen einer genügenden Anzahl Pilze gestattet. Die Ausstellung soll den Zweck haben, die Bevölkerung in die Pilzkunde, die in weiten Kreisen immer mehr Interesse er­weckt, einzuführen. Gerade m der heutigen Zeit, in der überall mit Ernährungsschwierigkeiten zu kämpfen ist, ist der Pilzreichtum unserer Wälder besonders willkommen. Durch den hohen Nähr­wert sind die Pilze eine recht beachtenswerte Bereicherung unserer heutigen teuren Lebens­haltung. Die Wälder und Wiesen bieten diese Schätze der Natur in diesem Jahre in großer Fülle, und zwar kostenlos. Die Devöllerung braucht sich nur eingehend mit diesen wertvollen Gaben zu befassen und bestrebt zu sein, das Brauchbare vorn Nichtbrauchbai^n und das Gif­tige vorn Nichtgistigen zu unterscheiden, ferner den Pilzbestand der Wiesen und Wälder richtig zu ernten und zu pflegen und in der Küche vor­teilhaft und abwechslungsreich zu verwerten. Die richtigen Fingerzeige hierfür zu geben, hat sich die Ausstellungsleitung zur Aufgabe gemacht.

Schöffengericht.

Gießen, 17. Aug.

Die Frau eines Eisenbahnassistenten aus Lollar hatte in einer dortigen Bäckerei die Aeuße- rung getan, daß ein Eisenbahnbeamter von da eine Zimmereinrichtung auf unrechtmäßige Weise oder mit unehrlich erlangtem Gelde während des Krieges erworben habe. In der heutigen Sitzung

zum Rand eines häßlichen Hutes und mxfjte lächeln, obwohl der Mißmut ihm aus allen Poren sprang.

Herr Riedinger?"

Die Stimme klang zaghaft, beinahe weinerlich.

Er zog den Hut, sehr gemessen, und setzte ihn ebenso wieder auf. Gr wartete.

Ein Kichern drang an sein Ohr, wie das perlende Spottgelachter eines Wald- oder Erd­geist es.

Sie haben mich zu sprechen gewünscht, mein Fräulein," begann Riedinger da mit betonter Ernsthaftigkeit. , _

Die weiße Boa bewegte sich nicht mehr. Da- Segen blitzte eine kleine elektrische Taschen- impe .auf. , ,,

Hier! Damit Sie doch toiffen, wie ich aus- sehe."

Mein Fräulein," sagte er geärgert,ich kann nur so viel unterscheiden, daß Ihre Boa Sie vor jeder aber auch jeder Erkältung schuhen muh! Sie ist dicht und weiß und gestattet keinen in­diskreten Blick. Und das ist sehr klug von ihr. Womit kann ich dienen?"

Oh, es ist nichts ich habe nur gewettet - Was?"

Daß es mir gelingen würde, Sie beute zu sprechen. (Man hat mir prophezeit daß Sie nicht kommen würden. Ich war neugierig; bin natür­lich begeistert von Ihren künstlerischen Leistun­gen und da bin ich!"

Dem Schauspieler schwoll eine Ader an der Schläfe.

Man hätte Ihnen fast richtig prophezeit. Ich übersehe sonst diese Briefe. Wenn etwas mich veranlaßt hat, meinem Grundsatz untreu zu werden, so war es das Bedürfnis, einmal gegen einen weitverbreiteten Krebsschaden Stellung zu nehmen! Die erste beste Gelegenheit herauszu­greifen. Und diese Gelegenheit das war« zu­fällig Sie, mein Fräulein, mit der weihen Boa!

Danke!"

wurde festgestellt, daß die betreffenden Möbel bereits vor dem Kriege in durchaus ordnungs­mäßiger Weise gekauft worden waren. Die An­geklagte wurde wegen Beleidigung zu 5 0 0 M k. Geldstrafe verurteilt, auch wurde dem Be­le digten d.e Publikationsbefugnis bin» sichtlich des Urteils zugesprochen.

Ein Maschinist aus Halle sah im vorigen Monat, wie ein Kaufmann von hier sein Fahrrad in den Hausflur seines Geschäftes stellte, ohne es abzuschließen. Er schlich sich hin, holte das Rad heraus und fuhr damit davon, obwohl ihm der Eigentümer, der den ganzen Vorgang bemerkt hatte, zurief, er solle das Rad stehen lassen. Im Seltersweg wurde er von einem Schlosser, der durch die Rufe des Eigentümers aufmerksam gemacht worden war, angehalten. Heute suchte er sich damit herauszureden, daß er völlig be­trunken gewesen sei und in diesem Zustande als le denscha.t ltzer Radfahrer Lust bekommen habe, das Rad einmal zu probieren. Das Gericht war jedoch nicht so leichtgläubig, sondern verurteilte ihn wegen Diebstahls zu 6 Monaten Ge­fängnis.

Drei junge Burschen haben im Februar l. I. auf dem hiesigen Güter bahn Hof aus Güterwagen Kohlen, die für das städtische Gaswerk dahier bestimmt waren, in nicht unerheblichen Mengen gestohlen. Mit Rücksicht auf ihre Vorstrafen und auf den Umstand, daß die Kohlen sich noch an einem zur amtlichen Aufbewahrung bestimmten Orte befanden, wurde einer von ihnen an Stelle einer Gefängnisstrafe von einer Woche zu 700 Mark Geldstrafe, der andere an Stelle von 2 Wochen Gefängnis zu 1600 Mark Geld­strafe und der dritte, der schon mehrere Ge- sängnisstrafen verbüßt 'bat, zu drei Wochen Gefängnis verurteilt. Das Gericht wies 'hier­bei darauf 'hin, daß die Kohlendiebstähle an der Bahn allmählich einen gerade gemeingefährlichen Umfang angenommen haben, und daß deshalb mit strengen Strafen gegen die meist jugendlichen Diebe vorgegangen werden müsse.

Milder wurden zwei Schülerinnen und ein junger (jpengler von hier bestraft, die auf dem Ko'hlenstrang von den Eisenbahnwagen herunter- gefallene Kohlen zwischen den Geleisen in un­bedeutender Menge ausgelesen hatten. Die beiden Mädchen erhielten die Strafe des gericht­lichen Verweises, während der Spengler noch einmal mit einer Geldstrafe von 100 Mark davonkäm.

Ein Kaufmann von hier war angeflagt, vor Weihnachten 1921 sich geweigert zu haben, einen Schirm im Kleinhandel an einen Verkäufer zu dem Preis, mit dem er im Schaufenster ausge­zeichnet war, abzugeben. In der Hauptverhand­lung wurde der ganze Vorfall zu Gunsten des Angeklagten aufgeklärt, wes'halb seine Frei­sprechung erfolgte.

Im November v. I. trnirbe ein Arbeiter aus Marburg auf dem piefigen Bahnhof mit einem Fahrrad wegen Verdacht des Diebstahls ange­halten. Gr behauptete, es während seiner Zuge­hörigkeit zum oberschlesischen Grenzschutz einem polnischen Insurgenten abgenommen zu haben. In Wirklichkeit hatte er es jedoch einem Bürger­meister in Oberschlesien gestohlen. Wegen Rück­fallsdiebstahls wurde der Angeklagte, der bereits früher schon einmal ein Fahrrad entwendet hatte, zu neun Monaten Gesäng nis verurteilt.

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Schlichtungsausschutz der Provinz Oberheffen.

Verhandlung vom 17. August.

Dem Zentralverbandder Fleischer und der Fleischerinnung Bad-Nau­heim wurden folgende Gesellenlöhne vorgeschla­gen: im ersten Jahre nach der Lehre ab 1. August wöchentlich 500 Mk. und ab 15. August 750 Mk.; bis zu 21 Jahren 700 Mk. und 1000 Mk.; vom 21 biS 24 Jahren 900 Mk. und 1200 Mk.; über 24 Jahren 1000 Mk. und 1400 Mk. Für Kost und Wohnung sollen hiervon ab 1. August wö­chentlich 250 Mk. und ab 15. August 400 Mk. abgezogen werden. Das sogenannte Trinkgeld soll wegfallen, die Einkommensteuer nach den geseh- Itdjen Vorschriften vom Lohn abgezogen werden und von den Versicherungsbeiträgen sollen die Ge­hilfen ihren gesetzlichen Anteil ebenfalls entrichten. Den Forderungen des Zentralverbandes der Fleischer wurde durch diesen Schiedsspruch voll­kommen stattgegeben. Die Innung wollte an der bisherigen Entlohnung nichts ändern. Dies bis­herigen Löhne waren mit Wirkung vom 15. 6. 22 250 Mk., 350 Mk., 450 Mk. und 500 Mk., bei fretei Kost und Wohnung,Trinkgeld" (Erlös

für Magen, Blut, Blase usw. bei Kälberschi ach- tungen) und Entrichtung der Einkommensteuer und der gesamten Versicherungsbeiträge durch die Arbeitgeber.

In der Lohnstreitsache des Deutsche« Musiker Verbandes und des Verban­des der Unternehmer von Musik- Veranstaltungen in Dad-Nauheim wurde Erhöhung der Gagen des Tarifvertrages vom 30. 6. 22 um 30 Prozent ab 1. 8. und 45 Prozent ab 15. 8. durch Schiedsspruch vor- geschlagen. Gefordert waren 60 Prozent ab 6. 7. 1922 und 75 Prozent ab 1. 8., geboten 30 Prozent ab 1. 8. 22.

In beiden Gesamtstreitigkeiten erhielten die Streitteile eine Woche Erklärungsfrist.

In der Anttagssache des Deutschen Holzarbeiterverbandes und des Z en - tralverbandesder Zimmerer gegen den Arbeitgeberverband der Industrie in Oberhessen wegen Erhöhung der Löhne der Sagewerksarbeiter und in der Antragssache des Deutschen Metallarbeiter -Ver­bau des gegen die Vereinigung der Fried­berger Installationsfirmen wegen Lohnerhöhung und tariflicher llrlaubsregelung verständigten sich die Parteien ohne öffentliche Verhandlung.

Gin kaufmännischer Angestellter der Firma Gg. PH. G ai I in Gießen erhob auf Grund des Betriebsrätegesetzes und der Demobilmachungs­verordnung vom 12. 2. 1920 Einspruch gegen Kündigung. Dem Einspruch wurde nicht statt- gegeben, denn der Angestelltenrat hatte ihn nicht für begründet erflärt, und es war nicht zur Personalverminderung gekündigt worden.

Ein Techniker des Schweihwerks Samesreuther in Butzbach zog fernen Einspruch beim Schlichtungsausschuh gegen frist­lose Entlassung, nachdem keine Verständigung in der Verhandlung erzielt worden war, zurück, um auf die Gehaltszahlung für die Kündigungszeit bei Gericht zu klagen.

Den Astoria-Lichtspielen in Gießen wurde die Entlohnung des Geschäftsführers nach der 3. Gehaltsklasse des Gehaltsabkommens vom 27. 6. 22 zum Tarifvertrag für die kaufmännischen Angestellten der Industrie In Gießen aufgegeben.

Gegen die polnischen Saisonarbeiter des Gutes Hof-Güll bei Lich stellte der Guts­besitzer Antrag auf GinigungsverHandlung zur Beilegung des Ausstandes. Da der Vorarbeiter als Vertreter der Antragsgegner der Ladung zur Verhandlung ohne triftigen Grund nicht gefolgt war, wurden ihm 100 Mk. Strafe auferlegt. Die Verhandlung wurde vertagt.

Landwirtschaft«

Rotlauf der Schweine. Das Kreis­amt Gießen weist öffentlich darauf hin, daß das Gesetz über die Entschädigung für an Rotlauf verendete Schweine bereits am 1. Mai vorigen Jahres außer Kraft ge­treten ist. Anträge auf staatliche Entschädigungs­leistung, die immer noch eingereicht ckerden, sind völlig zwecklos.

* Die Maul- und Klauenseuche. Die Gemarkungen Langsdorf und Betten­hausen find auS dem DevbachtungSgebiet aus­geschieden.

* Hohe Pferdepreife. Bei dem in den letzten Tagen im Landgestüt Dillenburg ab­gehaltenen Verkauf von Pferden wurden sehr hohe Preise erzielt. Der billigste HengstKa­pitän", 18jährig, ging mit 29 000 Mk. ab; den höchsten PreiS erzielteMarlepartus", ein 4- jährigeS Tier, mit 101 000 Mk! Die anderen Preise waren 41 000 Mk., 46 000 Mk., 50 000 Mk., 71 000 Mk., 73 000 Mk., 77 000 Ml., 79 000 Mk., 81 000 Mk., 91000 Mk. 92 000 Mk., 95 000 Mk. Dabei war ein Teil der Pferde nicht fehlerfrei, u. a. waren eine Anzahl Kehlkopfpfeiser.

Aus dem AmtsverkündigungsSlatl.

" DaS AmtSverkündigungsblatt Nr 90 vom 18. August enthält: ©runbabtretung für die Gewerkschaft Gießener Braunsteinbera- werke. Diehmärkte. Viehseuchen. Fleisch­beschau Ginkommensteueranteile. Einsendung der Gemeinde-, Mark« und Stiftungsrechnungen. ViehhandelserlaubniSlarten. Festsetzung des durchschnittlichen Iahresarbeitsverdienstes land» und forstwirtschaftlicher Arbeiter. - Schulbesuch der jüdischen Kinder. Auflösung des deutsch- völkischen Schuh- und Trutzbundes. Dienst­nachrichten.

Was ich Ihnen sage, richtet sich nicht gegen Sie! Es richtet sich gegen die Sache! Aus Ihrem Lager flattern allzuviele fuße Worte in unser feindliches Lager hinüber! Sie haben kurzes Glück, aber noch viel mehr Jammer Zweifel, ja sogar Ghezwiste verursacht. Unb darum hat mal einer den Mut, ein Warner zu fein: Ihr da drüben - laßt uns in Ru^ -- schreibt uns nicht mehr gebt uns keine Stell­dicheins und keine Goschenie , beim jtotf$en eurer Welt und unserer Wett, da fließt ein breiter, dunkler Strom, über den keine Brücke führt!" . _

Er atmete schnell, seine Stimme wuchs zu ihrem eigenen, berückenden Wohlklang.

Verzeihen Sie mir! Sie sind ja niemand für mich! Eine von jenen, die da meinen, auch die Person des Künstlers gehöre der Menge, die ihm im Theater zullatscht. Für Sie gilt es eine Wette für andere wieder anderes! Aber wir könnten Sie einmal enttäuschen! Wir könnten einmal das Spiel in bitteren Ernst zu verwan­

deln suchen!

Unb Sie selber?"

.Ich?" Gr lächelte, nahm den Hut ab und fuhr sich mit der Hand durch daS dichte, dunlle Haar.

Ich fühle keine Versuchungen für mich in solchen Gelegenheiten? Wäre ich sonst hier? Liebes Fräulein! Sie unterschrieben sich Gilt) aber ich leone Sie trotzdem nicht! Sie sind für mich nur ein Begriff, keine Persönlichkeit! Haben Sie den Mut, der guten Sache zu dienen? Schreiben Sie uns nicht mehr! Keine an keinen von uns. Betrachten Sie uns als eine unerreich­bare Welt!"

Ich habe mir Ihr Bild gekauft," sagte die weihe Boa in sonderbarem Ton.

Wersen Sie es ins Feuer, mein gnädiges Fräulein," sprach Riedinger kalt.

(Fortsetzung folgt)