Dienstag, 17. Januar 1922
Gießener Anzeiger ^Generai-Anzeiger für Gberheffen)
Nr. H
Zweites Blatt
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vom Versuch zurückgetreten ist: des-
von einer Anklage abgesehen worden.
(Rachdruck verboten.)
5. Fortsetzung.
Giese?"
(Fortsetzung folgt.)
rechtzeitig halb war worden.
jen, ro°
Die Blüchernichten.
Roman von HannSvonZobeltitz.
Larrdkreis Gietzen.
k. Allen d v rf a. d. Lda., 16. Ian. 3m Auftrage der Liga zum Schutze der deutschen Kultur hielt Dr. Falkende r g - Gießen einen Vortrag über ..Die geschichtliche Entwicklung des deutschen Bauern- standes". Die zahlreichen Zuhörer folgten mit Aufmerksamkeit den interessanten Ausführungen des Redners. Llnterstüyt und veranschau- licht wurden seine Worte noch durch zahlreiche Lichtbilder.
tb. Beuern, 15. Ian. Der Gesangverein Pvlyhymnia ehrte das Andenken seiner im Krieg gefallenen Mitglieder durch Anbringung einer Ehrentafel im Be.einssaalc. Die Feier sand in Anwesenheit der Angehörigen statt. Die eindructsvoile Weiherede von Pfarrer Wagner wurde umrahmt von stimmungsvollen Chören des Vereins.
Aus Stndt und Land.
Gießen, den 17. Ian. 1922.
Mädchen sich Ruf eEvrA-n hatten. Es fehl e nicht an Käuferinnen für Die Perlenstickereien and
Häkeleien, für durchbrochen? Guipare und Tinsäbe 2li1x?it schändet nimmer," meinte die Mutter' und hielt die Töchter rastlos zum Fleiß an Manch vornehme Tarne zahlte wohl auch aus Mitgefühl besonders gut, denn man wußte, oaN die Gie'es sich mühsam durchs teuere Leben schlagen mußten, und freute sich dab:i, daß d.e schönen Mädchen trotzdem allezeit heiter and guter Tinge waren.
Auch Frau von Dachrvederr ist zuerst als Käuferin gekommen. Ader aus dem geschäftlichen Verkehr ist allmählich eine Freundschaft geworden. Die junge Frau konnte stundenlang im Kreise der Gie'etinder sitzen und. heiter wie sie selber, mu ihnen schwatzen und lachen. Manra Giese sah sie gern: war sie doch eine sehr wohlhabende Frau, und dazu die Schwägerin des preußischen Herrn Staatsministers. E zel.e z Wild lm van Hun- boldt, der draußen in Tegel das schone Gut und das schöne Schlößchen besatz. zu dem man in Sommer lagen wohl einmal mit dem Kremser hinauspilgerte, um sich all Zie S'.atuen und K i- riositäten anzuschauen, die der glückllhe Besiter in der Zeit, da er in Rom Gesandter, an dem Tiber gesammelt.
Item: als die Schelle draußen im Flur klang, bat Mama Giese die Schar ihrer Kinder noch em- JuH Überblickt: .Streich d'.r die Zottelhaare glatt, Lotte' Steck dir dir Schleife da g'rade, Lore: »urt ich bitt' mir aus, daß du der gaadigen ^rau Se Hand küßt. F-eichen lauf md wa ch S- bic Augen noch mal aus. Was DÜ das bummc Flennen!" Dann war sie selber öffnen ge- sX”n- ÄinS“ &5vten lie £lrauCen
'S’er Kadett schwadronierte für alle, ©ei er erlabren. wer heut' im Hause war, ist e F-uer und Fett gewesen. Welch eine Ehre: Seine Durchlaucht Der Fürst von Wahlstatt, -Wißt ihr derm wonach ©eine Majestät ihm den scheusten Titel verliehen? Ist nach dem Kloster Wahlstatt anteÄÄ gesehen Rn der M o _L4 -c.„ Vlarschall Vorwärts ia vtl
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von der Sonntagsparole. Dennerill
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bürg in seinem blauen Rock Untw ™ Seleben, mit der damp^nd^l Pfers m - den Fürsten! ülnd den Schimmel hat er yeu geritten? Hat der denn noch Schweis und Mah ^ Tie meisten sollen dem Gaul ia die als Andenken au - gerauft hab.n.
schade, daß ich grad heuf eine Stund, spater gekommen bin —' „
Zum Aachmi'tag hatte sich D'.e Frau vo Tachroeden ansagen lass.n.
Frau von Giese hat wenig Rerkehr rn BerliN gehabt Spottwe ig, denn die Mrt e. wuren ga zudiapp, reichten selbst für die bescheiden te Ge- klligteii nicht. Aber ein paar Dekann.e aus f Lerer Zeit sind doch, dann und wann, in Die Mansardenwohnung der Breitenstraße hinaaf- aest regen Ist auch hinzugekommen daß ^t »Schönen, feinen Handarbeilen ber Giese.
auf Geldstrafe bis 150000 Mark zu erkennen, aber, wie hervorzuhcben ist, nur dann, wenn der Straf- zwca durch eine Geldstrafe erreicht werden kann.
Der Friseur Alfred Sp.. früher in Dad-Aau- heim, war von dem Schöffengerichts Bad-Aauheim wegen D i e b st a h l s in zwei Fallen zu drei Wochen und vier Tagen Gefängnis verurteilt worden. Gegen dieses Urteil verfolgt er Berufung. Er behauptet, in dem einen Falle habe cr_bic wert- volle Babel in der Parkallee gefunden. Seine Berufung wird aber verworfen, Strafe: Geldstrafen von 750 Mk. und 250 Mk.. an deren Stelle im Aichtbeitreibungssallc 15 und 5 Tage Gefängnis treten.
Die seither unbestraften Wllh. Sch. und Phil. । St aus Friedberg sind beschuldigt, aus einer dortigen Obstanlage ein größeres Quantum Aepsel a e st o h l e n zu haben. DaS Schöffengericht Friedberg hielt den Beweis nicht für schlüsfia und sprach die Angeklagten frei. Aus Berufung der Staatsanwaltschaft wird dieses Urteil aufgehoben und
Gießener Strafkammer.
G i e tz e n, den 13. Januar 1922.
3n der heutigen Sitzung kam in mehreren Fallen das neue Gesetz vom 21. Dezember 1921 betr. ErweiterungdesAnwendungsgebie- tesderGeid st rasen und Einschränkung der kurzen Freiheitsstrafen zur Anwendung. Rach § 3 dieses Gesetzes ist in Fallen m denen an sich Freiheitsstrafe von weniger an drer Monaten verwirkt ist, an Stelle der Freiheit- stra e Mwwnr,—-™»»—■ —igtauMMBaritoM irT*!ü
ein kleinÄ. Schwätzchen beginnen. Es dauerte seine Zeit, bis Frau von Dachroeden drinnen in dem tiefen Ohrenwangenstuhl versinken konnte, auf dem vor ein paar Stunden der Fürst von Wahlstatt, der alte Blücher, gesessen. Die zierliche Gestalt verschwand fast in dem Ungeheuer, aber der feine, durchgei'igte Kcpf hob sich scharmant von dem dunkblgeblumten Ucberzug ab, und wenn er bewegte, rastz l.e es von Snde^ Mu.ter Giese saß mit höchst aimablem Gesicht aus dem ihr gebührenden Kanapeeplatz und achtete wohl kaum, wie ganz nach der Mode die junge «rau sA.^ Aber die Ci.s lirder Wür7eu jakeine W« geween sein, wenn sie nicht bewundert hatten Frau von DachrverEN hatte draußen ben j3el5 Lgelegt und zeigte nun den werten Felberock aus rot- und schwarzkar.erter Darege, der d^e kleinen Füßchen sehen ließt die Tarlle saß ganz hoch die Aermel sind well, weit gebauscht gewesen, und' um den schlanken Hals lag em blauer vielfach gekränkter Sridenkragen. Lore, der Back' fich schüllelte zwar über die rresengro^n Aer mel'den Kopf, fand diese „Hammelkeulen wre sie genannt wurden, ridikült ca.ür batte aber das Wunder von Hut ihre vollste Bewunderung: eine craugrüne .Ahnte" war es, mit Astern und viel buntem Randwert, das die ^figen Obren ganz verdeckte und links nur je einen schmalen Streifen des dunkeln Haares sehen lieh.
Aber Frau von Dachroeden merkte kaum, w^lcke Bewunderung sie erregte. Ihr war all' die modische Pracht im Grunde gleichgültig, war Dache der Kammerfrau.
Aus ihrem Schoß tag eine Perlentasche, und in kramte daraus ein Brieflein hervor. .Allen-
„Ter zerbrochene Krug" von K eist gegeben und der Freilltg brachte „Tie Räude r". — Sämtlich: Dor lei ungni wurden v r fast aus verkau.tem Hai s: g spi.lt, ganz übermäßig war der Andrang ,u der „Räuber"-Votstellu g D.e Darbietungen der Künstler tra e.i vir .üg ich und ernteten reichen, woh'v.wdienten B^i all. Schon jetzt sieht man mit Spannung dem nach! en Besuche der Wanderbühne, der im März erfolgen soll, entgegen.
Harbach, 16. Ian. Das Enkelkind des hiesigen Bürgermeisters hat das seltene Glück eine Ururgroßmutter zu besitzen. Die 94 Jahre zählende Frau ist noch sehr rüstig.
Hat ten rod, 16. Ian. Der Sängerbund C h a t t i a , der von Lehrer Wolf- Bersrod geleitet wird, hielt gestern bei Gastwirt Dörr seine Jahresversammlung ab. Um die Sängerfahrt 1922 bewarb sich der Gesangverein Ettingshausen-, der auf sein 40jährigeS Bestehen zurückblickt.
U Lang-Göns, 16. Jan. Am 28. und 29. Januar findet dahier eine Bezirksge- f l ü g e l a u S st e l l u n g statt, die in der neu- crbauten Turnhalle abgehalten werden soll. Man ist daher eifrig bemüht, die Ferttgstel- hing der Halle zu vollenden. Die Halle ist 10,50 Meter breit, 31 Meter lang.
Starkenburg und Rheinhessen.
e. Offenbach a. M.. 15. Ian. Der Landesverband hessischer Kaninchenzüchter, Kreisverband Offenbach a. M.. veranstaltete am 14. unb 15. Januar in den Raumen des Stadtgartens seine erste große Kaninchen- und Gef lügelausstellung. die in der ersten Abteilung mit 445, in der zweiten mit 296 Rurnmern beschickt war. Es kamen 18 Staatspreise 12 für Kaninchen, 6 für Geflügel zur Verteilung; die Stadt hatte 29 Preise gestiftet. 27 Kaninchen wurden mit Ehrenpreisen aus gezeichnet. Das übrige recht wertvolle Tiermate- rial wurde mit einer großen Zahl 1., 2. und 3 Preise bewertet. Bei Verkäufen wurden in der Abteilung Kaninchen Preise von 65—403 Mk. für ein Tier je nach Qualität und Rasse verlangt, in der Abteilung Hühner wurden 100—1500 Ml. gefordert, bei Tauben 50—1000 Mk.
beobachten. Wir müssen Cannes bekämpfen, um für Genua mit eigenem deutschen Programm gerüstet zu sein.
Zur inneren Politik übergehend, betonte •dtrefemann die Wahrung der R e i ch s e i n h e i t. Eine törichte Sache sei es, die Kompromißpolitik, Ne Bismarcks größte Stärke gewesen sei, als schwach zu bezeichnen. Persönlichkeiten machten Geschichte, nicht die Masse, und gerade solche Charaktere, welche sich auch dem Souverän und der Obersten Heeresleitung gegenüber durchzu- setzen vermochten, haben uns im Weltkriege gefehlt. Obwohl Bayern am frühesten zur Staats- autorität zurückkehrte, so bewegen sich doch im allgemeinen alle Teile des Deutschen Reiches in aufsteigender Linie. Allerdings werde es Jahrzehnte bauern, b.s das neue Tea.sch land wie er Beamte habe, wie sie das alle Preußen besah Wenn bei den gemäßigten Sozialisten nach einer furchtbar harten Lehre ber Sinn für Ordnung zurückkehrte, so müssen wir ihnen zu einer großen deutschen Volksgemeinschaft die Hand reichen; würde doch ein Rechtsblock auf der andern Seite die proletarische Einhe.tffront b£euken. Tie z vischen uns liegenden Wellanschauungsfragen sollten ebenso wie die Frage ber Regierungsform nicht ausgefochten werben, solange ber Franzmann auf beutschem Boben steht. Während jedwede Schuld Deutschlands am Weltkriege abzu- lehnen ist, gibt es bloß eine Schuld zu bekennen, die aber nur uns selbst angeht. Der Fluch des Wilhelmschen Zeitalters war ein gesättigtes Bürgertum. das weder für Heer noch für Kolonien die notigen Mittel bewilligen wollte. Ohne vorher begangene Fehler gibt ei keine Revolution; aber, jedes nationalen Gebanlens bar, war unsere Re-
O rünberg, 16. Jan. Tie Hessische Landes-Wanderbühne hat hier sch?n zwei Gastspiele gegeben. Bei ihrem ersten Hiersein gelangten zur Ausführung „De r Strom" von Halbe und ..Der Herr Senator" von Kadelbuig unb Dchönthan. Für die (Sröffnur.gS- Vorstellung war ursprünglich „Die Räuber" von Schiller vrrgesehen. Allein, das Auto b:r Wanderbühne hatte durch Transportschwierig- ke'.ten bei dem Schneewetter aus den gebirgi en Straßen von Schlitz nach hier ben Anhängewogen mit den Bühner gegenständen nicht rech zeiti i h:r- beischaffen tonnen, so daß uns der er te Abend nicht „Die Räuber" brachte, sondern dafür „Ter Strom" gespielt wurde. Direktor H a f f i n g e r leitete den Abend mit einer Begrüßungsansprache ein und versprach, die ausgefallene „Räuber- Vorstellung kald.gst r ächz a holen. Dies gesch.nh denn auch schon in ber v.rgange.'.eu Woche. 2lm Donnerstag und Freitag fan) das zweite Gastspiel stall. Am Donüerstag wurden „D i e Laune des Verliebten' von Go the und
jeder Angeklagte unter Berücksichtigung seiner sozialen Derhöltnisse zu einer Geldstrafe von 200 Mk. evtl. 2 Tagen GefänaniS verurteilt.
Der Homöopath H. R in Bad-Rauhcam ist der Beihilfe zur Abtreibung beschuldigt. Gr Hal ein dort wohnhaftes Mädchen einer Behandlung unterzogen, um sie von ihrer Leibesfrucht zu befielen, und zwar gegen ein Entgelt von 450 Mk. Die Behandlung hatte aber kein m Erfolg. Das Mädchen zog sich auch zurück unb gebar ihr Kind. Der Angellagte behauptet, er habe sich nur cheinbar auf bic Behandlung eingelassen, in Wirk- ichlcit habe er das Mädchen samt den 450 Mk. der Polizei übergeben wollen. Das Gericht hält diese Angabe aber für unglaubhaft, zumal er die 450 Mk für sich bebalten und erst nach fast drei- viertel Jahren, nachdem die Untersuchung eingeleitet worden, zurückgezahlt hatte. Hatte die De- h-.mdlung Erfolg gehabt, so hätte sich R. vor dem Schwurgericht zu verantworten gehabt. Er wird zu vier Monaten Gefängnis oerurtcilt. Das Mädchen kann nicht bestraft werden, da es
"Zur neuzeitlichen Ausge st al- < tung des Vermessungswesen 6 wird i uns von fachmännischer Seite geschrieben: I Seit Bestehen des LandcsvermessungSamtes wirb angestrebt, die polhgvnometrischen unb 1 geometrischen Geländeaufnahmen nach dem neuesten Stand ber Wissenschaft auszuführen. . Zur möglichst schnellen und einheitlichen Erreichung dieses Zieles werben vom Vorstanb beS LanbesvermessungSamtes, Vermessungs- direktor Dr.-Ing. H. Müller, Vorträge mit den Lanbmessern unb Oberlanbmessern ab gehalten. So fand auch am vergangenen Samstag im Restaurant Hindenburg zu Gießen eine derartige belehrende Versammlung mit ex 40 Lanbmessern bes Felbbereinigungs- unb Kataster-Vermessungsdienstes der Provinz Oberhessen statt. Der Verlauf der Versammlung zeigte, daß alle anwesenden Landmesser die Bestrebungen des LanbesvermessungSamtes, bas Vermessungswesen neuzeitlich auszuge- stalten, unterstützen. Die Grundstückspläne mehr wie seither ber Allgemeinheit nutzbar zu machen, ist ein Hauptziel; schon in ben nächsten Taaen sollen berartige Pläne von einer vber- hessischen Gemarkung, die in ber eigenen Planbruckerei des Landesvermessungsamtes in Darmstabt hergestellt sinb, geliefert werben.
" Gegen ben Mißbrauch von Reisegepäck. Gegen bie Mitnahme von großem Gepäck als Hanbgepäck und bie Ausgabe von Frachtgut als Reisegepäck richten sich neue Bestimmungen der Reichsbahn. Wenn Gepäckstücke unzulässigerweise als Hanbgepäck mitgenommen, nachträglich abge- fertigt und unterwegs in den Gepäckwagen acschafft worben sind, so wirb bie Gepäck- fracht für bie ganze Strecke von ber Zu- aangSstation des Reisenden an erhoben. Han- delt es sich um Gepäckstücke, die nicht zu dem Reisegepäck rechnen, so wirb bie Fracht nach ben Apreßgutsätzen berechnet. Werden Gegenstände, bie nicht unter ben Begriff Reisegepäck fallen, von ber Aufgabestation nach bem Gepäcktarif abgesertigt, so hat die Bestimmungsstation ben UnterschlLdsbetrag ZM- schen ber Expreßgutfracht unb ber Gepäckfracht nachzuerheben. ES wirb dann eine Eisenbahnpaketkarte nach ber MgangSstation ausgefer- tiqt. Kann ber Inhaber bes Gepäckscheins nicht nachweisen, daß er Fahrkarten gelöst oder nachgelöst hat, so ist bas Gepäck als Expreßgut zu behanbeln unb bie Fracht nach ben Expreßqutsätzen zu berechnen.
AP o theker-Praktikantund-As- s; ft e n t Don den Standesvertretungen der Apotheker wurde feit langem der Wunsch ausgesprochen. es möchten die Dezeicynungen Lehrling" und „Gehilfe" durch zeitgemäßere Benennungen erseht werden. Diesem Wunsch Rechnung tragend, hat der Reichsmini,ter oes Inrwrn nach Anhörung der Landesregierungen becm Re.chsrat , die Einführung der Bezeichnungen ..Praktikant und „Assistent" in die Prüfungsordnung für Apotheker beantragt. Der Reichsrat hat beschlossen^sich mit einer entsprechenden Aenderung der Prüfungsordnung vom 18. Mai 1904 einverstanden zu
Vertrags lastet auch auf den 6J eget n. Der Weltkrieg richtete sich gegen die Tüchtigkeit des Deutschen, und die anglo-amerikanische Einstellung wünscht zwar im eigenen Interesse die Stabilisierung unserer Valuta, nicht aber, daß Vir dauernd wieder hoch kommen. Bei der Kritik von Cannes legte die deutsche Presse allgemein viel Wert auf die Ermäßigung unserer Goldzahlungen. Wenn England Sachleistungen vorzieht dann bedeutet das, daß es unser Wiederauftreten aus dem Weltmarkt verlangsamen möchte Unsere Valuta hat unter den Aufkäufen fremder Devisen, unter der Inflation gelitten. Wir sollten den Anglo-Amerikanern sagen, daß Cannes ebenso wenig wie London erfüllbar ist. und daß sie die große Frage der Wellwirischaft nur durch eine Vereinbarung zwischen allen Staaten lösen können. Der große Hemmungsfaktor ist bei allem die geistige Einstellung her französischen Politik. Auch in Franlretch machst, obwohl langsam, die Zahl berjema welche die wirtschaftliche Seite des großen sj3i f-,femä erkennen. Im allgemeinen aber herrschen t-ort die Gellankengänge te3 ersten Rapoleon, bir r,uf St. Helena bedauerte, Preußen nicht genügend S" wacht, Polen nicht genügend verstärkt und land nicht verstanden zu haben. Das heutige Frankreich such! Preußen zu zertrümmern und verstärll in Polen seinen besten Bundesgenossen, übersieht aber, wenn es in Rußland zuerst den Anllbolschcwismus unterstützt und heute Fühlung mit den Bolschewiken sucht, daß man nicht gleichartig der Freund Rußlands und Polens sein kann. Gerade daran ist 1812 Napoleon gescheitert. Wenn sich der französischen Auffassung die angloamerikanische Wirtschaftsvernunft entgegenstellt, so sollten wir nicht eingreifen, wohl aber gegenüber den Beschlüssen von Cannes höchste Vorsicht
Schöffengericht.
Gießen, 13. Ian. 1922
Ein Dien st Mädchen zahlt für ihre beiden auf Kosten der Armenrerwaltung untergedrachten unehelichen Kinder trotz wiederholllrAufforderungen, und trotzdem es dazu in ber Lage ist nicht die geringste Beisteuer. Da es wegen derselben Ucbertretung schon einmal vorbestraft ist und aus Böswilligkeit sich weigert, feiner Unterhaltspflicht nachzukommen, erhält es eine Haftstrafe von 2 Wochen.
Wegen Sachbeschädigung wird ein Arbeiter von hier zu einer Geld st ras e v o n 50 Mk. terurteilt. Er hat an dem Glasabschluv der Wohnung eines Lackierers, der mit feiner Ehefrau in einer Strafsache gegen die.Ncau des Angellagten als Zeuge geladen war, eineSHeioe eingeschlagen.
Ein Händler von hier veranstallete auf dem Festplatz am Oswaldg arten ohne behördliche Erlaubnis ein Glücksspiel 2luf einem drehbaren, kreisförmigen Brett wa.en Zahlen und Rägel angebracht, das Brett wurde m Drehung versetzt und nach deren Deenr t jung durch einen an der Seite angebrachten Pfeil au'gehalten. Die Mitspielende r setzten aus dl - 6 Felder des Brettes je 1 Mk., Gewinner von 5 M^ war ttejenige. cuf bzfien F-ll. nach d°m Anh-ll-- der Pfeil zeigte. Bei jebem Spiel stoß 1 Mk. in die Tasche des Angeklagten. Wegen ge- werbsmäßigen Glückspiels erhielt er eine Geldstrafe von 500 Mk.
Gegen einen früher hier wohnhaften S p a • ‘ n ie r war durch Strafbefehl eine Gesang cks^trafe von 1 Monat und ein? Geldstrafe von 2v 000 Mk. festgesetzt worden, weil er es unternommen hatte, eine Schlafzimmer- und eine Herren« Zimmereinrichtung chne die erforderliche Genehmigung aus dem Reichsgebiet auszuführen. Aus seinen Einspruch hin wurde in der heutigen HauptverHan.'lang festge teilt, daß die Möbel bereits an die D h e l n - S ch e 1 d e - Transportgesellschaft in Köln zwecks Ausfuhr nach Spanien abgefanbt bann aber wieder nach Gießen zurückgeschickt worden waren, wo sie zunächst.polizellich beschlagnahmt wurden. Da dem Angeklagten nur eine Fahrlässigkeit nachgewiesen werden konnte uns es zur Ausfuhr nicht gekommen war, wurde er unter Aufhebung der im Strafbefehl ange,eh en Strafe zu einer Geldstrafe von 3000 Mk verurteilt. , .
Ein G a st w i r t von A n n e r o b, ber frinen Umsatz um mehr als 10 000 Mk. zu nübrig angegeben hatte, würbe wegen Hinter- tion! Ich komin' um eine große Affärel" sagte sie und lächelte ein wenig listig.
Sie reife in einigen Tagen nach Töten, um ihren Schwager, Exzellenz von Hump'ldt, zu behieben. Er hüll' sie schon längst, wieder und wieder, ct^g Tben. D e gute Kav l ne, ci: Wert Schwägerin, könnt' nicht reifen, wär' gar zu dkl unterwegs gewesen in dem letzten Iahrzehntz Der- umgeworfen zwischen Rom, Paris und Berlin. Also: sie wolle der Einladung folgen. Es rriz.e sie aud: selber, dies Sodom und Gomorrha, Wien, wo jetzt um die Zukunft Europas gewürfelt würde, zu sehen und den Herrn Schwager dazu. Aber der hätt' geschrieben: sie sollte nicht all«- reifen. Ob sie nid/ ein Mädchen von Distinktion wüßte, eine junge Dame, die sie begleiten wnnt^ — Ja — ein fein gebildetes Mädchen mußte efl lein, gesellschaftlich einig rma"en in Routine, gut erzogen . . . uid womöglich nicht häßlich.
Sie hat eine klrine Pau e gemacht, bat fttg mit ihren klugen Achataugen im Krcife umgesehen. „Ja — da möchf ich mir also hier RatS holen. Bei ber gnädigsten Frau Mama und — vielleicht auch - bei den Schwestern . . "
Die Mädchen faßen mucksmäuSchenitill. -abet Frau von Giese zählte glrich an den Findern ad. da wär' wohl zu helfen. Denn da wärsi die Marwitz' und die Sbulenburgs und bie Meta Zitze- Witz und Dertrudis Bredow . .
Dis sie endllch die junge Frau unterbrach, wieder lächelnd, ein wenig listig: > liw die eine oder die andre tarne wohl m.^rage. Aber wie wäris, par exemple mit tter ßiuR von
Eine Rede SLresemanns.
München, 15. Ian. Im dichtgefüllten Saale des Münchener Kindlkellers. dem größten Versammlungsraum Münchens, hielt <5tr e f emann heute vormittag auf Einladung der hiesigen Ra tionalliberalen eine zweistündige hochpolitische Rede. Bezeichnend ist, daß bie hiesige Verbandskommission sich dafür 14 Plätze besorgt hatte Ausgehend von der die Bedrängnis unseres Daterlandes grell beleuchtenden Ersetzung Briands durch Poincare und dem Auffliegen der Konferenz von Cannes besprach Str cf emann zunächst die von uns Deutschen in ihrer Bedeutung stets unterschätzte äußere Politik, hinsichtlich deren der realpolllifche Engländer uns als Vorbild dienen sollte, ötrefemann fuhr dann fort; Von den drei 5traftqueüen, bie wir besaßen, ist die Qlrmee und Flotte umfassende erste von uns selbst zerstört worden, und mit der Einmütigkeit des nationalen Willens ist auch die zweite versiegt, die andere Völler, wie z. 2. die Irlands, aufrechtzuerhaiten vermochten. Hat sich doch unser Reichstag nicht einmal hinsichtlich Oberschlesiens zu einer einheitlichen Entschließung aufzuraffen vermocht. Als Idjte und einzige Kraftquelle ist uns unsere Wirtschaft verblieben, mit allen den auch von unseren Gegnern beachteten Ausstrahlungen, die von ihr ausgehen. Versailles schuf für weite Teile Europas einen krankhaften Zustand, und der Fluch des
volution nichts weiter als ein hilfloses Unter» gehen. Der Krieg war gar nicht mehr zu gewinnen; aber dem Friedensvertrag von Versailles hätten wir ,ehr gut entgehen können. 'Was wir heute haben, das ist eine Karikatur des Parlamentarismus. Das sogenannte parlamentarische System ist in Wahrheit nichts Weller als parlamentarischer älnlinn. Wenn ich den Reichstagsausschuß für auswärtige Angelegenheiten nicht oinberufen habe, so beruht das auf ber Einschätzung, daß die Regierung, nicht das Parlament regieren muß. In schwebende Verhandlungen soll inan nicht hinein- reden, und ohne Gehei mdiplomatie wer-- den wir niemals Erfolge haben. Kein Versallles kann uns hindern, die Paßiontrolle aufzubeben, bessere Zollverhältnisse zu schaffen und Oesterreichs Wirtschaft zu helfen. Ein neuer Zeitabschnitt wird beginnen, sobald Rußland wieder als Machtfaktor aussteht. Dann wird es sich zeigÄr, ob die heutigen .©taatenbilbungen bloß Provisorien sinb. Vielleicht wird Deutschland auch wieder ein Glied der Weltoolitll werden. wenn man uns nicht bloß wirtschaftlich, fonbem auch politisch benötigt.


