nächste Aufgabe der Staatskunst fei jetzt die Pazifizrerungder Rationen. Er werde mU aller Macht jede Regierung unterstützen, die sich dieser Aufgabe furchtlos und entschlossen widme, vorausgesetzt, daß sie keine für das Land dauernd schädliche Maßnahmen ergreife, mögen sie reaktionär oder revolutionär sein. Jede Regierung, die diesen Weg nicht verfolge, werde er mit aller seiner Macht entgegentreten Die Lage Englands und der Welt fei zu ernst, als daß irgend eine Regierung sich auf Partei- oder persönliche Manöver einlassen formte. Wenn er in feiner Stellung, die er übernommen habe und in der er beharren werde, als Mensch in die Wildnis getrieben werde, so werde er stets mit Stolz daran denken, daß es ihm möglich gewesen sei, mit Hnterstützung er- gebener Kollegen in der Schicksalsstunde der britischen Ration keinen schlechten Dienst geleistet zu haben. Er werde stolzer als je auf dre Tatsache sein, wenn dies der letzte Tag wäre, an dem er sein Amt inne habe — daß es ihm in den letzten Tagen seiner Premierschast möglich gewesen sei, dre Macht des großen britischen Reiches anzurufen, um es vor unbeschreiblichen Schrecken zu schützen, und das; tausende von Männern,- Frauen und Kindern, bie auf das verpfändete Wort Frankreichs, Italiens und Groß- britannierrs vertrauten, jetzt Gott dankten, daß Großbritannien Treue gehalten habe.
London, 14. Ott (WTD.) Die „Eoening Rews" verbreiten auf Grund von Mitteilungen von Personen, welche die Rede Lloyd Georges anhörten, folgende Deutung: Lloyd George beabsichtigt, entweder zurückzutreten oder eine Mittelpartei selbst als Mittelpunkt zu bilden.
Das Echo in Frankreich.
Paris, 15. Ott (WTD.) Die Presse kritisiert scharf die Rede, die Lloyd George >n Manchester hielt. Dor vier fahren habe Lloyd George die öffentliche Meinung gegen die Deutschen aufgerufen, heute rufe er sie gegen die Türken, ja sogar gegen die Franzosen und Italiener auf. Also in einem Europa, as eigentlich Ruhe haben will, träten dieStürme aufs neue auf und zeigten sich am Horizont an der Stelle, an der Lloyd George es notwendig l)äbe, inmitten des Blitzes auf der Szene zu erscheinen. Selbst iDerui es sich mir um eine Aeuße- rung im Interesse der Wahlen handle, könnten derartige Blitze Brandstiftungen verursachen.
Der „T e m p s" ist der Ansicht, jetzt, nachdem i'ic englischen Verstärkungen und Kanonen nach T s ch a n a k gekommen seien, nachdem die Abmachungen von Mudania die Türken zwingen, das asiatische Ufer der Meerengen zu räumen, ohne daß den Engländern dieselbe Pflicht auf» erlegt werde, ändere Lord George die Tonart. St verleumde Frankreich und Italien. Er gehe sogar so weit zu erklären, die Franzosen seien im letzten Jahre von den Türken in Ciliz ien geschlagen und gezwungen worden, diese Provinz zu räumen. „Rein," ruft der „Temps" aus, „die Franzosen find der Gewalt in Cilizien nicht gewichen, ihre Front sei dort nie gröber und stärker gewesen als heute die französische Front in Tschanak. Lloyd George peitsche das englische Voll auf, damit es die Eroberung der Dardanellen mißbillige. Das wäre eine ch^ndelsweise, die unvereinbar sei mit der Unabhängigkeit der Türkei und mit den vitalen Interessen Rußlands. Er wolle, dah auf der zu- - künftigen Friedenskonferenz England sich mit vollen Händen als Herren der Dardanellen präsentiere, wie es schon Herr von Suez und Gibraltar fei. Das sei eine Eventualität die einem gewisse Betrachtungen aufnötigten, ja sogar ein gewisses Bedauern, aber man könne nicht ungestraft den Imperialismus betreiben. Dos werde Lord George erfahren. — Auch das ..Journal des Debats" verurteilt die Rede, welche die Meinungsverschiedenheiten verstärke. Während England und Frankreich ein gewisses Interesse daran hätten, das übrigens auch im Interesse eines gemeinsamen Freundes fei, sich - zu verständigen, habe niemand Zweifel, daß Lloyd George stark genug fei, um viel Hehles zu verursachen.
Schwere Ausschreitungen in Berlin.
Berlin, 14. Ott (Wolff.) Der „Bund für FreiheitundOrdnung" lud für heute vormittag 10 Hhr feine Mitglieder nach dem Zirkus Busch zu einer Versammlung ein, in der bekannte Redner über Deutschlands Rot sprechen solllen. Bereits um 9 Hfjr sammelten sich infolge eines Aufrufs der „Roten Fahne" mehrere 100 Personen vor dem Zirkus an, die die Versammlungsteilnehmer durch Redensarten belästigten und tätlich angriffen. Als die Schutzpolizei einem Verletzten zu HUfe eilte, wurde ein Beamter am Hinterkopf schwer verletzt so daß er besinnungslos niederstürzte. Eine zufällig vorberfah.ende Radfahrpatrouille der Schutzpolizei von 4 Mann wurde von den Rädern gerissen und niedergeschlagen. Die Räder wurden g e st o h l e n. Als weitere Verstärkungen der Schutzpolizei heranrückten, war die Menge bereits bis auf etwa 1000 Personen ange- wachsen. Bei der Räumung des Platzes vor dem Zirkus wurde den Beamten heftiger Widerstand entg g -ti.3 f’öt Renn Rädelsführer wur- den f e st g e n o m m e n. Einem weiteren Aufgebot der Beamten gelang es schließlich, die Demonstranten in die Seitenstraßen abzudrängen. Rach den bisherigen Feststellungen dürften von den Teilnehmern der Versammlung und von den Demonstranten 26 verletzt fein, vier Beamte wurden verletzt, davon zwei sehr erheblich. Bei den Tumultszenen am Eingänge des Zirkus wurden mehrere Fensterscheiben und Türen zertrümmert. Den Verhafteten wurden auf der Wache Dolche, Totschläger, Schlagringe und andere gefährliche Waffen aogenvmmen. Von den zwei schwerverletzten Hnt erwachtmeistern starb der eine, man hatte . Beamten hinterrücks überfallen und ihnen mit toten eigenen Seitengewehren die Verletzung b ig bracht Zw i Tcrfau m[in st iln Hiner wurden von den Demonstranten ins Wasser a e - Dorf en und von einem Schiffer gerettet. ®ln „Se/hntgSberfäufer, der die „Deutsche Zei- tung feilbot, wurde von der Menge furchtbar mißhandelt und seiner Zeitungen beraubt. Rach Ansicht der Aerzte dürfte er nicht lebend davonkommen. Hm 11 Llhr war die Versammlung beendet. Die Teilnehmer 4og?n in kleinen Trupps davon. Die Seitenstraßen werden noch immer von zahlreichen Demonstrant^ setzt gehalten.
Berlin, 15. Oft. (WTB.) Das Polizeipräsidium teilt mit, dah die Rachricht üfr < den
Tod eines bei dem heutigen Zusammenstöße schwer verletzten Hnterwacht Meisters der Schul Polizei erfreulicherweise nicht den Tatsachen entspricht. Der Beamte ist aber sehr schwer verletzt und befindet sich noch nicht außer Lebensgefahr.
Wie die Berliner „Montagspost" meldet, hat der Berliner Polizeipräsident auf die Ergreifung der verbrecherischen Hrheber der gestrigen blutigen Zusammenstöße am Zirkus Busch eine Belohnung von 500 000 Mark ausgesetzt.
Wie die Blätter weiter melden, kam es nach Schluß der Kundgebung im Zirkus Dusch zu neuen _ Zusammenstößen am Kasta- nienwäldchen. Die Kommunisten überfielen und sprengten einen Zug der Versammlungsteilnehmer. Auch mehrere Studenten, die von der Feier der- Rektoratsübergabe an der Hni- versität kamen, wurden mißhandelt. Gegen diejenigen, welche die kommunistische Aktion inszeniert haben, wird das Strafverfahren wegen Landfriedensbruches, Anstiftung zum Landfriedensbruch und Aufforderung zu strafbaren Handlungen eingeleitet werden.
Die österreichische Sozialdemokratie gegen den Genfer Vertrag.
Wien 14. Oft. (Wolff.) Die heutige Partei- lkonferenz der Sozialdemokraten, die zur Beschlußfassung über die Haltung der Partei gegenüber dem Genfer Protokoll eiinberufen wurde, wurde vom Präsidenten Seih eröffnet, der erklärte, die dauernden Folgen der Genfer Protokolle sei ein neuerliches Anspannen unserer Kette, eine Bekräftigung von St. Germain, die internationale Kontrolle eine Freiheitsberaubung und eine Ausschaltung der Demokratie im Innern. Der Parteitag müsse bestimmen, wie bei einer Ablehnung der Genfer Konvention der weitere Sturz der Krone verhindert werden könne. Der Hauptredner Dr. Otto Dauer wandte sich gegen das Genfer Hebereinkonrmen, insbesondere gegen die Einsetzung eines Eenerallommissars, der die der bürgerlichen Regierung geborgte Autorität bei der Ausschaltung des Parlaments erleichtern soll. Die Ablehnung dieser Aktion bedeute eine Teuerungswelle und die Gefahr der Hungersnot im weiteren Verlaufe nicht nur die Fremdherrschaft des Generallommissars, sondern auch die Entsendung fremder Truppen. Dr. Dauer berichtete weiter, dah mit Hilfe einer Zwangsverbindung her Banken, Bankiers und Börsen Mitglieder 120 Millionen Goldkronen, zur Valorisierung der Zwangsanleihe 60 Millionen und mit Hinzurechnung der Goldbestände der Österreichisch- Hngarischen Dank von 35 Millionen zusammen 225 Millionen Goldkronen aufzubringen wären Damit wäre das Budget für acht Monate gedeckt. In dieser Zeit müßte es ins Gleichgewicht gebracht werden. Die von Bauer zur Annahme empfohlene Resolution enthält folgende Punkte: 1. Fortsetzung der schärfsten parlamentarischen Opposition gegen den Genfer Vertrag; 2. Massenversammlung in ganz Oesterreich gegen die drohende Gefahr der Fremdherrschaft; 3. Bildung eines Parteioates, der die Grundsätze der weiteren Kampfführung festzastellen haben wird; 4. Qhiftrag an den Parteworstand, sich unverzüglich mit den internationalen Proletariervrgani- sationen und Arbeiterparteien Englands, Frankreichs, Italiens und der Tschechoslowakei ins Einvernehmen zu setzen, damit deren Einfluß einen Mißbrauch der KredilHilfe an Oesterreich zur Hnterstützung der konterrevolutionären Bestrebungen der österreichischen Bourgeoisie verhindere. Sie wurde unter stürmischen Beifallskundgebungen einstimmig angenommen.
Aus dem Reiche.
Die Reichsprasidenteuwahl.
Berlin, 14. Oft. (WolffZ Gestern fand eine Besprechung des Reichskanzlers mit dem Führer der Deutschen Dolkspar- tei, Stresemann, und dem Ministera.D. v. Raumer, sowie eine Hnterredung des Reichskanzlers mit dem ReichSpräsiden- t e n statt. Die von der „Dena" an diese beiden Besprechungen geknüpften Mitteilungen sind unzutreffend. Das gecht schon daraus hervor, dah nach der Meldung der „Dena" die Führer der Deutschen BolkSpartei in der Aussprache auf den Beschluß des Borstandes der Deutschen Vollspartei hingewiesen haben sollen. Die Hnterredung der genannten Vertreter der Deutschen Vollspartei mit dem Reichskanzler fand aber vor dem Zusammenttitt des Vorstandes der Deutschen Dollspartei statt. In der Hnterredung des Reichskanzlers mit dem Reichspräsidenten kam die Verbreiterung der Regierungskoalition nicht zur Sprache. Die Mitteilungen der „Dena" auch über diesen Punkt sind demnach irreführend.
Berlin, 14. Oft. Wie die Blätter melden, hat der Reichskanzler die Führer der Koalitionsparteien und auch den Vertteter der Deutschen Vollspartei für Montag vormittag zu einer neuen Besprechung über den Termin für die Wahl des Reichspräsidenten eingeladen. Die „Voss. Ztg." hält es nicht für ausgeschlossen, dah die Parteien am Montag zu einem anderen Ergebnis gelangen werden als in der ersten Besprechung unter dem Vorsitz des Vizekanzlers Dauer, in der der 3. Dezember als Tag der Reichspräsidentenwahl beschlossen wurde.
Die Verteilung des Markenbroles.
Berlin, 14. Oft. (WTB.) Wie das Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft mitteilt, ist die-Auffassung, dah die über den Ausschluß der wohlbemittelten Bevölferungskreise vom Bezüge des Markenhbrotes getroffene Regelung bei der starken Markentwertung den tatsächlichen Verhältnissen nicht genügend Rechnung ttage und undurchführbar sei, irrig. Die Abgrenzung des Kreises der Markenbrotberech- tiglen ist nach dem Einkommen von 1921 erfolgt, well die Veranlagung für 1922 noch nicht vorliegt. Derjenige, dessen Einkommen 1921 30 000 Mark zuzüglich 15 000 Mark für jeden Haushaltsangehörigen ausweislich der Steuerveranlagung nicht überschritten hat, ist unter allen Hmständen auch im Wirtschaftsjahre 1922/23 berechtigt, Markenbrot zu erhalten. Die Bestimmung, dah derjenige, der
nachweist, daß sein Einkommen im laufenden Wirtschaftsjahr das Vierfache der obengenannten Einkommenjätze nicht übersteigt, versorgungsberechtigt bleibt, ist eine Bestimmung zugunsten und nicht zuungunsten der Bevölkerung.
Gemeinden und Rentenempfänger.
Berlin, 14. Oft (Wolff.) Wie das Reichsarbeitsministerium mitteilt, werden die Grenzen, bis zu denen die Gemeinden bei der Hnterstützung der Rentenempfänger der Invaliden- und Angestellten- Versicherung gehen können, erweitert werden. Dem Reichsrat und dem Reichstag geht demnächst eine entsprechende Vorlage zu. Reben den Mitteln für die laufende Hnterstützung stellte das Reich den Ländern neuerdings eine Milliarde zur Verfügung, die zur Beschaffung von RahrungSmitteln und Heizstoffen für die Sozialrentner verwendet werden soll. Für die Kleinrentner wird der schon zur Verfügung gestellte Bettag von 500 Millionen für die Zeit vom 1. April 1922 bis 30. März 1923 auf eine Milliarde erhöht; ein großer Teilbetrag ist den Ländern schon ausgehändigt. Diese Beträge können verwendet werden zu Einzelunterstützungen und zur Hnterstützung von Heimen und Anstalten für Kleinrentner. In der nächsten Zeit wird eine allgemeine öffentliche Samlung eingeleitet.
Aus Stadt und Land.
Gießen, den 16. Oktober 1922.
Unserer Anzeigenkundschast zur gefl. Beachtung.
Infolge der schwierigen Verhältnisse im ZeitungSgewerbe muß der Armahmeschluh für Anzeigen pünktlich eingehakten werden. Die Entgegennahme von Airzeigen findet biS zum Abend vor dem Aufnahmelag statt; Anzeigen für die Samstagsnummer müssen spätestens bis Freitag mittag aufgegeben sein.
Geschäftszeit
von 8—12V» Uhr und von 2—5V2 Uhr.
Verlag des Gießener Anzeigers.
Vergrrügungsfteuerpflicht für Tanzbe- luftiguugen bei Gescllfchaftsausftügen.
Das Kreisamt veröffentlicht im neuesten Amtsverkündigungsblatt eine sehr beachtenswerte Bekanntmachung über die Vergnügungs- steuerpf licht für Tanzbe uftipungen bet Gesellschaftsausflügen. Es hecht darin unter anderem:
Es sind Zweifel darüber entstanden, ob die geselligen HnterHaltungen, die sich an Ausflüge von Vereinen, Gesellschaften, studentischen Korporationen usw. in der Regel anfchließen, und bei welchen häufig auch getanzt wird, der Vergnügungssteuer unterliegen. Steuerpflicht liegt nicht vor, so lange mit der Hnterhaltung Tanz nicht verbunden ist und Vorttäge, Aufführungen und dergleichen nicht von bezahlten Kräften ausgesüchrt werden. Dagegen wird die Veranstaltung bed Tanzens regelmäßig Vergnügungssteuerpflicht be- bingen; diese Auslegung rechtfertigt sich schon aus §2 der Bestimmungen über die Vergnügungssteuer vom 9. Juni 1921, wonach die Steuerfreiheit e necTe anfia.tung durch Hinzutrtten einer Tanzbelustigung in den dafür in Frage kommenden Fällen ausgehoben wird. Wenn geltend gemacht Wird, dah sich die Tanzbelustigungen. welche sich an fragliche Ausflüge anschliehen, steuerlich nicht erfaßt werden könnten, da sie nicht zur Kenntnis der Bürgermeisterei gelangten und nicht kontrollierbar seien, so ist dem c l^Enzuhalten, dah der Gastwirt, in dessen Raumen oder auf dessen Grundstück die Veranstaltung stattfindet, verpflichtet erscheint, sobald tfym die Veranstaltung mit Tanz angesagt wird, Anmeldung zu machen oder sich über die Anmeldung zu verlässigen; war die Veranstaltung bato. der Tanz nicht vorbereitet oder nicht vorherzusehen, so bleibt die Anmeldung dis zum zweiten Werktag nach der Veranstaltung nachzuholen.
Gleichgültig für die Frage der Steuerpflicht ist es, ob die Teranstaltung bei bezahlter oder unbezahlter Musi? ftattfinbet; hinreichend ist die Tatsache, daß es sich nicht um pr ivate Wohnräume handelt, in welchen getanzt wird, und daß tvä'brenb des Aufenthalts des Vereins ober der Gesellschaft Speisen ober Getränke gegen Bezahlung verabfolgt werden.
Als steuerpflichtig werden die mit Ausflügen verbundenen Tanzveranstaltungen mithin immer dann anzusehen sein, wenn mit dem Ausflug von vornherein ein längeres geselliges Zusammensein vorgesehen war oder dem Gastwirt die Absicht eines längeren Verweilens bekanntgegeben, ein besonderer Raum mit Klavier beansprucht wurde oder der Verein Musikanten mitbrachte und dergleichen.
Beschränkt sich der Aufenthalt im Gasthaus lediglich auf eine Wanderrast und kommt es dabei zu einem gelegentlichen Tanz, so wird eine steuerpflichtige Veranstaltung nicht anzune'hmen sein.
®ic Bürgermeistereien und Polizeiorgane sollen nach diesen Richtlinien emheillich veffahren.
Schweizerische Millionenfpende für die hessische Studentenhilfe.
Von der schweizerisch-deutschen Hilfskommission ist durch Vermittelung des deutschen Gesandten in Bern, Dr. Adolf Muller, an Staatspräsident Hlrich die Summe von einer Million Mark für Zwecke der hessischenStudentenhilfe ü erwieftn worden.
** 6500 Mark für ein Zwanztg- markstück werden auch in dieser Woche von der Reichsbank und der Post gezahlt. Das Zehnmarkstück gllt 3250 Papiermark. Für RtzichSsilbermünzen wird bis auf weiteres das !50fache des Rennwertes gegeben.
Die Gehaltsauszahlung an StaatSanwärter. Das Hess scheStaatsministerium hat in einem Rundschreiben an
sämtliche ihm unterstellten Behörden angeordnet, daß sämllichen StaatSanwärtern in Zukunft die Monatsbezüge wie bei den etats- mäßig angestellten Beamten im voraus auszuzahlen seien. Die auf Dienstvertrag Angestellten erhalten in der Mitte des Monats einen Vorschuß.
** Gebt Studentenwohnungen! Man schreibt uns: Leider gehen Anmeldungen von Zimmern für Studenten nur sehr spärlich ein, während die Rachfrage ständig wächst. Wer irgend in der Lage ist, einen Raum für einen Studenten zur Verfügung zu stellen, möge nicht zögern, dies zu tun. Handelt es sich doch unter Hmständen um die Frage der Fortexistenz unserer Hniversität, die bei einem eventuellen, mit durch Mangel an Wohnungen veranlaßten starken Rückgang der Besucherzahl sicher gefährdet wird. HeberdieS geschieht das ZurücHalten von Räumen nicht zum Rächtet! der wenigen bemittelten Studenten, die für hohe Summen immer ein Hnterkom- men finden, vielmehr wird dadurch den vielen anderen, die als Schwerarbeiter in Bergwerken, Fabriken usw. während der Ferien sich kärgliche Mittel zum Studium erworben haben, dieses erschwert. Deshalb nochmals die dringende Bitte, alle verfügbaren Räume zur Verfügung zu stellen. Wo keine Bedienung gestellt werden kann und dies bei der Anmeldung bei dem studentischen Wohnungsamt in der Hniversität mitgeteilt wird, wird das Zimmer zweimal in der Woche von zuverlässigen Frauen, die als Helferinnen der Gießener Studentenhilfe bestellt werden und auf diese Weise zugleich einen Nebenverdienst haben, nach Vereinbarung mit dem Vermieter besorgt werden, während sich im übrigen der Student selbst helfen muh.
** Förderung der Dvlksbibliv» theken. Zur Hnterstützung bestehender Volksbüchereien stehen dem Kreisschulamt auch in diesem Jahre Mittel zur Verfügung. Die Schulvorstände der Landgemeinden des Kreises sind angewiesen, Anträge auf Beihilfen sofort einzureichen.
** Zwangsinnungen. Nachdem bei der Abstimmung die Mehrheit der beteiligten Ge° toerbetreibenben für die Einführung des (Bei- trittszwangs gestimmt, hat das Kreisamt angeordnet, dah zum 1. Januar 1923 eine Zwangsinnung der Bauunternehmer des Landkreises Gießen und eine Zwangsinnung für das Schneiderhandwerk in dem Bezirk des Kreises Gießen errichtet werden. Don dem genannten Zeitpunkt ab gehören alle Gewerbetreibende dieser Berufe im Kreise Gießen den Zwangsinnungen an. Zugleich wird zu demselben Zeitpunkt die Freie Innung für das Schneiderhandwerk im Kreise Gießen geschlossen.
** Der Gießener Eisverein hat sich in Anbetracht der außerordentlichen Steigerung aller Hnkvsten gezwungen gesehen, eine erhebliche Erhöhung der Beiträge bzw. der Eintrittsgelder vorzunehmen. Wenn man bedenkt, daß der Verein im verflossenen Winter an Arbeitslöhnen usw. über 31 000 Mk. bezahlen muhte, die in den kommenden Monaten um ein Mehrfaches steigen werden, dann wird man den jetzigen Beschluß begreiflich finden. Für Kriegerwitwen, Kleinrentner und Personen bzw. Familien, die sich in bedrängter wtttschaftlicher Lage befinden, sind jedoch Ermäßigungen ins Auge gefaßt.
** Das Fest der goldenen Hochzeit feiern morgen, 17. Oktober, der Privatier Adolf Schott und Frau Marie geb. Giminski, Lindenplatz 5 Hierselbst wohnhaft. Das Iubepaaar erfreut sich noch der besten wrperlichen und geistigen Frische. Der alte Herr ist Veteran von 1870/71.
** Das Fest der silbernen Hochzeit feiern heute der Eisenbahnfch'olfer Karl Diebl und Frau, geb. Müller, Armeröder Wer l wohnhaft.
Bornotizen.
— Tageskalender für Montag. Astoria-Lichtspiele, ab 'heute: „Draga Lunjevica" und „Flucht vor der Krone". — Lichtspielhaus Bahnhofstraße, ab heute: „Der Untergang des Ozeanriesen Olhmpic" und „Der Hundefänger". — Palast-Lichtspiele: „Heinrich Heines erste Liebe" und „Die Hexe".
— Aus dem Stadttheaterbureau. Das Gastspiel des Moskauer Ballets, vertreten durch die Prima-Ballerina Tamasa Gamsa- kourdia und die Herren Deneidoff und Orlvf f am Donnerstag, 19. Oftober, bitngt eine Darbietung ersten Ranges. Im Sommer im Kurhaus Bad-Rau heim und jungst wieder im Kursaal Wiesbaden haben die Gäste in wiederholten Vorstellungen außerordentliche. Au se en erregt. Die Theaterle.tung ka n solche besonderen Darbietungen aber nur bringen, wenn die Gäste hier auf ihre Rechnung kommen, und darum muß mit einem guten Besuch der Veranstaltung am Donnerstag gerechnet werden.
— Die Deutsche Volkspartei hält morgen im Gewerbehaus eine Mitgliederversammlung ab. (S. Anzeige.)
— Die Deutsche Demokratische Partei hält morgen abend im Postkeller eine 'Mitgliederversammlung ab. (Siehe Anzeige.)
Wettervoraussage
für Dienstag:
Wolkig trocken, nordöstliche Winde, Temperaturen unverändert.
Es bereitet sich langsam ein Wetterumschlag vor.
Landkreis Gießen.
* Grünberg, 16. Oft. Ein Klauen- viehmarkt wird am nächsten Mittwoch hier abgetjfclten. Der Auftrieb darf nur m der Zeit von 7—81/2 Hchr vormittags stattfinden.
Kreis Schotten.
□ Laubach, 16. Oft. Eine Anzahl Gießener Studenten ist hier eingetragen, um an den @rntearbeitefi, vornehmlich an der Bergung der Kartoffeln, tell'unehmen Bei dem großen Mangel an Arbeitskräften ist die Hilf«» der jungen Musenföhne sehr dankenswert.
Heutiger Stand des Dollars
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