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Nr. <0 Zweites Bialt Eichener Anzeiger (General-Anzeiger für Oderhchen)

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Donnerstag, (6. 8evruar 1922

Deutscher Reichstag.

170. Sitzung, nachmittags 2 Uhr.

Berlin, 15. Februar 1922

3n der .heurigen Sitzung des Reichstages wurde die Beratung des

Mietengesehes fortgesetzt. Eingegangen ist dazu ein Kompromiß- antrag der Sozialdemokraten, des Zentrums, der U S P und der Demokraten. In diesem Antrag ist besonders vorgesehen das) die Repa- . aturzusch'.äge zunächst für grobe Instandsehungs- acbeiten an den Gebäuden des Dermreters zu verwenden sind, Gemeinden könnten mit Zu­stimmung der obersten Landesbehörden einen Ausgleichsfond einrichten, aus dem wirtschaft­lich Schwächere unterstützt werden könnten.

2lbg. Bahr (Dem.) erklärt, dab über die Aufhebung der Zwangswirtschaft seine Fraktion geteilter Ansicht sei. Ein Teil sei für die so­fortige Aufhebung, ein anderer Teil wolle ihr l.rfl in einigen Jahren näher treten. Eine reine Freude werde niemand an dem Gesetz haben. Srogbem müsse aber sein Scheitern verhindert

Abg. Iaud (Bahr. Dp.) hält den Entwurf nicht für durchführbar, weil er nicht auf den Grundsätzen der Praxis aufgebaut sei. Er werde nur dazu dienen, das) eine neue Unmenge von Beamten angeschafft werden mühte. Seine Partei lehne daher den Entwurf ab.

Ministerialrat Riffel: Der Entwurf ist vom Reichsrat mit Zustimmung der Vertreter der Länder angenommen wordmi. Der Borwurf, als stamme et wieder einmal aus Berlin, ist damit hinfällig. Richt ein einziger Reichsbeamter mehr wird durch das Inkrafttreten des Gesetzentwurfes benötigt Der Beamtenapparat wird im Gegenteil so knapp wie möglich gehalten werden. Auf Reu- bauten soll das Gesetz keine Anwendung finden.

Abg. T e u b e r (K.) lehnt das Gesetz ab, weil eS alle Lasten den Mietern auferlegt.

Auf Vorschlag des Präsidenten unterbricht darauf das Haus Die IDeiterberatung des Reichs- mietengesehes und schreitet zur

Abstimmung über das Vertrauensvotum, bzw. über die Mihtrauensvoten.

Rach einer Pause von 10 Minuten wird die Besprechung der Erklärung der Reichsregierung zum Eisendahnerstrei?

wieder aufgenommen. Inzwischen hat sich der Saal bis auf den letzten Platz gefüllt, während am Re­gierungstisch Die Mitgliürer des Kabinetts mit Dem Reichskanzler Platz genommen haben.

Abg. Hergt (D.-R.) erinnert an die in feierlicher Weise von dem Reichskanzler gestellte förmliche Vertrauensfrage, die ein positives Ver­trauensvotum verlangt, um Klarheit über die Weiterführung seiner politischen Arbeit zu brin­gen. Für die heutige Abstimmung sei es daher von außer ordentlicher Bedeutung, ob der Antrag, der inzwischen von den Regierungsparteien gestellt worden sei, tatsächlich den Wünschen des Reichs­kanzlers und den von ihm für das Vertrauens­votum ausgestellten Richtlinien entspreche. Rach seiner Meinung fei dies nicht der Fall. (Lachen links.) Der Meinungskampf der letzten Tage habe sich aber nicht nur auf die Erklärungen der Reichs­regierung bezogen, sondern auch auf das Verhalten der Reichsregierung, insbesondere auf das Ver­halten des Reichskanzlers zur Streikfrage. Der Antrag enthalte nichts davon, ein positives Ver­trauen für die Reichsregierung oder den Reichs­kanzler auszufprechen. Er frage daher den Reichs­kanzler, ob er trotz dieser Bedenken gleichwohl der Meinung sei, das) dieser Antrag der Regierungs­parteien den von ihm selbst aufgestellten Voraus- sehungen entspreche, d. h. ob er in dem Antrag der Regierungsparteien Klarheit und ein positives Vertrauensvotum erblicke, das' ihm ermöglichen würde, die politische Arbeit weiterzuführen.

Abg. Crispien (USP.): Tre Eisenbahnrr- schaft ist ökonomisch proletarisiert und muh die Kämpfe der Arbeiterschaft mitmachen. Gegen diese Bewegung geht die Reichsregierung mit Ars- nahrnemaßnahrnen vor. Der Reichskanzler hat in seiner ersten Rede ebenso wie die Minister Hermes und Gröner scharf gemacht. Wir können es nicht verantworten hn Interesse der Arbeiter­schaft, diesem Vertrauensvotum z izustimmen. Tre kapitalistischen Kreise wollen den Kampf. Sie sollen ihn haben.

Reichskanzler Dr. Wirth:

Der Abg. Hergt pat an mich die Frage ge­richtet, wie der Antrag der Reglerungsparteien zu verstehen sei. Zunächst ist es Alfgabe der Re­gierungsparteien selbst, wenn sie es für richtig halten, zu dem Sinn des Antrags Stellung 51 nehmen. Für mich ist der Weg ganz Rar. Ich spreche es aufrichtig aus: Es werden die Er- rcämngen gebilligt, die die Regierung abg »geben hat. Lesen Sie die Erllärungen nach. Es sind drei. Die erste Erllärung, die auch formell als solche gekennzeichnet war, die zweite Rede and iöie Dritte von Ihnen als besonders feierlich be­zeichnete Erllärung. Ausgangspunkt meiner ersten Darlegungen war nicht etwa ein innenpolitischrr Streit, sondern Ausgangspurrkt auch der gesam­ten Stellungnahme der Regierung zu Dem Da­maligen Streik war die Gesamtlage unseres Vater­landes. In Dieser Gesamtlage unseres Vater­landes spielt die Deuriellung der auswärtigen Pvlltit die Hauptrolle. Wer also heute zu diefm Voten Stellung nimmt, ntuf) sich Darüber klar sein, das; er auch ein Werturteil über die gesamte p)° lltische Tätigkeit abgibt. Hm dieses Urteil "bitte ich Sie, Damit es mir Klarheit schafft.

Reichsverkrhrsminister Gröner

(von Den Kommunisten mit Den Rufen »Hunds­fott!" empfangen): Bei den Klagen über Die Mafsendifziplinarverfahren handelt es sich um Verfügungen, die in den ersten Streiktagen er­lassen worden sind. Nachher ist verfügt worden, dah zunächst zu prüfen sei, ob der Verdacht durch die unter Ziffer 1 fallenden Richtlinien der Ur­heberschaft hinreichend gegeben ist. Trifft daS nickt zu, so ist entsprechend den Paragraphen 97 und 98 des Reichsbeamtengesehes die Einstellung des Verfahrens zu beantragen. Ferner ist verfügt worden, dab, wenn ein Beamter bereits entlassen ist wegen einer nicht unter diese Richtlinien, fallenden Pflichtverletzung, diese Entlassung durch die Stelle zurückzunehmen ist. die sie ausgesprochen hat. (Hört, hört! bei den Soz.) Diese Beamten, sind in ihr bisheriges Recht wieder einzusehen. Ebenso ist verfügt worden, daß die sogenannten Mitläufer, die ohne Gedanken der Parole zum Streik gefolgt sind, wieder eingestellt werden.

Abg. Dr. Petersen (Dem.): Die Demo­kratische Bolkspariei hält die Behauptung, dab

zwischen den Worten und Taten der Regierung ein Widerspruch vorliege, für nicht erwiesen. Sie hält es für die Pflicht Der Partei, sich an die Erklärungen der Regierungsvertreter im Parla­ment zu halten.

Die Redner der beiden kommunistischen Parteien, Dr. Levi und Koenen, betonen, dah sie auf ihrem Misstrauen gegen die Regierung beharren, und bringen dies besonders dem Mi­nister Gröner entgegen.

Abg. Dittmann (U. S.) wiederholt noch mals, dah der Antrag seiner Partei sich lediglich auf das Verhalten Der Regierung zum Eisen­bahnerstreik beziehe, nicht aber auf Die Außen­politik des Kabinetts, die sie unterstütze. Sie werde aber gegen das Vertrauensvotum stimmen, weil ie die scharfmacherischen Reden der Regierung mißbillige.

Abg. Leicht (Bahr. Bpt.) erilärt, dah feint Fraktion sich Der Abstimmung enthalten werde, um nicht den Anschein zu erwecken, als ob sie die Innenpolitik, namentlich Bayern gegenüber, in allen Teilen billige.

Abg. Müller-Franken (Soz.): Wer nicht mit Blindheit geschlagen ist, muh begreifen, dah das ganze Manöver, das hier inszeniert wurde, nur den Zweck hat, aus auhenpolitischen Gründen das Kabinett zu stürzen.

Abg. Marx (Zentr.) schlieht sich den Aus-- ührungen von Dr. Petersen und Muller-Franken an. Das Ergebnis der Abstimmung ist von außen- politischer Bedeutung und muh meiner Meinung nach zugunsten des Antrags der Regierungs­parteien ausfallen.

Die Abstimmung über das Vertrauensvotum.

Präsident L ö b c schlägt vor, zunächst nament­lich über den Antrag Der Koalitionsparteien ab- zustimmen. Würde diese Abstimmung zugunsten der Regierung ausfallen, so wären damit alle anderen Anträge erledigt. Letzteres würde aber auch im Falle Der Richtannahme des Antrags Der Koalitionsparteien Der Fall fein, da ja dann das Kabinett zurücktreten müsse.

Das Haus beschließt mit großer Mehrheit nach Antrag des Präsidenten.

In namentlicher Abstimmung trtrD der Ver­trau ensantrag Der Koalitionsparteien mit 230 gegen 185 Stimmen bei 16 Stimmenthaltungen an­genommen. (Lebh. Bravorufe, Händeklatschen auf Den Tribünen.) Dagegen stimmten Die beiden Rechtsparteien, Die Unabhängigen und Die Kom­munisten. Es enthielten sich Bayer. Bollsparirt und Bayerischer Bauernbund. Damit sind Die Mißtrauensawräge erledigt.

Die Anträge betreffend Aufhebung Der Ver­haftungen und Gelderbes chlagnahme sowie Rück­gängigmachung der Disziplinierungen werden ab­gelehnt. (Groye Unruhe im ganzen Hause, die andauert, während der vorhin unterbrochene De- ratungsgegenstand weiter behandelt wird.

Abg. Heidemann (K.): Der Entwurf ist ein ganz elender Kompromiß. In keinem Lande Der Welt sind die Arbeiterwvhnverhältnisse so schlecht wie bei uns. Dabei bringt Der deutsche Arbeiter weit höhere Mietsbeträge auf als Der ausländische.

Rach kurzer weiterer Debatte, in der

Abg. I s e m a n n (Z.) sich für Die Ablehnung des Entwurfs ausspricht, wird die Weiterbera­tung auf morgen nachmittag 2 Uhr vertagt.

Präsident Lobe teilt mit, daß bei der Feststellung der namentlichen Abstimmung ein Rechenfehler unterlaufen sei. Mit Ja hätten 220 Abgeordnete gestimmt. Demgemäß sind 421 Stimmen abgegeben worden. 185 Ab­geordnete haben mit Rein gestimmt, 16 sich der Abstimmung enthalten.

Schluh gegen 7 Uhr.

Freiwillige Sanitätskolonne Gießen.

Dem Bericht über die Tätigkeit der Frei­willigen Sanitätskolonne Gießen im Jahre 1921 entnehmen wir folgende Angaben:

Die in den Jahren 1919 und 1920 der Be­tätigung Der Kolonne hindernd entgegenstehenden Umstände waren im vergangenen Jahre soweit überwunden, daß wieder an die regelmäßige Frie­denstätigkeit in Ausbildung der Mitglieder, Ver­sorgung des öffentlichen Rettungswesens, die übrigens auch in Den vorhergegangenen Jahren, wie während des ganzen Krieges nicht geruht hatte, Gewinnung und Ausbildung neuer Mit­glieder, Veranstaltung von allgemein zugänglichen Kursen zur Ausbildung in der ersten Hilfeleistung bei Unglücksfällen gedacht werden konnte.

Ausbildungskurse unter Leitung des Kolonnenarztes wurden zwei veranstaltet, der erste in den Monaten April und Mai mit 37 Teil­nehmern, von denen 11 der Kolonne beitraten, Der zweite im Oktober und Rovember mit 26 Teil­nehmern, von denen 16 sich zum Beitritt meldeten. An diesen Lehrgängen beledigten sich auch Die Kolonnenmitglieder, teils zur Unterstützung des Arztes, teils zur eigenen Belehrung.

Der Mitglieder st and betrug zu Beginn des Jahres 39, hinzugekommen sind 34, so daß die Kolonne abzüglich eines zu den Inattiven über­getretenen Mannes zum Schluß des Jahres 72 aktive Mitglieder hatte. Unter den Reueingetre- tenen sind zwei, die bereits früher der Kolonne angehörien und sich wieder zum attiven Dienst meldeten. Weiter wurden fünf ehemalige Heeres- sanitätsangehörige ausgenommen. Inaktiv sind fünf Leute.

An Hilfeleistungen sind 1162 zu ver­zeichnen, darunter 755 Krankentransporte, von Denen 220 mit dem städtischen Krankenkraftwagen, die übrigen mit den Räderbahren der Kolonne ausgeführi wurden. Es wurde gerufen von Aerzten oder Den Kliniken in 526 Fällen, von Der Feuer­wehr, Polizei, Bahn oder Privatpersonen in 229 Fällen. Es handelte sich um: Knochenbrüche 56, sonstige Verletzungen 491, innere Erkrankungen 324, ansteckende Krankheiten (Die eine Desinfekiion Der Transportmittel nötig machten) 37, Frauen­krankheiten (meist Blutungen) 115, Rervenkrank- heiten 32, Blinddarm- und Dauchfellerkrankungen 106. Aus die von Der Kolonne an verschiedenen Stellen der Stadt bei Kolonnenmitgliedern ein­gerichteten fünf Derbandsstellen, deren Vermeh­rung in Aussicht genommen ist, entfallen 242 Hilfe­leistungen und zwar auf Die Verbandsstelle Kraus­haar 200, Kratz 110, Pfeil 20, Decheri 6. Wahl 6. Außerdem wurden Wachen gestellt bei zwei Pferdemarften, beim Reiterfest, beim Sängerfest

auf der Liebigshohe am 19. und 20. Juni, bei der Zusammenkunft ehern. 116er am 2l. August. Br im Xinderhilfstag am 26. Juni besorgte die Kolonne Dc.i Rettungsdienst mit 28 Mann. Bei einem Groß» euer in der Reuen Kaserne am 21. Mai stellte die . IDirne eine Sanitätswache in Stärke von fünf

M.r:m mit einer fahrbaren Trage. 37 Wachen an Srnntagnachmittagen während Der Zeit von zwei b?3 8 Uhr.

Im Dezember konnte die seit Jahren geplante Verleihanstalt für Bedarfsgegen­stände der Krankenpflege nach langer Vorbereitung in Tätigkeit treten. Sie will Haupt- sächlich Den Bedürfnissen des geringer bemittelten Mittelstandes in Krankheitsfällen entgegcnlom- nicn, für den es unmöglich ist, die nötiaen Mate- talicn selbst anzuschaffen. . '

Handel.

Berlin, 15. Februar. Börsen stim­mt! n g s b i l d. Das Interesse der Londoner und Pariser Börse für vberschlesische In- uslrieunternehmungen bildete auch heute die Ursache für eine kräftige Fortsetzung der Aus- usbewegung dieser Werte. Lauraaktien ge­wannen wieder annähernd 200 Proz. und o l er schlesische Eisenbahnbedarf, HvlX'tlohe, Kaltowitzer und vberschlesische Eisenindustrie folgten mit bedeutenden Sprüngen. Sonst be­schränkte sich die Steigerung der Kurse auf einzelne besondere Werte. Am Kalimarkt stie­gen Deutsche Kali um 70 Prvz. Don Elek­trizitätswerten gewannen Felten u. Guil­leaume weitere 20 Proz., und Berliner Elek­trizitätswerke erfuhren bei lebhaften Umsätzen eine Besserung von 50 Prvz. Aschaffenburger Zellstoff stieg um etwa 140 Proz. Sonst bot die Kursbewegung eher ein Bild der Un­sicherheit, da neben mäßigen Erhöhungen viel­fach infolge von Gewinnrealisierungen sich kleine Abschwächungen bemerkbar machten. Im Verlaufe blieben nur vberschlesische Werte lebhaft bet weiteren Steigerungen, nament­lich in Hohenlohe und Oberschlesiem Eisen-- bahnbedarf, während sonst das Geschäft ruhi­ger wurde im Zusammenhang mit der herr­schenden Spannung über die heute nachmittag bevorstehende Entscheidung in der Kabinetts­krise. Schiffahrtswerte litten durchweg unter Realisierungen, Bankaktien bröckelten ab. Da- lutapapiere waren wenig beachtet. Der Markt der festverzinslichen Werte bewahrte seine ruhige Haltung.

Frankfurt a. M., 15. Fevr. Börsen- ftimmungäbilD. Die Börse eröffnete Den heutigen Berkehr in fester Haltung. Im Border- grunD Des Interesses ftanDen InDustrieaktien. Der Einheitsmarlt zeigte ein vorwiegend festes Aus­sehen Am Markte Der nicht amtlich notierten Werte erzielten Benz eine Kurserhöhung, 710 bis 725. Gebr. Fahr 720, Hansa Lloyd 400 dis 405, Ufa fester, 280, Inag 575 bis 585, Deutsche Petroleum 1910 dis 1925. Montanpapiere liehen verschiedentlich etwas nach. Aufsteigende Rich­tung verfolgten Laurahütte, in welchen große Kaufaufträge Vorlagen; 2250, + 400 Prozent, spater nieDriger. Bankaktien ruhiger. Anilin­werte schwächten sich ab. Elektrizitätsaktien neigten ebenfalls nach unten. Schiffahrtsaktien schwächer. Die Börse schloß bei unregelmäßiger Tendenz. Privatdiskont 4'/z Prozent.

Frankfurt a M., 16. Februar, Börsenkurse.

Frankfurt Berlin Schluß- Schluß- Schluß- Schluß- Kurs Kurs Kurs Kurs Datum: 14.2. 15.2. 14.2. 15.2.

5°/, Dtsch. Kriegsanl. 77,50 77,50 77,50 77,50

4"/o Dtsch. Reichsanl. 87,75 87,90 88,- 87,90

3°/«Dtsch.Reichsanl. HO,- 110,- 110,- 110,- 46/0 Preuß. Konsols 89,- 72,30 73, 72,80

Hamburg-Pakets.. . 481,- 470.- 483, 475,-

Rorddeutscher Lloyd 3ö6,- 360, 380, 360,

Comm.u.Privatbank 326,- 326,- 330, -, - Darmstädter Bank . 323,- 323, 322,- 332,-

Deutsche Bank . . . 550, 545, 540, 540,

Disconto-Gesellschaft 455,- 449,- 453,- 451,- Dresdner Bank. . . 375, 365,- 365,- 362,- QKittelD. (SreDitbant. 314,50 314,50 3.4,- 313,- Rationalbank f. D. . 338,- 335,- 331,- 330,- Boch. Gußstahlwerke 1100,- 1125,- 1130,- 1075, Bud.- Eisenw.-Akt.. - - 1050,- 980,- 1050,- D.-Luremb. Dergw.. 995 - 970, 980,- 1000, Gelsenkirch. Dergw.. 1022,- 1015,- 1035, - 1030,- Harpener Bergbau. 1560 - 1560,- 1550,- 1555,- Oberschl. Eisenb.-D. 1130^- 1290,- 1160,- 1315,- Oderschles. Eisenind. 856 - 975 850, - 965, - Phönir-Dergb.-Akt. 1110,- 1119,- 1100,- 1100,- Bad.Anilin-u. Soda 655,- 640,- 650,- 659,- Höchster Farbwerke. 630 - 635, - 645, - 640, - Allg.Elektr.-Ges. . . 802,- 785,- 800,- 798,- Felten L Guilleaume 1190, - 1184,- 1170,- 1180, Schuckert-Werke. . . 710,- 700,- 700, 700,

Adlerwerke 635, 628, 675,- 644,

Daimler....... 570,- 598,- 561,- 540,

4'«Hess. Staatsanl. 74,10 73,75 73,- 74,

Electron Griesheim 783,- 765,- 790,- 789,-

Dtsche. Dereinsbank 230,- 24U,-

Marknotierungen.

1,92

16.2»

8,75

5,75

-,50

Datum: Zürich . . . Amsterdam Kopenhagen Prag .... Stockholm . Wien.... London. . . Paris. . . . Reuyork . .

8.65

5,82

-,50

Züricher Devisenmarkt.

15. 2.

2,60

1,34

2,46

26,37

1,92

1.7.14. . Fr. 125.40 . Fl. 59.20 . Str. 88.80 . Str. 117 80 . Str. 88.80 . Str. 117.80 . Sh. 97.80 . Fr. 125.40 . $ 23.80

2,56

1,33

2,45

Für 100 deutsche Mark wurden gezahlt: 14.2. 15.2.

Wechsel auf Holland Deutschland .... Wien Prag Paris London Italien Brüssel Budapest Reuyork Agram Warschau

Schweizer Franken 100 5L = 191.75 191.25 100 Wk- 2.58 2,56

100 Str. = 0.17 0.165

100 Str. = 9.70 9.70

100 Fr. = 44.85 44.32

1 £ - 22.37 22.33

100 L. = 25.- 24.90

100 gt, » 42.30 42.10

100 Str. 0.79 0.79

100 r = 512-25 513.-

100 Str. 1.675 1.65

100 Kr. 0,15 0,15

Berliner Devisenmarkt.

Geld Bries Geld Dries

Saturn: 14. Febr. 15. Febr.

Amsterdam-Rotterd. 7442," 5 7457,45 7482,50 7497,90 Brüssel-Antwerpen. 1638,25 1636 65 165?,30 1656,70 Christiania..... 3270,70 3283 30 33 44,15 3359,8»

Kopenhagen 4088 40 4 '.»6,60 4130,85 4139,15 Stockholm 5179,80 5190 20 5244,75 5255.25 Öclfingfor» 395,60 396 40 397,10 397*90 Italien 95 ,- 954, - 977,50 979,50 London 867,60 869,40 874,10 875,90 Reuyork 199,30 199,70 199,80 200,20 Paris 1723,251726,751733,251735,75 Schweiz 8896,10 3^08,9 J 3901,95 3908,93 Spanien 3116,85 3(23,15 3151,80 3158,26 Wien (altes) . . . .

Deutsch-Oesterr.. . . 6,33 6^7 6*43 6,47

Prag......... 377,10 377,90 378,10 378,90

Budapest 31,01 31,14 36,86 30,14

Buenos Aires . . . 72,90 73,10 73,40 73.60

Bulgarien 133,35 133,65 133,35 133,65

Konstantinopel ...

(In einem Teil der Auflage wiederholt.)

(tzraf Lerchcnfcld

gegen die französische Nanbpolitik.

München, 15. Febr. (WTD.) In Beant­wortung der Interpellation Bühler (Dem.) und Stang (Bayr. Bolksp.) wegen Der französi­schen Abtrennungsbestrebungen im Saargebiet erklärte Ministerpräsident Graf L e r ch e n s e l d in der heutigen Borrnit tagssitzung des bayerischen Landtages: Die staatsrechtliche Trennung des Saargebietes vorn Deutschen Reick wird auf alle Weise, namentlich auch durch die Borbereitung eines besonderen staatsrechtlichen Berhältnisses durch die Saargerichtsversassung, vertieft. Das Land ist von französischen Truppen beseht. Die wirtschaftliche Entwicklung des Saar­landes wird infolge des Mißverhältnisses zwischen Marlwert unb Franken durch die Maßregeln zur Einführung Der Frankenwährung aus ihrem na­türlichen Gleichgewicht gebracht. Weite Kreise des Bolles leiden unter Der von jenem Mißverhältnis hervorgerufenen übermäßigen Teuerung. Die fran- zöfische Kohlenpolitik schädigt die Weltwirtschaft. Die Saarbevölkerung hat kein Bertrcrnen zu den Fähigkeiten der Regierungskommisfion, aus­schließlich ohne politische RiÄsichi die Interessen Der Bevölkerung zu vertreten. Hier erhebe ich bewußt vor aller Oeffentlichkeit Die Anklage: Dre Politik, wie sie von Der französischen Regierung betrieben wird, ist ein Teil der französi­schen Rheinlandpolitik, welche Die dauernde Ausdehnung ihres Macht­bereiches bis an das Rheinufer in ver­schiedenen Formen und auf verschiedene Weist» er­strebt. 3m Saargebiet geht sie im besonderen auf die Ang liederung dieser wertvollen Provinz nach Ablauf der 1 5 Jahre an Frankreich aus. Die Stellung Der deutschen wie der bayrischen Regierung kann nur darin be­stehen, jede rechtliche Verletzung und Beugung deS Friedensvertrages auf diplomatischem Wege her­vorzuheben und durch unmittelbare Verhandlung mit der Regierungskommisfion auf eine Besserung bet Verhältnisse hinzuwirken. UebrigenS Dürfen wir nicht müde toerDen, Die Pflege aller Die Saar­pfalz und das Saargebiet im ganzen berührenden Angelegenheiten als unsere heilige Pflicht wie bisher zu erachten. Un­sere zeitlich von uns getrennten Brüder haben ein Anrecht darauf, in ihrem Kampfe um die Selbsterhaltung nicht allein gelassen zu werden, vielmehr haben sie ein Anrecht auf eine verständ­nisvolle Behandlung ihrer Wunsche, auf t milchst« Erhaltung Des kulturellen Zusammenhanges, wie auf materielle Unterstützung. Die Treue, Die sic Dem deutschen und Dem bayrischen Vaterland« halten, muß ihnen DurchtatkräftigeTreu« vergolten werden.

England sieht keinen Grund zur Vertagung.

Paris, 15. Febr. (WTD.) Ter diplomatische Berichterstatter der Havasagentur glaubt zu wissen, auf der gestrigen Zusammenkunft mit P 0 incarö habe Der englische Botschafter Lord HarDinge Dem Ministerpräsidenten wißen lassen, daß nach Ansicht Der britischen Regierung keine Veranlassung vorliege, Die Kon­ferenz von Genua zu vertagen. Ein Der; artiger Vorschlag könnte jedenfalls nur vov Italien ausg ehen, und Italien hätte bs jetzt nod? keine Derartige Absicht kundgegeben. Tas Datum der Konferenz sei Der einzige Punkt PoincarHs, Der gegenwärtig Gegenstand einer Antwort von London bilden würde. Der übrige Teil der Rote, Die im voraus zu ertangenDen Garantien von Deutschland und öotojetriblanD, seien zwischen den beiden Kanzleien noch nicht dis> tutiert worden. Man scheine jetzt in Paris sicher zu fein, daß wegen des an Deutschland zr be- willigenden Moratoriums und hinsichllich der von ihm zu fordernden Garantien die britische Regierung Die von Frankreich vorgeschlagene Pro- zeDur annehmen werde, d. h. das Problem an Dk Reparationskommiss ron weiter zu ge­ben anstatt es im Obersten Rat zu erörtern.

Die Haltung der Vereinigten Staaten.

London. 15. Febr. (WTD.) Reuter mel­det aus Washington: 3m Weißen Hause wurde gestern erflärt, der Grund für Den Aufschub Der Entscheidung bezüglich der Teilnahme der Bereinigten Staaten an der Konferenz von Genua sei die Tatsache, daß offizielle Infor­mationen über Ziel und Tätigkeit der Konferenz noch fehlten. Welche Haltung die Regierung einnehmen werde, wenn Die Mit- teiUtng über das Programm rechtzeitig in Wa­shington einträfe. Damit Vertreter ernannt wer­den könnten, ist nicht gesagt worden. Die aSV gemeine Auffassung in den amtlichen Kreisen geht aber heute dahin, dah Die Bereinigten Staaten nicht in offizieller Eigen­schaft an der Konferenz teilnehmen können, wenn die Konferenz, wie geplant, am 8 März beginne.

Die Kosten der Defatzungsarmee.

Paris 15. Febr. (WTD.) Rach einer Lon­doner Meldung des »Petit Parisien" CT- Härte im Unterhause auf eine Anfrage der Fi- nanzfekretär QJ o u n g, dah die Kosten Der De- sahungsarmee fett 1. Mai 1921 auf 16 ^ilI^onen Goldmark geschätzt werden konnten nach Abzug der Zahlungen Deutscklands in bar oder in Waren-