Nr. 50 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderheffen)Mittwoch, (5. Zedruar (022
Kurt Eisners verhängnisvolle!
Außenpolitik während der Münchener Rätezeit.
Unter Dem ‘Xitel „Sie auswärtige PKnil | Äuxt ©iircevß und der Bayrischen Revelation"; oeröffenttic, . wie schm kurz berichtet wurde, der cahrische L.'.ndtagsar-ge)rbncle Tr. P. Sirr vx 'ein neuesten Heft der „Süddeutschen Hl >nais= !;ejte“ l lii er geyetmgey«rltene Dokumente, aus ?-enen er L-ic auswärtige Politik, die Stuil Eisner ><chrend seiner '-Tätigten als bayrischer minifier- aficeni betrieben hat, zu einem umfaß enden Bitte retonf inneren will. Ta die 'IJeröftent- lichung Mi! e ordentlich bedeutungsvoll ist and er Lay i ch? --aerfassungs-Ausschuy demgemäß energisch: : u.klärung der Dchuldsrage beschlossen 'at, kommen Mir noch einmal ausführlich au) d>e Angelegenheit zurück.
Sirr fragt einleitend: „Kann man von einer uswartigen Politik der bayrischen Revolution ipred^n Y Zeigte sie Taten und Wirkungen? Hal :te sichtbare Spuren hinterlassen r Sie Bezeich- ung auswärtige Politik mag etwas gewagt er« cheinen für die Versuche, die Eisner unternahm, i'.m auf iem Wege über den jungen bayrischen yreiitaat die au e:rpoliti chr Führung des Reiches entscheidend zu beeinflussen."
Zur Macht gelangt, nimmt Eisner seine Anschauungen sofort und un beben EI id) zum Aus« jangspunlt für fein praktisches politisches Handeln und macht sie zur Grundlage seiner Staats- lührung. Schon in dem Ausrus vorn 8. Rovember heifjt es: „Bayern will Deutschland für den Völkerbund rüstenI" Eisner bat bestimmt geglaubt, Last die Entente der deutschen Revolution vertrauen entgegenbringe und das) es der Revolution gelingen werde, für Deutschland einen milderen Frieden erwirken zu können. 3n diesem .Irrtum wurde Eisner von dem P r o s e s s o r ; ft r ft er bestärkt, den er zum borläufigen G e° * anbten bei der Schweizer Regierung bestellt hatte. Einen Tag nach feiner Ernennung sandte Förster an Eisner einen Drahtbericht worin wlgender tröstender Satz stand
Hatte soeben mit einem zufällig hier anwesenden, höchst einfluhreichen Vertreter der Entente eine mehrstündige Unterredung in Ihrem Sinn. 5>urch die vierjährige deutsche Dluffpolitil ist das lEibtrauen uns gegenüber- so gros) geworden, dah -um fürchtet, auch die jetzige Umwälzung sei nur ine Parade, oder nach kurzer Zell würde die jetzt erbrängte Reaktion toieber hervorbrechen Rur darauf beziehen sich die harten Bedingungen. Ak an wird uns aber beftimmt in grobem Stile in der Ernährung helfen, sobald der neue Geist beut» lichund zuverlässig inWort undTat * u ta g e tritt
Förster sieht in Bern alles durch die rofen» nte Brille In den Telegrammen, die er am 18 und 19 Rovember an Eisner richtet, heiht es unter anderem „Aussichten für Milderung der Dafsenstitlftandsbedingungen verbessern sich unverkennbar. auch aus englischer Seite. Doch wird ich diese Milderung mehr in tatsächlicher Praris als in sofortiger öffentlicher Zurücknahme ein- einer Punkte vollziehen. . Sie dürfen jedenfalls in der Organisation der Volksemährung •uberläffig damit rechnen, dah die auf der En- i entefeite noch vorhandenen Widerstände nur vor- 'vergehende sind und auf einer abwartenden Haltung in bezug auf die Konsolidierung des neuen Deutschland beruhen.
Worauf gründet Förster feine Hoffnungen? Aus feine Verbindungen mit dem englischen P a - > i f i ft e n Eeorge ID Herron , der feiner- seits unter dem 17. Rovember Eisner in einem ■ cercfo phrasenreichen wie - nichtssagenden.Telegramm seiner „alten Freundschaft" versichert. Später telegraphiert Förster im Hinblick auf Frankreich „Run ist ja alles im besten Dange. '5knT3 besonders hat man in Frankreich den bringenden Wunsch, bas zwei tausendjährige Rachbar- schaftsverhällnis zum deuischen Volke auf eine neue Grünt läge za stellen. Dieses Telegramm Ichlieht damit, dah es auf bic Gefährlichleit unb Anzweckmäßig leit bolschewistischer Met hoben hinweist.
Der oben erwähnte Amerikaner Herron ist auch in Anspruch genommen worben für eine Verbindung mit dem Präsidenten Wilson unb Den übiigen Ententeregierungen. Herron berichtete über feine Bemühungen in einem Telegramm vom 17. Rovember an Eisner:
_.3d) habe mein möglichstes getan, um ben Präsidenten Wilson und die Ententeregierungen zu überzeugen, dah Ihre Regierung vertrauenswürdig ist Ihre beiden Telegramme, mit meinen Begleitworten vergehen, wurden unverzüglich an den Präsidenten und an die Ententeregierungen telegraphiert. Dor altem rate ich Ihnen dringend. möglichst viele deutschen Staaten zu über- icugcn, ihrer Führung zu folgen. Zweitens die ersten Schritte zu einem vollen und offenen Bekenn tnis der Schuld unb Untaten ber deutschen Regierung am Anfang des Krieges und an ben Grausamkeiten ber Krieg führung zu unternehmen. Tie moralische Wirkung einer solchen Handlung wäre gewaltig unb entscheiden!». Drittens unternehmen Sie die ersten Schritte zur Berufung einer bayrischen ober beutfdym Kommission, die die verheerten Gebiete Frankreichs und Belgiens besuchen und ihrem Ministerium unverzüglich- Bericht erstatten sollte. Ich bitte Sie, kühn, offen unb unverzüglich z u handeln, hi<bl nur Deutschlands, sondern ber Zivilisation unb der Menschheit wegen."
Förster erhielt sodann den Auftrag, durch Den Schweizer Bundesrat bei ber Entente um die Erlaubnis einzukommen, durch- eine bayrische Kommission „bie von ben beutschen Truppen in Belgien unb Rordfrankreich verursach:en Zerstörungen feststellen zu lassen." Rach Lirrs Feststellungen hat aber Förster umgekehrt an die Entente die Bitte gerichtet, eine Kommission ber Alliierten nach Bayern zu senden, damit sie »durch den Augenschein einen Eindruck bekomme von dem neuen Geiste unb£H»n<Jben Ernährungsverhältnissen."
Sodann interessiert ein Berliner Bericht des Privatdozenten Dr. Mückle, ben Eisner als bayrischen Bevollmächtigten nach Der Im entfanbt hatte. Mückle hat als Informator Herrn Mari" mtüan Harden in Anspruch genommen, ben er am 18. Rovember) „in einer verzweifelten Stimmung“ angetroffen hat. Herr Harden war ber Ansicht, „die herrschenden Regierungsmänner sind u^ähig. die groben Aufgaben zu lösen. b:e Deutschland bedrängen. Es handelt sich um Älein-
und Spießbürger, Dber doch um Menschen ohne Leidenschaft und Schwung, denen die .'>.ev)lu- tion kein heiliges Erbe ist, das es zu.mehr m gilt, sondern irgendein politischer Vorgang, :e: man Linnimmt, wie einen Punkt der Tagesordnung einer "Parlamentssitzung. Während tn Bayern »ärmlich tebenebuiitigc Kräfte aufquellen, >m 5lang zut Höhe die Mallen belebt und ein seitlicher Ernst das gewaltige Ereignis w:iht, herrscht in Berlin Terdrosfenhell. eine bange Schwüle Man hat den Eindruck, als ob bas Ideal des Sozialismus bie Regierungsmänner falt liehe. Doch auch bie Tätigkeit bes Mannes, der „Leidenschaft und Schwung" nicht vermissen | liest, Kari Li.blnechts. verursach'« Herrn Harten Hei beklemmu gen. Liebknechts Auftreten schZetze, so belehrte Heer Harden den bayrischen Bevollmächtigten, bie schwersten Gesah en in sich.
Harden sieht in ber Veröffentlichung der Geheimakten. der Bei Haftung ber Schuldigen unb der (Sinterung eines Staatsgerichtshoses bie geeigneten Mittel, um Liebknecht, „der gefährlich ist wie Sprengstoff, das Waller abzugraben unb bie Entente zu versöhnen. Gleich nach dem Eingänge des Muckleschen Berichts in München erhält Herr Mückle die telegraphische Weisung, „unverzüglich bei ber Reichsregierung Schritte zu tun. dah bie Urkunden über den Krieg umgehend ver- öllentlicht würden". Zu gleicher Zeit fing CiS - ner mit einer Akten-Veröffentlichung aus den Münchener Archiven an. 3m Ministerium des Innern und bei der bayerischen Gesandtschaft in Berlin befanden sich Akten, die nach Eisners Ansicht als Beweis dafür gelten konnten, dah der Hauplftiegsgrund von Deutschland gegeben worden sei
Diese Deröfsentlickungen rufen das Auswärtige Amt in Berlin auf ben Plan. Das Amt weist in Vorstellungen barauf hin, in welchem Maste diese Eisner schm Veröffentlichungen „die deutsche politische Arbeit gestört" hätten.
Später wird von München aus Verbindung mit Oesterreich und ber Tscheslowakei gesucht. Ein eigener diplomatischer Vertreter wurde nach Prag gesandt, ber vor allem den wirtschaftlichen Warenaustausch wieder in Gang bringen sollte, auf den beide Länder von jeher angewiesen waren. Mer die Bemühungen, böhmische Kohlen zu bekommen, um der Kohlennot in Bayern abzuhelfen, blieben ohne nennenswertes Ergebnis. Aus dem erstrebten Handelsabkommen ist nichts geworden. Dazu liefen beunruhigende Gerüchte um, die sicherlich nicht unbegründet waren, dah die Tschechen ihren französischen Freunden mit einem Vormarsch auf der Mainlinie entgegenkommen würden, wenn sich die Friedensverhandlungen zerschlagen sollten und dah sie an der bayrischen Grenze militärische Vorkehrungen träfen.
Dirrs Untersuchungen laufen in das Gesami- urteil auS, dast die auswärtigen Aktionen des bayrischen Freistaates unter Eisner wesentliches Wirrwarr gestiftet haben.
Deutscher Reichstag.
169. Sitzung, 2 Ahr nachmittags Berlin, 14. Febr Präsident Löbe widmet dem verstorbenen Ab- georbneten Konrad Haustmann (Dem.) einen herzlichen Rachruf, gedenkt der Tätigkeit des Verstorbenen als Vizepräsidenten der verfassunggebenden Rationalversammlung und seiner 30jäh- rigen Tätigkeit als Mitglied des Reichstags. In dieser Stunde, da sein Körper den Flammen übergeben werde, richte der Reichstag seine Gedanken in die schwäbische Heimat des Verstorbenen. Vizepräsident Dr. Riesser habe es übernommen, einen Kranz an seiner Bahre niederzulegen.
Das Haus tritt in die Tagesordnung ein und erledigt eine Reihe kleinerer Anfragen. Bemerkenswert ist lediglich eine Erklärung der Regierung, dast eine Festlandverbindung mit der Insel Sylt sich im Stadrum der Vorarbeiten befindet.
Es folgt die zweite Beratung deS Reichsmietengefetzes.
Die Deutschnationalen beantragen, ben ganzen Gesetzentwurf abzulehnen.
Ministerialdirektor Ritter: DaS Gesetz will den gesetzlichen Charakter der Wohnungsmiete fest legen, gegebenenfalls mit Hilfe des Mieteini- gungsamtes. Die Miete soll bestehen aus Grund- miete unb Friebensmiete vom 1. 3uli 1914 sowie Zuschläge für Betriebs- unb Derwaltungskosten sowie für laufende Instandsehungsarbeiten. Außerdem sollen Zuschläge erhoben werden für die sogenannten großen Instandsetzungsarbetten. Die Bestimmungen im einzelnen hat Die oberste Landesbehörde zu treffen, die auch anortnen kann, dast die Vermieter Beträge der Zuschläge für grvhe Instandsetzungsarbeiten übernehmen. Bei der Festsetzung der Zuschläge sind auch die Organisationen der Mieter und Vermieter zu hören. Der Entwurf legalisiert auch die Mietervertretungen der einzelnen Häuser und sieht Mieterausschüsse vor. Das Gesetz soll am 1. April 1922 in Kraft treten und zunächst vier Jahrs gelten. Ritter erklärt, es handle sich bei dem Gesetz um eine Sicherstellung des Hausbesitzers, ohne den Mieter unmäßig zu belasten, und wolle eine Mille darstellen zwischen Zwangsbewirt- schaftung des Hausbesitzes und der völlig freien Wirtschaft. Eine freie Mietpreisbildung, die die Miete ins Angemessene steigern würde, lehns die Regierung ab. Andererseits mühten aber auch die Vermieter mehr als bisher geschützt werden unb in die Lage kommen, notwendige Reparaturen ausführen-zu können.
Abg. Silberschmidt (S.) betont, dast dieses Gesetz keineswegs eine Sozialisierung des HausbelltzeS bedeute, vielmehr ein Schutz der Hausbesitzer fei Wir stehen dem Entwurf im allgemeinen jedoch sympathisch gegenüber, jedoch müssen Katuelen geschaffen werben, damit dem Hausbesitzer auch nicht in verkappter Form Zuwendungen gegeben werden und eine Spekulation entfesselt wird.
Abg. G u t k n e ch t (D.-Ratl.) lehnt das Gesetz ab, weil es ein Ausnahmegesetz sei, und derartige Kosten verursachen würde, daß es an sich selber zerschellen müßte. Der Zweck des Gesetzes sei die Sozialisierung des Wohnungsnrarktes, zudem bedeute ber Entwuri eine Verfassungsänderung Rur die freie Wirtschaft könne die Wohnungsnot steuern. Der Gedanke des Gesrzes sei zwar gut, die Durchführung aber unmöglich
Abg. Schleck (Z.): Das Gesetz beruht auf wirtschaftlichem Zwang. Dem Verfall der Häuser müsse vorgebeugt werden, sonst würde ein grober Teil des Rationaldermögens gefährdet. Weite Kreise ber Hausbesitzer sind schon verarmt und
können große Instandsetzungsarbeiten überhaupt I nicht ausführen lassen Einen neuen groben Be- | amtenstand lehnen auch wir ab. Eine höhere Grundmiete für gewerbliche Betriebe scheint durchaus gerechtfertigt. Das Gesetz ist durchaus mitieistandssreundlich und hat auch ben Reben- zweck, das Handwerk mefcr als bisher zu beschäftigen.
Rachd-enr Ministerialdirektor Dr. Ritter den Vorwurf der Verfaßungswibrigkeu mit Dein Satz: „Eigentum verpflichtet!" zurückgewiesen hat, bemerit Br. Hoythien (D. D.>, ber Grund für die Wohnungsnot sei darin zu suchen, daß während des Krieges und in ber Nachkriegszeit eine Angleichung ber Mieten an die Geldentwertung künstlich verhindert worden fei. Mit einem allmählichen Anpassen der Mietspreise wäre allen Sellen mehr gedient gewesen. Die Grundmiete müsse eine angemessene Verbindung des im Hause angelegten Kapitals sowie eine angemessene Abschreibung enthalten. Werde diese Bestimmung nicht in dem Gesetze aufgenommen, so sei der Entwurf für seine Partei unannehmbar.
Abg. Ku hn t (A. S.): Rur die Sozialisierung des Hausbesihes kann die Wohnungsnot beheben. Redner begründet alsdann eine große Anzahl von Anllägen. wonach bei allen Instandsetzungen ein Einvernehmen zwischen Vermietern und Mietern hergestellt werben muß. unb verlangt alsdann weitere Maßnahmen zunt Schuhe ber Mieter. Bisher haben bie Hausbesitzer alles in die Tasche gesteckt. Dem müsse begegnet werden. Seine Partei mache ihre endgültige Haltung von dem Ausgange der 2. Gelang abhängig.
Daraus wirb bie Weiterberatung auf morgen nachmittag 2 Ahr vertagt. Austerdem Abstimmung über das Vertrauensvotum bzw die Mißtrauensvoten für die Regierung
Schluß 61/« Ahr.
Turnen, Sport und Spiel.
Der Skiklub Wintersport-Gießen in Grünberg.
Am Sonntag fand, wie wir bereite meldeten, in Orünberg unter reger Beteiligung das vom dortigen Slillub ausgeschriebene Rennen stall. (Singelaben war der befreundete S k i k l u b Wintersport Gießen Das abwechslungsreiche Gelände brachte allen, die Grünberg noch nicht kannten, eine freudige Aeberraschung. Der Gangla'üf führte über 3'/r Kilometer mit starken Steigungen, Gräben unb Böschungsbindernissen. Am Start standen 18 Läufer Sieger wurde Wieg meyer - Braunfels, ber auch kürzlich am Hoherodskopf den Langlauf im Gießener Skiklub gewann. Zeit 22 Min 52 Sek. Zweiter wurde Sey d e l - Gießen in 24 Min 14 Sek, Dritter Walker- Gießen in 25 Min 43 Sek, Vierter Gerster ' Gießen in 26 Min 5 Sek., Fünfter W. TH vm e-Gießen in 26 Min. 45 Sek. Von ben Grünbergern erzielte die beste Zeit B ü r k h in 2? Min. 20 Sek Dankenswerterweise hatten bie Grünberger sogar einen Sprunghügel improvisiert. Den ersten Preis gewann Sey del- Gießen, den zweiten G e r st e r - Gießen, den dritten Walker. Als bester Grünberger sprang K l e i n w ä ch t e r , der im Sprung den 5. Platz besetzte. Den 1. Preis im kühnsten Sprung gewann G e r ft e r , den 2. Walker. Der Samen lauf über IV2 Km. verdiente Beachtung wegen des schwierigen Geländes mit vereisten Stellen. Erste wurde Frl. D a h m e r - Grünberg, Zweite Frl. S t e i n h ä u s e r - Friedberg, Dritte Frau ©elfter« Gießen. Den Seniorenlauf (über 40 Jahre) gewann Zimmermann- Gießen, Zweiter wurde S e i f a r t-Grünberg. Im Kunstlauf belegte Gerster ° Gießen den 1., Legler- Gießen den 2., Allmendinger- Grünberg ben 3 , Hergen röther- Gießen ben 4.. Trinkhaus- Grünberg ben 5. Platz. In der Zugenbklasse für Kunstlauf erhielt Wolff- Gießen (14 Jahre) mit vorzüglicher Bewertung ben 1. Preis, nachdem er auch mit besonderer Auszeichnung im Langlauf einen Preis erhalten hatte. Der Volks- und Zugendlauf mußte in zwei Klassen gelaufen teerten. Erster wurde Kappes, Zweiter Z ö ck e l, Dritter Eisenkraut Die 2. Klasse startete auf selbst gefertigten Skiern, die mit viel Geschick aus Fahkrnuben und Brettern hergestellt teuren. Anter allgemeinem (Jubel gewann Hamel ben 1., Paul ben 2., Trinkhaus den 3. und Adrig den 4. Preis (ebenfalls sämtlich Grünberger). Hamel gewann bann noch allseitige Sympathie, indem er auf seinen Faßdauben glücklich über ben Sprunghügel heruntersegelte.
Es hatte sich in dem herrlichen ©onnenteetter eine zahlreiche Zuschauerschaft eingefunben, die unter freudigen Beifallskundgebungen bis zum Schluß des Rennens ausharrte. In diesem Rahmen gewann die Veranstaltung das Gesicht eines wahren Volkssportfestes. Die Rermleitung lag in den bewährten Händen von Walther- Grünberg, dem für feine Tätigkeit besonderer Dank gebührt. Die Gießener schieden dankbaren Herzens und teerten das Verdienst der Grünberger um das Wiederaufblühen dieses edlen Sports nicht vergessen. *
— Fußball im Reiche. Mitteldeutschland: Leipzig Spielvereinigung gegen Viktoria 3:0 (Spielvereinigung ist dadurch Kreismeister), V. f. B. gegen Wacker 3:2, Dri- tannia gegen Eintracht 2:2, Turn- und De- teegungsspieler gegen Fortuna 1:0. Dresden: Ring gegen Guts Muts 2:0 (Wiederholungsspiel. Protest). Sport-Cluk» gegen Chemnitzer Ballspiel-Club 4:3. Brandenburg gegen Epielvgg. 5:4. Magdeburg. Viktoria 96 gegen Germania Halberstabt 2:1. Dessau: Sport und Spielvgg. Magdeburg gegen Dessau 05 3:1. In Halle fielen sämtliche Spiele aus. Chemnitz: 1. Sportverein (Jena gegen V. f. D 4:0. Erfurt: Spielvg. gegen Sport-Club 5:1. (Spielvg. ist dadurch Abteilungsmeister.) Westdeutschland: Dortmund Dortmund 95 gegen Essener Turnerbund 1:1. Borussia Dortmund gegen Germania Bochum 3:1, Dortmund 08 gegen Hattingen 2:0. Bochum P- eußen gegen Langendreer 2:2. Essen: Preußen gegen Alemannia Dortmund 2:1. Bur Erle: Bur Erle gegen Altenessen 1:3. G el sen- f träten: Gelsenkirchen 07 gegen Linden 1:2. Dielefeld: Arminia gegen D. f. B 2: 1. Hamm: Turn und Spiel gegen Hammer Spielverein 1:1. Osnabrück: Sport und Soiel gegen 99 1:0 Cronenberg. Sportclub gegen D. f. B Remscheid 3:1. Solingen: 95 gegen Borussia 5:3. Barmen: B. s. D. gegen Sonnborn 1:1. Rondsberg: F. C. gegen Ohligs 4:0. Herford: Anion gegen Osnabrück 06 9:3. Drackwede: Westsalla gegen Fortuna-Wacker
(Ulinben 2:5. Süddeutschland München: Bayern gegen Sportvereinigung 3: 0. Tum- gemeinde gegen 1860 4:3. Reichenhall: M. T. D. München gegen S S. Reich, ichall ausgefallen. Frankfurt a M : ®cr inia gegen Eintracht 4:1, S. C. Bürgel- gegen Isenburg 2. 1
-Spielvereinigung Fürth schlugt den Deutschen Fu ß b a l l m e i !> e r 3:2 (3:1) Dor 20 000 Zuschauern stanbc 1 sich am Sonntag in Fürth der 1. F E Rürtrderg und die Sbiclneremiiung Furth im crite: Spiel um b-c Meisierscha,t des Krei'es Rortvahem .c enülxr Aeb er rasche nberwei' e unterlaßen die 'Nürnberger nach scharfem, spannenden Kampf mir 2 3. In bei 8 Mircute verwirkte Hagen (Fürth) einen Elfmeter, ben Kalb (Rurnbergi veiiv.irbllle. Fürth kam bald start auf. Ein Angriff von Ku ’ v wurde durch unfaire Weise unterbunden Di Elfmrt-r oemanbclle Franz (Furth) zum cuv 1 senden Toi. Beide 'Mannschaften spielten , er'-ös unb zerfahren. In der 41 Minute veruirkte bzr rechte Verteidiger Dark eine Ecke, die Hiiwlander für Fürth einfanbte. Kurz vor dem We 'el erhöhte Franz durch eine glänzende Ei z Ile nung die Torzahl für Fürth auf 3:1, Rach bei Pause nahm das Spiel zeitweise recht scl-arfe Formen an. In der 17 Minute wurde Ri fei mögen einer Auseinandersetzung mit dem S"1. Trichter vom Platze verwiesen Ein scharfer Schuf) von Popp wurde von Lohmmim schlecht ab.ewehrt, so daß Träg bas zweite Tor für Rümderg ein- senden konnte. So blieb es bis zu:n Schluß. — Tas zweite Spiel um bie Meisterschaft geht am 19 Februar auf dem Platze ber Rürnberger vor sich
— Preise für Turnen unb Sport. An der Ayiversität sind zu den schon früher vorhandenen Preisen in diesem Semester vier neue Wanderpreise für Handball, ©erätcumen, Langlauf und Schwimmen getreten. Die Preise bestehen aus mit der Hand getriebenen Metalft l rietlen mit der Darstellung von Motiven aus Gießen unb Umgebung, besonders des Aniversitap »ebäudes mit der davor befindlichen Anlage, sowie des Blickes auf Gleiberg, Vetzberg unb Dünsberg mit der Stadt im Vordergrund nach einem alten Stich Von den Preisen sind zwei von der AniverfUät unb zwei von Geheimrat Sommer (Gießen) gestiftet. Letzterer hat außerdem, wie bereits vor einiger Zeit mitgeteilt, einen Wanderpreis mit Darstellung der Stadtkirche für den Wettkampf sämtlicherGiehenerTurn- und Sport vereine einschließlich der Studentenschaft gestiftet, bei- im (Juni 1922 auf dem akademischen Turn- und Spielplatz zum Ausllag kommen soll. Die Preise werden in dieser Woche in dem Blumengeschäft von Dietz, Seltersweg, ausgestellt. Sie sind vom Ziseleur Alohs Schmitt, früher in Gießen, jetzt in Wabern, hergestellt
Eduard Authcs *Y-
Am 7. d. Mts. verstarb zu Darmstadt an den Folgen einer Lungenentzündung der weitbekannte Geschichts- und Altertumsforscher Prof. Dr. Anthes, Hessischer Denkmalspfleger und Präsident des Historischen Vereins für Hessen, bis 1916 Professor am neuen Gymnasium zu Darmstadt. Er hat literarisch und praklisch für die Förderung und Verbreitung der Altertumswissenschaft eifrig gewirkt. Er wurde am 3. (Juni 1859 zu Brensbach im Odenwald als Sohu des Pfarrers H. Anthes geboren: seine Mutter gehörte der weitverbreiteten Familie Lucius an. Sein ganzes Leben lang war er, auf dem Lande ausgewachsen, ein treuer Sohn seiner schönen Heimat. Seine erste archäologische Arbell war die Herausgabe ber „Antiken der gräflichen Sammlung in Erbach". Seit 1897 gab er ben trefflichen Windhausschen „Führer durch den Odenwald" heraus. Ebenso dii prächtige „Klassische Bildermappe". Daneben verfaßte er zahlreiche Aufsätze in archäologischen und historischen Zeitschriften, bie fron bleibendem Werke sind. Sehr verdient machte er sich als Mitglied der ReichS- Limes-Kommission, sowie der römksch^germ^nischen Kommission. Die Pfahlgraben-Forschung verdankt ihm manche werwolle Deisteu .r Außerdem war er ein eifriger Tourist, der an den gemein- nühigen Bestrebungen des „Odenwaldllubst' lebhaften Anteil nahm. Er war ein liebenswürdiger, anregender Wandergenosse und ein trefflicher Gesellschafter. Sein Tod hat bei seinen za ^reichet' Freunden und Bekannten lebhafte Teilnahmc erweckt. Dr. A. R.
Dermischtes.
Bestechliche Beamte.
Berlin, 14. Febr. (WTB.) Wege« Bestechung wurden zwei Beamte von den Berliner Wohnungsämtern namens Zweck und Buchholz üerurteilt, der erstere zu 6 Monaten Gefängnis und 10 000 Mk. Geldstrafe, letzterer zu 5 Monaten Gefängnis und 800 Mk. Geldstrafe. Ein Angestellter der Erwerbslosenfürsorge namens Strupp erhielt wegen Beihilfe dazu einen Monat Gefängnis und 1000 Mk. Geldstrafe. Die Verurteilten hatten durch den Inhaber der Woh- nungstauschzentrale gegen hohe Provisionen Wohnungen vermittelt. Wie der Staatsanwalt feststellte, war in den Listen der beiden beteiligten Wohnungsämter min- bestens ein Drittel aller Einttagungen fingiert. Sobald einer dieser fingierten Bewerber an die Reihe kam, wurde fein Rame durch den eines zahlungsfähigeren Bewer- bers ersetzt.
Gattenmord.
Nürnberg, 14. Febr. (WTB.) Priv.« Tel. Der Direkwr Kahl des hiesigen Kaufhauses Graird Bazar wurde in seiner Wohnung erschossen aufgefunden. Ebenfalls in der Wohnung lag tödlich verwundet seine Ehefrau, eine geborene Belgerin. Anscheinend ist Kahl von seiner Frau erschossen worden, die darauf die Waffe gegen sich richtete. Der Grund zur Tat soll Eifersucht der Ehefrau gewesen sein. ___________
B^ukiroj
PVV- fc-'-seitigt schne'iv<.*>erund sdirr^rzk»
Jn Motnhaul. Schw^do*
HeK u. Ärztlich erhöhten
HM Dienen ernÄlthcTX./ M c<*ehrt
Drogerie Noll, Bahnhofstraße 51. GimA


