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Erster Blatt
172. Zahrgang
Zreitag, 15. Januar 1922
SiehenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
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Rücktritt des Kabinetts Briand.
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6 als Nachfolger DriandS in Dvr- tcht. 3n den Kreisen der Kammer
Po i nc are
Platz für eine gerechte Abwägung der vitalen Interessen Frankreichs, für Mahnahmen, die einen neuen Gewaltstreich verhindere könnten. Einen wahrhaften Frieden könne man nicht auf Ungerechtigkeit ausbauen dadurch, daß man die Der» nichtenl^n Kriegslasten auf die Länder abwälze, die das Opfer des Krieges gewesen seien, um den zu entlasten, der aus verbrecherischer Absicht den Krieg, entfesselt habe.
Hierauf ergreift Ministerpräsident Briand das Wott, am eine Erklärung abz2° geben. Sie Kammer ist sehr stark besetzt. Mehr als 500 Abgeordnete sind antce end. Briand beginnt damit, zu erklären, er wisse nicht, ob es nicht die Pflicht der Vertretung F ankreichs fei, sich anderwärts zu befinden. (Widerspruch rechts ) Aber er habe geglaubt, es sei seine Pflicht, dem Lande und dem Parlament die Wahrheit zu sagen, um die falscher und lügenhaften Nachrichten zu widerrufen. Seitdem er ach der Konferenz in Cannes sei, seien Nachrichten Verb e.tct worden, die ungenau seien. Briand e i.mect an die Erklärungen, die er als Antwort auf die Anfrage des Abg. Klotz abgegeben t>ibe uw fährt fort, die Negierung stelle das Parlament nicht vor eine vollendete Tatsache. Sie gibt Auskünfte über die Unterhandlungen, was noch wenige Negierungen getan haben. Sie gibt Erklärungen ab, während die Konferenz mitten in den Arbeiten steht. Ob das die Berhandlungen erleichtern wird, ist nicht sicher. Aber es scheint notwendig zu sein, um die Beunruhigung der öffentlichen Mei urg zu verscheuchen. Man diskutiere in Cannes das ernste und bedeutende
Präsident hebt die Sitzung auf, die er unter all-- gemeiner Erregung aus kommenden Donnerstag vertagt. Die Sitzung war um 4.40 Uhr (französische Zeit) beendet.
Eine Rcde des Scnatspräsidcnten Leon Bourgeois.
Paris, 12. Jan. (WTB.) Aach einer HavaS- Meldung ist der bisherige Senatspräsident Leon Bourgeois mit 205 von 220 Stimmen »um Präsidenten des Senats wiedergewählt woroen.
Paris, 12. Jan. (WTB) Bei der lieber- nähme seines Amtes als Präsident des Senats hielt Leon Bourgeois eine Nede, in der er zunächst auf die schwierige finanzielle
gelegt werden könne.
Briand vor der Kammer.
Paris 12. Jan. (WTB.) Zu Beginn der heutigen Kammersihung hat der wieder- gewählte Präsident Naoult Peret die übliche 'Antrittsrede gehalten, in der er u. a. sagte:
Die Bolker, die fieberhaft nach einem Allheilmittel suchten, das alle Kriegsleiden heilen könnte beobachteten sich mit offenkundigem Miß- trauen. Dieses Unbehagen laste in ziemlich beunruhigender Weise auf den natioiialen Beziehungen. Selbst der Gedanke der Gerechtigkeit habe eine starke Einbuße erlitten. Entstelle mannicht die Absichten Frankreichs, ind«n man es als kriegerische Nation, die die Beherrschung fuct«, und die das Volk aufgebläht habe, stelle?Das nehme Frankreich nicht an. Es gebe kein Land das ein größeres Interesse am Weltfrieden habe als Frankreich, und es gebe auch kein Land, das entschlos erer sei, ihn aufrechbzuerhalten Seit seinem Siege habe Frankreich ungeheue^ Opfer gebracht, damit niemand das Recht habe, sein Wort in Zweifel zu ziehen. Was habe Frankreich nicht vor 1914 unternommen, damit Der Weltfriede nicht gestört werde?
Der Imperialismus, Der Militarismus und Der Evoberungsgnst seien anderweitig zu finden gewesen. Man sei aber noch nicht 9W sicher dast er nicht noch dort zu finden fei. Aber zwischen einer Haltung der Provozierung und e ner Art Nachgiebigkeit, gegen Die sich das nationale Empfinden auflehnen wurde, gebe es
diesen Umständen habe er die Verhandlungen mit Lloyd George begonnen. Briand entrüstet sich darüber, daß man verleumderischerweise erklärt habe, England habe Bedingungen gestellt, die für die Würde Frankreichs unannehmbar seien. Es sei entschieden worden, daß die Frage von Tanger .den Gegenstand von Berhandlungen bilden solle und die Orientangelegenheiten von den drei Außenministern Frankreichs, Englands und Italiens nach der Konferenz von Genua durchgefprochen werden sollen. Er babe feinem englischen Kollegen klar gemacht, daß es nicht im Interesse Frankreichs allein, sondern im allgemeinen Inrer- esse von Frankreich und England liege, einen Vertrag abzuschlietzen da die Grenze Frankreichs mit Deutschland auch die Grenze Englands sei und Da England, wenn es diese verteidige, zugleich seine Existenz verteidige. Mit Entrüstung tadelt Briand die, die geschrieben haben, die Allianz der beiden Völker sei eine Erniedrigung, weil Frankreich seine Stellung am Rhein aufgeben müsse. Diese Gerüchte seien falsch. Im Qlugen- blick, in dem er Cannes verlassen habe, habe Lloyd George ihm erklärt, dah die englische Regierung vollkommen Den französischen Standpunkt einnehme. Gestern fei ihm ein Versprechen gegeben worden, durch das sestgelegt werde, dah Die Garantien der Artikel 42, 43 und 44 des Friedensvertrages ungenügend seien, um den Frieden im gemeinsamen Interesse von Frankreich und England sicherzustellen, und dah, wenn diese Grenze bedroht werde, Großbritannien m i t allenseinenStreitkräftenzuWasser und z u Lande an der Seite Frankreichs stehe. Ein Abgeordneter der Rechten, der dazwischen ruft: England hat ja kein Heerl, wird zur Ordnung gerufen. Briand fährt fort, er sei der Ansicht, dah eine derartige Garantie nicht gering angeschlagen werden könne. Wenn sie das Land besitze, werde es sie zu würdigen wissen. Aber toenrt am Tage nach einer großen Konferenz zwischen den Völkern zu der Friedensgarantie durch Aufrechterhaltung Der belgischen und französischen Grenze noch ein Abkommen käme, das die Ost grenze garantiere, habe er doch die Empfindung, dah etwas geschehen sei, um den Frieden aufrechtzuerhalten. Er täusche sich vielleicht, aber angesichts derartiger Probleme mühten die Politiker ihre Verantwortung übernehmen. Er habe geglaubt, die wünschenswerte Autorität zu besitzen, um im Namen Frankreichs zu sprechen, aber — Briand macht eine Bewegung, dah er enttäuscht sei — und fährt fort, aber er habe nicht das Recht, auf einen Kampf post en zu treten, wenn er nicht die Gewihheit babe, keinen Dolchstich zu erhalten. Der Minister- Präsident müsse eine vollkommene unantastbare Autorität haben. Er könne nicht sagen, dah er die nötige moralische Kraft besitze. Er babe von weitem gefühlt, dah er nicht daS volle Vertrauen besitze, er bleibe aber Dabei, dah die Verhandlungen mit den Alliierten Frankreichs nützlich seien. In keinem Augenblick seien Die Interessen Frankreichs vernachlässigt worden.
Weiter hat Briand nicht gesprochen. M 11 einer Geste Der Entmutigung verlaßt er die Rednertribüne und begibt sich auf seinen Platz. Zum Erstaunen einer großen Anzahl von Deputierten nimmt Briand seine Mappe unter den Arm und v e r l ä h t mit sämtlichen Ministern die Kammer. Die Sozialisten schrien: Auflösung! und Der Kammer-
schlag gebracht. In Den Kreisen der Kammer ist man der Ansicht, dah hauptsächlich die Leichtigkeit, mit der das Kabinett und das Parlament die vagen Gerüchte über die Verhandlungen in Cannes aufnahmen und die von Den beiden KammerauSschüfsen angenommenen Tagesordnungen Briand zur Demission gestimmt haben. Einige Abgeordnete glauben, Briand sei zurückgetreten, um daS Kabinett umzubilden. Aber die meisten nennen P o i n - care als Nachfolger Briands. Einige Abgeordnete Der Linken und der äußersten Linken halten die Auflösung der Kammer für angebracht, da sie dem Lande Gelegen» heit geben würde, seine Meinung auszusprechen. Viele Abgeordnete bedauern es, dah daS Kabinett ohne Parlamentsabstimmung zurückgetreten ist und befürchten, dah im Auslande die Gesinnung der Kammer falsch aus-
Reparativnsproblem und Den Wiederaufbau Europas. Man spreche v.el vom Fried.n, aber es genüge nicht, Davon zu reden. Man müsse Den Mut haben, Die erforderlichen Handlungen za unternehmen. Damit er realisiert werden könne. Sonst könnten Die Völker noch lange auf ihn warten. Für ein Volk wie Das französische genügt es nicht, Dah seine Grenzen garantiert sind Es gibt Grenzen, diö noch fein Friedens- Vertrag hat anerkennen lassen, über Die jeden Augenblick ein Krieg sich entrinnen kann. Frankreich kömie sich nicht Desinteressieren, Denn, wenn es Das heute tue, werDe es nottoenDigertoeife morgen ein Opfer werden. Es sei eine Notwendigkeit für Die Völker, sich zu vereinigen, um etwas OrDnung in Diese ilnorDnung zu bringen unD etwas Sicherheit in Dieses Chaos. Er sei In keiner Weise beengt, in Cannes Stellung zu nehmen, Demi er habe im Senat als Antwort auf Die Frage Ribvts erklärt, er halte Die Solidarität Der Völker für notwendig. In diesem Sinne habe Die Konferenz von Cannes eine Entscheidung getroffen. Aber Das Reparationsproblem fei Davon nicht berührt worDen. Der Friedensver- t r a g von Versallleskönnenlcht Den Gegen st anD irgenDeiner Diskussion bilDen, und Die Klauseln, Die Die Sicherheit Frankreichs gewährleisten sollen, stünden außerhalb Der Debatte. Davon könne man nicht abgehen. Die Tagesordnung Der Konferenz von Genua sei wirtschafllicher Art. Er wisse ganz genau, Daß man alles voraussehen könne, aber Die Völker, Die an Der Konferenz teilnehmen würden, muhten Garantien annehmen. Was hätte man von Den Vertretern Frankreichs gesagt, wenn eine Derartige Konferenz ohne sie entschieden worden wäre? (Der Ministerpräsident wird von verschiedenen Seiten unterbrochen.) Er fährt aber alsdann fort, indem er von Der Zusammenarbeit im Botschafterrat spricht. Er sei davon überzeugt, so sagte er, dah, wenn Deutschland gewußt hätte, dah ein Bündnis zwei Großmächte, wie Frankreich und Großbritannien mitemanber verbunden hätte, es nicht zum Kriege gekommen wäre. Was die Reparationen anbetreffe, so babe Deutschland von Der Reparationskommiision Zahlungsbe.abfetzung und Zahlungsfrist rerlangt, also ein Moratorium. Die Reparationskommission habe das Recht, mit Mehrheit Zahlungsaufschub zu bewilligen. Frankreich habe in dieser Kommission nicht Die Mehrheit. Es hänge nicht von ihm ab, ob Das Moratorium bewilligt oder abgelehnt werde, und er könne nur sagen, dah Die Mehrheit für da s Moratorium f e ft -
Darüber seien die herzlichsten Verhand'ungen in Cannes geführt worden. F.ankreich trrli.re nicht einen Centime ban seinen Forderungen. England bringe ein großes Opfer, wofür Belgien anD FraMreich dankbar seien. (Die Rechte unterbricht Briand wiederum.) Briand entrüstet sich Darüber, daß politische Absichten in Die Debatte bineingetragen werden. Er erläutert alsdann, welche Vorteile Frankreich daraus ziehe, daß eine neue Kombination über Die Zahlung Der Saargruben gefunden worden sei. Briand fährt fort, indem er erklärt. Die Schwierigkeit wegen der 400 Millionen Mark bezüglich Der Saargruben sei also zu Frankreichs Vorteil gelöst worden. Er wisse ganz genau, daß Die ungünstigen Fragen gegen Die Regierung ausgebeutet würden, währenD man über Obecschlesien, Ruhrort, Düsseldorf und andere günstige Lösungen schweige, weil man Dies alles rasch vergessen habe. Frankreich sei in Der Lage, mit einem Gläubiger Der sich mit an Deren Gläubigern an einen Tisch gesetzt habe über Die Unmöglichkeit eines Schuldners, zu bezahlen, zu verhandeln. Man könne nein lagen. Aber- alsdann müsse man sich vor Augen halten, was sich ereignen werde. Es sei ja sehr leicht, zu behaupten, die Regierung gebe Die Rechte F ankreichs Preis. Aber er wünsche, daß das Volk und das Parlament aus Der Atmosphäre der Beunruhigung herauskämen. (Es entsteht wieder ironischer BÄfall.)
Briand macht Miene, Die Kammertribüne zu verlassen. Kammerpräsident Peret hält Briand zurück. Der Die wenigen Stufen, Die er bereits von Der Rednertribüne herunter gestiegen war, wieder emporkkettert und ruhig abwartet, bis Kammerpräsident Peret seine Rede beendet hat, in der er in Der schärfsten Weise Die Abgeordneten tadelt, die den Ministerpräsidenten in systematischer Weise unterbrechen. Briand fahrt fort, indem er sich über die Lage in Deutschland ausspricht; niemand habe Voraussagen können, daß Die Mark ihren Wert parliere. Der Beweis dafür sei, daß die vorausgegangenen Regierungen Milliarden davon in Den Safes hätten liegen lassen. Der R^rner geht alsdann dazu über, von Der französisch-englischen Allianz zu sprechen. Die für Die beiDen Länder von Nutzen sei. Unter
Lage Frankreichs zu sprechen kam und anbeutete, daß möglicherweise eine weitere Erhöhung der Steuerlasten notwendig sein werde. Ferner fei eine Verminderung der Ausgaben und eine energische Reform Der Derwaltungsmethvden im Sinne einer Vereinfachung und Dezentralisation nötig. Man Dürfe nicht vergessen, daß in allen Ländern und zu allen Zeiten finanzielle Krisen Die Vorboten von Revolutionen gewesen seien. Frankreich habe das Schlimmste schon überstanden, aber die Zeit Der Opfer fei noch nicht abgefchlos en. Die ernsteste Frage der auswärtigen Politik fei Die Der Ausführung Des Friedensvertrages. Tat'ächlich fei er bis hm le auch noch nicht ausgeführt worDen. Frankreich habe bis zum heutigen Tage, das, woraus es Anspruch habe, noch nicht erhalten. Deutschland habe erklärt, daß es nicht zahlen könne. Die Unaufrichtigkeit Diejer Versicherung springe in die Augen. Deutschland besitze im Auslande beträchtliche Werte. Während Deutschland einen Teil seines Aktivums verheimliche, ruiniere es sich im Innern des Landes freiwillig, indem es unablässig seine Ausgaben vermehre und es ablehne, die Steuerlasten ebenso hoch zu machen, wie sie in Frankreich sind. Dabei sei Die Wirtschaftskraft Deutschlands wesentlich ungeschwächt. Die Taktik sei klar. Deutschland sei nur Darauf aus, Die Alliierten zu veruneinigen. Es sei sicher. Daß es keine Negierung in Frankreich gebe, Die einer Verminderung der Ansprüche Frankreichs, wie sie sich aus Dem Zahlungsstatut ergeben, zustimmen würde. Im weiteren Verlauf feiner Rede kam Bourgeois auf die Konferenz in Cannes zu sprechen. Ev sprach die Hoffnung aus, daß sie zu einem Bündnis zwischen Frankreich und England führen werde. (Beifall.) Was die wirtschaftliche Reorganisation Europas betreffe, fo erkenne Der Senat ihre Notwendigkeit an. Er sei aber der Meinung, dah diese Frage von Det Der Reparationen streng getrennt werden müsse. Bourgeois hob Die Notwendigkeit Der Einigkeit unter Den Alliierten bei der Vertretung der gemeinsamen Rechte hervor. Wenn Frankreich und Belgien die Gewißheit hätten, dah ihre gerechten Ansprüche auf Reparationen erfüllt würden, so würden sie auch mit aller Kraft an der Wiederherstellung des Wirtschaftslebens Der Welt mitarbeiten. Zum Schlüsse seiner Ansprache kam Bourgeois auf die ^abscheuliche Kampagne" zu sprechen, Die gegen- toärtig gegen Frankreich mit dem Zwecke, es zu isolieren unD sein moralisches Ansehen zu schwächen, geführt werde. Er verwahrte sich gegen den Vorwurf des MllttarismuS und Imperialismus.
Briand au Lloyd George.
Paris, 12 Jan. (HavaS.) Briand hat folgendes Telegramm an Lloyd George gerichtet: Der Minister Der auswärtigen Angelegenheiten an Den Vorsitzenden des Obersten Rates in Cannes, Lloyd George: In Anbetracht Der politischen Umstände, die ich bei meiner Ankunft in Paris vorgefunden habe, war ich Der Ansicht, Dah eS mir nicht möglich sei, Den Vorsitz im Ministerrat zu behalten. Da ich Dem Herrn PräsiDenten der Republik den Rücktritt Des Kabinetts unterbreitet habe, kann ich nicht nach Cannes zurückkehren, um an Den Arbeiten des Obersten Rates teilzunehmen. Ich bitte Sie, dies unseren Delegierten Kollegen mitzuteilen, und ihnen gleichzeitig meine Bitte um Entschuldigung und DeS BeDauernS zum Ausdruck zu bringen. Daß ich Die Zusammenarbeit mit ihnen aufgeben mußte. Was Sie, mein lieber Herr Lloyd George, persönlich betrifft, so tut es mir besonders leid, Dah wir Die Unterhandlungen, Die wir im Interesse unserer beiden Länder und im Interesse DeS europäischen Friedens begonnen hatten, und die ich so gerne zu einem guten Erfolg geführt hätte, nicht zu Ende führen konnte. Ich hoffe, daß mein Nachfolger sie wieder mit Ihnen aufnehmen wird und dah er glücklicher als ich die 2lbsichten verwirklichen kann, die wir angestrebt hatten. Ich bitte Sie, den Ausdruck meiner ausgezeichneten Hochachtung und Ergebenheit zu genehmigen, (gez.) Briand.
Erklärungen Rathenaus vor dem Obersten Rat.
Cannes, 12. Jan. (WTB.) Der Son» derberichterstatter des Wölfischen DureauS meldet: Die Sitzung des OberstenRa-« teS wurde durch Lloyd George eröffnet, der die deutsche Delegation deren
Der französische Ministerpräsi- d e n t, der Den Kvnferenzort Cannes, ohnehin wohl schon zum Aerger Der übrigen Delegationen, und namentlich Lloyd Georges, eilig verlassen hat, um der in Paris, in Kammer und Ministerrat sowohl als auch im Elhsee, umgehenden Unvernunft entgegenzuwirken, hat vor Der Kammer noch einmal eine lange Rede gehalten, in Der er sich gegen die Schläge der Nationalisten mühsam verteidigte. Er fand eine Stimmung vor, die er nicht mehr beherrschen konnte, und trat mtt feinen Kollegen endgültig vom Schauplatz ab. ES steht schon fest, daß Poincarä, der ausgemachte Deut- schenfreffer, ans Ruder kommt. Lloyd George kann also feine Denkschrift, die gestern in der deutschen Presse veröffentlicht worden ist, wieder in die Aktenmappe zurücknehmen. Die englisch-französischen Beziehungen werden wohl eine weitere starke Abkühlung erfahren. Im übrigen muß man ein Urteil über die Wirkung deS Wechsels in Frankreich zurückhalten — bis die Stimme der neuen Pariser Gewalthaber zu vernehmen ist. So wird Lloyd George denken, und so müssen noch mehr die Deutschen, soweit sie in der Oeffentlichkeit und den Aemtern etwas zu sagen haben, die gleiche Zurückhaltung sich auferlegen. Die Reichsregierung müßte freilich zu festem und sicherem Handeln vorbereitet sein.
Paris, 12. Ian. (WTB.) Offiziell wird gemeldet: Nachdem Briand in Der Kammer eine Erklärung abgegeben hatte, in Der er seine Haltung in Cannes rechtfertigte, begab er sich ins Elysee, um Die Demission Des Ministeriums anzukündigen.
Paris, 12. Jan. (HavaS.) Der Präsident der Republik, Miller and, hat den Rücktritt des Kabinetts Briand angenommen.
Paris, 12. Jan. (WTB.) Der Prä- sident der Republik hat bereits feine politischen Verhandlungen zur Lösung der Mi- nisterkrise begonnen. Um 6 Uhr hat er den Kammerpräsidenten Raoul Peret empfangen.
PslnearS mit der Bildung des Kabinetts betraut.
Paris, 12. Jan. (HavaS.) Poincars ist mit der Bildung des neuen Kabinetts be- aufttagt worden. Er wird morgen seine endgültige Antwort geben.
Der Kammerpräsident Peret hat
stehe. (Bei diesen Äußerungen des Ministerpräsidenten kommt es zu stürmischen Szenen. Einige Abgeordnete auf der Rechten rufen: Briand müsse vorsichtig sein, wenn er Auskunft
Briand fährt fort: Das ist eine Tatsache. Es gibt eine Mehrheit, die nach Prüfung den Zahlungsplan abändern will. (LLon Daudet ruft dazwischen: Das ist bedauernswert.) Ministerpräsident Briand wartet einige Minuten, bis sich der Lärm gelegt hat, und Kammerpräsident Peret fordert die Kammermitglieder auf. den Ministerpräsidenten in Ruhe an uhören.)
Briand fährt dann fert: Das ist t.’tne Regie ungssrage. Hören Sie doch zu, wie tre t Die Dinge gediehen sind. Weil es unmög'ich ist, Diesen Zahlungep an zu verhindern, t t iie fran- zs f s he ‘jie; erunj b:mi h , Die fra z sf 'ei Interessen |i<tik?r.:.u teilen. Wern Der Zaylungsplan für 1922 abgeänbe t sei, welche Garantie habe man Da, Damit Die Lage nicht 1923 Die gleiche wäre? Frankreich habe cuf seine Leiden Angewiesen, auf die Lage seiner Finanzen und erklärt, es könne nicht zugeben, daß das Iahr 1922 es auch nur um einen Centime beraube. Wenn der Zahlungsplan abgeändert werden müsse, verlange Frankreich, daß Garantien für eine Kontrolle gegeben mürben die Deutschland verpflicht ten, das zu unternehmen was es bis jetzt noch nicht getan habe.


