Ausgabe 
12.4.1922
 
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'GcLpcm toggen Der Besetzung voü russischen Ge- bieten im fernen Osten. Der rumänische Delegierte Bratianu wies den russischen Protest mit der Erklärung zurück, daß Bessarabien kraft der Volksabstimmung und durch den Vertrag, dem drei der einladenden Konfersnzmächte zugestünmi haben, zu Rumänien gehöre. Rochdem auch der Delegierte Japans den russischen Protest schärf zurückgewiesen hatte, erklärte de Facte. daß der russische Protest nicht zugelassen werden könne. Die Sitzung wurde hierauf auf nachmittags 31/2 Ufjc vertagt. Die zweite Kommission (A- nanzkommission) wird ebenfalls nachmittags 4 Uljr zusammentreten, die beiden anderen, die Wirtschafte,- und Derkehrslommission morgen vor­mittag um 10 Uhr.

Llohd Georges Ideen einer Rüstunqspause.

Paris. 12 April. (WDD.) Der Sonder­berichterstatter d^sEcho Paris" in Arn2a will erfahren haben, daß Lloyd George seinen Vorschlag, eine Rüstungspaufe von 10 Jahren eintreten zu lassen, der aufgebaat ist auf dem Vorschlag von Hughes, einen Flotten- seiertag anKunehmen, baldigst in Genua Vorbrin­gen werbe. Der Vorschlag sei vollkommen re­digiert und werde in Kürze verteilt werden. Lloyd George werde den Besprechungen in Bou- logne treu bleiben und in Genua die De 0 alte über eine Abrüstung vermeiden. Aber indem er alle Staaten cruffordere, sich gegen-- feilig für 10 Jahre ihre Grenzen zu garan­tieren. hosse er allen Kräften, die ui Europa für die allgemeine Abrüstung arbeiten, einen Antrieb geben zu können. Es sei unnütz, zu bemerken, das), da die russische Entwaffnung nicht nachprüfbar sei. die deutsche theoretische voll­zogen und die englische ausgeführt sei. Das ganze Unternehmen werde nur gegen Frant- i:ei <t) gerichtet werden. Frankreich solle eben der Notwendigen Kraft zur Ausführung der Verträge beraubt werden, dann sei die Revision auto- r.ratisch angeschnitten, besonders aber die Re­parationen feien in Frage gestellt.

Der LLiederaufbanplau der Russen.

Paris. 12. April. (WTB.) Sin Be­richterstatter desJournal" will in großen Zügen den Wiederaufbauplan der Russen kennen gelernt haben, den die russische Delegation der Konferenz unterbrei­ten will. Die Sowjetregierung erkenne voll­kommen die alliierten Schulden der alten Re­gierung an. verlange aber Zahlungsau f- s d) u b. Sie verlange außerdem vollkommene wirtschaftliche Freiheit und würde ein Gesetz erlassen, um die Sicherheit der Kapitalien itnd der geschäftlichen Transaktionen zu gewähr­leisten. Sie verlange keine Entschädigung für die Offensiven, die gegen sie unternommen worden seien, wenn man auch von ihr keine Entschädigung verlange. Dauernde und voll­kommene Konzessionen würden nicht erteilt werden, sondern nur zeitlich und örtlid) be­grenzte für industrielle, landwirtschaftliche und 1>ergwerkliche Zwecke. Man werde besondere Gerichte einsetzen, um die Streitfälle mit Aus- - ländern zu schlichten.

r, Eine Beratung

2 r ' der deutschen Delegation.

y . Genua, 11. April. (Wolff.) Heute morgen - 'rat die deutsche Delegation zu einer Sitzung mit den Sachverständigen zusammen. Der Reichskanzler gab in großen Linien ein Bild der politischen Lage, wie es sich aus dem Ver­lauf der gestrigen Eröffnungssitzung ergibt. Hier­auf wurden die Delegierten und die stellvertre- teiibcn Delegierten für die erste Sitzung der all­gemeinen Konferenz bestimmi. Hauptdelegierte find Reichskanzler Dr. Wirth und Reichs- Minister des Aeußern Dr. R a t h c n a u: als stellvertretende Delegierte fungieren die Staats- jetretäre. Den Delegierten werden Sachverstän­dige beigegeben werden. Heute nachmittag um 4 Ubr werden sich alle Sachverständige zu einer Vollsitzung zusammenfinden, nachdem bereits he ite vormittag die Unterkommissionen getagt hatten.

Der Widerhall in der englischen Presse.

London, 11. April. (Wolff.)Daily Chronicle" berichtet aus Genua zu der Eröffnung der Konferenz, Lloyd George kämpfe, wie er es seit Jahren nicht mehr getan habe, mit dem Eifer eines Kreuzfahrers' und mit der Geschicklichkeit eines Fechtmeisters. Es

Gießener Stadtlheater.

Heber den Wassern.

Drama von Georg Engel.

Gießen, den 12. April 1922.

linier der groben Schar derJüngsten" Hal sich Georg Engel durch zahlreiche Ro­mane, Rovellen und Dramen einen Ramen zu schassen gewußt, der weiteste Verbreitung genießt. Ein abschließendes Urteil über die Kunst des Dichters zu fällen, wird der Folgezeit vorbe- >halten bleiben, wenn sein Lebenswerk als Gan­zes überblickt werden kann. Unstreitig enthalten aber besonders seine Romane wertvosse Stellen, die nicht nur den Beifall einer besonderen Ge­schmacksrichtung finden. Zum großen Teil suchen sich seine Werke einen durchaus bodenständigen Charakter zu wahren, der uns in die Heimat des in Greifswald gebotenen Dichters führt.

Auch das DramaUeber den Was- fern" spielt an der Meeresküste. Allerdings ist mit dem Schauplatz der Handlung im wesent­lichen auch die lokale Eigenart erschöpft. Die Per­sonen tragen, soweit sie als Ortsansässige aus- treten, keine hervorstechenden Züge, die sie als typische Küstenbewohner kennzeichnen. Ueberha lpt liegt der Wert dieser Schöpfung mehr in der Schilderung der Ereignisse, dih den Menschen zum Spielball der Raturgewalten machen, als in der Gestaltung der Personen. Auch in seinem dramatischen Schaffen zeigt hier- der Autor, daß seine Stärke in der Romandichtung liegt. Der Gang der Handlung ist in großen Zügen fol­gender: Zn das sittlich verwahrloste Fischerdorf, dessen alter Seelsorger sich im Laufe der Zahce dem moralischen Riveau seiner Bewohner an- gepaßt Hal, wird der junge Pfarrer Holm an­stelle des seines Amts enthobenen Pfarrers Sie­wert Lesandt. Der junge Geistliche sucht nun mit etwas gewaltsamen Methoden das Fischer- voll wieder zu Arbeit und besserem Lebens- wandel zu bekehren. Doch eine gewaltige Sturm­flut macht diesem Streben jäh ein Ende. Das

sei wähl kein Zweifel gewesen, daß bei den Worten Llohd Georges,das Geknurre in Europa gehe weiter", sein Gesicht der französisd)en Abordnung zu­ck e w a n d t war. Weiter an die französische Ansicht sei der Ausspruch gerichtet worden, daß der Nutzen eines Landes nicht notwen­digerweise den S cha d e n eines anderen Can* des /bedeuten müsse. Er habe den Gedanken, daß die Konferenz nur der technischen Frage bezüglich der Währungsverhaltnisse und des internationalen Handelsverkehrs gelte und daß die Aufgabe der Konferenz die Behandlung dieser Frage sei.

Daily Herald" schreibt, Lloyd Ge­orge hoffe, die ReparationS- und die Abrüstungsfrage durd) seinen Eigensinn hereinzubekommen.

Westminster Gazette" schreibt, man könne nicht ganz ohne Hoffnung sein, daß sich die Konferenz als besser erweisen werde als ihr Programm. Großes sei bereits erreicht worden. Abordnungen Europas einschließlich Deutsck)lands und Rußlands seien unter den gleichen Bedingungen zusammen- gekommen. Rach diesen Ereignissen könnten die Dinge nicht mehr schwer sein. Es sei zuzugebcn, daß Europa nicht mehr ein Paradeplatz für die Alliierten sei.

D a i l y R e w s" schreibt, wenn die Kon­ferrenz erreichen sollte, daß Rußland seine an­erkannte Stellung in dem Rate Europas wie­der erhalte, so sei die Konferenz der Mühe wert gewesen.

Der Chefredakteur der i m e S", Wick- ham Stead, meldet seinem Blatte aus Genua, das Schreiben des Papstes an den Erz­bischof von Genna habe in verschiedenen Krei­sen einen peinlichen Eindruck gemacht und werde als Annahme des deutschen und grvhdeutschen Standpunktes angesehen. In anbetracht der bisherigen engen Beziehung zwischen dem Vatikan und dem Quirinal sehe man das Schreiben des Papstes als einen Beweis der Uebereinstimmung an, die zwischen dem Papste und den italienischen Bestrebungen bestehen. Die Italiener und Ja­paner hätten während der ganzen, der Eröff­nungssitzung vorausgehenden Erörterungen die Ansichten der britischen Abordnung un­terstützt.

Die Haltung der Reparations­kommission.

Paris, 12. April. (WTB.) Wie das Oeuvre" mitteill, wird die Reparativns- lvmmissivu schon heute in offizieller Sitzung eine Entscheidung über die deutsche Rote treffen. Die Mitglieder der Kommission seien in ziem­licher Verlegenheit. Sir Iohn Brad- b u r 1) habe seinen Kollegen auseinandergeseht, daß es gefährlich und besonders inopportun sei, von den Alliierten jetzt Sanktionen zu ver­langen. Die Reparationskommissioit würde, nicht nur abdanken, sondern auch hierdurch vielleicht unwiderruflich die Versuche der Einigung in Genua kompromittieren. Auch der französisch: Finanzminister de Lasteyrie, den die Mit­glieder der Kommission gefragt hätten, habe die Ansicht ausgesprochen, man müsse eine zuwar- tende Haltung einnehmen. Unter diesen Um­ständen hätte man einen abwartenden Entschluß zu erwarten. Die Kommission werde sich bis zum 31. Mai gedulden, für welchen Zeitpunkt sie von Deutschland den Erlaß fiskalisch?!- Maß­nahmen vertrugt habe. Bis dahin hoffe man, daß die Konferenz von Genua den Lauf der Ereignisse geändert haben werde.

Ein amerikanischer Vertreter in der Reparationskommission?

Paris, 11. April. (Wolff.»Reuydrk Herald" schreibt: Falls die Entschließung, die den Präsidenten der Vereinigten Staaten ermächtigen soll, einen offiziellen amerikanischen V e r- tretet in die Reparationskommission zu entsenden, im Senat der Vereinigten Staaten angenommen werde, so werde das Recht Amerikas auf eine derartige vollgültige 'Vertretung wahr­scheinlich von einigen der Verbündeten in Zwei­fel gezogen werden. Es zeige sich mit wachsender Deutlichkeit, daß gewisse Staaten, die an Reparationsfragen besonders interessiert seien, wie Frankreich, es vorzögen, daß die Voll-

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Dorf mit allen Einwohnern wird ein Opfer der Wellen. Rur die Insassen des höher gelegenen Pfarrhauses bleiben verschont: sehen aber auch ihren Untergang schon mit unvermeidlicher Sicher­heit heran nahen, als im letzten Augenblick ein Doot vom Festlande die Rettung bringt. Diese Ereignisse mit ihren näheren Begleitumständen bewirken eine innerliche Wandlung des jungen Holm. Allein der Grundgedanke des Dramas, der Läuterungsprozeß des jungen Pfarrers zum wahren Seelsorger, geht von völlig falschen Vor­aussetzungen aus. Dieser finstere Zelot ist in seinem stürmenden Fanatismus, um die Worte Siewerts zu gebrauchen, überhaupt kein christ­licher Geistlicher. Die Grundlagen der christlichen Weltanschauung, die man bei einem Seelsorger als elementarste Vorbedingungen voraussehen muß, sind ihm nicht eigen. Er lebt ganz im Geiste des Alten Testaments, dem der Gott der Liebe fremd ist, und das nur den zürnenden und strafenden Gott kennt. Doch auch diese Uttcsta- mentlich-jüdische Religionsauffassung kommr nicht schlackenlos zum Ausdruck. Ein völlig heidnischer Zug ist das Ansinnen Holms an die junge Mrgb Stine Kos, durch freiwilligen Opfertod die Wut des rasenden Meeres zu besänftigen und ihr ver­fehltes Leben mit der davon zu erhoffenden Rettung dev anderen Ueberlebcnbcn zu sühnen. Man kann diesen Pfarrer in einem für die Gegenwart geschriebenen Drami nur als quälen­den Anachronismus empfinden. Die seelische Läu­terung an sich war ein überaus dankbares Mo­tiv, aber sie muß le sich im Rahmen des Christen­tums, und das heißt hier inrterbalb des Mög­lichen, bewegen und sich daraus beschränken, un­reife Selbstüberhebung in gereifte Demut aus- llingen zu lassen. - Auch in der Charakter­zeichnung der zweiten Hauptperson, der Magd Stine Kos, wirken die seltsamen Gedankengänge des Autors störend. Wie prächtig ist diele Ge­stalt in der ersten Hälfte des Dramas gelungen, wo sie in ihrem scheinbaren Haß gegen den Pfarrer Holm, der sie wegen ihres unsittlichen Vorlebens mit verletzender Verachtung straft, fein

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machten des jetzigen Vertreters B 0 y d e n weiterhin des chränkt blieben, anstatt daß an seine Stelle ein Delegierter trete, der imstande wäre, mitabzustimmen und möglicherweise einen maßgebenden Einfluß auf die 'Beschlüsse auszu­üben. Anders liege der Fall, wenn die Vereinig­ten Staaten den auf die Reparationen bezüg­lichen Teil des Versailler Vertrages wenigstens teilweise anerfennten. Rach demselben Blatte wird obige Auffassung als die der höchsten amt­lichen Kreise in Frankreich betrachtet.

Falls die Reparationskommission auf Grund der deutschen Antwortnote das völlige Ver­sagen Deutschlands feststellt, fchreibi der Rew Dork Herald", so würde das nach fran- zöfifcher Anlicht bedeuten, daß jede Regierung berechtigt fei. selbständig vvrzugehen. Frank­reich werde sich wahrscheinlich gegen jede Art Annahme des deutschen Vorschlages aussprechen, obwohl die deutsche Rote vielleicht von der Absicht eingegeben sei, die Tür offen zu lassen.

v 011MLchtigte,n in der Lstfutdattdnssrag sind heute endgültig gescheitert. Damit ist nunmehr der auf morgen festgesetzte Schieds­spruch des Präsidenten Ealonder unvermeid­lich geworden.

Die deutsch-polnische (Kinigttttg gescheitert.

Gcüf, 11. April. (Wolff.) Die letzten direkten Ginigungsbemühungen zwi­schen den deutschen und p 0 lnischenBe-

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Die internationale Studenten- Konferenz.

Leipzig, 10. April. (Wolff.) In der heu­tigen Schlußsitzung der Konferenz b er stdentischen Auslandsämter tour bat Sie Ergebnisse einer Reihe von Beschlüssen zui.-mmm- gefafjt, die auf die Durchführung des Ötibenlm- Austausches, Einführung von internationalen Studentenausweislarten, Einrichtung ind Erhal­tung des Univeilitätssanatoriums in der Schweiz, den Austausch wissenschaftlicher Bücher, studen­tische Serienreifen in größerer AuZdestnung im Auslande und den internationalen Brrefverkehr unter den Studierenden beziehen. Ferner wurde beschlosfen. Särnlliche studentischen Auslands­ämter werden bei ihrer Regierung fortwährend daraus tintoirlen, daß bei den Studentenaus- schußattionen und Serienreifen die Paßgebühren ermäßigt oder erlassen werden, ferner, daß die staatlichen Schvanken, die dem tniemattonalen. wissenschaftlichen Bücherausttmsch entg?genstehen. beseitigt werden. Die nächste Konferenz wird kas dänische Studentische Auslandsamt vrnerhalb

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Rubner als Stine Kos wuchs mit ihrer Rolle. Ließ ihr Austreten im ersten Akt jede Vorbe­reitung für die Enthüllung ihres wahren inneren Wesens in den beiden folgenden vermissen, so tarn schon im 2. Akt die wilde Freude der Magd, sich für die Beleidigungen des Pfarrers Holm rächen, zu können, zu packendem Ausdruck. Und auch der jähe Umschwung der Gemütsverfassung zu einem hingebend und aufopfernd liebenden Weibe ge­lang der Künstlerin in so vollendeter Weife, daß sie ihren großen Leistungen als Magd im ..Fuhr­mann Henschel" und als Hedda Gabler eine eben­bürtige Probe ihres Talentes anreihte. Der 2. Qüt ließ Karl Juhnke als Pfarrer Holm ebenfalls erst in günstigerem Lichte erscheinen. Sein barsches Wesen im ersten Akte deckte die Schwächen in der Gestaltung dieser Figur aus eine, allerdings auch vom Verfasser unbeab­sichtigte, Art auf. Es war wirklich nicht .mög­lich, sich in dieser Verkörperung einen Pfarrer vorzustetten, man hätte eher an einen Offi­zier in Zivil denken können. Es fehlte diesem Geistlichen die Verbindung mit jenem, der trotz quälenden Durstes' den Wein zuruckweist, weil er zum Abendmahl bestimmt war. In den beiden letzten Akten dagegen hatte sich der Schauspieler glücklicher in die Rolle eingelebt. Daß er auch jetzt nicht zu uneingeschränktem Mitgefühl fort­riß, war nicht die Schuld des Künstlers. Die Spielleitung und Inszenierung Adolf T e l e t y s verdienen wiederum mit größter Anerkennung ge­nannt zu werden. Besonders die schlichte Schiffer­kirche bot den paffenden Rahmen für die Drr- stellung. Alle Bühneneffekte, über die das Drama in reichem Maße verfügt, kamen zu voller Wirkung.

Dem ist es neben der vortrefflichen Gesamt­leistung der Schauspieler zuzuschreiben, datz fi? Anteilnahme des Publikums die denkbar regst, war. Man muß dieser Aufführung auf ®rur. ber hochwertigen schauspielerischen Darbietung'?» wünschen, daß sie stets ein volles Haus fin­den wird. tr.

2lus dem besetzten Gebiet.

Franzosen in der amerikanischen Zone?

Koblenz', 11. April. (Wolff.) Wie die Koblenzer Ztg. "erfahren haben will, soll zwischen den Alliierten beschlossen worden sein, daß Frankreich die amerikanische Zone im Lheinlande nad) Abzug der Ame­rikaner besetzen soll. Die französische Re­gierung folr angeblich erklärt haben, daß sie dadurch ihre Truppenzahl in Deutschland nicht zu verstärken braucht. Wie dieRheinische Rundschau" berichtet, beabsichtigen mit weni­gen Ausnahmen alle amerikanischen Ge­schäftsinhaber in Koblenz, die Stadt sofort nach dem Abmarsch der amerikanischen Trup- Pen zu verlassen.

Eine bayrische Zurückweisung für PoinearL.

Berlin, 11. April. (WTB.) Der Mün­chener Korrespondent derDeutschen Allgein Ztg." hatte mit dem bayerischen Minister des Innern Dr. Sch weyer eine Unterredung, in der dieser die ihm oorgelegten Fragen über die in der letzten Rede Poincarss enthaltenen Aeußerungen über die bayerische Landes­polizei wie folgt beantwortet: Frage: Ent­spricht die Behauptung des französischen Mi­nisterpräsidenten, daß in Bayern eine gemein­same Ausbildung der Landespvlizei mit der Reichswehr ftattfinbet, den Tatsachen? Ant­wort: Diese Behauptung ist aus der Luft gegriffen. Niemals fanden gemeinsame Hebungen der batzersschen Landespottzei mit dem ReichSheer statt. Kein einziger Polizeibeamter besuchte jemals seit Bestehen der taferniecteit, Polizei die militärisch?.! Schulen oder nahm an irgendwelchen praktischen oder theoretischen Kur­sen des Reichsheeres teil. Die polizeiliche Aus­bildung unterer Landespolizei hat mit der mili­tärischen Ausbildung nach keiner Richtung 'Be­ruh 1 migspuulte, sondern ist volllommen auf sich selbst gestellt und auf rein polizeiliches Gebiet be­schränkt. Ebensowenig lieferte oder liefert das Reichsheer militärische Ausrüstungsstücke an b.c ba Herr sch 2 Landespolizei - Frage: Gibt es m der Landespolizei wirklich sechs Schnee­schuh l 0 m p a g n l c n , die nach militärischen Vorschriften ausgebildet werden? - Antwort: Keine einzige Schneeschuhsormation irgendwel­cher Art ist vorhanden. Einzelne Landespolizei- beamte werden mit Schneeschuhen ausgerüstet, um im Bedarfsfälle den Iagd- und Forstschutz im Gebirge zu verstärken. Außerdem gibt es natür­lich auch in der Landespolizei Gottseidairk viele Freunde des Skisportes, die den Schneeschuh-- lauf in unseren Bergen den verweichlichenden Vergnügungen in der Stadt verziehen und an Spo ri fest en und Konkurrenzen teilnehmea. Ich lann selbstverständlich solche freiwilligen B e st r e b u n g e n mit aufs Wärmste begrüßen. Bei einer derartigen freiwilligen, ganz allge­meinen Skikonkurrenz bei Kempten wurde nich mir gewordenen Mitteilungen.für die Teilneh­mer aus den Kreisen der Landespolizei der Sammelname Leponie seitens der Sportleitanz gewählt. Von einer ständigen, etwa in der Form eines den Franzosen verdächtigen Vereins, ist natürlich feine Rede. Bezeichnend aber' für den französischen Geist ist eS, daß man dort aus dieser harmlosen Tatsache sofort militärische Schneeschuhformationen tonstruiert. Frage: Finden Stand wechsel iimerhalb der Landes­polizei,statt, um sie von Zeit zu Zeit in räumliche und innere Beziehungen zum Reichsheer zu br'.n- gen? - - Antwort: Diese Unwahrheit reiht sich würdig der anderen an. - Frage: Wie steht es mit dem neueiirgerichteten Pressedienst der Lnn- despoliztzi? - Antwort: Einen solchen gab es niemals ynE> wird es niemals geben. Ich weiß mich eins mit allen vernünftigen Teilen unseres Volkes und mit weiten Kreisen des Auslandes, wenn ich meine Uebevrafchung Darüber ausdrücke, daß sich ein verantwortlicher Staatsmann sol­cher minderwertigen Auskünfte aus der Gegeno von München in einer öffentlichen Kammersstzung bedient.

anderes GÄsüdl als glühendsten Rachedurst kennt! In Wirllkchteit verdeckt dieser Haß nur _ ihre leidenschaftliche Liebe zu dem jungen Gerstlichen. Das Hervö^vrechen ihres wahren Gefühls in dem gewählten Zeitpunkt ist schon schwach motiviert: leider laßt, sie nun aber der Dichter auch Ver­ständnis fiu die kaum faßbaren Andeutungen Holms cmbfmbcn und nimmt ihr damit die Lebenswaht^cit. Wenn der Verfasser schon diesen Opsertod Zrr Stine Kos nicht entbehren^ zu können meipte, so hätte er doch fühlen müssen, daß er gGrebe durch diese Ausführung des un­geheuerlichen Gedankens die beabsichtigte Wir­kung absck'ciächt. LNuß Holm nicht den Umstand, daß dem freiwilligen Tode Stine Kos unmittel­bar die Anyrnft des Rettungsbootes folgt, so auf­fassen, daß dies Opfer ein Gott wohlgefälliges war? Mutz'er darin nicht eher eine Rechtferti­gung als eine Verurteilung feiner Anschau­ungen erblichen? Glücklicher ist der Dichter in der Gestaltung des ulten Pfarrers Siewert ge­wesen Ein willensschwacher, und doch warm­herziger Mansch, der das Schicksal, aber nicht die damon^chen Seelenkräfte Gösta Berlings teilt, tritt urr» hier lebenswahr entgegen. Diese Figur ist ifit wohltuender Konsequenz vurch- gesührt. sieben den mit satten Farben ge­malten Hauptpersonen treten noch der Küster Rutfchow unp die Mamsell Westphal auf, deren Individualisierung fast ganz der Auffassung der Schauspieler überlassen bleibt.

Und Heisnz B e ch st e i n , wie auch Aug tfk Marcks botpn in der gestrigen Aufführung eine Verkörperung dieser beiden Rollen, die mit vollem Leben beseelt» war. Die glücklichste Figur des Dramas sand' durch Karl 33o Id die beste Dar­stellung. Dies«' hinfällige Greis wurde in allen, auch vom Diü)ker fein beobachteten Zügen, mit überzeugender -Echtheit toteberg^geben. Die Selbst­sucht des Grsßsenalters mischte sich mit warmen Mitleid für aridere. Man fühlte mit diesem alten Pfarrer die fragil eines verlorenen Lebens, das so spät frnter der Schwere des Schicffals. als verfehlt erkannt und bereut wird. Rose |

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Aus dem Reiche.

Reichsral und ZrauentatigLeiL.

Berlin, 11. April. (WTB.) Der Reichs- r a t welcher seinerzeit mit Stdunrengleichhett sich für die Ablehnung der Vorlage über die Zulas­sung der Frauen zum Schöffen- unb Geschworenenamt erklärt Ijatie, hat, rrach- dem nunmehr der Reichstag sich grundsätzlich füc die Regierungsvorlage entschieden hat. mit 39 gegen 23 Stimmen beschlossen, gegen die Reichstagsbeschlüsse keinen Einspruch zu erheben. Die Vertreter der preußischen Provinzen stimmten geteilt für den Gesetzentwurf über die Zulassung der Frauen zu Olemtern und Berufen der- Rechtspflege. Mit 38 gegen 25 Stim­men wurde der von den Ausschüssen beantragte Zusatz angenommen, daß der Vorbereitungsdienst, den Fr-auen schon vor Inkrafttreten des Gesetzes leisteten, als solcher im Sinne des Gerichtsversas- sungsgesehes anerkannt werden soll. Auch bei die­ser- Vorlage stimmten die Vertreter der preußischen Provinzen getrennt. Der bayerische Gesandte non Preger stimmte gegen den Entwurf, da Bayern lieber ein etappenweises Vorgehen gesehen hätte. Diachdem noch das neue Diäteugesetz für den Iteichstag angenommen wurde, vertagte sich der Reichsrat bis 27. April.

Ein Landarbeiteraufftand.

Magdeburg.il. April. (WLB.) W'n dieMagdeburgische Zeitung" aus Oschers­leben meldet, ist es dort zu einer von Kommu- nisten veranstalteten Demonstration auf dem Marktplatz gekommen. Die Versammlung pro- testierte gegen die Ungerechtigkeiten bei der K a r t 0 f f e l v e r t e i l u n g an Minderbemit. tdte, gegen die hohen Pachtpreise und die niedrigen Landarbeiterlvhne. Der De- monstrationSzugE marschierte vor die Häuser der grätzeren Landwirte, die Wortführer dran­gen in die Wohnungen ein und die Land­wirte mußten zugeöen, je einen "Morgen fer­tigen LttkerS für 820 Mk. abzugeben.