Nr. 87
Erscheint täglich, außer Sonn- und Feiertags, mit derSamstaqsbeilage: vießenerFamilienblätter Monatliche öezuaspreise: Mk. 16.- und Mk. 1.50 Trägerlohn,durch diePost Mk. 17.50, auchbeiNicht- erscheinen einzelner Nummern infolge höherer Gewalt. - Fernsprech- Anschlüsse: fürdieSchrift« leitung 112; für Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Stehen.
Postscheckkonto: feonffurt a. M. 11686.
Erstes Blatt
172. Jahrgang
150 Pf.; für Reklame Anzeigen von 70 mm Drelle 450Ps. Bei Platz- Vorschrift20 ^Aufjchlay Hauptschriftleiter: Aug Goch Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz: für den übrigen Teil Karl Walther; für den Anzeigenteil: Hans Beck sämtlich in Gießen
Mittwoch, (2. April 1922 Hniaqnu von Anzeigen für die Tagesnummer bis a a zum Nachmittag vorher ohne jede Derdindlichkeli | XB S ▼ Preis für 1 mm Höhe für Ü Jr ftJ Anzeigen^ 34 mm Breite tA örtlich 120 Pf., auswärts
General-Anzeiger für Oberheffen
Druck unü Verlag: Vriihl'sche Univ.-Vuch- und Steindruckerei N. Lange. Zchristleltullg, Geschäftsstelle und Druckerei: Schulstratze 7.
ndes gehöre, de ilnteE&mmiffion
der Welt, das unter den jetzigen Verhältnissen digt werden, welche gerade jetzt CM fo grob und kolossal ist. daß es nicht gelöst werden . Diese Wiederverteilung der ©olbrcfq Cann, wenn nicht alle überseeischen und lußerüber- cjne Kombination mit der rationellen •
Die wirtschaftliche Rekonstruktion Rußlands,
mtert Die russische Delegation ist nicht mit der Absicht hierher getommen, um ihre eigenen Theorien zu betonen, sondern um praktische Beziehungen mit allen Regierungen sowie mit Industriellen- und Handelskreisen anzuknüpfen, und zwar auf der Basis der Gegenseitigkeit, der gleichzeitigen gerechten, vollen und ganzen Anerkennung des Problems der ökonomischen Rekonstruktion
Genua, 11. April. (WTD.) Heute nachmittag 31/2 Ähr trat die geschäftsführende Un« terkommission der ersten Hauptkom- Mission unter dem Vorsitz des italienischen Ministers des Aeuhern Schanz er zusammen. Gegenstand der ‘Beratungen war Punkt 1 des Programms von Genua, der die Einführung einer neuen Methode vorsieht, durch welche den Grundsätzen der Resolution zur Wiederherstellung Europas Geltung verschafft werden sollen. Als deutsche Delegierte nahmen an der Sitzung teil der Reichskanzler und der Reichsminister des Aeuhern. Der englische Delegierte Lloyd George regte an. die Denkschrift zur Verteilung zu bringen, welche die Sachverständigen der Alliierten in London über die Frage des europäischen Wiederaufbaues ausgearbeitet haben und die Kommission zu vertagen, um den Delegationen Zeit zum Studium der Denkschrift zu geben. Der schweizerische Delegierte Motte ersucht um Verteilung der Denkschrift an alle an der Konferenz beteiligten Rationen, nicht nur an die in der Kommission vertretenen. Der russische Delegierte Tschitscherin erklärte, die Sähe der Sachverständigen von London seien ihm vollständig unbekannt. Er habe davon lediglich Kenntnis aus unzureichenden Pressemeldungen. Er bitte um Erteilung von weitgehenden Informationen. Au eine Frage von Lloyd George, wie lange die russische Delegation Zeit brauche, um die Denkschrift zu prüfen, erklärte Tschitscherin, dah er mit einer Vertagung von zwei Tagen einverstanden wäre. Die Kommission wurde sodann auf Donnerstag vormittag IOV2 ^Ihr vertagt.
Wieder eine Reibung mit den Franzosen im Finanzausschuß.
Genua, 11. April. (WTD.) Die erste Sitzung der F i n a n z k 0 m m i s s i 0 n aus der Konferenz von Genua hat heute nachmittag 4 Hfcr stattgefunden. Sie wurde von dem italienischen Schatzminister Peano eröffnet. 3um Vorsitzen- den wurde Sir Robert Hörne gewollt. Er betonte in feiner Antrittsrede, dah die Ausgabe der Finanzminister besonders schwer fei und daß tag Ziel nut das fern könne, die bestmögliche Lösung der zahlreichen Finanzfragen, die unter den gegebenen Verhältnissen Europa angingen, ?.u finden. Die Lösung könne aber, solange Amerika fehle, keine endgültige sein. Andererseits l tonne sich Europa an diesen Fragen nicht dcs-
seeischen Staaten den aufrichtigen Wun ch haben, ihre Anstrengungen zu koordinieren, und wenn sie njcht entschlossen sind, die dafür notwendigen zeitweisen Opfer zu bringen.
und Mineralg'-ubenkvnzcssionen von seinem un- endlichen Reichtum, besonders in Sibirien, sowie Konzessionen aller Art auf den Territorien der sowjetistischen Republik von Rußland. Die russische Regierung beabsichtigt, zwischen der Industrie einerseits, der Agrikultur und der Industrie Sibiriens andererseits eine Cooperation zu bilden, welche die Basis der europäischen Industrie erweitern würde, besonders was die Rohmaterialien anbriangt. Ein detailliertes Projekt für eine allgemeine wirtschaftliche Rekonstruktion wird von der russischen Delegation im Lause der Konferenz vorgelegt werden.
Indem die russische Delegation diese Vor-
aber außerhalb des Rahmens der allgemeinen Bestrebungen zum Wohle der ganzen Menschheit liegen, von einer Konferenz ausgeschlossen werden müssen, deren Tagung .schon etwas über das Mah dessen hinausgeht, was einige von uns in den wenigen zur Verfügung stehenden Wochen ohnehin schon bewältigen können. Eine allgemeine Konferenz ist zweifellos etwas sehr Schönes und Bewunderungswürdiges, aber nur wenige von uns haben Zeit dazu. 3d) selbst werde älter und glaube nicht, dah ich eine universelle Konferenz überbauern könnte. Deshalb mochte ich Herrn Tsd-itscherin bitten, nicht darauf zu bestehen, dah die Genua-Konferenz über das gegenwärtige Programm hinausgehl und sich auf das Universelle, Aetherische, Edle und Erhabene ausdehnen soll. Während all diese Dinge noch in der Schwebe und in tveiter Ferne sind, st c h t schon in dem Cann er Programm, wie ich dem Herrn Tschitscherin versichern kann, eine Unmenge von Dingen,- über die er Herrn Darth 0 u in die Schranken fordern, Herrn Poincare und auch mich tüchtig kritisieren kann. Wenn er das will, so braucht er nicht über das Programm ton Cannes hinauszugehen, bann Cann er mit allen Teilnehmern einen kleinen Zank anfangen, wenn er sich nur auf diese Gegenstände beschränkt. Heber die 21 b r ü st u ng möchte ich jetzt meine Meinung ganz offen sagen. Wenn die Genua-Konferenz nicht zur Entwaffnung führt, wird sie ein Fehl sch lag sein. Aber ehe es zur Ent- wafsnung kommen kann, must eine Verständigung da sein. Man must erst wissen, ob die Rationen wirklich gemeinsam miteinander marschieren wollen. Das ist Sache der Genua-Konferenz: das must erst erreicht werden. Wir dürfen dem Konferenzschiff keine allzu grohe Ladung aufpaden, andernfalls würde das Schiff zum Sinken gebracht werden, und vielleicht würde Herr Tschitscherin selbst mit ertrinken. Schwere See ist in Sicht. Ein überladenes Schiff kommt nicht sicher durch die Wogen. Wir dürfen die Hoffnungen der Völker nicht zu schänden machen, indem wir mehr haben wollen, als menschenmöglvcherweise bewältigt werden kann. Lassen Sir uns erst diese Reise zu Ende bringen, und wenn wir erst gutes Einvernehmen und guten Willen haben, und wenn Rustland und andere Mächte sich verstanden haben und im Geiste der Freundschaft nach Hause zurück- kehren. dann wird auch die Entwaffnung kommen. Deo Völkerbund studiert gerade die praktischsten Entwaffnungsvorschläge. Herr Bar» thvu widersetzt sich diesen Dingen ja auch nicht. Alle noch verbleibenden Fragen können dem Völkerbund überwiesen werden, der dadurch nur gefestigt werden kann, wenn er noch nicht stark genug fein sollte. Herr Tschitscherin hat behauptet, die Canner Beschlüsse seien nicht klar und bezieht sich dabei auf Herrn Poincare. Die Canner Beschlüsse sind so klar, wie sie in den beiden besten Sprachen der Erde, englisch und französisch, nur ausgedrückt werden können. 3chsuche zu vermitteln, als ein Mann des Friedens. Lassen Sie uns ans Werk gehen und keine uferlosen, abseits liegenden Fragen aufwerfen. Lassen Sie uns bei unserem riefengroben Programm bleiben und damit praktisch vorwärts kommen.
Die Verhandlungen in den Ausschüssen.
eine Kombination mit der rationellen Verteilung der 3ndustrieprvdukte, sowie der Verheilung der ‘Brennmaterialien, wie Raphka. Äonte usw.
des grössten Staates mit unzählbaren Reichtümern, erscheint als unablehnbare 2lotWendigkeit für die Rekonstruktion der ganzen Welt. Rußland seinerseits erklärt sich bereit mit allen Mitteln seiner Macht zur Lösung der Pläne der Konferenz behutragen; und Rußlands Mirtel sind nicht unbedeutend. Rußland ist bereit, in Anbetracht der Bedurfnrssr >er Weltwirtschaft und der Entwicklung der politischen Kräfte der Welt wissentlich und trci- toillig seine Grenzen zu offnen, um die Schaffung internationaler Transitwege zu ermöglichen. Cs ist bereit, der Kultur Millionen von Hektar Flächen zu liefern, es ist bereit, Konzessionen zu errichten, und zwar Waldkonzcfsionen, Kohlen-
Rustlands aus. Dem russischen Wunsche könne dadurch Rechnung getragen werden, daN jeder Delegierte die nötige Anzahl Sachverständiger zu- ziehen könnte. Der Delegierte Tschitscherin erklärte sich mit diesem Vorschlag des englischen Premierministers einverstanden. Die Bildung de Unterkommission in dieser Form wurde hierauf angenommen und die Sitzung auf eine Stunde unterbrochen, um den Delegationen Zeit zu geben, ihre Vertreter zu benennen.
Rach Wiederaufnahme der Sitzunn teilte de Facte mit. dah als Vertreter der übrigen Machte in der Ünterkommisfion zur Behandlung Oct Minderheitenfrage je ein Delegierter der Schweiz. Schwedens, Polens und Rumäniens benannt worden feien. Tschits cherin proteftie r t bim< auf gegen die Beschickung der älnterkommrssionen durch Rumänien und Japan, gegen Rumänien wegen der Besetzung Bessarabiens und gegen
Ich habe nur die Grundlinien der<8orschläge angezeichnet, welche die russische Delectzation Vorbringen würde, wenn ihr Gelegenheit dazu geboten märe. Wir find bereit, alle xtrogreffmen Vorschläge zu unterstützen, welche anderen Ländern in diesem Sinne gemacht werden.
Tschitscherin begrüßte zum Schlüße ferner Ausfüb ungen die Konferenz und dankte der italienischen Regierung für ihre Gasts peundfchast. Den Arbeiten der Konferenz wünschte er den besten Verlauf.
Lloyd Georges E»tgeg««ng.
Genua. 11. April. (Spezialbericht des Vertreters des W. T. B. in Genua.) Zu £ier gestrigen Eröffnungssitzung der Konferenz fei noch folgendes nachgetragen: Lloyd G e o> r g e ergriff im Laufe der Diskussion nochmals das Wort
und erklärte:
3n bezug auf die drei Punkte in Tschll'cherins Rede, auf die sich Herr Darchou bezogen hat. möchte ich sagen, dah ich nicht der QSleinung bin, dah Herr Tschitscherin diese Punitte als Bedingungen verstanden haben wollte, sondern als allgemeine Bemerkungen welche zwar an sich lehr nützlich, aber doch wos/l etwas sehr gefährlich sein können. Richts istfo mit Explosivstoff geladen wie eine (Friedenskonferenz. Wenn man im Geiste des Friedens und des guten Willens zusarnmenkomint. liegt jedermann, wie ich immer beobachtet habe, auf Äer Lauer, feinem Rachbar einen Tor t anzutun. l Deshalb hoffe ich aufrichtig, dah die bewunde- schläge macht, nimmt sie dis-Res0 luti 0 n von r ungswürdrgen und an sich du^auS «spriE Cannes im Prinz ip'an, indem sie sich das«lichen Bemerkungen des Herrn TMitschervi» drc
interessieren. Es müsse bestrebt sein, seine» Lage zu verbessern, da andenrfalls der Handel und die Wirtschaftsverträge aufs äuherste erschwert würden. Zu den ‘Aufgaben gehöre in erster Linie die Stabilisierung der Währungen Die Vorschläge der vereinigten Finanzminister aller Länder mühten als Grundlage für die Be- pvechungen genommen werden. Was die Methoden der Ar^iten anlange, so schlage er vor. a.i Hand der Ergebnisse, die die Sachverftändigeir ■ kornrnission der einladenden Mächte in London gesunden habe, in einer ÄlnteiriommtffIon die schwebenden Fragen zu erörtern. Die Zu - ammensehung der UntetfommUfion denke ec sich 0, dah sie aus je einem Delegierten der fünf einladenden Mächte, ferner aus je einem Vertreter Deutschlands und Ruhlands und schlichlich aus vier weiteren Vertretern gebildet würde, die in besonderer Wahl bestimmt werden sollten. Von ranzösischer Seite wurde angeregt, nicht eine, sondern zwei älnterkommissionen für die r erseh iedenen Fragenkreise aus dem Arbeitsgebiet der Kommission einzusehen. Diesen llnterfom- Missionen solle je ein Vertreter der fünf einladenden Mächte angeboren. 3m übrigen sollten nach dem Grundsatz der Gleichheit die übrigen sechs Vertreter gc wählt werden. Diesen Vorschlägen des französischen ©elegierten wurde sowohl von deutscher als auch von russischer Seite widersprochen. weil es nicht dem Geiste der bisher gefaßten Beschlüsse der Genueser Konferenz ent- fpred;?, Deutschland und Ruhland bei der Beratung einer Immission eine andere Stellung zuzuweisen als den einladenden Mächten. Dem Vorschläge von Sir Robert Horne traten sowohl der belgische als auch der italienische Delegierte bei indem sie sich besonders darauf beriefen, dah ebenso wie in der politischen Kommission auch in der Kommis io 1 kür die Fnanzf.agen Deutschland und Rußland ohne bc sondereWahlver tretenfein mühten Der französische Delegierte Picard erklärte nun mehr unter Protest kicher Aufrechter Hal t u n g feines Vorschlages, sich der Wil lensmeinung der Kommission nicht widersetzen zu toi l(en. Die Kommission stimmte alsdann dem Anträge von Sir Robert Horne zu. Danach toi oben die vier Vertreter der übrigen Staaten gewählt, welche auf die Vertreter von Däne mark, Finnland, Holland und die Tschechoslowake entfielen. Die nächste Sitzung wurde nach Erledigung einiger gefchästsordnungsmähiger Fragen auf Mittwoch, den 12. Llpril, nachmittags 3*/o älhr festgesetzt.
Eine interessante Debatte in der Frage der nationalen Minderheiten.
Recht vorbehält, ihrerseits zu den bestehenden Artikeln Rachträge vorzutragen. Inzwischen aber wäre das Werk der ötonomischen Rekonstruktion Ruhlands absolut vergebens, auf einen falschen Weg geraten und fatal, wenn die ökonomisch mächtigsten Rationen, statt die notmenbiacn Vorbedingungen zu schassen, zur ökonomischen Wiedergeburt Ruhlands beizutragen und seinen Weg in die Zukunft zu erleichtern, es unter der Wucht ihrer Ansprüche und ihrer Kraft erwürgen würden.
Wir müssen gleichwohl bemerken, dah die letzten Mahnahmen der russischen Regierung im Wege der inneren Gesetzgebung in wirtschaftlicher Beziehung den Wünschen, die in der Resolution von Cannes enthalten sind, entgegenkommen. Inzwischen werden alle Anstrengungen, die zu einer, wirtschaftlichen Rekonstruktion der Welt führen, vergebens sein und alles wird bleiben, solange über Europa und über der Welt d i e Gefahr neuer Kriege schweben wird, die noch vernichtender sein sein werden als der hinter uws liegende. Die russische Delegation hat die Absicht. der Konferenz Vorschläge einzubringen, die auf eine
Einschränkung der Rüstungen
abzielen and die Schwere des Militarismus erleichtern unter der Bedingung, dah sich die Einschränkung auf diL Axmeen aller Länder bezieht, und dah die Kriegsrechte ergänzt werden durch ein unbedingtes Verbot der Heritellu.g giftiger Gase und des LuftkcLges, welche als barbarische Waffen anzusehen ijnd, sowie gegen den Gebrauch von Repressalien gegen die friedliche Bevölkerung. Es. versteht sich von selbst, dah Ruhland aus sich selbst bereit ist, eine Einschränkung der Rüstungen vorzunehmen unter der Bedingung, dah die nötigen Garantien gegen jede Einmischung in seine inneren Angelegenheiten geschaffen werden. Mit BtsriediLuig nimmt die russische Delegation von dem Vorschlag des, englischen Ministeipräsidenten auf der ersten europäischen Zronferenz Kenntnis, welcher die periodische Berufung ähnlicher Konferenzen in der Zukunft vorsieht, und von Der Bemerkung, dah es notwendig ist. alle Rationen daran zu beteiligen. Die Herstellung des Weltfriedens muh das Werk eines älnive-rsat- kongresses werden, der auf der BaKS der Gleichberechtigung aller Völker und der Erkenntnis des Selbstbrstimmungsrechtes aller gegründet fein muh. Wir betrachten die Teilnahme der Arbeiterorganisationen an diesen Kongressen als absolut unabwendbar. Die Entschlüsse dieser Kongresse dürfen in keinem Falle in die Tut umgeseht werden durih einen Zwang über die Minoritäten, sondern tm Gegenteil durch den freien Willen aller Beteiligten. D e russische Regierung ijt selbst geneigt, dir Auhrnoertcägr zwischen dem Groh- mächten, welche dir internationalen Begehungen regeln, an^rnehmen und an der Reoitzcon der Statuten des Völkerbundes t:i zunehmcy', damit dieser in eine wirkliche Völkerli.La verwandelt wird, ohne Beherrschung der einen durch andere, ohne die jetzige Teilung zwischen Siegern und Besiegten.
Die internationalen Konferenzen worden sich auch für die technische Verbesserrung der Weltlage einsehen, wodurch unendliche Reichtümer eröffnet werden, was rine Erhöhung des Wvl)lsta..dez aller Völler herbrisühren wird. Die Bestrelungen aller nach euer wirtschafttkichen Zu-
Genua, 11. April. (WTD.) Die erste allgemeine Kommission der Konferenz trat um IO1/2 Ahr unter dem Vorsitz des Präsi- denten de Facta zu ihrer ersten Sitzung zusammen. Präsident de Facta stellte die drei ersten Punkte des Genueser Programms zur Diskission Der Delegierte Ungarns, Graf Drthlen, verlas zu Punkt 2 und 3 eine Erklärung, die besagt, dah die ungarischen Minderheiten unter frentber Herrschaft nach der Zerstückelung lln> garns durch die Ausführung der bestehenden Verträge nicht geschützt seien, und dah, solange dieser Zustand keine Aenderung erfahre, ein wahrer Friede unmöglich sei. Ungarn verlange deshalb, daß die Minderheitenfrage in ernar br- sonderen Sitzung der ersten Kommission behandelt werden, oder dah eine UnterEoaraniffion für Die Minderheitenfrage gebildet werden soll. An die ungarische Erklärung schloh sich eine längere Debatte an. Der tschechische Delegierte Bene sch erklärte, dah er die Behandlung der Minderheitenfrage in einer kleinen Kommission nicht hindern wolle. Er müsse jedoch darauf aufmerksam machen, dah die Frage der Minderheiten auch zu den Kompetenzen des Völkerbundes gehöre de Facta schlug darauf vor, eine Unterkvmmission zu bilden und eine kurze Unterbrechung der Sitzung eintreten zu lassen. In der Unter» kommission sollen die einladendenden Mächte, Dertschland und Rvhland mit je einem Delegierten, die übrigen Mächte mit zusammen 4 Delegierten vertreten sein. In der Debatte über die Bildung der Kommission Dcrlingie Tschitscherin für Rußland zwei Delegierte. Auf die Frage des Delegierten Bart Hou, ob der russische Vorschlag auch für dir Delegatior der einladenden Mächte und für Deutschland je zwei Vertreter vorsehe, erklärte sich Tschitschenr mit einer solchen Regelung einverstanden. Dei Schweizer Delegierte Motta gab dem Gedanken Ausdruck, dah man nicht zu Beginn der Beratungen allzu grohe Unterschiede zwischen den Delegationsmächten schassen solle. Lloyd George sprach sich für eine gleichmäßige Beschickung der Unterkommission durch je einen Bei- treter der einladenden Mächte, Deutschlands un)
sammenaibeit in der aufrichtigen Qlbfitbt, durch eine gemeinsame Anstrengung der ökonomischen Weltkrisis zu begegnen, werden es nhcht schwer machen, ein Mittel zu finden, die Wechselkurse zu stabilisieren. Eines dieser Mi-ckel könnte die Verteilung der G 0 ldrese-wven, die in den verichiedenen Ländern exist^ren. sein, ohne dah die Interessen derjenigen Län-öer geschä- diat werden, welche gerade jetzt Gold besitzen. -■ ■ — • " *■— zu-'’rJ‘“~f-|cDen wäre
Die bellenden Hunde.
Rach den Berichten aus Genua hat Lloyd George in der ersten großen wirklich politischen Rede, die dort gehalten worden ist. einen ehrlichen Erfolg erzielt. Das trifft besonders für die Bildhaftigkeit seiner Sprache zu, durch die er sich von jeher ausgezeichnet hat. Ein drastisches Wort, das starken Eindruck gemach! hat, sprach er aus, als er bemerkte, in Europa gebe es zur Zeit noch immer viel zu viel bellende Hunde, deren Treiben Einhalt geboten werden müsse. Es wird wohl kaum jemanden unter den Teilnehmern der Konferenz wie in der ganzen Welt geben, der nicht deutlich verstanden hat. wohin dieser Hieb zielte. Die heulende Meute sitzt zu beiden Seiten Deutschlands, in Paris. Brüssel und Warfchau. Die geradezu unglaublichen Aeußerungen Poin° carös über die Organisation unserer und namentlich der bayerischen Schutzpolizei, von denen jedes Wort einfa'ch erlogen ist, haben glücklicherweise eine kräftige Abfertigung sowohl durch die Reichsregierung wie besonders durch die bayrische Regierung erfahren. Diese '2kuf>erIngen waren offenbar zu dem Zweck gemacht worden. noch im letzten Augenblick eine besonders ungünstige Stimmung für Deutschland zu erzeugen oder zu Derftärten. Dcr ist das Wort von chen bellenden Hunden wie ein Peitsch rn- hieb in die Meute dazwischengefahren. Wenn man hinzufügt, das) der franzöfische Oberchau- vinist B a r t h 0 u. der Pomcaro in Haß und Hetze noch um einige Punkte über ist, gleich darauf in seinem pikanten Zusammenstoß mit Tschitscherin erheblich den kürzercm zog, so läßt sich jetzt schon Voraussagen, daß die Franzosen in Genua ebenso abschneiden werden wie inWashing- ton. Wenn sie nicht sehr stark einten!.11, werden sie bald im Rat der Völker völlig vereinsamt und vereinzelt stehen.
lllebrigens hat Lloyd George noch ein anderes glückliches Wort geprägt. Er bemerkte mit trockenem Sarkasmus, cs sei zu wünschen, daß Amerika Genua entdecke, wie es seinerzeit von einem Genuesen entdeckt worden ist. Der amerikanische Botschafter Harvey fitzt als Beobachter vorläufig auf bevorzugtem Platz in seiner Loge. Vielleicht steigt er im Lauf der Konferenz hinab zu denen, die da raten, um später zu taten.
Die Rede Tschitscherins.
Genua, 11. April. (WTB.) Tschitsche - rin sührte u. a. aus: Die russische Delegation begrüßt mit Zufriedenheit die Auffassung derjenigen. welche die Rotwendigkeit des Friedens festgestellt haben. Sie schließt sich besonders den Erklärungen des italienischen Ministerpräsidenten an. dah es weder Besiegte noch Sieger gibt, und den Erklärungen des Ministerpräsidenten Lloyd George, welcher versicherte, daß hier alle gleichberechtigt sind. Die russische Delegation erklärt mit besonderem Rachdruck, daß sie im allgemeinen Interesse des Wiederaufbaues nach Genua gekommen ist, des Wiederaufbaues des ökonomischen Lebens Europas, welches durch den langen Krieg und durch die Politik der Rachkriegszeit ruiniert wurde. Die russische Delegation schreibt die größte Wichtigkeit dem ersten Puntt der Resolution von Cannes zu, welcher die gegenseitige Anerkennung der verschiedenen Wirtschaftssysteme und der verschiedenen politischen und wirtschaftlichen Formen, die in den verschiedenen Ländern existieren, p r 0 k 1 a -


