Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Vverhessen)
Donnerstag, (2. Januar (922
Zweites Blatt
Nr. 10
11. Ian.
10. Ian.
Datum:
11.1.
0405
Nil'ty
Schweizer
Markuotierungeu.
(Nachdruck verboten.)
1. Fortsetzung.
bändigen war.
(Fortsetzung folgt-1
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6,08 285,70 27,77 58,40 118,85
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Schuckeri-Werke. . . Adlerwerke Daimler 4° 0 Hess. Staatsanl. Electron Griesheim Dtsche. Dereinsbank
Datum:
5e/e Dtsch. Kriegsanl. 4'/,Dtsch. Reichsanl. 3°/» Dtsch. Reichsanl. 4e/0 Preuh. Konsols Hamburg-Pakets.. . Norddeutscher Llohd Eomm.u.Privatbank Darmstädter Bank . Deutsche Dan? . . . Discvnto-Gesellschaft Dresdner Dank. . . Mitteld. Creditbanl. Nationalbank f. D. . Doch. Guhstahlwerke Bud.-Eisenw.-Akt.. D.-Luremb. Dergw..
12.1. Franken 189.75
2.95 0.175 8.30
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41.30 0.83 515*-
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Datum: Zürich . . . Amsterdam Kopenhagen Prag .... Stockholm . Wien. . . . London. . . Pari«. . . . Neuyori . .
1.7.14.
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570,- 555,- 605,- 960,- 590,-
640,- 495, —
76,75
Die Blüchermchten.
Roman von HannSvonZobeltitz.
6.90
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Fr. 125.40
1 23.80
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Kurs
10.1.
77,50
88 50 103,-
70.80 400,26 424,- 330 - 290,- 460,- 417-
dazu einen mächtigen Schopf von aschblondem Haar Aber auch die beiden anderen tonten sich sehen lassen: die Aetteste, mit ihrer stattlichen Figur,, dem klastisch. geschnittenen Profil, dem dunkelblonden Flechtcnkranz und den schwarzen Augen: Lore war noch Backfisch, etwas eckig, stupsnasig, hätte einen dünnen langen HalS. abcr ein PorAlantöpfchen darauf, ganz Rokoko, wie frisch aus der Königlichen Manufaktur oder auS der Meißener gekommen.
Fast jeden Tag, während die Frau Mutter in der Küche Herumscharwerkte, hockten die Diese- mädels so. Immer um die Mittagsstunde. Eigent- lich sollten sie Handarbeiten. Aber die Nähterei warfen sie, wenn es von der Petrikirche zwölf schlug, regelmäßig beiseite. ES war doch zu schon, wenn der Herr Oheim vorüberritt, der Fe.d- marschall, der Fürst, auf seinem feurigen Schim- mel neben sich seinen Adjutanten. Unb gar schön war es, wenn er manchmal heraufschaute, grüßte, winkte, lächelte oder lachte. Rechts und links und drüben, in der ganzen Breiten Straße, standen die Leutchen an den Fenstern: ieder wollte Held Blücher, den alten Marschall Vorwärts, dtn Fürsten von Wahlstatt, sehen, und mancher und manche blickten dabei neugierig oder neidvoll, ]e nachdem, zu den vier hübschen Blondköpfen m der Mansarde hinauf. .Blüchers Nichten" hieven fie in der ganzen Stvahe, sintemalen eS sich herum- gesprvchen hatte, daß er ihnen gelegentlich die Wange klopfte und die eine oder andere als Nicht chen angeredet hatte.
Mit dem Onkeltum und dem Nicht en tum hatte es freilich seine besondere Bewandtnis. So recht uni> richtig verwandt waren der Herr Feldmar- schall und jtte Dieses vx. nichts höchslLnS waS
Frankfurt a. 0HM 12. Ianu»ar.
Derlmer Devisenmarkt.
Geld Brief Geld Dries
11.1.
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Arn Freitag früh 3l b!A2a9e5P* eir
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BdtiW. 59 lei 66.
Phönix-Bergb.-Att. -, Bad.Anilin-u. Soda 562, Höchster Farbwerke. 545, Aklg. Elektt.-Ges. . . 655, Felten & Guilleaume 1000,
7,42
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-.57
51. = Mk. = Kr. = Kr. = Fr. = £ - L.
Fr. ”= Kr. = r = Kr. — Kr. =
300,- 800,- 875,-
685,- 770,- 780,-
762* — 850,- 885,- 570,- 550,50
920*- 588,- 586, — 482,-
74,- 668,-
Kirche und Schule.
kb. Beuern, 11. Jan. In der Zeit vom 12. bis 18. Januar wird hier abends 8 Uhr Prediger W a ch o w t tz (Borken) Evangelisations-Vorträge halten über: Gibt es religiöse Gewißheiten? — Seelendurst. — Was ist Sünde? — Wahre Freiheit. — Ein glückliches Leben. — Ein seliges Sterben. — Eine F age, die niemand beantworten kann. — Der hiesige Volksbildungsverein hat nunmehr seine Arbeit ausgenommen. Er wird nicht mehr wie seither zusammenhangslose Vorträge seinen Mitgliedern bieten, sondern es sollen wöchentlich an zwei Abenden belehrende Vorträge, vorerst aus dem Gebiete der Chemie des täglichen Lebens gehalten werden.
# Orleshausen, 11. Jan. Der Lehrerveteran Wilhelm Strack, der weit über 50 Jahre im Dienste der Schule stand und zuletzt an der hiesigen einklassigen Schule wirkte, ist nach dem benachbarten Calbach übergesiedelt, um dort seinen Lebensabend zu beschließen. Der nahezu Achtzigjährige wirkte früher an mehreren Orten des Kreises Schotten.
Winkte der Ordonnanz, schwang sich auf den Gaul, ist erst im schlanken Trabe, dann langsam und immer langsamer auf Rattau zu geritten. Meldungen kamen von vorn, überholten ihn von rückwärts. Die von rückwärts: datz der Feind mit sich stetig steigernder liebermacht nachdränge, dav die Arrieregarde bis zur Schwartau ausweichen müsse. Die von vorn: das) die Truppen in Ratkau nicht unterzudringen, dav es gänzlich an Fleisch und Brot ermangele. Kann sich der Soldat schlagen, so er hungert?! Stärkerapports tarnen, die Bataillone, die Kompagnie auf die Hälfte zusammengeschmolzen, auf em Drittel. Fast kein Geschütz mehr, nur noch die Kavallerie war leidlich brauchbar.
Aber der trotzige Tollkühne wollte angreifen. Er hat es dem Dlristerten nicht mir zum Trost gesagt. Was er an Reitern hat, wird er zusammenraffen, wird mit ihnen über die Sakramenter herfallen, wie Zielen aus dem Dusch, sie aus ihre Reserven zurückzuwerfen, bis zur Schwartau, bis unter die Mauern von Lübeck.
Ausschau hält er, rechts und links ins Terrain. Doch da reiht sich Knick an Knick, da ist tem Feld für eine frischfröhliche Attacke, ilnt) Überall, wo er Truppen überholle, sah er in den mageren Gesichtern der 'Burschen den Hunger. Unb überall, wo er fragte, kam die Antwort: keine Patrone mehr, Exzellenz I Wie sollen wir uns wehren ohne Patronen. Exzelleirz?! 3mmer düsterer wird das ernst so fröhliche Husarenaesicht.
Handel.
Frankfurt a. M., 11. Januar. Dorfen- stimmungsbild. Naturgemäh war die Aufmerksamkeit noch in hohem Grade dem Devisenmarkt zugewendet, der heute im Fruhverkehr eine befestigte Haltung zeigte. Die Nachrichten aus Cannes scheinen vorläufig noch wenig Einfluv auszuüben. Der Dollar wurde mit 175—176 genannt. Auf dem Gffettenmarkt war die Tendenz bei ruhigem Geschäft behauptet. Auf dem Markte der amtlich nicht notierten Werte wurden u. a. Deutsche Petroleum lebahft gehandelt, 1C5)—1760, Benz befestigt. Mansselder Kuxe 21 500. In günstigem Sinne wurden Metallbank und Scheideanstalt durch die beschlossene Wirtschastsgemrin- schaft beeinflußt. Westeregeln fest, 2275—2310. Sonst zeigte sich auf dem Montanaktienmarkte bei bescheidenen Umsätzen eine bessere Tendenz Auf den übrigen variablen Märkten bemerkte man Kaufneigung. A.E.G. schwächer. Unter den chemi- schen Werten waren Holzverkohlung, 930, 30Pro- zent höher. Sonst war dieser Martt uneinheitlich. Autowerte besser, besonders Adlerwerke Kleyer. Nach den lehttägigen Rückgängen auf dem Sin- heitsmarkte hatte auf diesem Gebiete eine wesent- lich ruhigere Auffassung Platz gegriffen. Es trat Kaufneigung ein. Schluß behauptet. Privatdiskont 4»/z Prozent.
Kurs 11.1. 77,50 89.- 102,75 71,75 415,- 430,- 292,- 286,- *50, - 409 - 320,- 303,- 280 -
Wieder schüttelt ihn das Fieber. Und da kommt der Herzog von Draunschweig auf schaumbedecktem Gaule: Travemünde ist gefallen —
Er muhte sich'« wohl gestehn: er war umfaßt von allen Seiten mit lernen knapp sechs- taulend Mann von einer fast zehnfachen Ueber- macht. Ueber die nahe dänische Grenze konnte er nicht. Er wußte, der dorten kommandierende General würde ihn mit Kanonenschüssen empfangen. DaS Trauerspiel war za Ende.
Am 7. November in der Frühe hat er in Rat- kau die Kapitulation unterzeichnet. Mit allen Kriegsehren, die ihm Marschall Bernadotte zugestand, zähneknirschend setzte er sein „Blücher" unter das Schriftstück. Aber unter den Namen, das lieh er sich nicht nehmen, schriÄ» er: .Ich kapithulliere, weil tem bcot und kein Muh- nitsion mehr habe." Und das ist die lautere Wahrheit gewesen.
An den tapferen Giese aber, der in der Nacht seiner Wunde erlegen, hat er gedacht: »Wir können fallen und sterben . . . unser Vaterland, daS bleibt I"
In der niedrigen Mansardenstube hockten sie zu viert am Fenster, die NäSlein dicht an der Scheibe. Unten tutete das Kütten, die Züngste. Lore: über ihr lehnte Luise, und über deren rechte Schuller guckte Charlotte, über die linke Sophie. Alle vier waren blond, und eine gütige Fee muhte wohl bei ihnen Pate gestanden haben, denn sie waren bildsauber. Als die hübschesten galten die beiden Zwillinge: Fiekchen und Lott- chen: die sahen sich so ähnlich^ wie ein Et dem andern, waren gewachsen wie Harztannen, hatten einen rosigen Teint, blaue Kornblumenaugen und
Gelsenkirch. Bergw..
Harpener Bergbau. HOO, Oberschl. Eisenb.-B. 745, Ooerschles. Eisenind. 825
Börsenkurse.
Frankfurt Berlin
1-Uhr- 1-Uhr° Schluh- Schluh-
Kurs Kurs Kurs Kurs
10. 1.
77.50 87,-
102,75 71,-
415 - 450,- 300,- 275,- 455,- 402,- 355,- 300,— 283,- 580,-
Fr. Fl. Kr. Kr. Kr. Kr. Sh.
Wechsel auf Holland Deutschland .... Wien Prag Paris London ......
Italien.......
Brüssel.......
Budapest Neuyork Agram.......
Warschau
man in Schlesien „durch sieben Scheffel Erbsen" nennt. Wenn der Alle bei besonders gutem Humor war. erzählte er wohl, dah seine Urgrotz- mutter mütterlicherseits einen Herrn von Geltheim geheiratet hätte, auf Strockow. und day dessen einzige Tochter aus erster Ehe beinahe den Grohvater der Giesemädels geheiratet haben würde, wenn Friederikus Rex nicht den Konsens verweigert hätte. Aber der Major von Giese, der Vater, war Im Unglücksiahr 1806 unter General von Blücher gewesen und bei Lü eck gefallen. Da hatte sich denn, als etwas bessere unc ruhigere Tage kamen, der General der Hintertalse- r.en angenommen, den einzigen Zungen, Kurt, im Kadettenkorps untergb.acht und der Witwe eine kleine Pension erwirkt. Karg und knapp war sie ja, aber man schlug sichlin der Mansarde doch mit ihr durch.
Es waren übrigens nicht d er, sondern fünf Giesemädels, und die fünfte, die im Atter zwischen Luise und den Zwillingen stand, Zulle war nach manches Geschmack eigentlich dte schönste, Aber sie tat nie mit. wenn die andern um Glocker zwölf zum Fenster huschten. Sie blieb vn ihrer Ecke auf dem schmalen, harten schwarz bezogenen Kanapee sitzen und stichelte wett« Immer hatte fie den runden Stickrahmen mtt der allerfeinsten Perlenstickerei vor, bte am beiten bezahlt wurde. Do die anheim lufl.gen BogÄ zwi scherten: .Komm mit!" schüttelte sie nur mb dem Kopf. .Laht mich'" Zart war fie, aber vollendet schön gewachsen, hatte ein schmales Geocht chen mit einem kleinen Grübchen auf de^rech^^ Wanae ganz dunkle Augen und blau chwarzcS ^curr, das auf dem zierlichen Kops kaum zu
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»rinaenÖ ' Vorsts
445 —
für 180 Millionen Goldmark an England, füi 1250 an Frankreich, für 250 an Italien, für 123 an Belgien, für Z an Japan und für 28 Millionen an die übrigen Alliierten.
Beunruhigung in Paris.
Paris. 11. Han. (WTB.) Aus die gestrige Resolution des Finanzausschußes der Kammer hat Briand in einem Telegramm an den Ausschuh geantwortet und erflärt, die Konferenz habe das Reparationsproblem noch nicht in einer Vollsitzung behandelt Er sehe deshalb nicht ein, aus welche Nachrichten der Finanz- ausschuh seine Befürchtungen habe aufbauen können. Es sei ihm daran gelegen, zu erklären, wie er es auch in der Kammer gesagt habe, dah er keine Schmälerung der Rechte Frankreichs zu- lassen werde.
Am Schluh der gestrigen Kammersitzung ereignete sich ein Zwischenfall Der Abgeordnete Daudet erklärte nämlich, die Kammer sei genötigt, eilig Stellung zu nehmen zu den Vev- handlungen in Cannes. Sein Antrag wurde aber mit 312 gegen 199 Stimmen abgelegnt
SU „TnneS"
über eine neue englisch-französische Spannnng.
London, 11. Han. (WTB.) Der Pariser Berichterstatter der „Time s" meldet, in der politischen Atmosphäre herrsche grohe Erregung. Die Entwicklung in den letzten Tagen gebe zu der Befürchtung Anlah, dah eine französisch-englische Krise in der Lust liege. Selbst die Freunde und Anhänger Driands sähen mit Besorgnis in die unmittelbare Zukunft.
London, 11. Jan. (WTB.) Der Sonderberichterstatter der „Time s" in Cannes meldet, es sei eine deutliche Reaktion auf feiten
Büchertisch.
— Stendhal (Henri Dehle): Lucian ßeutoen. Roman, aus dem Nachlah herausgegeben von Jean de Mitth. Ins Deutsche übertragen und mit einer Einleitung versehen von ßdgar Dhk. Mit 7 Abbildungen, Porträts, Faksimiles usw. (Deutsches Derlagshaus Dong & Co.. Berlin W 57 und Leipzig.) — In seinem Roman „Lucian ßeutoen“ schildert Stendhal die französischen Verhältnisse nach der Iuli-Revolution. Alle Typen und Erscheinungen, die er am Auge des Lesers vvrüberziehen läßt. geben ein verblüffend getreues Abbild der Zustände, die wir gegenwärtig erleben. Die politische Lage und Schichtung der Parteien ist fast die gleiche wie heute, so daß Stendhals Roman so aktuell wirkt, dah der Verfasser für einen unserer Zeitgenossen gehalten werden könnte.--
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Amsterdam-Rotterd. 6468,50 6481,50 6493,50 6506,60 Brüssel-Antwerpen. 138 -<.60 1391,40 1398,60 14 1,40 Christiania z747,25 2752,75 2747,25 2752,75 Kopenhagen 3471 50 347b,50 3511,45 3518, 5 Stockholm 4360,60 4369,40 4420,55 44 z9 45 tzelsingfvrS 324,15 324,85 324,65 325,35 Italien 749,25 750,75 759,25 760,80 London 73s,25 740, .5 748,25 749,75 Neuyork 175,07 175,43 176,57 176,93 Paris 1448,551451,45 1458,501461,50 Schweiz 3 101,60 336^,40 3126,55 3433,45 Spanien . 2587,40 2592,60 2637,35 2642,65 Wien (altes) .... Deutsch-Oesterr.. . .
Prag Budapest Buenos Aires . . . Bulgarien Konstantinopel . . .
Der Parteitag der Unabhängigen.
Leipzig, 10. 3an. D e heutige Vormittags- sttzung gehörte der Aussprache. Dißmann nannte es ein erstrebenswertes Ziel, die in den freien Gewerkschaften und im Afabund organisierten Kopf- und Handarbeiter auf den Kampfboden der unabhängigen Sozialdemokratie zu stellen. - Ein Augsburger Vertreter richtete schwere Anklagen gegen das bayerische Regime. Zwischen Kahr und Lerchenseld bestehe nur ein Grad». aber kein Wesensunterschied. Noch immer liefen zwischen Paris und gewissen bayerischen Kreisen die Fäden. Hier fei g.bitte Aufmerksamkeit geboten. Der französische Vertreter, Sascha G r u rn° bach, wiederholt die Warnung fernes Vorredners vor der separatistischen Polittt Frankreichs, die in 'Bayern und tm Rheinland günstigen Boden zu finden hoffe. Die bayrische Reaktion werde von den französischen Imperialisten zieldewußt ge^ fördert. Man wolle nicht sehen, das) Bayern heute die Rolle des früheren Preußen übernommen habe. D.e französischen Sozialisten arbeiteten für L<ie Verständigung der beiden Völker. Noch eine Woche vor (Cannes habe der sozialistiche „Po- oulaire" die Hinzuziehung deutscher Vertreter für notwendig erklärt.
H i l f e r b i n g (Berlin) betonte, dah die Unabhängigen nur deshalb für die Unterzeichnung des Londoner llltimarumd gewesen seien, weil man gewuht habe, dah die Entwicklung den Nachweis der Unerfüllbarkeit bringen werde. Für die (Snttoajfnung Deutschlands garantiere moralisch die deutsche Arbeiters«hast, eine andere Gararttie gebe es überhaupt nicht. Hilserding sprach dann die Zuversicht aus, dah die (Stnigung des deutschen Proletariats ohne das Op ern der Giandsätze revvluttonären Klassenkampfes kom>
men werde.
Abg Rosenfeld (Berlin) meinte, die Par- *ei solle innere Meinungsverschiedenheiten ertragen, denn sie sei dazu gefestigt genug. Es iolgt eine Polemik gegen die Koalitionspolitik ,)er Mehrheitssozialisten und dte Putschtaktit der Chauvinisten, die die Arbeitevschast nur in Not und Elend stürzen würde. Die Einigung mit der Kommunistischen Parier in ihrer heutigen ®c stall sei unmöglich. Was die Mehrheitssozialisten betreffe, so seien die rinabhäng gen bereit, alles zu vergessen, aber die bem Reformismus verfallene Parier müsse die Koalitionspvlitik aufgeben und sich wieder auf den Boden des Klaffen- tampfes stellen.
Der Arzt und Abg. Moses Nagt sehr die Zustande In den bayrischen Strafanstalten an.
Die Aussprache über die bisherigen Referate und das Mani,est nahm nach ei iem Bericht b:r „Frist. Ztg." am Nachmittag ihren Fortgang, ohne sonderliche Eindrücke zu hinterlassen. (Steuer- Politik, Grnigungs- and Koalitronssrage: das sind die Themen, über die man sich äußert Z j b e 11 (Berlin) hält den Tag des Zusammenschl ttses noch nicht für gekommen. Die (Sinicw.ig werde sich gegebenenfalls über die Führer hi >toeg durch die wachsende Bedrohung der Interessen des Proletariats zwangsläufig aas der Basis des revolutionären Klassenkanrpses vollziehen. Die' fern Gedankengange stimmt in wesentlich schärferer Tonart ein Solinger Delegierter zu, der misttrauisch genug ist, vor einem Schwenken nach rechts zu warnen. Ihm sind die 5kommunisten sympathischer als die Rechkssozialisten. — Ein Delegierter Danzigs führi die Gründung Freistaats auf das Bestreben Englands zurück, den Obsthandel in die Hand zu bekommen. Der Telegierte hat den Mut. den französischen und englllch«n Sozialisten zuzurufen, sie möchten in Zukunft mehr als bisher die Entscheidu gen des Völkerbundes durch die Presse bceinflu sen. De: nn greiftaat Danzig auf den Arbeitnehmern lastende Steuerdruck sei unerträglich Noch unerträglicher aber seien die Folge i des sehr hohe Zollsätze vorsehenden deutsch-polnischen Zollabkommens. denn Danzig sei auf die deutsche Einfuhr angewiesen, weil Polen gar nicht imstande, sei, Danzigs wirtschaftliche Bedürfnisse zu befriedigen. — Finanzkrilische Betrachtungen stellt der Qlbg. Hertz (Berlin) an. Er führt die hohen Steuerlasten nicht nur auf die Repara- tronsverpflichmngen, sondern auch auf die Verzögerung der Steuererhebung zurück. Die Geldentwertung sei die ungerechteste indirekte Steuer, die die Besitzlosen belaste und den* Besitzenden in* geheure Verdienste bringe. Die S euerirage biete Die beste Gelegenheit zu einer gemeinsamen Aktion zum Zwecke der Einigung. — Ein b a - bischer Delegierier macht seiner Snttäasch.ing darüber Luft, day dem Parteitage das Programm noch nicht fertig vorllege u d day dieses Prvgiamm auf kiltirgeschichtlichen Betrachtungen statt auf dem Sri rrier Programm aifge- baut fei
Morgen wird Erispien über die intet« nationa.e Arbeitsgemci .schall sozialisti ch:. P rr- teien referieren u;tb die Abstimmung über daS Manifest und die dazu vorliegenden Anträge erfolgen.
Das Manifest der 6. P. D.
Berlin, 11. Jan. Die „Freiheit" veröffentlicht heute das Manifest der Ll. S. P. D., das am 11. 1. von dem Leipziger Parteitag einstimmig angenommen worden ist. Das Manifest enthält die Auffassung der Unabhängigen über die innen- und außenpolitische Lage, betont die Klassenkampf Politik der A. S. P. D.. stellt eine Reihe wirtschafts- und sozialpolitischer Karnpfzielc auf, u. a. die Erfassung der Sachwerte und dic Sozialisierung der Schlüsselindustrien, insbesondere des Kohlenbergbaues, bestätigt den Anschluß der 11. S. P. D. an die internationale Arbeitsgemeinschaft sozialistischer Parteien und bezeichnet als bedeutendstes Ziel der Partei die Einigung des gesamten Proletariats.
Im Zusammenhang mit bem Leipziger Parteitag der 11. S. P. D. sand gestern in der Textilhalle auf bem Königsplah zu Leipzig eine Kundgebung statt. Die „Freiheit" schätzt die Zahl der Tellnehrner auf 25 000 Männer und Frauen. Es sprachen für Oesterreich Friedrich Adler, für Frankreich Paule Saure, Pierre Renaudel und Grünbach, für Rußland Abramowitsch und für die Schweiz Ernst Reinhardt. Weiterhin sprachen Luise Zieh und Crispien.
der Franzosen gegen das englisch- französische Abkommen b^merk^ar Auch die Meinungsverschiedenheiten zwischen Frankreich und Belgien über die Saarbergwerke seien wieder akut geworden. Die Teile der französischen öffentlichen Meinung, die darauf hinausgehen, ein Uebereintommen zu verhindern und die Konferenz von Cannes zum Scheitern zu bringen, übernehmen eine sehr schwere Verantwortung. Die Italiener wünschen sehr, gleich im Anfang an dem englischfranzösischen Vertrag teilzunehmen. Dies würde jedoch bis zu einem gewissen Maße die Nützlichkeit des Vertrages aufheben. Die Alliierten seien fest entschlossen, keinerlei weitere Zugeständnisse bezüglich der jetzt geforderten 720 Millionen Goldmark für das Jahr 1922 an Deutschland zu machen, sondern hätten de» deutschen Vertretern in Cannes nur zu gestatten, sich zu den Garantien zu äußern, die die Alliierten für die Gewährung des Te^moratoriums fordern würden.
Ein Zeppelin für Amerika.
London. 11. Jan. (WTB.) Die „Times" berichten, der Rat der alliierten Botschafter habe genehmigt, daß die deutschen Zeppelin werke ein Luftschiff für die amerikanische Regierung baue.
3um 70. Geburtstag Fehrenbachs.
Berlin, 11. Januar. Reichspräsident Ebert hat. der Germania zufolge, an den früheren Reichskanzler Fehrenbach zu dessen 70. Geburtstag ein Glückwunschtelegramm gesandt, in dem er die großen Ber- dienste hervorhebt, die Fehrenbach als Parlamentarier, als Präsident des Reichstags und der Nationalversammlung und zuletzt als Reichskanzler in besonders schwierigen Zeiten dem deutschen Volke geleistet habe.
Eine Besprechung der Länderregierungev über Deamtenfragen.
Darmstadt. 10. Jan. Eine Besprech Aurgberßänberregierungen, vertreten durch deren Referenten für Deamtenfragen, soll am nächsten Freitag, 13. d. Mts., im Land» tagsgebäude zu Darmstadt ftattfinben. Von den verschiedenen Fragen, die zur Verhandlung kommen sollen, nennen wir: Neuregelung des Beamtenrechtes (Beamtenvertretungen), Regelung deS Erholungsurlaubs, Unterbringung der Beamten aus Elsaß-Lothringen und aus den Abbauver- waltungen. rechtliwe Stellung der weiblichen Beamten. Neuregelung des Reiselostenwelens in den Ländern u. a. m.
Em Besuch des Staatssekretärs für die besetzten Gebiete in Darmstadt.
Darmstadt, 10. Zan. Der Staatssekretär für die besetzten rheinischen Gebiete bet dem Reichsministerium des Innern in Berlin Herr ®r Brügger, war heute in Darmstadt zum Besuche der hessischen Regierung. Am Vormittag sand eine Besprechung mit den Mitgliedern des Gesamtministeriums unter dem Vorsitz des Staatspräsidenten Ulrich statt. ,
(In einem Teil der Auslage wiederholt.)
Ein neuer Vcrteilungsplan für die
deutschen Reparationszahlungen.
Paris, 11. Han. (WTB.) Der Sonderberichterstatter des „Journal" meldet einen neuen Verteilungsschlüssel, der vorgeschlagrn wurde Don der ersten Goldmilliarde, die Deutschland im Jahre 1921 bezahlte, sollen erhalten: England 450 Millionen, Belgien 419 Millionen und Italien 31 Millionen. Don den 720 Millionen Goldmari, die Deutschland 1922 zahlen soll, soll England 191 Millionen erhalten, von denen es zinslos Frankreich 139 leihen forme. Den Rest soll Belgien erhalten. Sachleistungen sollen nunmehr in höherem Maße von Deutschland verlangt werden, als bis jetzt vorgesehen war, und zwar
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Gütern rieNlms.' ein. über > die Dienststellen natei' Auskunft erteilen. '; | Sellin, 10.Januar M Alttemeine Teutlcht Ale nbabtphkicüiM s Acticngcsellschat!.
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