Ausgabe 
11.4.1922
 
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Nr. 86

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Erster Blatt

Dienstag, U. April 1922

172. Jahrgang

hnnaipiu von Mnjeuicu für die Tagesnummer b . zum Nachmittag vorher ohne jede Verdmdlichlteit Preis für 1 mm höhe für Anzeigenv 34inmBreit'» örtlich 120 Pf, auswärts 150 Pf..- für Reklame Anzeigen von 70 mir Breite 450Pj. De, Platz- Vorschrift20Aufschlag Haupischriftleiter: Aug. Goetz Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz für den übrigen Teil: Karl Walther: für den Anzeigenteil: Hans Beck, sämtlich in Gießen

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Druck und Verlag: vrühl'fche Univ.-Vuch- und 51eindruckerei H. Lange. Zchriftleitung, Geschäftsstelle und Druckerei: Zchulstrahe 7.

Die Eröffnungssitzung in Genua.

Der Beginn der Konferenz.

Genua, 10. April. (Spezialdienst des t WolffbureauS.) Die feierliche Eröffnungs­sitzung der Europäischen Wirtschaftskonferenz hat heute nachmittag stattgefunden und nahm einen eindrucksvollen Verlauf. Irgendwelche Zwischenfälle sind nicht eingetreten. Rach der formellen Begrüßungsrede stellte L'loydGe- vrge den Antrag, den Ministerpräsidenten de Facta zum Präsidenten der Konferenz zu Wahlen. Der von Barthou unterstützte Antrag wurde unter lebhaftem Beifall durch Handaufheben angenommen. Hierauf hielt Präsident de Facta eine bedeutungsvolle einleitende Rede. Als zweiter Redner ergriff der französische Minister Barthou das Wort. An dritter Stelle sprach der Japaner Hshii, und an vierter Stelle der Belgier L h e u n i s. Unter, lebhafter Aufmerksamkeit des ganzen Hauses verkündete sodann der Präsident, daß der deutsche Reichskanzler das Wort habe. Reichskanzler Dr. Wirth hielt sodann eine Rede in deutscher Sprache, die darauf ins französische und englische verdol­metscht wurde. Die Rede des Reichskanzlers fand wie alle übrigen Reden lebhaften Bei­fall. Rach dem Reichskanzler sprach der russische Volkskommissar des Auswärtigen, Tschitscherin.

Die Ansprache des italienischen Ministerpräsidenten.

Genua, 10. April. (WTB) Rachdem der italienische Ministerpräsident zum Vorsitzenden der Konferenz gewählt worden war und die Wahl mit Dank angenommen hatte, hielt er eine Ansprache, in der er u. .1. sagte: Rachdem mehrere Jahre seit Friedensschluß ver­gangen, sind wir noch weit von der Rückkehr zu einem normalen Wirtschaftsleben entfernt. Es gibt in der Welt ungefähr 300 Millionen Menschen, die nicht produzieren oder nicht genügend produzieren, weil cs ihnen an Arbcits- und Transportmitteln fehlt, und weil das Vertrauen fehlt. Das ist eine ^lachwirtüng des Krieges. Ohne Vertrauen gehen die großen Kapitalien aus den großen Finanz­zentren nicht in die Länder, in welchen sie not­wendig sind. Das Vertrauen muh man wieder Herstellen, wenn man die wirt­schaftliche Maschine wieder in regelmäßigen Gang bringen will. Runmehr ist es nicht möglich, auf die schwere Krise, die Europa durchschreitet, gleich­gültig oder mit egoistischer Gefühllosigkeit zu blicken. Ohne Verzug müssen die Schäden aus­gebessert werden und man muh sogleich handel n. Kein Volk kann sich dieser Pflicht ent­ziehen, weil auch diejenigen, welche heute weniger leiden als andere, vielleicht morgen schon die Strafe für ihre Teilnahmslosigkeit erleiden müssen. Es handelt sich also um ein grvheS Tlnter- nehmen internationaler und rein menschlicher Zu­sammenarbeit. Der G e i 'st der Zusammen­arbeit und der gemeinschaftlichen Brü­derlichkeit unter den Völkern ist es, der unserer Konferenz das charakteristische Gepräge verleiht. Ausgetrieben ist hier die Erinnerung an den Haß des Krieges. Hier sind wir nicht mehr Freunde und Feinde, hier sind wir nicht mehr Sieger und Besiegte, sondern nur ' Menschen und Rationen, die alle ihre Kraft ge­meinsam zur Erreichung eines gemeinsamen idealen Zieles vereinigen wollen. Besonders in wirt­schaftlicher Beziehung erscheint Europa he ite in so viele durch Barrieren voneinander getiennleLager aufgeteilt, dah einzelne Länder isoliert sind und einander in wirtschaftlicher Beziehung feindschaft­lich gegcnüberstehen. Weiterhin gibt es in Mittcl- und Osteuropa Länder, besondersRußland, das immer i n europäischen Wirtschaftsleben eine äußerst wichtige Funktion gehabt hat und in Zukunft sicher wieder haben muh. die vollständig zu ihrem und unserem Schaden aus dem Tlm- kreis der europäischenWirlschaft ausgeschieden sind. Wir müssen also mit allen Kräften nach Mitteln suchen, um diesen anormalen Zustand abzuschaf­fen. Aber nicht dies allein ist unsere Aufgabe. Die Tagesordnung enthält eine Reihe von Wirt- schofts- und Finanzfragen, die alle Länder Euro­pas angeben. Es sind das Fragen, die für uns aste Cine Gewissensprüfung mit sich bringen, die kritische Prüfung unserer Mili­tär». Finanz-, Wirtschafts-, Han­dels- und Transportpolitik. Die al!- gemeine Politik Italiens nach' dem Kriege ist ständig eine Politik des Friedens und inter­nationaler Zusammenarbeit gewesen. 3talien wird mit voller Kraft und Tlek^rzeugung diejenigen Beschlüsse unterstützen, die am besten geeignet sind, einen dauerhaften Frieden und Beständig- feit der Beziehungen zwischen den Rationen zu sichern. Schon hat die Welt als Ergebnis der jüngsten Washingtoner Konferenz die große Wolke des Stillen Ozeans verschwinden sehen. Mit dem gleichen Geiste der Aufrichtigkeit und des guten Willens, der die Arbeiten der amerikanischen Konferenz beseelte, müssen wir in Genua für den Friede»., (arbeiten. In wirtschaftlicher Be­ziehung wird sich Italien entschlossen für aste Vorschläge entscheiden, die geeignet sind. Die Völker einander zu nähern und die na­türlichen Wege des Handels wieder gangbar zu machen. Es ist bereit, die Hindernisse zu bekämpfen, die der Entwickelung des Han­dels durch die Politik der Verbote er­wachsen lind»

Eine Rede des Führers der Franzosen.

Genua. 10. April. (Spezialbericht des Ver­treters des Wolffbureaus.) 3n der heutigen Er­öffnungssitzung der Konferenz hielt der französische Delegierte Minister Barthou eine Rede, in der er folgendes ausführte: Aus diese Konferenz, von der eine Reuorientterung der Welt ihren Ausgang nehmen- kann, bringe ich die wohldurchdachte Willens­äußerung der loyalen Mitarve it Frankreichs mit. 2lls Lloyd George in Can­nes die großmütige Anregung dazu gab, hat Frankreich unverzüglich zugestimmt, und wenn cs später einen Aufschub vorgeschlagen hat, den es glücklich ist, erhalten zu haben, so hat es sich nur von dem Wunsche bestimmen lassen, durch eine ergiebigere Vorbereitung Ergebnisse zu erreichen, auf die es sein Vertrauen und seine Hoffnung setzen kann. Die Welt ist der leeren Worte und der feierlichen unfruchtbaren Er­klärungen müde. Sie leidet in ihrer Gesundheit, Sicherheit und Stabilität und verlangt, daß eine1 planmäßige und wirksame Aktion ihr endlich das Gleichgewicht wiedergebe, dessen sie bedarf. Wir sind hierher gekommen, um zu handeln. Wir sind bereit, unseren Anteil an der gemein­samen Arbeit und den gemeinsamen Verantwort­lichkeiten zu nehmen. Gewiß, wir verhehlen uns nicht die Schwierigkeiten und Hindernisse und die Langsamleit der Aufgabe. Aber die Pessi­misten vermögen nichts, nur der Glaube wird die Welt retten. Europa ist mit Ruinen besät. Es würde töricht sein, zu glauben, daß eine Zauber­gerte mit einem Streich auf dem Trümmerhaufen ein Zauberschloß errichten könnte. Aber es wäre eine noch schlimmere, noch vernichtendere rnnd rwch mörderische Torheit, sich mit gekreuzten Armen am Wege niederzusehen und nichts zu tun; denn es ist allzu viel zu tun. Frankreich i st von keinem nationalen Egoismus beseelt und wünscht keine Hegemo­nie auszuüben. Seine Sachverständigen werden eine beträchtliche Arbeit vorweisen. Es gibt kein Problem, das ihren Untersuchungen und Überlegungen entgangen wäre. Die Ver­wicklung der Fragen schließt eine einfache For­mel aus. Europa, sagen wir ruhig die Welt, ist eine kommerzielle Einheit, die vom Kriege gestört und gelähmt wurde, auch bei Den Böllern, die nicht am Kriege beteiligt waren. Es ist Sache eines jeden dieser Völker, bet Der Wiederaufrichtung aller mitzuhelsen. Die fran­zösische Delegation wird gegen nie­manden jemals ein Wort des Hasses a u s s p r e ch e n. Sie will niemanden demütigen und wird im offenen Tageslicht handeln; Denn sie bat bezüglich ihrer Ideen und Absichten nichts zu verbergen. Sie ist beseelt von Ehr­lichkeit, gutem Willen und Vertrauen, ohne Die es zwecklos und vielleicht gefährlich wäre, sich an die Arbeit zu begeben. Friede und Arbeit sind das Programm und die Losung Frankreichs.

Reichskanzler Dr. Wirth.

Genua, 10. April. (Spezialbericht des Ver­treters des Wolff'schen Bureaus in Genua). In seiner Rede auf der heutigen Eröffnung der Ge­nueser Konferenz dankte Reichskanzler Dr. Wirth der italienischen Regierung für Die- freundliche Aufnahme in der berühmten und alt­ehrwürdigen Stadt Genua, an Dem gesegneten Strande des Ligurischen Meeres, an dem zu allen Zeiten die Kranken aus aller Welt Linderung und Heilung ihrer Leiden und Ge­nesung von ihren Krankheiten gefunden haben. Reichskanzler Dr. Wirth fuhr Dann fort: Auch wir suchen hier Heilung von einer anderen Art von Krankheit, welche nicht einzelne, sonDern ganze Völker und Die ganze Welt ergriffen hat, Denn Die ganze Welt ist heute wirtschaftlich krank unD in Der Gefahr, einem Siechtum zu unterliegen, das viel ver­hängnisvoller wäre für die Zukunft der Mensch­heit als jene, welche von Zeit zu Zeit die Menschen heimsuchte. Es ist ein tröstlicher Ge­danke, daß die Einberufung der Konferenz von Genua ein Zeichen ist für die wachsende Erkennt­nis, dah Die wirtschaftliche unD finanzielle Ein­ordnung die Zusammenarbeit und die vor­beugende Zusammenarbeit aller Völker notwen­dig gemacht hat. 3n letzter Stunde, in einer Stunde, in der die Rot aufs höchste gestiegen ist. hat sich diese Erkenntnis durchgefeht und hat zu dem Entschluß geführt. Die Völker als Die Aerzte ihrer selbst unD Der Gesamtheit zu versammeln. Den hohen Zielen und Der brennenden Rot ent­spricht es. wenn Die Konferenz unter dem streng­sten Bewußtsein zusammentritt, dah nur s a ch- liche Zusammenarbeit und ernstester Wille zu einem Erfolg führen können. Dies ist die Aufgabe. Die zu lösen gesetzt toirD. Wir müssen uns entschließen, die w i r t s ch a f t l i ch e n Probleme als rein toirt s chaf tliche zu erkennen und sie von den politischen Zielen und Differenz en loszulösen. Alle Völker der Erde bilden, wirtschaftlich ge­sehen, eine große. unlösbar verbundene Einheit. Auch das kleinste Glied in der großen Kette der Weltwirtschaft kann nicht verletzt fein, ohne daß die Kette reiht. Darum muß ein Grundsatz der Gleichberechtigung aller Völker bei unse­rer gemeinsamen Arbeit herrschen. Die Reichs­regierung hat eine schwere Verant - wortung auf sich geladen, bei der jetzigen un­sicheren Lage unseres Landes und Volkes das Schwergewicht ihrer politischen Tä­tigkeit vielleicht auf Wochen hinaus ,-u re le ;en. Aber noch schwerer wäre Die Der-nUvorckung

gewesen, von dieser Konferenz f c r n z u b l e i - b e n und sich an der Aufgabe der gemeinsamen Lösung der europäischen Probleme nicht zu be­teiligen. äleberall wartet man darauf, cb von Genua eine Heilsbotschaft in die Welt gehen wird. Ein Mißlingen der Konferenz würde eine schwere Enttäuschung für alle hoffen­den Völker bedeuten, die bestehende Wirtschafts­krise ins pinerträgliche steigern und ein Tod aller Zuversicht sein, die uns so not tut, wenn wir die Welt wieder aufbauen wollen. 3n diesem Geiste werden wir hier alle Vorschläge prüfen, sie nicht allein nach unseren eigenen 3ntcreffcii erwägen, sondern Darauf hin, cb sie geeignet sind, uns dem ge­meinsamen Ziele näher zu bringen. Wir Wer­dern aber auch von n.n s aus diejenigen Vorschläge machen, von Denen wir glauben, daß sie allen Völkern Den Weg zu einer glück­licheren Zukunft ebnen werden. Der Weg, den wir gehen, ist nicht ohne Steine. Wenn alle oder viele Völker gemeinsam ihre 3nteressen beraten, läuft man leicht Gefahr, Empfindlich­keiten einzelner Völker zu verletzen. Die Hilfe, Die Den einzelnen Wirtschaften ge­währt toerDen soll unD muß, kann nur so gewährt treiben, daß sie der politischen und wirtschaft­lichen S e 1 b st b e st i m m u n g Der "-Bölter kei­nen Abbruch tut. Wenn ich in Diesem Kreise vieler Völker heute Das Wort ergriffen habe, so berechtigt mich Dazu Die besonDere Lage meines LanDes. Deutschland ist infolge feiner geographischen Lage in Mitteleuropa, infolge seiner engen Verflechtung mit Der getarnten, auch mit Der überseeischen Weltwirtschaft, durch die Rot unserer Zeit mit am meisten betraf- s e n< worden. Das Problem der deutschen Wirt­schaft ist untrennbar verbunden mit Den Schwierig­keiten, über welche Die anderen Rationen zu klagen haben. Die deutsche Rot ist die eine Seite, die Rot der übrigen Völker die andere Seite Der Weltkrise. Die Verhandlungen, Die wir zu führen haben, werden Die verschiedensten Gebiete des Wirtschaftslebens, Des Verkehrs, Handels und Der Finanzwirtschaft, wie überhaupt alle Fragen Der Durch gemeinsame Zivilisation verbundenen Völker zu behandeln haben. Die Größe dieser Aufgabe soll uns ein Ansporn fein, daß Die Verhandlungen der Konferenz von allen Seiten mit einem ge­wissen Optimismus geführt toerDen, Der alle großen Werke beflügeln muß. 3d) bin gewiß, mit Diesen meinen Worten keinem Svudergefühl AusDruck zu geben, sondern die gemeinsame ileberzeugung aller hier vertretenen Rationen auszusprechen. (Lebh. Bei,all.)

Lloyd George gegen die heulende Meute".

Genua, id. April. (WTB.) Lloyd Ge­orge sagte in seiner Rede unter anderem: Die Ergebnisse dieser Konferenz werden in gutem oder in bösem Sinne eine ungeheure Wirkung nicht nur auf das zivilisierte Europa, sondern auf die ganze Welt haben. Wir treffen 'hier auf dem Fuß völliger Gleichheit zusammen, aber indem wir das tun, müssen wir die Gültig­keit der Tedingungen anerkennen, die bisher von allen zivilisierten Rationen anerkannt wurden. Die erste ist. daß, wenn ein Land Versprechungen gegenüber einem anderen Lande oder dessen Staatsangehörigen übernimmt, es diese Ver­pflichtungen nicht verleugnen Darf wegen feiner AenDerung des Regimes. Die zweite ist, daß es keinen Krieg gegen die Einrichtungen des anderen führen darf. Die Dritte ist, daß leine Ration einen Angriffskrieg gegen das Gebiet einer an­deren unternehmen darf. Die vierte, daß die Staatsangehörigen jedes Landes das Recht haben, eine unparteiische Rechtsprechung vor fremden Gerichtshöfen zu finden. Diese Bedingungen seien in Cannes festgesetzt worden und sie bildeten die Grundlagen Der Genueser Konferenz. Die Tatsache, daß die Einladung angenom­men wurde, bedeutet an sich, daß auch die Bedingungen angenommen worden sind. Hierauf (am Lloyh^ George ausführlich auf die zerstörende Wirkung des Weltkrieges zu sprechen und betonte, daß der normale Handel überall darniederliege. Lloyd George fuhr fort: Das erste Bedürfnis Europas ist der Friede, ein wirklicher Friede. Das Studium derwirt- schaftlichen, finanziellen usw. Fragen ist gut. aber nur, wenn der Triebe hergestellt ist unD guter Wille zwischen den Rationen herrscht, sonst führen alle Besprechungen zu nichts. Wohl ist es wahr, daß tatsächlich der Kamps eingestellt ist, man hört aber noch immer die Meute heulen. 3n allen Län­dern ohne Ausnahme gibt es Hunde, viele Hunde, die glauben, je stärker und länger sie bellen, um so schrecklicher und entschlossener würde dies toi'.» t e n. Europa ist durch diesen Lärm be­täubt. Das ist betrübend und zerstört Die Grundlage des Vertrauens. Es peinigt die Rerven^der ganzen Welt, die schon fo oiel zu ertragen hatten. Europa braucht Ruhe und Frieden. Versuchen wir. Gutes 3 i schaffen anstatt e s zu bekämpfen. Sie öffentliche Meinung könnte geleitet und gelenkt werden. Man könnte einen Appell an ihr Gewissen richten. 3ch bin über­zeugt. wenn in jedem Lande Die Staats­männer ci icn Aufruf an Die Völker unD an das Gemüt richten würden, so würde die öffentliche Meinung sich beficr leiten lassen. Man könnte sie belehren, daß das Pinglück des einen Volkes noch nicht n o t w e n d i g e r w e i f e das Glück des -i ä D c r e n ya f eia

brauche Die Welt bildet ein? Einheit ift wirtschaftlicher Beziehung Hier zers^lli s.e nicht in zwei Halbkugeln; und aus diesem Grind? möchte ich es bedauern, dah die große Republik des Westens, Amerika, hier nicht vertreten ilt. Wenn wir aber auf Der Konferenz einen nor­malen Stand Der Dinge Deruc.ic.i u-a-.e.., ,o um ich überzeugt, daß Amerika sich uns anschließei» toirD. Es wird 'dies sogar mit Freuden tun. Lloyd George schloß: Wenn wir scheitern, so wird ein Gefühl der Verzweiflung durck) Die ganze Welt gehen. Wenn wir Dagegen Erfolg haben, so wird ein Strahl Der Hoffnung Die Schatten erhellen, die noch Den Geist Der Menschheit um­geben.

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(Erregte Auseinandersetzung zwischen Tschitscherin und Barthou.

Genua, 11. April. (Spezialbericht deS Vertreters des WTB.) Die von Tschitschc- r i n formulierten Bedingungen bezüglich der Abrüstungen veranlaßten Barthou zu energischem Widerspruch. (Anmer­kung deS WTB.: Die Rede Tschitscherins lag bis zu den frühen Morgenstunden noch nicht vor.)

Barthou erklärte. Frankreick) werde nicht gestatten, daß die Frage der Entwaffnung auf die Tagesordnung gesetzt werde. Ön die lebhafte Debatte, die sich daran knüpfte, griff auch L l o h d G e - orge ein. indem er sich formell auf det Standpunkt Frankreichs stellte, ersichtlich je­doch die Ueberzeugung ausdrückte, daß Die Konferenz von Genua ein Mißerfolg sein würde, wenn sie nicht letzten Endes doch zur Entwaffnung führen solltet Tschitscherin wies seinerseits noch darauf hin. dah er ja gar nicht seine Gedanken ausgesprochen habe; teils hätten Pvincare. teils Briand dieselben Odeen ausgedrückt. Briand speziellhabe die RotwendigkeitderAufrechterhal- tung eines starkenfranzösischen Heeres mit dem Bestand der russi­schen Armee begründet. Run seien die Russen bereit, über solche Dinge zu sprechen. Während die Aus­führungen Tschitscherins erkennen ließen, daß Rußland zwar Anregungen gebe, aber die Berücksichtigung Dieser Anregungen nicht zur Bedingung seiner Teilnahme an der Konferenz zu machen gedenke, verharrte Barthou ziemlichfchroffauf seinem Stand­punkte, daß über das Programm von Can­nes nicht hinausaegangen werden dürfe. Schließlich erklärte d e F a c t a , daß <?r zu Be­ginn der Sitzung das Einverständnis aller er­schienenen Vertreter der Rationen mit dem Programm von Cannes festgestellt habe. Cs sei also gegenstandslos, davon zu sprechen; im übrigen seien damit die Verhandlungen Der Vollsitzung vorläufig geschlossen. Am Diens­tag vormittag, Veil Uhr, wird die erste Kom­mission tagen.

Eine Kundgebung Poincar^s.

Paris. 10. April. (WTB.) Minister­präsident P v i n c a r ä hat heute vormittag an den italienischen Ministerpräsidenten Facta Lin Telegramm gerichtet, in dem er fein Bedauern ausdrückt, daß er der Ein­ladung der italienischen Regierung zur Kon­ferenz von Genua nicht persönlich habe Nach­kommen können und beteuert, daß Die Prüfung, die Frankreich erlitten habe, ihm niemals Den Blick auf Die ständigen Gesetze der euro­päischen Solidarität genommen habe. Ebenso wie Frankreich den berechtigten Wunsch hege, die Rechte zu wahren, die ihm Der Friedensvertrag verliehen hätte, ebenso, bereit sei eS, mit aller Kraft und ganzem Her­zen an Der Wiedererhebung Der leiDenber. Völker mitzuwirken. Frankreich werde sich nicht nur gerne der Initiative zu diesem Zwecke anschliehen, sondern auch selbst auf der Kon« ferenz positive und praktische Vor­schläge zu den wichtigsten Problemen machen. Wie die italienische, so wünsche auch die französische Regierung lebhaft die Behe­bung des auf der Welt lastenden Druckes, die Befruchtung des Friedens und die Vorberei­tung einer besseren Zukunft durch Die Kon­ferenz von Genua.

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Genua, 10. April. (WTB.) Bundeskanz- ler Schober hatte heute mit Denefch eine Besprechung, in Der im Zusammenhang mit Fra­gen politischer und wirtschaftlicher Ralur einzelne Punkte Des Programms von Genua erörtert wurden.

Wien. 10. April lWTB.l Wie tas Corr» bureau aus Genua meldet, hat Bundeskanzler Schober heute vormittag den Reichskanzler Dr. Wirth ausgesucht. Er hatte mit ihm eine wich­tige AlnterreDung, in Der Die politische Lage in sehr befriedigender Weise erörtert wurde. Der Bundeskanzler stattete auch Dem Minister des OLcuDem Rathenau einen Besuch ab.