Ausgabe 
10.4.1922
 
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Montag, 10. April 1922

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesfen)

Hr. 85 Zweites Blatt

Die Eisenbahnsanierung im Urteil der Sachverständigen.

Ein Gutachten des Reichsverbandes der Deutschen Industrie.

Bel den Besprechungen, die dec Reichs- verband dec Deutschen Industrie im Herbst D. I mit dem Reichskanzler über die Finanznot Des 2Leiches halte, nur von ihm die Forderung erho- loorDen. die deutsche Wirtschaft von unproduktiven Ausgaben zu entlasten. Die Industrie hatte in diesem (u'omrnenhang ganz besonders auf die Tiottocnbiglcit einer öanierung der Eisenbahnen hingewicsen. Die Beseitigung ihres Defizits und die Steigerung ihrer Leistungsfähigkeit tixir alS Vorbedingung für jede Gesundungsmögllchkeit der oeutschen Bol.wi tschaft b z ichnet wo.den. Der Reichsverbond dcr Deutschen Industrie hat die letzten Monate benutzt, um von einem Aussch itz bernott.*g?nDei Eiscnbahnsachnänner und Wirt­schaftssachverständiger ein Gutachten über die Lage der Reichsbahnen und die Möglichkeit ihrer Sanierung ausarbeiten zu lassen.

5k*8 Guachten liegt nunmehr Dor; es ist unterzeichnet von dem früheren Hnterstaatsselretär im Preu i ch?n Mi rtsterium der öisentlichrn Ar­beiten, F ranke, dem bisherrnen Borst'e rden des Direktoriums der Siemens Schuckert-Werke, Hen­rich, dein früt-eren Mitgliere der Estenbatzn» Direktion Berlin und ehemaligem Vorsitzenden der Direktion der Hinle-Hosmann-Werke, Ge­heimen B-u at Martin, dem früheren Vor­tragenden Rat im Preußischen Mmisterium drr öffentlichen Arbeiten, letzrgen Syndikus der Han- delskommer Essen Geheim at Dr. Qua atz, M. d. R und dem Eisentx»')ndirektwnspräsidentm a. D. früheren Generaldirektor der Pyönix°A °G. v. Schae w o n.

Das Gutachten gibt in einem mit re chhaltrgcm statistischen Materral versehenen Leit zunächst einen Hcberblict über die je-jige Lage der Reichs­bahnen. Die schlechte finanzielle Entwickle.g, das ©Ilten des Lei »u g'g adeZ, die gewaltlze öu- ,rahme des Personalbestandes bei gleich.ettg er­heblich zurüägcgangenen Betriebsleistungen ftn- ben in iym eine eingehende Behandlung. Als Ursachen für die heutige Valutawrrtschrft der deutschen R Ichshöhnen bez i ) en dre Sachver­ständigen die mangelhafte Ausnutzung des me- chanischen und personellen Apparates, die daraus resultierende -Behinderung des Verkehrs, die tn den Wagengesteliu gszijfern ihren überzeugen­den Ausdruck findet, und die falsche Finanzpolitik, die die Ausgabenseite ohne Deckung vielfach mit rückwirkend.r Kraft belastete, während d e Ein­nahmen erst durch zögernde und dann durch 11 sprunghafte Tariferhöhungen ungünstig bectnfl iht wurden.

Die Sachverständigen setzten sich dann tn eingehender Weise mit den Santcrungsplänen der Reichsregierung auseinander. Sie kommen zu dem Urteil das) weder die von der Reichs­verkehr sverwal tu g als Hauptteilmittet ange­wandte mechanische Anpas'ung der Tarife an dir Geldentwertung noch das von ihr geplante Ar- beitSzeitgeseh und Eisenbahnfinanzgr etz geeignet sind, eine tatlää^iche Gesundung der deutschen (Sifenba men h rbeizusähren. Dir Lari c Höhungen sichren nach ihrer Ansicht der heute angewendeten Form nur neue Teuerungswellen herbei und wir­ken sich in vermehrter Inflation aus, wodurch wiederum das Gleichgewicht des Eisenbahnetuts ins Wanken gebracht werden muh. Das Eisen- bahnfinanzgesetz reicht nach der Meinung der Sachverständigen nicht aus, um das in ihn aus­gesprochene <M, nämlich die Trennung der Sisen- bahnfinan.-en vom allgem.ine.i Reichs hau. halt, die Entpolitisierung der Bahnen und Einführung kaufmännischen Geistes in die Verwaltung zu erreichen.

Den von ihnen, als unzweckmätzig und un­zureichend abgelehnten Reformversuchen der Reichste k.'hrsverwa.tung stellen die Sachverstän­digen eigene positive Vorschläge gegenüber, denen der Gedanke zugrunde liegt, da st die Trä­ger der Volkswirtschaft, deren Wohl und Wehe von dem Gedeihen des Ver- kehrswesens abhängt, in er st er Linie berufen sind, den mastgebenden Ein - sluh aus das Eisenbahnwesen aus- zuuben.

Die Sachverständigen sind zu der Heberzeu- gung gekommen, dast eine wahre Gesundung des deutschen Cis.nbahnwesens o.'nr ileberfübrung derselben in eine gemeinwirtschastliche Aktiengesellschaft, deren Anteilseigner die Berufsstände, Landwirtschaft, Handel, In­dustrie und Handwerk, auf>erbem Die Gewerk­schaften und Kommunalverbände, daneben auch das. Reich und die Länder sein sollen, nicht möglich ist. Auch eine Beteiligung der Eisenbahn­

beamten und »arReiter ist vorgesehen. Am Ge­winn der Gesellschaft "fallen das Reich und die früheren Eisenbahnländer besonders beteiligt wer­den. Die Organisation der Gestrllschaft ist so ge­troffen, dast das ganze Reichserfenbahnnetz etwa in 8 mit weitgehender Selbständigkeit ausgestat­tete Generaldirektionen zerfällt, die ihrerseits in einer Hauptverwaltung «zusammengefastt werden. Die in dem Gutachten ausführlich behandelt^ Organisation bietet die Sicherheit dafür, dast tatsächlich ein neuer Geist in den Eisenbahnbetrieb einzieht und die bureaukratische Verwaltung durch eine bewegliche, nach wirtschaftlichen Gesichts­punkten arbeitende Verwaltung ersetzt wird.

Wenn auch schon in der von den Sachver­ständigen vorzuschlagenden Zusammensetzung der Gesellschaft aus den Erwerbsständen, die ja an niedrigen Tarifen ein grösteres Intercs e haben als an der Gewinnerzielung aus den Eisenbahn­aktien, die Gewähr liegt, dast unbillige Tarif­erhöhungen unterbleiben werden, so gehen die Sachverständigen dann doch noch weiter und be­halten dem Reiche ein besonderes Aufsichtsrechl darüber vor. Als neuen Gedanken brin­gen s i e in diesem Zusammenhang die Einrichtung einesbefonderenTaris- g e r i ch t s. In Anlehnung an das amerikanische Vorbild schlagen sie vor, das Reichswirtschafls- gericht als unparteiischen Gerichtshof darüber einzusetzen.

Das Gutachten betont im übrigen, dast auch in der neuen Form die wohlerworbenen Rechte der Beamten erhalten tberden sollen, und dast das neue Unternehmen der gerade b'i den Elfen» lahnbeamten b sonder3 stark Herr chenden Wo nu.tgsnvt durch großzügige öicorungtitätig.eit steuern soll.

In dem finanziellen Teil, der das Gutachten abschliestt, ist der Vorschlag bemerkenswert, den An.eilseignern nur eine mastige Kapltalverzinsung von 6 Prozent zu gewähren und den darüber hälftig dem Reiche und den Eisenbahnländcrn, hinaus zur Verteilung gelangenden Gewinn hälftig den Anteilseigenern zu geben.

Die von rein fachmännischen Erwägungen geleiteten Ausführun;e.r des Gutachtens gipfeln in der Feststellung, dast die Reorganisation nur durchzusühren ist, wenn die Vorteile ausschliest» lich der deutschen Volkswirtschaft zugute kommen und die Entwicklung ungehindert von äusterem Druck vor sich gehen kann. Gelingt die Wieder­herstellung des deutschen Verkehrswe ens, so wird sie von segensreichem Einflust auch auf den Wiederaufbau der gesamten europäischen Wirt­schaft fein.

Aus Hessen.

Reichsversassung und 93arteicgttation.

Don Prof. D. M. Schian, M. d. L.

Die deutsche Reichsverfassung vom 11. August 1919 wird auf c fse.rtllche Kosten jeoem Kind, das die Schule Der läut, mitgegeben. Das bedeutet eine nicht ganz kleine Ausgabe: aber im Interesse der staats bürgerlichen Erziehung der Heranwach­senden Generation ist diese Mastnahme zweifellos zu begrüßen.

Run aber geschieht etwas sehr Merkwürdiges. Den hessischen Schulkindern wird eine Ausgabe der Äeichsverjasiung übergeben, die neben dem Text und einem nützlichen Register auch noch ein Vorwort enthält. Verfasser dieses Vorworts ist Reichsminister a. D. Hugo Preust. Und dieses Vorwort enthält Ausfüh­rungen, die du-chaus vom Parteislandpur kt ge­schrieben und die auf anderem Boden Stehenden schwer zu verletzen gewinnet sind. Ich stelle zum Tewels einige wenige Aeusterungen dieses Vor­worts zusammen.Sie al en Machthaber haben das opferwillige Volk unverantwortlich irrege­führt." 1 Die neuen Machthaber haben sich in staatskluner Mc<> l ung HUtslos" aum ..de­mokratischen ReckMprinzip" bekannt.Die Rutz- nieder des alten zusammengebrvchenen Regiments versuchten tic neue Demok atie mit der r n eheuren Schuldlast ifaeS eIrenen zusammeng brcch nen Re­giments zu belasten." Dast die Weimarer- Ver­fassung selbst in diesem Vorwort über die Masten gepriesen wird, versteht sich von selbst. Wir fragen: Ist es zulässig, dast aus Mitteln des Staates durch dieses Vorwort Partclagitation ge­trieben wird?

Erhöhung der Slaatszuschüsse für die Kirchen.

Darmstadt, 10. Avril. Die F a? Ionen der Deutschen Dolkspartel und des Zentrums (Abgg. Dr. Schian und Lenhan) haben gemeinsam im Hessischen Landtag einen Antrag eingebracht, der Staat möge die der evangelischen und der katho­lischen Kirche gewährten Zuschüsse mit rückwirken-

der Kraft für bad Rechnungsjahr 1921 um das Zehnfache erhöhen. Zur Begründung wird auS- h geführt: c

3n Preuhen, Baden, Württemberg und p Bayern sind die Staatszuschüsse für die christlichen j Kirchen bereits seit mehreren Jahren wesentlich erhöht toorDen. Hessen ist bisher bei den alten Sätzen stehen geblieben, obwohl selbstverständlich die aus diesen Zuschüssen bestrittenen Ausgaben a der Kirchen ganz ungemein gestiegen sind. Wir * halten es für durchaus notwendig, dast der Staat t wenigstens für eins der bereits abgelaufenen c Hahre, also für 1921 22, eine Erhöhung seines Bei- i trags nachträglich oomimmL Er wird damit nur j das tun, was die oben genannten Staaten bereits . seit längerer Zeit getan haben. Wir glauben, dast - eine Verzehnfachung der Zuschüsse ungefähr der Geldentwertung, wie sie sich im abgelaufenen Rech­nungsjahr 1921 22 herausgedllde; hat, entspricht."

Für daS Rechnungsjahr 1922 beantragt die Fraktion der Deutschen Volkspartei (Abg. Dr. I Schian und ©en.) die Erhöhung des Staats- zuschusses für die evangelische Kirche um das Fünf- < zehnfache. Also anstelle dec Summe von 322 C00 Mark eine solche von 4 830 000 Mark. Zur De- , gründung deS Antrages wird gesagt: ,

Eine groste Zahl von deutschen Ländern hat , die S aats^uschüsse für die evangelische Kirche be­reits seit mehreren Jahren sehr erheolich erhöht. Auch die evangelische Landeskirche in Hessen hat die Ausgaben, die aus dem Staatszuschuh be­stritten werden, entsprechend der Geldentwertung ganz bedeutend erhöhen müssen. Es entspricht der Blligkest, dast der Staat seinen Zuschust nunmehr endlich in dem durch die Geldentwertung gefor­derten Mast herau,s. ht Die eta7.g-.li d>e Lan­deskirche ist durch die Teuerungsverhältnisse in schwere Bedrängnis gekommen: sie kann auf die Erhöhung des Staatszuschasies nicht mehr länger warten. Wir halten es daher für notwendig, das) der Staat noch in den Doranschlag für 1922 die erhöhte Suyrme einsetzt."

Das amtliche Kartenmaterial in Hessen.

Rack.dem nunmehr das letz e Blatt (Büdingen, Ar. 34) der Hess. Höyenfchichtenlarte feriijgeftcllt worden ist, hat für Hessen ein Kartenwert von hoher fach- u d rulstar wissen chasilichcr Tetzr.i- tung einen Ab^chtzust grf anden. Die Höhenschichten­karte im Maststab 1: 25 080 (Metztischtzlätter) ver­dankt ihre Entstehung den Bedürfnissen, die sich nach Grünt urg des Deutschen Reiches bemerk- Lat machten. Ihre Herstellung erfolgte durch die topographische A trilu rg des Landcsvermes- sungsamtes. Für Hesien tarn die Herstellung von 80 Blättern in Frage.

In Würdigung der Fertigstellung der Hess. Höhenschichtenk -rtm fyit daS Landes e mesfangs- c .nt begirfhenb in der Woche nach Ostern ins­besondere auch in Verbindung mit der Iah-res- versam-nlu ~g des Hess. Pyilologenoe.eins eine Äartenciid Stellung im Gebä rce des Landes- vermessu gsarnts zu Darmstadt, Zeughaasstr. 1 vorgesehen. Diese KartrneaZsiellu g hat d n Zwe t, alle brte lig'en Kreise über dt? vo'k. - wir^schaftliche) u urg geeigneter Karte-Werke awzuklärem Es soll tn Bilde gezeigt werden, wie ein Kartenwerk entsteht, welch: Anforderun­gen nnch dem Kulturstand der verschiedenen Zeit­abschnitte an die Kartenwerke gestellt worden sind und welche Bebeutsing die Kartenwerke für die Wcwtermittelung und Sicherung des Gr^nd- eigen rund, die Geologie, das Feldberetnigungs- und Sied-elungsw fen, die Dm- mb Forstverwak- tung sowie f-str die Altertumsforschung, die Pflege der Heimatstinde und im Schulunterricht besitzrn Im weiteren soll gezeigt werden, in welcher Weise man in Hessen bestrebt sein wird, die votswirfchrftlw'«' Bedürsti'e der kommenden Zeit durch Herstellung geeigneten Kartrnmate- rials zu b^ried gen.

Die Herste! u rg der neu^n Grundstückspläne (früher Ka asterlarten) erfolgt nunmehr bei Aas- fuh'ung neuer Ka'astervermessungen tn einer z ir Vervielfältigung auf photom-chinischem Wege ge­eigneten Form, so da') auch diese Karten tote in den anderen süddeutschen Staaten gegen geringes Entgelt von Jedermann erworben werden können.

Kirche und Schule.

ss. F r i e d b e r g, 9. Llpril. Mit dem Be­ginn des neuen Schuljahres werden in unserer Stadt einige einschneidende Beränderun- genimAnterrichtSwesen etnt e en. An der Augustinerschule wird durch Errichtung der Unterprima der Realschule der erste Schritt zum Ausbau der Oberrealschule erfolgen, mit dem im nächsten Jahre fol­genden weiteren Aufbau der Oberprima ist

diese Schule dann vollständig und Friedberg besitzt dann zwei gleichberechtigte Anstalten; eS ist den Eltern dann die Wahl freigcstellt, welcher von beiden dieser Schulen sie ihre Kinder anvertrauen wollen. An dem Lehrer- eminare fanden in dieser Woche die Auf­nahmeprüfungen für die untere .Klasse der neu zu errichtenden Auf bauschule statt, die an die Stelle des seitherigen Lehrerseminars treten soll; von 12 Angemeldcten wurden 10 ausgenommen; weitere Anmeldungen liegen vor und eS soll eine weitere Prüfung am 1. Mai stattfinden. Damit ist der erste Schritt zur Errichtung der Aufbauschule geschehen, in fünf Jahren werden die letzten Seminaristen die Anstalt verlassen.

x Echzell, 9. April. Im Knaben- Institut Lucius auf dem Forsthcuts bei Echzell fand am vorigen Samstag die dies­jährige Reichsverbandsprüfung statt. Durch diese Prüfung haben die dem Reichs- verband angehörenden Privatschulen einen Ersatz geschaffen für d e f-ühere Einjährigen- Prüfung, jedoch sind die Anforderungen höher, als eS bei jener Prüfung der Fall war. Im ganzen unterzogen siä) fünf junge Leute der Prüfung, und zwar mit gutem Erfolg. Herr Mendelssohn-Bartholdy (Eichen) war Borsitzender der Prüfungskommission. Am Abend fand eine Feier, verbunden mit musi­kalischen Darbietungen, statt.

ch. Münzenberg, 6. April. Vorgestern hielt Frau Pfarrer Behr ich dahier im Saale des Gaslhaufas zum Lötven ci en Misfions- Vortrag und sprach über drei wich ige Fragen dcr S)'uento?lt. An einer Reihe intcrcfianter Licht .Iber zeigte sie zunächst die Ixuptfächlichsten tropischen Ra> .ungsmitlel, die Iago, ilrtoalb und Feldbauarbeiten, und dann die primitiven, oft s h: merkwürdiger Schnuckgegerstärdc und Klei­dungsstücke, die immer in entern Zusammenhang mit den Produkten des Landes, dem Klima und der Bcschästisung der Dewohntzr stehen. Im brit'en Teil führte die Dortrarerde aus. wie all die - ige a. tigen T auerge näuche der Q'atmTöltet, ihre Ortungen und sogar fast alle Grausamkeiten ihre Wurzel haben in einer furchtbaren Angst vor Zaube.ei und Geistern und wies dadurch auf d'e Rotwen^iikeit d-t Mistion bin. Ein paar C c id>t \ t boi "Tiglie'er: icST äb'/.n? re ns Vvrgetragen tour »n, Hal en den Abend verschö­nern. Gestern wu de der Dv't ag in etwas ver­änderter Form für die Schuljugend wiederholt. Der Besuch war an beiden Abenden erfreulich gut. Der Reinertrag tnurbe der Rheinischen Mission überwiesen.

Turnen, Sport und Spiel.

Stadion-Lehrgänge für Fuß­ball. Die von der Deutschen Hochschule für Lei­besübungen ausgeschriebenen Lehrgänge sehen gleich zu Beginn zwei Kurse für Fuhball, vom 15. bis 21. Mai für UebungSleitcr und vom 29. Mai bis 10. 3uni für fortgeschrittene Spieler, vor. Das nähere Lehr- und Aebungsprogramm ist bereits feftgefe.-t. Der praktische UebungSbetrieb steht unter dec Leitung des bekannten Fuhball- lehrers Knesebeck: als <$rgänaun.]cüjungen wer­den Leichtathle.ik und andere Spiele (Handball usw.), sowie Schwimmen unter Anleitung der Stadionlehrer S^chclenz und Kellner betr.ejen. Für die sportfachlichen und wissenscha'tüchen Lehr­gebiete sind ebenfalls anerkannte Kräfte, wie Dr. Diem, Dr. Kirchberg, Dr. Kohlrausch. Dr. Mair, Dr. Dallwitz, Koppehel, Steinhoff tätig.

Für die Deutsche Dereins» Meisterschaft 1 922 hat der Technische Aus­schuß der Deutschen Spvrtbehörde für Lcicht- athle ik folgende Hebungen fest gelegt: 110 Meter Hürdenlauf, 1500 Meter Lauf, Hochsprung mit Anlauf, Dreisprung mit Anlauf, Ku. e.ft oben und Diskuswerfen. Im vergangenen Iahre wurde die Meisterschaft erstmalig ausgetragen. Der Frankfurter Turnverein von 1860 ging als Sieger aus dem Wcttbewcrb hervor, der seitens Der deutschen Leichtachlctik-Dereine recht mäßig he­ft ritten war.

DeräOO-Meter-LaufbeiLeicht- athletikveranstaltungen. Die Deutsche Sportbehörde für Leichtathl trk gibt bekannt, dah in den Ausschreibungen bei Orts- Bezirks- Lan­desverbands- oder Rationalen Veranstaltungen der 300-Meter-Lauf nicht fehlen darf, um für die 25mal 300-Meter-Staffel bei den Deutschen Kampifpielen in den einzelnen Landesverbänden eine Hebersicht über das für diese Strecke in Betracht kommende Läufermalertal zu bekommen.

Vie Pforte der Paradieses.

Roman von Ingeborg Bvllquartz.

Ceredirtgte Ueberfefeung aus d m Dänischen.

31. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.)

Im Wagen fast der ^uptmann ganz still da und Frau Inger tonnte beinahe nicht an ihr eigenes Leid denken, so bekümmert war sie über das veränderte Aussehen ihres Mannes. Aks sie zu Hause ankamen, sprcmg Mogens zuerst aus dem Wagen und schlost die Flurtür aif.

.Die Post ist dc^ewesen," sagte er and er­griff einige Briese. .Dieser ist an Vater" und bot ihn seiner Mutter hin.

.Er ist von Herrn Flint-I<msen," sagte Frau Inger and reichte, ihn ihrem Marrne.3eng, diesen Brief müssen wir lesen," fuhr sie emst fort. Den darfst du nicht verbrennen wie die andern. Sobald ich abgelegt habe, komme ich zu drr in dein Zimmer, und dann lesen wir den Brief zusammen."

Als sie ein paar Minuten später bet ihm etn- trat, säst er ztoammengesunken in dem grotzen Lehnstuhl vor seinem Schreibtisch. 6cm Gesicht war merkwürdig verzerrt, und er starrte sie hilf­los und ängstlich an.

oWas ist dir, Iens!" rief sie entsetzt und griff nach dem Briest der vor ihm lag, als suche sie darin nach der Erklärung, die ihr der Kranke nicht geben konnte. Sie durchflog den Inhalt und begriff eigentlich nur die letzten Zeilen .Wenn Sie nicht selbst Geld zu beschaffen ver­mögen. so kommt das Haus in Zwangsverstei­gerung Ihr Kapital ist leider aufgebraucht. Ge­naue Abrschimng mit Beilagen folgt. Ehrerbts- Pgsl." And so weiter.

.Iensl" Das klang wie ein Schrei, denn dcr 1 Hauptmann hatte sich indessen nicht gerührt, und sein Mund zog sich schief nach unten, als er ver­suchte. ein paar Worte zu lallen.

Frau Inger sah ihn einen Augenblick entsetzt an, dann lief sie an die Tür und rief weinend: Mogens, Mogens, lauf so rasch du kannst und hole den Doktor, telephoniere ihm dein 'Vater ist krank sehr krank."

Elftes Kapitel.

Hauptmann Dorris hatte mehr als acht Wo­chen krank gelegen nach dem Schlaganfall, der ihn an jenem Abend getroffen hatte, wo er nach Orlas Abreise nach Haufe kam und den Ichümmen Brief von Herrn, Flinl-Ienfen vorfand. Sern Befinden besserte sich zwar langsam, aber der Arzt wagte doch nicht, sich enlschreden .raszu­sprechen. bis wann er gesund fein würde, oder ob überhaupt mit einer vollständigen Genesung zu rechnen sei.

Seine rechte Seite war so weit gelähmt, dast er den Arm nicht gebrauchen konnte, aber wenn er gestützt wurde, konnte er sich doch vom Bett bis zum Lehnstuhl am Fenster hirscheppen.

Der früher so schwermütige und gequält? Hauptmann Dorris war jetzt sehr verändert. Er war ein sehr ruhiger und geduldiger Kranker und war rührend dankbar für die Pflege, die rr erhielt, und freute sich über fabe Freundlichkert, die ihm erwiesen wurde.

Diese Verände:ung war aber nicht feiner Krankheit, sondern seiner Frau zu verdanken, die kaum einen Augenblick von seiner Seite wich

Frau Inger war nämlich selbst wie verwan­delt. An jenem Tage, wo sie plötzlich ihren Mann ftrmm und hilflos vor sich sah, war eine merk- | würdige Hmwandbang in iyrer Seele DocgegangeiL

Im ersten Augenblick war sie so entsetzt, dast sie nicht toustte, wie sie das tragen und noch weniger, wie sie ihm helfen sollte.

Aus alles andre war sie vorbereitet gewesen besonders darauf, was sie selbst immer ge­fürchtet hatte, es konnte auch ihn das Schick­sal seiner Mutter treffen und er könnte feine Tage fern von daheim beschließen müssen er könnte für seine Lichen ein armer Hnglücklicher werden, dem s i e nicht mehr zu helfen vermochte, der aber doch auch selbst nicht das volle Ver­ständnis für fein Elend habe. Ader an Biese Möglichkeit hatte sie niemals gedacht. Hnd das war doch so unendlich viel schlimmer.

Hier log nun der körperlich vollständig kräf­tige Mann so hilflos wie ein kleines Kind und hatte dabei das volle Dewusttsrin feiner Hilf­losigkeit.

Er, dem so unendlich davor gegraut hatte, er könnte feinen Mitmenschen, und besonders der Frau, die er liebte, eine Last werden, er muhte jetzt stumm ihr Entsetzen rrnd ihre Derztoerslung mit an sehen. Hnd in dem Blick, den diese beiden Menschen tauschten diele beiden, dre kernen höheren Wunsch gekannt hatten als den, einander alles Glück und alle Freude der Erde zu bringen in dem lag nun eine Welt von gegenseitigem Verständnis.

Seine Blicke trafen in die ihren mit einem angstvollen Flehen um Hilfe, und ihre trän2n- verichleierten Augen flehten ihn um Verzeihung an. Jawohl Verzeihung, denn es war, als ob Frau Inger plötzlich sehend geworden wäre Beinahe drciundzwanzig I«hre lang hatte sie sich wie mit einer Binde vor den Augen weiter­getastet, und nun war ihr diese Binde mit einem Male afr-eriflen wo oder»

Sie hatte allerdings immer ein Gefühl gehabt, als ob SieIrregegangen wäre, toie sre selbst einmal zu ihrem Manne gesagt hatte, und zu­gleich war ihr stets von» ferne eine Ahnung aufgebämmert, dast sie trotzdem wohl immer Du Gabe gehabt hätte, ihm zu Helsen, dast sie nur nrcht verstanden habe, diese Gabe richtig zu gebrauchen.

Hnd nun vereinigten sich oste drese seither unbestimmten Gefühle zu Der selten Gewistheit, dast sie wirklich stets und immer die Gabe ge­habt batte, ihm zu Helsen, und sie auch noch 'habe: sie hatte nur sefast den Glauben daran verloren gehabt.

Hnd während ihre Kinder an jenem Abend angstvoll -um Arzt gelaufen waren und sie selbst auf den Knien vor ihrem Marme lag und ihm Die arme, gelähmte Hand küstte und sich tief erschüttert, ja zerschmettert fühlte, da begrift sie, dast das. was sie gewollt hatte nämlich eine Menschenseele aus Dem Dunkel ins Licht zu führen nichts andres war. als ein Wunder, und im selben Augenblick wustte sie auch, dast kein Mensch aus eigener Kraft oder aus eigenem Willen ein Wunder zu tun vermag.

Im Innern gefühlt hatte sie das schon lange, und daher toar die Angst, sie könnte ihr Ziel nicht erreichen, über sie gekommen. Ab^rwenn man selbst Angst hat. kann man andern nicht helfen," das hatte Tante Ellinor zu ihr gesagt und hotte hin-ugefügt'Du mutzt De Angst aas deinem Herzen verbannen, und aus dem Frieden, der dich Dann umgibt, wenn Derne Seele nrcht mehr von Furcht reqnült ist, wfast du Die nötige Kraft schöpfen."

(Fortsetzung folgt)