m. 35 Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberyessen)
Zrettag, (0. Februar $922
Die hessische Regierung zur Besowungssrage.
Man schreibt uns aus Darmstadt:
Dem ßanbtag ist von der Regierung eine Vorlage zugegangen, in der die Er- Höhung des TeuerungSzuschlags zu dem ^ruirdgehalt, den Vergütungen und dem Orts- ^uschlag für die Beamten, Lehrer, Anwärter usw. nach den gleichen Grundsätzen beantragt wird, wie sie für die Reichsbeamten in den letzten Tagen genehmigt worden ist. Darnach erhalten die Beamten zu den angegebenen Bezügen, die den Betrag von 10 000 Mark nicht übersteigen, anstatt eines Teue- rungszuschlages von 20 v. Sy einen solchen von 40 v. Sy, für die höheren Bezüge sowie für die Kinderzuschläge tritt eine Erhöhung des bisherigen Teuerungszuschlags nicht ein, so daß jeder planmäßige Beamte vom 1. Januar 1922 ab den Betrag von 2000 Mk. jährlich mehr erhält. Die Bezüge der Anwärter, der Ruhegehaltsempfänger und der Hinterbliebenen regeln sich nach den für sie geltenden besonderen Vorschriften.
Aus der Begründung ist zu entnehmen, daß die Regierung bei den Verhandlungen mit der Reichsregierung mehrmals angestrebt hat, die durch die Reuregelung der Grundgehalte vom 1. Oktober 1921 an ein» getretene Spannung zwischen den Gehalten der unteren und oberen Gruppen wesentlich zu verringern, daß außerdem wiederholt darauf hingewirkt wurde, einen bestimmten Mindestteuerungs-- zuschlag, der nur für die Beamten der unteren Gruppen in Betracht kommen würde, oder ein Mindesteinkommen festzusetzen. Diese Anträge konnten aber bis jetzt nicht durchgesetzt werden. Weiter wurde von der Regierung bei den Verhandlungen angeregt, zur Herbeiführung eines Dauerzustandes in der Deamtenbesol- dung die Dienstbezüge der Beamten in den einzelnen Gruppen in eine feste einfache Relation zueinander zu bringen, so daß bei notwendigen Veränderungen in den Bezügen immer nur ein für alle Besoldungsgruppen gleichmäßiger neuer Faktor zu bestimmen wäre, mit dem die Grundgehalte zu vervielfältigen sein würden. Cs war weiter vvrgeschlagen, die Reuregelung der Bezüge auf dem Wege der sogenannten gleitenden GehaltSstala auw- matisch dann eintreten zu lassen, wenn die Teuerung um ein gewisses Maß fortschreitet oder zurückgeht, wobei die auf Grund der Großhandelspreise für die wichtigsten Lebensmittel und Gebrauchsgegenstände ermittelten Indexziffern zugrunde gelegt werden sollen.
Obwohl die Regelung im Reich den Wünschen der hessischen Regierung nicht entspricht, weil der vvrgenvmmene Ausgleich nicht als ausreichend angesehen wird, muhte sie aber doch übernommen werden, da nach den reichsgesetzlichen Bestimmungen des Besvl- dungssperrgesetzes keine Anordnungen zulässig lind, die über diese Regelung hinausgehen. Andererseits war die Aebernahme der Reichsvorschriften im Interesse einer gleichmäßigen Behandlung der Landes- und Reichsbeamten notwendig. '
Schließlich ist aus der Vorlage noch zu entnehmen, daß auch jetzt wieder von der hessischen Regierung entschieden darauf hin- gewirkt wurde, das derzeitige Ortsklassen sh sie m zu beseitigen und dafür ein Wohnungsgeld zu geben, da für die hessischen Wohnorte die Einteilung in fünf Ortsklassen nicht berechtigt ist und für Hessen nicht aufrechterhalten werden kann. Leider haben aber diese Anträge zu einem Ergebnis bis jetzt noch nicht geführt.
Kirche und Schule.
X Wiese ck, 9. Febr. Fräulein Storck, Sekretärin des Verbandes der evangelisch- kirchlichen Frauenvereine in Hessen, die in diesen Tagen den vielerorts bestehenden Frauenvereinen des Dekanats Gießen neue Anregungen bringt, wird diesen Freitag abend im Ratssaal in einer Frauenversammlung einen Vortrag halten: der Abend bietet auch Gelegenheit zur Aussprache.
Handel,
Berlin, 9. Februar. Börsenstimmun gsbild. Da die Besserung des Reu- yorker Markkurses hier eine Abschwächung der Devisenpreise bewirkte, wobei aber die Umsätze mangels Bedarfes der Industrie zu Einfuhrzwecken nach wie vor gering bleiben, war die Kursbildung der Börse anfangs unregelmäßig. Die Grundstimmung blieb jedoch fest, wozu wesentlich die endgültige Beilegung der Berliner Ausstandsbewegung beitrug, da damit die lästigen Verkehrsstörungen, wie die für das Börsengeschäft besonders fühlbare Sperrung des Privattelephonverkehrs usw. in Wegfall kommen. Wieder wurden die Umsätze in der Hauptsache von der Spekulation bestritten, während das Privatpublikum sich erst langsam einstellt. Schon zu Beginn überwogen die Kurssteigerungen 20—30 Prvz. und darüber. Oberschlesische Mvntanwerte litten mit Ausnahme von Caro, Oberbedarf und Hohenlohe, die weiter stiegen, unter Realisierungen, während sich lebhaftes Interesse für westdeutsche Mvntanpapiere, namentlich für Essener Steinkohlen und Mannesmann, vor allem aber für die Werte des Rheinelbe-Union- Konzerns, also Deutsch-L'lxemburger, Gelsenkirchener, Schlickert und Siemens u. Halske bei Steigerungen bis zu 50 Proz. kundgab. Für Kaliaktien erhielt sich unter Bevorzugung von Aschersleben, Westeregeln und KrügerS- hall das bisherige Kaufinteresse. Bei den übrigen Industriepapieren betrugen die Steigerungen bis zu 20 Proz. Ludwig Löwe 60 und Gothaer Waggon 125 Proz., wogegen Otavis allerdings stärker fielen. Schiffahrts- und Bankaktien stiegen gleichfalls, nämlich Hansa, Berliner Handelsgesellschaft, Diskonto Eom- manditanteile und Deutsch-Bank-Aktien. Am Rentenmarkt bestand einiges Interesse für Ungarn.
Frankfurt a. Rl., 9. Fedr. Börsen- stimmungsbild. Infolge freundlicher B ur° teilung der innerpolitischen Lage ist die Börse im allgemeinen wieder fester veranlagt. Montanpapiere lagen allerdings weniger einheitlich. Auf diesem Gebiete griff das Entlastungsbeoülfnis der Spekulation von oberschlesischen Werten auch auf andere, letzthin kräftiger gefhnimte Aknen über. Am Markte der unnvtierten Werte war das Geschäft bei gut behaupteten Kursen bescheidener, deutsche Petroleum 1800, Benz 595, Casseler Fatz 1675, Gebr. Fahr 620—630, Rastatter Waggons 675, Chemische Rhenania 985—990, Lastauto 785. Bon Auslandswerten waren Mexikaner schwächer. Ter Devisenmarkt unterlag Schwankungen: Dollar 192.50—190.50. Montanattien bje’ug en sich im Verlaufe. Laurahütte stieg all 1700. Kleyer j. Taimler behauptet. Chemische Werte unreqel» madig. Schiffahrtsaktien mätzig höher Am E n- heitsmarkte war das Geschäft ruhiger bei fester Tendenz. Kaliwerte ruhiger. Der Schlutz gestaltete sich uneinheitlich. Privatdiskont 4y2 Prozent.
Frankfurt a M., 10. Februar, Marknotierungen.
Für 100 deutsche Mark wurden gezahlt:
Datum: 1.7.14. 8.2. v. 2
Zürich.........Fr. 125 40 2,57 2,67
Amsterdam......Fl. 59.20 1,34 1,39
Kopenhagen......Kr. 88.80 2 48 2,48
Prag..........Kr. 117.80 26,30 27,62
Stockholm.......Kr. 88.80 1,93 1,93
Wien..........Kr. 117.80 4077,-
London.........Sh. 97.80 8,59 8,38
। Paris..........Fr. 125 40 6,88 C,-
| Aeuyork........$ 23.80 -,4S -,52
Berliner Devisenmarkt.
Geld Brief Geld Brief
Datum: 8. Febr. 9. Febr.
Amsterdam-Rotterd. 7417,55 7432,45 7167,807182,-0 Drüsfel.Antwerpen. 1620,85 1624,15 1593.40 1596,60 Christians..... 3251,70 3258,30 3186,80 3193,20
Kopenhagen. ... . 4055 90 4064,10 3955, — 2964,— Stockholm ..... . 5184,80 51^5.20 500^,95 5020,05 Helstngfors ..... 289,60 390,49 379,60 380,40 Italien........9,4,- 956,- 95^,50 958,50
London ...... 866,60 868,40 841,65 813,35 Rcuyork.......198,80 199,20 191,55 191,95
Paris........ 1693,301696,70 1663,301666,70
Schweiz . ......3888,60 3596,40 374 ,25 3748,75
Spanien.......3096,903103,10 3046,95 3053,05
Wien (altes) ....
Deutsch-Oesterr.. .. 6,43 6,47 6,78 6,82
Srag......... 370,10 876,90 362,10 362,90
ndapest....... 30,46 30,54 30,76 30,44
Buenos Aires . . . 71,15 71,35 69,27 69,47
Bulgarien...... 134,35 134,65 129.60 129,n0
Konstantinopel . . .
Börsenkurse.
rung sein könnte, und werde es dann Europa überlassen, daraus seine eigenen Folgen zu ziehen.
London, 9. Febr. (WTB) Einer Reuter« Meldung aus Washington zufolge hebt der Bericht des Bundesreserveamtes über die wirtschaftlichen Verhältnisse in Europa die Rotwendigkeit der Wiederher st ellung der Kaufkraft Mitteleuropas und Rußlands hervor und erklärt, dah die weitere Anhäufung von Gold in den Vereinigten Staaten eine ernste Gefahr sein wurde. Ferner gibt der Bericht Frankreich den Rat, Reparationen unter dem Wiesbadener Abkommen entgegenzunehmen, räumt icdvch ein. daß die Verwendung deutscher Arbeitskräfte in den verwüsteten Gebieten undurchführbar sein könnte.
Veröffentlichung
deS französischen Memorandums.
Paris, 9. Febr (WTB.) Aste der »Petit Parisien" mitteilt, wird das f r a n z ö fff cheMe- morandum über die Konferenz von Genua, das der englischen Regierung übermittelt wurde, heute abend veröffentlicht werden.
Berlin
Kurs
10.2.
Schweizer Franken
100 Kr.
959,
895,
930,
100
100
100
100
100
511,-
79,25
724,-
575, 690
995, 650, 510, 508,
74, 726, 220,
100 Fl. =
100 Mk. =>
100 Kr. =■ 100 Kr. =
100 Fr. =■
1 £ -
Ällg. Glektr.-Ges. . . Felten & Guilleaume Echuckert-Werke. . . Adlerwerke......
Daimler.......
4° 0 Hess. Staatsanl. Electron Griesheim Dtsche. Dereinsbank
191.69 2.57 0.175 9.72
41.155 22.40
25.10
41.50 0.80
514.50
1.65 0,16
192.75
2.70
0.17
9.80
44.50
22.50
25.60
42.-
0.82
514.-
1.70
0,15
618,- 623, 584,60 590,
9. 2.
77,50 87,50
109,75 71,90
420, - 304,50 312,- 311,- 500,- 441,- 330,- 298,- 315,-
1099,60 940,- 930,- 9 10,-
1525,- 1005,-
800,-
1039,-
8.2.
77,50
87 50
109,75 71,30
414,50 302,-
312,25 811,- 490,- 421,- 324,- 292,- 315,-
1075,- 89Ci, - 895,- 925,-
1513,- 1010,-
800,- 1040,-
den alten Zustand wiederherzustellen. Bei den Rangierbahnhöfen ist der Betrieb wieder ausgenommen worden. Die Bahnhöfe find jedoch überfüllt. Im Direktionsbezirk sind über 70 Züge zusammengestellt. — Die Tech-
699, 1080,
705, 628.
515, 73,
735,
Heftige Kämpfe in Irland.
Conbo n, 9. gebr. (WTB) Wie die Blätter melden, sind gestern morgen planmätzigeAn. griffe gegen d i e trischen Rationalisten in den Grafschaften Throne und For- managh au: geführt worden. Mehrere Persönlichkeiten wurden nach dem Freistaat entfernt. 'Bet einem Angriff <cu| Formanagh erlitten beide Par- teien Verluste. An zahlreichen ©'eilen kam es zu heftigen Kämpfen. Die Poltzet nahm in einem Falle 11 Angreifer gefangen und erbeutete 3 Kraftwagen, die mit Gewehren, Revolvern und Bomben beladen waren.
Ernste Unruhen in Indien.
London, 9. Febr. (WTB.) „Pall Mall and Globe" erfährt, daß aus Indien sehr ernste Rachrichten eingetroffen sind. Die Lage verursacht die größte Besorgnis. Es fei nicht genau bekannt, welche Aktion die Regierung gegen die herrschende Disziplin- lvsigkeit beabsichtige. In amtlichen Kreisen fei man der Ansicht, dah eine Aktion unverzüglich ein setzen müsse.
Abschluß der schwedisch-russischen WirtschastL- vechandlilngen.
Stockholm, 9. Febr. Wie amtlich mit* geteilt wird, sind die seit einiger Zeit in Stockholm geführten schwedisch-rassischen Wirtschaftsverhandlungen eljt abgeschlossen. Der von schvoedischen und russischen Delegierten unterzeichnete Entwurf 'n einem vorläufigen Wirtschaftsverträge ist gestern von den schwedischen Delegierten der Regierung zur Prüfung unterbreitet worden.
Ein Bankkrach in Paris.
Paris, 9. Febr. (WTB.) Das Bankhaus „Claude La fönte ine", Rue de Trevide 32, hat seine Zahlungen eingestellt. Das Defizit beträgt 15 Millionen Franken. Das Bankhaus besteht feit 90 Jahren und arbeitet mit einem Kapital von 25 Millionen.
Die Wiederaufnahme deS Verkehrs in Frankfurt.
F r a n k f u r t a. M., 9. Febr. (WTB.) Die Eisenbahndirektion teilt mit: Der Dienst ist an allen Stellen des DirektionS- bezirkes wieder planmäßig auf genom» men worden. Das Personal ist zum Dienst zurückgekehrt. In der Personenbeförde^ rung wird der Arbeiter- und Angestelltenverkehr wieder gröhtentells bedient. Leider ist es noch nicht möglich, alle in Frankfurt ankommenden und von Frankfurt abgehenden Personenzüge int Hauptbahnhof abzufertigen, weil die Rangier- und Zuglokomotiven noch nicht in der für die Bewältigung dieses Betriebes erforderlichen Zahl betriebsfähig sind. Es wird mit allen Mitteln danach gestrebt.
695, 1060, 680,
Kurs
9. 2.
77,59
87,60
109,50 71,75
420.- 315,- 308,- 308,-
500,- 426,- 325,- 255,- 314,-
1075,- 917,- 960,- 990,-
1525,- 1000,-
814 - 1050,-
625,- 587,- 697,-
1066,- 715,- 514,- 511,-
74,90 720,- 224,-
(3n einem Teil der Auflage wiederholt.)
Amerikas Haltung zu Genua.
Paris, 9. Febr. (WTB.) Der „Reuyork H e r a l d" meldet aus Washington: Präsident H a r d i n g wird heule morgen feine A n t -- wortaufdieEinladung zur Konferenz von Genua nach Rom abgehen lassen. Diese Antwort wird morgen nachmittag veröffentlicht werden. Man glaubt zu wissen, dah der Präsident in seiner Antwort, obgleich er augenblicklich nicht im Stande sei. eine Hinladung anzunehmen, sich mit den allgemeinen Zielen der Konferenz einverstanden erfiären und das Versprechen geben werde, dah Amerika fein Bestes tun werde, um an der wirtschaftlichen Wiederaufrich-
Wechfel auf Holland.......
Deutschland .... Wien........
Prag........
Paris........
London .......
Italien.......
Brüssel.......
Budapest......
Reuv',rk.......
Agram.......
Warschau......
L. =■ Fr. — Kr. ----- r = Kr. —
Harpener Bergbau. 1595 Oberschl. Eisenb.-B. 975* Ooerschles. (Sifentnb. 814, Phönix-Bergb-Akt. lC9o' Bad.Anilin-u. Soda 625, Höchster Farbwerke.
Datum:
5% Dtsch. Kriegsanl. 4°-gDtjch. Reich sanl. 3"/° Disch. Reichsanl. 4°/0 Preuh. Konsols Hamburg-Pakets.. . Norddeutscher Lloyd Comm.u.Privatbank Darmstädter Bank . Deutsche Bank . . . Disconto-Vesellschast Dresdner Bank. . . Mitteld. Creditbank. Rationalbank f. D.. Doch. Guhstahlwerke Bud.-Eisenw.-Akt.. D.-Luxemb. Bergw.. Gelsenkirch. Bergw..
Züricher Ded^eumarkt.
9.2.
tung der Welt mitzuarbeiten. Präsident $ a r-1 ‘ ~ - ■■ ■ ,, „ .
ding werde die Lage so zeigen, wie sie sei, und «Nische Rothtlfe ist Überall zuruckge so. wie sie nach Ansicht der amerikanischen Regie-1 z o g e N worden.
Frankfurt
Schlutz- Schluh- Schluß- Schluß- Kurs Kurs Kurs Kurs
8. 2. 77,50 87,25
109,- 71,60
411,- 300,-
297,- 306,- 484,- 412,- 324,— 292, - 313 -
Die Blüchermchten.
Roman von HannSvonZobeltitz.
25. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.)
Hat Mama Giese das Zeitungsbla'.t wieder in den Rählasten gelegt und den mit einem R ick zugeklappt: .Der Herr von Bause sollt sich was schämen, solch unmündigem dummem Mädel den Kopf zu verkeilen. Unb, mit Permission za sagen, Deine Durchlaucht hätten gleich feste einschrciten sollen. Mein' ich! Der von Bause in Arrest! Ich hab' der Lore auch Qzubenarreft zuditt^ert, mag ein paar Tage in ihrer Kammer sitzen, kriegt morgens, mittags und abends eine Roggenmehlsupve und mutz ihre tüchtige Portion sticken. Ich krieg' sie schon zur Raisonl"
.Aber den Skandal, der doch nun mal da ist, den bekommen Sie so nicht aus der Welt. Der wird dem armen Ding an hängen auf Jahre hinaus."
-Kann ich nicht ändern. Willls auch gar nicht. Hat sich das hüdsche Süppchen eingebrockt, mag sie'S nun aoslosfeln —"
.Aus offener Straste gestutztl"
-Ach wasl Oder schl.mm genug, Llnd übrigens, in ein paar Jährchen ist Gras darüber ae- wachsen."
Die gute Fürstin hafs noch nicht aufgegeben Sie hat tie Hand der stör-rischen Frau genommen: „Liebste Giese," hat sie geagt. „Mein Lebe- recht interessiert sich nur mal für Ihre Töchter Tät gewitz noch ein übriges. Hat nun aber schon zweimal, einmal selbst wegen der Fiekchen. nun heut' durch mut) wegen der Lore, bei Ihnen an= geklopft —"
Ist die Giesin aufgestanden, hat einen Knicks gemocht, eigentlich recht spölti ch: „Meinen Dank für Seine Lu.chaucht und all sei e Gite! Ab r meine Töchter sind mei e Töch er Da Iah i h mir nichts reinreden. Auch v^n k.ir.em Ge c.al seldmarichall nicht!"
Daraul hat die gute Frau Amal'e nir ein Lächeln gehabt. Ihren Lebe recht konnte tn ihren
Augen kein Mensch beleidigen: die Giesin am allerwenigsten. Sie sah das Avantgardegefecht allerdings als schon abgeschlagen an, wollte aber doch noch eine letzte Attacke riskieren. Spricht also: „QKetnc liebe Frau von Giese, bitte, bedenken Sie doch, datz Sie nun schon zwei gute Partien für ihre Töchter ausgeschlagen haben. Erst den wahrlich sehr wackeren H.uptmann von Reblih für die Sophie, nun den ebenso wackeren Herrn von Dause für die Lore. Die Männer aber sind heute, nach den vielen Campagnen, rarer als je, und solche, die in einer guten oder auch nur in einer leidlichen Assiette sitzen, erst recht. Tas sollte, meine ich, eine Mutter, die in die Zukunft hinausdenkt, doch in Betracht ziehen."
Tie Giesen stand noch Sie war beim Anfang der Unterredung ja höchst sanftmütig gewesen, hatte am allerwenigsten an einen Streit mit der Frau Fürstin gedacht, die sie auf Krieblowih so gütig aufgenommen. Mer sie war nun einmal ein Tamp,stocher. Wenn sie sich erhitzte, sprudelte sie und bergab sich. Also datz sie auch jetzt, nicht mehr spö tiich, sondern gröblich f g : „Is meine Suche, Euer Durch auch I ‘ Richts weit r. And lälit die Frau Fürstin gehen; kn^pp datz sie den Gast bis zur Tür geleitet. Dafür Wust sie hinter ihr besagte Tür so heftig zu, datz das Haus schrt ert. Dann aber mu; sie sich an die Flurwand lehnen, muh Atem sch p en. Der Dampf ist aus dem Kessel, und ihr tut's leib, datz sie nicht höflicher gewesen. Hätt' am l eb e.i die Tür wieder aufgerissen und die Treppe hirunter« gerufen: „Rommen Sie doch noch ein bitzchen herauf, liebe Frau. Wir wollen s nvch mal tn Ruhe bereden." Dafür ist sie denn, als sie ein paarmal tief Atem geschöpft, zur ß:re in die Kammer gelaufen, hat der die Strafstickerei aus der 'Hand gerissen, weil sie „geju leit“ hätte, und ihr die d'.ppelle Portion Arbeit aufgegeben. Tarauf aber gleich zur Luise — sanft wie ein Lamm — und hat sich bei d>r ausgeweint. Gar nicht so selten hat sie jetzt Träne t gehabt und schweren Derdruh über sich selber.
Item: der Herr Feldmar ch ll hafs bei ber abgeschlagenen Avantgarde«Astäre bewenden las
sen, weil er's für taktisch richtiger hielt. Hat nur, als die Fürstin ih^en Bericht erstattete, gemeint: „Die Weibsleutei'EDie Weiösleutel" Wer gleich hinzugefügt: „Ja, wenn sie alle wären wie du, Maschen 1"
Andern Tags ist in den Mansarden neuer Aufruhr gewesen. Es schellt, und Fräulein Sophie von Giese öffnet. Ist aber gleich wie vom Schlage gerührt. Denn vor ihr steht der Hauptmann von Reblitz, schlank und fast zierlich, tn seiner goldgestickten Uniform mit dem Eisernen Kreuz erster Klasse auf der Brust, das er sich bei Laon im blutigen Kamps gewonnen. Wäre nun das Fiekchen wie die Lore gewesen, würde sie dcm Geliebten um den Hals gefallen sein — so war sie aber nicht, llnb er war auch nicht wie der Herr von Dause, der seiner Lore sicherlich einen Schmatz auf die Lippen gesetzt hätte. Er nimmt vielmehr die Hand des Mädchens, stützt sie ehr- bar-zärtlich und sagt mit bewegter Stimme: „Ich mutzte Sie noch> einmal sehen und sprechen, gnädiges Fräulein . . . meine teure Sophie. Hab' vorhin Ordre bekommen, mutz morgen ins Feld. Unb ich will auch die gnädigste Frau Matter sprechen — ich will!"
Langsam zieht sie die Hand fort, ganz langsam. Das Blut steigt ihr ins Ge icht, sie atmet schwer. Das Herz tut ihr plötzlich weh, und ist doch eine grobe Seligkeit darin. Schwer ant= toortet sie endlich, mit vor Schmerz und Glück bebender Sttmme: „Ich danke Ihnen sehr. Her Kapitän, datz Sie gekommen fini>, datz ich Sie... noch sehe, ehe Sie in die Campagne müssen, tn den schrecklichen Krieg." Unb dann: „Die Frau Mutter ist auggegangen ..."
»Ich mutz sie sprechen. Ich will, ich mutz, meine Sophie! Wir können so nicht schnden!" Run hat er doch den be timmten Ton wiedergefunden. Ist Sollat, ist Oifixier. „Wann d irste die gnädigste Frau Mutter zdrückt m.ne.i?"
_ »Ich" treib es wahrhaftig nicht, Herr Kapitän. ilnb es hat ja auch keinen Zweck, lieber guter . . . Herr von Rediy."
Wie sie das gesagt hat, ruft von rückwärts
her eine weiche Stimme, Luisens Stimme: »Fiel- chen!" ruft sie.
Mutzte wohl ein wenig gelauscht haben, wie Schwestern gern in ihre He rzens g e heimni sfe hineinhorchen und -sehen. Unb ist in ihrem eigenen Glück so voll Mitleid, möchte Helsen — helfen, wenigstens in Ruhe sprechen sollen sich die beiden, die sich lieb haben, wo es den Abschied gilt, wo man nicht wissen kann, ob es überhaupt ein Wiedersehen gibt.
Sophie ist zurückgehuscht: „Einen Moment, Herr Kapitän." ülnd die Sch^western tuschelten leise. Bis das Fiekchen wieder zur Flurtür hascht: „0o Sie eirrtreten wollen, Herr von Reblih. Meine älteste Schivester bittet Sie . . . erschrecken Sw nicht ... Sie haben gewitz von ihrem Unglück gehört . .
Rein, er erschrickt nicht. Weitz ja auch, datz das Unglück fkfy mit Glück paarte, denn die Frau von Giese hatte ja gestern in der Bossischen die Verlobung ihrer älteften Tochter Luise mit dem Grafen Martinez annonciert. Kützt also Luise mit ehrerbietigem Glückwunsch die Hand, sieht zartfühlend gar nichts von dem rosa Schleier, den sie wieder über die rech'e Gesichtshälfte gezogen, und Luise ist ganz die Dame der grotzen Well. Bittet Platz zu nehmen, setzt sich aber bald ableite an den Rählasten und überläDt die beiden sich selbst, wendet ihnen sogar den Rücken zu, reiht Perle auf Perle aus die ©lieferet. And lächelt vor sich hin, wenn sie sie flüstern hört, immer herzinniger, bis sich wohl Lippe auf Lippe fand; denkt dazwischen an ihren Franzi und an die sanfte Schwiegermama: bis sich die Gedanken und Wünsche wieder zurückfinden zu den beiden — möchte ihnen helfen, helfen, helfen.
Dann flirrt im Flur der Schlüssel Im Schloss. Die Mutter kommt heim, sicherlich. Schnell spr.ngt Luise aus, winkt den beiden zu, sich nicht stören zu lassen, und eilt hinaus.
(Fortsetzung folgt.)


