Ausgabe 
10.1.1922
 
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n der Dirtschafis» nz.

8.) Die berichtet wird, g an die Jereiniglen internationalen Dirt- n, die im Wrz statt- rveh hab« diele Lach- gierung mitgeteilt und Maten würden diese

södie.

;5. 3 meldet. Die )be!e von Maer! tat gestern nachmittag er in der Charlotten- )as vergiftet. Sie n Hausbewohnern be- iu Cdbeke konnte ins n, die Kinder starben ariter. Direkwr Sbbeke eist.

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Dienstag, |0. Zaimar 1922

172. Jahrgang

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aus

Die Frage eines Sleuerkompromisses

Land zu verlassen.

Die Bündnisfrage zwischen England und Frankreich.

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Amerikas Haltung.

Paris, 10. Ian. (WTD.) Havas berichtet aus Washington: Die Presse nimmt die An- butung.n die aus Cannes hinsichtlich der Mög­lichkeiten einer englisch-franzosischenAl- lianz kommen, günstig auf, da ein derartiges Wirtschaftsabkommen die Wirtschaftspolitik der Vereinigten Staaten gegenüber Europa beeinflus­sen könne. Gewisse Zeitungen behaupten sogar, daß

Deutsch-lettische Wirtschafts» Verhandlungen.

Berlin, 9. Jan. (WTD.) 3m Aus« wättigen Amt fand unter Leitung des Staats­sekretärs v. Simon die erste Sitzung der deutsch-lettischen Wirtschaftsver­handlungen statt. Simon begrüßte dis Vertreter der lettländischen Regierung und wünschte den Verhandlungen einen günstigen Verlauf. Von lettländischer Seite erwiderte Unterstaatssekretär Albat. Es wurde ein Ein­verständnis erzielt darüber, in welcher Weise die Verhandlungen weitergeführt werden sol­len. ES wurde die Bildung von Unterkvmmis- sionen beschlossen. Die lc irländische Kommis­sion besteht aus Albat als Vorsitzendem, dem Minister deS Innern Kweets und dem Staats­sekretär OsoliS. Der lettländische Gesandte wohnte der Eröffnungssitzung bei.

ausschusseS nach Berlin durchgeführt werden > soll. Die britische Delegation sei der Ansicht, j dah die Reparationskommission selbst ihren Sitz in Berlin nehmen müsse, um Widersprüche zwischen den beiden Organismen sowie die be­deutenden Kosten, die daraus entstehen wür­den, zu vermeiden. ES wurde.keine Entschei­dung getroffen.

Die Bildung eines finanziellen Konsortiums.

Cannes, 9. Ian. (Havas.) Der Sonder­berichterstatter der Agentur Havas meldet: De alliierten Minister haben heute nach­mittag endgültig das in Paris ausgearbeitete Projett bete, die Errichtung eines mit dem wirt­schaftlichen Wiederausdru Eunpas b auft. agt n Konsortiums festgelcgt. Zwei Pläne wur­den vvrgelegt: Der eine, britischen Ursprungs, sieht die Bildung einer Gesellschaft mit einem Kapital von 20 Millionen Pfund Sterling vor. Dieser Plan hat den Rachteil für die Völker mit schlechter Valuta, das) er ihnen Verluste durch deii Wechsellus auferlegt. Loikcheur seiner­seits hat die Bildung einer Hauptgesellschaft mit einem beschränkten Kapital von nur 2 Millionen Pfund Sterling voi geschlagen, an welche in den verschiedenen interessierten Ländern Tochter- gesel.schäften angeschlo sm werden sollen, deren Kapital in der Währung des Landes gezeichnet werden soll, für Frankreich in Franks, für Ita­lien in Lire usw. Auf diese letzte Kombination hat man sich endgültig geeinigt. Sie b.etet den doppelten Vorteil, daß sie die Verluste durch den Wechselkurs vermeidet und daß sie den Gruppen der verschi denen Rationen die Mög­lichkeit läßt, ihre Tätigkeit gemeinsam in den Ländern weiterhin auszuübrn, in denen ihre In- teiessen besonders engagiert sind. Die Haupt- gesel.schaft wird ihren Sih in London haben und den englischen Gesetzen -unterstehen.

Die Vorbereitungen für die Konferenz in Genua.

Paris, 9. Jan. Rach einer Havasmeldung aus Cannes hat der Oberste Rat in seiner Abendsihung beschlossen, -dah schon morgen ein engerer Ausschuß sich mit der an die verschie­denen Mächte zu richtenden Einladung beschäf­tigen soll, an der Konferenz in Genua teil­zunehmen. Dieser Ausschuß soll die Tagesordnung der Konferenz festsehen, bevor die jetzige Tagung des Obersten Rates in Cannes zu Ende geht. Die italienische Regierung werde bann die materiellen Organisationsmahnahmen treffen. Man habe ur­sprünglich daran gedacht, das Dölkerbundssekre- tarlat mit der Vorbereitung der Konferenz von Genua zu beauftragen, der Oberste Rat habe je­doch hierauf verzichtet wegen der vorliegenden Schwierigkeiten, namentlich wegen der Auffassung der Vereinigten Staaten, die im Völkerbund nicht vertreten seien.

Lenin nimmt die Einladung an.

fragen.

Cannes, 9. Ian. (WTD.) Havas meldet, daß Briand heute vormittag mit Lord Cur­zon eine Unterrebung hatte, bie bie eng­lisch-französischen Beziehungen im allgemeinen zum Gegenstand gehabt haben und der weitere Be­sprechungen im Hinblick auf den Abschluß eines französisch-englischen Garantievertrages M*eu sol­len. Rach dem 5a asberichte stet er re ha beln die beiden Regierungen in dem gemeinsamen Wunsche, zwischen sich keine Ursache für Gegensätze bestehen zu lassen und zwar sowohl in der europäischen Politik, wie bei der Wahrung der beiderseitigen Interessen und Rechte in den Kolonien und Schutz­gebieten. Die Orientfrage sei heute vormittag nicht angeschnitten worden. Sie soll von dem fran­zösischen, dem englischen und dem italienischen Außenminister nach Beendigung der Konferenz von Cannes in Paris erörtert werden.

Die Frage der Kohlenliefernngen.

Paris, 10. Ian. (WTB.) Wie dieMorgen- blätter melden, sind die Sachverständigen für bie Kohlenlieferungen gelte n abenb nach Cannes berufen worden. Französischerseits haben Paris verlassen: Ador und Aaron. Es handelt sich um die Festsetzung des Kohlenpreises für bie auf ©runb des Friedensvertrages erfolg­ten und noch zu erfolgenden deutschen Liefe­rungen.

Cannes, 9. Ian. (WTB.) Lloyd George an feine Kollegen in London telegraph ert, _... sie über ihre 'Ansicht betreffend des in Aus­sicht genommenen Garantiepaktes zwi­schen England und Frankreich 'zu be-

Cannes, 9. Ian. (Havas.) Es wird amt­lich bestätigt, daß Lenin die Einladung zur Teilnahme an der Konferenz in Genua bedingungslos angenommen hat, voraus­gesetzt, daß die in Rußland herrschende Hungers- 1 die Sowjetvertreter nicht verhindern wird.

Berlin, 8. Januar. (WTB.) Die Deutsche Volkspartei hat heute durch eine gewaltige Massenkundgebung in der Phil­harmonie einen Angriff gegen die Lüge von der deutschen Kriegsschuld er­öffnet. Hauptredner waren ReichStagSabge- ordneter Dr. Luther, Herr v. Pelet-Rarbvnne und Admiral Brüninghaus. Alle drei Redner betonten, daß es sich hier nicht um eine Partei­angelegenheit handle, sondern um eine Ehrensache des ganzen deutschen Volkes, da auf der Lüge von der d mischen Kriegsschuld der Versailler Vertrag aufgebaut ei. Bei ihrer Beweisführung stützten sich die Redner nur auf Entlastungszeugnisse, die Reu- trale und Vertreter des Verbandes willig oder widerwillig für die deutsche Schuldlosig­keit geliefert haben. Das Ergebnis war glän­zend; feindliche und neutrale Staatsmänner und Diplomaten, englische, belgische, franzö­sische Generale, Schriftsteller und Gelehrte, bezeugten aufs schlagendste die Friedfertig­keit des deutschen Volkes und seiner früheren Regierung. Von deutschen Entlastungszeugen wurden nur Sozialisten angeführt, z. B. Scheidemann, Roske und Kautskh. Die ge­waltige Versammlung belohnte die Ausfüh­rungen der Redner mit wahrhaft tosendem Beifall. Feierliche Orgelklänge leiteten die Kundgebung ein und schlossen sie auch. Die Deutsche Volkspartei wird diese Kundgebung ganzen Lande wiederholen.

bie Beteiligung ber Vereinigten Staaten an ber Konferenz von Genua ab­hängig sei von ber Bestätigung bieses Abkommens.

Autounfall des amerikanischen Botschafters in Paris.

Eannes, 9. Ian. (WTD.) Oberst Har­tz e h, der Botschafter der Vereinigten Staaten in London, wurde heute vormittag das Opfer eines Automobilunfalls. Das Auw- mobll, in dem er sich mit dem Chefredak­teur derTimes", Stead, befand, stieß mit einem anderen Automobil zusammen. Har­vey und Stead wurden in ihr Hotel gebracht, wo die Aerzte feststellten, daß sie keine inneren Verletzungen erlitten haben, aber einige Tage der Ruhe bedürfen.

Die deutsche Delegation.

C a n n e s. 9. Ian. (WTB.) Für bie b e u t- schen Delegierten sind tm Hotel bu Pa­villon Zimmer bereitgestellt worden.

Berlin, 9. Jan. (Priv.-Tel.- Heute mittag hielt das Reichskabinett eine Sitzung ab, an welcher der Führer ber barschen Delega­tion in Cannes, Rathenau. teilnahm. In der Sitzung wurden, den Blättern zufolge, noch­mals die Vollmachten erörtert, welche den deut­schen ©elegierten für die Konferenz erteilt wer­den sollen. Dte Abfahtt ber b utschen Delegier­ten nach Paris erfolgte heute nachmittag 2 Uhr. Sie begeben sich wahrscheinlich von dort morgen nacht nach Cannes, wo sie voraussichtlich am Mittwoch eintreffen.

Paris, 9. Ian. Der Sonderberichterstatter der Agentur Havas meldet aus Cannes: Der Oberste Rat wird die deutschen Delegierten ein« laden, Paris am 10. Januar zu verlaßen, um am 11. Januar in Cannes zu fein.

Der Kamps um die Wahrheit.

Aus dem Reiche.

Die Papiernot der Zeitungen.

Berlin, 9. Ian. (WTB.) Im R eiche» , Verkehrsmini st erium fand gestern auf Veranlassung der Vereinigung großstädtischer Zeitungsverleger eine Besprechung über die Sicherung und Versorgung der Presse mit Zeitungsdruckpapier statt. An den Beratungen nahmen teil: der Reichskohlen­kommissar, Vertreter des Reichswirtschafts­ministeriums, des Verbandes deutscher Druck­papierfabriken und der Vereinigung groß­städtischer Zeitungsverleger e.V. Unter dem Vorsitz des Geheimrats Weyrauch wurde in eingehender Aussprache die augenblickliche Sage der Versorgung der Zeitungen dargelegt. Der Vorsitzende gab im Auftrage des Mi­nisters bekannt, dah vom Reichsverkehrs- ministerium aus die Nachgeordneten Stellen angewiesen seien: 1. unter allen Umständen die nötige Zahl an Waggons zum Trans­port von Zeitungsdruckpapier zu stellen; 2. daß im (Notfälle unbedingt Zeitungsdruckpapier mit Eilgüterzügen zu befördern sei; 3. daß tele­graphische Vormeldungen an die Empfangs­stationen stattfinden sollen. Ferner gab der Vertreter des Reichsministeriums der Bereit- wllligkeit Ausdruck, den Eisenbahndirektionen zu empfehlen, im Falle der Verhängung von Sperren -eine Ausnahme für Zeitungsdruck- papier eintreten zu lassen. Der Vorsitzende wies besonders auf die Rotwendigkeit der Vorrätighaltung von Zeitungsdruckpapier an die Verbraucher an den Hauptzentren hin und stellte dabei die Deihllfe des Retchsver- kehrSministeriums in Bezug auf die Gestel­lung von Waggons in Aussicht. Außerdem sagte er die Gestellung von Sonderwagen zu, soweit der Verkehr zwischen den Zell- stoffabriken und den Druckpapierfabrike» sicherzustellen sei.

Eine Zusammenkunft ber wurttembergischen unb bayerischen Ministerpräsidenten.

Berlin, 10. Jan. Rach einer Meldung berVvssifchen Zeitung" aus München ist dort ber württernbergische Ministerpräsident Dr. Hee­der zum Besuche des bayerischen Ministerpräsi­denten Grafen L e r ch e n f e.l d eirg-tref en. Zwi­schen beiden Ministerpräsidenten soll eine Reihe wichtiger Fragen erörtert w>'dm, die bie süd­deutschen Länder besonders berührt.

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Der Giefttner Hmetqet erscheint täglich, außer Bonn, und Feiertags. Monatliche vezugrpreise: Ulk. 9.50 einschl. Träger- lohn, durch die Post Mk. 10.- einkchl. Bestell­geld, auch bei Nichterschei­nen einzelner Nummern befolge höherer Gewalt. Fern sprech. Anschlüsse: fcrbieS(f)rtftleUung 112; für Druckerei, Verlag and Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnach­richten: Anzeiger Siehrn.

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Aus dem besetzten Gebiet.

Köln, 9. Ian. (WTB) Die Rheinland- ko rn rn i s s i o n hat in bem besetzten ©ebiet box RomanHermann Land , die Schrift Offener Brief an einen Franzosen von Otto Ernst", das BuchUnbesiegt' und das Heft Geschändete deutsche Frauen" verboten. Sie war der Ansicht, daß diese Veröffentlichungen der Sicherheit der Desatzungstruppen schaden wurden. Hierzu bemerkt die .Köln. Ztg", von Koblenz her werde über diese neue Verfügung, über berat Bedeutung man fein Wort zu verlieren braucht, noch nichts gemelbet Man wird also Steilheiten abwarten müssen, ehe man völlig klar steht.

Koblenz, 9. Jan. Rach ber bis Mitte März abschl.eßend du chgefüh ten Verminde­rung der amerikanischen S) e r ? ® stärke am Rhein wird sich die amerikanische Tefahung hn Brückenkopf Koblenz aus folgenden Verbänden zusammensetzen: Hauptquawer, cd in­fiziere; 1. Brigadehauptquartier: 6 Offiziere 34 Mann; 2. Bataillon VI. Feldartillerie: 2) Offi­ziere. 440 Mann; 5. Infanterie: 60 Offiziere, 1262 Mann; 8. Infanterie: 58 Offt- ziere 1262 Mann; Hauptquart ie abteilung 6 Offiziere, 300 Mann; Militerpoliz«- tomlxignie 4 Offiziere, 163 21tann. Ra^ntob. teilung: 8 Offiziere, 131 Mann; Ouarticrmeifter- tS: 28 Offiziere. 500 Mann; Medizinale- luna- 12 Ofsiziere, 345 Mann; Ordonnanzabtet- (ung: 5 Offiziere. 123 Mann; Sigrmlterps: 3 Ofst- ?iere, 150 Mann; Luftüienst: 12 OlfiZlera W Mann. Insgesamt beträgt die Truppen steck

! 521Z Mann. lo-oJ

lutoarten. Die Diskussion habe sich hauptsäch- ßich auf die Frage erstreckt, ob die von Frank­reich verlangte Uebersiedelung des Garantie« |

Die europäische Sanierungskonferenz.

Die Konferenz von Cannes hat unb bas ist zweifellos bedeutsam schon jetzt ein positives Ergebnis gezeitigt, nämlich die euro­päische Wirtschaftskonferenz oder Sanierungs- konferenz, oder wie man sie sonst nennen will, die tm März zusammentreten wird, und zwar unter Teilnahme Deutschlands und auch Sowjetruh- lands. Der Konferenzplan, den Lloyd George ent­wickelt und der, wie in den Berichten aus Cannes versichert wird, allgemeine Zustimmung gefunden hat, ist freilich, woran man erinnern muh, made in germant). Schon auf ber Lonboner Konferenz wurde er von deutscher Seite angeregt, aber da­mals gefielen die Alliierten sich noch in Diktaten unb Ultimaten. Jetzt hat man endlich allseitig eingesehen, daß das Reparationsproblem eine allgemeine Angelegenheit Europas, ja, der Welt ist. Diese Einsicht ist ein Fortschritt, und es ist ein doppelter, wenn man sich entschlossen hat, die europäischen Staaten als gleichberechtigte Teile an den Verhandlungstisch zu bringen, um den Wiederaufbau Europas zu beraten.

Wenn man im übrigen die Rede Lloyd Georges genauer studiert und desgleichen die Re­solution, auf welche die in Cannes versammelten Staatsmänner sich geeinigt haben, dann kommt man zu dem Ergebnis, daß dabei mehr von bem Wieberaufbau Rußlands als von dem Europas die Rede ist. Lloyd George betont ge­flissentlich die Rotwendigkeit der Wiederherstel­lung eines deutsch-russischen Wirtschaftsverhält­nisses. Diese Rotwendigkeit ist in Deutschland längst erkannt und mit aller Entschiedenheit betont worden; aber es hat den Anschein, als ob es ben Alliierten babei vor allem darauf ankommt, durch die deutsche Aufbauarbeit in Rußland mög­lichst Diel Milliarden aus Deutschland herauszu­holen. Es eiPinert dies verdächtig an den schon früher von selten der britischen Industriellen ent­wickelten Plan, ber barauf hinauskam, die deutsche Industrie nur noch für fremde, vor allem für eng­lische Rechnung arbeiten zu lassen. Es steht freilich sehr im Gegensatz zu diesen Plänen, denen gegen­über Vorsicht geboten ist, wenn Lloyd George aus­drücklich die Qlnerfennung der wirtschaftlichen Sou­veränität der einzelnen Staaten, ihrer Behand­lung oes Bodens, ber Bergwerke usw. betont.

Ueberhaupt ist vieles von dem, was in der Rede Lloyd Georges unb der Resolution ent­wickelt wird, noch Rohstoff, der ber Bearbel- nmg bedarf. Wenn er beispielsweise von der Respektier-ung des Privateigenrums unb der Ver­mögensstücke Fremder spricht, so muß dem ent­gegengehalten werden, daß der sogenannte Frie- densvertrag von Versailles das deutsche Pri­vateigentum als Freigut behandelt. Ebenso ist es nod) recht allgemein gehalten, was über bieGa­rantien für gesunde und sichere geldliche Bedin­gungen" gesagt wird. Man weiß nicht recht, was sich davon auf Rußland und was sich auf Deutsch­land bezieht. Jedenfalls sind die gleichzeitig aus französischer Quelle verbreiteten Geruch;e über das angeblich von England ausgellügelte neue Garantieshstem zur Scherung der d u sch-n Re­parationszahlungen mit stärk'!em Vo b.halt aus- zunehmen, und es scheint, als ob es sich hierbei weit mehr um französische Wünsche als um eng­lische Pläne handelt.

So sehr übrigens die Einberufung einer euro­päischen Konferenz zu begrüßen wäre, so muß ooch betont werden, daß uns das Hemd näher ist als der Rock, und daß die Frage der im Januar unb im Februar fälligen beutschen Re­parationszahlungen noch dringlicher ist. Offen­bar will man sich in Cannes mit einem Pro­visorium behelfen, das auf die Festsetzung ber Barleistungen für 1922 in Hohe von 500 ober 700 Millionen Goldmark hinauskommen dürfte. Und anscheinend will sich auch Frankreich hiermit begnügen, da durch den Verzicht Englands auf seinen Anteil ungefähr so viel kommen dürfte, als es nach dem Londoner Zahlungsplan^ an Geld- unb Sachleistungen zu erwarten hätte. Wenn man auch nicht ohne weiteres bie optimisti­sche Auffassung der Offiziösen über die Antwort ber Reparationskommission zu teilen braucht, so bars es doch wohl als ein Fort­schritt begrüßt werben, daß die unumgängliche Reuregelung des Reparationsplans nicht im Aeropag des Obersten Rates, sondern vor dem Forum einer europäischen Konferenz erfolgen soll, bie sich auf den Standpunkt stellen wird und muß, dah eine Zurückführung der in Versailles und' London verhängten Kontributionen auf ein ertiägliches und vernünftiges Maß den Kern­punkt des Wiederaufbaues Europas bedeutet. Freilich wird alles darauf ankommen, ob bie grunbsätzl.che Zustimmung, welche Lloyd Georges Pläne in Cannes gefunden haben, nicht nach berühmten Washingtoner Muster einer Re­vision unterzogen oder gar bis zum März völlig ausge^märzt" wird. Es ist ein weiter Weg von Cannes nach Genua ....

Cannes, 9. Ian. (Havas.) Die Mini­ster, die über die Reparationsfrage verhandeln, haben heute vormittag 11 Uhr über die Fras,r diskuttert, welche Garan­tien von Deutschland verlangt werden sollen, um die Sanierung seiner Finanzen sicherzustellen. Sie seien über die meisten Punkte zu einer Einigung gelangt, hätten aber einige andere zurückgestellt, um die Ankunft der deutschen Delegierten ab»

Berlin, 10. Ian. Wie die Blätter parlamentarischen Greifen erfahren, sieden heute Besprechungen zwischen bem Reichsfinanzminister unb den Parteiführern über die Frage eines Steuerkompromisses statt, nachdem die Vorverhanblungen mit ben einzelnen Parteien schon seit mehreren Tagen geführt werben. Vor­mittags sollen Verhanblungen mit ben Koalitions­parteien und nachmittags Besprechungen mit bat Rechtsparteien abgehalten werden. LautDeutsch. Allgem. Ztg." vertritt die Reichsregierung den Standpunkt, ihre Zustimmung zu dem Ergebnis der letzten Lesung der neuen Steuergesctze ver­sagen zu müssen, weil sie E t a t s a bst r i ch e v o n 12 bis 13 Milliarden darstellten. Die Re­gierung glaubt namentlich mit der Ermäßigung der Umsatzsteuer von 2V2 «^Prozent mit ben Zollermäßigungen für die Einfuhr von Kassee, Tee und Kakao sowie mit den Zollerleihterungen für Zigaretten sich keineswegs einverstanden erklären zu können. Das Blatt weist dann auf die H a u p t- gegensähe hin, die zwischen Zentrum und Sozialdemokratie vornehmlich in der Er­fassung der Sachwerte und der Besteuerung von Grundstücken nach bem gemeinen ober demErtrags- wert bestehen. Ramens des Zentrums habe 'ich besonders der ^geordnete ^e r o l d cmtschteden gegen die Besteuerung nach dem gemeinen Wert ausgesprochen. DerVorwärts betont, daß d e Haltung der Sozialdemokratie in bezug auf die Erfassung der Sachwerte nach wie vor die alte ist und daß die sozialdemokratische Reichstagsfrak­tion keineswegs daran denkt, von ihrem bis­herigen Standpuntt in den Steuerfragen irgend­etwas aufzugeben.

GichemrAnMer

General-Anzeiger für Gberhessen

vrvck und Verlag: vrühl'sche Univ.-Vuch- und Sielndruckerei R. Lange. Schriftleltung, Geschäftsstelle und Druckerei: Schulsttaße 7.