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Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhetzen)
Nr. 5? Zweites Biatt
Mittwoch, 8. Mär^ (022
Beamtenbesoldung nach gleitender Skala.
3n der Ratl. Korresp. beschäftigt sich der Reichstage abgevrdnele M o r a l h mit der De- amtenbesoldungöfrage uni) stellt fest:
Die Deutsche Dolkspartei vertritt die Auffassung, das; mit einer selbsttätigen Anpassung des Beamten- einkommens an den Geldwert endlich Ernst gemacht werden muh. Als am 21. Januar im Reichstag jene Regierungsvorlage zur Abstimmung gebracht wurde, die den Beamten als Ausgleich für die Teuerung (die seit der letzten Besoldungsaufbesserung nach den Ermittelungen des Statistischen ReichSamtS um wehr ais 38 Prozent für die notwendigsten Lcbm .haltungskostcn gestiegen war) ganze 2000 Mk. jährlich anbot. da versagte die Fraktion der Deutschen Bolköpartei dieser Gehaltsaufbesserung, die wie eine Verhöhnung der Beamten wirken muhte und nicht unwesentlich zum Ausbruch des Eisenbahner- streiks beigetragen hat, ihre Zustimmung. Ber- aeblich wies ich als Sprecher der Fraktion auf die Gefahren einer solchen „Gehaltsaufbesserung" hin. vergeblich stellte die BolkSpartei die bekannten Derbesserungsanträge. Rur die Forderung, sofort in eine Erörterung der Frage einer Reuregelung des Beamteneinkommens auf der Grundlage der gleitenden Skala einzutreten, fand die Zustimmung deS Reichsfinanzministeriums. Am 27. Januar wurde auf QIntrag der Deutschen Bolkspartei jener UnterauSfchuh zur Erörterung dieser Frage eingesetzt, der seine Arbeiten mit einer Befürwortung der gleitenden Skala beschlossen hat.
Der Anterausschuh hat die bedeutendsten Sachverständigen gehört. Die Direktoren der statistischen Bureau» von Berlin, Schöneberg. Hamburg, Bremen wurden herangezogen. Der Reichsgerichtsrat Zeiler, einer der bekanntesten Verfechter des Gedankens der gleitenden Skala, kam aus Leipzig; aber auch die Etatreferenten aus den Finanzministerien der größeren Lander nahmen an den Verhandlungen teil, und Vertreter aller Arbeitergewerkschaften und Beamtenorganisalionen hatten Gelegenheit, sich zu äuhern. Ablehnend verhielt sich nur ein einziger Redner, der Vertreter des Deutschen Städtetages, der freilich nur seine persönliche Meinung, nicht die des Städtetages, zum Ausdruck zu bringen betonte. älnd wenn auch die Auffassungen über den Wert der gleitenden Skala bei den Vertretern der Arbeiter- und Angestellten-Ge- werkschaften geteilt waren, so ist doch ein Widerstand von keiner Seite laut geworden. Mit allem Rachdruck haben sich natürlich die Sprecher der eigentlichen Beamtenorganisationen für die Reform eingesetzt.
Läßt sich der Gedanke in die Wirklichkeit umsetzen? Ost eine gleitende Skala technisch durchführbar? Zweifellos. England, Schweden. Oesterreich kennen dieses System, und wenn es hier und dort gewisse Schäden gezeigt hat, so ist es unsere Sache, sich die Er- faffrungen der anderen Länder nutzbar und das Ganze besser zu machen. Zunächst kommt es darauf an, das Einkommen festzusetzen, das einem Beamten schon der untersten Gruppe das zum Lebensunterhalt mindestens für eine kinderlose Familie Erforderliche gibt. Der Aufbau für die übrigen Gruppen mühte alsdann in gleicher Spannung von Gruppe zu Gruppe erfolgen. Die Reichsindexzahl zum Zeitpunkte der Einführung des neuen Systems gibt die Möglichkeit, diese so gefundenen Ge- haltSzahlen auf die Indexzahlen 100 oder 1000 zu reduzieren. Die Anpassung an jede Veränderung der Indexzahlen stellt sich dann als eine einfache Multiplikation dar. Die
Reichsindexzahlen werden gegenwärtig auf Grund statistischer Erhebungen in 71 Gemeinden ermittelt, die monatlich herauSgegebene Indexziffer ist also eine Durchschnittszahl. Wenden wir sie an, so müssen wir noch in irgend einer Weise den lokalen Preisunterschieden gerecht werden. Dazu gibt es mehrere Wege; welcher der gangbarste ist, bleibe einstweilen dahingestellt. Ganz abwegig erscheint der von Sozialisten und Kommunisten aufgegriffene Gedanke ZeilerS, die Anpassung an die Teuerung nur für einen gewissen Gehaltsteil in voller Höhe vorzunshmen, für den Rest des Gehalts sich aber mit einem geringeren Hundertsatze zu begnügen. Die politischen Gründe, die die Linksparteien bei dieser Forderung leiten, sind durchsichtig und bedürfen keiner Erklärung.
Eine andere Frage scheint mir beachtlich und bisher weniger erörtert zu sein. Ist eS möglich, das Beamteneinkommen ganz schematisch zu steigern, wie auch die LebenShal- mngskosten wachsen mögen? Können nicht Amstände eintreten, die es dem Staat unmöglich machen, seinen Verpflichtungen gerecht zu werden? Kann man einem Bruchteil deS Volkes ein Arbeitseinkommen garantieren, das es ihm erlaubt, immer dieselbe Menge von Waren einzukansen? Mit diesen Fragen türmen sich neue Schwierigkeiten auf, aber auch diese sind keineswegs unüberwindlich. Man braucht, wenn eS notwendig werden sollte, nur um etwas hinter den steigenden Indexziffern zurückzubleiben, das Gehalt würde dann ge- wissermahen zögernd der Preissteigerung folgen; das wäre immerhin ein Vorteil, denn es würde folgen, nicht wie jetzt, stehen bleiben. Dabei böte sich der Vorteil, dah man auch fallenden Indexziffern nur mit gleicher Verzögerung zu folgen brauchte. Den Grad dieser Verzögerung festzustellen, wird Sache der gesetzgebenden Körperschaften sein. Die Feststellung kann vierteljährlich vorgenommen werden.
Alles in allem lässt sich sagen, dah eine selbsttätige Anpassung des Beamteneinkom- menS an die Teuerungsverhältnisse keine unlösbare Frage darstellt und dah bei gutem Willen aller Parteien die Einführung nicht allzu lange auf sich warten zu lassen braucht.
Aus Stobt und Land.
Gießen, den 8. März 1922.
•• Zollpersonalien. Die Prüfung als Oberzollsckretär b€f1anZK.n: Die Zolljetretäre Fischer und Saat, Vorstände der Zollämter Lauterbach und Ridda.
" An l agenmus i k findet am Donnerstag mittag 12 Llhr am Liebigs-Denkmal statt (nur bei günstiger Witterung». Musikfolge. 1. Armeemarsch Rr. 58 (Marsch aus „Moses"). G. Rossini. 2. Ouvertüre zu »Athalia". F. Mendelsohn°V. 3. Fantasie aus der Oper »Der Trompeter von Sälkingen". V. Retzler. 4. Espana-Walzer. E Waldteufel 5. Armcemarsch Rr. 186 (Düppeler- Dchanzen-Marsch). G. Riefte.
** D i e G e s ch l e ch t S k r a n k h e i t e n u n d ihre Folgen. Es ist eine bedauerliche Tatsache, dah die meisten Menschen keinen rechten Begriff davon Haden, wie start verbreitet die Geschlechtskrankheiten heute in unserem Volke sind. Erst eine Reichsstatistik hat Aufschluh darüber geben müssen und lehrt, dah es in Deutschland gegenwärtig etwa 6 Millionen Geschlechtskranke gibt, dah mithin etwa jeder zehnte Deutsche geschlechtskrank ist. Aufgabe der Wissenschaft und einer auf dem Gebiete der Hygiene radikal durchgreifenden Gesetzgebung wird es sein müssen, der verheerenden Volksseuche entgegenzuwirken. Die e Arbeit ist jedoch nutzlos, wenn sie nicht eingeleitet und begleitet ist von einer grundlegenden Aufklärungsarbeit. Rur so kann der falschen Scham, über dieses heikle Thema zu sprechen uni) der durch nichts gerechtfertigten Furcht, rechtzeitig
einen tüchtigen Facharzt aufzusuchen, begegnet werden. Mit viel Erfolg bedient man sich im Kampfe gegen die Geschlechtskrankheiten i > letzter Zeit des modernsten Aufklärungs- und Illustrationsmittels. des Films. „Die Geschlechtskrankheiten und ihre Folgen ist der Titel einer Dilderreihe. die im Auftrage der „Deutschen Gesellschaft für Dekämp- fung der Geschlechtskrankheiten" unter Mitwirkung der Fachärzte Dr. med. T Horn a l l a und Kaufmann in Berlin zusammen- gestellt wurde und die augenblicklich in Giehen im Lichtspielhause in der Dahnhofstrahe gezeigt wird. Der Film erfüllt seinen Zweck in ganz hervorragendem Mähe und darf nicht verwechselt werden mit irgendwelchen sensationellen „Ausklärungsfilmen", die gerissene Geschäftsleute, auf den Rervenkihel der Masse spekulierend, aus den Markt gebracht haben. Man hat es bei diesem Film im Gegenteil mit einer ernsten wissenschaftlichen Arbeit zu tun, die auf alles Drum und Dran verzichtet und nur die Tatsachen ihre furchtbare Sprache reden läht. In sehr gut gelungenen Bildern und scharfen Aufnahmen zeigt der Film die älebertragung und Verbreitung der Geschlechtskrankheiten sowie ihre schrecklichen Rachwirkungen auf den menschlichen Körper. — Zur Erläuterung des in den Lichtbildern gegebenen Materials wurde die gestrige erste Vorführung von einem ausschluhreichen Vortrage des Giehener Facharztes Dr. Storck begleite;, der einerseits die furchtbaren Gefahren der venerischen Krankheiten aufzeigte, andererseits aber auch erläuterte, dah es -Rettung und Hilfe auch hiergegen gibt, namentlich wenn rechtzeitig ärztliche Hilfe in Anspruch genommen wird. — Heute findet eine zweite gleichartige Veranstaltung statt, deren Besuch dringend empfohlen werden kann.
Landkreis Gießen.
A Bersrod, 6. März. Unsere Gemeinde hat sich von der Dieberg-Gruppe abgetrennt und jetzt ein eigenes Wasserwerk erbaut. Die Quellen liegen im Wiesengrund nach Beuern zu. Die neue Anlage mit Pumpstation kostet eine halbe Million Mark.
Kreis Friedberg.
sf Friedberg, 7. März. Aus verschiedenen aus Giehen hier eingelaufenen Zuschriften läht sich entnehmen, dah in dafür interessierten Kreisen eine gewisse Beunruhigung wegen der Verhältnisse an der hiesigen polytechnischen Lehranstalt herrscht. Diese Befürchtungen sind durchaus grundlos; richtig ist, dah vor kurzem wegen im Grunde genommen geringfügiger Ursachen. ein Konflikt zwischen dem Kuratorium und den Studierenden ausgebrochen war, und dah letztere deshalb in den Streik getreten waren. Rachdem die teilweise auf Mißverständnissen beruhe.den Beschwerden in entgegenkommendster Weise erledigt wurden, besteht nunmehr wieder zwischen Direktorium, Kuratorium und der Studierenden das beste Einvernehmen und es ist durch Aendemng der Satzungen auch für die Zukunft dafür gesorgt, dah weitere Ver- flimmungen nicht mehr auskommen werden. Das Sommers emest er beginnt am 19. April; die Stadt Friedberg wird auch für die Folge keine Opfer scheuen, um den guten Ruf der Schule immer mehr zu befestigen; so sind in der letzten Stadtverordnetenversammlung bedeutende Mittel zum Ausbau der- Bibliothek und des Laboratoriums bereitgestellt worden.
Kreis Schotten.
e. Schotten, 7. März. Rach einem G e - meinderatsbeschluh soll künftig eine Wohnungsluxus st euer erhoben werden, deren Satzungen sich zur Zeit in der Ausarbeitung befinden. Wer e i n Zimmer mehr hat, als ihm nach der Kopfzahl zustehe, soll 30 Mk., bei 2 Zimmern 50 Mk., bei drei 80 Mk., für jedes folgende 100 Mk an die Stadtkasse bezahlen. Man schätzt den eingehenden Steuerertrag auf etwa 4000 Ml., die für Wohnzwecke verausgabt werden sollen. — Auch eine Wohnungsbauabgabe ist beschlossen, sie wird etwa 17 480 Marl ergeben Die Abgabe beträgt 50 Pf. pro Tausend des für die Gebäude in dem Brand- lata sier angenommenen Wertes.
Starkenburg und Nbcinheß'en.
e. Offenbach a. M., 7. März. Bekanntlich trennt der Bahnkörper der Bebraer Dahn
die Stadt in zwei Hälften, was bei dem regen Zugverkehr auf dieser Hauptstrecke durch das stete Wartenmüssen an bei: geschlossenen Schranken ju groben Llnzuträglichkciien führt. Seit Jahren ist man nun damit beschäftigt, die Geleise böber zu legen und an den Strahenkreu- jungen Unterführungen einzurecht en. Geplant ist weiterhin die Erbauung eines neuen Dahnhofsempfangsgebäudes Dieser Tage fand nun eine Besprechung des Professor- Eberhardt, des Direktors der hiesigen Technischen Lehranstalten, des Oberbürgermeisters Granzin und des Bürgermeisters Weil mit dem Eisenbahnminister G r ö n e r in Berlin statt m t d<mErfolg. ia > si i derReich verkehrsmi ifter mit einer gänzlichen Umgestaltung des Planes Der Frankfurter Eisenbahndirektion. der hier keinen Beifall gesunden hatte, einverstanden erklärte. Allerdings soll die Stadt Offenbach die etwa über den Voranschlag hinausgehenden Kosten selbst tragen. — Die Löhne der städtischen Arbeiter werden ab 15. März um 2.35 Mark pro Stunde erhöht. - Mit Ablauf des Schuljahres 1921 wird die an die Höhere Mädchenschule angeschlosiene Frauen schule aufge- 15 st. Die Errichtung einer Studienanstalt für Mädchen wird im Schulausschutz eingehend beraten. _— Die Offenbacher Musikkapellen erhalten für Veranstaltung von Sonntags-Anlage- konzerten 15 0C0 Mark aus der Stadtkasse. — Für den Ausbau der ileberlanbanlage wurden 26 6 Millionen Mark bewilligt vorbehaltlich der Rückerstattung von 11,2 Millionen Mark von den Anschlußgemci-iden.
rm. Darmstadt, 7. März. Zur Behebung der Wohnungsnot will die Stadt- vertpaltung in Darmstadt einem der vielen Vorschläge. und zwar demjenigen, der den Aufbau von Stockwerken auf vorhandene Häuser vorsieht, energisch nähertreten. 3m Falle die Eigentümer sich hierzu bereit erklären, will die Stadt die gleichen Zuschüsse, wie das Land gewähren. Bekanntlich kommen den Bauherren auf Grund der Einkcmmensteuergesehnovelle von 1921 besondere Steuererleichterungen zu gut, wenn die Bauten bis zum Jahre 1923 erstellt sind.
Heffcu-Nagau.
e. Frankfurt a. M., 7. März. In dem Saale des Dolksbildungsheims veranstaltete der hiesige Zweigverein des Vogelsberger Höhenclubs eine Vorstellung des von Lehrer Dörfler dramatisierten Märchens „Rumpelstilzchen". Als Reinertrag der Veranstaltung konnte dem Verbände Rhein-Main-Lahn-Fulda der deutschen Jugendherbergen der Betrag von nahezu 5000 Mark überwiesen werden. Eine Wiederholung des Stückes zugunsten der Klubhäuser auf dem Hoherodskovf soll in Bälde ftattfinben.
Schlichtungsausschuß der Provinz Oberhessen.
Sitzung vom 7. März 1 92 2.
Die Mitglieder der Vereinigung der Maler- und Weihbindermeister In Giehen sollen vom 1. März an den Stundenlohn auf 12 Mk. erhöhen (bisher 9.75 Mk.).
Dem Zimmermeister Schindler in Steinbach wurde aufgegeben, vom 16. (nicht erst vom 27.) Januar 1922 an den Lohn der 3. Lohngruppe des Rachtrags vom 4. Januar zum Lohn- und Arbeitstarif für das Baugewerbe zu zahlen.
In zwei weiteren Sachen verständigten sich die Parteien.
Kirche und Schule.
e. Ober-Lais, 7. März. Zum Kirchenrechner der evangelischen Gemeinde wurde Otto Schauermann Hl. gewählt, verpflichtet und in den Dienst eingewiesen.
• Frankfurt a. M„ 7. März. In der französisch-reformierten Kirche am Goetheplah hielt am vergangenen SonntagPfarrer Correvon nach 42jähriger Amtstätigkeit seine Abschiedspredigt. Bei dieser Gelegenheit wurde zum letzten Male überhaupt hier in Frankfurt a. M. in französischer Sprache gepredigt.
Vie Pforte öe$ Paradieses.
Roman von Ingeborg Vollquartz. iBeretfitigte Ueberfefcung au8 b:m Dänischen.
5. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.)
.älnd ich hätte auch bei dir gewohnt," warf Glien ein.
„Ja, natürlich," bestätigte Orla. »Dis du dich verheiratet hättest, denn es hätte doch sicherlich nicht lange gedauert, bis dich einer von den Gutsbesitzern in der Kirche gesehen und sich in dich verliebt hätte."
»Ach, Junge, Junge, wärest du doch Pfarrer geworden!"
»Freilich, freilich; aber du vergisst ganz, Ellen, dah ihm ferne ganzen Pfarrerpläne vergangen smd, als fein einer Dackenzahn plomd ert werden muhte, denn da tarnen die vierzehn Tage, während benen er durchaus Zahnarzt werden wollte. Sei ehrlich, Orla — war es nicht hauptsächlich deshalb, iceit es beim Zahnarzt so eigentümlich roch, dah du Lust zu dem Beruf bekamst?"
»Ach, es wurde mir sehr schnell klar, datz daS eine rohe Beschäftigung ist, den Leuten Zähne auszuziehen — besonders für mich, der ich temer Fliege etwas zuleide tun kann. Aber ihr solltet mich nicht immer damit aufziehen. Es finden ja nicht alle sofort ihren Platz im Leden, und solange man den nicht gefunden hat, muh man eben danach suchen."
„Du haft ja einen Platz," wandte Frau Dorris ein. „Unö du solltest zu sehen, dah du ihn behältst. Aber wie kannst du Beförderung und höheren Gehalt erwarten, wenn du keine innere Teilnahme für deinen Berus hast."
„Liber Mutter, wie kann man für einzelne Maschinenteile innere Teilnahme haben? Es sind ja nicht einmal ganze Maschinen, sondern nur Einzelteile. Rein, das halte ich nicht mehr aus."
„Wo möchtest du denn jetzt hin?" fragte Frau Borris sanft.
„Das will ich dir gerne sagen, Mutter, Iah mich nur einmal so weit kommen. Ich bin nämlich heute vormittag Jakob Aarstedt begegnet, und der hat mir von feinem Bruder Kay erzählt, der drüben in Buenos Aires ist. Er verdient glänzend auf einem der großen Güter; sie ziehen
Schlachtvieh auch für die großen Fleischextrakt- fabrilen drüben. Seit zwei Jahren ist er dort und bekommt jetzt ein eigenes Gut. Jakob sagt, er hat es wie ein Graf. Er reitet den ganzen Tag nur herum und sieht nach, ob das Vieh auch richtig behandelt wird. Sieh, das ist ein Beruf, der eines erwachsenen Marmes würdig ist."
„Dann hast du wohl an ihn geschrieben?" fragte Frau Dorris und schüttelte lächelnd den Kopf. f
„Rein, Mutter, das Schreiben führt zu gar nichts, es dauert zu lange, bis Antwort kommt."
„Lind bis sie kommt, laufen wir ja Gefahr, dah Orla inzwischen Lust zu etwas andrem bekommen hat," warf Mogens lachend ein.
„Was willst du denn sonst, Kind?" fragte die Mutter. i
„Soll ich dort hinüber, so will ich auch sofort gehen. Worauf sollte ich denn noch lange warten?"
»Vielleicht auf das Reisegeld," sagte Mogens trocken. „Oder hast du das vielleicht?"
»Es wäre eine Schande, wenn etwas so Lumpiges wie das bißchen Reisegeld Orla verhindern würde, nach Buenos Aires zu kommen und ein reicher Mann zu werden!" rief Ellen zornig. „Mutter, du wirst doch keine Angst Huben, ihn reifen zu lassen, wenn es lein Glück gilt!"
»Sein Glück!" wiederholte Frau Borris mit einem leichten Seufzer. »Wer weiß, ob es fein Glück wäre. ilnb das Reisegeld — wo soll das denn Herkommen?"
„Das habe ich schon bedacht, Mutter," sagte Orla und rückte seinen Stuhl dicht neben den ihren. „Könnten wir nicht Grosstante bitten, day sie mir es leiht? Wir sind ja doch ihre Erben," schloß er etwas matt. i
„ilnb wir sollen hingehen und einen todkranken Menschen bitten, uns einen Vorschutz aof das zu geben, was wir möglicherweise einmal von ihm erben werden —“ Missbilligend betrachtete Frau Dorris ihren Sohn. „Es weitz übrigens lein Mensch, ob Tante Ellinor überhaupt irgendein nennenswertes Vermögen besitzt, und weder dein Vater noch ich sind taktlos genug, sie danach zu fragen." !
„Sie würde es aber gewitz nicht übel nehmen. wenn du sie fragtest," sagte Ellen einschmei
chelnd. „Es gibt ja keinen Menschen, von dem sie so viel hält, wie von dir."
„ilnd darum sollte ich die fein, die die kranke und einsame alte Tante mit einer taktlosen Frage quält und verletzt?" rief Frau Dorris. „Rein, Kinder, Tante Ellinor soll in Frieden sterben dürfen. Weder euer Vater noch ich haben je mit ihrem (Selbe gerechnet; vielleicht hat sie gar keines. Aber sie ist jederzeit gut und liebevoll gegen mich und uns alle gewesen von dem Tag an, wo sie aus Westindien herkam, und das wenigste, was wir für sie tun können, ist das, datz wir sie in Frieden sterben lassen."
»Gewitz, Mutter," sagte Orla. »Du weitzt ja Wohl, datz ich Tante Ellinor nichts zuleide tun will. Dann muh ich eben sehen, mir das Geld auf andre Weise zu verschaffen. Ich mih einmal mit Vater darüber reden."
„Wäre es nicht besser, wenn du auch den Vater m Ruhe liehest?" schlug Frau 'Dorris vrr. „Er ist in letzter Zeit so nervös, und du weiht-doch, mein Junge, datz er dich so sehr gern zu Hause behalten möchte. Das ist ja Vaters fixe Idee, dah du meine Stütze sein sollst."
„Gewitz, das möchte ich ja gerade dadurch werden, daß ich fortgehe und in eine glänzende Stellung komme. Denke doch mir, was ich alles für euck tun könnte, wenn ich dort drüben auf einem großen Gute sähe! Wenn ihr doch mir —"
„Pst! —" machte Ellen, die eben mit dem Tee hereinkam. „Vater ist draußen."
älnb wie mit einem Zauberschlag wurde es ganz still im Zimmer. Rur Frau Borris erhob sich und trat an den Tisch. Während sie die Tasten zureckt rückte und Tee einschenkte, schielte sie verstohlen zu ihrem Mann hinüber, der eben in die Stube trat.
Hauptmann Dorris war ein großer, magerer Marrn von beinahe sechzig Jahren; da er sich aber sehr stramm hielt, sah er jünger aus.
Mit einem hastigen Grubwort setzte er sich sofort an den Tisch und naf die Tasse Tee entgegen, die ihm seine Frau . ächte. Jetzt machte sie einen Versuch, ihm in die Augen zu schauen, aber er wich dem aus, indem er seine Dlicke auf den ältesten Sohn richtete.
„Wovon hast du gesprochen, als ich hereinkam?" fragte er und kniff die müden, schwer
mütigen Augen zusammen, als ob ihm das Licht lästig wäre. „Du hast etwas von einem großen Gut gesagt."
„Es war — es war — ich habe daran gedacht, nach Duenvs Aires zu gehen — und —“
„ilnd was?" fragte der Hauptmann scharf, und nun starrten seine Augen den Sohn beinahe feindselig an.
„ilnö Gutsbesitzer zu werden, und Vieh aufzuziehen für die großen Fleischextraktfabriken," vollendete Orla, und die hellblauen Augen, die denen des Vaters glichen, sahen ebenso fröhlich und vertrauensvoll aus, wie die des Hauptmanns traurig und schmerzvoll.
»Hirngespinnste!" brummte der Hauptmann.
»Wenn nun aber Orla doch so große Lust hat, hinauszukommen, lieber Vater!" sing Ellen vorwurfsvoll an. „Du solltest ihn wirllich nicht jedesmal entmutigen, wenn er mit einem Vorschlag kommt."
„Davon verstehst du nichts, Kind," sagte der Hauptmann und winkte seiner Tochter abwehrend mit der Hand. „Orla ist alt genug, um zu wissen, daß man damit auf der Welt nicht weiterkommt, wenn man all seinen plötzlichen Gelüsten und Sm* fällen folgt. Ter Mensch mutz lernen, sich selbst in der Gewalt zu haben; das kann zuzeiten recht schwer sein, aber man mutz das lernen, solange man jung ist. Tu weißt übrigens recht gut, datz du nicht außer Landes gehen sollst. Tu hast mir doch' einmal versprochen, Orla, datz du deiner Mutter eine Stühe fein solltest."
»Gewiß, Vater; aber bis jetzt braucht Mutter doch keine andre Stühe als dich."
„Deshalb ist es mir doch ebenso peinlich, sehen zu müssen, datz du es immer noch nicht zu einer Stetigkeit bringst, Zunge; du weißt gar nicht, wie verzweifelt ich sein kann, toerrn ich deine verrückten Einfalle hören mutz."
„Dabei ist doch nichts zum Verzweifeln, Vater," tröstete Ellen. „Tu solltest lieber darüber lachen wie d-ie Mutter."
„Ellen!" warnte Frau Dorris.
„Es sind nicht alle Leute so glücklich, MutterS leichten Sinn zu haben," entgegnete der Hauptmann.
(Fortsehung folgt.)


