Zreitag, 7. April 1922
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
Zweites Blatt
Nr. 83
gesagt I men.
(Nachdruck verboten.)
29. Fortsetzung.
was du mir „Vorher kann das kann
der europäischen Situation hingewiesen — die Aussichten für eine energische Inangriffnahme ihrer Lösung scheinen damit gestiegen.
Ausdruck gaben.
Sic Aussichten für die Ratifizierung der aus der Konferenz hervorgegangenen Verträge dursten daher von vornherein als günstige angesehen werden, trotzdem sich auch gegen sie im Senate die Opposition der Semokraten geltend macht, die auS rein parteipolitischen Gründen erfolgt: sowie diejenige einiger republikanischer Senatoren, die teils auf Prinzipienreiterei beruht. teils, wie im Falle von Johnson, von der Rücksichtnahme aus die anti-japanischen Gefühle der kalifornischen Wähler mitbeeinflußt ist. Sic am 24. März mit 67 gegen 27 Stimmen erfolgte Annahme des Viermächteabkommens über Öen Stillen Ozean bedeutet jedenfalls einen großen Erfolg für die republikanische Regierung. Sa dieser Vertrag von allen die meisten AngrifsSpunste aufwies, kann man annehrnen, daß seiner Ratifizierung auch die der übrigen Konferenzverträge ungestört nachlolgen wird. Samir wird aus den Händen Hardings und seines Kabinetts eine weitere Last genommen sein.
Zwar erwarten dann innere Fragen von grober Wichtigkeit, vor allem die Regelung deö neuen Zolltarifs sowie die Donus-Vill die Regierung, doch läbt sich hoffen, dah ihrc Energien auch noch für die tatkräftige Inan> griffnahme der sich auS der-europäischen Situa tion ergebenden Probleme ausreichen werden Sic Einsicht in deren Wichtigkeit auch für die Wohlfahrt deS eigenen Landes ist überall im Zunebrnen begriffen. Trotz des oben geschilderten Gefühls der Selbstgenügsamkeit und Unab- büngigkeit beginnt man unter den Gründen für die wirtschaftliche Depression doch auch einige europäischen Ursprungs anzuerkennen und ist gerne bereit, sie aus der Welt zu schaffen. Die Konferenz dou Washington hat das Interepe Amerikas an den Fragen internationaler Ratur erhöht und das freimütige und entschiedene Vorgehen von Hughes hat das diplomatische Prestige der Vereinigten Staaten gewaltig gestärkt: in feiner Ablehnung der Konferenz von Genua hat er mit der gleichen Offenheit auf die Grundübel
Teil bedrängter Volksgenossen wenigstens das zum Geben notwendige Brot gesichert wird. Mir hat übrigens ein Landwirt meiner Gegend, der mehr Qanb hat als alle hier in der Kammer zusammen, gesagt, das; es der größte Fehler war, die Zwangsbewirtschastung auszuheben. Wir ver- verlangen nichts, was nicht jeder Landwirt gut und glatt leisten kann. Run hak der Kollege Kindt t, wir müssen zu dein Weltmarllpreis kom- (Abg. Kindt: Das habe ich nicht getagt! Zurufe: Doch! Ich habe gesagt, wir werden es leider nicht aufhalten können, dah wir zum Welt Marktpreis kommen!) Herr Kindt scheint sich nicht klar da.über zu fein, was a> bedeu e . Deutschland wird em Trümmerhaufen. (Abg. Kindt: Leider ist das die Aussicht! Zurufe links: Durch Ihre Poli til!) Wir müssen notgedrungen die Umlage haben und werden uns mit allen Mitteln dafür einsehen.
nahmebestimmungen.
Wir sknd durchaus nicht dagegen, den Landwirten die Preise zu gewähren, die ihnen zu- fommen. Das wir wollen ist einzig, dab einem
Abg. Hebel (Zentr.) möchte als Abgeord- netcr feine von der des Ministers Raab ab* weichmbe Stellungnahme begründen. Er spreche bat um absichtlich von seinem Abgeordnetenplay aus. Den Verdacht, als hätte ich gegen den Herrn
»Ellen, bart in mir besorgt, versprochen hist?" fragte Malwine, ich mein Geschenk nicht hergeben ich nicht — durchaus nicht."
(Fortsetzung folgt)
Hessischer Landtag.
13. Sitzung.
ft. Darmstadt, 6. April.
Arn Regierunastisch: Staatspräsident Hl» rich und die Minister Raab und von Brentano.
Vizepräsident Dr. Müller eröffnet die Sitzung um 9.10 Hfjr. Das Haas tritt alsbald in die Tagesordnung ein und seht die Besprechung
über die Getreideumlage
,Ha, ich glaube," antwortete Frau Borois mit einem leichten Seufzer.
.Ich glaube, Vater stellt sich das schlimmer vor 'als es ist " meinte Ellen altklug. „Er hat ja jetzt Geld bekommen, und MaUpine sagt, daß er — Herr Flint-Hensen — als sie bei ihm war. sehr liebenswürdig gegen sie gewesen sei: er habe ihr sehr hübsch erllärt. wie ungeschickt es iitz getroffen habe, daß er Tante Rora das Geld nicht genau an dem Tage habe sendrn können, wo sie es gerne gehabt hätte Seine Firma sei noch jung, und das Geld sei an sehr vielen verschiedenen Orten angelegt, sagte er, und das ist ja auch leicht zu begreifen."
.Ist denn Malwine in der letzten Feit einmal bei ihm gewesen?" fragte Frau Dorris etwas mißtrauisch.
.Rein — doch — toS heißt — ich glaube —"
„Aber Tante Rora ist doch schon längst wieder zu Haufe," wandte Frau Borris erltaunt ein. „Was hatte sie denn noch bei dem Herrn Sachwalter zu tun?"
„Das weiß ich nicht," murmelte Ellen, der augenscheinlich dieser Gesprächsgegenstand nicht behv-gte.
Orla ließ einen verständnisvollen Pfiff ertönen.
Oho der Herr Sachwalter hat sie verfolgt — versteht ihr, verfolgt — verfolgt mit feinen Blicken, und Malwine mit ihrem gefühlvollen Herzen wollte ihm gerne in seinem neuen Geschäft ein wenig beistehen."
„Ach, Hnfinn!" widersprach Ellen. „Sie kann ja durchaus nicht an ihr Geld kommen."
.Dann ist also die Rede davon gewesen!" rief Frau Borris entsetzt.
,älnd ich bin es, die euch alle ermahnen maßt ruhig und gefaßt zu fein, "sagte ^?^u Borris und versuchte zu lächeln, wahrend ste sich die Augen wischte. .Aber es ist nicht (so leicht, lemem großen Jungen Lebewohl zu sagen."
Ach Mutter' " murmelte Orla und druckte ihr die Hand: „an 'diese Tränen werde ich noch oft denken — und mich ihrer freuen.'
„Eigentlich bin ich gekommen, um euch zu rufen, Kinder," fuhr Frau Dorris fort und wischte sich immer wieder die Augen. „Tante Rora und Malwine sind gekommen, und wir mus en beizen auf den Dampfer: ihr wißt, Vater kann das Hetzen nicht leiden."
„Rein, denn Vater kann nicht mehr so rasch gehen wie früher," bemerkte Ellen. „Das ist mir neulich ausgefallen, als ich mit ihm nach Hause ging" .
Frau Dorris drehte sich hastig nach ter Tochter um. „Ist dir das auch auf gefallen. Ellen?" fragte sie. „Ja. Vater ist auch nicht mehr jung."
„Und er nimmt sich alles so zu Herzen, fuhr Ellen fort. „Das ist nicht gesund."
„^»wohl, wir mitf en gut auf den Vater ochtgeben." nickte Frau Dorris ihrer Tochter zu. ,In all 'der Unruhe mit Orla konnte ich gar nicht an ihn denken."
„Aergert er sich immer wieder über den Sachwalter?" erkundigte sich Ellen.
ehe es fertig ist, und es ist noch nicht ganz fertig.“
„Dann ist es aber höchste Zeit, daß es fertig wird," rief Rora und sah Malwine verblüfft an. „Es sind jo nur noch ein paar Stunden, bis der Dampfer abgeht. Guten. Tag, Orla," fuhr sie fort, als ihr Reffe mit feiner Mutter und Ellen ins Zimmer trat. „Sieh, hier habe ich dir ein kleines Geschenk mitgebraht. um dir zu zeigen, daß auch ich — trotz der unsicheren Zeiten, in denen wir leben — ja. Inger, mein Vertrauen auf Flint- Iensen ist erschüttert — aber diese Kleinigkeit soll iir noch ein Andenken <rt deine Tante fein."
Orla wickelte ein sehr schönes ledernes Zigarettenetui aus dem Papier und bedankte sich vielmals bei seiner Tante.
„Ich hatte an KrokodilslÄ>er gedacht," fuhr Tante Rora fort „Das ist ja sehr fein und auch sehr dauerhaft, aber solange ich mit meinen Einnahmen fürs nächste Hohr so im ungewissen bin, kann ich kein größeres Opfer bringen."
„Aber das ist ja sehr reizend," versichrrt« Orla. „Unb Krokodilsleder —"
„Das gibt es wohl im ileberfUß drüben, wo du hingehst," fiel ihm Malwine fröhlich ms Wort, wurde aber gleich darauf von einem tadelnden Blick Roros vollständig zerschmettert.
„Rück jetzt du heraus mit dnten Geschenk," verlangte Tante Rora kurz angebunden.
.Ach, sie hat einmal flüchtig daran gedacht." erflürte Ellen. „Aber Herr Ponsin hat ihr aus- einandergesetzt. daß ihr Geld ein Legat fei, das nur ihr gehöre, solange sie lebe, und das wieder an die Familie zurückfällt, weim sie stirbt."
„Ra gottlob, daß sie mit Ponsm darüber gesprochen hat," rief Frau Borris erleichtert aus. „Das sieht doch Malwine wieder einmal ganz ähnlich, sich so aufzuführen. 2lber_ kommt jeßt herunter, wir können Vater nicht länger warten lassen."
Unten im Wohnzimmer faßen Tante Rora und Malwine, jede mit einem Päckchen tn der Hand, das sie der andern um keinen Preis zeigen wollte.
Es Ist sehr albern von dir, daß du mir nicht fogen willst, was du ihm schenkst." rief Tante Nora „Wenn es nun ganz dasselbe wäre, was ich ihm gebe!"
Das ist es nicht." behauptete Malwine mit geheimnisvollem Lächeln. „Das ist es durchaus nicht. Mein Geschenk tft etwas — etwas — kurz gesagt, etwas ganz für sich"
Eigentlich ist das eine Beleidigung, daß 7u es mir nicht zeigen willst." fuhr Saite Rora mit ganz rotem Kopfe fort. „Aber dafür fehlt dir :wch wohl ras Verständnis. Dann z:ige ich dir ober e ' nicht, was ich habe. Ich kann nur so sck/ech: Widerspruch ertroren, wenn ich nicht gut geschlafen habe, und in dieser Zeit hat man ja Sorgen genug, die einem wach halten.
Ich will 7 ich tmrflii) nicht kränken, liebste Rora" versicherte Maiai e herzlich. „Durchaus nii>‘ — dos ist mir nicht im Schlaf eingefallen. Aber ich mag dir mein Geschenk nicht -eigen.
Vie pjorte Paradieses
Roman von Ingeborg Vollquarh.
Berechtigte llebedefrung au5 d m Dänischen.
iückweisen. Ich habe kein Wort mit dem Abg. Trauer gesprochen. Ich habe aber dem Herrn Minister Raab vor der Reise nach Berlin offen erklärt, daß ich prinzipiell gegen die Umlage, also g.-gen die Fortjührung der Zwangsbcwirt- schaftung bin, und baß ich nicht in der Lage bin, die Stellung des Ministers im Hause zu vertreten. Redner verbreitet sich bann emgeßenb über seine Stellung zu den Anträgen. Als er jetzt das Ernährungsministerium übernahm, habe er als seine größte und erste Aufgabe betrachtet, die Produktion zu heben. Er habe auch alsbald erkannt, daß dazu jede Zwangswirtschaft fallen muß Es war der große Fehler der Kncgswirt- djaft baß sie einseckig Konsumentenpolitik trieb, anstatt ProduktionsPolitik. Gewiß ist die Ver- billigungsakllon notwenbig. aber mit welchem Recht soll diese Aktion von der Landwirtschaft allein getragen werden, ilnb nicht einmal von der gesam e i Landwir schach Die Landwirtschaft hat nicht mehr Interesse an der Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung als andere. Zudem kommt das billige Brot auch den Millionären und 6d;i:bem zugute. (Sehr richtig!) Man sollte in einer so wichtigen Frage sich nicht gegenseitig bekämpfen, sondern einig zusammen an ihrer
einer persönlichen Bemerkung des Abg. Kindt gegen den 2k>g. Lur folgt
die Abstimmung.
Die beiden Anträge Obenauer und Blank find zurückgezogen zu Gunsten des gefLri m tgete Iten Kompromiß antrage 3 Soherr-Obenauer. — lieber den Antrag Brauer wird namentlich abgestimmt.
Dor der Abstimmung gibt Abg Dr. Osann namens der Deutschen Volkspartei zur Begründung ihrer Abstimmung folgende Erklärung ab: „Die Deutsche Dollspartei stimmt in erster Linie für den Antrag Brauer, um damit festzulegen. daß die Deutsche Voltspartei die freie Bewirtschaftung des Getreides fordert. Wird der Antrag abgelehnt, so stimmt die Deutsche Volks» partei für den Antrag des Zentrums und bei Demokratischen Partei, denn auch in diesem Antrag ist die Zwangswirtschaft für 1922 23 abge- lehnt. Bei Annahme des Antrages ist vor dem Lande festgestellt, daß die Mehrheit deS Landtags auf dem Standpunkt freier Wirtschaft steht und die Aufhebung der Zivangswir'.fchaft fordert. Damit mißbilligt die Mehrheit des Landtags sachlich die Ausführungen des Ministers für Arbeit und Wirtschaft. Wird dieser Mißbilligung von den beteiligten Regierungsparteien polnische
Schlichtttngsattsschutz der Provinz Oberhessen.
Sitzung vom 6. April 192 2.
Sie Mitglreder des A r be tl g e be r - Der- bandes für Handel und Gewe rde und die Vereinigten Fuhrwerksbesth er in Gießen sollen vom I. Avril 1922 an die Lohne ihrer Arbeiter und Arbeiterinnen über 20 Jahren um 25 v. H.. unter 20 Jahren um 20 v. H. erhöhen. Die Kraftfahrer kämen hiernach auf 637,50 Mk., die Fuhrleute über 21 Hahren auf 587^50 Mk. und die Lagerarbeiter über 23 Zahrrn auf 562.50 Mk. Wochenlohn. Für lieberar beit. SonntagSardeit. Urlaub und vorübergehende Ar- teitsunterbrechung sollen bis zum 31. Deznnber 1922 die Bestimmungen der abgelaufenen Tarifvertrages vorn 21. 3ult 1920 g .Iten.
Reum Elektroinstallationsgeschäf- ten, die in den Kreisen Alsfeld und Lauterbach HouLanschlüsfe machen, wurde ausgegebrn. vom 1. April 1922 an ihre Arbeiter nach Oer Vereinbarung zu entlohnen, die die Rheinische Elektrizitäts-A.-G., Baubureau Lauterbach und Alsfeld, mit dem Deutschen Metallarbei ^-Verband, Verwaltungsstelle Fulda, für den Monat März abgesd^ossen hat. Hiernach erhalten Monteure über 24 Jahren 12 Mk. Stunden lohn, Hilss- rnonteure 11 Mk. und Hilfsarbeiter 10 Ml. Als Auslosung soll ledigen Arbeitern für den Kalendertag 24 Mk., verheirateten 26 Mk. gezahlt werden. Gegen vier unentschuldigt ausgebltebrne
Die Ratifizierung des Pazifik-Äbkomnrens.
Don 3. W. Hambuechen.
(§. P S.) „Internationale Konferenzen beißen nicht" — nach der Meinung des politischen Korrespondenten der ..Reuyork Evening Post (com 15. März) ist diese Erkenntnis eine der Lehren, welche das amerikanische Doll aus der Konferenz von Washington gezogen hat. Aas bie Stellungnahme der amerikanischen öf'entllchen Meinung gegenüber der Frage der Ratlfizie- rung des Diermächtevertrags angewandt, kann dieser Ausspruch wirklich als eine ausgezeichnete Interpret« ion des Standpunktes gelten, welchen der DurchfchniltSamerikaner den Problemen der internationalen Politik entgegenbringt Aus ihm spricht das Selbstbewußtsein einer Ration, die. obwohl auch sie unter den wirtschaftlichen Folgeerscheinungen des Krieges schwer gelitten hat und auch heute noch leidet, sich dennoch ihrer Machtstellung und ihres Reichtums voll bewußt ist.
Die Parteien mögen sich im Senate über die Folgen streiten, welche die Ratifizierung der CBetträflc von Washington haben können, das Doll weiß sich in feiner gegenwärtigen Position ökonomisch wie volitisch gefiebert Es ist dieses Gefühl der Stabilität, welches allen Handlungen bei. Kongresses erst feinen Stempel aufdrückt. Fragen, welche den europäischen Rationen als ungeheuer brennend erscheinen, werden schon in Washington mit einem gewissen Distanzgefuhl betrachtet, in den Augen der Bewohner des amerikanischen Westens aber stehen sie vollends weit hinter den lokalen Ereignissen oder solchen der inneren Politik zurück. Daraus erklärt sich die für europäische Augen manchmal schwerfällig erscheinende Art ihrer Behandlung.
Immerhin Hal die Konferenz von W a ° shington. auf der wichtige Probleme der internationalen Politik einmal im eigenen Lande entschieden wurden, dem amerikanischen Publikum in etwas höherem Maße Einblick in die Verflechtung der eigenen Interessen mit denen der übrigen Welt gegeben. Sie erschien weiten Teilen des Volkes clls eine durchaus zeitgemäße Verbil-lichung der dominierenden Weltstellung der Vereinigten Staaten und ihr Verlauf wurde daher mit großem Interesse verfolgt. Sie Initiative der Regierung in der Berufung der Äcnferena und die der amcri!anifd)en Delegation. vor allem von Hughes in der Einbringung der Vorlagen fand allgemeine Anerkennung und schmeichelte dem starken Rationalgefühl des Volkes. Rian erblickte in den Delegierten Wortführer, die dem Gefühle der amerikanischen Unabhängigkeit von Europa, aber auch zugleich dem Wunsche nach Verständigung und internationaler Zusammenarbeit der Rationen
Abg. Dr. Müller (Bbd.): Der Herr Ml- mfter Raab hat gestern gefragt, wer will die Verantwortung dafür übernehmen, daß die Umlage fällt. Er hat im Ramen des Volles ge= sprachen. Wir sind aber auch im Ramen des Volkes hier, und ich konstatiere, daß die Debatte ergeben hat. daß die Mehrheit bereit ist. die Ver- antwortung zu tragen. Diesen Willen der Mehrheit hat die Regierung zu achten und danach zu handeln. Der Antrag Obenauer genügt nicht Es ist nicht genügend, der Regierung in Berlin einen schonen Brief zu schreiben, es muß der Reichsregierung klar gemacht werden, daß es sich hier um den festen Willen des Landtages handelt. Was der Abg. Obenauer gestern vom Landbund zitiert hat, war keine Kundgebung des Reichslandbundes, sondern eine solche eines einzelnen lokalen Landbundes. Man hat im Vorjahr anerkannt. daß nur eine freie Wirtschaft das Volk aus dem Riederbruch retten kann. Die Ausnahme der Zwangswirtschaft wurde ausdrücklich als Hebergangsmaßnahme bezeichnet. Die Regierung des Reid-es hat im Vorjahre versäumt. Getreide- vorräte aus dem Auslände zu besorgen, weil sie die Devisen zur Erfüllung brauchte. Hm der Er- füllungspolttik willen mußte und muß das Voll hungern. (Höri! Hört! Wtderspruch.) Die Umlage hat eine erhebliche Benachteiligung für Hessen gebracht. In der Enklave Wimpfen z.D., die von Baden und Württemberg eingeschlossen ist, hat man dreimal sov.el abliefern müssen, wie die gleich großen Betriebe in Baden und Württemberg. Redner polemisierrt dann gegen die Abgg. Reumann und Obenauer und betämpst das oon ersterem angeführte Zahlenmaterial. Dem Kali- und Phosphorsyndikat hat man im letzten Jahre vom Reich fünfmal eine Erhöhung gestattet, die Landwirte aber erhielten für ihre Umlage stets den gleichen niedrigen Preis. Auch ist es falsch, die Umlage nach der Ernte und Preisbildung des letzten Jahres zu bemessen. Riemand kann voraussehen, wie die Dinge sich aeftalten. Daß für Minderbemittelte gesorgt werden muß und daß sie verbllligtes Brot erhalten, dagegen smd wir selbstredend nicht. Aber es ist Pflicht des Reiches und des ganzen Volkes, dafür zu sorgen. Sie Landwirtschaft allein kann das nicht tragen Mer auch das ist auf das Verbot der Entente zurückzuführen, daß das Reich Emährungszu'
Losung arbeiten.
Rach der Putlle spricht zunächst Abg. Dingeidey (D. Dpt.): Wir stehen auf dem Standpunkt, daß die Freigabe der Wtrtschaft die einzige Möglichkeit ist. bie Produktion zu tzeben und daß die Hebung der Produktion das einzige Rkittel ist. schwere Krisen für unser Voll zu vermeiden. Wir sind der Ansicht, daß die S.ellung der Reg erung nicht diejenige ist, die den Gesamtinte.e fen der Bevölkerung gerecht wird. Was die Behandlung der Frage m der Regierung betrifft, so stellen wir fest, daß nach der Erklärung des Abz. Meckel, er wolle sich als Beamter nicht in Gegensatz zu seinem Minister stellen, nach unserer Hcber^eugung die Gesamtein- ftcllung des Kollegen Hebel zu dieser Frage nicht dem gerecht wird, was bei derSchaffung seiner Stellung als pa 1 m nt.ir scher Mt- niste- i )tb rctior geplant u n d bedtugt war Er in ein Beamter, der zwar em Amt, aber keine Meinung hat Die Möglichkeit, seine Heberzeugung zu verfech en, ist ihm genommen worden. Dazu brauchen wir keinen parlamentarischen Mt- nisterialdirektor. Weil wir die freie Wirtschaft für die gesunde halten, werden wir für die Anträge eintreten. Wir fordern aber, baß die Organ isa'ion des Mi isteriums so geändert wird, daß die Verantwo-ttichkeit des Mi Zister iakdirrr- tors gewährleistet ist. baß biefe Stellung nicht etwa nur einem Parteiangehörtg rn ein Amt schaffen sollte.
Abg. Dr. Werner (Dntl): Den Ausführungen bes Abg. Dingeldey stimme ich zu. Es fa m einiges mir von den Vorrednern gegen uns und gegen meine Pei-son getagt werden. Seine Ausführungen gegen die Linke werden fortwährend von Zwischenfällen unterbrochen und sind in der Hnruhe auf ter Tribüne nicht zu ve stehen. Er erinnest daran, daß während des K.i ges auch die Arbeiter, besonders die Munitionsindustrie viel verdient haben, und daß z. D. bei der Er- ö fnung des E-ewerkschastshauses in Berlin Dinge gegessen wurden, von denen mancher Bürgersmann nur träumen konnte. Es handelt sich im
Folge nicht geben, so geschieht dies, wie aus den (Srllärungcn der Zentrums! raktion hervorgeht, aus Rücksicht auf die Aufrechterhaltung der Koalition. Wir müssen eä als einen unerträglichen Zustand bezeichnen, daß der parlamentarische Minister für Arbeit und Wirtschaft sich über bie sachliche Stellungnahme des parlamentarischen Mi. isterialdirektors für Landwirtschaft ohne einen Beschluß bes Gesamtmimsteriums Hinwegfetzen kann."
Abg Brauer (Bbd.) gibt folgende E r - tlärung ab: „Obgleich der Antrag des Zentrums und der Semotraten die Hess! d>? '-Regierung in keiner Weise verpflichtet in Beran gegen die weitere Beibehaltung der Getreidebewirt- schaftung zu stimmen, treten wir diesem Antrag bei, da wir vor dem ganzen Lande feststelles wollen, daß eine geschlossene feste Mehrheit in diesem Haufe für Aufhebung der Zwangswirt' schäft vorhanden ist und die Stellungnahme bes . Ministers für Arbeit unb Wirtschaft in Berlin mißbilligt.
Abg. Dr. Diehl (Sntlj gibt eine ähnliche Erklärung ab.
Der Antrag Brauer (Ausschußan« trag) wird mit 38 gegen 23 Stimmen abgelehnt.
Der Antrag S o h e r r ° O de na u e r (K o m p r o m i ß a n t r agi wirb gegen bie Stimmen der Linken angenommen.
Kleine Vorlagen.
Die Wahl bes parlamentarischen Beirats zum Siedlungsw.sen wird nach den Vorschlägen deS Präsidenten erledigt.
Sie Vorlage betreffend Anschluß bes 3eP gen Hofes cm bie Hd>:rlanb$ nt.ale wird angenommen Der Betrag mit 270 000 Mk. bewilligt.
Für die beidet Darmstäbter Theater soll eine neue Lichtanlage geschaffen werben, für bie 210 000 Mk. bstvilttgt werben.
Damit ist bie Tagesordnung erschöpft. Präsident Adelung vertagt das H-uus bis Ende Mai unb wünscht den Abgeordneten gesunde Feiertage. — Schluß 12 >4 Hhr.
wesentlichen darum, ob an Stelle der freien Wirtschaft die Sozialisierung treten soll, die uns nur den Bolschewismus bringen kann. Das heutige Rußland ist letzten Endes das Resultat des Sozialismus. Wir sind von vornherein gegen die Zwangswirtschaft cingetreten. bei den vDemok' a- ten hat man ehedem nichts davon gehört. Heute ist das ja erfreulich anders. Der Abg. Obenauer hat eine recht deutfchnationale Rede gehalten. Bisher war von der Bauernsreundschaft bei feiner Partei nichts zu spüren. (Oho!) Das deutsche । Voll kam. nur existieren, wenn wir frei arbeiten e | können. Wir stimmen dem Antrag Brauer zu.
• Die Deba tte ist geschlossen. Rach
schüsse gibt. Auch das ist Folge der Erfüllungs- Politik. DcrbUligteS Brot sollte im übrigen nur tatsächlich notleidenden Dolksgeiwssen gewährt werden, nicht aber auch Ausländern. Wir sind nach wie vor für restloses Verschwinden der Zwangswirtschaft. Sämtliche Kreisdirektoren unb Kommunalverdände haben sich gegen bie Umlage ausgesprochen, unb cd ist nicht verständlich, wie ein Mitglied der Regierung in Berlin für bie Beibehaltung eintreten konnte. Wenn Eie den Hunger in Zukunft vermeiden wollen, bann sorgen Sie Dafür, daß mehr Brot geschaffen werden kann durch Aufhebung der Zwangswirtschaft.
fort. Abg. Lux (Soz.): Wir sind der Heber- o ,, zeugung, daß auch die nun dreitägige Debatte? m'.stcr Raab irgendwie intrigiert, muß ich zu niemand im Hause von feinem ursprünglichen -- - * : - ‘ s
Standpunkt abbringen konnte. Zu bedauern ist, daß die Demokraten bei der Sache politische De° schäfte machen und die Dauern für sich gewinnen wellen. Ich vertrete allerdings solche bäuerlichen Kreise, die gegen bie Anträge sind. Daß die Umlage die Produktion gehemmt habe, ha bis jetzt noch niemand beweisen tonnen. Vielleicht wäre eS praktisch, die Umlage auf die landwirl- schastliche Fläche auSzuschlagen. Daß die Umlage ein Ausnahmegesetz ist. ist richtig. Aber es gibt noch andere Ausnahmegesetze, die Pacht- fck)utzordnung. den Steuerabzug usw. Die Verhältnisse bedingen eben zur Zeit noch Aus-


