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Nr. 106 Zweites Blatt

Kriegshetzer im christlichen Deckmantel.

Unter der Überschrift:Wirklich viel Gu­tes wird von der Pmea (Vereinigung christlicher junger Männer) in Po­len getan, gibt die ..Arnarvc News", Coblenz. einen Artikel bekannt, den wir hier wörtlich übersetzt folgen lassen wollen, da er zeigt, un­ter welchen scheinheiligen Deckmänteln heute noch kriegerische Vorbereitungen getroffen werden, die letzten Endes nur der französisch- polnischen Allianz gegen Deutschland und Rußland helfen sollen:

Mr. Walten, der europäische AufsichtS- rat der Vmca, ist soeben von Genf, dem euro­päischen Hauptquartier der Dmca, hier an­gekommen und erklärt, daß er von einer be­deutend vergrößerten Organisationstätigkeit der Gesellschaft berichten kann. Er sei kürzlich in Warschau und Polen gewesen, und dort hätte seine Organisation ganz bedeutende Ausdehnung gewonnen und werde von dem polnischen Staate und der Regierung sehr un­terstützt. Die Organisation habe eine große Anzahl von Dmca-Schulen eingerichtet und dort würden regelmäßig genaue Kurse in drahtloser Telegraphie, Motorbau und Mo- torenwe>n gelehrt, aber ganz besonders sei der Hauptzweck der Schulen die Ausbildung der drahtlosen Telegraphisten. So weit sei die Unterstützung der polnischen Regierung ge­gangen, daß der gegenwärtige Unterricht von dem leitenden Offizier des Signalkvrps der polnischen Armee geleitet werde und daß unter voller Unterstützung der polnischen Regierung eine von einem ehemaligen amerikanischen Marinefachmann gegründete Schule so bedeu­tend vergrößert worden sei, daß sogar die tech­nische Ausbildung stattfinden könne. Die pol­nische Regierung habe sogar die Radia-Exper- ten von verschiedenen europäischen Hauptstäd­ten angewvrben (wahrscheinlich französische, die Red.), damit man den Schulern ein Diplom ausstellen könne und diese Schüler soweit aus­gebildet werden, daß sie wiederum Andere ausbilden können. Die Motorenschulen und Transportationsunterrichtsschulen seien sehr ausgedehnt worden und befänden sich an allen Cisenbahnpunkten von Wichtigkeit. Die polni­sche Regierung erbaue alle Gebäude und handle mit der Vereinigung christlicher junger Männer in ausgedehntestem Maße zusammen. Mr. Walton, der europäische Generalvertre­ter dieser Organisation, teilte ferner mit, daß dieselbe Tätigkeit seiner Organisation auch auf dieTschecho-Slowakei und andere Län­der ausgedehnt würden."

Aus diesem Berichte kann man nur die kriegerische Seite herauserkennen, die sich letz» ten Endes gegen Deutschland richtet. Kenner der amerikanischen Verhältnisse wissen ganz genau, daß diese Dmca,Doung Mens Ehri- stian Association", immer eine sehr deutsch­feindliche Haltung zur Schau getragen hat und besonders während des letzten Krieges es an Hetzereien und Niederträchtigkeiten gegen alles Deutsche nicht hat fehlen lassen.

Kirctze und Schule.

)( Hermannstein, 5. Mai. Am kom­menden Sonntag wird alS neuer Geistlicher unserer Gemeinde Pfarrer H a n st e i n eingesührt. Pfarrer Haustein war über 25 Hal-re lang in fer aafkl H.-nden Industrie-Gemeinde Algrrngen bei Diedenhofen tätig und wirkte dort in großem Segen. Er mußte wegen seiner echt deutschen Gesinnung aus Lothringen weichen, fand vor­übergehend Anstellung in Oberrauroff bei Idstein äm Taunus and wurde durch den Patron Frei- Herrn von Schenk in Darmstadt auf unsere Pfarrei horgej4logen. Tt le seiner früheren Gemeinde- glieder aus Lothringen sind in hiesiger Gegend beschäftigt und werden es gewiß nicht versäumen, am Ehrentage ihres früheren Seelsorgers am Sonntag mit dabei zu s ein.

DieZakramentshex.

Roman von Marie Kerschen st einer.

13. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Troß des Schneebruchs war dann ein üppiger Sommer gekommen. Saure Mühe hatte der Segen gekostet, der jetzt in den Scheunen lag, aber er hatte auch wieder Frieden gestiftet und den alten Grolt vergessen lassen. Acht Tage vor dem Kirch- Weihtage waren ein paar jurge Burschen als Abgesandte des DorseS zum Waldsack-erer ge­kommen, um zu fragen, wie er es mit dem Fest zu halten gedenke. Da hatte der Bauer nur ein paarmal zornig aus der Pfeife gepafft und ge­sagt, er wolle sich den Fall überlegen. Aber als kurz darauf ein Wagen voll schwerer Bierfässer ins Dorf gerattert kam, wußten sic Bescheid Gesprochen hatte man nicht mehr darüber.

Nach dem ersten Hahnenschrei bab im Walds­ackerhof ein Hasten an, als wollte das Welt­getriebe aus den Fugen gehen. Fässer rollten Dröhnend über den Tanzboden. Man hörte die wuchtigen Schläge, mit denen der Krugwirt den Zapfen ins Spundloch trieb. Gläserklirren und Tcllerklappcrn verscheuchten den letzten Nest von eochlummerlr-unkenheit aus dem hintersten Winkel des Hauses. Dazwischen ertönten die aufgeregten Befehle der Wirtin und die knappen Zurufe des Waldsaclerers, durch die er das Gesinde auf den Stab brachte. Dazu meckerte, blökte, brüllte es aus dem Stall, schmetterte es vom Hühner- Hof dec, daß des- Hofhunds zänkisches Gekläft kaum zur Geltung kam.

Später, als es zur Messe ging, lag der Hof noch einmal int Schweigen. Nur die beiden Kinder waren im Hause zurückgeblieben. Su ersten

Herbstfröste hatten den No man wieder a iss Krankenlager zurückgeworsen. Lene wartete ihn. Während er in leichtem Schlummer lag. lauerte sie. die Stirn gegen die Scheiden gedrückt, am Fenster und sah mit stillem Behagen, wie dte Kirchtür einen Heidedörfler um den andern schluckte, bis die Wege leer wurden und das Dorf in Verlassenheit dalag. Befriedigt atmete sie auf. Nun char sie sicher, eine Weile keinen von ihnen zu sehen. Sie wußte jetzt, daß man sie böser Künste fähig hielt. Roman hatte es ihr verraten, ilnb wenn sie seither im Dorf in Bedrängnis kam. dann machte sie sich den Aber­glauben zu Nutzen, indem sie mit ihrer Kraft drohte, besonders nachdem sie merkte, wir toirt- sam das Mittel im allgemeinen war. Sie ahnte nicht, wie es in andrer Weise zu ihrem Scha­den wurde.

Endlich Drang durch die klare Herbstluft das Ite missa est des Pfarrers und der Gemeinde Schlußgesang. Gleich darauf trat der fremde Pfarrer ins Freie und bestieg den Wagen, der ihn wieder sorttrug Die Bauern stellten sich zu Paaren auf. An der Spitze des Zuges ging die Musik und ein Bursche, der die 5a>ne trag. Dann kamen die Mannsleute und hintennach noch das Weibervolk, so wie es die Nangordnung im Dorfe erforderte. Im weiten Bogen zogen sie durch das Dorf und fielen schließlich in das Wirtshaus ein. Zeder wollte zeigen, daß er em Kerl war. der sich auf Kirchweihlaune verstand. Heule hieß es ums Totfein fidel sein! Alle Sehn­süchte und nebelhaften Wunschgebilde, die zahr- über von der harren Dauernarbeit erschlagen wur­den. feierten heute Frei-Tag in den losgelassenen Ge.'.rutern. Heber die Schnur hmenl Sich- toben! Das war die Tonart, rie an Kirchweih aul dem Programm stand. Man schrie sich die

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)

Samstag, 6. IHai st)22

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Sandel.

Berliw 5. Mai. Börsen st immungS- b i l d. Angesichts des auf der Genueser Kon­ferenz unverändert stark hcrvortretenden englisch- sranzösischen Gegensatzes bleibt die politische Lage dauernd unsicher. An der Börse hegt man an­scheinend die Hofsnung. daß sich schließlich unter gewissen Zugeständnissen die englische Auisassung doch durchschen wird und damit auch für Deutsch­land Erleichterungen in absehbarer Zell eintreten werden. Bei der infolgedessen allseitig wieder zur Schau getragenen starken Zurückhaltung und Geschäftsunlust machte der Abbau des Kursge­bäudes weitere Fortschritte, was für die führenden Papiere zu durchschnittlichen Kursnachlässen von 2050 und darüber, für Ilse Bergbau, Laura- Hütte. Deutsche Kalb Anglo Guano. Schwarzkopf. Deutsche Waffen. Gothaer Waggon und Nord­deutsche Wolle von 6090 Prozent führte. Laura- Hütte vermochten später die Einbuße wieder aus­zugleichen, wie überhaupt weiterhin eine gewisse Widerstandskraft bei leichten Kursbesserungen der einzelnen Werte unverkennbar war. Schissahrts- und Bankaktien verloren bis 10 Prozent. Oefier- reichische Staats bahn stiegen bei dem bekanntlich sehr knappen Material weiter um 325 Prozent. Auslandsrenten scheinen ihre Rolle als Betäti­gungsfeld der sonst ziemlich beschäftigungslosen Spe'ulation ausgespielt zu haben. Türkische Werte bis auf Türkenlose, die 150 Mark stiegen, waren eher realifiert. Oesterreichische lagen still und teil­weise schwacher, ungarische waren überwiegend fest. Mexikaner waren bei Schwankungen behaup­tet. Am Devisemnarlt fanden toieberum stärkere Schwankungen statt. Am Einheitsindustriemarkt überwog das Angebot.

Frankfurt a. M., 5. Mai. Börsen- stirnrnungsbild. Das Geschäft war auch heute ruhig. Abgaben drückten die Kurse we­sentlich. Bei einigen Papieren waren noch ge­ringe Erhöhungen zu verzeichnen. Irn freien Verkehr waren von den amtlich nicht notier­ten Werten Benz schwächer, 510. Becker-Stahl 450. Gebr. Fahr 620. Hansa Lloyd 255. Inag 510, Ufa 260, Rastatter Waggons 650. Deut­sche Petroleum 2100. ManSfelder Kuxe 23 750. In Bankaktien und heimischen Anleihen herrschte vollkommene Stagnation. Die lust­lose Haltung der Devisen beeinflußte die Va­lutapapiere nur wenig. Der Dollar stellte sich im Frühverkehr auf 285 und bewegte sich dann auf 282.50. Am Mvntanaktienmarkte war die Haltung in führenden Aktien durchweg matter. Zuckerfabrikaktien niedriger. Ehemische Aktten hatten einen stärkeren Kursverlust zu verzeich­nen. Elektrizitätsaktien, deren Kurseinbußen bis zu 40 Prozent betrugen, wurden reali­siert. Die Tendenz des Einheitsmarktes kenn­zeichnete sich als sehr schwach. Es kam zu grö­ßeren Einbußen. Die Börse schloß bei flauer Haltung, vereinzelt etwas erholter. Privat­diskont 47a Prozent.

Frankfurt a M., 6. Mai.

Börsenkurse.

Frankfurt Berlin

Schluß- Schluß- Schluß- Schluß- Kurs Kurs Kurs Kurs

Datum: 4. 5. 6.5. 4.5. 5.5.

5°/, Dtfch. Kriegsanl. 77,50 17,50 77,50 77,50

4°/Dtfch. Reichscml. 93,50 92.- 93, 93 50

3°°Dtsch.Reichsanl. 134,- 133,50 134,- 129,90

4°/n Preuh. Konsuls 85,50 84 85, 84,-

Hamburg-Paketf.. . 422. 435,- 410, 401,-

Norddeutfcher Lloyd 330,- 318, 829,- 312,-

Comm.u.Privatbank 308,- 305,- 320,- 307,-

Darmstädter Dank . 308, 306, -08, 306,-

Deutsche Bank . . . 597,50 595,- 600,- 000,-

Disconto-Gesellschaft 436,- 437, 440, 438,-

Dresdner Bank. . . 322, - 320, 328, 324,

Mitteld.Creditbank. 275,- 272.- 275,- 272,-

Nationalbank f. D.. 310, 308, 312,- 809,

Doch. Gußstahlwerke 1065,- 1055,-

Bud.- Eifenw - Akt.. 870, 805, 840, 7ä0,

D.-Luxemb. Bergw.. 960, 955, 980, 963,

Gelfenkirch. Dergw.. 1030, 970, 1012, 1000,

Harpener Bergbau. 1775, - 1760,- 1760,- 1780,-

Oberfchl. Eisenb.-B. 910,- 860,- 980,- 852,-

Oberfchlef. Cisenind. 740 - 717,- 728, - 719,

Phönix-Dergb.-Akt. 1150, 1120, 1124,50 1090,

Bad.Anilin-u. Soda 742,- 730,- 73C, 715,-

Höchster Farbwerke. 682,- 672, 680,- 6-8,-

Allg. Slektr.-Gef. . . 690,- 662,- 670,- 665,-

FelienL Guilleaume 835,- 810,- 830,- 800,-

Schuckert-Werke. . . 640, 605, 625, 610,

Adlerwerke 520, 495, 520, 500,

Daimler 467, - 445, - 457, 450,

4^ Hess. Etaatsanl. 79,75 78,- 78,- 80,- Sleckron Griesheim 847,50 798, 810,25 795, Dtfche. Vereinsbank 233,50 235» -

Berliner Devisenmarkt.

Datum: Amstd.-Rotterb. Brusiel-Antw. . Christiania . . . Kopenhagen . . Stockholm. . . . HelstngforS. . . Italien London Neuyork Paris Schweiz Spanien Deutsch-Oesterr. Prag Budapest.... Buenos Aires . Bulgarien . . . Japan Rio de Janeiro

Geld Brief Geld Brief 4. Tlni. 5. Mai.

11136,15 11163,95 109)1,2510'8 3,75 2 L 9,45 2l '5 ?5 2392,- 2398, - 53)3,25 5396,75 5293 35 5306,65 6157,25 6172,75 6062,40 6077,60 7480,60 7439,40 7390,75 74 '9,25 599,25 609,75 566,25 597,75 1553,05 1555,95 152.<55 1529,15 12)3,35 1286,65 1268, 0 1271,60 2->8,3b 289,12 285,39 286,11 2661,65 2168,35 26 4,20 2620,80 5622, 5 5637,05 5503,10 5506/0 4504 35 4515,65 4419,45 443l ,5')

3,55 3,59 3,43 3,47

55-,30 560,70 550,30 551,70 37,20 37,30 36,90 37,-

104,35 104,65 103,35 103,65 216.80 21 ,20 210,95 211,55 13/,25 138,25 135,- 136, -

3982,50 3991,50 3932,50 39-.2.50

.Daily Mail" weiter erfährt, erklärt haben, er sehe feinen Nutzen ein, weiter in Genua zu bleiben. Gr wolle nadb Berlin zurückkehren. Lloyd George soll Wirth jedoch überredet haben, zu warten, bis Bartbou aus PariZ zurück- gekehrt sei. Der brittsche Premierminister loll auch in Wirth gedrungen sein, dcm Friedenspakt zu unterzeichnen, wenn er unterbreitet werde, selbst wenn Frankreich darauf bestehen bleiben sollte, eine sehr freie Hand gegen Deutschland zur Erzwingung des Friedensvertrages zu erhalten.

Anfragen im Unterhause wegen Englands Politik.

London, 5. Mai. (WTB.) Im Unter* hause fragte Wedgwood, ob der Pre­mierminister dafür Sorge tragen würde, daß dir britischen Truppen aus de in besetz­ten Gebiet Deutschlands zu ückg zogen wür­den, wie es mit den amerilanisch.m Truppen be­reits geschehen sei. wenn die französische Ne­gierung irgendwelche Schritte unternehme, das besetzte Gebiet mit Saatlionsmaßnahmen zu cr-

Züricher Devisenmarkt. 5. 5. 6. 5.

Wechsel auf Schweizer Franken

Holland 100 Fl. --- 198.75 198.60

Deutschland 100 Mk. 1.80 1.81

Wien 100 Kr. 0.06 0.06

Prag 100 Kr. 10.05 10.975

Paris 100 Fr. 47.52 47.45

London 1 £ = 23.04 12.01

Italien 100 L. -- 27.75 24.74

Brüssel 100 Fr. 43.25 43.50

Budapest 100 Kr. -- 0.66 0.67

Neuyork 100 $ = 518-50 517.25

Agram 100 Kr. 1.85 L85

Warschau 100 Är. = 0,12 0,12

Marknotierungen.

Für 100 deutsche Marl wurden gezahlt: Datum: 1.7.14. 4 5. 5.5.

Zürich Fr. 125.40 1,77 1,81

Amsterdam Fl. 59.20 0.89 0.91

Kopenhagen Kr. 88.80 1,66 1 68

Stockholm Kr. 88.80 1,35 1,87

Wien Kr. 117.80 2820,- 2882,50

Prag Kr. 117.80 17,80 18,25

London Sh. 97.80 1,29 1,26

Neuyork $ 23.80 -.34 0,35

Paris Fr. 125.40 3,75 3,78

Märkte.

Mainzer Produktenbörse.

Mainz, 5. Mai. Die heutige Börse ver­lief infolge der Zurückhaltung der Käufer ruhig und geschästslos. Im allgemeinen ist die Lage am Produktenmarkt unverändert. Es no­tierten per 100 Kilo loco Mainz: Weizen 1500, Roggen 1100, Hafer 1300, inl. Weizen­mehl 00 2250, Weizenmehl m. Auslandsmehl gern. 2250, amerik. Weizenmehl 2350, Rvggen- mehl 70proz. 1475, Weizenkleie ohne Sack 860, Roggenkleie ohne Sack 860, Mais 1180, Mais­schrot 1200, Futtermehl 975, ital. Luzerne 7000, provenc. Luzerne 7250, ungar. Luzerne 7000, ital. Rotklee 7000, inl. Rotklee 7000, deutsche Linsen 2750, weihe Dohnen 1350, Viktoria- Erbsen gesch. 1750, Viktoria-Erbsen ungesch. 1550, Burma-Reis II. 1950, Haferflocken 1850, Graupen 1850, Wiefenheu lose 540, Wiesenheu gepreßt 630, Kleeheu lose 650, Haferstroh 370, Roggenstroh 370, Kartoffeln 540.

(In einem Teil der Auflage wiederholt.)

Die Unterredung Wirths und Rathenaus mit Lloyd George.

London, 5. Mai. (WTB.) Der diplomatische Berichterstatter der .Daily News" meldet: Die Tatsache, daß Wirth und Nathenau gestern bei Lloyd George waren, sei von Bedeutung. Von deutscher Seite verlaute, daß sich unter den erörterten Fragen auch dieRepu - rationsfrage befunden habe, über die, wie gerüchtweise verlaute, auch der französische Mi- nifterrat gestern nachmittag im Zusammenhang mit per Frage der alliierten Schulden beraten habe. .Daily Mail" berichtet aus Genua, daß bei der Besprechung Lloyd Georges mit Wirth und Nathenau die verhandelten und künfti­gen Probleme der Konferenz besprochen worden seien. Die innere Lage Deutsch­lands fei eingehend erörtert worden, und Na - tHenau habe Zahlen unterbreitet, um die Lage darzulegen, die sich am 31. Mai ergeben werde. Dies scheine zu einer Erörterung wirt­schaftlicher Fragen geführt zu haben, die von der Neparatiousfrage kaum zu unterscheiden seien. Reichskanzler Dr. Wirth soll.

weitern, wozu die britische Reg crung tbve Zu­stimmung nicht bestimmt auc gesprochen habe. Chamberlain erwiderte, die Frage gründete sich auf eine Annahme, die unzutreffend fei; denn Wedgwood wird aus den heutigen Morgenblättern ersehen Haden, daß die ame­rikanischen Truppen nicht zurück­gezogen siiid. Die Frage, w.rs die britische Negierung in diesem Falle tun werde, die zwei­fach hypothetisch ist, konnte er in diesem Sta­dium nicht beantworten. K e n n w o r t tz y fragte, wann die Erklärung über d i e britische Po­litik angesichts der neuen Krise ,m Zusammenhang mit den deutschen Reparalions- zahlungen im Unterlaufe abgegeben ind ob Ge­legenheit gegeben würde, die Lage za erörtern, bevor die sraiizosische Armee weiter in Deutsch­land einrüde. Kennworts)!) fragte ferner, ob schon irgend eine Entscheidung über dis Ver­wendung der britischen Truppen am N he ine während dieser beabsichtig'en Besetzung getroffen worden fei und wie die je Entschei­dung laute. Chamberlain erwiderte, er habe keine Entscheidung betrefsend ein w.iteres Vor­gehen der fraiizosischen Armee in Deutschland. Der übrige Teil der Frage erledige sich damit von selbst.

Amerikanischer Protest gegen englische Monopolabsichten in Rußland.

Paris, 5. Mai. (WTB.) Wie dem .New Bort Herald" aus 'Paris mitgetcilt wird, sollen Präsident H a r b i n g und Staatssekretär Hughes einen e n e r g i f d) c n Protest an England vorbereitet haben, wenn ti? Aus­künfte begründet seien, daß eine englische Gesell­schaft ein Petroleummonopo! mit Ruß­land verabredet habe. Bis jetzt habe die Ne­gierung noch feine Bestätigung erhalten, daß diese Konzessionen bestehen. Aber der Botschafter in London, Harvey, und der Botschafter in Ge­nua, Childs, hätten beide den Auftrag er­halten, eine Enquete zu veranstalten. Die Ver­einigten Staaten konnten einen derartigen Ver­trag nicht zulassen, den sie als eine Verletzung der Rechte der 'Vereinigten Staaten sowohl als auch derjenigen anderer Staaten betrachten. Aus dieser Stellungnahme schließt das Blatt auch, daß die offiziellen Stellen in den Vereinigter, Staaten den Standpunkt der Fran­zosen und "Belgier billigten.

Ein Deamtenskcmdal in Washington.

Washington, 2. Mai. Die Regie­rung entließ hier 26 Beamte des Schatzamtes, auch den Direktor Wilmeth, angeblich weil deren Amtstätigkeit zu ernsten Klagen An­laß gegeben hätte. Man hätte entdeckt, daß eine große Anzahl von Liberty-Bond-Dupli- caten durch das Bureau der Graveure und Drucker hergestellt worden und so in Zirku­lation gekommen seien. Sämtliche entlassenen Angestellten des Schatzamtes sind Zivildienst- Beamte. Sie unterbreiteten dem Präsidenten Harding eine Protestschrift, daß ihre Ent­lassung nicht gerechterweise erfolgt sei. Der SchatzamtSsekretär Mellon gibt auf Anfragen hin bekannt, daß keinerlei Unterschleifen ver­brecherischer Natur vvrgekommen seien. Prä­sident Harding empfing die Deputation der Beamten nicht, doch versprach er, die Petition durch einen Sekretär prüfen zu wollen.

Die Kämpfe in China.

Peking, 4. Mai. (WTB., Die Truppen W u p e i f u s haben Peking i m j i n g,e 11. Die Armee Tschangtsolin, die in der Nähe d x Stadt stand, ist zerstreut worden. Der gesamt- wie Eisenbahnverkehr von Peking aus ist unterbrochen.

Schneid an, weirn man sie nicht mitgebracht hattet

Die stille Krankenstube hallte wider von dem Pollern des Schuhwerks, als die Dauern in den Tanzsaal einzcgen. Sogleich setzte dir Tanzmusik ein. Hochausholend begann die Flöte einen Länd­ler. Die Geige quietschte verstimmt die Melodie nach, herrlich fuhr der Brummbaß dazwischen, mit rhythmischen Streichen die rebellischen Deine gewaltsam im Takt erhaltend.

Der wüste Lärm drang wie ein fernes Brru» sen an das Ohr des fiebernden Knaben. Nur ab und zu fand ein alles überbietendes Ge­räusch den Weg in sein schlummerndes Bewußt­sein. Dann schrak er auf und die Hand fu>r ihm ans Herz. Das schlug ihm flatternd gegen die Rippen umd trieb ihm den Angstschweiß auf die Stirn.

Lene sprang bann hinzu und nahm die zuckenden Finger in ihre warme Hand. Schließlich setzte sie sich auf den Bettrand und forschte in seinem Gesicht. Wie hatte seine Blässe jetzt eine lllienhafte Zartheit angenommen! Wie seltsam fern fühlte sie sich ihm. obwohl sie ihm doch io nahe war! Wie wenn ein Mensch am fernsten Punkt des Horizontes dahinschreitet, so daß teiner Stimme Kraft ihn zu erreihen txrnug, so war es! Sie fing an, ein Märchen zu erzählen, das schönste von allen. Lei e sprach sie, wie in der Kirche, die Stimme traute sich nicht heraus, es war ein so banges Gefühl in ihr. Horte er sie7 Fast schien es nicht, obwohl er manchmal unvermutet die Augen aufschlug und sie mit seltsamer Klarheit anfaf»! Aber im nächsten Augenblick iror er wieder geis-entrückt. Das war nicht Scylas, dieses abwechselnde Auf und Nieder, dieses Derjücken und WiLderzusrgeujevtt Ua6

wo war er in der Zwischenzeit, wo er nicht bei ihr war?

Sie stellte das Erzählen ein.

Wenn doch jemand kommen wollte!" duch'e sie. Der bestgehaßte Dörfler wäre ihr letzt recht gewesen. Aber die Schlupfline, die es der Walds- ackerin in die Hand versprochen hatte, droben nach den Kindern zu sehen, während dir Arbeit sie unten im Atem hielt, ließ auf sich wactrn.

In dem einförmigen Tickiak der Wanduhr schlich die Zeit hin. Tiefer färbten sich di» Schat­ten in den Stubenecken. weißer stach Romans Gesicht von den bunten Kissen ab.

Endlich ein schlürfender Pantoffel aus der Stiege. Das war sie.

Es war die vierte Nachnrittagssturide. als sie in die Stube trat. Sie bot keinen Gruß. Anwirsch watschelte sie auf das Bett zu.

Was macht denn der Bub?"

Eie setzte die Hornbrille auf die Nase und sah dem Roman in das eingefallene Gesicht. Darm schlug sie die Hände meinender.

Mar'nd Iofeph!" schrie sie,tme sieht der Bub aus! Als wie ein ausgenommenes Fischlr liegt er da!" Sie steckte dir Brille wieder in die Tasche und schneuzte sich gerührt m ihr rotgewürfeltes Sactuch.

Ei du! Ei dul" ging's dann weiter.Der macht's nimmer Lang! Der stirbt, bevor . . ."

Weiter Tarn sie nicht. Der Schrecken verschlug ihr das Wort. Denn an ihren Arm getraut hing plötzlich das Pfarrmädel, und fein erbliche­nes Gesicht war dem ihrigen unheimlich nah.

Line!" fragte sie mit bebender Sttmme,muß der Rcnnan sterben?"

(Fortsetzung folgt)