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Spuren Im Schnee.

Roman von Sven Elve st ad.

Ermächtigte Übersetzung.

31. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.)

Der Herr Kapitän werden sich doch nicht gar davon trennen wollen!" rief die alte Haus­hälterin.Es sieht gerade aus. als ob Sie von allem Abschied nehmen wollten."

Plötzlich blieb der Kapitän mitten im Zimmer stehen und atmete mühsam.

Die Luft kommt mir entsetzlich schwer und - drückend vor," sagte er.Auch die Dunkelheit bricht früher ein als sonst."

Der Himmel hängt voll Wolken," sagte die Alte.

Der Kapitän trat ans Fenster.

Roch niemals habe ich die Wolken so niedrrg hängen sehen," bemerkte er.Man meint, sie wollten ganz auf die Erde heruntersinken. Sehen Sie nur, Maria! Vielleicht pressen die Wolken die Luft zusammen, und ich atme deshalb so schwer."

Der Herr Kapitän sollten ein wenig spa­zieren gehen," meinte Maria.Sie sind ja heute noch gar nicht ausgewesen."

3a, das will ich tun," stimmte der Ka­pitän zu.Holen Sie mir meine wachm."

Während ihm Maria in den Mantel half, sagte sie leise:

Der Herr Kapitän kommen mir heute so sonderbar- vor."

Do? Warum denn?"

Ich meine, die Stimme des Herrn Kapitäns

Ar. 5 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gverhessen) Hreltcu, 6, Ianllar 1922

Die Lebenshaltungskosten.

Berlin, 5. Jan. (WTD.) Heber die Teuerung im Dezember 1921 teilt das Sta­tistische Reichsamt mit: Obwohl durch die Kaufkraft der Mark zu Beginn des Monats Dezember die Großhandelspreise zurückgingen, fetzte sich die AufwartSbewegung der Kosten; der Lebenshaltung vom November zum: Dezember infolge des vorherrschenden Sturzes der Reichsmark weiter fort. Nach den Be­rechnungen des Statistischen Reichsamtes, den.m die Ausgaben für Ernährung, Heizung und Beleuchtung sowie Wohnung dem Stande von Mitte November zum Dezember zugrunde liegen, ist die Neichsindexziffer für die Le­benshaltungskosten vom November zum De­zember von 1397 auf 1550, demnach um 153 Punkte oder 11 v. H. gestiegen. Gegenüber De»>mber 1920 beträgt jetzt die Steigerung 6 6 v. H. und gegenüber Mai, dem billigsten Monat des Borjahres, 7 6 v. H. Stärker als in den Bormonaten trug zu dieser Steige­rung im Berichtsmonat die Erhöhung der Kosten für Heizung und Beleuchtung bei, wäh­rend die Wohnungsmieten nur in verhältnis­mäßig wenigen Gemeinden anzogen. Daneben wurden aber auch weitere, teils beträchtliche Steigerungen für Lebensmittel festgestellt. Die Indexziffer für ErnährungSauSgaöen allein, die im November d. I. 1914 betragen hatte, ist um 174 Punkte oder 9,1 v. H. auf 2088 ge­stiegen. Zu der Erhöhung der Ernährungsaus­gaben trugen im Berichtsmonat fast sämtliche Lebensmittel bei. Die Preise für Brot, Nähr­mittel, Hülsenfrüchte und besonders Fleisch zogen erneut an. Auch Gemüse, Kartoffeln unb Eier wurden wiederum teurer. Die Preis­bewegung für Fette (bis Mitte Dezember) war nicht einheitlich.

Beamten- und Angestelltenfragen.

B e r l i n, 5. Jan. (WTB.) 3m Reichs- finanzministerium traten um 5 Ähr nachmittags Vertreter der Reichsregierung und der Spitzenorganisationen zu den lange erwarteten Verhandlungen über die neue Teuerungsak tion für die Be­amten, Angestellten und Arbeiter des Reiches zusammen. An den Beratun­gen nahmen Vertreter aller Reichsressorts, des preußischen Finanzministeriums und die Mitglieder des 23. Ausschusses des Reichs­tags teil. Sinter dem Vorsitz des Ministerial­direktors von Schlieben vom ReichSsinanz- ministerium fand eine eingehende Aussprache statt. ES herrschte auf .allen .Seiten das Be­streben, die Verhandlungen so rasch zu füh­ren, daß bem' Reichstag bei seinem Wieder­zusammentritt am 19. 3anuar die Vorlage zu­gehen kann. Anfang nächster Woche werden die Verhandlungen fortgesetzt. Dabei soll zu­nächst mit der Einzelberatung der Arbeiter­fragen begonnen werden, nachdem sich inzwi­schen die Reichsregierung mit den Finanz­ministern der Länder ausgesprochen haben wird. 3m Anschluß an die Arbeiterfragen sollen die Beamten- und Angestelltenfragen behandelt werden.

Uebergang der Quäkerspeisung in deutsche Verwaltung.

Die amerikanischen Mitglieder der Km- derhilfsrnission der Quäker haben um dic Jahreswende Deutschland verlassen. 3hr men­schenfreundliches Werl hat damit nicht sein Ende gefunden. Sie haben es vielmehr den deutschen Verwaltungsstellen übertragen und dabei die Sleberzeugung und das Vertrauen ausgesprochen, daß diese die Speisungen mit bestem Erfolge durchführen werden. Die aus den amerikanischen Spenden beschafften Qe- benßmittel werden also von jetzt ab ledig­lich durch deutsche Verwaltungs­stellen verteilt. Anstelle der Hauptleitung in Berlin ist derDeutsche Zentralaus- schuß für die Ausland Sh ilfe getreten, an Stelle der amerikanischen Bezirksleitung für Hessen, Württemberg und Baden in Frankfurt a. M. eine deut sche M titel­st e ll e in Darmstadt nur für den Frei­staat Hessen. 3hre Geschäfte führt die Zentrale für Mütter- und Säuglingsfürsorge,

unterstützt von einem Verwaltungsausschuh, in dem u. a. auch die Stadt Gießen ver- s treten ist. Nur in Berlin bleibt ein kleiner Ausschuß von Amerikanern zurück, um bei neuen Verwaltung mit Rat zur Seite zu stehen. Aus zwei Gründen ist es den Quäkern ratsam erschienen, die Speisungen in deutsche Hand! zu übertragen:

Erstens werde dadurch die Möglichkeit ge­geben, daß die Kinderspeisungen von den zu­ständigen Wohlfahrtsstellen in Deutschland weitergeführt werden, so daß sie im Bedürf­nisfalle ein Teil der ständigen Wohlfahrts­pflege werden können.

Zweitens sei der Wechsel durch die kri­tische Lage in Rußland notwendig geworden, wo 20 bis 25 Millionen Menschen in diesem Winter dem Hungertvde entgegensähen.

3n Rußland, wo die Quäker seit 1916 wir­ken, wollen sie ihre Arbeit erheblich aus­dehnen, deshalb ihre Personalkosten für Deutschland verringern und einen Teil ihres amerikanischen Personals für den Dienst in Rußland freimachen. Die Quäker haben zum Abschied ein Rundschreiben versandt, in dem sie allen denen herzlich danken, die durch ihre Hilfe zum Gelingen der Speisungen bei­getragen haben. Sie betonen, daß es ihnen ohne' die unermüdliche Mitarbeit tüchtiger Deutscher nicht möglich gewesen wäre, ihre Speisungen so durchzuführen, wie es geschehen ist. So sei auch denen gedankt, die in Gie­ßen qnitgeholfen haben und hoffentlich auch noch weiter mithelfen werden. Einige hoch­herzige Spender haben durch namhafte Geld­beträge das Werk unterstützt. Ihre Namen werden im Anzeigenteil bekanntgegeben. Auch jetzt ist es zu berartigen Spenden, die bei allen hiesigen Banken entgegengenvmmen werden, noch nicht zu spät. Die Speisun­gen gehen in Gießen unverändert weiter. Der hiesige Ortsausschuß für die amerikanische Kinderhilfe bleibt, wie alle Orts­ausschüsse, unverändert bestehen. Die Samm­lungen, die zur Zeit in den Vereinigten Staa­ten durchgeführt werden, um Geld für die Fortsetzung der Kinderspeisung in Deutsch­land aufzubringen, sind nach Mitteilung der Quäker bisher so erfolgreich ausgefallen, daß diese bis zu den Sommerferien 1922 die Ver­pflichtung übernehmen können, durch­schnittlich täglich 500 000 Kinder zu speisen. Ein herzlichesHabe Dank" sei ihnen bei ihrem Scheiden von Deutschland für ihr edleö Werk der Menschenliebe zuge­rufen, das sie in schwerster Zeit an unseren Kindern getan haben.

Aus Stabt und Land.

Gießen, den 6. 3an. 1922.

Heilige drei Könige.

Dis zum Jahre 354 wurde der 6. 3 a nuar als der Geburtstag Christt gefeiert; erst der Kaiser Justinian bestimmte, bah beS Heilands Geburtstag auf den 25. Dezember eines jeden IahreS verlegt werde. Bald dar­auf wurde der 6. Januar den morgenländi- schen Weisen oder Magiern geweiht, die da kamen, um das Jesuskind anzubeten. Als solche Magier sind die berühmten Könige (von denen es int Evangelium nicht einmal heißt, daß es gerade drei waren) aufzufassen. Die Gebeine dieser morgenländischen Weisen sollen in Köln a. Rh. begraben sein; in Köln, wo am 6. Januar der lustige Fasching beginnt oder beginnen soll. Erst im achten Iahrhun- bert wurden die Weisen von denen einer weiß, einer braun, einer schwarz gewesen sein soll für heilig erklärt; man widmete ihnen im besonderen die drei Tage: Melchior, Kas­par und Balthasar.Epiphania" dagegen be­deutet soviel wie: die Erscheinung Ehristt, nach anderen: die Offenbarung der göttlichen Natur des Heilands bei der Taufe durch Jo­hannes. 3n verschiedenen Gebirgsgegenden, im Riesengebirge, Erzgebirge, in Thüringen usw. ziehen drei als heilige Könige verkleidete Kna- bcn (den aus schönem bunten Papier her­gestelltenStern von Bethlehem" vor sich her- tragenb) von Hütte zu Hütte, von Gehöft zu Gehöft, um durch Dettellieder und humorvolle

Bitten die Bewohner zu veranlassen, etwas Gutschmeckendes zu spenden.

«

* Zur Verrechnung der Steuer­abzüge wird uns vom Finanzamt geschrie­ben: Vielfache Anfragen aus Arbeitnehmer- kreisen lassen erkennen, daß die Auffassung vertreten ist, die auf den gegenwärtig für 1920 zur Ausgabe gelangenden Steuerbeschei­den enthaltenen Elnkommensteuerbeträge seien neben den bereits erfolgten Steuerabzügen vom Arbeitslohn voll zu zahlen. Diese An­nahme ist irrig. Alle b i s zum 31. März 19 2 1 dem Arbeitnehmer vom Arbeitslohn einbehaltenen Beträge kommen auf die end­gültige Einkommensteuer voll zur Auf­rechnung. Die Verrechnung erfolgt unter Vorlage des Steuerbescheids und der Steuer­karte durch die auf den Bescheiden an­gegebenen Zahlstellen. Weiterhin sei darauf hingewiesen, daß bei Posteinzahlung der Ein­kommensteuer für 1920 oder von vorläufiger Steuer für 1921 oder bei bargeldloser Heber« Weisung anzugeben ist, wie sich der eingezahlte oder überwiesene Betrag im einzelnen zu- sammensetzt aus Einkommensteuer, allgemeine und örtliche evangelische oder katholische Kir­chensteuer oder israelitische Kultusumlage. Die Sollbuchnummer und die genaue Wohnung sind ebenfalls beizufügen.

" Reichs miet enge seh. Wie man an maßgebender Stelle hört, steht das Reichsmieten­gesetz in nächster Zrit zu erwarten. Es wird wahrscheinlich am 1. Avril 1922 in Straft treten. Mietregelungen, de nicht dringlich sind, schiebt man deshalb noch etwas hinaus, da durch das Reichsmietengeseh dach grundlegende Aenderungen bevorstehen.

' Die Veschästigung Schwer­beschädigter in Privatbetrieben. Tas Hessische S aatsministerium teilt durch die Hes- si che Haupt, ürsergesteile den Fars^rgeste.len fol­gendes mit: Das Gesamtministerium hat am 22. v. M. beschlossen, daß Im Interesse der noch nicht versorgten Schwerb:schad'gten alle größeren staatlichen Aufträge nur an solche Firmen vergeben werden dürfen, die ihe Ver- pslich'.ug aus dem Dchwerdeschädgtengeeh er­füllt haben. Vor Erteilung des endgültigen Zuschlags hat sich die amtliche Stelle, die den Auftrag vergibt, mit der Hanptfürforgestelle va Verbindung zu setzen, um zu erfahren, ob die betreffende Firma die gesetzlich vorgeschriebene Zahl Schwerl>eschädigter beschäftigt.

Feuerbestattung. Die bis jetzt be­kannt .gewordenen Zahlen der im letzten Jahr in den 54 deutschen Krematorien erfolgten Feuer­bestattungen weisen gegen das 3ahr 1919 wieder­um eine gewaltige Zunahme auf; auch die An­zahl der Vereine und deren Mitgliederzahl nehmen nicht nur in den Städten zu, sondern auch in Land- bezirlen in der Umgebung von Krematorien, läßt sich eine Zunahme der Anhänger der Feuerbestat­tung seststellen. Unter den im verflossenen 3ahr neuentstandenen Vereinen ist bemerkenswert der­jenige in Wetzlar (Mai 1920), Friedberg (3uni) und in Gießen im September. Letzterer weist bereits eine stattliche Mitgliederzahl auf und hat seit seinem Bestehen schon in vielen Fallen Anhänger der Feuerbestattung bei den zur Ein­äscherung vorgeschriebenen Formalitäten, wie sie durch das hessische Feuerbestattungsgesetz vom 19. August 1899 geregelt sind, beraten können; es sind auch bereits Schritte unternommen, um den schon vor dem Krieg bestehenden Plan der Errich­tung eines Krematoriums in Gießen zu fördern. Interessenten für Feuerbestattung feien auf die heute Freitag abend 8i/3 Uhr im Kaufmännischen Vereinshaus (Steinstraße) statlfindende Mitglie­derversammlung der Vereinigung für Feuerbestat­tung für Gießen und ihngegenb aufmerksam gemacht.

Landkreis Gießen.

Landkreis Gießen, 5. Jan. Der Gewerkschaftsbund der Angestell­ten (G. d.A.), Einheitsgewerkschaft der kauf­männischen, technischen und Bureau-Angestell­ten, hat für die Wahl der Vertrauensmänner zur Angestelltenversicherung im Landkreise Gießen eine Liste aufgestellt, welche die BezeichnungListe B hat.

Kreis Schotten.

b Schotten, 5. 3an. 3m nahen Michel­bach wurde die 20jährige Anna Matthes Mon­tag früh an der Transformatorenstation er­hängt auf gef unben. Man nimmt an, daß das sonst brave, ruhige Mädchen einem Ver­

brechen zum Opfer gefallen ist. Als Täter wurde ein junger Bursche, der ein Ver­hältnis mit dem Mädchen unterhielt, genannt. Die Untersuchungen von Gericht und Staats­anwaltschaft werden näheres ergeben

Kreis Wetzlar.

ra. Vom DünSberg,5. Ian. XkbcraD in den großen Waldungen am Dünsberg er­tönt wieder die Axt des Holzhauers und viele Arbeiter finden eine lohnende Be­schäftigung. Mit Tagesanbruch ziehen sie in Scharen hinaus in die Waldungen. Die Tage sind eben sehr kurz, weshalb die Arbeit ge­wöhnlich nur einmal unterbrochen wird, um ein einfaches Mahl zu genießen. Auch der Holz­hauer sieht es gern, wenn Frostwetter ein- tritt, wodurch ihm seine Arbeit sehr erleich­tert wird. Nur bei allzu strenger Kälte wird in einer Waldschneise oder auf einem Wege ein Feuer angezündet, an das die Arbeiter ab und zu herantreten, um ihre Glieder für wenige Augenblicke zu erwärmen.

Hessen-Nassau.

fpd. F r a n f f u r t a. M., 5. Ian. Zeit und Ort der Handlung: Ein besseres Weinrestau­rant in der Nähe des Hauptbahnhofs. Mitt- woch den 4. Januar 1922, abends 10 Ähr. C i n neuer Reicher, dickbäuchig, gut angezo­gen, mangelnde Umgangsformen, nicht gut ge­pflegte Hände, namentlich lassen die Nägel Kultureinflüsse vermissen. Er hat mit einem Freunde zwei Flaschen Wein getrunken, die neben dem Tisch in einem großen Kübel stehen. Man will aufbrechen.Ober, bitte Handtuch und Seife I" Der Ober bringt das Gewünschte. Der neue Reiche entfernt die Flaschen aus dem Kübel und wäscht fick dann in aller Seelen­ruhe in dem Meintübelwasser die Niederen Hände, ttocknet sie säuberlich vor allem Pu­blikum ab, verabfolgt dem Ober ein besonn deres Trinkgeld über den gehnprozentigen Zu­schlag hinaus und verläßt dann stolz die Wein­stube.

mc. Frankfurt a. M., 5. Ian. Der Brauereivertreter König, den man schon verunglückt glaubte, ist, wie man jetzt festge­stellt hat, mit einer Französin (durch gegan­gen und hat von Paris aus seinen Freun­den geschrieben. Selbstverständlich hat er das Reisegeld aus der Brauereikasse genommen. Auch sonst hat König seinen Posten, der eine VerttauenSstellung war, keineswegs so ge­führt, wie eS notwendig gewesen wäre. Die Brauerei hat nun alle Mühe, die Unre­gelmäßigkeiten aus der Welt zu schaffen.

fpd. Bad Homburg v. d. H., 5. Jan. Bei einem Zusammenstoß mit einem Milchfuhrwerk stürzte der Sohn deS Gastwirts Becker aus Seulberg vom Rade und zog sich dabei lebensgefährliche Ver^ letzungen zu.

fpd. Fulda, 5. Ian. Die Arbeiter der Fuldaer Wachswerke stehen seit meh­reren Tagen i m A u s st a n d.

Landwirtschaftlicher Vortragskurs.

Der letzte Vortragstag der Landwirtschafts- kammer, der sich eines ebenso guten Besuches er­freute wie die beiden vorhergehenden Tage, wurde durch drei sehr lehrreiche Vorträge aus- gefüllt. Als erster Redner sprach Professor Dr. Brinkmann- Bonn überBetriebswirt- schaftliche Fragen der Gegen war^ in höchst interessanter und Rarer Welse. Er ent­warf kurz ein Bild über die Erzeugung und den Verbrauch pflanzlicher unb tierijd;er Nahrungs­mittel vor und nach dem Kriege und wies auf den starken Produktionsrückgang hin, der infolge der durch den Krieg hervorgerufenen Störungen des Umlaufes der Pflanzennährstvffe au Der- zeichnen ist Der Wiederaufbau Deutschlands hängt besonders von der Behebung unserer Er­nährungskrise ab. Soll das deutsche Wirtschafts­leben wieder gesunden, muß zunächst die Ernah- rungsfrage unseres Volles aus eigener Scholle angestrebt werden. Eine vermehrte Kunstdunger- anwendung ist daher dringend geboten, um unsere pflanzliche Produktion zu steigern. Um die tierische Produktion zu steigern, muh vor allen Dingen die Viehhaltung auf eine bodenständige Grund- läge gestellt werden und eine Futterertragssteige- ntng zu erreichen versucht werden. Rur durch eine

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klingt so besonders. Sie erinnert mich an etwas," sagte Maria.

An was erinnert sie Sie denn?" fragte der Kapitän.

Sie klingt gerade wie Weinen," ant­wortete Maria.

Der Kapitän knöpfte den Pelzmantel fest über der Brust zusammen.

3ch weine niemals," sagte er.

Run nahm der Kapitän seinen Weg zuerst zur Eisenbahnbrücke hinunter. Die Straße führte unter der Drücke mit ihren gewaltigen Eisen- Pfeilern hindurch. Sah man von unten zu der Brücke hinauf, so erschien sie gewaltig und doch zugleich leicht und fein mit ihrem von Stäben, Stützen und Dogen wimmelnden Eisenbau. Unter dem mittleren Dogen der Drücke floß murmelnd der Fluß hindurch an dessen beiden Ufern das Cis weiße zackige Streifen bildete, unter denen das kristallhelle, eiskalte Wasser hinlief. An bei­den Seiten stieg das Land als mächtige gelbe Uferbanr steil an. Lange Zeit stand der Kapitän da und betrachtete den eigentümlichen Schimmer, der auf diesen mit welkem und frost gebleichtem Gras bestandenen Döschungen lag. Er kam sich zwischen diesen beiden steilen Ufern wie tn der Tiefe eines Abgrundes vor, über dem sich die langsam ziehenden, schweren Wolken wie ein im Winde wogendes Zeltdach ausbreiteten. Und welche grimmige Kälte alles um ihn her aus­strahlte i Die hohen, mit Rauhreif überzogenen eisernen Pfeiler, die die Drücke trugen, die Eis­ränder des eintönig murmelnden Flusses und die hartgefrorene Straße, auf di: sein Fuß trat alles war eisig und gewissermaßen eine unbarm­herzige, ihm feindlich gegenüberstehende Macht.

Menschen waren nicht zu sehen, und gerade, weil er nicht wünsche, jemand zu begegnen, hatte er ein übermächtiges und drückendes Gefühl von seiner Einsamkeit.

Als er nach einer langen Wanderung wieder vor seinem Hause stand, fühlle er zuerst Lust, noch weiter, an der Apotheke vorbei und zum Dahnhof zu gehen; als er aber zum Himmel aufblickte. kam es ihm vor, als sei die Wolken­decke immer tiefer herabgesunken, und als fei noch weniger Bewegung in den Wollen als vor­her Sie hingen schwer über seinem Kopf und schienen sich eher noch mehr zu senken als nach Osten zu ziehen. Ohne daß er sich den Grund hätte erklären können, empfand er diese hängen­den uno dichtgeballten Wollen wie eine Drohung. Er machte die Haustür zu und betrat den Vorplatz.

ilnb stehe, da hing an einem Kleiderhaken der Pelzmantel des Doktors Flodin mit dem großen grauen Pelzkragen und sein hoher Hut mit dem breiten Trauerflor, diese beiden Stucke, die er so genau kannte.

Siebzehntes Kapitell

Der Kapitän blieb einen Augendlicr in dem Halbdunkeln Flur stehen. Er schaute sich um, aber nicht, als ob er suche, sondern mehr, als wolle er sich überzeugen, ob alles noch an seinem Platze" sei. Seine Mäntel und seine Hüte . . . Zawohst da hingen sie alle beieinander. Und nun hingen da plötzlich mitten dazwischen Doktor Flo- dins Pelzmantel mit dem grauen Kragen und lein Hut mit dem Trauerflori Diese Dachen hin­gen da und erzähllen ihm ganz deutlich die son­derbare Geschichte, daß ihr Eigentümer. Doktor

Flodin, zu ihm zu Besuch gekommen sei, feine Ueberkleider im Flur abgelegt habe und nun ban­nen in seiner Wohnstube auf ihn warte.

Merkwürdigerweise hatte es nicht den An­schein, als ob der Kapitän darüber erstaunt toär^ Er hängte gelassen seinen eigenen Pelzmantel neben den des Doktors Flodin, und nachdem er eine Weile vor der Tür gewartet hatte, macht» er ste auf und trat ins Zimmer.

Was ihm zuerst auffief, war, daß im Zimmer eine recht ungemütliche Finsternis herrschte. Er sah nichts als einen undeutlichen Schimmer von den Möbeln, und hie und da ein Glanzllcht auf den Beschlägen. Aber nun bemerkte er bcn Swaukelstuhl. Darin saß jemand, aber er tonnte nick: sehen, wer es war, denn bie hohe und breite Rücklehne des Stuhles war ihm zu- gewandt.

Der Kapitän machte die Tür hinter stch mit einem ge'xi fen Kraftaufwand zu, so daß das Schloß klirrend einschnappte. Er blieb stehen urw blickte zum Schaukelstuhl hinüber; seine Brust hob stch in einem tiefen Atemzug, und als sie wieder zusammensank, drang aus seiner Kehle eia Laut, der ein schmerzhaftes, hartes Husten« konnte. Dort im Halbdunkel bewegte sich.der Schaukelstuhl gleichmäßig weiter.

Sind Sie es, Doktor Flodin?" fragte bet Kapitän.Ich meinte, Sie seien tot

Der Mensch in dem Sluhle gab keine Ant­wort, aber der Stuhl schaukelte immer gleich­mäßig langsam weiter.

(Fortsetzung folgt)