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Samstag, 5. August 1922

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Göerhessenj

Zweites Blatt

Er. <82

Hochschulnachrichtsn

* Der Gießener Wingolf feierte twm

war.

(Fortsetzung folgt)

etlia9^£ ^ sich °m° LLe Zigarrenfabcik -mg-richt-t. die sich

beiden Leichen geborgen worden waren. Er klopfte <m jeden der mannshohen Quadern, welche die Mauern bildeten, aber überall war nur der harte Klang des Steines zu vernehmen and lernerlet dumpferer Hall beitete aif eine verborgene Höh­lung. Aich wenn sich hier eine Ture befand, war sie zweifellos so dick und unterschied sich so wenig von dem übrigen Gestein, daß man sie nicht aufzifindsn vermochte.

Dabei drängte die Zeit. Vielleicht kam man überhaupt schon lange za spät. Aber selbst wenn die Baronesse noch lebte, wer konnte hoffen, daß es zwei Männern allein gelingen wurde, einer ganzen Horde von Hegern ihren Fang zu ent-

weltlicher erscheinen läßt.

Erst nachdem die beiden Manner den Saulen- saal durchschritten hatten 'and den rückwärtigen Teil des Baues betraten, der ehemals das Aller- heiligste geborgen hatte, stieg ein tiefes Sum­men und Braisen aus dem Boden auf, als trenn der Sand die wilden Gesänge eener ver­sunkenen Religion in sich einges ogen hätte~ und nun aich nach Iahrta isenden wieder aasstromen Heft in das Schweigen der Finsternis.

Der Doktor stutzte. Dieses Geräasch er vorher nicht vernommen. Er drückte sein Ohr an den Boden und an die Maiern aber es blieb das gleiche unbestimmbare, bald tiefere, bald höhere Singen, Dröhnen und Stampfen, das gleichmäßig aus dem Boden, aas den Wan­den und den Pfeilern drang.

Run versuchte Perzelias noch einmal, irgend­wo den Zugang zu entdecken, der in jene Aäame führen mußte, aus denen das Draasen kam und Via jUceiiellod am verftoflenen Rachmiftag dir

Höhere Schulen und Fortbildungsschulen. Wir erhalten folgende sehr beachtenswerte Kritik der Reuerungen in unserem hessischen

ftung die Forderung aufgestellt hat, daß auf gesch- lichrnn Wege bestimmt werde, daß frühere ^wuler höherer Lehranstalten mit der Reife für Ober­sekunda dem Derufsschulzwange nicht unterworfen werden dürfen, cklnd die, es Ziel muß unoedingt erreicht werden. Die Anforderungen werden hier­mit zwar um eine volle (Zahresaufgabe der höheren Schule dem früheren Zustande gegenüber erhöht. Man kann sich aber damit einverstanden erklären, weil die Schüler höherer Lehranstalten erst mit Untersekunda einen gewissen Abschluß in den Lehraufgaben ihrer höheren Schule er­reichen. Die Forderung muß also dahin tauten, daß Schüler höherer Schulen, die die älnterselunda mit Erfolg besucht haben, vom Besuche der Fort­bildungsschule befreit sind.

M. Mücke, 2. Aug. Am vergangenen Sonn­tag machte der Gemischte Chor Elpenrod einen Ausflug nach dem Kurhaus Waldesruh dahier. Zu seinem Empfang hatte sich der Volksbildungsverein Flensungen eingefunden. Der Vorsitzende desselben, Lehrer Bach, hieß die erschienenen Gäste in seiner Begrüßungsansprache recht herzlich willkommen, worauf der Leiter des Gesangvereins Elpenrod, Lehrer S ch m o l l, für die freundliche Begrüßung dankte. Bei Gesängen des Gemischten Chors und Orchestervorträgen des Volksbildungsvereins ver­flogen die Stunden nur zu rasch, und die ein- brechende Dunkelheit mahnte zum Aufbruch.

Kreis Schotten.

bringen:

,,Das Gesetz über die Getreweumlage 1922tft vom Reichstag angenommen worden. Hiernach hat die hessische Landwirtschaft einen großen Teil ihrer Getreideernte zu den fest­gesetzten niedrigen Nmlagepreisen abzuliefern. Es muß als eine große Härte ^gesprochen werden, wenn die Landwirte ihr Brotgetreide zu diesen niedrigen Preisen abgeben müssen und sich statt dessen zu weit höheren Preisen, die ein vielfaches des Umlage-Getrerdeprel- ses ausmachen, andere Futtermittel für ihre Wirtschaft erstehen müssen.

In Anbetracht der außerordentlich ge­ringen Getreideernte in manchen Teilen des Landes in diesem Jahr, sowie der geringen Rauhfutterernte in diesem Frühjahr, durften viele Landwirte kaum in der Lage sein, Den notwendigen Futterbedarf zu diesen teuren Preisen einzukaufen. , e

Die Landwirtschaftskammer bittet dahet das Ministerium ergebenft, dafür eintreten zu wollen, daß für das (^gelieferte Getreide, ähnlich der verbilligten Maisaktion im ver­gangenen Jahr, den Landwirten Futtermittel zu «itsprechenden Preisen zur Verfügung ge­stellt werden. Insbesondere muß auch dw aus dem Umlagegetreide anfallende Riete nach Maßgabe des Viehbestandes zu ver- billigtem Preise (höchstens 50 Prozent des Roggenpreises) an die Gemeinden zuruckge- lieseri werden, die die Verteilung an die Viehhaller übernehmen. Hierdurch kann vor allem eine Prvduktionssteigerung in der Vieh­haltung und insbesondere der Milcherzeugung, . erzielt werden, die im Interesse der Volks- , ernährung liegen dürfte. Die von dem Staat

Aus Stadt und Land.

Gi eßen, den 5. Aug. 1922.

** Wertbriefverkehr mit Polen. Rach und aus Polen werden vom 1. August an Wertbriefe bis zum Höch st betrage von 1000 Franken befördert. Nachnahme ist vorläufig nicht zugelasfen, wohl aber das Verlangen der Eilbestellung. Ein Austausch von Werikästchen findet zunächst nicht statt. Für den Verkehr mtt Polnisch-Oberschlesien verbleibt es bei den bisherigen Bestimmungen.

** Paßgebühren für dieTschecho- Slowakei. Das Vizekonsulat der tschechy- stovakischen Republik in Frankfurt a. M. gibt hiermit bekannt, daß die normalen Gebühren für die Erteilung der Visa zur Hin­reise nach der tschechvslovakischen Republik zum ausdrücklichen Besuche der dortigen Badeorte von jetzt ab auf die Hälfte her­abgesetzt werden.

Kreis Alsfeld.

auf den Marsch. __

Als sie die Gegend erreicht Hatton, wo der Eingang zu den unterirdischen degm

mußte, hemmten sie ihre Schritte und Doktor hielt es für ratsam, sich platt auf ®oi:,CT legen und hinter einer der Halden Deckung za suchen, bis der Jude vorüber Ware. Aber Vieser kam nicht. Kein Laut Wirde hörbar und das Toten des Flusses raaschte durch den Abend.

Vielleicht ist er schon vorüber? fragte Eduard.

Ich glaube nicht." entgegnete der Dollar, dennoch kann er sich bereits im Tempel befinden, denn es ist nicht ausgeschlossen, daß eine inter- irdische Verbindung zwischen den beiden An­lagen besteht."

Wieder warteten die beiden. Als aber auch dann noch nichts zu sehen oder za hören war, sagte der Doktor: »Run wagen wir esl Wir dür­fen nicht länger zaudern. Iechiel den Iehw kommt heute hier nicht mehr vorbei." Damit sprang er auf und zog Eduard mit sich fort.

Wir wollen eine dieser Binsen mitnehmen, warf" er plötzlich hin, bevor er mit Eduard in M pllanLloje ScMcesjrn fcnWftV»

befinden mußte. ___ .

Eduard schritt über den Sand. Es war nicht leicht das hierdurch verursachte leisr Knirschen zu unterscheiden von dem inffaren Gesumme, das aus dem Boden drang. Dennoch horte Per- zelius genau, wie die Schritte leiser wurden und sich in der Ferne zu verlieren schienen. Hetzt horchte der Doktor gespannt, ob sie wieder ver­nehmbar werden würden. Tatsächlich klang nach einer längeren Pause klar und deutlich das Echo von der gegenüberliegenden Mauer. Der Doktor rief halt" und war überzeugt, daß Eduard letzt dort "stehen mußte, wo vorher der Jude mit seinen Trägern verschwunden war. Er eilte hinaus 'und hin zu Eduard, der sich ziemlich am Ende des lcmggezogenen Tempelschiffes befand.

Hier also mußte die Türe zu finden fern.

Perzelius -untersuchte mit peinlicher Sorg­falt das Gestein. Es war vielfach durchlöchert und : zersprungen, aber die eigentlichen Figen waren noch fast so scharf und exakt wie ehedem ES . war auch nirgends ein Drücker oder eine andre . Verschlußdorrichtung zu bemerken. Rur an einer Stelle hingen kleine grüne Fetzchen an der harten , Wandung eines der Locher. Dlitzarttg durchzuckte es den Doktor: Sollte das mit dem Binsen- ftertgel in Zusammenhang stehen den der I aoe getragen und dann dem Diener übergehn Hatto. War jener Stengel eine Art Schlussel, der dieses merkwürdige Schloß sperrte?

Immer noch verharrte der Dollor in Schwei- gen, L h^ber Äfmtb aus seinen fast toten Augen leuchtete es wie ein rettenber ©e- hrmfe- Gehen Sie noch einmal in den rück­wärtigen" Teil des Gebäudes." rief er^chbleibe hier Schreiten Sie an den Wanden ent-

reißen?

Anschlüssig kehrte Perzelius in das Gelaß zurück wo er am Rachmittag verborgen gesessen. Allenfalls lieft sich von dort aus ein Anhalts­punkt gewinnen. Einige der Ballen lagen noch da die übrigen schienen nachträglich toeggeraumt worden zu sein. Der Doktor -untersuchte emen der­selben fand aber nur, daß er getrodnete Hanf" pflanzen enthielt. Daraus schloß erbaft ftier baä Material für die Räucher ungm ^^0^0^ aufbewahrt wirde und so war es ohne wetteves Har daß jene Leichen, die hier oben gelegen hatten, zur Verbrennung bestimmt waren.

Glauben Sie. daß ©Ult) heute sterben muß? fragte Eduard plötzlich angstvoll und stoßwrrft, und wir stehen da und wisscrn, daß sie m unsrer Nähe ist und daß wir ihr helfen tonnten, sie viel­leicht noch retten könnten aus ben flauen ityrer fctnbe und wir vermögen nicht zu ihr za Mangen, weil uns Berge von Stein von ihr

Schulwesen:

Das hessische Landes amt für das Dildungswesen hat im März 1322 Au s - | sührungsbestimmungen zum Volks- s ch u l g e s e tz e vom 25. Oktober 1921 erlassen, von denen es glücklicherweise selbst sagt, daß sienur «lS vorläufige gelten und einer Aachprusu. g unterzogen weroen sollen. Die)e 2lachpru,ung und gründliche Abänderung ist vor allem^nottg bei der Ausführungsbestimmung zu Artikel 23^Dort heißt es nämlich: »Vom Besuch der Fortbildungsschule bef^it allgemein: a) .der Besuch einer höheren staatlichen Schule oder einer von der obersten Schulbehörde als gleichwerttg anerkannten höheren Privatschule mit ganziährigem Vollunter.icht bis Mm vollendeten 10. Schul.ahr, wobei es brianglvs ist, welche Klasse der Schüler zuletzt besucht hat. Diese Bestimmung muß nach zwei Richtungen hin scharf verurteilt werden. Ein begabter Schuler Der höheren Lehranstalt, der stets seine Pflicht erfüllt und regelmäßig verseht wird ist also »erst dann von der Fortbildungsschule befreit, toerm er die Obersekunda durchlaufen und Ibis Reife für Unterprima erlangt hat. Da- jgegen zwingt man die Schüler, die die Reife -für Obersekunda haben, an einem älnterncht teilzunehmen, über den sie an Kenntnissen und allgemeiner Bildung weit hinaus sind. D-rie Schüler werden in solchem Unterrichte zu töd­licher Langeweile verurteilt, womit er jebc sitt­liche und erzieherische>eutung verliert. Da hier mit der Zeit, die ein solcher junger Mann auf seine Ausbildung verwenden muß, in ganz ungerechtfertigter Weise Mißbrauch Sieben wird, den wir uns in unserer ernsten und schweren Lage nicht leisten können, so sollten alle Eltern, die ihre Kinder in höhere Schulen schicken ein­mütig Verwahrung einlegen gegen eine Maß­regel, für die es eine sachliche Begründung nicht geben kann. Da ferner aus dieser Bestimmung eine große Herabsetzung der Leistungen und des Ansehens der höheren Schulen spricht, fo feien alle Standesvertretungen der Lehrer Höherer Schulen zum Einsprüche auf gerufen, benn diese dürfen sich diese Besttmmung nicht gefallen

ti^foit Schaudern betrat Ediard die düsteren Hallen. Der Gedanke, daß Silly hier irgendwo vielleicht schon tot lag oder, in Qualelizitterte machte ihm das Herz stocken. Aber P^selius zog ihn weiter hinein in die uralten Maaein, über denen das Grauen der Vorzeit schwebte^ wie ein schwarzer Vogel. Die Stille, welche alles umgab erhöhte den Eindruck der Abgeschiedenheit, die alle Dinge so viel schreckllcher und über»

Die Berechtigung dieses Standpunktes durfte auch aus folgender Lieberlegung hervorgehen. Der Staat unterhält zu Mainz eine .Höhere Handels­schule" mit den Berechtigungen einer Realschule. 3)ie Schüler verlassen diese Schule mit der Reise -für Obersekunda, müssen also noch em Hahr die kaufmännische Fortbildungsschule besuchen, ohne dort etwas Reues erfahren zu können. Der Volls- -schüler, der mtt 8 Volksschuljahren noch 2 3a&re Liese Fortbildungsschule besucht, kommt damit auch chicht Wetter, als der Schüler, der die »Höhere Harwelsschule" mit der Reise für Obersekunda L-erläßt. Hat das Sinn?

Ganz unverständlich ist ferner der Zusatz: wobei es belanglos ist, welche Klasse der Schuler Littettt besucht hat." Man begreift nicyt, daß yStgogifcfte Fachleute einen solchen Q3efä)Iuft fafc ten. Es kommt also nicht mehr darauf an, daß ein Schüler etwas gelernt hat, sondern daß er ferne 10 Iahre auf der Schulbank abgesessen hat. w vB in jeder Klasse einmal sitzen bleibt, kann es to 10 Jahren im 2. Jahre der Quinta zur Reife für Quarta bringen wer übrigens mit vier fahren Grundschule in die Sexta eintritt, bringt cd bei gleicherAnhänglichkeit" an seine Klasse zur Reife für Quinta einerlei, er wird von her Fortbildungsschule befreit. Wer aber nach Durchlaufener ilnterfefunba mit Reife für Ober- sekunda austrtt, der muß in die Fortbildungs- schule. Warum war er auch so töricht, immer seine Pflicht za erfüllen, warum hätte er das Pech, Begabung zu haben! Das nenne ich doch gerade u Miss Sitzenbleiben eine Belohnung aussehen. Wie vereint sich diese Bestimmung mit dem so gerne gebrauchten Schlagworte:Freie Dahn dem Tüch­tigen!"? , r

Die frühere Bestimmung, wonach nur erfolg» reicher Besuch der Obertertia vom Besuche der Fortbildungsschule befreite, ging von der An­schauung aus, daß ein gewisser Kenntnisstaito den Besuch dieser Schule überflüssig mache. Dieser Standpunkt hatte Sinn und pädagogische Berechti­gung. Die jetzige Bestimmung, wonach die Zeit des Schulbesuchs, nicht die Kenntnisse entscheiden, hat beides nicht. Es ist hohe Zeit, daß sich die Abgeordneten der Sache annehmen. Es ist sehr zu begrüßen, daß derAllgemeine deutsche Lealschulmännervereiu" jüngst in einer Entschlie-

neuhergerich toten und mit elektrischer Beleuchtung verseheneii Wmgolfshaus (Wilhelnfilraße 40) oie Weihe des Gedenksteins für die 33 ©efallenen im Garten, deren Ramen eine Tafel im Kneipsaal verbindet. Mit der WeiseIch halt' einen Ka­meraden" klang die Feier schlicht und würdig aus, in der Hofprediger Widmann- Gedern treffliche Worte für die Tat der Toten und die Ausgabe der Lebenden fand. Der Haupttag sah wie alljährlich zur ernsten Feier an der histori- chen Stelle der Gleibergruine, wo am 15. August 1852 die Stifter das schwarz-weiß-goldene Band angelegt, eine große Schar alter und junger Wingolfiten, die mit Gotte^lled und ®otte8tDDrt (Professor Keller- Friedberg, 2. Mos. 32, 2o u. 26) sich besannen auf der Toten und der Stifter Vermächtnis. Ein anschließendes genuin liches Zusammensein mtt den Damen im Gleiberg- faal fand bei gemeinsamen Mahle im coaale des Gesellschastsve-eins seine Forts hung: dorthin bewegte sich am Abend ein stattlicher Zestzug, farbenprächtig durch zahlreiche Chargierte mit Fahnen aus dem Bunde, an der Spitze in Wagen die Aeltesten und Schwerkriegsbeschädigten, zum Festkommers und Lreuschwur. Der Glaube an die Sendung des Wingolf beim Aufbau beS □Jäter» landes durchklang Lieder und Reden, die mit starkem Beifall auf genommen wurden, u.a. die des ersten Chargierten auf das Vaterland des Philisters Professor Freiherr v. Gall auf frm Wingolf, Sr. Magnifizenz des Henm Rellors Prof. R o l o f f und des Bundesersten aus Char- lottenburg. Die Verhandlungen am dritten Tage, der 35. Allgemeine Philistertag und die Haupt­versammlung des Hessischen Wingclfsverbandes zeigten Einmütigkeit in dem Entschluß, der Rot der Zeit mit freudiger Opferwilligkeit zu trotzen. In der Familienfeier gab Pfarrer Schrinip f - Hirzenhain dem inneren Ertrag deS Festes Aus­druck, das in allen Teilnehmern die Gewißheit von der Zukunft der im Wingolf so engen Ver­knüpfung des nationalen und christlichen Ge-

, dankens befestigte.

Berlin, 3. Aug. Die Ber 11ne r Uni­versität hat heute das Gedächtnis ihres Stif­ters, Friedrich Wilhelm III., mit einer Feier be­gangen, die durch die bedeutsame Rede des Al­tors, Professor R ernst, ihr besonderes Ge­präge erhiell. Der erste Teil der Rede war dem Gedächtnis Rathenaus gewidmet. »Deun. so sagte Remst. .die älniversttät darf nicht schwei­gen, wenn sie den innersten Kem ihrer Bestr^ bungen bedroht sieht, wenn der Meuchelmord eingreift. Alle mildernden Umstände fallen, wenn rein politische Meinungsverschiedenheiten auf dem Wege heimtückischen ileberfalleß ausgefochten werden sollen. Richt nur an der Menschlichkeit, sondern auch am akademischen Geiste berfunbigt traun sich, wenn man einen geistvollen und einen der größeren sozialpolitischen S^ift- fteller unserer Tage gewaltsam aus dem Wege räumt. Linser Zeitalter wird kaum einen zweiten Mann neben Rachencm zu nennen wissen ber die Kultur seiner Zeit so vielseitig und dabei so gründlich in sich auf genommen hat.

Schi>ffengerkchr.

Schritte hören können. W«nn ich »halt" rufe, stehen Sie still."

Eduard gehorchte, ohne za totfTen, was der Doktor vorhatte. Perzelius kauerte sich m die Ecke wo er vor wenigen Stunden versteckt ge­wesen. Die Erinnerung an die seltsame Klang­erscheinung war in ihm plötzlich ersucht und er hoffte nun, lediglich aas dem Gera isch der Tritte Eduards feststellen za können, an welchem Punkte sich die Türe za den gehrmien Raamen

Eduard sah ibn erstaunt an, aber der Dot- tor sagte nur: .Vielleicht können wir das Ding brauchen," imb schnitt rasch einen der ©tengel ab den er im Weiterschreiten seines Kolbens und seiner Blätter beraibte.

Rach einer kurzen Dämmer mg war die Rächt völlig hereingebrochen, und die beiden Manner wanderten, Klb gehend, halb lausend in tet Dunkelheit dahin. Mächtig erhob sich vor ihE die schwarze Masse des Tempels, dessen Sauten wie drohende Riesen in den gestirnten Himmel

Gießen, den 3. Aug. 1922.

Vier frühere Verkäuferinnen eines hie­sigen Geschäfts sind angeHagt, im Lauft der letzten Iahre Haushaltungs- und andere Gebrauchs-- gegenstände doriselbst entwendet zuhaben wahrend neun Frauen und ernDäcker, meistens.-ver­wandte der Verkäuferinnen, der Hehlerer be- ichuldrgt sind. Alle Verkäuferinnen wurden des Diebstahls überführt, jedoch nur drei von ihnen au Geldstrafen von 1200, 400 und 140 Mk. an Stelle der an sich verwirkten Gefängnisstrafen von 2 Monat, 1 Monat und einer Woche Gefängnis verurteilt. Gegen die vierte Verkäuferin und gegen zwei der Hehlerei überführte Frauen wurde das Verfahren gemäß der hessischen 2lninestie-Derord- nung vom Rovember 1915 eingestelltzda nicht nachzuweisen war, daß die von ihnen begangenen strafbaren Handlungen in die Zeit nach dem Am­nestie-Erlaß fielen. Die übrigen der Hehlerei un­gesagten Personen wurden mangels ausreichenden Beweises freigesprvchen. Die ©trafen fielen um deswillen verhältnismäßig gering aus, weil der Geschäftsinhaber feine Autorität dadurch schuld­hafter Weise nicht gewahrt hat, daß er sich den Angeklagten gegenüber unzüchtig benommen und sie wiederholt unberechtigt unter Tarif bezahlt hat.

Ein Former aus Daubringen wurde

aber nicht rentierte, weshalb er sie verkaufte. Einen Ballen Tabak, der ihm übrig geblieben war, und den er für 4500 Mk. gekauft hatte, verkaufte er für 10 500 Mk. weiter. In Anbetracht des ihm zustehenden Gewinns, der Geltentwertung, seiner Auslagen usw. wurde ihm ein Ausschlag von etwa 100 Proz. zugebilligt, während der Mehrbetrag von 20 Prozent als übermäßiger Gewinn an# gesehen wurde.

Eine Altbändlerin und em Schuh­macher von oier wurde von der Anklage der Hehlerei mangels ausreichenden Beweises frei- gesprochen.

Gemäß einer Bekanntmachung des Kreisamts Gießen vom 1. Oktober 1920 müssen Gegen­stände des täglichen Lebensbedarfs, die in Schaufenstern ausgestellt find, mtt nach arßen deut­lich sichtbaren Preisbezeichnungen ver­sehen fein. Gegen diese Vorschrift hatte ein Schuhwarenhändler aus Klein- Lin­den verstoßen, da er die von ihm ausgestellten Schuhe nur durch Preisangaben auf der Sohle ausgezeichnet hatte. Er pourde zu einer Geldstrafe von 30 Ml. verurteilt.

Ig. Gedern, 2. Aug. Am vergangenen Sonntag vereinigten sich auf Veranlassung des hiesigen Gesangvereins Liederkranz unter dem Dorsitze des Sekretärs Dauer imDeutschen Haus" dahier die Vertreter der seinerzeit m der .Vogelsberger Sang erve reinig ung zusammengeschlossenen Vereine, um diese Vereini­gung wieder zu neuem Leben erstehen zu lassen. Der Vorschlag fand allseitig begeisterte Zustim­mung. Man schritt zur Dorstandswahl und gab demselben folgende Zusammensetzung: Prnfident und Bundesdirigent: Lehrer Häusel- ®c£^rn, Vertreter desselben Lehrer K e i l - Merken fritz, Schriftführer: Lehrer M e n g e l - Kaulstos, Rech­ner' Friseur Remy- Gedern, wetteres Vorstands­mitglied ist August Langlitz-Steinberg. Bei günstiger Witterung soll demnächst auf der Rachtweide" eine Zusammenkunft der angeschlvs- jenen Vereine, verbunden mit eincmW e r t u n g s- fingen, stattfinden.

He^en-Nassau.

Der Streik der kaufmännischen Angestellten.

Frankfurt a. M., 4. Aug. Der Streik der kaufmännischen Angestellten dauert in voller Schärfe fort. In einer heute im Hippodrom stattfindenden Dersammllmg der Streikenden wurde mitgeteilt, daß die Regierirng in Wiesbaden und der Frankfurter Magistrat ihre Vermittlung in dem Konflikte angeboten 'hätten Der Verband der weiblichen Dureau- and Handelsangestellten hat sich nachträglich dem Streik angeschlossen.

M SttttHta m tote.

Dvmcm von Srnst Scherte!.

27. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.)

Wie steht e6, haben Sft etwas ertunbet? war "seine erste Frage an Perzelius, als dieser oleml^artfam^ alles tn vollem Gang ist. Wir" müssen uns eilen, wenn wir noch zarecht- tonrmen wollen," antwortete der Dvttor rasch. .Wenn der Jude nicht toäre^ bering nun ae­robe in die Quere kommt. Wir werden mtt ihm zusammen denselben Weg haben, wenn er nach deni Tempel zurückkehri." ^nd nun erzählte der Doktor in aller Kürze das wichttgste von dem, was er beobachtet hatte. Dann machten sich beide

Wegen Diebstahls erhält ein Haus­bar s ch e von hier eine Woche Gefängnis Im Auftrag eines hiesigen Buchhändlers über­brachte er einem Kunden eine Modezeitung und stahl bet dieser Gelegenheit eine lederne Zigarrentasche.

Eine verheiratete Frau von hier zog im April mit einem Reisenden aus Marburg, den sie auf der Straße kennen gelernt hatte, in ver­schiedenen Wirtschaften umher. In einer derselben lieh sie sich von ihm geschlechtlich gebrauchen und entwendete ihm dabei eine Taschenuhr, die er kurz vorher einem Bekannten angeblich aus Scherz weggenommen hatte. Wegen Diebstahls wurde sie mit vier Wochen Gefängnis bestraft.

Ein Kaufmann von hier, der feit dem 1. Februar l. Is. in der hiesigen Bahnhofswirt­schaft als Verkäufer cmgestellt ist, ist im Ium mit den während der Pfingstfeiertage eingenommenen Geldbeträgen in Höhe von etwa 8100 Mk. durch- gegangen. Da er seinem Dienstherrn bereits früher schon einmal Z600 Mk. unterschlagen hatte, wurde erzuzweiMonatenGefängnis verurteilt.

Landwirtschaft.

Getreideumlage und Futtermittelpreise.

LKD. Die Landwirtschaftskam­mer hat cm das Ministerium für Arbeit und Wirtschaft, Abtellung für Ernährung und Landwirtschaft, eine Eingabe gerichtet, deren Wortlaut wir im Nachfolgenden zur Kenntnis