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5. Fortsetzung.

(Nachdruck verboten.)

«rn, sich ihr zu nähern. ($r sprach wohl hin und Augenblicken blitzartig über ihr Antlitz ergötz wieder ki^rze gleichgulttae Worte mit ihr. aber Ein quälendes Verlangen stieg bann in !tocnn flc dann chre großen blauen Kinderaugen Eduard empor, er hätte an ihre Seite eilen und chn Ll^t^ocrftuntmte er und war froh., und sie umfangen mögen aber die Bellern- Krgendemen Vorwand zu finden, um sich zurück-1 mung. die seine Seele umschloß und lähmte, lieh

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Crern- Eisen- unter- seinen

Stadt

5he kleme Gesellschaft hatte sich inzwischen starr in die Länge gezogen. Voran ritt mit krum- /mem Rücken Doktor Perzelius, schweigend in sich /berfunten und nur von Zeit zu Zeit eine blaue Wolle aus seiner Pfeife blasend. Auf ihn folgte der Baron, ebenso schweigsam, aber gerade und -stramm im Sattel sitzend, wie ein Offizier. Dann war ein längerer Zwischenraum, bis Silly und knapp hinter ihr Eduard von Wufflen kamen Hinter denen in gemessener Entfernung Miß Ma­son in kühner Reitervose ritt Die Eseltreiber mit ihren Tieren schlossen den Zug.

Trotzdem Eduard von Wulfsen die Tochter des Varons schon über eine Woche kannte, hin­derte ihn doch stets eine merkwürdige Schm da­ran, sich ihr zu nähern. Er sprach wohl hm und

Es ging durch breite, moderne Straßen mit vielstöckigen Häusern. Die Rufe der Eseltreiber und das Geschrei der dunkeln, zerlumpten Gassen- Tungen hallten in den Morgen und belebten das drückende Schweigen, das über dem Pflaster lag.

Vald breiteten sich Gärten und Anlagen links und rechts vom Fahrdamm, der schließlich in schnurgerader Richtung dem Ril entgegenzog.

Dann führte der Weg weiter an den Palästen Hussen und Hassan vorbei. Hier hörten die Ge- däude allmählich auf und üppige Felder wogten -leben der Straße.

Und Silly satz auf ihrem Pony wie eine kleine Elfe, lieber ihren Körper fiel flatternd das Kleid, das kaum bis zu den Knöcheln ihrer schlanken Beine reichte. Ihr Haar funkelte und sprühte in der morgendlichen Sonne wie flüssiges Gold, und ihr blasses Gesicht mit den weiten, verwunderten Augen schien von Träumen aus der phantastischen Welt der Jugend zu erzählen. Sie schien Eduard kaum Beachtung zu schenken, und dennoch flog manchmal ihr Blick wie zufällig hecüber zu dem Jüngling, um sich sofort wieder bmter tiefer Röte zu verbergen, die sich in solchen

So ritt er auch heute wieder, teils hinter, teils neben dem Mädchen her, ohne Entschluß und unfähig zu einem vernünftigen Gespräch Er hielt seine Augen auf den Boden geheftet ober ließ sie in die Ferne wandern, wo die Wüste unter gelben Dünsten schlief. 3iur von Zeit zu Zeit hob er vorsichtig seine Lider und umfaßte mit einem flüchtigen Blick die durchsichtige Ge­stalt Sillys.

Küpktel 84, Arbeitsnachweise und Erwerbslosem- sürsorge, fort. Ein Antrag des Abg. Engel­mann hierzu, die Kosten von 300 000 Mk. auf 600 000 Mk. mit Rücksicht auf die Geldentwertung zu erhöhen, findet Annahme. Zu Kapitel 36, Volksgesundh-eitspflege, wird eine Vorlage be­sprochen. die Besserstellung der Schwe­stern betreffend, ferner liegt ein Antrag vor, ben Beitrag Jur die Epileptischen-Anstalt von 200 000 auf 500 000 Mk. ju erhöhen. Die Regie­rung ist damit einverstanden. Der Ausschuß stimmt unter der Bedingung zu, daß die Regie­rung auch Stimmrecht im Kuratorium erhält und daß die Bezahlung der Angestellten und Arbeiter auf Grund der bestehenden Tarifsätze erfolgt. Das Kapitel wird angenommen. Bei Kapitel 43, Hoch- bauwesen, wird eine Vorlage, betreffend den Bau des Pfarrhauses in Kleestadt, angenommen. Auch Kapitel 44. Kunst straßenwesen, findet Erledigung. Zum Schluß werden noch die durch die Erklärung der Abgg. Dr. Osann und D i n g e l d e y frei gewordenen Kapitel an die Abgg. Herbert, Rei­ber und Dr. Werner verteilt. Nächste Sitzung Mittwoch

Die Sonne stieg inzwischen höher und höher und sog einen heißen Duft aus dem Boden und den reifenden Aehren, so daß in der Luft ein glimmern und Wirbeln begann, welches Eduard fast den Atem nahm. Schwer und brütend schien sich ein Tag zu gebühren, wie ihn nur Afrika kennt. Kein Vogel belebte das Blau des Himmels, und selbst das wogende Getreide war so gesättigt mit Müdigkeit, daß es feine Köpfe tief zur Erde neigte. Eine dampfende Stille lastete über allem und erstickte jeden Ton, der sich erheben wollte.

Nahe zur Linken glitten die Wellen des Nils, dickflüssig und dunkelgrün wie geschmolzener Ma­lachit. Die Insel Tirse ragte mit schläfrigen Dattelpalmen aus den Fluten. Der Pusufkanal schob sich in den Weg, und die Reisegesellschaft zog über das faulige Wasser.

Eduard fühlte, wie die weiche, heiße Luft seine Glieder umblies tote eine kochende Flüssig­keit, und die Nähe des seltsamen Mädchens stachelte seine Empfindungen zu einer schwelen­den Glut. Rasch trieb er sein Pferd an. um zu den beiden Männern zu gelangen, die voraus ritten.

Bald batte die Gesellschaft die Häuser von Dernesche, Beni Pusuf und Schoberment passiert, und in der Ferne tauchten schon die Palmen und Hütten einer Siedelung aus dem rosigen Nebel, der die niedrigen Felsen umzog.

Doktor Perzelius hiell sein Pferd an und, schickte einen der Eseltreiber voraus, um die ver- [

Mädchens aufzufangen und zu erwidern.

So trabte er dahin, immer im gleichen Atz- stand von dem Ziel seiner Verehrung und Sehn­sucht, stumm und mit sich zerfallen ob feiner eigenen Schwachheit.

fchiedenen Hausbesitzer, bei denen man abzusteigen gedachte, von der Ankunft der Gesellschaft zu benachrichtigen.

Es dauerte auch keine Viertelstunde, bis einige braune, sehnige Gestalten in fliegendem Burnus die Straße dahergesprengt kamen und sich unter vielen Begrüßungen anschickten, den Gästen das Geleite zu geben. Einige dieser ägyp­tischen Bauern kannten Perzelius schon von seinen früheren Besuchen in dem Dorfe, die andern näherten sich ihm unterwürfig und schienen ihn als den eigentlichen Oberherrn der Gesellschaft zu betrachten.

Nach kurzem Trab war man an das Dorf herangekommen, das allerdings auch die beschei­densten Erwartungen noch zu enttäuschen vermochte Die Straßen, die kaum noch den TitelGasse" beanspruchen konnten, bestanden in der Haupt­sache aus tief eingeschnittenen Wagen furchen, die zum Teil wiederum angefüllt waren mit Kot­massen und Schlamm. Zu beiden Seiten dieser Rinnsale erhoben sich zwischen Palmen und Dung- haufen die Hütten der Eingeborenen. Die vor­nehmsten dieser Behausungen waren aus unge­brannten, viereckigen Lehmstücken aufgeführt und in den Fugen notdürftig mit Nilschlamm ver­schmiert. Sie enthielten nur einen einzigen Raum, der allenfalls durch Matten in mehrere Der- schläge abgeteilt werden konnte. In solchenPa­lästen" wohnte der Dorfvorsteher und der Ge» meindepriester. Die übrige Bevölkerung fanl ihren Unterschlupf in armseligen Bautoeäen, die alle cm und demselben Typus entsprachen: vier mäßig hohe, in den Boden gerammte Palmstrünke, die durch Flechtwerk aus Schilf verbunden und mit einem flachen Dache aus dem nämlichen^ Material eingedeckt waren.

(Fortsetzung folgt)

Cs folgt die Weiterberatung des Arbeits- nachweisgesehes. Eine Reihe von Paragraphen wird ohne wesentliche Debatte in der Ausschuh- assung angenommen. Bei § 46, der die Arbeits­vermittlung betrifft, tritt Abg. Lambach (Dnt) ur die Beibehaltung der Arbeitsvermittlungs­telle des Deutschnationalen Handlungsgehilfen­verbandes ein, dessen hervorragende Tätigkeit auf diesem Gebiete nicht nur bei den Arbeit­nehmern, sondern auch bei den Arbeitgebern An­erkennung gefunden habe. Eine rein bureau- kratische Gestaltung des Stellennachweises werde niemals in der Lage sein, in ähnlicher Weise den rechten Mann an den rechten Platz zu stellen.

Nachdem die Abg. A u s h ä u s e r (II.) und Maltzahn (K.) gegen den Vorredner entschie­den Stellung genommen haben, wobei sie den Arbeitgebernachweis als ein direktes Matzreg- lungsbureau bezeichnen, wird der Rest des Ge- ehes angenommen.

Die dritte Beratung des Gesetzentwurfes zur Ausführung des Artikels 18 wird ebenfalls er­ledigt. die Gesamtabstimmung aber ausgesetzt.

Morgen nachmittag 2 Uhr: Gesetz zum Schuhe der Republik, Amnestiegeseh und Interpellationen

Schluß 41/2 Uhr.

planmäßigen Gang.

Zu Zwischenfällen ist es in unserer nicht gekommen.

Aus Stadt und Sand.

Gießen, den 5. Juli 1922.

Die neue politische Kundgebung in Gießen.

Entsprechend der Aufforderung ihrer Berliner xSentrancitungen hatten, wie überall im Reiche, auch die Gießener Filialen der Freien Ge­werkschaften, des Afa-Kartells und der S.P.D., Il.S.P. und K.P.D. auf gestern nachmittag eine neue Demonstrations-Versammlung anberaumt. Man hatte den Drandplatz als Ver­sammlungsort getoä'bU und die Arbeiterschaft, sowiealle ernst gesinnten und entschlossenen Re­publikaner" aufgesvrdert, die Arbeit so recht­zeitig niederzulegen, daß sie pünktlich zu dem auf 3 Uhr festgesetzten Dersammlungsbeginn zur Stelle sein könnten.

Gegen 3 llffr rückten die Züge der Demon­stranten unter Mitfuhrung schwarz-rot-goldener und roter Fahnen, sowie Plakataufschriften von verschiedenen Richtungen her nach dem Treffpunkt, wo alsbald nach 3 Uhr die Versammlung begann. Mehrere Redner sprachen gleichzeitig zu den Ver­sammelten. Die Ansprachen dauerten etwa eine Viertelstunde und beschäftigten sich mit dem Thema:Sicherung der republikanischen Staats­einrichtung und der Grundrechte des arbeitenden Volles". Im Anschluß an die Reden veranstalte­

" Amtliche Personalnachrichten. Zu Obersteuerinspektoren wurden ernannt die Steuerinspektoren : Christian Becker, Adam Jost und Heinrich Keller beim Landessinanz» amt Darmstadt, Leopold Eifert zu Gießen (Kontrollbeamter für die Vrfa[faf;e 1), Wilhelm Freseniusza Friedberg (Funomzlasft), Philipp Griesheimer zu Lampm.hckm (Finanzkasse), August Gunschman n zu Darmstadt (Finanz­amt Stadt), Anton Kopp zu Lich (Finanzkasse), Wilhelm Köhler 2. zu Darmstadt (Finanzamt Stadt). Gustav Krüger zu Oppenheim (Finanz­kasse), Karl Kühling zu Mainz-Kastel (Kon- trvllbeamter für die Lokalkassen). Hans P a g e zu Mainz (Finanzamt I), Albert Pfeiffer zu Nidda (Finanzkasse), August Reuning Mainz (Finanzkasse III) und Hermann Simon zu Bingen (Finanzkasse). Ernannt wurde am 23. Juni der Lehrer Heinrich Müller zu Erben­hausen zum Lehrer an der Volksschule zu Ober- Gleen, Kreis Alsfeld, am 27. Juni der Lehrer Wilhelm V i e h m a n n zu Schadenbach zum Lehrer an der Vollsschule zu Ober- Ofleiden, Kr. Alsseld, am 30. Juni der Leh­rer Wilhelm Loos zu Darmstadt mit Wirkung )om 1 Juli 1922 ab zum Rektor an der Volks­chule zu G i e ß e n. Aus dem Staatsdienst ent­lassen wurde am 27. Juni der Kanzleigehilfe Otto Meyer zu Bensheim auf sein Nachsuchen mit Wirkung vom 1. Juli 1922. In den Ruhestand versetzt wurde der Steuersekretär Kanzleirat Karl Möbus zu Gießen (Finanzamt) auf seinen Antrag mit Wirkung vom 1. Oktober d. I. ab. - Erledigt ist eine mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende Schulstelle an der Volksschule zu E r b a ch i. O.

" Die Pilze gewinnen für die Ernährung in der heutigen Zeit, da alle Lebensmittel zu immer unerschwinglicheren Preisen^ emporkkettern. wachsende Bedeutung. Das niait mr wohl­schmeckende. sondern au® erweis)resch: Nahrungs­mittel sieht man jetzt 'häufiger denn aus "em JlfaiEe angevNen. unO Oie Zachs derer, die in Wiesen uno T'afb chtaaüswanoern. um Dieses ©cnüfrmittel T.T't zu ernten wuchst beständig. XZeiber toiro hle/oei aus Hnr*n.;r..t<3 oft erheb­licher Schaden angerichtet, indem man die Pilze vielfach mit der Wurzel aus der Erde heraus- reist. Dadurch wird das Rachwachsen der Pilze unterbunden. Alle Pilzsammler f kn darum tm eigenen u-nd im allgemeinen Interesse daraus hingewiesen, daß der Pilz mit dem Messer abgeschnitten werden mutz, um wieder nach- wachsen zu können und dadurch eine neue Ernte zu ermöglichen.

Aus Hessen.

Aus dem Finanzausschuß.

em. Darmstadt, 4. Juli. Der Finanz- ausschuß setzte feine heutigen Beratungen bei

tert die Versammlungsleiter eine Abstimmung über die bekannten Forderungen der Linken an die Reichsregierung. die eine wesentliche Verschär­fung der republikanischen Schuhbestimmungen ver­langen. Wie nicht anders zu erwarten, wurden die Forderungen einstimmig gutgeheihen. Im Anschluß an die Versammlung bewegte sich ein Demonstrationszug unter öfteren Hochrufen auf die Republik durch die Hauptstraßen der Stadt bis zu Oswaldsgarten, wo er sich nach einer aber­maligen kurzen Rede und erneutem Hoch auf die republikanische Staatsform auflöste.

Die Straßenbahn hatte in den Nachmittags­stunden den Verkehr eingestellt, erst gegen Abend nahm sie ihren Dienst wieder auf. Der ~ sprech- und Telegraphenbetrieb sowie der bahnverkehr waren von 3 bis 3.10 älhr brochen: im übrigen nahm hier der Dienst

Wettervoraussage

für Donnerstag.

Dewöllt, erneute leichte Regenfälle mit Ge­wittern.

Ein neuer Tiesdruckwirbel über der Nordsee der ostwärts zieht, wird m Deutschland ver­breitete Gewitter Hervorrufen.

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Roman von Ernst Schertel.

Aus dem Reiche.

Aus Baden.

tob- Karlsruhe i.D, 4. Juli. Auf den Antrag des Oberreichsanwaltes sind gegen drei Studenten, die an etner höhnischen ^Trauert undgebung" anläßlich der Er­mordung Dr. Rat Henaus in einer Karlsruher Wirtschaft teilgenommen haben, wegen Ver­gehens gegen die neueste Verordnung zum Sch uhe bei Republik Haftbefehle erlösten worden. So­fort nach dem Zwischenfall waren sechs Teilnehmer derTrauerkundgebung' verhaftet toor:c'., von denen jedoch drei wieder auf freien Fuß gesetzt urben.

tob. Karlsruhe i. B., 4. Juli. Infolge der Vorgänge der letzten Tage in öerfdjiebenen Städten, sieht sich, tote derStaatsanzeiger" mitteilt, die Badische Regierung veranlaßt der Geschäftswelt zu empfehlen, Firmenschilder mit Hvheitszetchen der früheren Regie­rung "und des früheren grotzherz-glichen Hofes, fachentsprechend umzuändern.

von Lord Robert Cecil an. Nach dem Wortlaut der Resolution erklärt die Kommission sich einver­standen mit dem Grundsatz einer Ausdehnung der Marinekonvention von Washington auf die Staa­ten, die Mitglieder des Völkerbundes sind, aber die genannte Kommission nicht unterzeichnet haben. Sie ersucht den Völkerbundsrat, den beratenden Ausschuß für Militär-, Marine- und Luftfahrt­fragen aufzufordern, den von Admiral Segrave vorgelegten Entwurf zu prüfen. Sie spricht die Hoffnung aus, daß aus der Grundlage des Be­richtes, den der beratende Ausschuß womöglich noch vor Ende Iulk ihr vorlegen soll, vor der drit­ten Versammlung präzise Vorschläge bezüglich einer Ausdehnung des Abkommens von Washing­ton und einer Anempfehlung des betreffenden Entwurfes einer internationalen Konferenz der interessierten Regierungen zur Prüfung dieser Vorschläge vorgelegt werden können.

Hieraus hielt die erste und die zweite Un­ter to m m t f f i o n eine Sitzung ab. Die erste Änterkommission begann die Prüfung der Frage der Ratifizierung der Abkommen von St. Ger- .matn über den Handel mit Waffen und der Frage der privaten Waffenfabrikation. Die zweite Un- terkommission unter dem Vorsitz von Lebrun nahm die von den verschiedenen Regierungen etngegangenen Antworten bezüglich der allge­meinen Darlegungen über die nationale Sicher­heit und ihre internationalen Verpflichtungen, sowie ihre Rüstungsausgaben während der beiden letzten Finanzjahre zur Kenntnis. Lebrun wurde beauftragt, der Kommission in ihrer nächsten Sit­zung einen Bericht über die Aufstellung von Ta­bellen zu verschaffen, auf denen die von den ver­schiedenen Staaten vvllzogeneVerminde- rung ihrer militärischen Ausgaben und ba£ Verhältnis dieser Ausgaben zwischen den Jahren 1913 und 1922 «und das Verhältnis der Militärbudgets zu den allgemeinen Budgets in den Jahren 1913, 1918 und 1922 klar ersichtlich fei. Morgen werden die Unterkommissionen ihre Arbeit fvrtsetzen. Am Donnerstag soll wieder eine Vollsitzung fiattsinden.

Die Voraussetzung für die Wieder» aufnahme in die Erwerbslosenfürsorge.

Der ReichSarbeitsminister hat ein neues Rundschreiben betr. die Wiederauf, nähme in die Erwerbslosenfür­sorge nach § 9 der Verordnung herausge­geben. Es wird soeben im Amtsverkündi­gungsblatt den mit der Erwerbslosenfürsorge betrauten Behörden zur Kenntnis gebracht. Sein Inhalt lautet:

In den Fällen, in denen die Erwerbs­losenfürsorge eingestellt worden ist, well sie dre zulässige Dauer erreicht hat, ist die Unter­stützung mit Ablauf von weiteren 26 Wochen nieder zu gewähren, sofern die allgemeinen Voraussetzungen der Fürsorge vorliegen. Diese Bestimmung gewinnt erhöhte Bedeu­tung, seit die Lage des Arbeitsmarktes ge­stattet hat, die z e i t l i ch e B e s ch r ä n k u n 9 der Fürsorge allgemein durchzuführen Für ihre Anwendung ist das Folgende zu be- achten: Zwar verlangt die Vekvrhgtung nicht ausdrücklich, daß der Erwerbslose, der die Fürsorge wieder in Anspruch nimmt, in der Zwischenzeit ständig gearbeitet hat. Die Für­sorgeträger werden aber, ehe sie die Unterstüt­zung wieder gewähren, sorgsam zu prüfen ha­ben, ob und wie lange der Erwerbs­lose in den 26 unterstützungsfreien Wochen Arbeit geleistet hat. Hat er nicht, oder nur mit Unterbrechungen gearbei­tet, so muß der Fürsorgeträger die Gründe feststellen, aus denen dies geschehen ist. Ein Erwerbsloser, der hei der Lage des Ar­tz e i t s m a r k t e s, wie sie seit dem Herbste besteht, in dem größerenTeil der 26 Wochen nicht gearbeitet hat, wird in aller Regel nicht die Arbeitsfähigkeit oder nicht die Arbeitswilligkeit besitzen, die gege­ben sein müssen, damit die Crwerbslosenfur- vrge wieder für ihn eintreten kann. Ihm wird also in aller Regel die Unterstützung bet­agt werden müssen.

Deutscher Reichstag.

243. Sitzung am 4. Juli, nachmittags 1 Uhr.

Das Gesetz zum Schuhe der Republik ist dem Reichstage ^'.gegangen.

Aus der Tagesordnung stehen zunächst kleine Anfragen.

Auf eine Anfrage der Deutschen Bolkspartei toegen Vergewaltigung und Erdrosselung bet Frieda Guckes aus Idst?ir hn Taunus durch einen marvstanlschen Soldaten der französischen Besatzung, antwortet ein R^gi^vungsvertuetcr, der Täter habe die Tat eingeftanben. Er soll geistig gestört sein und die rnilutärgerichtliche Unter­suchung soll noch nicht abgeschlossen sei t. Sie Regierung habe strengste Bestrafung des Täters gefordert, Schadenersatzansprüche sich Vorbehalten und die Entfernung der schwarzen Truppen aus dem besetzten Gebiet verlangt.

Aw eine Anfrage der Komm mitten liegen der Auslieferung Boldrinis an'toortet bi? Re­gierung, ba3 für bi? Auslieferung lediglich die völkerrechtlichm Best mm ngm les Aus!i'es:rung> Vertrages mit Italien maßgebend gewesen seien. Zwischen Preußen und dem Reich feien m dieser Angelegenheit k:i e Meinungsverschiedenheiten vorhanden gewesen.

Auf eine Anfrage der Deutschnationalen we­gen der Schwierigkeiten, welche Polen denjenigen bei der Enrreise in polnisches Gebiet mache, welche dort Verwandte besuchen wollten, erklärt die Regierung, daß die deutsche Gesandtschaft tn Warschau Vorstellungen erhoben hab?, etent teil sollen Repräsalien erfolgen.

Zur zweiten Lesung des Rapallovertrages geht Abg. Böcker (Kom.) in längeren Ausfüh­rungen auf die Geschichte und den Inhalt des Vertrages ein und fordert sofortigen Abschluß eines Handelsvertrages mit Rußland sowie Aus­dehnung der Verträge auf die übrigen Sowjet­republiken. Der Vertrag wird sodann angenom­men, ebenso in dritter Lesung.

Leoprechting des Hochverrats schuldig.

München, 4. Juli. (WTD.) Im Hochver- vatSprozeß Leoprechting wurde der Ange- ttagte wegen Hochverrats zu lebensläng­lichem Zuchthaus verurteilt. In der Urteilt begrünbung wurde u. a. folgendes aus- gesührt: Das Gericht ist der Ueber^eugung, daß her französische Gesandte Dard im Auftrage des französischen Außenministers nach München ge»

» kommen Wr, um sofort und mit Hochdruck die ; Loslösung des deutschen Südens vom deutschen Norden zu betreiben. Dard vereinbarte mit der französischen Regierung, daß nach entsprechender Vorbereitung durch ihn die im Rheinland stehen­den Generale mit den Truppen überraschend die QEamlinie besehen sollten zum Zwecke einer dauern­den Trennung des deutschen Südens vom Norden. Dard bestritt die unmittelbare Abtrennung mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln >>.nd der Angeklagte unterstützte ihn bei diesen Destrebun- gen mit allen Kräften. Der Angeklagte war ein diensteifriger Schrittmacher und Vollstrecker des Willens des französischen Gesandten und seiner Bundesgenossen. Er entfaltete zur Verwirklichung seiner verbrecherischen Arbeit eine geradezu fieber­hafte Tätigkeit. Gr war daher schuldig zu sprechen des vollendeten Verbrechens des Hochverrats.

Der hiesige Aufruf zu der Demonstration ent­hielt u. a. auch die folgende Kundgebung an die Geschäftswelt:Diejenigen Geschäftsin­haber, die auf dem Boden der Repu­blik und Verfassung stehen, werden gebeten, die Läden zu schließen. Die­ser Aufforderung wurde nach unseren Beobach­tungen fast durchweg Folge geleistet, wohl auch deshalb, weil mancher Geschäftsmann Unruhen befürchtete.

Vom Obcrhessischen Akademikerbund wird uns geschrieben: Am Sonntag, 2. Juli, fand im großen Hörsaal des Vorlesungsgebäudes der Universität die diesjährige Generalversammlung les Oberhessischen Akademikerbundes, der eine Zweigorganisation des Reichsverbands aka­demischer Berufsstände ist, statt. Der Vorsitzende, Professor Dr. Eger, erstattete nach einleitenden Begrühungsworten den Tätigkeitsbericht. Darnach ist ein erheblicher Zuwachs durch Gründung von Ortsgruppen in den Landstädten Oberhessens zu verzeichnen, wenn auch bedauerlicher Weise noch viele Akademiker, insbesondere in Gießen, der Or­ganisation fernst ehen. Nach Verlesung des Kassen­berichts hielt Professor Dr. Hör ne ff er einen nach Form und Inhalt ausgezeichneten Vortrag über das Thema:Die Not der Wissenschast und ihre Bedeutung für das Leben". In tiefgründigen Ausführungen wies er nach, daß ein unlösbarer Zusammenhang zwischen Wissenschaft und prak­tischem Leben bestehe und daß die Gestaltung des Lebens auf den verschiedensten Gebieten, den wirt­schaftlichen, sozialen, religiösen u. a., unmöglich sei ohne die Grundlage der Wissenschaft: diese ver­mittle aber allein die Hochschulbildung. Anderer­seits dürfe, so lautete eine persönliche Forderung des Vortragenden, die Wissenschaft, wenn sie den Zusammenhang mit dem Leben nicht verlieren wolle, sich nicht lediglich daraus beschränken, Tat­sachen festzustellen, sondern sie müsse daneben normative Ideen hervorbringen, Grundsätze für die Gestaltung dxs zukünftigen Lebens des Ein­zelnen und Der sozialen Gemeinschaft auf rein intellektueller Grundlage aufstellen. Der Vor­trag fand den lebhaften Beifall der Erschienenen Der Vorsitzende gab dem Wunsche Ausdruck, daß Professor Dr. Hornefser seine Ausführungen in einer späteren, wahrscheinlich öffentlichen Ver­sammlung, wiederholen möge; dies wurde zu- gesagt. Nach dem Vortrag wurden geschäftliche Fragen erledigt. Hieraus schloß der Vorsitzende die Versammlung mit dem dringenden Appell an alle Akademiker, dem Oberhessischen Akademiker- bund beizutreten.

Völkerbund und Abru-rung.

Paris, 4. Juli. (Havas.) Der gemischte Ausschuß des Völkerbundes für die Stage der EinschränkungderRüstungen nahm heute nachmittag einen Resolutionsentwur

jicben zu können. Das llnwirkliche und Märchen- ihn kaum dazu gelangen, den raschen Blick des hafte ihres Wesens übte auf ihn einen ebenfo <"n?a?vR'>2K

großen Reiz aus, als es ihn mit Bangheit er- süllte. Jede ihrer Bewegungen dünkte ihm so bedeutungsvoll und königlich, daß er die ganze Kraft seines Stolzes aufbieten muhte, um sich neben ihr nicht klein und erbärmlich zu erscheinen. Gerade die übergroße Reizbarkeit seiner Seele war daran schuld, daß er hier, too er am stärk­sten getroffen wurde, dennoch zu keiner Tat ge­langen konnte.