Nr. 155
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172. Jahrgang
Mittwoch, 5. Juli 1922
GietzenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberheffen
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Ium Anschlag auf Harden.
Berlin, 4. Juli. (WTB.) Die Verwundungen Hardcns sind ziemlich schwer, aber nicht lebensgefährlich. Er erhielt sieben Hiebe über den Kopf.
Berlin, 4. Juli. <WTB.) Amtlich. Die eingehenden Ermittelungen der Abteilung I a des Berliner Polizeipräsidiums hoben bereits zur Aufklärung des Anschlags auf Harden geführt. An dent Anschlag Hai neben dem f e st genommenen landwirtschaftlichen Beamten Deichardt, geboren am 3. April 1900, der Oberleutnant a. D. and jetzige Kaufmann Waller Anker mann, geboren am 21. April 1898, teilgenomrnen. Der Letztgenannte Hat mit einem sogenannten Totschläger auf den Kopf Hardens eingeschlagen, während Weichardt Schmiere stand, um Anterma.rn vor Heberraschun- gen zu sichern. Es ist bereits erwiesen, daß die beiden Täter den Anschlag nicht aus eigenem Entschluß ausgeführt haben, sondern daß sie zu dem Attentat von einer hinter ihnen stehenden geheimen Organisation bestimmt wurden. Aäheres kann vorerst noch nicht mitgeteilt werden, um den Untersuch ungszweck nicht zu gefährden. Ankermcmin, der flüchtig ist, sich aber nach den bisherigen Feststellungen sicher noch rn Berlin aufhält, wird wie folgt beschrieben: (Sttea 1,65—1,70 Meter grob, mittelkräftige Statur, -mittelblondes Haar, volles frisches Gesicht mit einem Anflug von Schnurrbart; besondere Kennzeichen: mehrere Mensurnarben an der linken Kinnseite. Bekleidet war Ankermann zur Zert der Tat mit einem graubraunen melierten einreihigen Iacketianzug, toeifiem Kragen mit um» gebogenen Ecken, dunklem schmal gebundenen Selbstbinder und graubraunem blichen Filzhut. — Mitteilungen über den Gefuchsten sind an das Berliner Polizeipräsidium, Abteilung I a, Haus» aitruf 75 oder 300, zu richten. — Der Berliner Polizeipräsident hat auf die Ergreifung Ankermanns eine Belohnung von 10 000 Mark ausgesetzt. Eine entsprechende öftentliche Drkannt- machung an den Anschlagsäulen erscheint in kürzester Feit.
Das Gesetz zum Schutze der Republik.
Berlin, 4. Juli. (WTB.) Wie verlautet, zerfällt das gestern vom R e i ch s r a t angenommene Gesetz zum Schuhe der 'Republik in fünf Abschnitte. Der erste Abschnitt behandelt die strafrechtlichen Tatbestände, die den Inhalt des Gesetzes bilden. Die weiteren Abschnitte regeln die Einschränkung der Vereins- und Versammlungsfreiheit, der Pressefreiheit und die Maßnahmen gegen die Mitglieder der ehemals landesherrlichen Familien. Wenn Angehörige dieser Familien wegen einer nach diesem Gesetz strafbaren Handlung verurteilt sind, können sie aus bvn Reichsgebiet ausgewiesen werden. Solche Mitglieder dieser Familien, die bereits außerhalb des Reichsgebiets wohnen, können nur mit Genehmigung der Reichsregierung zurückkehren. Die Zuständigkeit des vorgesehenen Staatsgerichtshofs gilt unbedingt für alle Verbrechen oder Vergehen gegen das Reich und die Mitglieder der jetzigen oder früheren republikanischen Reichsregierungen.
Verbrechen oder Vergehen gegen die Landesregierung können vor den ordentlichen Gerichten der betreffenden Länder' abgerirteilt werden. Die Geltungsdauer des Gesetzes ist auf 5 Jahre se st gesetzt worden und zwar mit 40 gegen 26 Stimmen. Der Ausschuß des Reichsrats hatte eine zweijährige Dauer beantragt, lieber die sonstigen Vorgänge im Reichsrat wird berichtet, ixrb1 die bayerischen Anträge, wonach b.c Abschnitte über die Beschränkung der Vereinsund Versammlungsfreiheit und der Preßfreiheit aus dem Gesetz heraasgenommen und durch eine Verordnung geregelt, die Bestimmungen gegen die Mitglieder der ehemals landesherrlichen Familien aber "über'haupt gestrichen werden sollen, mit mehr als Zweidr ittelme hrheit abgelehnt wurden. 3n der Gesamtabstimmung wurde das Gesetz mit 48 gegen 18 Stimmen angenommen, ebenso das Amnestiegesetz, das dem Reichstag gleichzeitig mit dem Gesetz über den Schutz der Republik zugehen wird, mit 50 gegen 11 Stimmen.
Die Verhandlungen mit den Unabhängigen.
Berlin, 4. Juli. (WTB.) Zur Frage des Eintritts der unabhängigen Sozialdemokraten in die Reichsregierung verlautet in parlamentarischen Kreisen, daß die Verhandlungen darüber zwischen dieser Partei und den Mehrheitssozialdemokraten noch schweben, daß aber mit den anderen Parteien darüber noch keine Verhandlungen stattgefunden haben.
Berlin, 4. Juli. (WTB.) Der Reichspräsident besprach mit dem Reichskanzler eingehend die politische Lage. Heber die Richtlinien der Politik herrschte völlige Hebereinstim- mung. Mit dem Reichskanzler ist der Reichspräsident der Meinung, daß das Gesetz zum Schuhe der Republik eine dringende Staatsnotwendigkeit und daß seine Verabschiedung im Reichstag unbedingt geboten ist. Rachdem das Gesetz gestern den Reichsrat passierte, wird es heute dem Reichstag zur Beschlußfassung zugehen.
Ein Protest der Unternehmer- yerbände an Reichstag und
Reichsregierung.
Berlin, 4. Juli. (WTB.) Die im Zen- tralausfchuß der Unternehmerverbände zusammengeschriossenen Zentralor- ganisativnen der deutschen Berufs
stände haben an des Reichskabinett und den Reichstag folgendes dringende Telegramm gerichtet: Der Allgemeine deutsche Gewerkschaftsbund und der Allgemeine freie Angestelltenbund legten in Verbindung mit den sozialdemokratischen Parteien die Produktion, den Handel und den Verkehr in der Reichshauptstadt und im Reiche still, um politische Forderungen durchzusehen. Die unterzeichneten schaffendere Verbände des »Deutschen Reiches lehnen eine solche Verquickung wirtschaftlicher Kampfmittel mit politischen Forderungen mit allem Rachdruck ab. Eine solche Gewaltpolitik ist nur dazu angetan, unser Wirtschaftsleben erneut Erschütterungen auszusetzen und das Vertrauen des In- und Auslandes auf die schaffenden Kräfte Deutschlands zu vernichten. Wir protestieren deshalb gegen diese folgenschwere Storung des Wirtschaftslebens und erwarten von der Regierung und Volksvertretung, daß sie solchen eigenmächtigen und das Land schädigenden Handlungen mit allen zu Gebote stehenden Mitteln entgegentreten.
Zentralausschuh der Unternehmerverbände; Vereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände; Reichsverband der deutschen (Industrie; Reichsverband des deutschen Handweris; Reichsverband der deutschen Landwirtschaft; Reichsverband der deutschen land- und forstwirtschaftlichen Arbeitgebervereinigungen; Zentralverband des deutschen Großhandels; Vereinigung der Arbeitgeberverbände des Großhandels; Hauptgemeinschaft des deutschen Einzelhandels; Zentralverband des deutschen Dank- und Bankiergewerbes; Reichs- verband der Bankleitungen; Hansabund für Gewerbe, Handel und Industrie; Reichsverband der Privatversicherungen; Arbeitgeberverband deutscher Dersicherungs-ilnternehinungen; Reichsverband des deutschen Verkehrsgewerbes.
Die Kundgebungen für die Republik.
Keine Störung in Berlin.
Berlin, 4. Juni. (WTB.) Heute nachmittag hat eine riesige Kundgebung für die Forderungen zum Schuhe der Republik, veranstaltet vom Allgemeinen deutschen Gewerkschaftsbund, dem Allgemeinen freien Angestelltenbund (Afa) und den drei sozialistischen Parteien, stattgefunden. Rian hatte nicht den Lustgarten, sondern den Augusta-Viktoriaplatz in Eharlottenburg als Treffpunkt gewählt. Gegen zwei Uhr trafen die ersten der 13 Züge an der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirch» ein, doch dauerte es etwa anderthalb Stunden, bis alle Teilnehmer der Kundgebung, die nach Hunderttausenden zählten und den Kurfürstendamm und die anderen Zu- gangsstraßen in dichten Massen füllten, zur Stelle waren. Die Menge führte schwarz-rot-goldene, rote und Vereinsfähnen mit; auf zahlreichen Schildern brachte man die Forderungen des Proletariats zum Ausdruck. Oeffentliche Reden wurden nicht gehalten, ©egen 33 \ Uhr stimmten die Massen die Internationale an und zogen singend in breiter Front den Kurfürstendamm in Richtung Hallensee. Viele, die infolge der Anstrengungen des .stundenlangen Marsches aus den Vororten und infolge des schwülen Setters in Ohnmacht fielen, wurden von den Arbeitersamaritern aus den Reihen getragen. Die Kommunistische Partei verteilte Flugblätter mit der lleberschrift „Der Mord an Rathenau aufgeklärt. Was nun weiter?" Dor den Häusern des Kurfürstendamms standen vielfach Leute, welche die Erschöpften mit Wasser labten Rach etwa einer Stunden trafen die Demonstrationszüge in Halensee ein, wo sie sich ohne Zwischenfälle auflosten. — Die Stadt bot ein Bild wie an großen Feiertagen. Sämtliche Verkehrsmittel ruhten in den Rachmittags- stunden, der Geschäftswagenverkehr war vollständig eingestellt worden. Fast alle Geschäfte und cn^h die Lokale, besonders in den Straßen, welche die Züge passierten, waren geschlossen, und die gesamte Einwohnerschaft, soweit sie nicht an der Demonstration beteiligt war, schien die Straßen und Plätze zu bevölkern.
Der Verlaus des Tages im Reich.
Glatter Verlauf in München.
München, 4. Juli. (WTB.) Die von den drei sozialistischen Parteien auf der Theresien- wiese veranstaltete Kundgebung hatte eine sehr starke Beteiligung. Für die verschiedeneil Parteien hielten fünf Redner Ansprachen, worin auf die Gefahren hingewiesen wurde, welche der Arbeiterschaft Bayerns durch die Sonderstellung der bayerischen Regierung gegenüber der Reichsregierung drohten. Die Massen wurden zur Kampfbereitschaft und zum Schutze der Republik gegen alle reaktionären Bestrebungen aufgefordert. Mit Hochrufen auf die Republik traten die Massen, die viele schwarz-rot-goldene und rote Fahnen und vereinzelt Sowjetsterne mit sich führten, den Heimmarsch an. Versuche, die Bannmeile des Landtags zu übertreten, wurden durch die grüne Polizeiwehr verhindert. Zwischenfälle wurden bisher nicht gemeldet.
Zwischenfälle und Ausschreitungen.
Frankfurt a. M., 4. Juli. (WTB.) Anläßlich der heutigen Kundgebung zum Schuhe der Republik ist es gegen Abend in der Kaiser- straße zu Ausschreitungen gekommen. Ein Polizeiaufgebot, dem die Räumung der Straße oblag, wurde beim Abrücken aus verschiedenen Häusern beschossen. Darauf machte die Polizei von der Waffe Gebrauch, wodurch zwei Zivilpersonen verletzt wurden.
b. Frankfurt a. M., 4. Juli. Rur einem starken Gewitterregen spät abends ist es wohl zu danken, daß es nicht zu Schlimmerem gekommen ist. Viele Tausende marschierten nach dem Umzüge um 3 Uhr, von der Festhalle kommend, späterhin gegen 5 11 hr mittags durch die Stadt. In der Kaiserstraße wurden viele Scheiben und Reklameschilder demoliert. Der Kaiserautomat mußte ebenfalls dieses Schicksal erleiden. Straßennamen wurden mit roten Zetteln überklebt; kurzum es herrschte böse Stimmung. Es kam zu einer Revolverschießerei; ein starkes Sipo-Aufgebot mit Panzerauto und Handgranaten räumten schließlich auf.
Düsseldorf, 4. Juli. (WTB.) Bei der heutigen Demonstration für das Gesetz zum Schuhe der Republik ist es zu Z u s a m m e n st ö ß e n m i t der Polizei gekommen. Vor dem Polizeipräsidium wurden Reden gegen die Polizei gehalten. Als die Polizei den Platz säuberte, wurden mehrere Personen leicht verletzt undDerhaf- t e t. Aus den Dienstgebäuden wurden die arbeitenden Angestellten und Beamten von den Demonstranten herausgeholt. Die Straßenschilder an der Ludendorffstraße und auf dem Hindenburgwall wurden von den Demonstranten entfernt und durch die Aufschriften „Erzberger" und „Rathenau" erseht.
Köln, 4. Juli. (WTB.) Rach Beendigung der Kundgebung am Aachener Tor, die völlig in Ruhe verlaufen war, zogen die versammelten Demonstranten vor das Rathaus und suchten hier einzudringen, zogen aber schließlich wieder ab. Andere Teile versuchten die auf der Hohen» zollernbrücke stehenden Denkmäler zu beschädigen. Dec sofort eingesetzten Schutzmannschaft gelang es, die Menge zu zerstreuen, wobei es nur zu leichten Reibereien kam. Eines der Denkmäler auf der Hohenzollernbrücke war bereits angesägt worden.
Magdeburg, 4. Juli. (WTB.) Bei den Kundgebungen zum Schutze der Republik ist es zu Ausschreitungen gekommen. Eine Gruppe von Demonstranten versuchte einen An griff auf das Sparkassengebäude, den die Polizei mit blanker Waffe zurückschlug. Der Polizeipräsident, der zu vermitteln suchte, wurde selbst tätlich angegriffen. Eine Gruppe Kommunisten versuchte, das Kaiser-Wil Helm-Denkmal zu stürzen. Die Polizei verhinderte den Anschlag mit blanker Waffe. In den Abendstunden wurde der Strahenbahnverkehr durch die Demonstranten unterbunden. Es wurde eine große Anzahl Verhaftungen vorgenommen.
Magdeburg, 4. Juli. (WTB.) In der Sommerschenburg bei Völpke drangen Bewaffnete in den freiliegenden Gutshof ein. Es kam zu einer Schießerei, in deren Verlauf ein Schlohbeamter, der dort zum Feldschutz kommandiert war, durch einen Schuß verwundet wurde. In den späten Abendstunden ist polizeiliche Verstärkung aus Magdeburg nach der Sommerschenburg abgegangen. Auch aus verschiedenen anderen Orten gingen Hilferufe bei der hiesigen Polizei ein.
Zittau, 4. Juli. (WTB.) Anläßlich der heute geplanten Demonstrationen fanden auf dem Marktplatz große Ansammlungen statt. Den größten Teil der Demonstranten stellten die Arbeiter der staatlichen Braunkohlenbergwerke in Hirschseide, die vollkommen von radikalen Kommunisten beherrscht werden. Auf die Aufforderung der Kommunisten begab sich ein größerer Trupp Demonstranten nach dem Schühenplah und nahm der Schützengesellschaft etwa 10 0 G e- wehre mit Munition fort. Die Gewehre wurden teils geraubt, teils auf dem Marktplatz zerschlagen. Vom Marktplatz aus begab sich der Trupp vor das Gebäude der „Zittauer Morgenzeitung" und entsandte eine Deputation in die Redaklionsräume des genannten Blattes, die vom Ehesredalteur Steinsdorfs den Widerruf eines Artikels verlan g t e, der die Behandlung des Direktors der Hirschfelder Werke durch die Arbeiter behandelte, was abgelehnt tottrbe, worauf sie sich unter Drohungen entfernten. Inzwischen zogen die vor bem Gebäude angesammelten Demonstranten . auf die Aufforderung der Kommunisten nach dem Amtsgericht, um die Gefangenen z u befreien. Um 8 Uhr abends dauerten die Llnsammlungen noch an. Wie verlautet, soll die Landespolizei eingesetzt werden.
Stuttgart, 4. Juli. (WTB.) Bei der heutigen Demonstration der drei sozialistischen Parteien und der Gewerkschaften, die zunächst völlig ruhig verlausen war, kam es später zu eineyt Zwischenfall. Rachdem sich der Demonstrationszug zum Teil bereits aufgelöst hatte, zvgeinTrupPvonetwa500 Person en zum Iustizgebäude, wo das Tor eingedrückt wurde. Die Menge drang unter Vorantragen roter Fahnen in den Gefängn.ishof ein und verlangte die Freilassung der politischen Gefangenen. Die Ordnungspolizei griff ein, um den Hof zu räumen, wobei es trotz des ruhigen Auftretens der Polizei zu weiteren Zwischenfällen tarn. Die Demonstranten griffen nach den im Hof liegenden Hölzern und setzten sich mit diesen zur Wehr. Ein Polizeioffizier erlitt er» heblichr Kopfverletzungen. Außerdem wurden einige Polizisten .durch Stockschläge und Werfen von Bierflaschen leicht verletzt. Schließlich gelang es der Polizei, den Gesängnishof zu räumen und tia angrenzendem Straßen abzuspwren.
Eine neue Spannung im Steuerausschutz des Reichstags.
D e r l i n, 4. Juli. (WTB.) 3m Steuer- all S f ch u ß des Reichstages sind die Gesetzentwürfe über die Zwangsanleihe
und zur Aenderung des Erbschafts steuergesetzes in erster Lesung beraten wvrden. Gemäß dem demokratischen Anträge wurde beschlossen, daß die Einnahmen aus der Zwangsanleihe bis zum 31.12.1923 festzustellen seien. Angenommen wurde ferner der Taris der Regierungsvorlage für die Zwangsanleihe, sowie eine Reihe anderer Anträge, welche die technische Durchführung des C&e- setzes betreffen. Schließlich beantragte Abg. Dr. Becker-Hessen (D. Bp.), daß das Gesamtergebnis der Zwangsanleihe lediglich zur Abdeckung von Verbindlichkeiten zu verwenden sei, die das Reich aus dem Friedensvertrag von Versailles und der auf Grund dieses Vertrages abgeschlossenen Aebereinkom- men zu zahlen habe. Der Antrag wurde ab - gelehnt. Becker erklärte darauf, daß damit die Grundlagen entfernt seien, auf denen das Steuerkvmpromiß zustande gekommen fei. Trotz des Einspruchs des Staatssekretärs Dr. Zapf vom Reichsfinanzministerium gegen diese Auffassung beharrte Becker auf seinem Standpunkt und erklärte, daß, wenn eine Revision der Ablehnung seines Antrages nicht eintrete, die Deutsche Volkspartei das Zwangsanleihegesetz im ganzen ablehnen müsse und mit allen parlamentarischen Mitteln verhindern werde, daß das Gesetz zur Durchführung komme. Damit schloß die erste Lesung des Gesetzentwurfs über die Zwangsanleihe im Ausschuß.
Die rege Erörterung der Schuld- frage in der französischen Kammer.
Paris, 4. Juli. In der heutigen Kammer- sihung wurde die Interpellation der kommunistischen Abgeordneten behandelt, die sich mit den Regierungsmaßnahmen gegen die Pressefreiheit ta den Kolonien und in den Ländern, die unter französischem Protektorat und Mandat stehen, befassen. Im Laufe der Debatte kam es zu einem außerordentlich lebhaften Zusammenswß zwischen dem kommunistischen Abgeordneten V a i 11 a n t^> Couturier und dem Ministerpräsidenten Poincare. Der Abgeordnete hielt Poincare. vor, es gebe eine Photographie, die vor Kriegergräbern ausgenommen worden sei, auf der Poin- care lächele. Poincars verbat sich diese Behauptung. Die außerordentlich stürmische Auseinandersetzung endete damit, daß Poincars erklärte, er nehme die von den Kommunisten verlangte Auseinandersetzung über die Kriegsursache an. Die Tagung könne nicht geschlossen werden, bevor diese Debatte stattgefunden habe. Am Schluß der Sihung wurde bekanntgegeben, daß eine Interpellation eingebracht worden sei über die Verantwortlichkeit für den Krieg, die auf die Tagesordnung der morgigen Sitzung gesetzt wurde.
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Sollte man daraufhin in Berlin und tm Reiche nicht die unbedingte Rotwendigkeit einsehen, in großzügiger Weise ebenfalls diese für das Schicksal Deutschlands so ungeheuer folgenschwere Streitfrage einer besseren Lösung zuzu- ftchren. L>er Akten sind genug gesammelt; laßt uns nun endlich Taten sehen!
Sin Befreiungsfest in Beuthen.
B e u t h e n, 4. Juli. iWTB.s Der Tag der Befreiung Beuthens und des Wiedereinzugs der deutschen Truppen in die Stadt wurde heute in festlicher Weise begangen. Alle Straßen und Plätze prangten in festlichem Schmuck. Ramentlich vor dem Güter- b ahn Hof, von dem aus Ne Reichswehrtrupven ihren Einzug hielten, hatte sich eine sehr große Menschenmenge angefammclt. Vor dem Rathaule hielt Oberbürgermeister Dr. Stephan erne Ansprache, in welcher er ausführte, die deutschen Farben dürften wieder frei im Winde flattern. Eine besondere Weihe erhalte der heutige Tag durch den Einzug der deutschen Reichswehr und der deutschen Schutzpolizei. Stephan gab der unbesiegbaren Hoftn ung auf Deutschlands Wiederauferstehung und aif Wiedervereinigung des abgetretenen oberschlesischen Gebietes mit dem deutschen Va.eclande Ausdruck und mahnte unsere Stammesgenossen jenseits der neuen Grenzpfähle, auszuharren und treu zu bleiben, wie auch wir ihnen die Treue bewahren tt/ollen. Sodann erinnerte er an die Leiden, denen Bcuthen während der fremden Besetzung ausgesetzt gewesen ist und mahnte, nachdem Beuthen wieder vereinigt set mit dem deutschen Vaterlande, mit^u arbeiten an dem Wiederaufbau unserer Heimat, damit unser Vaterland und toir selbst in Zukunft bessere Tage sehen. Mit ernem Hoch auf das geliebte deutsche Vaterland und die obcrschlesische Heimat sch'.vß die Ansprache. Die Menge stimmte begeistert in den Ruf ein und fang „Deutschland, Deutschland über alles". Der Vorsitzende des Bürgerausschusses, Zustizrat Galuschke, hielt namens des Durgeraussch usses eine Begrüßungsansprache, woraus der Kommandeur der Reichswehr, Oberstleutnant von Bva ich- witz, herzlich für die Bewillkommnung dankte. — In ' Gleiwih. Hindenburg und Ratibor verliefen die Einzugssererlichkeiten in ähnlicher Weise.


