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Mittwoch, 5. April 1922

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen)

Zweites vlatt

Ur. 81

militärische Bedrohung

g* habe auch Tten Te 1ud) gewacht, ihn i Sachwalter gehen, um ?,u erfahren, wir die Sache rechen" sagte der Hauptmann gereizt.Als! steht, und uns Ea3 Geld, was tote brauchen,

(Nachdruck verboten.)

27. Fortsetzung.

teilen, wenn er sie ha'

Ünb dann gingen der Hauptmann und Frau i Inger beruhigt nach Hause. Die Sache war Diel-1

Da» D. T. statt 2or> Ent-

Engländer. Belgrei und Amerikaner stehen haben, von denen uns jeder Mann mehr kostet als ein Ministergebalt. (Hört, hort!) Ünierc Aachbar- flaalcn t-aben weit stärkere Polizeikräste. Deutsch­land würde lieber heute als morgen aus finan­ziellen Gnünden auf diese 135 000 Mann ver­zichten. 3n der französischen Kammer zählt man auch die Technische Nothilfe, die Sport- und Regimentsvereine zu unserer Wehrmacht. Wie in England und überall, haben sich auch bei uns kameradschaftliche Q3eicme aus den Kriegs- und Vorkriegsjahren zusammengefunden. Sie haben aber mit militärischen Fielen nichts zu tun. 3d) bitte aber diese Vereine und ihre Leiter, alle parademähigen Spielereien zu unterlassen. Das deutsche Volk leidet darunter. Sollten sie ver­suchen, militärischen Charakter anzunehmen, so würden jie gemäß dem Friedensvertrage aus- gelöst werden. Auch die Technische Nothilfe, die anfangs den militärischen Korpsbezirken ange­gliedert war, hat mit Militär nichts zu tun und die Sportvereine werden sich über die Nolle wundern, die ihnen angedichtet wird. Anderer­seits bestehen in Deutschland immer noch geheime örganiiationcn, die den Gesetzen und der 2Jer- fafiung zuwiderlausen. ^ie Reichsregierung be- lampft sie mit allen iuc zu Gebote stehenden Mitteln Mögen die cb#mtabgen Gegner Deutsch­lands bebenten, weicht schwere Verantwortung

sie gegenüber ganz Europa treffen würde, wenn sie die Seyutzpoiizei zerschlagen würden. (Beisall.) Mittwoch nachmittag 2 ülhr Weiterberatung. Schlich nach 7 ülhr.

ungefähr folgendes aus:

Die Vorbedingungen für einen mächtigen, einheitlichen Staat finu in Mitteleuropa schwerer ßu finden und zu schaffen als in den Peripherie­gebieten Europas. Die Politik der Vergangen­heit war nicht geeignet, die nötige Grundlage zu schaffen. Sie hat vielmehr den einzigen Weg. der zu einem starken Staatsbau führen konnte, immer mehr verlegt: die Uebereinftimmung zwi­schen dem deutschen Staate und dem deutschen Volke. 3n der Vergangenheit war ein einyeit- ............. ....

liches Volkstum nicht möglich. Zu den von der zu welcher Gruppe wir Deutsche gehörten. Natur gegebenen Mneinigteitjinomenten schuf die Politik weitere neue. So waren z. V. in Deutsch­land tatsächlich die sozialen Gegensätze geringer als in andern Ländern, aber die unteren Klassen

auch beute nicht ändern, hier aber müssen wir auf einen andern Weg zu kommen suchen. Der S.aat muß aus den breitesten Schichten sich ausbcnicn. Staat?g<n :unq und politische Denk­weise müssen Gemein iut des ganzen Volkes wer­den. Es gilt, die ^Rassen in ein inneres Ver­hältnis, das sie früher nicht haben konnten, zum S aat zu bringen Um hie StaatSgellnnuna ist es beute schlecht bestellt. Di: Gruppen, die sie früher hatten, haben sie verloren, die übrigen sind noch nicht so weit. Daran scheitert auch die Sozial- bcmcl atic. die ja auf der Verneinung des Na- lirnalarfüM3 be urt. Die Mehrheit soz>alisten

gen eingreifen.

Stegerwald betonte zum Schluß, daß aus dem großen Weltringen, bei dem keiner ohne Wunden abgekommen sei, die einen noch nicht als Sieger, die andern als Besiegte herauS- gekvmmen seien. Erst die Zukunft werde zeigen.

Wir sind ein armes Volk geworden. Aber eS geht nicht an, das), während die breitesten Kreise halben, eine kleine Schicht ungebildeter, scham­loser, durch mangelndes Nationalgefühl reich­gewordener Elemente einen LuxuS entfaltet und ein Schlemmerleben führt, der dem ganzen Volke chadet, da es im Ausland falsche Vorstellungen erweckt. Da können nicht genug Polizeiverordnun-

Schlichtungsansschuft der Provinz Oberhefferr.

zu sprechen." sagte der Hauptmann gereizt. ..

ich den ersten B.ief von Nora b-:kam. ging ich hin. tvas ihn aber natürlich nicht an. Der Herr ist jetzt sehr schwierig zu sprechen."

entstanden, die zur 'Beseitigung der geheimen Beeinflussungen der Volkövertretuna beitragt, da sie Gelegenheit zu öffentlichem Austrag der Mel- nungvve»fchiedenheitei>. gibt. Aber die Wirt­schaft darf nicht das ausschließliche Ztel und der ausschließliche Ausgangspunkt staatspvll» tifcher Besttebungen sein Die Wirtschisl ist nicht national gebunden Wirtschaf tsgesinnung und Staatsgesinnung 'chleckthin sind unne rein bat. da die Wirtschaft die Grenzen des Nationalen zu

wir wieder aufbauen können.

Abg Sold mann (llSP.) nennt das Man- fclgefcü einen Wechselbalg mit all den Fehlern, die bei einem Kuhhandel zwischen Grobkapital ind Arbeiten untxrmeiblid) sind. Das Gesetz ist völlig unzureichend und schafft für die großen Vermögen wie für den ländlichen Grundbesitz neue Privilegien. Wir lehnen das Gesetz ab.

Äbg. Fröhlich (Kvm.) verweist auf die durch das Gesetz hervorgerusene Preissteigerung fast sämtlicher Bedarfsgegenstände und Lebens­rnittel und greift heftig die Sozialdemokratie an, die mit Schnodderigkeit über die Arbeiterinter­essen hinweggehe.

Abg. K a h m a n n (D. Vp.) lehnt es ab, au den Narrenschwatz von Kilometerreten einzugehen. Seine Partei habe mitgearbeitet an den Steuern, um zu verhindern, da') wir in österreichische oder sogar russisch: Zustände hineinkommen, um den Besitz möglichst zu belasten und um zu verhindern, daß sich unsere Innenpolitik nach rechts ent­wickelt. Die Regierung hat zweifellos außen- politische Erfolge gehabt. Deshalb dürfen wir sie nicht im Stiche lasten, wenn wir auch selbst durch die Steuern keineswegs befriedigt sind.

leicht nicht so schlimm, wie sie gemeint hatten, ilnb als ihnen der Bote des Sachwalters an nächsten Morgen bte zweitausend Kronen brachte atmeten sie brruhigt auf und hatten nun all- beide die heftigsten Gewissensbisse wegen ihres ungerechtfertigten Mißtrauens, da der gewiegte Geschäftsmann doch entscki.'den s kn beßes tat die ihm anvertrauten Gelder so gut als möglich zu verwalten.

Noch am selben Tage wurde das Geld o Nora abgeschickt und für Orla ein großer Reisr- koffer gekauft Es wurde fest bestimmt, dav er spätestens am 20. Mai abreisen sollte

Zehntes Kapitel.

Nein, Ellen, ich tollt sehen, toaS du in den

f-btcanfen heut: zw'schen Ag titionsle' ürknis u~b Staat'n t renVgfeit. Ohn- Staat gesinnunu, u d -war des gesamten Volkes, läht sich kein Staat Wirderaufbauen. So wie man in Braunschweig. Sachsen und Thüringen regiert, kann es im Reiche nicht zugehen, wenn wir voran wollen. Nach de-- Ansicht Stegerwalds glaubt heute kein ernster Führer mehr an das Evangelium des Marrismus. Die Arbeit der D"kehrung be- Masfen aber ist mühsam. Leider verbieten all die Umstände, die uns zu einem unfreien Volk wachen, heute schon all das zu tun, was zu dem Erfolg führen kann. Das gilt auch für die Dezentralisa- llonspläne in der Verwaltung Die Zeit nach der Resolution hat uns nur eine formale Demokratie gebracht. Von einer Gesinnungsdemokratie sind wir noch weit ab. Die Interessen der ver­schiedenen wirtschaftlichen Gruv^en trennen sich sogar heute mehr als je. E? ist zu begrüßen, dah im Reichswirtschastsrat, der llerdings in ein organisches Verhältnis zu Par­lament und Regierung treten muh, eine Instanz

Eine Rede Stegerwalds in Köln.

Stegerwald hielt am Montag in Köln eine Reoe über den Arbeitnehmer in Staat und Wirtschaft. Er führte nach derKöln. Ztg."

bereiten gen dazu bereits begonnen. Dem gegenkommen der Kurdirektion ist es zr danken, dah die Veranstaltung in den Trink» furanlagen abgchalten werden kann, einem geradezu idealen Platz für Abhaltung eine?

"Dann hättest du ihm schreiben müssen," tagte Frau Inger sanft.

Ich hab: auch gewiß hundert B i^e an­gefangen, fuhr der Hauptmann auf. »Aber jebeS- mal wurde ich dabei ganz rasend und meine Briese dann natürlich auch, und ich sah ein, es fei besser, sie nicht abzuschicken."

Aber warum hast du denn mir nichts davon gesagt, Jens?" sagte 5rau Inger und sah ihn vorwurfsvoll on.

Weil ich dich nicht damit plagen wollte," erwiderte der Hauptmann ru iger.iln> ri.l- leicht auch darum, weil du fo wenig damit ein­verstanden warst, dah wir die Verwalte g d:s Geldes Tante Ellinors Sachwalter aus der Hand nahmen."

Aber, Jens, das wäre doch ein lindischer Grund."

Ohne seine Frau anzuschen. fuhr der Haupt­mann fort: ,.Au e dem wußte ich du w r ci die ganze Sach: auf dich nehme l, wenn ich dir etwas davon fag:e, und diese Last und dielen Aerger wollte ich dir ersparen so lange als möglich."

Mit trübem Lächeln sah Frau Inger zu ihm auf.

Du kannst mir nichts verbergen. Jens," sagte" sie kopfschüttelnd.Ich habe das schon lange geahnt, und gestern erhielt ich hier diesen Brief von Nora. Du willst ihn lieber nich' lesen, tu weißt was er enthält. Sie mutz Geld Haden, schreibt sie u;tb auch wir brauchen Geld. Meinst du niM 'wir sollten sofort zusammen zu dem

Mißtrauen?" wied:rholte Frau Inger und sah ihren Mann, der sich in die Sofaecke gefetzt hatte, erstaunt an. »(Mißtraust du ihm denn,

Der Hauptmann stützte den Kopf in die Hand und schloß die Augen.Dazu hat man ja eigent­lich kein Recht, toeir.i man so wenig von .Ge­schäften versteht, wie ich," sagte er müde.Ader Herr PonsinS Gehilfe, den ich neulich einmal traf, sagte mir, Flint-Jensen habe mit verschie­denen Spekulationen Unglück gehabt."

Ader dazu kann er doch nicht euer Geld verwenden, bo3 in der Dank ist?" sagte Inger ängstlich.

Nein, das ist gewiß aus andre Weise ver­braucht worden. Aber Ponsins Gehilfe sagte, daS Haus, das wir gekauft haben, habe in den letzten fünf Jahren viermal den Bell er gewech­selt, und der Mann, von dem wir es kauften, habe dafür eine Villa in Taarbek, auf "der Flint- Jensen sein eigenes Geld stehrn ha t:, kaufen und bar bezahlen müssen. <um Lohn für diesen Dienst brachte es Flint-Jensen dahin, daß wir dem Mann sein elendes Haus abnormen. Veit ich das gehört habe, kann ich den Sachwalter nicht mehr vor Augen seh:n."

Aber Jens,, nachdem du das erfahren hat­test, hättest du, auch am Noras willen, mit ihm reden müssen. So lange du Li e Einwendun­gen machst, muh er ja annehmen, daß er freie Hand habe/'

Turnen, Sport und Spiet

2L Gau-Frauen-Wettumen. Frauenwetturnen des Gaues Hessen der * findet dieses Jahr in Ba d-Nauheim Die beiden dortigen Turnvereine haben die

Die Pforte öes Paradieses

Roman von Ingeborg Bollquartz.

Berechtigte llebccketzung aus d m Dänischen.

Hm 61/- Uhr abends wird die Sitzung wieder ausgenommen.

Ein Antrag der Kommunisten, an Stelle des Etats des Innern die Aussprache über die soeben geh rte Erklärung der Reste uig auf die Tages­ordnung zu setzen, wird abgelehnt. Die Beratung des Etats des Innern wird fortgesetzt.

Nelchsministrr deö Innern Dr. Köster:

In der französi'chrn Kamme.- sind Ausfüh­rungen gemacht worden, wo:a.' D u chlantz über eine 250 000 Mann starke Schutzpolizei verfüge. Im Intereste derWahrheit mu; itz de n en gego treten. Deuischland hat nach Dem F iedensvertrag ein stehendes Heer von 100 000 Mann. Auf Der Konferenz von Spaa sind uns an Polizei 150 OCO Mann bewilligt worden. Wir haben von vorn- ber'in nur 92 000 Ma '.n al? Or^nunispoli'ei in Aussicht genommen. Augenblicklich haken wir nur rund 80 000 Mann. (Hört, hört!) Wenn man

zuliefern. , lichkeit, ob d.e

ernsthaft als eine .

Frankreichs angesehen werden können. Dazu kommt, daß wir im deutschen Territorium 135 000 Mann bis an die Zähne bewaffneter Franzosen,

Koffer steckst: Du sollst dich nicht immer noch mehr ausplündern. Ich will sehen, was du jetzt wieder bringst."

Bei diesen Worten faßte Orla seine Schwester am Arm, aber sie ließ rasch das, was sie in der Hand hielt, zwischen die Wäsche gleiten, die zu­oberst im Koffer lag, und zeigte ihm frohlockend die leere Hand.

Es ist schrecklich lieb von dir, sagte Orla, während er sich nieberbcugte und anfing, im Koffer ncrchzusuchen.Ab.r du hast mir tetzt schon alle deine Kvnfirmationsgeschenke verehrt, die ein Mann auch nur irgendwo brauchen kann. Du hast mir alle deine feinen leinenen Taschen­tücher gegeben"

Die tonn ich ja doch nicht brauchen." unter» brach ihn Ellen eifrig.Die sind doch v.el zu grotz für eine Dame."

(Fortsetzung folgt)

also in der französischen Kammer zwischen Reichs­wehr und Schutzpolizei schon feinen Unterschied machen will, so sollte man auf jeden Fall sich doch an die richtigen Ziffern hallen, die auch der hie­sigen Kontrollkommi sion belännt sind. Diese 80 000 Mann Schutzpolizei sind in Wirklichkeit mit der Reichswehr gar nid/, zu vergleichen, zumal sie auch ihres anfänglich sehr militärischen Eha° rakters ganz entfielet wurde und Deutschland sich in der Note vom 15. März verpflichtet hat, von dem Recht der Verstaatlichung weiterer Po­lizeikräfte nur in einem mit der Kontrollkom­mission zu txrzinbarenben Umfange Gebrauch zu machen, sämtliche Nachrichten- und Krastfahr- Formationen auszulösen, die Kasernierung auf» zuheben die Uniform nach Abtragung in eine nicht feldmäßige zu ändern, die aus Heer-'s- beständen stammenden Nachricht.n ,eräte ab,^lie­fern und särn'l'ch» noch im Besitze der Poli-i-'i befindlichen Fahrzeuge mit Protzenshstem ab- Ich fraHc die cuvpäi dz? Oes ent

80 000 Schutzpolizisten

von ihm geben lassen?"

Doch, es ist am besten, wir gehen," sagt: der Hauptmann müde.Jedenfalls ist es leichter für mich, mit ihm zu reden, wenn du b.ibci bist, als wenn wir zwei unter vier Augen sind."

Natürlich traf die Vermutung des Haupt- rndnns vollständig ein, und sie trafen Herrn Flint-Jensen nicht on, aber ein sehr sprach­gewandter Angestellter dieses Herrn gab ihren alle Aufklärungen, lie sie wünschten. Er ver­sicherte dem Hauptmann, er dürfe sich die Aus­goren, die er und seine Schwester mit dem Haus gehabt Hutten, nicht rcuen lassen: die hätten ja nur ken Wert res Hauses erhöht. Solch nn Haus müfte den Anforderungen der Neuzeit ent­sprechen. sonst sei es nichts wert. Daß die Läden leer stünden, sei ja recht leidig, komme aber ein gutgehendes Geschäft hinein, so k.-nne man auch jeden Mietpreis verlangen. Daß die beiden Stock­werke über den Läden leerstünden, komme daher, daß die Läden nicht vermietet seien. Es wohne niemand sehr gern übe*- einem Laden, besonders uenn dieser noch dazu leerstände: aber er könne tem Herrn Hauptmann vtrsichern, daß das in ein paar Hahren in Ordnung kommen werde.

Leider könne er nicht sagen, wann Herr Flint-Jensen -urückkommen werde. Er befinde sich auf einer Geschäftsreise, aber er telephoniere jeben Tag und wenn er heute nachmittag an- klingle, wolle er ihm sehr gerne sagen, der Herr Hou.'-tmann brauche waren es zw itausend Kronen? Und weiter versicherte er lächelnd, er t-erte die Antwort des Sachwallers sofort nxit-

Zudem ist der Bedarf des Reiches durch direkte Steuern allein nicht zu decken. Das sollten auch die Unabhängigen einfehen.

Abg. Dr. Becker-Hessen (D. Dv.) sttzt sich mit den Deutschnationale i auseinander u.ib weist nach, daß seine Partei in der Erfüllungspolitik genau so scharf sei wie die Deutschnationalen und btc Ersas-ung ter Sachwerte genau so enerui d> ablehne, daß sie aber zur Zwangsanleihe als dem äußersten Mittel hätte greisen müssen und daß auch die Deut chnationalen, wenn sie auf der Regierungsbank säßen, zu diesem Mittel hätten greifen müssen.

Abg. Dr. Helf f er ich (Dntl.) halt dem­gegenüber an feinem Standpunkte der Ableh­nung fest. r .

Das Gesetz wird sodann gegen die Stimmen der Deutschnationalen und der äußersten Linken angenommen.

NeichLsinanzmimster Dr. Hermes:

Der Reichstag hat ein Steuerwerk vollendet, das nicht nur in der Geschichte des deutschen Volkes, sondern in der Gesetzgebung aller Lander das Höchstmaß aller Lasten darstellt, um unserem genteinsamen Vateelande den Weg zu ebnen, aus dem es dereinst aus den finanziellen und toirl- schaftlichen Wirrnisten herausges hrt werden kann. Manches Opfer politischer und wirtschaftlicher Art haben die einzelnen Parteien bringen müssen. Ich danke daher im Namen der Regierung allen Par­teien die sich zur Arbeit zusammengefunden haben. Auch die Parteien, die geglaubt haben, den Steuern ihre Zustimmung versagen zu müssen, haben wertvolle Anregungen gegeben. Möge das Werk die Früchte zeitigen, die wir von ihm er­warten. (Zurufe links.) Dem Ausland aber möge das von einer großen Mehrheit des Hauses ge­tragene ©efet gebungstoert mit Nachdruck zeigen, daß das deutsche Volk bereit ist, seine Verpflich­tungen auch in finanzieller Art bis aufs äußerste ,-u tragen. (Deisall.) Eine Nachprüfung und Er­gänzung der Steuergesetze im einzelnen _ wird freilich nicht ausbleioen können. Dem Abg. Helffe- rich gegenüber mochte ich betonen, daß die Re­gierung tatsächlich entschlossen ist, die 60^Milliar° den-Forderung der Entente abzulehnen. (Beifall.)

Die Qlbgg. Äocnen (Komm.) und Henke (äl.S P.) beantragen, da durch die Rede des Ministers die Diskussion wieder ausgenommen sei, in die Beratung seiner Rede einzutreten.

Es entspinnt sich eine längere Geschäftsord­nungsdebatte, die immer erregtere Formen an» nimmt. Der Lärm steigert sich schließlich so sehr, daß Vizepräsident Dr. R i e s s e r kurz nach 6 älhr abends die Sitzung abbrechen muß.

Die nächste Sitzung findet um 61/« ^br statt.

Deutscher Reichstag.

202. Sitzung, nachmittags 2 Uhr ;

Berlin, 4. April.

Auf der Tagesordnung stehen zunächst An- f1 $2luf eine Anfrage des Abg. Hepp (D. Bptz) toirb reaieru gvsei.ig ertlärt. Reichsmtnistec a. D. Dr Sck, s er «er zu Verhandlungen mit Polen beauftragt worden, um die Rückgabe eines Teiles dcS Kreises Breslau an Deutschland zu erwirken

Tlbu 3 e 1) t b i n (D Vvt.) klagt über das unerträglich: Ansteigen der inländischen Gemufe- p reife -»..folge Au! lauf es des GemuseS auf dem Hamburger Gemusemarkt durch Holländer. D.e Regieiung läßt erwidern, daß der Reichslom- misfar für die Ein- und Ausfuhr diesen Dingen naJ/gebe. Die Ermittlungen seien aber noch nicht abaefchlossen.

Aus ein. Anfrage des Abg. Adams (D.Vpt.) wegen Erschiessung eines dd)ubo»'3camten in Hamborn durch einen belgischen Offizier gibt em Regierungsvertreter eine genaue Schilderung deS S<»chverl)altes. wonach der deutsche Schupo- Beamte ohne Grund von einem belgischen Pol'.zei- agenten erhoffen wurde. Daß der 'Belgier nicht etwa in Notwehr handelte, erhelle schon naß fr-m ilmftonö, daß der erschossene Beamte Dchwie- lowski noch die glimmende Zigarette im Mund: halle. Die A>-.Gelegenheit sei der belgischen Re­gierung ini Zusammenhang mit dem drei Tage später erfolgten bellagenswerten Fall in Sam­born mitgeteilt worden. Dem ein ltelgisch-er Ojfi- yc. zum Opfer fiel. Der deutsch: Geschäftsträger i^bc dabei betont, daß die deutsche Regierung ced Einverständnisses der lxlgiid>:n Regierung sicher zu sein glaub:, daß beide Falle nach den Grundsätzen des Völkerrechts und des inter­nationalen Herkommens zu erledigen seien.

Es folgt die

britle Beratung des Mantclgefetzes zu den Steuergcsetzrn,

welches auch die Zwangsanleihe ernschlleßt.

Abg. Dr Helfferich (D.-N.) hält an der ablehnenden Haltung seiner Partei auch in der dritten Lesung fest, zumal die Bedenken da­gegen, die Zwangsanleihe zur Deckung eines Teiles der Kontributionen und Reparationen zu verwenden, noch gesteigert worden seien. Diese Lasten würden unsere Leistungsfähigkeit über­schreiten. und wir hätten unsere VerpflichtiiN- gen mehr alß erfüllt. Ein Eingriff in die Ver­mögenssubstanz sei im Versailler Vertrag nicht gefordert worden. Womit hätten wir die Pflicht, deii letzten Schutzwall gegen die Versklavung deä deutscheii Volkes, der im Schuh des pri- Daten Eigentums zu erblicken sei, zu verteidi­gen. Auch die Hoffnung auf eine auswärtige Anleihe könne uns nicht irre machen. Selbst im eigenen deutschen Lager hätten sich leider Ceutc gefunden, die öffentlich eine Reparationsanleihe forderten. Darin setze er die offene Tür für einen ZwangSeingriff in die deutsche Wirtschaft. Seine Partei raffe ihre Oppositionsstellung in dem Sinne auf. daß sie der Regierung nicht in den Rücken fallen, sondern sie stärken wolle.

Abg. Eisenberger (Bayer. Dbd.): Da­durch, daß man den Ländern in Weimar die Steuerhoheit genommen hat, ist die Reichsver- Moffenbeit gefördert worden. Die Industrie ar­beitet noch immer mit großen Gewinnen. Sie tann noch eine Belastung vertragen, nicht aber der landwirtschaftliche Kleinbesih. Aus der Renn­wettsteuer kommt doch nur ein Pappenstiel her­aus. Es wäre besser, wenn wir statt der Renn- pserde Kühe und Ochsen hätten. (Heiterkeit.) Hof­fentlich ist die Steuervvrlage die letzte, damit

sprengen sucht. Don berufsständilcher Gliederung darf man kein Heil erwarten. (Sine einheit­liche soziale Gesinnung nur kann bad verknüpfende Band fein. Die zeigt sich aller­dings nicht in der Zahl sozialer Gesetze und Verordnungen, sondern in dem Verhältnis von Mensch zu Mensch. Solange nicht die Auf- faffung zurückgetehrt ist, daß wir alle Brüder sind, kann es mit uns nicht aufwärts geben

Stegerwald ging dann kurz auf seine Stel­lung zur Wirtschast ein. Es geht, wie er sagte, seit Jahrzehnten ein großes Sehnen durch di: Ar­beiterschaft. das nach neuen Formen verlangt. So verständlich das sein mag. fo irrig und verderblich ist es. Die Wirtschaft ist nicht eine Frage des Prinzips, sondern der Zweck­mäßigkeit. In wirtschaftlichen Dingen darf es keine Programme als oberste Leitsätze geben, es handelt sich vielmehr barum, das zu tun, was zweckmäßig ist. So muß man auch die Streitfrage der Staats- und Privatbetriebe be­handeln. Im Privatbetrieb gilt es, dem Arbeit­nehmer, soweit daS noch nicht geschehen ist, größeren Einsluß zu sichern. Darüber hinaus tritt der Deutsche Gewerkschaftsbund für eine stärkere Kapitalbeteiligung der Arbeitnehmer an ben Produktionsmitteln ein. Nur ein innerlich fundamentiertes Volk wird wieder hochkommen.

werden.

In der Schlichtungsverhandlung am 23. Fe­bruar beschuldigte der damalige Betriebsobmanv Anton Vogel der chem. Fabrik von Essen & Lindenbaum in Bellersheim den Betriebs­leiter Dr. Lange, er lasse sich bet der Ein­stellung von Arbeitern durch Zuwendung von Naturalien bestimmen. Vogel hat nun vor der Sühnebehörde in Bellersheim diese Beschuldigung als unwahr zurückgenommen.

batten durch das ganze herrschende Bevor- Sitzung vom 4. April 1 922.

zugungs- un) Abstammungssh tem und durch das Sie Mitglieder der Bereinigung deS Bad' D.eiklassenwahlrecht gerade in Deutschland am ^aubcimer Einzelhandels sollen die stärksten das Gefühl sozialer Gegensätzlichteut. -^rovettzbertarifgehälter ihrer kaufmännischen Qln- Dah:v die ständigen Kämpfe im Innern, btc eine (stellten für den Monat April um 60 v. H und starke Außenpolitik auf die Dauer unmöglich biefc Aprilsätze für den Mai um 20 v. H. erhöhen machen. Wir sahen immer das, was uns trennt, Q^rbeiratetenaulage und Abzug für Kost und nicht das, was uns eint Der alte Staat rubte Wohnung bleiben in der bisherigen Höhe bestehen auf einer kleinen Beamten- und Adelsschicht, die Neuregelung der Auswandsentschädigung der aber nicht einen Grohstaat tragen konnte Vieles Lehrlinge und Lehrmädchen wurde der unmittel- von den Fehlem der Vergangenheit können wir 6aren Verhandlung der Parteien überlassen.

' Dem Einspruch ernes Pianisten der Viktoria- Lichtspiele in Bad-Nauheim konnte nicht stattgegeben werden, nachdem keine Verständigung erzielt worden war. Es war nicht zur Verminde- rung der Avbeitnehmerzahl gekündigt, sondern es soll eine neue Kapelle eingestellt werden. Ein Einspruchsverfahren nach dem Detriebsrätegesetz ist nur bei Betrieben mit Betriebsrat möglich.

Auch der Wiedereinstellungsantrag eineS Buchdruckergehllfen der Duchdruckerei H. Robert in Grünberg war erfolglos. Die Erneuerung des ArbeitSverhältniffes unter Ar­beitsstreckung konnte dem Betrieb nicht zugemutet