Eichener Anzeiger (General-Anzeiger für Gverhefsen)
Donnerstag, 5. zanuar 1922
nr.4
Zweites Blatt
SO. Fortsetzung.
(Nachdruck verboten.)
letze
dem Telegramm
Zimmer war ;a Das war sürch-
wird eS abhängen, ob die zweite Lesung der Steuergesetzertwücfe wesen.l.chr Aenderu.-gen und ein anderes Bild der Dechandlungen bringt.
Spuren im Schnee
Roman von Sven Elvestad.
Ermächtigte Liebersetzung.
„Don der fürchterlichen Rächt, in der der Herr Apotheker ermordet worden ist. Rie werde ich den Augenblick vergassen, als ich den Herrn Kapitän wedte, und Sie ganz durch mich bin- durch blickten, wie nach einem Gespenst in weiter,
nach werden .... , .
insl»esondere aber für die kleinen und mittleren Einkommen, ganz v^entlich heca'ge e'jt, in übrigen aiich durch Erhöhung dec Abzüge erhebliche Milderungen für den Steuerzahler herbeigesührt.
Zwischen den Decatungen der dem Ausschuß überwiesenen sieben Gesetze wurde noch das — inzwischen vom Reichstag bereits beschossene — Gesetz zur Abänderung des Einkommensteuergesetzes beraten, das, entsp echend dem oben erwähnten Antrag der Dolkspartei, im wesentlichen eine der Geldentwertung folgende Andersgesialtung des Tarifs Vvifieht und dabei letzten Endes einen von Volkspartei und Zentrum einaebrachten Kompromißdvrschlaa guthieß. Da- die Steuersätze für die Einkommen.
terlich!"
„Haben Sie ihm daS von
Aus Stabt und Land.
Dieven, den 5. Han. 1922.
* Die Post vermietet Frankaturmaschinen. In Verfolg der Sparmaßnahmen zur Beseitigung des Defizits der Post plant, wie der „Konfektionär" erfährt, das Reichspostministerium die mietweise Abgabe von Frankaturmas6)inen an private Firmen zum Zweck der selbständigen Frankierung und Fertigmachung der Post. Die Apparate, von denen 50 bereits im Monat Februar auS- gegeben werden sollen, sind so eingerichtet, dah sie für alle vorkommrnden Frankaturen geeignet sind und der Postbehörde eine mühelose Kontrolle ermöglichen. Die Firmen werden durch sie in die Lage versetzt, sich bei Freimachung von Postsachen aller Art 'von der Post unabhängig zu machen.
•* Weitere Erhöhung der Ent- schädigungenfür Schöffen und Geschworene. Dem Rcichsjustizministerium sind in letzter Zeit vielfad) Klagen zugegan^ gen. daß die gewährten Entschädigungen von 50 Mark pro Sag und Nacht namentlich an Geschworene bei längerer LagungSdauer für die Betreffenden eine schwere finanzielle Schädigung bedeuten, da z. B. für 20 Mk. kein Hotelzimmer zu erhalten ist. Das Ministerküm hat die Klagen als berechtigt anerkannt und will die Entschädigungen auf 75 Mark erhöhen.
’• D i e Folgen des wilden Streiks. Dir Eise 1-ahibirr'tion in Fra.st urt teilt amtlich mit: D e Draera'b t iebslestu g Sid in Wurz- burg hat ue,ea Kuhle-imangris ilsolge fee lata- s.ccp Haien Wirkung des S restZ dec Eisenbahn- bediensteten in den westlichei Bezirken in ihrem Bereiche, der ganz S d. .u:sch.and einschließlich icc Dicett.vrrbezirke F a E urt a. M and Mainz umfaßt, die A bnahme van Eil- and F-.achtgiu- Wageula'u gei b.s auf dc ng nde Le^e s n.ttch le'c^.d: Li re. D em- u ,d M tor-Btr eb stosse, T-e'al u gf.gut, Wiederan ba gu u d 3«i-n s- dcu. lp rp.ee Verba.e i. Dec S ü g.:t erkchc Di m Bc.ziri Frankfurt a. M. nach Saddeutschland wird vorläufig ausrechierha tea. /
Landkreis Giestcn.
* Leihgestern, 4. Zan. Der Gesangverein „Eintracht' Lrihg^ e n de' i n 3uü le carge en Jahres sein 63. 6t tu gS.cft feierte, ve anstaltet am kommenden S unstag in Sen- berg im Saale des Gasthauses „Zur Krone" enei Lieder- und Konzerlabend. Unter der großen Anzahl von Liedern wird auch der Kunstchor von Lach er „Hymne an die Musst" zum Vortrag kommen.
* Klein-Linden 4 Han. Der Feim Mechaniker He mann Volk be'iand mit Auözeich- ming die M e i st e r p r ü f u n g
A Lich. 4. (Jan. Bei der Holzverstei- g e r u n g wurden ungewöhnlich hohe Preise für Brennholz erzielt. Vie- Meter Vuchen-Scheitholz kamen auf 1003—1100 Ml.
Kreis Lauterbach.
V e i t s h a i n, 4. Zan. Unser D wf erbaut eine eigene Wasserleitung und führt elektrische Beleuchtung ein.
Kreis Friedberg.
weiter Fenne, und sagten, es sei Bliut auf dem Telegramm. Aber im ganzen gar kein Telegramm zu finben.
„Rein." antwortete der Detektiv. ,34 so aufmerksam aus dem Fenster, weil mir mit einemmal das Wetter sehr wich ig geworden ist.
zu begegnen." . .
„Schauen Sie vielleicht jetzt eben nach it>nt aus?" fragte der Kapitän.
für jeden (dreijährigen) Deranlagungszeitraum ein Zuwachs von 100 000 Mark steuerfrei bleibt. Ein weiterer volksparteilicher Antrag, der die, Zahlung der Steuer durch zum Nennwert berechnete Kriegsanleihe möglich machen sollte, wurde leider abgelehnt.
Das Gesetz über eine Abgabe vom Vermögenszuwachs aus dec Nachkriegszeit hat wesentliche Veränderungen, abgesehen von der Frage der Bewertung der Grundstücke und der Möglichkeit der Stundung der Abgabe im Falle der Gefährdung des Betriebes, nicht erfahren.
Der Entwurf eines Gesetzes zur Abänderung des Körperschaftssteuergesetzes hat eine Abschwächung insbesondere bezüglich ber Steuersätze erlitten. 3m übrigen ist bemerkenswert die ein gefügte unterschiedliche Behandlung des ausgeschütteten und des nicht ausgeschütteten Gewinns (§11) und-die neue Bestimmung, dah zwar
Die gesamten Beratungen deS Ausschusses trugen, wie bereits bemerkt, den Charakter des Fleitzes und der Sachlichkeit. Meist fand sich eine bürgerliche Mehrheit mit Einschluß des Zentrums zusammen, so daß die beiden Regierungsparteien — Zentrum und Sozialdemokratie — gegeneinander stimmten. CBon der Entwistlung der außenpolitischen Verhältnisse und von der durch sie beeinflußten Haltung der Regierung
Landwirtschaftlicher
Dortragsknrs. ;
Auch der zweite Vortragstag der Landwirt- ' schaftslammer, zu dem Vertreter des Landes- 1 Ernährungsamtes erschienen waren, war recht : gut besnast. Ein Vertreter der Stadt Gießen begrüßte die Versammlung in den Mauenr Gierens. Als erster Redner sprach Prof. Dade- Beclin über das Thema „Die sogenannten Reparationsleistungen an die Entente und die Mithilfe der Industrie undderLandwirtschaf t“. Er gab zunächst einen kurzen Ueberblid über die ungeheuren Re- parationslasten, die auf unserem Vate. lande auf Grund des Versailler Friedensvertrages und des Londoner Abkommens lasten. Nah einem kurzen Referat über die Wirkung dieser enormen Zahlungsverpflichtungen auf das deutsch: Wirtschaftsleben und den von feiten des Reiches unternommenen Schritten, um diesen Verpflichtungen nach- zukommen, ging der Redner auf die Frage der Deschaffung der Mittel für das Reich durch die Mithilfe der produktiven E.werbsstände ein. Er erläuterte den Plan einer Kreditaltion der 3n- dustrie, die sich auf Grund einer Scheinblüte beruhend auf eine zur Zeit mögliche große Expoct- fähigkeit stütze. Von feiten der Landwirtschaft kann t iese direkte Mithilfe nicht in Frage kommen, sondern es müsse hier der indirekte Weg durch Ersparung von Devisen infolge erhöhter inlän- di cher Pv du tos ähigk-eit ei ges.hiace i tot- den. Nur dürr., einen gesunden Wiederaufbau der Landwirtschaft, welche die Hauptstütze an» feuer gesamten Dolkswi tschaft darstelle, sei ein Wiederaufbau des Wirtstzastslebend möglich. Gi ist vor allem notwendig, dah alle Fortsch Ute der Wissenschaft und der Praxis in die Masse der bäue.licl-en Betriebe hrneingetragen toert'en, die 80 Prwze t al'e d rirrsch..stl'.ch n Be ri Be ausmachen. D.e H. bw g dec Pr dukf.vrrsfähigfeit dieser bäuerlichen Betriebe sei heute die Hauptfrage unserer Vetciebswirtschaft. Der Redner loanite sodann noch vor einer unflugcn Siedlungspoli ik, die die groben Güter zerschlage, welche für die Versorgung unserer Großstädte in allererster Linie nctlven&ig sind. Die Fragen der inneren Kolonisation muß'en im Interesse einer Behebung unserer schwie igen ErnäbrungLlage nicht in den Vordergrund gestellt werden.
Hiernach sprach Prof. Dr. Fingerling- Leipzig-Möckem über „Der gegenwärtige Standder Futterkonservierung, sowie über neuere Fütterungsfragen, insbe- sv'.dere der Schw e i n e f ü 11 e r u n g" und gab auf Grund feiner reichen Erfahrungen auf diesem Gebiete den Landwirten prakt.sche Ratschläge in den Futterkvnservie-ungs,ragen. Die Finanznot deS Reichs geftattet uns nicht, grorre Futtw- mengen, wie wir das im Frieden gewohnt waren, aus dem Auslände zu beziehen. Auf eine Erhöhung unserer Fleisch- und Milchproduktion kann aber nicht verzichtet werden. Es ist daher unbedingt notwendig, dah neben einem intensiven Futterbau alle wirtschaftseigenen Futtermittel restlos in einem für die Tiere gut verwertbaren Zustande diesen zugeführt werden. Dies kann geschehen durch die verschiedenen Einsäu- rungsversahren für Grünfuttermittel, die neben der Lieferung eines guten von den Tieren gern genommenen Futters noch mancherlei betricbs- trirtschastl.-che Vorteile bieten. Das Futter kann bei diesem Verfahren jederzeit unabhängig von den Witterungsvcrhällnissen und in der günstigsten Wachstumsperiode geerntet und ringe- säuern werden. Als besonders empfehlenswert hat sich das elektrische Einsäureverfahren erwiesen. Sodann verbreitete sich der Referent eingehend über die neueren Fragen der Schweinefütterung und die bisher mit diesen gemachten
beit, mich mit derartigen Dingen zu unterhalten. Bin ich in einem groben Hause, so kann ich stundenlang bafihen und auf die Türen und Fenster horchen, die auf- und zugemacht werden. Mein Ohr hat sich baran gewihnt, die Tone zu unterscheiden, die durchs Oeffnen und Schließen alter und neuer Türen und alter und neuer Fenster hervorgebracht werden. Während manche Menschen außrufen, wenn sie ein alles Haus sehen: „Olein, wie das prächtig in der Landschaft steht, wie ist der alte Baustil schön und einfach!" ist meine Aufmerksamst mehr davon in Anspruch genommen, wie die Fenster in ihren Angeln knirschen, wenn sie geöffnet werden, oder mit welchen Tönen die Türen des alten Gebäudes ins Schlotz fallen, wenn man sie zumacht. Ach, was mir diese Töne alles erzählen. Hören Die nur . .
Er öffnete die Tür und schloß sie wieder. Die Tür ächzte leife, unb vom Schloß ging ein Seufzer aus, der von allem, abgenütztem Stahl erzählte.
„Hort man nicht diesem Ton an, dah schon Hunderte von Malen Menschen über d efe Schwelle gegangen s.nd?" fragte der Drtekäv. „Wcnn ich die Tür aber so öffne, gewaltsam, und mit einem heftigen Schlag auf die Klinke, dann höre ich etwas heraus, das einmal hier vorgegangen ist: ein Mensch ist herri'gestürmt, von irgendeiner bestimmten Ang legrnhrit erfüllt, aufgebracht und wütend oder mit einer graften und überraschenden Neu gkrit. O)er trxrm ich sie so öffne, sehr behutsam und kaum hörbar, fo_ gebt von der Tür doch noch ein schwaches S öhnen aus, das von einem Geheimnis zu reden scheint, — fo hat sich eines Nachts ein Mensch zu dieser Tür herringesäXichen . . . Hören Sie, wissen Sie waS, ich kann das nicht zusammenreimen I" unterbrach er sich plötzlich. ,>
„Was formen Sie nicht zusammenreimen?" „Es muh doch irgendein Mensch zu 3hnen hereingekommen sein, der die Blutflecken auf Ihren Hemdarmel gemacht hat," rief der Detektiv. „Aber wie zum Henker kann er hereingekommen sein, ohne Sie zu wecken?"
„Das verstehe ich auch nicht," erwiderte der Kapitän. „Aber ich habe Sie ja darauf auf» merksam gemacht, das) das nur ein Traum gt-
Die vorläufige Gestaltung der wichtigsten Steuergesetze.
Der Deichstagsabgeordnete Reichsminister a. D. Dr. Scholz gibt in der „Natl. Korr." eine Ueberiii)t dessen, was bisher im Steuer-Ausschuß des Reichstags geleistet worden ist. Da wir die langen Ausschußberichte nicht svrttausend haben ausnchmen können, mag diese Zusammenstellung des mit den Verhandlungen vertrauten Fachmannes manches nachhvlen:
I.
Der 11. Ausschuh des Reichstags hat in fleißiger Arbeit die ihm überwiesenen sieben Gesetzentwürfe im Laufe eines Monats durchberaten und zwei Tage vor Weihnachten in erster Lesung ferliggestellt. Die fast durchweg sachlichen. Beratungen standen unter der ausgezeichneten Leitung ’ von Exzellenz Dr. Bede r, eines der erften Finanzsachverständigen des Reichstags. Seiner Führung ist es au verdanken, dah öie Ber- Handlungen so lebhaft gefördert wurden und so reibungslos Verliesen, seiner Tätigkeit in erster Linie aber auch, dah die von der Deutschen Volks öartei vertretenen Gesichtspunkte zu ihrem Rechte kamen.
Der Ausschuh hatte sich zu beschäftigen mit den sogenannten Besitz-Steuern — den Entwürfen einer Vermögenssteuer, einer Bermögenszuwachö- steuer, einer Abgabe vom Dermögensznwachä aus der Nachkriegszeit —, ferner mit Der Aoanderung des Köcpersch'f-ssteuergesetzes. des Umsatzsteuer-' gesetzeS, mit Dem Dersicherungssteuergefeh und dem! Kapitalverkehrssteuergesetz, endlich — als wich-! tiges 3nterme550 - mit der Abänderung deS Einkommensteuergesetzes, die inzwi chen b'reitd die 3uftimmung des Reichstages gefunden hatt
3n der allgemeinen Besprechung wurde von der Deutschen Volkspartei eine Reihe wichtiger Anträge gestellt und angenommen, die insbesondere die Anpassung dec Tarife des Einkommen- und Erbschaftssteuergesetzes an die fortschreitende Geldentwertung, die Frage des Verhältnisses der Finanz- und Steuergesetzgebung des Reiches zu der der Länder und Gemeinden und das Problem der einheitlichen Bewertung deS städtischen und ländlichen Grundbesitzes zu Steuer^ und gegebenenfalls zu D l.ihungszwecken unter Benutzung bestehender Einrich'ungen, m erster Linie der preuhischen Katasterämter, zum Gegenstand hatten.
Bei der Beratung des Dermögens- steuergesetzes drehte sich der Streit, abgesehen von den Steuersätzen, die sowohl für die ©teuer selbst, als für die in den ersten 15 Jahren zu erhebenden Zuschläge gegenüber der Regierungsvorlage wesentlich herabgesetzt wurden, besonders um die Grundsätze dec Bewertung des Vermögens. Hier wurde, unter wesentlicher Abänderung der Regierungsvorlage, im allgemeinen an den bisherigen Vvrschc s en der Reichsabgabenordnung festgehalten. 3m einzelnen sicherte die Annahme volksparteilicher Anträge eine stärkere Berücksichtigung der Kinderzahl bei der Steuer- bemessung (§23) und die ohne Antrag, also von Amts wcge.i, zu kewirlende Ecstattung überzahlter Beträge des Reichsnowpfers (§ 41).
3m Dermögenszuwachssteuergeseh wurde der Tarif ganz wesentlich ermähigt und — auf volksp-artcilichen Antrag — festgestellt, dah
erzählt?" »
Maria schwieg einen Augenblick, bann sagte sie etwas i>?riDirrt:
„3ch weih nicht mehr genau. Vielleicht . . ."
„Und was hat er darauf gesagt?"
„Das weih ich auch nicht mehr," erwiderte Maria noch verwirrter. „Es kommt mir aber vor, als hätte id> gesagt, der Herr Kapitän seien front und bedürften der Ruhe."
Als der Kapitän, nach em er sich angekleidrt hatte, ins Wohnzimmer trat, fand er bat Detektiv auf eigentümliche Weise beschäftigt. Der Kapitän hatte sehr leise bie Tur ausgemacht, unb ba ein bider Teppich auf dem Boden lag, waren auch seine Schritte nicht zu Horen, ^ebenfalls sah es aus, als ob der Detektiv sein Eintreten nicht bemerkt hätte. .
Der Detektiv war Damit beschäftigt, ausza- probieren, ob sich Die Tür zur Flar leicht in ihren Angeln drehe. Er öffnete sie einmal ums andere und schloh sie wieder. Der Kapitän erinnerte sich nicht, jemals beobachtet zu haben, tote völlig lautlos sich diese Tür offnen und schliehen lieh.
Er hustete, und der Detektiv drehte sich rasch um.
„3ch hätte nie gedacht, dah Sie überrascht werden könnten," sagte der Kapitän. „Was in aller Welt machen Sie denn ba?"
X lächelte.
„3ch versuche, wie die Tür geht," sagte er. .Wenn ich mich latigweile, habe ich die Gewohn-
Erfabrungen.
Reicher Beisall lohnte die beiden Referenten für ihre höchst interessanten Aiisiührungen. die Den hessischen Landwirten manches Neue brachten und ihnen hoffentlich manche Anregung mit auf Den Weg gaben.
Gemeinden, nicht aber unbedingt die von ihnen betriebenen Dank-Anstalten von der Steuer befreit sind (Zusatz zu §2 Abs. 1).
II.
Eine besonders lebhafte Debatte entspann sich bei der Doilagr zur Aoänderung des Umsatz- steuergesetzes. Der von der Regierung vor- gefchlagene allgemeine Sah von 2'/z vom Hundert wurde, entsprechend dem Beschlüsse des Reichs- wirtschaftSrats, auf 2 festgesehtt Die von der Deutschen Vollspartei angestrebte völlige Beseitigung Der sogenannten Luxus st euer lieh sich nicht erreichen: dagegen wurde, entsprechend dem Vorschläge Der Regierung, Der Reichs:at ermächtigt. nähere Bestimmungen über die Abgrenzung Der luxussleuerpflichtigeii Gegenstände zu erlassen, und überdies durch eine Entschließung die Reichs- regierung ersucht, balbigfl eine generelle Nachprüfung der Einreihung der lurusstcuerpilichtigen Gegenstände vvrzunehmen. Die vvrg schlagene erhöhte Umsatzsteuer aus bie^ Der- aoceichung von Speisen und Getränken wurde, einem Anträge der Volkspartei ent- sp echcnd, gestrichen und damit die viel angefochtene Einteilung der Gast wirtschaften in drei Kl affen beseitigt. Die 3nfe raten ft euer ermäßigt sich nach den Veschlüsien des Ausschusses für Zeitungen auf Höch lens vier vom Hundert, unter erheblicher Depression — bis auf ein Prozent — für Blätter mit geringen Anzeigen-Ein- nahmen. Für die Beteiligung von Reich, Staat I und Gemeinden an fogenaimten gemischt- i wir tscha ftlichen Unterneh m_u ngen ist eine anteilmäßige Erstattung dec Steuer vor- I gesehen. Eine im Ausschuh beschlossene Aende- rung des Landessteuecge etzes beseitigt die Ungerechtigkeit, dah für die Beteiligung der Gemeinden an der Umsatzsteuer lediglich der Sitz Des Betriebes mastgebend ist; nunmehr soll jede Detciebsgemcinde an der Besteuerung des Umsatzes Der an ihrem Orte anfäf igen Detriebsstatte anteilmäßig teilnehmen. E"d v.c teurte, von ter I Deutschen Volrspartei lebhaft bekämpft, ein gleich- I lautender Antrag dec Deutschnationalen und Der Unabhängigen Partei angenommen, der unter gewissen Voraussetzungen die Steuerfreihett der Genossenschaft vvrsieht.
Beim Versicherungssleuergesetz ist bemerkenswert Die allgemeine Herabsetzung des Steiieusatzes für Lebensversicherungen (auf die Häl.te kxes von der RrichSregiecung vorgeschlage- nen Satzes), die völlige Befreiung der „kleinen" Lebensversicherungen in bedeutend erweitertem Umsange die HcrabminDei'ung der Steuer auf Viehverficherung und die Befreiung der Tumult- schäben-Dersicherung.
Der Entwurf eines Kapitalverkehrsteuergesetzes erfuhr eine ganze Reihe von AenDecungen, die von Der Deutschen Dolkspactei im Benehmen mit Der offiziellen Vertretung des deutschen Bankgewerbes beantragt waren. 3m übrigen wurden Befreiungen bzw. Errnähiguncen bei Der Wertpapier- und der Dorienumsaysteuer für Gemeinden und Genossenschaften vorgesehen und die Heißte der neuen Gewerbeanschafsungs- fleuer für die Gemeinden bestimmt.
wesen ist. 3ch habe geträumt, der Mörder Flobin sei hier zu diesem Fenster Perringesticgen. Seine roten Haare flatterten in dem kalten Luftstrom, der zum ofieeen Fenster herrinwehte. Ec beug e sich über mich unb griff mich um be.i Arm, unb als ich erwachte, hatte ich bie Blutflecken am Hembärmel. Es war ein sonderbarer Traum."
„Aber- Sie müssen boch v.rstehen, dah ich bamit beschäftigt bin, die Wirklich.eit hinter 3hren Traumen aufzuspüren," sagte T. ,3ch bin nahe barem, den Mörbrr zu entdecken."
„Er lebt also?"
„Er lebt. Grauer Pelzkragen, nicht wahr t Und rin Trauerflor um Den hohen Hut?"
„3a, so habe ich ihn zum letztenmal gesehen."
Der Kapitän fuhr plötzlich zusammen; sein Blid war auf einen Gegenstand auf dem Pfeilertisch vor dem Spiegel gefallen. Ec ging aus den Spiegel zu, und sein Blid war habet starr auf den Gegenstand geheftet, dec so plötzlich seine Auf- merttarntet! gefesselt hatte.
„Es ist da auch troch etwas anderes, das nicht" recht stimmen teilt" fuhr der Detektiv fort. „Es war D.ut auf Dem Telegramm, nicht wahr?"
„Za," antteortete der Kapitän. „Damals, als ich von dem Morde träumte, sah ich ein Telegramm auf dem Fußboden im Nebenzimmer bet Apotheke liegen. Und aus diesem Telegramm waren dcut.ich Blutflecken sich bar."
Der Krch tän toar inzw schon bis an Den Spiegel gelangt unb griff nach dem Gegenstand, der ihn so gefessett hatte. Es chac ert Glasfläschchen, rin winzig RctneS Glassl, schchm. Der Detektiv verfolgte aufmerksam alle seine Bewegungen.
Plötzlich reichte der Kapitän dem Detektiv die Hand ttfn.
„Danke!" sagte er, und in diesem Augrn- dlid "klang eine außerordentlich« Herzlichkeit aas seiner Stimme.
Der Detektiv ergriff zögernd die bargebotene SSanb
Wofür danken Sie?" fragte er verwundert. ”3dj. »erstehe Sie," antwortete der Kapitän.
„Und ich danke 3hven noch einmal."
Nachdem dec Det.kk.v dm Kapiün verlasse« hatte, um wieder auf die Suche zu gehen, ftng der Kapitän an, in seiner Wohnung umherzuwandern. Die alte Maria kam herein unb fragte, ob Der Herr Kapitän nicht etwas essen möchte. Aber Der Kapitän war nicht hungrig, er wollte nid-tS. All Die Teben Dinge, bie er tm Laufe bet Hahre gesammelt hatte, waren plötzlich von einem neuen uve^ für ihn umflossen; er betrachtete ein* gehenb unb beinahe nachhorchenb bie aUen nach- gcbunlelten Gemälde, und feine Hände strichen liebkosenb über bie Verzierungen unb Beschlage der Möbel. Er nahm Einzelne Stucke Ieiner Waffen- und Altertümersammlung in Die Hanb und betrachtete alles liebevoll bewundernd Wer es tag etwas Geistesabwesendes über ihm, als ob seine Gedanken babei in weiter Ferne weilten.
Einige Male fragte er die alte Maria, die sich immer wieder im Zimmer etwas zu schaffen machte und hin und her trippelte:
„Kommt er nicht bald?"
„Doch," erwiderte sie. Sie begnfi wohl, wen er meinte. „3ch habe ihn heute ein paarmal draußen gesehen. Er streift überall umLer. Als ich ihn zuletzt sah, redete er gerade mit Gelungen Herrn Doktor . .... Aber WEM betrachten sich dec Herr Kapitan heute alle die alten
weiß ich selbst nicht," antwortete ber Kapitän.
(Fortsetzung folgt)
Hinrichtung.
• Butzbach, 4. Han. Der Tagelöhner Wem belin Rotb, der im Dezemder 1920 auf Anstif- tung der Ehefrau Dörrzaps Deren Ehemann, Den Mördern: Dörrzapf, in Mainz ermordet hatte ist heute vormittag im Hofe ber Strafanstall Butzbach hingerichtet worden.
*
ch Münzenberg, 3. Zan. 3n der Zell vom 22. bis 31. Januar will der frühere Du r en- kommandant Koos 3 ooste in Der hiesigen Gegend an verschiedenen Orten Dorträge palten. Unter anderem wird er auch hier sprechen. Hooste hat srine-czeit am Durenkrieg besonders im Aufllärungsdienst in hervorragender Weise teilgenommen. Er siedelte dann später nach Deutschland über und erwarb sich die deutsche Staatsangehörigkeit Bei Ausbruch des Welt-
Der Detektiv schien in scharfes Nachdenken vertieft. Dann glitt ein sonderbares Lächeln über sein Gesicht. Er trat ans Fenster, blickte aber nicht zur Straße hinunter; er schaute zum Himme.' empor. Der Himmel war heute schwer unb grau.
Nach einer Weile sagte er:
„3d> komme von ber Apotheke unb habe dort alle- untersucht. Hetzt bin ich überzeugt"
„Wovon?"
„Da» ber Mörder lebt" erwiderte der Detei- tiv. „3ch erwarte jeden Augenblid, ihm irgendwo


