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Er blätterte in einem Stoß von Briefen, bis wieder geklopft wurde.

Die Sprechstunde elf bis zwölf ödete ihn an.

Dr. Prange, nach einer Durchsuchung seines Dienstraumes und seiner Wohnung von der Desatzungsbehörde verhaftet. Gründe für diese Maßnahme sind noch nicht bekanntge- geben worden.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 4. Sept. 1922.

Starker Bargeldmangel

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scuche die Wiederaufnahme der Märkte: jetzt sind aber alle Hemmnisse beseitigt, der Platz neu herr- gerichtet, die Gaststalle zur Aufnahme des An­triebs bereit. Wenn auch für den Anfang viel­leicht nicht so ftarfc Antriebszifsern, wie sie vor dem Kriege die Regel waren, zu erwarten sind es handelte sich damals nicht selten um über 2000 Tiere so ist doch zu hoffen, daß mit dem Markt wieder ein Faktor in das Erwerbsleben eingeschaltet wird, der fördernd auf Diehhandel und damit durch Zunahme der Absatzmöglich­keiten auch auf die Viehzucht wirkt, und der auch das sonstige GeschästSleben der Stadt Gießen günstig beeinflußt. Die Lage Gießens als Eisen­bahnknotenpunkt, an dem die Dahnen aus meh­reren großen Zuchtgebieten Oberhessens und der preußischen Regierungsbezirke W.e-baden, Kassel und Koblenz Zusammentreffen, sowie der gute Aus, den durch Jahrzehnte der beliebte und be­währte Marti genießt, werden dazu beitragen, daß der Markt sich wieder so günstig entwickelt^ als es unter den jetzigen Verhältnissen möglich ist. Der imchste Markt findet am 12. September 1922 ftait. Genauere Angaben sind aus den Anzeigen unseres Blattes zu ersehen.

Das Uebernachten von Fahrzeugen auf den Bahnhöfen.

< Dos Zurücklassen von Fuhrwerken aller Art auf den Zufuhrstrahen, Ladestraßen und freien Plätzen der Bahnhöfe während der Racht- zeit, d. i. v-on 8 AHr abends bis 7 Ulyr vvrm., ist im allgemeinen verboten. Ausnahmsweise kann von dem Dorsteher des Bahnhofs oder der Güter­abfertigung auf besonderen, in jedem einzelnen Falle zu stellenden Antrag dieses Verbot auf­gehoben werden, wenn der Aussteller des Fahr­zeuges sich folgenden Anordnungen unterwirft:

Die Aufstellung darf nur aus den besonders dafür vorgesehenen oder angewiesenen Plätzen erfolgen.

Eine Haftung für das Fuhrwerk und etwa darauf befindliche Güter übernimmt die Reichs- bahnverwaltung nicht. Der Aufsteller Haftel der Eisenbahn oder Dritten für aus der Aufstellung etwa entstehenden Schaden.

Für die Aufstellung sind folgende Gebühren zu entrechten:

1. Für Kraft- oder Möbelwagen: a) 20 Mk für die Aacht, oder b) eine Monatsgebuhr von 400 Mk., oder c) eine Iahresgebühr von 2000 Mk, je nach der mit dem Besitzer des Fuhrwerks ge­troffenen Vereinbarung.

2. Für andere größere Fuhrwerke: a) 10 Mk. für die Aacht, oder b) eine Monatsgebühr von 200 Mk., ober c) eine Zahresgebühr von 1000 Mk., je nach der Vereinbarung.

3. Für kleinere Fahrzeuge, wie Handwagen der Dienstleute und der Gasthofangestellten. Milch­karren u.ti., die, soweit es die Verhältnisse über­haupt gestatten, meist auf den Bahnhofsvorplätzen aufgestellt werden: a) 5 Mk. für die Aacht, oder b) eine Monatsgebühr von 100 Mk.. oder c) eine Iahresgebühr von 500 Mk., je nach der Verein­barung.

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Lene war auch jetzt noch nicht von den Schau­fenstern zu trennen.

»Mr unseren künftigen Hausstand habe ich auch etwas gekauft." flüsterte sie lieb.Der Rahmen allein ist schon zehn Mark wert! And daS Ganze kostet nur zwei Mark fünfunbneuruta Es wird dir direkt zugeschickt. Es stellt Faust und Gretchen vor oder es können auch Romeo und Julia sein

Seine Lippen verzogen sich zu einem Grinsen er starrte geradeaus vor sich hin. Er kannte sich selbst nicht mehr, so lächerlich, so llein kam er sich vor.

Herein!"

Es war die Clasen. Ihr Gang glich dem schleichenden und doch edlen Schreiten der wilden Bestie, deren Aamen sie nun schon allenthalben trug.

Die seinen Fältchen um die Augenwinkel des Direktors zuckten kaum merklich, da er mit einer gemessenen Handbewegung auf einen seiner teuren englischen Klubsessel deutete.

Sie ließ sich langsam nieder, und es knisterte von Seide aber es klang wie das Knistern eines heimlichen Feuers, das an dürrem Holze nagt

Sie wünschen?"

Der Direktor fragte es geschäftsmäßig

-Durch Ihre Vermittelung, Herr Direltor ist das neue Engagement Perfekt geworden, wenn' ich meinen Aamen unter den Vertrag setze. Ich bin gekommen, Ihnen für Ihre warme Empfeh­lung zu danken. Ebenso für Ihre Bereitwillig­keit, mich sofort von meinem hiesigen Engage­ment zu entbinden

Dte Geldflüssig keit in Gießen hat btStjer erfreulicherweise nicht Ao t gelitten. Wie wir von unterrichteter Seite auf Anfrage erfuhren, haben sich die hiesigen Banken ebenso wte dre Reichsbankfiliale mit Zahlungsmitteln gut vorgesehen. Bisher konnten dank dieser weisen Vorsicht und dank der Ruhe und Besonnenheit des Publikums hier alle Zahlungsver­pflichtungen in vollem Umfange er­füllt werden. Wenn sich das Publikum durch die Hiobsnachrichten aus den beiden großen Anch- barstädten nicht aus der Ruhe bringen läßt, wird es hier auch weiterhin zu keinerlei Schwierigkeiten kommen. Ein Grund zu Befürchtungen ist durchaus nicht vorhanden. Die Frank­furter und Offenbacher Zahlungsmittelnot ist le­diglich eine Folge des kürzlichen Streiks der Buchdrucker der Reichsdruckerei, durch den ein Produktionsrückstand an kleinen Geldscheinen im Werte von etwa 12 Milliarden Mark entstanden rst. Reichsbank und Reichsdruckerei hoffen die Schwierigkeit bis Mitte dieser Woche'be- s e tilgt zu haben. Was jetzt nottut, ist nur kühle Ruhe und Besonnenheit!

Der neue Mrlchpreis.

fpd. Zur Milchpreisgestaltung nahm am Samstag in Frankfurt a. M. eine Voll­versammlungdes Stadtebundes für

»'Wie soll ich das verstehen?"

Wie Sie wollen."

Es gab eine große Stille. Die Augen des Herrn Direktors verschwanden unter ihren Lidern unö durch einen schmalen Schlitz flimmerte ihr grünliches Licht.

«_ Clasen wickekktz sich eng in ihren Pelz, und das peinliche Knistern begann von neuem.

-, der Direktor,hm, hm er

ptelt den Atem an und ließ das glatte Briefmesser 1)011 gelblichem Elfenbein durch die Lust flitzen.

. ein schlechter Zeichendeuter. Sie

wissen doch, ich bin trocken, berechnend und keime nur eine einzige Leidenschaft: das Geld."

Sie erhob sich lächelnd. Ihre großen trau­rigen Augen blickten auf den Sitzenden hernieder so daß er diesen Blick wie ein Gewicht, eine Last empfand.

Er wehte mit dem seidenen Taschentuch fluchtig über feine Stirn.

»Sie nehmen das glänzende Engagement nicht an

Immer lächelnd griff sie in ihren Muff unb hielt ihm eine Handvoll dünner Papierfetzen hin Spielerisch streute sie sie auf den Teppich.

»Hier ist der Vertrag, Herr Herr Di­rektor!"

Eine rote Wolke stieg langsam von seinen ha­geren Wangen bis an die Haarwurzeln.

Wahnsinn F

Sie zuckte die Achseln.

»Eine Saune! (Sie kennen nur eine Leiden- schäft: das Geld und ich Pelze, Blumen aber keine Brillanten, keine Steine und soge­nannte unausstehliche Menschen. Es zieht mich in ihre ALHe, nichts reizt meine Aerven auf an­genehmere Weise als das gelegentliche Zusam­mensein mit solchen abstoßenden Personen. Des­halb, Herr Direktor"

Sie maßen einander mit Blicken.

Habe ich die Ehre, mich nun zu empfeh­len."

Er starrte ihr nach, sein Atem ging schwer. Fast schien es, als wolle er sie zurückrufen.

(Fortsetzung folgt)

in Frankfurt,at. M. und Offenbach zu recht unangenehmen Folgen geführt.

In F r a n f f u r t a. M ist es den städtischen Kassen und großen Irttustren an ben Zahltagen In den letzten Wochen mehrfach nicht möglich gewesen, die Angestellten und Arbeiter voll zu entlohnen. Es konnten nur Teilzahlungen geleistet werden, well Bargeld in dem erforderlich^ Ain- fange nicht zu erlangen war. An einem der letzten Zahllage sah sich die Frankfurter Stadtverwal­tung sogar gezwungen, die Kassen sämtlicher städtischen Betriebe zu leeren, um überhaupt Gehälter und Löhne zahlen zu können.

In Offenbach konnte die Bankvereinigung der dortigen Industrie die für die Auszahlung der Gehälter und Löhne notwendigen Beträge nur in einem Umfange zur Verfügung stellen, der diese Auszahlung etwa bis au 25 Proz. ermöglichte. Der Offenbacher Oberbürgermeister machte diese fatale Erscheinung zum Gegenstand einer Bekanntmachung in der Presse, in der er u. -a. sagt:Es sei darauf hingewiesen, daß es nicht angängig erscheint, die Reichsbank für diese Dinge allein verantwortlich zu machen. Ich habe mich in Berlin an Ort und Stelle davon überzeugt, daß seitens der Reichsbank und be­sonders der Reichsdruckerei alles nur mögliche geleistet wird, um den durch di: Markentwertung ins unendliche gesteigerten Bedürfnissen gerecht zu werden. Ich glaube aber, daß diese vorüber­gehende Papiergeldknappbeit sich nicht in so un­angenehmer Weste bemerkbar machen würde, wenn nicht auch an anderen Stellen gesündigt würde. Die allwöchentlich allein in Offenbach zur Aus­zahlung kommenden Beträge sind so erheblich, daß es nicht zu verstehen ist, weshalb nur so ver­hältnismäßig geringe Beträge wieder an die Kassen der Banken, zurückfliehen. Es unterliegt für mich keinem Zweifel, daß in gewissen Schich­ten der Bevölkerung Papiergeld geham­stert wird. Ich richte daher an alle Teile der Offenbacher Bevölkerung die bringend Bitte, diese sinnlose und für die Gesamtheit so s ch ä d - liche Paviergeldhamsterei zu lassen. Die Offen­bacher Arbeitnehmer schäft bitte ich aber, ihre so oft bewahrte D sziplin und Besonnenheit auch in öen nächsten Tagen zu wahren. Es ist uns von Berlin zugesichert, daß die erforderlichen Be­träge in ausreichendem Matze Mitte der nächsten Woche zur Verfügung stehen werden."

Sollte es wlrllich Leute geben, die unser heutiges Papiergeld auch noch Hamstern, so müßte man deren Verhalten, in voller Hebereinfltm- utuva mit dem Offenbacher Stadtoberhaupt, in der Tat als völlig sinnlos bezeichnen, denn dre internationale Kaufkraft dieses Geldes ist so Außerordentlich gering, daß sich ein Hamstern wirkllch nicht verlohnt.

der Leute Posto fassen, sah die breite Glastür 1 ben ganzen Knäuel auf einmal verschlucken.

Dieses Warenhaus mit seinen offenen, gold­verzierten Toren, das war der Moloch, dem all jene vom Schlage seiner Braut opferten. Sie waren ihm unrettbar verfallen. Für seinen Tem­pel hatte sie kein Wörtchen, kein Gefühlchen übrig. Sie stand am andern Ufer, zwischen ihnen rollte tief und unergründlich der tintenschwarze Strom ewigen Aichtverstehens.

Heinz wartete. Sehr lange. Es fiel ihm nicht ern, wie rücksichtslos das von ihr war. Er dachte nur an die Zukunft, an sein Heim mll Lene.

Da kam sie. Etwa ein Dutzend Paketchen hing an ihren Fingern, ihre Augen glühten vor Kauf­lust.Du, und dir hab' ich auch etwas gekauft spottbillig sie sehen fast aus wie Gold"

Sie hiell ihm mitten auf der Straße ein Paar Doublö-Manschettenknöpfe hin.

Es würgte ihm an der Kehle, ihr zu danken Für ihren guten Willen, ihre Freundlichkeit sie durfte ja nicht ahnen, wie verwöhnt er war- daß er nie etwas Anecktes trug; bafj er sich nad) jeder Probe vom Kops bis zu den Füßen srisch umzog.

Baalsfempel

Vornan von Margarete v. Oerhen- F ü n f g c l b.

13. Fortsetzung. (Aachdruck verboten.)

Heinz folgte nachdenklich ihren Bewegungen, er bemerkte auch, daß die gebrannten Löckchen etwas fettig waren.

Früher hatte er sich um derlei Dinge nie be­kümmert. Aber am Theater hatten sich seine Sinne verschärft, es lag in der Aatur der Sache, daß die Damen ihrem Aeußeren gine besonders liebevolle Pflege angedeihen liehen.

Was die Sant nur vor hat ?" sagte Lene leise, als sie das Hotel verlassen hatten.Weiht du, Heinz, ich bin selber froh, wenn ich mal fort­komme ! Die Sant' hat so etwas Anheimlichss! Dann wird ihr Gesicht ganz gelb und ihre Augen wie grün! Ich kann mich gerade vor ihr fürchten!

nOa, gab er beklommen zu,Lene wir müs­sen von ihr los! Du darfst nichts von ihrer Art annehmen! Eine Künstlersrau . . ."

»Hein)," unterbrach sie ihn jubelnd,sieh mal ba! Iedes Stück 95 Pfennige! Die Bluse! Und Da ein Gürtel und drei Jabots

Sie zerrte ihn vor eine Reihe von Schau­fenstern, vor denen die Menge sich staute. Ein großes Kaufhaus hielt seine-Pfennig-Tage" hrer ab.

!" sagte sie entzückt.Alles halb geschenkt! Heinz, Heinz, du schaust ja gar nicht

Dein er schaute nicht hm. Er bi& sich die in A sagte eine

Stimme in ihm:Es geht nicht! Es acht wirk- Irnich" Willst 6u dir bein ganzes Mn^- pfuschen? Feigling! Mache em Ende! Schäme dich!"

Die Lene war wie von einem Sieber ergriffen Es lieh ihr keine Ruhe, sie mußte da hinein Sie muhte nur einmal wühlen in all diesen lockenden Dingenzum Aussuchen".

Du wartest, nicht wahr? Oder du gehst in den Erfrischungsraum?"

Er schüttelte sich unwillkürlich. Gleich darauf Jab er Lene in der Kolonne stoßender. bränaen-

3n den eisigen Mienen des Direktors ver- änderte sich fein Zug. Er begann, unter den Dingen äu kramen, die seinen Tisch überfüllten.

And Sie haben unterschrieben?"

_ .Rein.".

Die Nationalhymne.

Berlin, 2. Sept. (WTD.) Der Reich6prä sident hat in einer Verfügung bestimmt, dah entsprechend der Kundgebung vom 11 August 1922 die Reichswehr das Deutschlandlied als Rational- Yhmne zu führen hat.

Im Bureau des Direktors klingelte fast unab­lässig das Telephon. Mit klassischer Ruhe hob der große, schlanke Herr mit dem durchgearbei- teten Gesicht den Hörer ab und gab eine leise Antwort Fast war es nur ein Flüstern, deutlich, im reinsten Bühnendeutsch aber mit einer Spur von Selbstgefälligkeit. Auch seine Augen flüsterten ja, fein ganzes Wesen sehr gut angezogen, genau so, wie es die Stunde verlangte, machte er den Eindruck eines Diplomaten, eines jener kühl-vornehmen Herren, die er in früheren Jahren so oft darr.ust eilen gehabt hatte.

4. Die Aufstellgebühren die Iahres- gebuhren in vierteljährlichen Teilbeträgen sind im voraus bei der Güterkasse zu bezahlen.

Wettervoraussage

für Dienstag:

Wolkig bis heiter, trocken, Temperaturen wenig verändert, westliche Winde.

Der Luftdruck hat auf dem ganzen De- vbachtungsgebiet an Iirtensität zugenommen und beherrscht unsere Wetterlage. Wir werden morgen mit wolkigem bis heiterem und etwas wärmerem Wetter zu rechnen haben.

** Amtliche Personalnachrichten Ernannt wurde am 16. August ber Finanz. Praktikant Hans Schneidmüller zu Darm­stadt zum Oberrevisor bei der Hessischen Drand- verstcherungskammer vom 1. April 1922 an. 2lm 22. August 1922 wurde der Hilfswärter Iakob L l st m a n n aus Babenhausen voyi 1. Juli d. 3. ab zum Hauswart im nördlichen Kollegiengebäude ernannt Ernannt wurden am 23. August öer Lehrer Wilhelm Ramsbolltaus Riederhof ^reis Saarburg, zum Lehrer an der Bolks- gule zu Reu-Isenburg, Kreis Offenbach, der Schulamtsanwärter Heinrich Hofmann aus Lindmfels zum Lehrer an der Volksschule zu Arankenhausen, Kreis Dieburg, der Schulamts­anwärter Heinrich Jäger aus Bieber zum SkSret <m bei Dollsschule zu Hausen, rüeis Offenbach.

..Lene," sagte Guldewin sehr ernst, in drei Stunden geht euer Zug. Ich meine, wir haben genug Zeit mit Richtigkeiten vergeudet! Hetzt will ich dir noch einiges von uns hier er­zählen

Ans?" pa6 sie patzig zurück.

Da schwieg er.

Die hiesige israelitische Reli­gio nsaemeinde beging gestern in schönster Weife ^ls 25jährige Amtsjubiläum ihres Rabbiners D r. Sander. Heber die Feierlichkeit geht uns folgender Bericht zu: Der Verlauf der Feier ehrt nicht nur den Jubilar sondern noch mehr seine Gemeinde. Um V211 Uhr begann die Festfeier in der Synagoge, zu der der Studienfreund des Herrn Dr. Sander, Herr Rab­biner Dr. Dienemann aus Offenbach, auf eine Einladung der Gemeinde hin die Festrede über­nommen hatte. Das festlich erleuchtete und geschmückte Gotteshaus war bis auf ben letzten Platz gefüllt. Auch die Land­gemeinden des Rabbinatbezirks hatten zahl- reicheVertreter entsandt Rach einem Orgelvor- Wiel und Gesang des Synagogenchors bestieg Herr Dr. Dienemann die Kanzel. Redner ging aus von dem Gedanken, daß solch ein Festtag einen doppel­ten Charakter habe, daß er eine Rückschau auf die Lebenszeit des zu Feiernden sei und auch zur Vertiefung der eigenen Frömmigkeit diene. Denn das was in dem Führer die religiöse Per- sönlichkeit ausmacht muß auch in jedem einzelnen lebenbig fein, ist doch das Judentum aufgebaut auf dem Grundsatz des allgemeinen Priestertums An der Hand des Psalmenwortes:Herr, wer darf wellen in deinem Zelte und wer wohnen auf bemem heiligen Berge? Wer in Ganzheit wan­delt das Rechte tut und Wahrhell sinnet in fernem Herzen', schilderte er sodann baß Wirken

H «'n Dr. Sander, würdigte die Tiefe unh Geschlossenbell seiner Religiosität, seine Fürsorge m der Seelsorge und in der Aufrechter^lltung des religtöfen Lebens der Gemeinde und seine Ueber- zeugungstreue, und schloß mit dem Gebete, daß Gott ihm auch fernerhin eine gesegnete Wirksam­keit verleihen und ihn begnaden möge, das Wie­dererstehen des deutschen Vaterlandes und das Schwinden jeglichen Hasses gegen Israel und in der ganzen Menschheit zu erleben. Rach dem Vor­trag einer Arie von Spohr durch Kantor Mär? erwiderte der Zu bi lar, sichtlich tief gerührt über die Fülle der Ehrungen. Er entrollte in meisterhafter Weise ein Bild von dem, was er vor 25 Zähren in seiner Gemeinde gefunden, waS er gewollt und was er noch in ihr erstrebe. Stets habe er nach dem Grundsatz gehandelt:Streng gegen sich selbst und milde gegen andere!" Das Vertrauen bei Gemeinde unb Mitwelt fei von jeher eine Lebensnotwendigkeit des Judentums gewesen. Redner gedachte seiner Lehrer unb der Heimgegangenen Männer, die vor 25 Jahren an ber Spitze der Gemeinde standen und ihm das Vertrauen entgegenbrachten trotz seiner Zugend ber Rachfolger eines Mannes zu werden, der fast' 70 Jahre das Rabbinat verwaltet habe. Er dankte den Behörden und der Staatsregierung, die ihn berief, um auch in ihrem Ramen zu wirken. Als Tag ernster Prüfung und Rechnungsablage müsse er sich die Frage vorleaen:Hast du auch dieses Vertrauen voll erfüllt ?" Aus allen Zeugnissen ber Liebe und Freundschaft müsse er entnehmen- Wenn man auch oft verschiedener Ansicht sei und sogar zeitweise Worte ber Mißbilligung höre so gehe doch aus allem ber. Wille hervor, dem Zill>entum zu dienen, so sehe man doch vorauf und erkenne es an, dah er seine ganze Kraft.des

Die Rutzviehmarkte in Gießen, fick vor dem Kriege so starker Beliebthell allen InteressentLN, Landwirten wie Händlern, erfreuten, bah sie zu den bebeulenbftcn 'Nutzvieh- markten in Mitteldeutschland zählten, sollen wieder eröffnet werden. Während des Krieges wurden diese Märtte sttllgclegt. Rach ber erst vor kurzer Zeit erfolgten Freigabe des Diehhandels verhindert die Maul- und Klauen-

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Sekjjt- der Führer der ersten Wagen Durch den Zug hmdurchzufahren suchte, wurde daran verhin- dUt Lmseinandersetzun- n postierte Beamte

ber SchutzpolHei entschreiten mußte. Als er ben erregten Orbner mit Hilfe mehrerer Ka- meraben nach ber Wache im Polizeipräsibium Demonstranten ben befreien, beschimpften die

Beamten, schlugen mit Fahnenstangen auf sie Ä?irfen Flaschen. AIS bie Menge, die inzwischen auf mehrere tausend angewach­sen war, die Pvlizeibeamten immer mehr be­drängte, machten diese von der Waffe ©e» bet A^nge heraus mehrere vchusse gefallen waren, erschienen mehrere Beamte mit Karabinern, worauf sich die De- inonstranten nach und nach zerstreuten.

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Was die Leute alles für Anliegen hatten! Es war unglaublich! Diese Rollenjagd Reid unb Mißgunst dieser Duft von Puder und Par­füm.

Hesfen-Rassau unb Hessen Stellung. Ten Verhandlungen wohnten zahlreiche Land- tagsabgeordnete, Bürgermeister unb Vorsteher der Lebensmittelämter ber beteiligten Städte bei Man bedauerte vielfach die Abschaffung der Zwangswirtschaft, deren Einführung aber gegen­wärtig nicht möglich sei, sah jedoch im Interesse der VolkSernährung die Rotwendigkeitder Preiserhöhung für die Milch ein. Dem Plan eines Verbutterunasverbotes für Hessen wurde widersprochen, da dann eine Verschiebung der Milch nach Preuhen die unausbleibliche Folge sei. Jedoch wurde für einzelne hessische Ge­meinden eine Staffelung der Preise in Erwägung gezogen. Bei der Abstimmung über den am Donnerstag gefällten Schiedsspruch, wonach ber Stallpreis 19.40 Mark und die Molkereispanne ab 1. September 20 Prozent betragen soll, wurde dieser mit allen gegen zwei Stimmen angenommen. Danach toflet in Frankfurt vom 4. September ab das Liter Milch im Kleinvcrkauf 32 Mark. Für Offenbach stellt sich der Preis auf 30 Mark.

Nutzviehmärkte in Gietzen.

Aus dem besetzten Gebiet.

Der Zwischenfall in Oberkassel.

Zer!in, 2. Sept. (WTB.) Wie die Zeitung" zu dem Zwischenfalle in Oderiassel erfahrt, ist der Ermordung der beiden belgischen Soldaten ein Streit in einer Wirtschaft Vvrausgegangen, der vielleicht mit einem Verbrechen im Zu- sammenhang steht. Am 3 Ahr nachts sah ein Dusseldvffer Polizeibeamter noch Licht in einer Wittschaft in Oberkassel, in der er eine Anzahl Zivilpersonen und zwei belgische Ser­geanten vorfand. Aus der Aufforderung, daS Lokal zu verlassen, entwickelten sich Streitig­keiten, in deren Verlauf der eine belgische Sergeant gegen die Büffetfrau und den Wirt tätlich wurde. Die inzwischen alarmierte bel­gische Wache nahm einige Verhaftungen vor, sie verhaftete u. a. den belgischen Oberleut­nant Teters, der dem Wirt zu Hilfe ge­kommen war. Als der beteiligte deutsche Polizcibeamte eine Stunde später in einer anderen Gegend patrouillierte, wurde er v o n einer belgischen Patrouille ver­haftet, well der Sergeant, mit dem er Öen Zusammenstoß gehabt hatte, und ein die­sem zu Hilfs kommender belgischer Posten in­zwischen erschossen worden waren.

I Puris, 2. Sept. (WLB.) Rach einer chavasmeldung aus Brüssel hat man gestern abend in Oberkassel den stellvertreten­den Bürgermeister, den Pvlizeikommissar, den Schankwttt, bei dem der Zwischenfall sich er­eignet hat, seinen Sohn und zwei deutsche Polizeibeamte verhaftet, die sich in der Schenke in dem Augenblicke befanden, als die Wache eingriff. Außerdem hat die In- tsrallnerte Rheinlandkommisston jeglichen Verkehr zwischen 8 Ahr abends und 6 Ahr mwrgens untersagt. Die Straßen werden von MatrouUlen durchzogen.

Berlin, 2. Sept. (WTB.) Der deutsche Ve sandte in Brüssel, Lands berg, hat der belgischen Regierung sein Bedauern über den Vorfall in Oberkassel zum Ausdruck ge­bracht und gleichzeitig erklärt, daß die deutsche Regierung sich ihre Stellungnahme bis zum Vorliegen des AntersuchungSergebnisses Vor­behalte.

Köln, 2. Sept. (WTB.) Durch eine Ver­fügung der Interalliierten Äheinlandkommis- swn vom 1. September ist das Erscheinen der Kölnischen Zeitung" vom 7. biß ein­schließlich 10. September verboten worden.

Wiesbaden, 2. Sept. (WTB.) Wie dieWiesbadener Zeitung" meldet, wurde am Donnerstag der Desetzungsdezernent bei der nmwuiLirow.imimmihiihiliiiii