Ausgabe 
4.3.1922
 
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Nr.

Zweites Blatt

Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Samstag, 4- März 1922

Steuerfreie Rücklagen nach § 59a des Einkommensteuergesetzes.

Don der Handelskammer Gießen wird uns folgendes geschrieben 3n Ergänzung der kürzlich unter obiger Ucberschrift im ..(Siebener Anzeiger" veröffentlichten Abhandlung des Herrn Ober» steucrsekretärs Schäfer dürste es nicht unzweck- mäßig sein, der Äaufmannfcbaft auszugsweise von dem Ünhalte einer Eingabe Kenntnis zu geben, welche der Rcichsverband der Deut­schen 3 n d u st r i e in gleicher Sache an den 11 Ausschuß deS Reichstags gerichtet hat. Es heibt dort u. a.:

Die steuerfreie Enreuerungsrücklaqe des § 59a des Aeichseinkommen^euergesetzeS sollte dem von AeichSregierung und Reichstag vorbehaltlos aner­kannten Bedürfnis von Industrie und Landwirt­schaft der Sicherstellung der zur Erneuerung ihrer Betriebsanlagen infolge des Valutasturzes er­forderlichenMehrkostenbeträge" Rechnung tra­gen. Die Erreichung dieses Zieles wird durch die vom Reichsminister der Finanzen am 25. Juli 1921 erlassene Verordnung zur Ausführung des $ 59a des Reichseinkommensteuergefeyes nahezu« vollständig Vereitelt. Diese Verordnung, die sich iif wesentlichen Punkten über die vom Gesetzgeber erlassenen Vorschriften hinwegseht, stellt sich nicht sowohl alS eine Verordnung zur Durchführung deS Rechtsgedankens deS § 59a. sondern vielmehr als eine Verordnung zur Durchkreuzung desselben dar.

Vollkommen verfehlt ist es. wenn der Reichs­minister der Finanzen in 8 2 der Verordnung vom 25. Juli 1921 bei Gegenständen, die von dem Steuerpflichtigen vor dem 1. Januar 1916 angeschafft oder hergestellt worden sind. ifie ..Mehrkosten" auf das Sechsfache des Anschaf- sungs- oder Herstellungspreises des ersahbedürf- ligen Gegenstandes festgesetzt und bei späterer Anschaffung eine Abstufung aut das Dreifache bzw. Doppelte dieses Preises eintreten läfot. Die Voraussetzungen, von denen der Minister hierbei ausgegangen ist. sind längst überholt. Außerdem bat die Verordnung keineswegs die richtigen Folgerungen aus diesen Voraussetzungen gezogen.

Rach seiner eigenen dem Bericht über die Beratungen des zuständigen Unterausschusses des 11. Ausschusses vom 5. Juli 1921 entnommenen Erklärung ist der Minister davon ausgegaagen, daß der damalige Anschaffungspreis von Ersatz- gegenständen auf etwa das Fünfzehnfache des Vorkriegswertes anzusehen sei. Er hat daran festgehalten, obschon die Sachverständigen darauf hinwiefen. daß bei einem großen Teil der in Betracht kommenden Maschinen bereits eine Stei­gerung auf das Zwanzigfache eingetreten war. Diese Ziffer ist inzwischen längst überholt: man mub vielfach mit einer Steigerung auf das Dreißig- und Mehrfache rechnen. Unter dein Zwanzigfachen des Dorkriegswertes dürfte wohl kaum eine Maschine zu erhalten fein.

Entgegen der Auffassung der Sachverstän­digen, die zwar grundsätzlich voneinander in der Frage der Bemessung der Höhe des gemeinen VZert.es abweichen (es ist von dem Dreifachen, Achtfachen und Zehn- bis Zwölffachen des Dor- kriegswerts die Rede gewesen», aber nahezu ein­hellig aus Zweckmäßigkeitsgründen sich für die Behandlung des Zwei- bis Vierfachen als ge­meinen Wert aussprachen, geht der Minister von dem Reunfachen des Dorkriegswertes des ge­meinen Wertes aus: er bemißt in § 8 bei Unter- Heilung von Reubeschaffungskosten in Höhe des »ünszehnfachen Dorkriegswertes den der Rücklage zu entnehmenden Betrag auf 40 Proz. dieses Anschaffungspreises, gelangt also auf diesemWege zur Annahme des Reunfachen des Vorkriegs­wertes des gemeinen Wertes, wie er dement­sprechend auch die Mehrkosten auf das Sechsfache desselben festseht.

Mit dieser Lösung gelangt man bereits unter öen gegenwärtigen Verhältnissen zu abfohlt unan­nehmbaren Verhältnissen Bei einem Anschaf­fungspreis in Höhe des zwanzigfachen Dorkriegs­wertes und einer Rücklage in Höhe des Sechs­fachen desselben, gelangt man zu einem bauern- ben gemeinen Wert in Höhe des t»erzehnfachen Dorkriegswertes, von dem kein einziger der Sach­verständigen auch nur entfernt zu reden wagte. 3n den zahlreichen Fällen, in denen der Pflichtige to6 Dreißigsache bcS Dorkriegswertes anlegen mub, bleibt ihm ein Betrag in Höhe des vierund- zwanzigfachen Vorkriegswertes ohne Rücklagen- deckung Diese Ergebnisse stehen mit der Absicht rees § 59 a in direktem Widerspruch. Diese Vor­schrift hat steuerfreie Rücklagen schaffen wollen, aus denen die Pflichtigen die sollen über den

gemeinen Wert der Reuanschaffung hinausgehen- den Kosten decken konnten, aber nicht nur einen derartig kleinen Teil derselben. Die willkürliche das Urteil der Sachverständigen beiseite schiebende Festsetzung der Rücklage ist ungesetzlich

Diese unzulängliche und nach diesseitiger Auf- sassung vollkommen ungesetzliche Regelung des Mehrkvstenbetrages aber wird praktisch noch ganz außerordentlich entwertet durch die umständlichen Kontrollvorschriften, mit denen der Reichsminister die Durchjühiung der Vorschriften des § 59 a gelastet Hal. Wozu diese Kontrollvorschriften füh­ren. .seinen die zu Eingang der Eingabe abschrift­lich mitgeteilten Auslegungen von Steuerpflich- trgen uno Finanzbehörden. Die steuerfreie Rück­lage des § 59 a, mit der der Gesetzgeber dem Steuerpflichtigen in seiner Rotlage eine wirksame Hilfe hat zuteil werden lassen wollen, wird ge­radezu zu einer Plage. Die Einrichtung wird durch die schwerfälligen, den Steuerpflichtigen wie das Finanzamt mit geradezu undurchführ­baren Arbeiten belaftenben Anforderungen un­brauchbar gemacht. 'Dazu kommt noch, dah die Verordnung auch noch in einer Reihe von an­deren Punkten, wie dies von der Steuerrechts- wissenschaft. und zwar auch von einem Mitglieds des RFH. betont worden ist, den Rahmen des Gesetzes in unzulässiger Weise verlädt.

Ungesetzlich ist die Einengung des Kreises der ersahbedürstigen Gegenstände durch die Vor­schrift von § 1 Zisf. 1 der Verordnung, wonach diese Gegenstände vom Steuerpflichtigen selbst angeichafst oder hergestellt sein müssen.

Ungesetzlich ist die zeitliche Begrenzung des Kreises der ersahbedürftigen Gegenstände, nach der die Beschaffung vor dem 1. Januar >920 erfolgt sein muß.

Ungesetzlich ist ferner die Auslegung, die der Minister den Worten des § 59a Abs. 1:Zur Ersatzbeschaffung der zum Anlagekapital ge­hörigen Gegenstände" gibt, wenn er verlangt, daß diese Gegenstände im Zeitpunkt der Ersatz­beschaffung zum Anlagekapital gehört haben müs­sen und daß demzufolge alle Gegenstände, die vor dem 1. Januar 1920 aus dem Anlage­vermögen z. B. durch kriegerische Ereignisse oder behördliche Eingriffe, Brandschäden usw. aus- geschieden sind nun aus besonderem Grunde nicht haben erseht werden können, keine ersahbedürf­tigen Gegenstände im Sinne der Verordnung sind.

Rach der bei der Ausschubberatung kund- gegebenen Auffassung von Ausschubmitgliedern und Sachverständigen wird die Vorschrift des 8 59a selbstden Wünschen der beteiligten Kreise, den wirtschaftlichen Bedürfnissen und vor allem der in unserer politischen Lage besonders wich­tigen Erhaltung der Industrie und Landwirt­schaft in keiner Weise gerecht"

Das wenige, was der Gesetzgeber durch die Vorschrift des § 59a hat schassen wollen, wird aber durch die ungesetzlichen vom Minister in seiner Verordnung verfügten Einengungen und Verkürzungen des Rechts des Steuerpflichtigen nahezu völlig entwertet. Diese Verordnung muß daher einer völligen Umgestaltung unterzogen und durch vernünftige Grundsätze erseht Werdern

Der unterzeichnete Reichsverband 'der Deut­schen Industrie beantragt daher

1. in erster Linie, daß die Ausführungsbe­stimmungen gänzlich beseitigt und die Durchführung des § 59a der Praxis und Rechtsprechung überlassen wird.

2. Kommt dies nicht in Betracht, so würden bei einer evtl. Abänderung vor allem die Sähe in einer den tatsächlichen Verhält­nissen entsprechenden Weise umzugestalten und die Kontrollvorschriften auf ein ver­nünftiges Mab zurückzuführen fein.

In jedem Falle wird

3. diesseits der Antrag gestellt, daß unver­züglich eine Vorschrift erlassen wird, in­haltlich deren auch Festsehungen des Be­trages der steuerfreien Erneuerungsrücklage ohne die einschränkenden Vorschriften der Verordnung vom 25. Juli 1921 im Ver­gleichswege möglich sind.

Deutscher Reichstag.

Berlin, 3. März.

Das Haus erledigt zunächst eine Reihe kleiner Anfragen, die meistens ohne allgemeines Inter­esse sind. Auf eine Anfrage wegen der durch die Preiserhöhung verursachten Rot der Lohn-, Gehalts- und Rentenempfänger sowie der erwerbsunfähigen Kleinrentner wird regierungsseitig erklärt, daß Maßnahmen zur

Linderung der Rot im Gange seien. Auf eine weitere Anfrage wegen der noch immer nicht erfolgten Auszahlung der zu Weihnachten be- willligten 150 Millionen für notleitende Klein­rentner erklärt die Regierung, die Auszahlung sei Sache der Länder.

Es folgt die dritte Lesung des

ReichSmietengesetzes.

Im allgemeinen werden die Bestimmungen der zweiten Lesung angenommen. Bei dem ausschlag­gebenden 8 10 über die Festsetzung der Hundert­sätze und Anhörung der Organisationen erfolgt die Annahme im Hammelsprung mit 183 gegen 152 Stimmen. Die Rechte stimmt geschlossen da­gegen, die Linke für den Paragraphen. Zentrum und Demokraten stimmen geteilt. Rach einem Zentrumsantrag wird ein Zusatz angenommen, wonach das Gesetz am 1. Huli 1926 außer Kraft tritt (Händeklatschen auf der Tribüne.)

Aba Kuhnt (USP.) ruft: Hausbesiher- gesindel! Präsident Lobe droht im Wieder­holungsfälle mit Räumung der Tribüne.

Vor der namentlichen Gesamtabstimmung geben die einzelnen Parteien nochmals Erklä­rungen ab.

Aba. Heidemann (Korn.) erflärt unter stürmischer Heiterkeit des Saufe», daß seine Partei trotz aller Halbheit des Gesetzes für das Gesetz stimmen werde, ebenso

Abg T e u b e r für die Kommunistische iAr- beitsgemeinschaft.

Abg. Behghien (D. Dp.) spricht sich gegen das Gesetz aus, das gegen die Grundprinzipien der Dertragsfreiheit oerftofot. Auch die Haltung der Kommunisten sei für seine Partei ausschlag­gebend.

Abg. Kuhnt (USP.) erklärt, die kurze Be­sprechung sei eine Ueberrumpelung gewesen. Der Antrag des Zentrums fei eine Handlung gegen Treu und Glauben. Trotzdem werde feine Partei für das Gesetz stimmen.

Das Gesetz wird mit 202 gegen 168 Stimmen angenommen.

Die kommunistische Entschließung auf Rück­gängigmachung der Auslieferung der Mörder des spanischen Ministerpräsidenten wird abge­lehnt. Es folgt die Weiterberatung des Reichs­schahetats. Die Entschließungen des Ausschusses werden angenommen.

Antrag Hergt (D.-R.) auf Aufhebung des Reichsschahministeriums wird gegen die Stimmen der Deutschnationalen abgelehnt.

In der Einzelberatung klagt Abg. Dr. Wien- beck (D.-R.) über die Konkurrenz, welche die Deutschen Werke dem fetbflänbigen Handwerk machen. Minister Bauer erklärt diese Klagen für unbegründet Der Etat des Reichsschahmini­steriums wird fobann bewilligt.

Es folgt der Etat des Wiederaufbaumini­steriums. Qlbg. Riedmüller (Soz.) hält eine Auflösung des Wiederaufbauministeriums zur Zeit für unzweckmäßig. Wir hätten allen An­laß, den- Wiederaufbau zu fördern unb baburch besonders den in Frankreich gegen uns bestehen­den Haß zum Schweigen zu bringen, der durch den Anblick der verwüsteten Gegend immer wieder genährt werde. Schuld an den Schwierigkeiten, die uns die Franzosen allerdings machen, sei nur der französische Kapitalismus.

Rach einer Erklärung eines Regierungs­vertreters über das Verhältnis des Wiederauf- bauminifteriums zum Reichsfinanzministerium er» klärt Abg Bauch (D. Dp.) ebenfalls, dah an eine Auflösung dieses Ministeriums nicht zu denken sei. Cs müsse vielmehr vollkommen selb­ständig gemacht und vom Reichsfinanzministerium losgelöst werden. Der Vorlegung einer Denk­schrift auf Angliederung einzelner Teile des Mi­nisteriums an andere Verwaltungsorgane stimme er zu.

Abg. Dr. Wien deck (D.-R.) wünscht, daß recht bald ein Minister an die Spitze des Wieder­aufbauministeriums trete, sonst bleibe der Wie­deraufbau in der Bureaukratie dieser Republik stecken Redner bemüht sich, an zahlreichen Bei­spielen die bureaukratischen Schäden nachzuweisen und verlangt eine bessere Berücksichtigung des Handwerks bei der Vergebung der Wiederauf­bauarbeit. Morgen 1 Uhr Weiter beratung. Außerdem kleine Vorlagen. Schluß 6 Uhr.

Ans Stabt unb Land.

Dießen, den 4. März 1922.

* 21 m 11 i ch,e Perfonalnachrichten. Am 28. Februar 1922 wurde der Förster der Forstwartei SciLtach, Johannes Räuber za -reis a. d. Lda.. in gleifrer Tiensteigenschaft in die jorfltnartei Bürstadt der Obevf5vftcrei Lorsch tierfeijt Tie Ober-Vermes'u g5*i5Jrctärc Karl Qteiiernage1, Philipp Eisenhardt und Karl R i e r ft bei m e r, sämtlich zu Gteßen, wurden zu Vermissfungs-Infpekloren ernannt.

* * D i e Gisshcner 2 t u d e n t e n h i l f e blickt, wie uns ingtgcteilt wird, mit großer Be­friedigung auf tk'DS finanzielle Ergebnis der von ihr veranstaltetet^ Sammlung, sowie deS Unter- Haltungsabends ftm 23. Februar und der zu ihren Gunsten von der Waldbühne gebotenen Ausfüh­rung am 2. Mär?. Damit ist reichlich der Ilussall gedeckt, der durch daS Ausbleiben der Spenden der Europäische^ Studentenhilse im kommenden Semester entstehen wird. Mit ihrem herzlichen Dank an alleScJieilig!cn verbindet die Studenten- Hilfe vor allem «mch die Hoffnung, daß nunmehr die Kenntnis ooii ihren Zielen in weitere Kreise der Bevölkerung gedrungen ist und daß sie dort verständnisvolle Mitarbeit finden wird. Die Arbeit in einer durch Studenten betriebenen Gärtnerei, de re» Erzeugnisse im Studentenheim verwendet toerbun sollen, wird in den nächsten Sagen begonnen werden. Ferner ist zu hoffen, daß unter Mithilfe des Roten Kreuzes für das kommende Senilster ein besonderer Mittagstisch für kranke Stul»entcn eröffnet werden kann. Mitgliederanmelldungen werden auch bei der Mitteldeutschen Kreditbank entgegengenommen.

* Ren ttterb und. Die Gießener Orts­gruppe des hessischen Rentnerbundes hielt am Donnerstasi ihre 1. Hauptversammlung ab. Der Vorsitzen! <c, Herr Kühn, widmete der am 26. Scbrunr verstorbenen Frau Johanna Haas, die ihre in vielen Wohltätigkeitsver­einigungen gealbte Hilfsbereitschaft auch im Kleinrentnerb« nd in reichem Maße betätigte, einen ehrendem, Rachruf. Der hiesige Rentner­bund wurde ioi vorigen Jahre auf Anregung des Herrn K ü T> n mit 33 Mitgliedern ins Le­ben gerufen: i'ter Mitgliederstand hob sich im Laufe des IchZres auf 311. Aus dem von dem 2. Vorsitzenden, Herrn Reiber, er­statteten Jahresbericht geht hervor, daß der Bpnd erfolgreich auf allen Gebieten, die er in den Bereich seiner Tätigkeit gezogen, ge­arbeitet hät. 'Aus dem vom Kassenwart er­statteten Bericht ergab sich, daß recht sparsam gewirtschaftet wurde. Der Vorstand, aus dem satzungsgemätz, drei Mitglieder ausscheiden, wurde wiedevgewählt. Anstelle der verstorbe­nen Frau HcueS wurde Frl. Ce l lari uS ge­wählt.

Lirndkreis ließen.

i. Halt e:n'r ob, 3. März. Auf dem hiesigen Friedhöfe ttcB en grabschänderische Diebe ihr ehrloses Handwerk. Eine Anzahl gußeiserner Kreuze wurde auf den Gräbern abgebrochen und gestohlen. All, an Anschein nach handelt es sich um Ortsfremde, die nächtlicher Welle die Tat verübten und ihre Deute fortfefrafften. Irgend­welche Spürer frort »den Tätern hat man nod) nicht gefunden. Da im Winter die Friedhöfe wenig besucht werden, konnte die Tat längere Zeit verborge,» bleiben. Vielleicht machen noch mehr Gemeind en der Umgegend gleich unliebsame Entdeckungen, da es sich allem 2lnschein nach um das Werk gewerbsmäßiger und organisierter Diebe handelt die sich auf dieses Spezialfach gelegt haben.

bs. Lan << d, 3. März. Bei der D e r st e i^g e- r-ung der M assegrundstücke der Feld­bereinigung ti'iirben nahezu 2 Millionen verein­nahmt. Cs kans ein Morgen besten Landes 38000 Mark Was sollen nun die Kartoffeln kosten?

.Kreis Friedberg.

'2$. Butzbach, 3. März. Die von Oberst­leutnant a. Dtz Lehner, einem alten Kameruner, gegründete uiib geleitete hiesige Abteilung der Deutschen Kolonialgesellfchasi entfaltet eine Äußerst rege Tätigkeit. Mit mehr als 100 Mitgliedern ist sie im Verhältnis zur Ein­wohnerzahl bie zur Zeit stärkste Abteilung im Reiche. Der ^Präsident der Deutschen Kolonial- gesellschaft ernannte die Arbeit der Abteilung dieser Tage in einem persönlichen Schreiben bc sonders an.^eun Vorschläge zur Verleihung

Sie richten sich wieder auf, sagte sie endlich hoffnungsvoll, als Mogens ihr den Hut ab-

Er lächelte und küßte ihr nur immer wieder, Winterhut wieder auf den Sommerhut, ein Jahr die Hand. i I ums andre.

.Was auch- geschehen mag, Inger, bis zur

nehmen wollte.Die Federn sind ja echt.

»Jawohl, aber sie sind annähernd so alt tote ich," wandte Mogens ein; »und in drei Monaten bin ich- siebzehn. Aber du mein ft vielleicht, Mutter, alles was echt fei, fei auch unvergänglich."

»Ja, so sollte es doch- auch fein, sagte Frau

Die Pforte der Paradieses.

Roman von Ingeborg Vollquartz. Berechtigte UebersetzungAouö bqpt Dänischen.

2. Fortsetzung. (RachkHruck verboten.)

»Das war wohl, weil Sie fühlten daß ich nur in Ihrer Rähe glücllich war, liehe Inger."

»Warum wollen Sie bann nicht immer mit mir zusammen fein, Herr Borris?"

"6t hob den Kopf und ffrafcite sie mit fernen ehrlichen traurigen Augen an. *

»Einzig und allein aus ^kücksicht aaf Sie,

»Denken Sie nicht an mich," bat sie. »3n diesem Augenblick wollen wir nur an Sie denken. Jawohl, ich sehe gut, daß Ihv Geist tränt, müde und mutlos ist, aber glaibcn Sie mir, das ist n ir vorübergehend: das gibt sich Ich werde Sie so behüten, daß die finsteren Gedanken tetne Ge­legenheit. finden werden, sich einzuschleichen und Ihnen die Lebensfreudigkeit: zu stehlen."

»Die Lebensfreudigkeit!"

»Ja, die ist es, die ich Iyncn bringen mochte, Herr Dorris."

»Wenn jemand das Tonnte, dann konnten Sic es, Inger."

»Verlassen Sie sich nut' auf mich," bat fte.

Unb wenn es mir gehen sollte wie meiner armen Mutter?"

»Tas geschieht nicht," versicherte Inger. »Ich werde niemals müde werden über Ihnen zu wachen."

Liebe, liebe Inger!" flüsterte er.Auch wenn du müde wirst, weiche ich es dir niemals vorwerfen."

Dann wollen Sie wlllst du mich also letzt doch haben?"

Tas habe ich immen gewollt, ich habe cs nur irtcht gxwagt."

»O, ich wage cs für uns beide!" jubelte sie. ,Unb du sollst sehen, wie glücklich wir fein werden!"

Stunde meines Todes werde ich Dir danken unb dich verehren weil deine Liebe mir noch einmal das Leben lebenswert gemacht hat."

Du sollst mir nur versprechen, mich immer lieb zu haben."

Dieses Gelübde zu halten, toirb mir nicht schwer werden, Inger, aber

Inger legte ihm die Hand auf den Mund.

»Rein, du sollst mir sonst nichts versprechen," sagte sie.Ich bin die, die hier Gelöbnisse ab­fegt, und ich gelobe dir daß ich niemals er­müden werde, gegen deine unsichtbaren Feinde zu kämpfen."

Jugend, Jugend!" murmelte et, inb Inger fühlte feine Tränen auf ihrer -Hand, die er immer wieder küßte. »Kind wie ich dich liebe wie ich dich liebe!"

Unb Ingers Herz war von der reinsten Freude erfüllt. Sie fühlte sich- fo stark, so mutig, war fo überzeugt, daß sie in das Menschen - schicksal, das fie jetzt in ihre Hand genommen hatte, Freude unb Glück bringen könne.

Zweites Äabite'l.

»Ach, Mutter, ich war fo bange, du würdest nicht zu Haufe fein, ehe die anderen kommen," sagte Mogens Borris: er nahm feiner Mutter ihre Pakete ab, lief damit ms Zimmer unb fegte sie auf den EßzimmertischDu hast so viel mitgebracht. Diese Tüte da rührt sich an, als ob Russe drin wären." Es war ein Hauch von Mißbilligung in der Stimme.Mutter die Rüsse sind gewiß grauenhaft teuer, und du mußt davon nur husten. Warirn hast du fie gekauft?"

Frau Borris hielt ihren Hut in der Hand und iah sehr bedenllich drein. Der Regen hatte die Federn schrecklich mitgenommen. Diese Fe- , dem waren ihr einziger Hutschmuck, und fie steckte

| sie vom Sommer Hut auf den Winteret und vom

Borris mit einem leichten Seufzer.

, »Wo bist du denn solange geblieben, Mutter?" fragte Mogens, der gerne über den Seufzer weg­kommen wollte.

Ich- wollte nach Tante Rora sehen: sie war so verstimmt, als sie das letzte Mal hier war. Ich sand sie aber nicht zu Hause."

Wenn nun aber Oline und die andern fror dir nach Haufe gekommen wären? Wenn fie schon das Wort Margarine nicht hören können, unb du doch nicht in der Lage bist, ihnen Butter zu geben, so sind wir doch- genötigt, sie hinters Licht zu führen. Ich kann bas Lachen fast nicht halten wenn Orla und Elfen bamit prahlen, sie hätten es glücklicherweise hintertrieben, daß Mar­garine gegessen werde, unb sich dazu unsere Mi­schung aufs Brot streichen."

Ja wir sind die richtigen Schwindler, wir beide" sagte Frau Borris lachend, während fie sich die Küchenschürze vorband, die ihr Mogens gereicht hatte.Eigentlich ist es ja recht feig fron mir, daß ich mich in meinem eigenen Hause dazu herablasse, Butter und Margarine zu mi­schen, statt kurz und bestimmt zu sagen: Es gibt nichts andres Butter ist für uns zu teuer basta!"

3a, wenn du das nur sagen könntest, Mutter, das wäre großartig!" rief Mogens und nickte seiner Mutter zu. »Aber das kannst du nicht, das dringst du nicht fertig. Du bist gar zu schrecklich gut."

Sag lieber schwach, mein Junge," berichtigte Frau Dorris, während sie vorsichtig die Butter-1

forte in die <Kifdjung tropfte unb mit dem Cöffei weiterknetete. >

Du Hafk Farbe an den Fingern, Mutter'" rief Mögens warnend. »Vergiß nur nicht, fie abzuwifchen, sonst kommt Ellen hinter die Ge­schichte."

Frau Drraris strich die Butter in zwei Dosen

»So, nun ist das geschafft für diese Woche" sagte sie erlef friert.

»Ich- bin auch jedesmal froh, wenn das ge­schehen ist," bemerkte Mogens.Ich fürchte immer, sie Öwnten uns einmal dabei überraschen aber das !ijt auch das Spannende dabei."

Unb baj5 fehlt sonst in deinem Dasein, meinst pu?" fragte Frau Borris lächelnd.

3a, Mj utter aber das wird nicht so blei­ben, versiche rte der Junge.Wenn Vater sieht, daß ich entfrfgieben nichts andres werden möchte als Offizier, meinst du nicht, daß er es mir dann erlaubt?

Tas kcvm ich dir nicht sagen, lieber Mogens," begnügte fid.j Frau Dorris zu antworten: sw brachte cs 'incht fertig, den 3ungen zu ent­mutigen.

Ich werde Husarenvffizier, Mutter! Fuß­latscher mag. ich nicht werden nein, ich will auf ein Pferd» hinauf daß man mich auch sieht."

3a, bu mir herunterfüllst unb den Hals brichst." Frau Borris gab ihrem Sohn einen liebevollen Schlag auf die Wange.Unb im Krieg ist es. für die Reiter am gefährlichsten.

3awohtl, aber das ist doch nicht halb so schlimm, als wenn man Seeoffizier ist. An Bord eines Schiff«-s kann.niemand seine Tapferkeit ent­falten. Ader wenn ein Reiteroffizier fällt, das sieht man, und dann können die andern heim- gehen und »berichten: ,Er ritt an der Spitze und da ist auch gefallen.*"

Lieber Mögens, hänge dich nicht zu fest an diesen Trau m, bat Frau Borris.Ich glaube nicht, dah dj r der Vater die Erlaubnis gibt. Sieh nur einmal zu, dah du deine Abgangsprüfung machst."

L Fortsetzung folgt)