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len Platz greife und daß durch Parteiunter­schiede keine Spaltung und keine Risse im deut­schen Volke entstehen.

Ein Rathaussturm in Berlin.

Berlin, 2. Mai. (CBVE.) Heute nachmittag toben die städtischen Arbeiter gegen die .QDjlebniing des.letzten Schiedsspruchs durch die StadtverorLnetenverfranunluirg vor dem 2l a t- chou S demonstriert, nachdem sie sich an verschiedenen Plätzen g.- frömmelt hatten und von dort geschlossen abmarschiert waren. Obgleich die istädlifr-Bv Arbeiter te.n Pol zeipsrss.den en zu- Hesichert hatten, nur einen älnrzug um das^ote ^aus" zu veranstalten, sammelten sie sich bereits 41,., äIHr in dichten Massen vor dem Rathause. -Es wurden Reden geleiten. Schließlich versuch­ten die Demonstranten gegen 1 \-> ^lhr, d i e Postenkette zu durchbrechen und in das Rathaus gewaltsam ein zu dringen. :5)ie Schutzpolizei, die in Stärke einer Hundert- ssHafrt zu Sui; und einer berittenen H rndertschaft -zur Stelle war, mutzte, da alle Auffrotdet rngen, chen Platz zu räumen, erfolglos blieben, m i t «ufgepflanztem Da jo nett und ge­zogenen Säbeln eingreifen. Cs wurden hierbei 'etwa 10 Personen verletzt. Der Polizeipräsident, dem von den Vorgängen Mit­teilung gemacht wurde, eilte herbei, hielt mit einer Anzahl von Ordnern Besprechungen ab und forderte sie, ebenso wie der Abg. Zubeil, auf, jetzt nach Hause zu gehen, da der Schieds- ifpruch voraussichtlich erst spät nachts gefällt werde. Morgen früh könne dann das Resultat 'im Verbandsbuceau in der Webetsttaße mit- geteilt werden. Ein Straßenbahner for­derte dann die Massen auf, sofort in den Streu zu treten. Auch sonst mochten sich überall ge- > wisse Elemente bemerkbar, die zum Streik hetzten. Die Derwnudeten wurden in das Rathaus ge­tragen! einige mußten den Krankenhäusern^ zu­geführt werden. Sie siird teils durch Säbel- 'hiebe, teils durch Fußtritte verletzt worden. Degen 1/2IO äkhr zogen die Demonstranten ab. und all­mählich zeigten die Straßen am Rathaus und Alexanderplah wieder das gewohnte Pi d. Es wurden insgesamt 10 Personen festgenommen. die teils den Straßenbahnern die Kurbeln weg­genommen hatten, teils die Polrzeibeamten be­schimpften.

Berlin, 3. Mai. (WTB.) In der gestrigen Stadtverordnetenversammlung wurde die neue Magistratsvorlage über die Lohnerhöhung und die Erhöhung der Gas-, Elektrizitäts- und der Fahr­preise für die elektrische Straßenbahn beraten. Die Vertreter der äl.S.P. erhoben Beschwerde das) die Zugänge zum Rathaus durch Polizeiaufgebote besetzt worden seien. Der Oberbürgermeister B 0 eh erklärte, daß der Magistrat um polizeiliche Hilfe gebeten habe, um den Stadtverordneten den freien Zutritt zum Rat- hause zu ermöglichen. Als die gemeldeten Zu­sammenstöße im Rathause bekannt wurden, be­mächtigte sich der Linken eine ungeheure Erregung. Sie rief der Rechten und der M.S.P. zu:Ihr RKrder, Ihr Verbrecher I" Ein Kommunist entriß dem Vorsteher die Präsidentenglocke. Darauf un­terbrach dieser die Sitzung. Rach 2Vrstündiger äln- terbrechung wurde die Sitzung um 1/411 älhr nachts wieder eröffnet. Rachdem der Mehrheitssozialist Heitmann für sämtliche Fraktionen bis auf die US.P. und die Kommunisten die Erklärung abge­geben hatte, worin die Vorgänge in der heutigen S^>tvervrdnetenversammlung bedauert und ver­urteilt werden, erklärte der unabhängige Abge­ordnete D i 11 m a n n, neben den Vorgängen in bet Stadtverordnetenversammlung freien die Ereig­nisse vor dem Rathause weit wichtiger und gingen die ganze Bevölkerung an. Arbeiterblut sei ge­flossen. Rachdem auch Vertreter der anderen Frak­tionen Erklärungen abgegeben hatten, wurde die Beratung fortgesetzt. Schließlich wurde die Magi- stratsvorlage gegen 11V? älhr nachts mit 101 gegen 92 Stimmen angenommen. Die Unabhängigen und Kommunisten drohten, morgen die Arbeiter wegen der Vorgänge zum Generalstreik aufzurufen.

Dee Münchener Fälschungs- prozetz.

München, 2. Mai. (Wolff.) (Fechen- b a ch - P r 0 z e ß.) Dr. Eugen Fischer, Se­kretär im Untersuchungsausschuß, als Sach­verständiger vernommen, erklärte u. a.:'Streng wissenschaftlich genommen waren auch schon die Sperrungen, die Eisner vvrgenommen habe, eine Fälschung. Eisner habe geflissent­lich mit ungeheuerer Geschicklich­keit alles, was geeignet war, den Willen der deutschen Regierung zur Erhaltung des Friedens zu be­

weisen, weggelassen. Der überlei­tende Text Eisners gehörte nach dem Urteil des Sachverständigen zu dem Verräterischsten, was in seiner Ausgabe des Berichtes vor­handen ist. Die Gisnersche Veröffentlichung muh als Fälschung bezeichnet werden, der so­genannte gute Wille Eisners sei nicht viel mehr als gute Einbildung.

Aus dem Reichs.

Der Gesetzentwurf über die Zwangsanleihe.

Heber den Inhalt des Gesetzentwur­fes über die Zwangs anleihe, der in allernächster Zeit dem Reichsrat zugeht, weiß dieDeutsche Allgemeine Zeitung" mitzutei- len, daß es sich um einen Anleihebetrag von 60 Milliarden handelt. Soweit bisher in Aussicht genommen sei, seien von dem An­leihezwang befreit Vermögen bis 100 000 Mark und Einkommen etwa bis 40 000 Mk.

Gegen Menne und Scharffchwerdt.

W. Berlin, 29. April. Hier ist gestern der Verband Deutscher Lokomotivfü h r e r von rund 60 Vertretern der bisher zur Reichs- gewerkschast Deutscher Eisenbahnbeamten und An­wärter gehörenden Lokomotivfrührergruppe ge­gründet wotd-n. Dem neuen Verband, dessen Aemter nur von sich im Dienst befindlichen Mit­gliedern ausgeübt werden dürfen, sollen nur tech­nisch vorgebildete Lokomotivführer angehören. Der Verband wird seinen Anschluß an den Deutschen Beamtenbund nachsuchen. Der Reichsverkehrs­minister hat laut D. A. Z. gestern abend zugesagt, dem Ersuch m als Interessenvertretung ihrer Mit­glieder berücksichtigt zu werden, zu entsprechen. Rach einer weiteren Meldung hat der Vor­sitzende ber Fachgewerkschaft II das Verbleiben ferner, die Schaffner. Oberschaffner und Zugführer umfassenden Vereinigung, bei der Reichsgewerk­schaft Deutscher Eisenbahnbeamten davon abhän­gig genkacht, daß die beiden Führer Menne und Scharfschwerdt von ihrem Posten zurücktreten.

Bundestag für Kriegsgräbersürsorge.

Berlin, 2. Mai. DieDeutsche Zei­tung", die einzige heute früh in Berlin er­scheinende Zeitung meldet, daß in Leipzig am Samstag der 6. Bundestag für Kriegsgräberfürsvrge abgehalten wurde. Am Sonntag wurde die Absendung eines Telegramms an diedenueser Kon­ferenz zu Händen- des Ministerpräsidenten Facta beschlossen, in dem der Volksbund deutscher Kriegsgräberfürsvrge den in Genua versammelten Vertretern jener Regierungen, die den Versailler Vertrag unterzeichnet haben, die dringende Ditte unterbreitet, zu einem entsprechenden Zeitpunkt der Kon- feretkg der Millionen Toten des Weltkrieges zu gedenken und in Durchführung der Ar­tikel 225 und 226 des Versailler Vertrages für die dauernde Erhaltung der Ruhestätten aller Gefallenen eine feierliche Proklamation zu erlassen. In einem Telegramm an Reichs­kanzler Dr. Wirth wird der deutschen Ab­ordnung Mitteilung von diesem Telegramm gemacht.

Wie auf dem Bundestag mitgeteilt wurde, sind die Vorbereitungen für den all­gemeinen Vvlkstrauertag soweit gediehen, daß 70 große politische Körper­schaften sich bereit erklärten, die Durchfüh­rung des VvlkstrauertageS im Sinne des Volksbundes zu unterstützen. Das ReichS- kabinett befaßt sich augenblicklich mit dieser Frage. Ein Gesetzentwurf für einen allge­meinen Volkstrauertag dürfte in nächster Zeit dem Reichstag zugehen.

Äus Stadt und Lnnd.

Gießen, den 3. Mai 1922.

* Amtliche Pers 0 nabnachtich,ten. Studienrat Dr. Werner (Abgeordneter der Hessischen Volkspartei) wurde von Butzbach nach Darmstadt an das Ludwig-Geotgs-Gymnasium verseht. Ernannt wurde am 26. April 1922 der Polizeiamtmann Regierungsrat Dr. Karl Ahl zu Darmstadt zum - ständigen Hilfsarbeiter beim Ministerium des Innern mit der Amts­bezeichnungRegierungsrat" mit Wirkung vom 1. April 1922 an. Ernannt wurden am 26. April die Schulamtsanwärter Wilhelm Acker­mann aus Offenbach zum Lehrer an der Volks­schule in Hainhausen, Kreis Offenbach, Friedrich

B 0 n t n aus Wembach zum Lehrer an der Volks­schule zu Rordheim, Kreis Bensheim, die Schul­amtsanwärterin Katharina Sax aus Viernheim zur Lehrerin an bei Volksschule zu Viernheim, Kreis Heppenheim.

** Vom städtischen G aswerkwird uns auf eine Anfrage mitgeteilt, daß bereits seit einiger Zeit der Gasdruck in der Zeit von IOV2 Hhr vormittags bis V/2 Ahr nachmit­tags um 15 Millimeter W. S. erhöht worden ist, daß somit in der Mittagszeit der Frie­densdruck wieder erreicht ist. Die Druck­erhöhung konnte vorgenommen werden, weil das Monatskohlenkorttingent erhöht worden ist und die Zufuhr der Kohlen in den letzten Wochen sich gebessert hat. Wenn das vom Reichskohlenkommissar zugesagte Kontingent voll geliefert wird, kann die Erhöhung des Druckes auch beibehalten werden.

** Die Enthüllung der Gedenk­tafel am Wohn- und Sterbehause von Pro­fessor Dr. B u ch h e i m (Ludwigstr. 12) findet am Freitag, 5. Mai, 12 Ahr, statt.

** Wern gehört der Leiterwagen? Bei einer Haussuchung in einer Wohnung hiesiger Stadt wurde ein Handleiterwagen vorgefunden, der offenbar von einem Diebstahl herrührt. Der Eigentümer wird aufgefordert, sich mit der Kri­minalpolizei ins Benehmen zu setzen.

Oes s entliche Bücher halle. Im April wurden 1683 Bände ousgeliehen. Davon kommen auf: Erzählende Literatur 1028, Zeit­schriften 143, Iugendschristen 162, Literatur­geschichte 5, Gedichte und Dramen 15, Länder- and Völkerkunde 55, Kulturgeschichte 25, Ge­schichte and Biographien 89, Kunstgeschichte 15, Raturwissenschast und Technologie 79, Heer- und Seewesen 7, Haus- und Landwirtschaft 9, Ges and- heitslehre 2, Religion und Philosophie 16, Stoats- wissenschost 12, Sprachwissenschaft 10, Fremd­sprachliches 11 Bände. Rach auswärts tarnen 23 Bände. Die Bucherhallr ist jetzt wieder an vier Abenden wöchentlich geöffnet.

* König Oedipus im Stad11heater. Zu den Auflichtungen am 6. unh 7. Mai (siehe Anzeige und Rotiz in der letzten Camstagnum-- mer!) wird uns noch geschrieben: Da die ergrei­fende Wirkung des Dramas nicht zunr mindesten auf 'den Gegensatz zwischen dem ahnungslosen Helden und dem wissenden Zuschauer, den der Dichter voraussctzt, beruht, sei hier seine Vor­geschichte gebracht. Dem König Laios von Theben offenbarte Apollo, er werde mit seiner Gattin Iokaste einen Sohn zeugen, der ihn erschlagen werde. Der Sohn ward geboren, und die Eltern ließen ihn mit durchbohrten Fessejgelenken- auf dem Kithairon aussehen. Jahre vergingen, da fuf c cinstmals Laivs mit wenigen Dienern nach Delphi, aber es kehrte nur ein D:ener zurück, derselbe zuverlässige Knecht, der einst das Kind ausgesetzt hatte, unb berichtete, der König und die übrigen seien von Räubern an einem Kreuzweg erschlagen worden. In Theben war man nicht in der Lage, sich viel um den Mord zu bekümmern: Die Sphinr war erschienen und raubte sich täglich thebanische Jünglinge, solange niemand ihr Rätsel löste. In ber. Rot ward die Witwe des Laios und seine Herrschaft dem Bezwinger der Sphinx ausgesetzt. Ein fremder Jüngling trat auf, löste das Rätsel und nahm von dem Thron und Iokaste Besitz. Er nannte sich Oidipus, Sohn des Königs von Korinth. Von feiner Vorgeschichte schwieg er; ihm hatte das delphische Orakel Valer- morb und Mutterehe in Aussicht gestellt, drum hatte er das vermeintliche Elternhaus verlassen. Er war es, der an dem Kreuzweg den allen König, ohne ihn zu kennen, und seine Begleiter erschlagen hatte. Wieder vergkngen Iahte. Iokaste hatte ihm zwei Söhne und zwei Töchter geboren, da brach Mihwachs und Pest aus. Wie das zu der Entdeckung der Wahrheit, zum Selbstmord der Iokaste und der Selbstblendung des Oidipus führte, stellt das Drama dar.

** Im Lichtspielhaus, Bahnhofstraße, ist heute noch ein Film zu sehen, dem ein inter­essantes psychologisches Problem zu Grunde ge­legt ist. Ein seelisch aufs äußerste erregtes junges Mädchen gerät durch einen plötzlichen Schrecken in einen solchen Zustand der Verwirrung, daß es Wachen"und Traum miteinander verwechselt und sich zu einer Tat bekennt, die sie nur im Traum beging. Sehr geschickt läßt ber Aufbau des Films bis zum Schluß hin den Zuschauer felbff im Zweifel, ob er wirkliche Geschehnisse ober nur die Traumerlebnisse, daszweite Leben", der Kranken sich abspielen sieht. Rur der mit feinem Kunstverständnis gewählte Rahmen in expressio­nistischem Stil beutet die Traumgebilde an.

Bornotizcn.

TageskalenderfürMittlvoch. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Die Prin­zessin von Toskana", undDas zweite Leben".

Oes fentliche Versammlung des M i e t e r v e r e i n s. Man schreibt ans: Das Reichsmietengeseh greift tief in die wirtschaftlichen Verhältnisse eines jeden ein. Deshalb sollte nie­mand versäumen, sich genau darin zu Herrich­ten, gleichviel ob er Mieter, Hausbesitzer oder Inhaber einer Dienstwohnung ist. Der hiesige Mietetfrchutzverein hat deshalb zu einem aus- klärenden Vortrag den Vorsitzenden des Hessischen Landesverbandes der Mieterschuhvereine gewon­nen. Herrn Wolff geht als Redner ein guter Ruf voraus, da er es versteht, die Wohnungs­und Mieterfragen von hoher Warte aus zii be­handeln. Deshalb sei hier nochmals auf bie. Versammlung aufmerksam gemacht.

Landkreis Gießen.

* Lollar, 2. Mai.,Eine außergewöhn­liche Sonderveranstaltung findet hier statt. Das groß-russische Balalaika-Orchester, Diri­gent Alexander Michailowski, wird unter Mit­wirkung der Solotänzer Michail Orloft, Wera Stephanofs im ganzen 25 Künstler hier gastieren. Die Gesellschaft befindet sich zur Zeit auf einer Welttournee, und nur durch Zufall ergab sich die Möglichkeit zu einem hiesigen Gastspiel. Der Kartenvorverkauf be­ginnt heut^ im Germania-Restaurant.

Kreis Lauterbach.

Reuters, 29. April. Das Ehren- m a l für die im Weltkriege gefallenen Söhne unseres Dorfes wird auf dem Friedhof errichtet. Ein Bildhauer aus Lauterbach hat die Arbeiten, nahezu vollendet, so daß um Pfingsten bie Weihe erfolgen kann. Die Herstellungskosten wurden größtenteils durch freiwillige Spenden unb Samm­lungen aufgebracht.

Kreis Schotten.

La ubach, 30. April. Heute abend (7 V?. plhr Beginn) wurde durch bie Hessische Landes-Wanderbühne Theater ber Zentralstelle zur Förderung der Volksbildung und Iugendpflege in Hessen in Verbindung mit dem Landestheater Darmstadt im Saale des Solmser Hofs" ber hiesigen Bevölkerung ein Gastspiel geboten. Zur Aufführung gelangte bas Diercttigc Lustspiel von August v. Kotzebue:Dir deutschen Kleinstädter". Die Vorstü- lung befriedigte in hohem Maße nach feder Seite. Bewunderswert war bas Gesamtspiel. Er­freulich war der gute Besuch ber Aufführung aus Stadt und ilmgegenb. Als Termin für die Wohl des neuen Bürgermeisters (cm Stelle des am 15. März verstorbenen Bürger­meisters Ritter) ist der 14. Mai festgesetzt. Richt weniger als (echs Kandidaten bewarben sich um das Amt. Die Wahlagitation bewegte sich indessen in ruhigen Bahnen, -lieber die Aus­sichten der Bewerber läßt sich bis jetzt i^chts Bestimm^s Voraussagen.

KreiS Büdingen.

)( O r t 0 n b e r g, 1. Mai. Auf 8 Tagen hat hier ein Kursus ber Wanderhaushal^ t.un g ss ch ule des Kreises Büdingen unter Lei­tung von Frau Friedmann begonnen. Der Kursus wird im Hirzelsch^en Saale abgehalten unb vor: 26 Schülerinnen befrucht. Das Haus eines hiesigen Schreinermeisters ging zum Preise von 80 000 Mark in andere Hände über.

tz. Ortenbe.rg, 2. Mai. Der hiesige Ge­sangverein feiert am 16. unb 17. Iuli ds. Is. sein 8 0 j ä h r i g e s Bestehen. Die Vorberei­tungen zu der Feier sind bereits im Gange. Der Verein wird zur Zeit von Kapellmeister Acker­mann geleitet.

tz. Orten berg, 2. Mai. Der Z w e i g» verein Ortenderg des V.H.C. hielt die­ser Tage im Gasthaus zur Post feine Hauptver­sammlung ab. Der Verein zählt 170 Mitglieder, die Iagendgruppe 50; der Kassenbericht zeigte em günstiges Bild. Der seitherige Vorstand, an dessen Spitze Rechnungsrat Haas wurde wiederge- wählt. Die Ortsgruppen Lißberg und Doben- hausen, die dem Verein angegliedert sind, sowie die Iugendgruppe erhielten je einen Sih und Stimme im Gesamtvorstand.

*)( Stockheim, 1. Mai. Ein bedauer­licher Pinglücksfall ereignete sich im Zuge BübingenStockheim. Ein Schüler des Büdmger Gymnasiums wollte auf ber Rückfahrt kurz vor der Station Stockheim aus dem Fenster sehen unb fiel da die Tür offenbar nicht recht geschlossen war aus dem Zuge. Wunderbarerweise kam er mit 'leichten Verletzungen davon. Der Vorgang kann jedoch Eltern und Erziehern, Schülern und Eisenbahnbeamten eine ernste Mahnung fein.

Kreis Friedberg.

2). Friedberg, 29. Aprit. Der Kreis- ziegenzuchtverein Friedberg hielt hier dieser Tage unter dem Vorsitz von Direktor Spieß seine Hauptversammlung ab, die

DieSakramentshex.

Roman von Marie Kerschenfrteiner.

10. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.)

Der Hannes 'mußte die Geißen bet den Hör­nern lassen und durch den nassen Schnee zerren, der ihnen bis an den Rücken reichte, denn sie kamen nicht mehr mit. Unb als er endlich, end­lich! das Heidedorf erreicht hatte, wo waren da die gesegneten Felder, die Blüten unb Blumen, die ganze vorzeitige Sommerpracht? Alles zu- gedeckt. Alles hingerafst. Der Reisighaufen da, der die nackten Arme wehklagend gegen Himmel streckte, war das wirklich derselbe Hol>e''basch, der heute früh iroch unter tausend hvnigschweren Dolden die Hütte des Küsterpaares fast verdeckt hielt? Als ob ein Wahnwitziger, die Art m Oer Hand, das Land durchstürmt unb in rafenber Zer- störangslust das Wert 'des Frühlings kurz unb klein geschlagen hätte, so sah es im Dors aus 1

Die , gemeinsame Rot hatte die Dörfler ms Schulhaus ßUfammengetrieben. Dort lagen sie, stumpf vor Angst, auf den Knien mit Singen und Beten. Sie glaubten sich dem Untergang der Welt nahe. Keiner, die Waldsackersleate aus­genommen, brachte so viel Besinnung auf, lieber za Hause zu bleiben und die anteilige Schnee­last von den Bäumen zu schütteln. Keine Handvoll Schneid hatten sie dem Unglück entgrgenzuseheni Das war ihre Art.

Der Weberhannes trat auf den Wegen lein lebendes Wesen. Friedhofstill woc's. Wie er­starrt lag das Dorf im Licht her Dämmerung. Es tarn ihm darüber das Gruseln an. Als er wdoch, den Waldsackerhof zur Rechten lassend, umbog bot' sich ihnr ein seltsamer Anblick. Hinter ber Pfarrburg türmte sich ein SchneeVitbel hoch in die Lutt Und in dem Wirbel war cm lebendes

Etwas zu erblicken, das ein ungewöhnliches Spiel trieb. Es drehte sich wie em Kreisel, duckte sich nieder, schnellte wieder empor, tanzte mb kreischte in toilber List, daß es dem entsetzten Hannes die Haare z i Berge trieb. Wie gebannt hing sein Blick an der Erscheinung. Und als sich die wirbelnden Flocken zerteilten, erkannte er des Pfarrmädels rötlichen Schopf, der wild and zerzaust über sein Gesicht hing. Iauchzend streckte es die Arme empor, wie um die Schireelast des Himmels, toller noch als er selbst tat, über seinen Scheitel zusammenzutaff en.

Der Weberhannes ließ bie Geißen tm ^tich und brachte sich m Sicherheit. Ins Dorf zurüa unb dem Schulhaus zu! Das Schneetreiben hatte inzwischen nachgelassen, gemächlicher fielen bie Flocken, sie hatten das ihrige getan!

Im Schulhaus ließen im gleichen Maße die Litanien nach. Man kehrte sich wieder der Erde zu. die noch feftftanb. In ohnmächtiger Wut sahen sie durch die Fenster auf die Verheerung. Der Groll schwoll ihnen und suchte nach Mit­teln, sich auszugeben. Daß man den Herrgott nicht zur Rechenschaft ziehen konnte! Irgendwie aber mußte man sich Lust machen, sie waren brauj und dran, unter sich Händel anzu sangen. Da sahen sie den Weberhannes, daherkommen.

Mar'nd Ioseph!" schrie sein Eheweib. Hannes, wie siehst du aus!"

Er war totenblich. Die Angst war mittler­weile bei ihm i i Wut umgeschlagen, er machte ein Gesicht, daß keinem Gutes schwante. Sie hatten nicht nötig, erst lange zu fragen. Der Hannes packte allein auS!

i _Alleweil weiß ich's," fing er mit bebender Stimme an,wer das ist, der uns das Pech siedet im Dorf I Wer das anstellt, daß lern Segen nit ist, was wir auch tun!"

Mit offenen Mäulern starrten sie ihn an, wußten nicht recht, wo das hinaus wollte. Aber sie ahnten, es gab einen Tanz!

Der Hannes ballte die Fäuste mit einem furchtbaren Schwur:Der Sach wird alleweil ein End' gemacht!" schrie er,so wahr ich Hannes heiß: Das Maul dürft ihr mir verhauen, wenn's nit wahr ist! . . . Der will ich's weisen, wo der Barthel den Most holt!"

Die Aufregung raubt ihm die Stimme. Die Bauern sahen ihn verdutzt an.Ich glaub beim Hannes rappelt's!" meinte einer.

,Raus mit der Sprach!" rempelte ihn em Pingeduldiger an,nach Rätselraten juckt's uns nit!"

Rätsel!?" fuhr die Schlupfline herum. Sie stemmte die Arme in die Seite und maß den Burschen mit verächtlichem Blick. /Rätsel!" fuhr sie los.Pankraz, dir sitzt die Rase für Gotfs Lohn im Gesicht! Wer braucht einem da noch ein Licht aufzustecken? Raus, Hannes! Hab' ich recht oder nit: den Pfairbalg hast du ge­meint!"

Ein paar junge Burschen, die der Schlupf­line Steckenpferd kannten, lachten aus vollem Halse. Giftig wandte sie sich ihnen zu:Wenn einer noch nit trocken is hinterm Ohr" wollte sie beginnen. Aber der Weberhannes überschrie sie noch.

Wer da lacht, der kriegt's mit mir zu tum Ein ehrlicher Mann bin ich und was ich sag', daS gilt! Das sag' ich euch! Aber so wahr, als ich vor euch steh', der Balg hat mir's beut früh im Schlaf verraten, daß er ein Elb äst."

Was du nit sagst!" kreischte die Weberin erblassend.

Verzqbl, Hannes, verzähl!"

Der holte tief Atem und erzählte:Mit die Geißen hab' ich heut früh ins Städtle gewollt und

wie ich an die Haselbüsch' komm', da hör ich euch ein Gemach', wie ich's meiner Tag noch nit erlebt hab'! plmdrehen und nachsehen ist eins! Aber wie ich auch den Kopf in den Busch steck, ich seh' halt nix und reiß doch die Augen auf als wie ein Scheunentor. Ich schrei: wer bat und was meint ihr, daß ich m mein Ohr hinein vernehm?"

Einem um den andern sah er in das ge­spannte Gesicht.

Die Clbenkönigin!" .

Iawohl, die Eibenkönigin.' Bei meiner Seel! UnÖ tote ich recht hinseh, was hängt da in die Stauden drin, zusamm'geknüllt, als wie eine Missiel?"

Der Pfrarrbalg!" schmetterte die Schlupflin» in die atemlose Stille.

Die Kinder weinten laut auf vor Angst.

Leibhaftig und wirklich!" bekräftigte der Ham-es.Im Schlaf hat er sich betraten! ilnb gar nicht, als ob er gruslig und fürchtig hätf hergesehn! Beileib nit!" Als tot> ein Engel so schön. Plnd' Haar, so goldig, daß man hätt sagen mögen, die Sonne is ein Hutzel dagegen!"

Ei du! Ei du!" mischte sich da die Kolath ein.Ietzt stimmt's! Weil das ein Schwarz- clb is! Die zeigen sich so besonderlich schön, damit leinet kein Arg nit haben soll! Aber her­nach, da hafs geschellt! Damit verblenden sie die ßc-ut, daß sie ihnen besser beikvmmen tonnen! Das ist ein Schwärzest; gewest!"

Die Iungset Kolath mußte es wissen!

Ein rauflustiger Barsch fuhr den Hannes art! Wär' ich der Hannes, ich hätt dem Ding gleich den T.^i.ius gemacht! Aber so ein Weber, der hat halt lein Bihele Schneid nit!"

I Fortsetzung folgt.)