Mmoenmg t*rtxuu>elt werden, die er in Eharle- rot verübt Haden soll. Der Angellagte befindet sich in Untersuchungshaft.
Aus dem besetzten Gebiet.
Tartaria auf der Kropsburg.
DaS „Heidelberger Tageblatt" lätzt sich von seinem Psälzer Korrespondenten schreiben:
Unter dem Stabe des französischen BezirkS- gewaltigen von Landau, des Majors Prudhomme. herrschte wieder einmal grobe Aufregung. Eine gewaltige Invasion germanischer Heerscharen aus dem Badener ßani>, hauptsächlich aus Karlsruhe, war angesagt. Aach seinen Informationen sollte dieser badische Heerbann die pfälzische Kropsburg mit stürmender Hand besetzen. Zwar wollte man ihm ein reden, es handle sich nur um harmlose Sr Valdfreunde, die in Erwiderung der ,ch-älemannischen Woche am Sonntag, 22. Oktober 1922, einige Stunden reiner Aaturfreude gemeinsam mit ihren Pfälzer Landsleuten auf der schonen Kropsburg genieben wollten. Aber Tar» tarin-Prudhomme ist xu erfahren, zu klug und zu — ängstlich, am nicht zu wissen, datz dahinter nicht der teutonische Plan eines eventuellen Ueber-- falls auf Frankreichs Besatzungsarmee stecken könnte.
Deshalb traf er also umfassende Vorbereitungen. Auf den Bahnstationen Maikammer, Wes- Heim und Edenkoben wurden grobe Kommandos bereitgestellt, bestehend aus französischen Kriminalbeamten, Agenten und Spitzeln. Leider mutzte auch die deutsche Gendarmerie ein Kontingent dem französischen Oberkommando unterstellen. Als dann die harmlosen Dergwanderer nach ihrer Ankunft ahnungslos zur luftigen Vergeshühe hin» euffliegen, wurden fie beim Aufstieg von diesen Ueberwachungskommandos förmlich eskortiert. Droben verteilten sich Kriminalisten, Agenten und Spitzel unter die Teilnehmer, unld wo drei 'Scutfdjg zusammenslanden, konnte man versichrr! sein, datz der vierte Mann nicht fehlte. Die französischen Beamten hatten strenge Anweisung, darüber wachen, datz keine votttifche Rede gehalten, kein vaterländisches Lied gefangen, kein verbotenes Anzeichen getragen touüte.
Es muh alä ein grohes Glück betrachtet lverden, datz die Festteilnehmer sich durch dieses Heer von „Agents provocateurs" nicht heraus- fordem liehen. Das Fest nahm einen harmonisch- schörren Verlauf und Tartarin-Prudhomme hatte toieter einmal umsonst im Bewußtsein seiner groben Verantwortung qualvolle Stunden verbracht, wenn nicht am Schluß der Gang der Ereignisse ihm doch recht gegeben hätte. Zwei Karlsruher Gymnasiasten — sie hatten leider ein Glas Pfälzer Wein zu viel erwischt — stimmten plötzlich beim Abstieg das verpönte Lied rn: „Deutschland, Deutschland über alles". Sie hatten aber noch nicht die erste Strophe zur Hälfte gesungen, als fie die Strafe für ihre Freveltat erreichte. Vier französische Kriminalisten stürzten sich auf die ilcbeltäter, rnd trotz der Tränen der zu Tode erschrockenen Mutter wurden sie aus der Reihe der Festteil- aehmer fvrtgeschleppt ins Gefängnis, allwo sie :iner strengen Bestrafung entgegensehen. Immerhin dürfen wir hosten, oah sie wenigstens nicht lebenslänglich eingesperrt toerten, denn Tartarin im Rhein ist bekanntlich nicht nur allwissend, sondern auch — „gerecht".
Dieser selbe Herr Major Prudhomme hat be° krmnllich auch die Veranlassung gegeben, dah das Fest der pfälzischen Preste in Landau abgesagt lverden muhte. Gr hat nämlich an den Fest» russchuh die Forderung gestellt, dah ihm, Herrn Prudhomme, für dieses Fest eine besondere Loge zur Verfügung gestellt werden mühte, die mindestens so grvh sei wie die Ministerloge. Rur unter dieser Bedingung tbrnie er die Genehmigung zum Fest erteilen. Da der Festausschuh sich voraussichtlich wegen des Herrn Prudhomme nicht m unnötige Unkosten stürzen kann, dürste somit daS Pfälzer Pressefest „ad calendas graecas" verschoben werden.
Aus Stabt und Land.
Dietzen, den 2. Rovember 1922.
Unserer Anzeigenkundschaft zur gefl. Beachtung.
Infolge der schwierigen Verhältnisse im ZettungSgewerbe muß der Annahmeschluß für Anzeigen pünktlich eingehalten werden. Die Entgegennahme von Anzeigen findet bis zum Abend vor dem Aufnahmelag statt; Anzeigen für die Eamstagsnummer müssen spätestens bis Freitag mittag aufgegeben sein.
Geschäftszeit
von 8—121/» Uhr und von 2—SV2 Uhr.
Verlag des Gießener Anzeigers.
Der Druckpapierpreis für November.
DaS810fachedesFriedenspreises!
Aach vielstündigen Verhandlungen über den Druckpapiecpreis für Nove m- ber erklärte der Vertreter des AeichSwirt- schaftSministeriums einen Preis von 1 87 Mark abzüglich einer auf etwa 25 Mark j e Kilogramm zu bemessenden Rückrechnung der Holzstoff- und Zellstoffverbände als angemessen. Somit müssen die deutschen Zeitungen mit der Tatsache rechnen, datz die Doppelladung Papier vom 1. Aovembeiab 1 620 000 Mark kostet. Das bedeutet nahezu eine Verdoppeln ngdeöursprüng- lichen Oktoberpreises und übersteigt den in der zweiten Oktoberhälfte bereits auherordentlich erhöhten Preis um über 600 000 Mark. Die Zeitungsverleger erklärten, sie könnten die Verantwortung für diese Preisbemessung nicht übernehmen, ohne datz dadurch allerdings das Endergebnis der Verhandlungen wesenllich verändert sein dürste. Somit hat der Druckpapierpreis das 810- fachedeSFriedenspreises erreicht.
Die Tenerungszahlen in Hessen.
Die Teuer: imgszah len sind berechnet auf Grund der Preise vom 20. September 1922, für den Vormonat (in Klammern beigefügt) vom 23. August 1922. Erstmalig sind bei den Städten Darmstadt, Gießen und Worms die Ausgaben für die Bekleidung mitberücksichtigt: Mainz 11 269 (7707); Darmstadt 11 161 (7340), einschl. Bekleidung 15 785 (9248); Offenbach 11 556 (7369); Worms 11 030 (7440), einschl. Bekleidung 16 313 (9603); Giehen 11161 (7197), einfchl. Bekleidung 15 170 (9343); Reu-Isenburg 11 449 (7246); Friedberg 10 843 (7629); Lampertheim 11 105 (7084); Bad-Nauheim 11 711 (8445); Viernheim 10 767 (8075). Durchschnitt der 10 grössten Gemeinden : 11205 (7580). Bensheim 11 055 (7048): Bingen 11 168 (6945); Alzey 10 402 (7034): Rüsselsheim 11 187 (7471); Hepvenheim 10 769 (6575); Dicburg 11 729 (7402); Groß-Gerau 11551 (8240); Alsfeld 10 498 (7905); Butzbach 11 461 (7405); Lauterbach 10 792 (8373); Oppenheim 11107 (7847); Büdingen 10 341 (6211): Erbach 11076 (7941); Schotten 10 278 (7778). Durchschnitt der 24 Gemeinden: ausschl. Bekleidung 11 061 (7510), einschl. Bekleidung 15 700 (9751). — Die "Sette- rungszahl einschl. Bekleidung ist vom Juli auf August um 46 Prozent, vom August auf September um 61 Prozent gestiegen.
Das Notgeld.
Das Reichssinanzministerium verösfentticht im „Reichsanzeiger" eine Uebersicht über die erteilten Gen^bm gingen zur Ausgabe vonRotgeld. Danach ist bis jetzt in 3 4 8 Fällen die Herausgabe von llrotgeld bewilligt worden. Provinzen, Kreise, DLzirksverbände, Städte und zahlreicl>e industrielle plnternehmungen sind di? ausgebenden Stellen, die dem Reichsftnanzministerium Sicherheitsleistung in Höhe des vollen Betrages des ausgegebenen Rotgeldes geben mutzten. Für Hessen wurde die Rotgeldausgabe der Provinz Oberhessen und den Städten Darmstadt. Mainz und Worms gestattet. Für die Rachbarbezirke ist eS genehmigt worden den Kreisen Dillenburg and Biedenkopf, den Städten Kassel, Frankfurt a. M., "Fulda, Höchst a. M.. und Biebrich den Firmen Henschel & Sohn in Kassel, Höchster Farbwerke in Höchst a. M., Chemische Fabrik Griesheim Ele'trrn Sitz Frank'ust a. Mund der Rassauischen Landesbank in Wiesbaden. Heber die Summen, die genehmigt wurden, enthält die Aufstellung keine Angaben.
Abfindung der Kriegerwitwen bei Wiederverherratung.
Das Recht auf den Bezug des Witwengeldes nach dem Militärhinterbliebenengesetz und der Witwenrente nach dem mit Wirkung vom 1. April 1920 in Kraft getretenen Reichsversorgimgsgeseh erlischt mit dem Ablauf des Monctts, in dem die Witwe sich wieder verheiratet. Während jedoch das Militärhinterbliebenengeseh der Witwe keinen Rechtsanspruch auf Zahlung einer Abfindung an Stelle des Witwengeldes gab. der Witwe vielmehr unter bestimmten Voraussetzungen aus Bil- ligfcitSgrünten lediglich eine Zuwendung gewährt werden konnte, ist durch das Reichster so ogungs- geseh ein Rechtsanspruch der versorgungsberechtigten Witwe auf Abfindung im Falle der Wiederverheiratung in Höhe des dreifachen Zahres- betrages der von ihr zuletzt bezogenen Rente allgemein anerkannt worden. Da dieser Rechtsspruch erst neu geschaffen worden ist, so mutz die Wiederverheiratung, an die das Gesetz das Abfindungsrecht knüpft, nach dem Inkrafttreten des Gesetzes erfolgt fein. Eine weitere rückwirkende Kraft legt sich das Gesetz nicht bet Die Witwe mutz auherdem grundsätzlich zur Zeit ihrer Wiederverheiratung einen Rechtsanspruch auf
Die Herweghs.
Eine rechtsrheinische Geschichte von Liesbet Dill.
29. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.)
Aber Lutz unterschrieb keine Blankos. „Soll ich einen Ttajor aus Pistolen fordern oder post- lagernde Briefe unter Lebensgefahr für dich abholen, oder bedroht sonst einer deine Tugend! Ich stehe zu deiner Verfügung, vorausgesetzt, datz es nichts kostet."
Rein, das war es alles nicht, Gretes Wunsch war harmloser. Doch durfte Ernst und „niemand auf der Welt" je etwas davon erfahren. „Schwör mir das, Lutz/
Gr schwur es ihr.
Also, Grete wollte einmal wieder eine Larve tragen und sich austanzen.
„Gelt, du nimmst mich am Samstag mit ins Kurhaus auf den Maskenball," schmeichelte sie, und ergriff feine schmale, gepflegte Hand, die ein zierlicher Wappen ring schmückte. Lutz äußerte Be- oenlen. „Solche Redouten haben es an sich ... wenn das Emst erfährt ... oder Me Schmidt —"
Sie schmeichelte und bat
„Ich hab' ein Paaenkostüm, das niemand fernti, und du gehst in Zivil, nicht wahr?"
„3a, natürlich, nicht im Paradeanzug."
„Sei nett, Lutz, und sag ja."
Sein Tugendpanzer schmolz, langsam.
„In Gottesnamen," sagte er, „aber was machen wir mit unserem Ernst?"
„Der fährt am Samstagabend nach Eppenhausen und kommt erst Sonntags zurück."
Es patzte also ausgezeichnet.
„Aber Mund halten, Verehrteste, sonst bringt er mich um.“
Als Ernst sich am nächsten Samstagabend verabschiedete, fa/ib er seine Frau in ihrem Schlafzimmer am Toilettentisch sitzen. Sie hatte ihr Haar aufgelöst. Rebenan richtete die 3ungfer eben daS Bad. Sie wollte sich das Haar waschen, sagte Grete, und dann zu Bett gehen. Er zögerte. Er konnte sich immer noch nicht überwinden, zu ihr zu sein wie sonst, und doch tat es ihm leid, daß es so war.
„Geh mir, Ernst, ich fühle mich gar nicht einsam."
„Doch" sagte er, während er ihre Hand feft- hielt. „Ich sehe ein, datz ich mich mehr um dich kümmern mutz, aber ich habe augenblicklich zu viel im Kopf. Ich arbeite ja für uns beide und du wirst einmal die Früchte dieser Arbeit ernten.“
„3a, natürlich," sagte Grete und blickte heimlich nach der ilfjr, „versäume nur nicht den Zug."
„Du bist wohl noch böse wegen —
„Ach -Unfinn“ sagte Grete. .Ich hatte nur was mit der Köchin. Gegen dich hab' ich gar nichts." Sie legte ihre Ringe in die Schublade.
Rebenan lief das Wasser in die Badewanne. „Ich bin froh, dah ich einmal daheimbleiben darf, es ist so gemütlich hier, und ich beneide dich nicht um die Sitzung in Eppenhausen. Aber du wirst noch den Zug versäumen." Da ging er endlich.
Gott sei Dank, dachte Grete, erhob sich und berriogelte die Schlafzimmertür, um dann mit fliegenden Händen ihre Kleider abzuwerfen. Statt ins Bad gi steigen, schlüpfte sie in den knappen Paaenanzug aus f Uber grauer Seide Die 3ungfer frisierte sie, brachte Domino und Pelz und zog
Witwenrente nach dem AeichSversorgungsgesetz gehabt haben, sei es, datz sie die Rente nach Mah- gabe dieses Gesetzes tatsächlich bezog, sei es, datz ihre nach dem Militärhinterbliebenengeseh sestg.sehte Versorgung nach dem für fie günstige- ren Aclchsv.rsocgungsgesetz mit Wirkung vom 1. April 1920 ab noch umanzuerkennen war.
** Aasstell kng von Lebensmittel- Abmeldescheinen bei Reisen. Der Reichsministcr für Ernährung und Landwirtschaft hat an die behördlichen Stellen folgendes Schreiben gerichtet. Da seit der Aufhebung der Reichs- leifeLrotnK-’.fen sich dec Preisunterschied zwischen Marlenbrot und markenfreiem Brot in sehr beträchtlichem Ma"e vergrößert hat, find zahlreiche Klagen über die dadurch hervorgerufene Verteuerung der Lebenshaltung auf Reifen, besonders seitens weniger bemittelter Personen, die aus beruflichen ober gesundheitlichen Gründen _ zu einem vorübergehenden Verlassen deS gewöhnlichen Aufenthllltsorr.es gezwungen werden, laut geworben. Um diesen Klagen, soweit sie berechtigt sind abzuhelfen, wird in Abänderung der bisher geltenden Bestimmungen die Ausstellung von Lebensmittel-Abmeldescheinen bei Reisen von längerer DaueralsvierWochenzugelassen. Ich bitte daher die Konnnnnalver bände mit entsprechenden Weisungen za versehen. Bemerken will ich noch, datz.der Ernährungsaasschutz des Deutschen Städtetages, mit dem ich mich zuvor ins Benehmen gesetzt habe, trotz der den Gemeinden erwachsenden Mehrbelastung mit Derwaltangs-- arbeiten diese neue Regelung einstimmig befürwortet hat.
** D ie Einfuhr von Auslandszucke r ist vom 16. Rovember ab nur noch auf Grund behördlicher Einfuhrbewilligung zulässig. Für Auslandszucker, der vor dem 1. Rovember gekauft ist, werden den einführenden Firmen auf Antrag Einfuhrbewilligungen noch erteilt werden, wenn sie den Zucker der zuckerverarbeitenden Industrie zur Verfügung stellen. Für Auslandszucker, der nach diesem Zeitpunkt gekauft ist, wild lediglich den Spitzenverbänden der zuckerverarbeitendell Industrie Einfuhrbewilligung erteilt werden. Die Sperre der Einfuhr von Auslandszucker konnte vorgenommen werden, da damit gerechnet werden £amt, dah der Mundbedarf der Bevölkerung aus der inländischen Tritte hinlänglich befriedigt werden kann. Andererseits erwies sich die Sperre als notwendig, um zu ver- h intern, dah die älnzuträglichketten, die sich im abgelaufenen Wirtschaftsjahr durch das Vorhandensein von teurem Auslandszucker und billigerem Inlnndszucker gezeigt haben, - in Zukunft sich wiederholen. Die erste Verteilung von Zucker neuer Ernte ist durch die Zucker- wirtschaftsstelle nunmehr rar genommen worden. Der Zucker, dessen älnterverteilung den einzelnen Ländern obliegt, wird im Laufe d«8 Monats Ro- vember zur Ausgabe gelangen.
** Der Kleinverkauföpreis für Vollmilch ist mit Wirkung von gestern ab auf 71 Mark je Liter festgesetzt worden.
" Der Wochenmarkt auf dem Oswald sgarten findet vom Samstag, 4. Ro- vember, ab wieder auf dem Brandplah statt.
** Rachtbestellung vonTelegram - men. Vom 1. Rovember bis 31. März werden tou in den Vorjahren Telegramme und Eilbriefe in der Zeit von 9 cklhr abends bis 7 Ähr vormittags nicht mehr bestellt. Zugestellt werden in den betreffenden Stunden n ir solche Telegramme, die den Vermerk „Nachts" tragen oder aas deren Inhalt zu er* sehen ist, datz er dringlich ist. .
** Oeffen tliche Bücherhalke. 3m Oktober wurden 1469 Bände ausgeliehen. Davon kommen auf: Erzählende Literatur 940, Zeitschriften 102, Iugendschriften 98, Literaturgeschichte 4, Gedichte und Dramen 27, Länder- und Völkerkunde 54, Kulturgeschichte 48, Geschichte und Biographien 49, Kunstgeschichte 7, Naturwissenschaft und Technologie 63, Heer- und Seewesen 1, Haus- und Landwirtschaft 3, Gesundheitslehre 12, Religion und Philosophie 27, Staatswissenschaft 15, Sprachwissenschaft 5, Fremdsprachliches 14 Bände. Nach auswärts kamen 24 Bande.
"Preuhlsch-Süddeu tscheKlassen- lotterte. Der anhaltenden Geldentwertung entsprechend, faß' sich die General-Lotteriedirektion veranlasst, den Plan zur 21. (247.) Klassenlotteris nochmals zu ändern. Der Preis der Lose beträgt in der ersten Klasse für ein Achtel 75 Mk. und in der zweiten bis vierten (Schlutz-) Klasse je 100 Mk., ztlsammen für die vier Klassen Umfallente Lotterie 375 Mk.. so datz ein ganzes L)s dementsprechend, nunmehr 3000 Mk. kostet. Die Hauptgewinne sind schon in der ersten bis dritten Klaffe entsprechend nochmals erhöht, besonders aber hat die vierte (Schluß-) Klaffe Hauptgewinne und Prämien von
ihr die Pelzstiefel über die seidenen Schuhe. Grete warf ihrem Spiegelbild noch einen befriedigten Blick zu. Der breite Atlaskragen lieh nur ein Stück des Hälschens frei. Gerade genug, um einen Kuh auf den Racken zu drücken, dachte Lutz, der unten im Wagen an der Ecke gewartet hatte.
„Du machst aber lange,“ sagte er und half ihr beim Ginsteigen.
„Ich konnte nichts dafür, Ernst war daran schuld," sagte sie atemlos. Dann schloß er den Wagenschlag und die Pferde zogen an. Gretes 3ungfer, eine Mainzerin, machte sich nun auch zur Redoute zurecht. Ein Schreiber hatte sie dazu eingeladen.
Sie ging als Zigarettenkönigin und hatte sich das Kostüm an vielen Abenden mit Zigaretten und Spielkarten benäht, die dicke Köchin fand es „zum Kreischen".
Sie waren überzeugt, dah die junge Frau zu einem Rendezvous gefahren sei, und zerbrachen sich nur den Kopf, wer in dem verschlossenen Wagen gesessen habe, der an der Ecke dem Haus gegenüber gewartet hatte.
In der Garderobe erklärte Lutz, dah er Grete als Tänzerin einführen werde. „Also benimm dich danach," fügte er hinzu.
„O Gott, Lutz!" Sie sah lachend zu ihm auf. Er sah bildschön aus in feinem Frack, fo elegant und vergnügt. „Mitgegangxn, mitgehangen — 3et$t ift's zu spät zur Reue, verehrte Qt>Io, so heiht du nämlich vergih das nicht."
Dann nahm sie der Maskentrubel auf.
©rete tarnte sich einmal fatt an diesem Abend.
Lutz brachte ihr seine Freunde an, ein paar flotte Frankfurter Husaren in Zivils einen blonden Grafen von der Regierung, den sie oft genug
fünf Millionen Acark aufzuweisen, dazu kommt eine reichliche Ausstattung mittlerer Gewinne von 250 000 dis 60 000 Mart. Grösster Gewinn im günstigsten Falle auf eim ganzes Los 12V? Millionen Mark. -
** Elsah-Lothringifche Woche. Mit dem Zwecke, den Zusammenhang der elsässischen und lothringischen mit der allgemeinen deutschen Kultur darzutun und in der Hoffnung, einen namhaften Reinerlös an bedürftige Elsah-Loth- ringer Giehens, deren es insgesamt über 300 gibt, zu erzielen, veranstaltet, wie schon hier und im Anzeigenteil berichtet, die Ortsgruppe Giehen und das Wissenschaftliche Institut des Hilfsbundes für die Elsah-Lothringer im Reich in der Zeit vom 5. bis 11. d. M. eine Eisah-Loth- ringische Woche. Das überaus reichhalttge, auf besonderer Höhe stehende Programm ist bei den im heutigen Anzeigenteil bekannt gemachten Stellen erhältlich; ebenba findet der Kartenverkauf statt. Die Mitglieder einer größeren Anzahl hiesiger Vereine, die in der Ferberschen Buchhandlung zu erfahren sind, erhalten bedeutend ermäßigte Preise. Die Veranstaltung verspricht einen kulturellen Genuh eigenster Art.
** Verein Hundesport Giehen. Die immer mehr in den Vordergrund tretende wirtschaftliche Bedeutung der 3agd bedingt eine weidgerechte Hege unseres Nutzwildes. Reben energischem Schutz des Wildes vor zweibeinigen Frevlern muh der 3äger fern Hauptaugenmerk auf die einheimischen vierbeinigen Räuber, wie Fuchs, Marder, wildernde Katze und unter Umftänbcn den Dachs richten. Auch hier soll ein weidgerechtes Besagen stattfinden, wozu ein starker Erdhund unerläßlich ist. Das am 29. Oktober vom Verein! Hundefport Giehen veranstaltete Preisschliefen auf Fuchs zeigte, was planmäßige Zucht und Führung vermögen, den roten Räubern mit gutem Hund auch in seinen unterirdischen Schlupfwinkeln beizukommen. Etwa 25 Erdhunde — Dachshunde und Foxterrier — waren zu dem Wettbewerb gemeldet. Das Richteramt lag in den Händen des Bürgermeisters a. D. S i 11 i g - Königstein, welcher folgenden Entscheid traf: Offenes Schliefen für Dachshunde: 1. und Ehrenpreis Schlupp vom Bieberberg des Herrn O. Brück- mann, Birklar. Iugendfchliefen für Dachshunde: 1. Pr. demselben. Os jenes Schliefen für Foxterrier:!, und Ehrenpreis Vici v. Sollen des Herrn M. Hartmann, Giehen. 2. Preis Vidi v. Sollten, Des. Dr. Erb, Giehen. 3. Preis Fee v. Kinzigtal, Bef. R. Mull- Hanau. 4. Preis Lotte Gründau, Des. O. Wenzel- Giehen. Iugendfchliefen für Foxterrier: 1. Preis Vici v. Sollten, Des. M. Hartmann. 2. Preis 'Dergkatze v. KiTtzigtal, Des. R. Hüge, Hanau. 3. Preis Deduin v. Kinzigtal, Des. O. Kreis, Hanau. Reulingsfch liefen für Foxterrier: 1. und Ehrenpreis Lotte Grün- baai, Bef. O. Wenzel, Giehen. 2. Preis Erda Hubertus, Bef. M. Hartmann, Giehen. 3. Preis Deduin v. Kinzigtal, Des. O. Kreis, Hanau.
WeLtervoeaussagc
für Freitag:
Wechselnd bewölkt mit Schauern, zettweise böiger West- und Rordwestwind, kühler.
Der Tiefdruckwirbel im Rorden hat sich sehr verstärkt. Wir haben mit zeitweise stürmischem Westwetter zu rechnen.
Bornotizen.
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Amg des Ortsnetz« küge, die Äeuansö ringen nicht _ mciji leinderot in leine m Brschlag des El sieden gutgeheihen, iinten und die bed 1 Mm 'M au s l Ten Lichtobn LnwMung der Lich! tyten, insofern sie il men durch andere e t dieselben m QWx tü uns seither die gle Äaa der Leitung Ä> in aller Kürze <
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Handwerckerversammlung.
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— Tageska lender für Donnerstag: Poftkeller (Wagengasse), 21/» Ahr nachm
unter den Kavalieren der Gräfin Tesstz gesehen hatte und von dem sie jeden Augenblick mit Herzklopfen erwartete, dah er auch sie erkennen tourte. Aber es fiel dem Grafen gar nicht ein, zu denken, dah die kleine Lolo eine einfache Rechtsanwalts' frait aus ter Kochbrunnenstratze fein könnte. Diese Kreise berührte die seinen kaum. Diese Kavaliere, welche Grete zum Tanz holten, ihr Eis brachten und Sell, ihr den Fächer zerbrachen, sie mit Konfetti beftreuten und mit Serpentinschlangen nach ihr warfen, machten sich keine Gedanken über Lutz' neue Flamme. Der blasierte junge Erler verlieh ihretwegen seinen weihen Domino, um eine Valse Boston mit Grete zu tanzen, und nach her brachte er seine Auserwahlte sogar an ihren Tisch. Cs war „die Dessel", die Grete noch vor' kurzem als Kaiserin Theodora in den Maifest- spielen bewundert hatte, die Dame mit den wunderbaren Toiletten. 3eyt wutzte Grete, wer diese Pelze und Diamanten bezahlte ... ürcb auf ihrer anderen Seite sah ein leibhaftiger Erbprinz ... Gr hatte lange in feinem Domino gelangweilt unter den Säulen der Estrade gestanden, bis ihn Lutz entdeckt hatte. Aus dem Runddiwan unter
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Heutiger Stand des Dollars
10 Ähr vormittags:
Berlin 4750, Frankfurt a. M. 4700.
Kreis!
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HjähritzeTLfi WgenGewerb« hbllar erfreut sich »r größte» Dertfcl
TtarkenSurg , ' Mainz, 1. Michnmislesd * Argermeisters "".Kartoffeln
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MdeltererDaW Ü ^selben Deme^de;
Etschastlichtzch!
war, trotz seines steifen Lackes, ein echter Rhein länder, ter gar nicht seiner Schwester Elsbeth glich die ihres Hochmutes wegen bekannt war. nie -inen Fuh in das KurhmÄ setzte, und die man nur im Viererzug oder von ferne rn ihrer Loge sah.
(Fortsetzung folgt)
8 Llhr: Eröffnungsvorstellung des Zirkus Bar- num und Dailey. — Eaf4 Leib, 8l/j ^lhr: Lichtbildervortrag der Liga zum Schuhe ter deutschen Kultur. — Astoria--Lichtspiele, ab heute: „Seepiraten", 1. Teil: „Die Braut des Seeräubers". — Lichtspielhaus Bahnhofsttahe, ab heute: „Der Graf von Monte Ehristv", 4. Tett: „Die Rache". - Palast-Lichtspiele, ab heute: „Das Geheimnis von Schloh Hollowah“ und „Vorübung zur Ehe".
— Der Zentra (verband der Angestellten (Zugendgruppe) feiert am Samstag, abends 8 41hr, im Philosophenwald sein Stiftungsfest. Der Festüberschuh findet für den Ausbau ter Zugendgruppe Verwendung. Ein gemütliches Zusammensein bei Sauer, Os- toaltegarten, am Sonntagabend beschlieht die Feier. (Siehe Inserat.)
— Aus dem Stadttheaterbureaa. In ter Vorstellung „D e r Biberpelz“ am Freitag, 3. Rov., werden die beiten Hauptrollen der Frau Wolff und des von Wehrhahn von Rose Rubner und Oskar Feige, gegeben. Weiter sind mit größeren Aufgaben betraut die Herren: Telekh. Volck, Hell-- bo rn, Sjebtng, Jacob. Dechstein, Mebner t und die Damen Türk, Schubert-
ter Palme ging es. fidel zu. . uho Qu
Der Prinz war äuherlich ganz „Genre Lutz'', ; ‘^.7^ flebi grvh, schwank, von jener blonden nordischen Rasse, die sie nun einmal liebte, und ter junge Erker * r*v'"
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