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Nr. 52 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzerger für Dberheffen)

Donnerstag, 2. März 1922

Die Lage der Industrie in den Vereinigten Staaten.

3141 Francis H. Sillen, Vizepräsident der Neuyork Guaranty Trust Company

(§. P. S.) Die grundlegenden Verände­rungen, die während des letzten Jahres in den Vereinigten Staaten vor sich gegangen !ind und die die Geschäftslage auf eine weit gesündere Vasis als im Vorjahre gestellt haben, geben Anlaß, mehr als hoffnungs­voll in die Zukunft zu schauen. Viele schwach- gestellte Unternehmungen sind am Wege liegen geblieben, wie das die große Zahl der Äonkurse im letzten Jahre zeigt. Die Grvß- Oandelspreise sind sich in ihrem Durchschnitt während der letzten sechs Monate fast gleich geblieben, wenn auch in einzelnen Fällen stärkere Schwankungen erfolgt sind. Die ZinS- und Diskontsätze sind stark reduziert worden und erleichtern so die Gewährung von Dar­lehen für produktive Zwecke. 3n verschiedenen Industriezweigen ist die Liquidation durch­geführt worden, während andererwärtS die Produktion schon seit längerer Zeit starke Ein­schränkung erfahren hat mit der Folge, daß vielfach die Vorräte durchaus nicht mehr als reichlich bezeichnet werden können. Außerdem scheint die Nachfrage seitens der schließlichen Verbraucher nicht noch weiter nachzulassen, ivenn auch das Publikum mit weit mehr Be­dacht lauft als früher wohl.

Angesichts der gegenwärtigen niedrigen ZinS- und Diskontosatze, der weitgehend ge­klärten Kreditverhältnisse, der dem neuen Preisniveau besser angepaßten Prvduktions- kostet. und der niedrigeren Transportkosten, angesichts ferner der relativ stabilen Waren­preise und der weitergehenden Nachfrage des Publikums nach Konsumartikeln darf die Hal­tung der Geschäftsleute mit Recht eine zu­versichtliche sein. Eine allgemeine, wenn auch gemäßigte Besserung der Geschäftslage dürste stir das Jahr 1922 bezeichnend sein, wofür ein anhaltender Rückgang der Zinssätze und ein Steigen der Anlagewerte wie auch eine gewisse Stabilisierung der Warenpreise die beste Garantie abgeben dürften. Die Schwan­kungen der Zins- und Diskontosätze, der Llktienkurse und der Warenpreise während und seit der Kriegszeit, vor allem aber in den letzten zwei Zähren sind außergewöhnlich pro- nonziert gewesen und haben die Natur und die Bedeutsamkeit dieser Erscheinungen auch in weiteren Kreisen richtiger einschätzen gelehrt.

Die unmittelbare Beziehung zwischen Zinssätzen und Notierung der Anlagewerte ist allgemein bekannt. Die Beziehung zwischen diesen beiden und den Warenpreisen ist als ebenso fundamental bekannt, vielleicht aber nicht so leicht feststellbar. Ein Steigen der Warenpreise, das gemeinhin eine Ausdehnung des Geschäftes mit sich bringt, eröffnet der Geschäftswelt Möglichkeiten für vermehrte Ge­winne. sofern, wie das gewöhnlich der Fall ist, die Steigerung der Herstellungs- und Ver- triebskvsten zurückbleibt hinter der Preissteige­rung. die den Konsumenten trifft. Die größere Möglichkeit des Vorteils liegt deshalb beim Produzenten und das Gewahrwerden dieser Gewinnchance ruft eine Nachfrage nach Geld hervor, tooburd) das Geld teurer wird und die Zinssätze steigen.

Wie gebe ich meine Steuer­erklärung ab?

2.

Welche Abzüge sind zulässig?

Von der Summe orr fünf Posten, aus denen sich das Einkommen des Steuerpflichtigen zu- lammensehrn kann, ist es zulässig, eine Reihe von Beträgen abzusetzen, nämlich:

a) Schuldzinsen, b) dauernde auf Verträgen beruhende Lasten oder zu zahlende Reiten, c) Beiträge zu den Kranken-, Unfall-, Inva­liden- ufm. Kassen, d) Beitrage zu Sterbekassen, c) Versicherungsprämien für Der iche nngen auf den TodeS- oder Lebenssaft bis zum Höchstaetrage

von 1CKX) Mk. (t oben), f) Beiträge zu öffentlich-1 rechtlichen Berufsveremigungen usw.. g) Bert a e an inländische Vereinigrngen, h) Auiweidungei für Neu desHaftung.m von Kleinwohnun ei nid) § 59 des Einkommensteuergesetzes, i) Rückla, en für Mehrkosten der Eisahbcichaf.ung von Ee^en- sländen des landwirtschaftlichen oder des ge­werblichen Anlag. kaptt als nach § 59a des Ei i- kommensteuecgesehes (besonders Verordnung vom 25. Zuli 1921).

Zu g) ist besonders zu beachten: Für das! Zahr 1921 sind nicht mehr abzugisähig Beiträge an politische Vereinigungen, dage en sin) ab­setzbar Beiträge an inländische Vere nigungen, die ausschließlich wissenschaftliche, künstlerische, rtrrh'i-^e. mildtätige oder oeme nnähi^e Zwecke '«srlg -n. s,w it de Ee'am betra j diese D i- trä^e .0 v H. fce3 Einkommens des Steuerpflich­tige,n nicht übersteigt.

Die i i Frage kommenden und zum Ab-ug eingestellten Werbungstosten (§ 13 Zifser 1 des CintommensteuergeleyeZ) Hai der Steuerpflich­tige genau und sorgfältig zi'f.'rnmähiz anzu- sügen. Einzefau führung ist auch bei den ein­zelnen Schuldposten, die der Steuerpflichtige ver­zinsen muß, erforderlich.

Für den Steuerpflichtigen ist es wichtig, zu wissen, daß er aus dem Vordru k b^r Erklär" n; durch Ausfüllung der en sprechenden S allen 2In- träge wegen Ermäßigung infolge ungünsti er wirtschaftlicher Verhältnisse (f. Artikel I) und nach § 44 de? Einkommensteuergesetzes «Anrech­nung der Ziapilalertragssteuer) vgl. ebenfalls Artikel 1 - stellen kann

Wo der Raum des Formulars nicht auS- reicht. empfiehlt sich die Beifügung besonderer Anlagen durch dm Steuerpflichtigen. Das gilt z. B für den Fall, daß er im Verlaus des Zahres durch eigene Krankheit oder Crkran'u'g seiner Angehörigen, durch Unfälle. Verschuldung usw in seiner wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt wurde. Hier empfie' 11 es sich dringend, irgendwelche Belege und Nach­weise beizubringen, die dem Finanzamt die er­forderlichen Un:erlag?n für Nachprüfung an die Hand geben, bei Krankheiten z. B die Bei­fügung von Rechnungen und Quittungen, von ärztlichen Liquidationen, Bescheinigungen von Kvankenhäuseim usw

Die Steuererklärung ist nach bestem Willen und Gewissen abzugeben und an der für die Unterzeichnung vorgesehenen Stelle zu un'er- schreiben. Hoben Steuererklärungen keine Unter­schrift. so gelten sie nicht als abgegeben.

Aus Stabt und Land.

Gießen, den 2 März 1922.

Erhöhung der Gebühren für Pakete. Telegramme und Fern- gesprächeimAuSlandsverkehr. Die neuerdings wieder eingetretene Verschlech­terung deS deutschen MarkkurseS veranlaßte die Postverwaltung, im Auslandsverkehr vom 1. März an die Gewicht- und Versicherungs­gebühren für Pakete sowie die Telegramm­gebühren nach dem Verhältnis von 1 Gold­frank = 44 Mk. statt des seit dem 15. De­zember v. Z. geltenden UmrechnnngSverhält- nisseS von 1 Gold frank = 36 Mk. zu er­heben. Dieses Umrechnungsverhältnis ist auch für die Wertangabe auf Briefen und Pa­keten nad) dem Ausland maßgebend. Für Ferngespräche nach dem Ausland werden ebenfalls entsprechend erhöhte Gebühren er­hoben werden.

** Mit Frau Zohanna HaaS, die in der Nacht zum Sonntag starb und am Dienstag zur letzten Ruhe gebracht wurde, ist eine eifrige Mitarbeiterin an den verschie­densten WvhlfahrtSbestrebungen unserer Stadt dahingegangen. Während des Krieges war die Verstorbene im Alice-Zweigverein des Roten Kreuzes unermüdlich tätig. Späterhin führte sie täglich bei der Austeilung des Essens an die Schullinder aus der Quäkerspeisung die Aufsicht.

** Maul- und Klauenseuche herrschte nach einer amtlichen Zusammenstel­lung am 15. Februar in den oberhessi­schen Kreisen A l s f e l d in 1 Gemeinde, 1 Ge­höft; Büdingen In 1 Gemeinde, 1 Gehöft; Friedberg in 3Gemeinden. 3 Gehöften;

Schotten in 3 Gemeinden. 3 Gehöften. Die Kreise Gießen und Lauterbach waren seuchenfrei^

Landkreis Gießen.

L Ettingshausen. 1. März. Dam 10. März ab soll öer seist einigen Wochen aus­gefallene Abendzug von Lich wieder ver­kehren. Dir Wiederein.egung des Zu'es erfolgt in der ^Hoffnung, baß er durch zahlreiche Be­nutzung seine Rentabilität erreicht, worauf die an der Strecke liegenden Gemeinden aufmerksam gc-, macht seien. Hoffentlich bleibt bann ter Zug auch dauernd im Verkehr. Rentib.er wäe sicher gewesen, wenn der Zug in den toilteiungS- , ungünstigen Monaten schon geiahren tixne. wahrend jetzt bei der vorlch eilenden Jahreszeit I sicher mancher die hohen (Bajnpveife scheut und i auf Schusters Rappen heimwandert.

Hrcis Lauterbach.

Lauterbach, 1. Marz. Eine nach­ahmenswerte Lösung fand hier die Frage, der Brennhvlzbeschaffung. und i zwar dank des Entgegenkommens der Ried- cselfchen Fvrstverwaltung. Sie hat in diesem. Jahre an 350 von der Bürgermeisterei ge­meldete Minderbemittelte 1400 Raummeter, an 545 jahrhvlzberechtigte Häuser 2780 Raum­meter. an 105 Beamte 728 und an 26 eigne Beamte und Angestellte 328 Raummeter, ins­gesamt also 5235 Raummeter Brennholz ab­gegeben. Von den 1100 selbständigen Haus­haltungen haben 1026 Holz zu ermäßigten Preisen erhalten, so daß nur 74 Familien nicht beliefert worden sind. Nach säst 30jähriger Wirksamkeit in unserer Stadt fta r b Oberamtsrichter Ferdinand Frey.

Kreis Schotten.

b. Schotten. 1 Marz Die GeseliIchaft der Musikfreunde Sch t ens g b am ver gangenen Sonntag m der Turn halte ein weiteres Konzert. Das hierfür gewonnene, au3 den ersten Solisten des Landeslh^aterorchesters bestehende Dcummciuartett brachste in künstlerisch volle idctster Weise und in einem glänzenden Zusammmlpttn das groß« (.-Dur-Quartett von Mozart und das Haydnsche Rciterquartelt zum Vortrag. Das am dächstig lauschende zahlreiche Publikum, das weit­her auS dem Kreis zu dem seltenen Kunstgenuß ierbeigeeill war, feierte dankbar die Künstler Dazwischen fang Frau Kammersängerin B i - schoss- Darmstadt. feinsinnig von Fraa Drumm (Klavier). Eello und Violine b'g'ellet. mehrere der prächtigen schottischen Lieder von Beethoven. Tas Bestreben der Gesellschaft, gute, tlafTlfdje Musil der hiesigen Bev l erung zu ver­mitteln und den Sinn für musikalisches Ver­ständnis zu erwecken, sand dankbare Anerken­nung. - Am diesjäh igen Prämilerungs- markt sindet wieder, wie tn dm Dorkriegs- jahren, eine Prämiie ung von Vieh unb eine Verlosung stall. Entsprechend dem Vorgehen Zahlreicher anderer Landstädte ist auch hier dir Einführung ci'er Wohnangssteuer geplant, eine der vielen Sondersteu-wn und u zulä. glichen Einnahmequellen, nach denen die Gemeinden tn ihren großen Finanznöten zu greifen gezwungen sind.

Starkenburg und Rheinhessen.

fpd. Mainz. 1. März. Zwei neue Dvppelschraubendampfer sind auf ihrer Probefahrt begriffen. Die stattlichen Schlepper sind Eigentum des Duisburg-Ruhr­orter Schleppvereins und Schwestcrschiffe des bereits vor einiger Zeit in Dienst gestellten großen SchraubenschleppersSiegfried". Die beiden neuen Schlepper führen die Namen Brünhilde" undEhrtemailte. Durch diese beiden Schleppdampfer erfährt die Rheinflvtte wiederum eine ansehnliche Bereicherung.

Schlichtungsausschuß der Provinz Oberhessen.

Sitzung vom 28. Februar 1922.

Die ® e n t> f f e n f d>a f t für Häute- und Feltverwertung Zweigstelle Gießen, ver­einbarte mit ihrer Arbeiterschaft die Entlohnung nach dem De' i kslohnabkommen der chern. 3n- dustrie mit Wirkung vom 15. Januar 1922 (9,45 Mart Sinn'enlohn der B trieb arbeiter). A ch der Einsp uch eines Arbiters g *gen Kündigung tourte durch Vereinbarung einer Abfindung er­ledigt.

Die Pforte der Paradieses.

Roman von Ingeborg Vollquartz.

BkreLtiote Uebrrftfcuno au# b m TSnischm.

(Nachdruck verboten.)

Erstes Kapitel.

3nger Tang trat au5 dem dämmrigen Tor­weg des Theaters te au3. und ihre Argen blin­zelten in dem Hellen Lich.e, als sie nun wieder auf der Strafe stand. Sie atmete tief aut. Drinnen im Theater war die Lu t einzesch'ossen und das Licht sehr gedämpft gewr'en, und sie empfand es angenehm, wieder unter dem reinen, klaren Sep- temberhimmel zu stehen.

Run war es also geschehenI Der gro^e Ent- stch.suß war aurge ührt, sie hatte vor dem Ditek.vr des Stadlthealers eine Probe abgelegt, und er hatte sie aus der Stelle für sein Theater ver- pflichtet. Sonderbar, daß sie sich über die'e schnelle Erfüllung ihr-er Wün che nicht glücklicher füllte: Aber sie war immerhin dadurch zur inneren R lhe gekommen, zu der Ruhe, die einen überkommt, wenn rran nach langem Schwanken endlich e nen Entschluß gefaßt hat und ibn aaszuführen be­ginnt.

Inger lies durch die Straßen, obre daraus za achten, wer ihr begegnete, nur erfüll von dem Gedanken, daß sie die Brücken hinter sich ab­gebrochen habe, und daß es nun gelte, in dem neuen Lande, das vor ihr lag, festen Fuß za fassen.

So ging ihr Schulmädchentraum. Schau- spielerin zu werden, doch noch in ErMurg!

Sie mußte lächeln, wenn sie daran dach e. tute sie sich als fünfze.niähriges Di'g ci es schönen Tages auf demselben Theater, den sie nun an­geboren sollte, eingestellt u ib Probe abgelegt hatte als »König Renss Tochter" u.ib als ,Frou- Frou".

Lu liebe Zeit, was war sie damals keck und

vertrauensselig gewesen! Kleine Aufgaben tät e sie sich wahrlich nicht gestellt. Bille dec Herr Direktor brauchte mir zi wählen, cL8 was er sie sehen wollte, als .No a" in(Sin Puvpenheim", alsRagnhild" inS en Dyrings Haus', als .Cordelia" inKönig Lear", als die ungetreue Frau in öerrbesEine Kette"'

Er hatte die zwei erstgenannten Rollen ge­wählt. and sie hatte losgelegt.

Der Direktor batte gemeint, es fetnicht ganz ohne", hatte ihr aber zugleich erklärt, sie sei noch viel zu jung. 1

3d? bin dvch schon konfirmiert!" hatte ste eifrig entgegnet.

.Gen i!, liebes Fräulein," hatte er väterlich eingestimmt.Aber zu den Rollen, wozu Sic augenscheinlich die meiste Lust haben, fehlt Ihnen trotzdem noch die nr erliche Ersahru g."

3a, darin bitte der Mann unzwei.clhaft recht gehabt. Sie war erst fünfzehn Zahre alt aiö noch> ein Schulmädchen gelte en. Run, soviel Ver­stand hatte ste immerhin gehabt, das einzusehen.

älnd warn darf ich wiederkommen?" hatte sie sehr ent'ch ölen gefragt.

3n zwei, drei Jahren, wenn Ih-en bis dorthin die Thcatersehnsucht noch nicht vergan­gen ist."

Seither waren vier 3ibre verstrichen. Sie war jetzt neunzehn und ein halb, und der Direktor hatte sie gleich wle^e erka-nt. Rach ?er Probe hatte er sie sofort auf drei Zähre verpflich ei, und am nächsten Vormittag sollle der Vertrag unter­zeichnet werden.

Inger mutzte an die Einwendung be-fcn, tie ihr der Direktor das letzte Mal gemacht hat e. War dieser Ma-gel bei ihr 'etzt gehoben? Hatte sie jetzt .innerliche Erfahrung ?

S.e schüttette fach e lex Kops.

Rech, sie hatte keinerlei Sr'ahru-g, ascr brr Direktor war dennoch ga z hellsetzend. Er hatte ihr natürlich sofort angemerkt, daß sie.jetzt wußte, was Liebe ist.

Es war ein Glück für Inger, daß ste in­zwischen die Qangelinte weit hf.au grtt mmen toir, so daß sie stehen bleiben und ins Wafser hm- unterschcmen konnte, denn schon beim Grdanken an das Wort .Liebe" war ihr, als wolle ihr das Herz zerspringen, und ihre 21ugen füllten sich mit Tränen. I

3a, nun wußte sie, was Liebe ist das heißt, einen Menschen so lieb zu Haden, daß es nichts gab es war ja schrecklich, das nur zu denken, daß es gar nichts gab, was sie nicht für ihn getan hätte.

Urtb als sie dort aus der Halbdunkeln Buhne gestanden hatte, da hatte sie b.u licb empfunden, wie sie alles am sich her ve gan, wie die Worte der Rolle zu den ihrigen wurden, so daß ihre eigene gecull'.e, sehnsüchtige Seele tn den t> r- zweifelten, glühenden Liebel wo .nen. die der Dich­ter seiner Heldin tn den Adf dlegt, Luft machte.

ilnö nun sollte sie allo Schau'pielerin werden.

Ein völlig neues Leien sollte für sie begin­nen alles Alle sollte vergessen sein, dir Hoff­nung an die sie sich noch vor wenigen Tagen gcHemmert hatte. _mutzte sie ersticken, er mußte für sie sein, als wäre er tot.

Inger setzte sich auf eine Dank, die etwas abseits tn einer Ecke band. Wenn sie an den Abic :ied5brief dachte, den er ihr geschrieben Y/?A e. tourte sic so matt und mutlos, daß sie kaum mehr einen Futz weiter au setzen vennoch'.e. Unö während sie verrinnen über das b'au ch mmerr.de a5arfer hinsta rtr, wiedertzotte sie sich gewiß zum hundertstenmal sei'e Ab'ch ed-worte:

Liebe?, teures Fräu'ein Inger!

Nehmen Sie mit tie'en B umen mein letztes Lebewohl, meinen le'Jen Dank für alles, tocs Sie mir gewe'en stnd. entgegen. Sonst wollen Dir zwei keinen Ab'chied vo ei a-dw nehmen; ich konnte es nicht ertragen. Se noch einmal za setzen liel>e Inger. Längst hätte ich Ihr Syxis meiden sollen. Können Sie mir verzechen, daß ich es nicht lassen konnte, zu Ihnen zu kommen?

Dem Eirsp uch dreier Postd:ls:r des Post­amts Gießen g g.n 5Cunb gung in.o'ge des VerlehrSräckgangeS tonnte i.i tzt ft^ttgecc en toer- den. da die Wei.erb.V a t'gung n ' mit ArbettS- n re jung m glich g w sen to r\ liefe ab r ladt L<r Verordnung von» 28. Zunaa 1922 -bei Re ch.postverw^ltu g nicht jug.mutei werden kann".

Auch dem Einspruch c nes Werkmeisters bei Hessisch en Mclallwcrkc G. m. d H. In Friedberg gegen Kün.igu. g tnfolg? 211 fgab? des Herst ellu ^gs-n-eigeS, in te.n er täl.a war. konnte richt flatlgcg ben werden. Sein Antrag auf höhere Enllohrung wurde au) den Rechts­weg verwiesen, w.il b.id-e Teile Vkitglied der Tarifverlvagepartcien sind.

Turnen, Sport und Spiel.

Eochet Tennis-Weltmeister. Mit dem Endspiel im Herren-Ein elf p ei haben de Lawnienniskämp e um die söge amten West- meisterschaf le, i auf gebe dien Ptäy rn. an de ei sich mit geringen Ausnahmen nur zweite Gar­nitur beteiligte, in S l. Moritz ihren Ab» lchluß gefunden. Eochet, ein erst 19.übriger. Franzose, riß den Ti'.el in fünf Eitzen gc;cn feinen Landsmann Borolra an sich Letzterer hatte die beiden ersten S itze 6:4, 6:2 gewonnen, batte sich dabei aber so sehr üerau gi?t daß er sich in den nächsten drei Sätzen fast widerstandslos 6 3, 6 3. 6:0 vor Eochet beugen mußte.

- Internationales Schwimm fest in Spandau. Das Internationale Sch . immfcst der 6panbauer Was erfrenn )e am 11 und 12 März hat beim Meldeschluß ganz bervor- ragend abgefchnitlen. Insgesamt werden sich 51 Vereine, u a. aus Magdeburg, Berlin. Hant- bürg, Leipzig, Halberstadt beteiligen Diese haben 320 Meldungen abgegeben. Von bekannten Mei­stern starten Heinrich-Leipzig. Mundt-Halterstadt, Luber-Berlin. Trolle-Hambnrg. B her-Spandau, Görges-Magdeburg. der österreichische Meisten Bahls-Dresden usw. Die Veranstaltung verfpricht somit ganz hervorragend zu werden.

Vermischtes.

'Der Hund als Lebensretter. 3m Lokal des Schankwirts Paul Krause in der LaubenkolonieWeiher Stern" in Neu­kölln versuchten am Sonntag zwei Männer einen Raubüberfall auf den Wirt. Eine Pistole, die der llcberfalkmc den Tätern ent- gegenhielt, wurde ihm entwunden. 3n diesem Augenblick sprang der große Hund des Krause einen der Männer an, und eS gelang K.. das Freie zu gewinnen. Als er mit einem Poften der Schutzpolizei in fein Lokal zurückkehrte, fanden beide einen der Männer, den Arbei» ter Artur Schulich aus Rosenthal, in be­wußtlosem Zustande und völlig blutüber­strömt auf. Allem Anschein nach hatte ihn der wachsame Hund so übel zugerichtet.

Lloyd George und die Kabaret­tisten des Montmartre. Nachdem sich Lloyd George jetzt wieder so herzlich mit Poin- carc verständigt hat, wird wohl auch der heftige Kampf aufhören, der in den letzten Monaten gegen ihn in den Kabaretts des Pariser Mont­martre geführt wurde. Der englische Premier­minister war nämlich die Hauptzielscheibe deS Spotts und Hohns geworden, den die Komiker der Varietes und Kabaretts über der französi­schen Volksmeinung mißliebige Persönlichkettcm ausspien. Man machte ihn lächerlich als einen -Clown im schottischen Röckchen" und stellte ihn sogar neben den noch immer verhaßten früheren deutschen Kaiser Der Beifall, den die gefallenen Couplets auf Lloyd George fanden, feuerte dir Satire immer mehr an. so daß schließlich die Pariser Polizei sich ins Mittel legte. Der Polizei- präsekl entsandte ein ganzes Heer von Aussichts- bea ml en nach dem Montmartre, um zunächst ein­mal .den Tatbestand" f.fLu eilen. Das Er­scheinen der Geheimdetektivs, die sich eifrige No­tizen machten, brachte die Chansonniers und ihre Anhänger erst recht in Harnisch. Sie improvi­sierten in ihren Subern neue Strophen, in denen sie sich mit den im Saal befindlichen Spitzeln beschäftigten. Sv trug z. D. einer dieser Komiker unter allgemeinem Beifall einige Verse vor. in denen er dem Präfekten den guten Rat gab, lieber etwas mehr auf die Einbrecher auszu­passen, die in den Nächten reiche Ernte hielten, in denen ein solches Aufgebot der Polizisten

Sie stnd noch so ju^g eine strahlende Zukunft müßte vor Ihnen liegen und wic) es siche.cl ch auch: ich wünsche es 3 nen von ganzem Hrrzen. Ich habe Ihnen doch kei.e g o e Enttt a chung gebracht, liebe Inger, nicht wahr', Ich muß mir doch nicht auch noch diese Last auflaben? Viel­leicht hab? ich für kurze Zeit einen leichten Schatten auf Ihren sonnigen Lcderspsad g tvor- fen: aber wenn das der Fall ist, liebes Kind, ! müssen Sie mir vergeben, damit ich mir selbst nicht fluche, darum, daß ich ihn überhaupt ge­kreuzt habe.

Werden Sie glücklich und vergessen Sie mich, liebe Inger, bas ist mein letzter Wunsch und meine letzte Bitte."

ilm seine letzte Bitte die, ihn n^glichst rasch zu ve gellen erfüllen zu können, hatte sie sich entsch'.oslen, noch einmal vor ben Theater direktor cf-e Probe abju ejen, um Schauspielerin ju werden. S e wollte so.t v?n al e n, was sie an ihn erinnerte, in ganz neue Verhältnisse hinein, wo ihre Zeit und ihre Gedanken von etwas an- Derm in Anspruch genommen waren, aI3 von ihm.

3a, so tief and innig war ihre Liebe, daß sie den Gedanken nicht ert ug, er^.nt? Gewis'ens» bisse haben, da mm, daß er nicht ferngcblkben war. obgleich er gesehen hatte, wie es mit ihr stand.

Hab jetzt toar eS also geschehen. Aber was nun?

Wie sollte sie die Stunden, bte Tage, die 3ahre hi'b inge^, -'bne ihn zu sehen?

bind was sollte aus i'.m toer en?

Wenn sie nur an seine Au ei dachte, diese ehrlichen E-Iauzn Augen mit Zv.n ernsthaften, schwermütigen, ;a o t terzwei'esten Ausdruck, tim eine solche ilnrube über sie, daß sie kaum fttu- zusib.en vermochte. , r

2!ch wie sehnte ste stch danach, diesen Bstck heiter und vertrauensvoll zr sehen! Welche Freude wäre es ihr, diesen kummervollen Mund z im Lächeln zu banger * (Fortsetzung folgt)