Einzelbild herunterladen

Nr. $27 Zweiter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesfen)Donnerstag, $. Juni $922

Mein Vetter Mus.

Roman von Richard Skowronnek.

(Rachdruck verboten.)

ES roor wieder einmal Herbst geworden. Durch Die Luft zog der südliche Modergeruch fallender Blätter, über den kahlen Feldern spann der Altweibersommer seine weiblichen Fäden. Unt> ich kam wieder des Weges gezogen, den ich vor Jahren so oft gegangen. Vorüber an dürftig begrünten Hügeln, auf denen grotze Findlings­steine mit halbverdorrten Wacholdersträuchen ab­wechselten. durch flaches Heideland, spärlich mU verkrüppelten Kiefern bestanden, an dem Ufer schilfumrahmter Seen entlang, bis endlich hinter einer Biegung des Weges das niedrige, weit- gestreckte Dach des Gutsbofes aufta achte, um das sich die verwitterten Wirtschaftsgebäude dräng­ten. wie die jungen Rebhühner um den schützen­den Flügel Der Mutter.

Alles war wie sonst. Hm die Pfütze am Brunnen lagerte das Volk der Hühner und Enten, und aus seiner Hütte am Pferdestall kam belfernd und mit der Kette rasselnd der Hofhund gefahren. Rur die Bärme in dem ver­wilderten Hausgarten waren ein paar Futz in die Höhe geschossen, und auf der breiten Freitreppe da fehlte jemand, der sonst mich dort zu erwarten pflegte . . .

Auf dem kleinen Friedhöfe, eine Strecke weit hinter dem Galten, wuchs dichtes Gestrüpp, und die wenigen Grabhügel waren eingesunken. Ich mußte eine Weile suchen, bis ich aif einem von ihnen, unter üppig wucherndem Rachlschatlen halb versteckt, ein vermorschtes schwarzes Holzkreuz

fand. SS war am Faße abgebrochen, doch die Inschrift mit ihren gelben Oelsarbenb rchstabrn unter dem grünen Blättergewirr noch deutlich erkennbar: Hier ruhet in Gott der weiland Dr. juns und Gutsbesitzer Josua Daumlehnrr, * am 12. Ianuari 1846, f am 8. Octobris 1885...

Ich setzte mich auf den Rand des Grabhügels und sann vergangenen Feiten nach, da der Starke, der jetzt s«hs Fuß tief in der Erde lag, hier in selbstgcwähller Einsamkeit und Freiheit hauste wie ein kleiner König. Ich sah seine Recken- gestatt über die Felder schrctten, der Wind zauste an seinem mächtigen Barte, und ich hörte seine Stimme, wie sie ernst und milde zu den Ar­beitern sprach. All die Tage und Wochen stiegen mir auf, die wir hier draußen verlebt hatten, durch das dreifache Band derVerwandtschaft, Zu- gehvrigkeit zu demselben Korps und Frr ind- schafl verbunden. Und eine große Traurigkeit überkam mich, wenn ich daran dachte, datz von all dem nichts Wetter übrig geblieben war, als eine Handvoll Erde, ein verwittertes Kreuz und das bißchen Erinnerung . . .

Es begann zu dunkeln and die hohen Tannen an der Friedhofsmauer bewegten leise rauschend ihre Zweige im Abendwinde: es war Zeit zum Abschiednehmen, wenn ich vor Rächt noch za Haise sein wollte. Ich beugte mich hinab za dem Hügel und griff mit der Rechten tief durch das dichte Geflecht von Moos und Graswurzeln, bis ich die kühle Muttererde spürte, in der er ruhte: Schlaf wohl, mein alter Josua!

Als ich die Rachricht von feinem Tode erhielt, war ich fern von der Heimat und konnte dem Ge­rüchte nicht auf den Grund gehen, das da be-

31. Mai.

30. Mai.

Datum

2312,90

2307,10

4993 .5

13

Markuotierungen.

23.80

I

. . Fr. 125.40

Lei

Schweizer Franken

100 Fr.

Spork-

100 Kr.

100 Kr.

100

100

100

100

100

100

100

100

Kr. 117.80

Sh. 97.80

Fr. Fl. Kr. Kr. Kr.

L. Fr. SXx. r

Fl. Mk. Kr. Kr.

Bad.Anllin-u. Soda Höchster Farbwerke. Allg. Elektr.-Ges. . selten & Guilleaume Schuckert-Werke. . . Adlerwerke Daimler 4° 0 Hess. Staatsanl. Electron Griesheim Dtfche. Vereinsbank

202.70 L905 0.04

10X5 47.675 29.26 27.375 44.10

0.64 522.-

1.88 0,13

Datum: Zürich . . . Amsterdam Kopenhagen Stockholm . Wien.... Prag.... London. . . Reuyork . . Paris. . . .

81.6.

L90 0,93 1,70 1,42 4070,-

Brüstel-Antw. . Ehristiania . . . Kopenhagen .. Stockholm. . . . HelstngforL. . . Italien London Reuyork .... Paris Schweiz Spanien Deutsch-Oesterr. Prag Budapest.... Buenos AireS . Bulgarien . . . Japan Rio de Janeiro

Kurs

31. 5.

77,50 106,- 130,-

85,- 378,- 283,50 300,- 292.- 550,- 418,- 310,- 253,- 293,- 924,56 783,75 867,- 900,-

1778,- 725,- 548,-

1039,- 695,- 605,- 615.- 715,-

565, 465,- 381,-

77.50 670.-

Kurs 30. 6.

77,50 100.50 128,-

89 - 365,- 284,- 295,- 292,- 540,- 416,- 306,- 253.- 290,-

700'- 860 - 885'-

203.10 L91 0.04

10.07 47.70 23.37 27.32 4*20

CM34

522.76 LS6 0,14

Gesetzentwurf über die Erhöhung der, Berwal- tungSkostenbetträge bei Tttgungsdarlehen wer­den in zweiter und dritter Lesung genehmigt. Das Reichsknappschaftsgesetz wttd ohne Aus­sprache dem Sozialpolitischen Ausschust über­wiesen.

Bon fcen Unabl)ängigen ist inzwischen eine Interpellation eingegangen, ureläe Auskunft über die ^ar f . R Par. tion-, v rhan lu ge.i verargt. Dem Aeltestenrat ist weiter ein Antrag der Hn- abhängigen zugegangen, die Reparationsfrage zu besprechen, toenn der Reichska:rzler zu weiteren Mitteilungen berett ist. Dieser Antrag wird unter großer Heiterkeit gegen die Parteien der Rechten angenommen.

Dor der Abstimmung über

daS deutsch-nationale Mißtrauensvotum erklärt der Abg. Eris Pi en (USP.), daß seine Partei den Antrag ablehne, weil er nur dem Agitalionsbeditt-fnis der Rechten entspringe.

Abg Hergt (Dtschnail.) verliest eine län­gere Erklärung, in der ausgeführt wird, datz infolge der heute veröffenilich en Reparation» noie der deutschnationale Mi^urauensantrag eine

780,- 865,- 904,-

1770,- 715,-

5 0- 1045,-

680,- 614,- 620,- 710,-

656,-

<95, 390,-

8J,50 685,- 203.-

6122,50 719:,-

578/5

14,3,16 123s, 5

276,65 2524,30 526 .46 4344,05

2,43

533,30

33,55

100,25

204,70

13 i, - 3782,50

Berliner Devisenmarkt.

Geld Brief Geld Brief

1.22 -,36 3,93

Datum:

5°/,Dtsch.Kriegsanl. 4°/ Dtsch. Aeichsanl. 3'ßDtsch. Aeichsanl. 4e/0 Preuß. KonsolS Hamburg-Pakets.. . Rorddeutscher Lloyd Eomm.u.Privatbank Darmstadter Bank . Deutsche Bank . . Lisconto-Gesellschaft Dresdner Bank. . . Mitteld. Creditbank. Rationalbank f. D. . Doch. Gußstahlwerke Bud.-Eisenw.-Akt.. D.-Luxemb. Bergw..

483 .65

597-,50

7.01,20

561,25

142 ,20

1203, 5

271,16

2 >8<,35 5193,50 4279,60

2,35

525,30

33,75 cj< 202^20 129,75

8745,-

Wechsel auf Holland Deutschland .... Wien Prag Paris

London Italien.......

Brüssel Budapest Reuyork .

Agram Warschau

4846,05 5987, >0 7018.80

56z, 75 1431,86

120,,55

271,84 2491,65

52 6,50

4290,40

2,39

626,70

3303

88,25

202,60

13o,25 37o5,

Juni.

Tagesordnung: Reparatiorsint-rp.flatton.

Schluß 3 Uhr.

Kurs 3 .5

77,50

100 40 128,-

85, 359,50 279,- 294,- 292,' 550,- 415,- 310,- 252,- 298,- 935,- 740,- 851,- 900,-

1750,- 695,- 540,-

1005,- 671,- 575,- (03,50 7u0,- 555,

450,50 373, -

76,75 660,-

587,-

600,-

720,-

550,-

465,-

372,-

79,-

650,-

204.-

Kurs 31.5.

77,50 109,- 132,50

86,- 386.- 237,- 294,- 290,- 550,- 412,- 311, 251, 290,-

1.7.14.

125.40

59.20

88.80

88.80

117.80

Handel.

Berlin. 31. Mai. Börsen stim- mungsbild. Rachdem nunmehr die wahl­losen Derkäufe aufgehört haben, reizt der stark ermäßigte Kursstand der meisten Llltien- werte das Publikum bereits wieder zu Käu­fen; weniger allerdings in der Hoffnung auf Kursgewinn als zu Anlagezwecken. Auch die Spekulation nahm deswegen, sowie auf mäßige Befestigung der Devisenpreise, wei­tere Deckungen, verschiedentlich auch Rück­käufe, vor. Bei der festen, dadurch geschaffe­nen Grundstimmung ergaben sich infolgedessen Kursgewinne von durchschnittlich 20 bis 40 Prozent, vereinzelt von 50 bis 70 Prozent. DaS Geschäft nahm leinen größeren Umfang an. Die Kurse veränderten sich weiterhin nur unwesentlich. Die GeschäftSstille ließ dccher den Bvrsenbesuchern ausgiebig -Zett zur Erörte­rung der Deutschland auS der Rote an die ReparationSkommission erwachsenden Ver­pflichtungen. Auch in der Kursbildung der zu Einheitsnotizen gehandelten Industriewertc spiegelten sich die eingangs erwähnten Dar­legungen wieder. Cs kam hier zu mäßigen KurSerhöhungen. Am heimischen Rentenmarkt bestand lebhaftes Interesse für alte ReichS- anle'hen uni) Preußische KonsolS, weil von der in der Rote an die Reparationskommis­sion zugesagten Einstellung der Ausgabe von unverzinslichen Schayanweisungen vermehr­tes Interesse der deutschen.Kapitalistenwelt für diese bisher vernachlässigten Anleihegattun- gen erwartet wird. Ausländische Rentenwerte wurden bei ziemlich lebhaften Umsätzen erneut in die Höhe gesetzt; besonders Türkenlose und ungarische Werte.

Frankfurt a. M, 31 Mai. Börsen- stimmungsbild. Es hatte bet Beginn her Börse den Anschein, alS ob die gestern cingetre­ten? Erholung standhalten werde. Der Dollar bewegte sich allerdings etwas unsicher. Er wurde 276, 273, 277 genannt. Im freien Berkehr hat sich das Geschäft etwas belebt, allerdings ist zu berücksichtigen, daß die in den letzten Tagen ein-- getretenen Kursverluste beträchtlich waren. Es wurden solgende Kurse genannt: Benz 435 440, Deutsch? Petroleum 1925. Ufa 220, Inag 3 6, Gebr.Fahr 525, Becker-Stahl 410, Hansa Lloyd 225. Am kle der zu variablen KuZen ge­handelten Papiere lagen die Anfangsnotierungen ast durchweg etwas höher als bte gestrigen Kurse. Man bemetk'.e Dcckangskäuse in Montanaklie.i, n-J2- eine Cjehöhuiig der Kurie z-ar Folge hatte. Am Markte der ^dusttiepapiere war rine leichte Erholung zu verzeichnen. Ci-emische Attirn lagen durchweg fester. Auch Elett-i^ättPapiere hat en Kurserhöhungen zu verzeichnen. Am Euihetts- martt konnte nach den Rückgängen der letzten Tage sich heute erstmalig eine freundlichere Stimmung durchsetzen. Die Börse schloß bei erhöhten Kursen in fester Stimmung. Privatdiskont 4Vs Prozent.

Frankfurt a. HL, 1- Juni.

Börsenkurse.

Frankfurt Berlin Schluß- Schluß- Schluß- Schluh-

30.5.

1,91 0,35 1.72 1,47 4295,- 19,25 1,20

4.06

6137 70 72 V-

580,

1446,8o 1239,05

2/7,35 2530,30 528 >,60 4353,25

2,47

534,70

33,65 100,55 2.5.30 132,-

8792,26

Züricher Devisenmarkt.

31. 5.

2lbg. Becker (D. Bp.) erklärt, seine FrU« tion werde nach KemttnisnaH:ne von der deutschen Reparationsnote für be.i derttschra ionalen An­trag stimmen.

Aög .Hüllern (Komm.) stimmt für den deutschnationalen Antrag.

Abg. Leicht lBayer. Bp.) lehnt tiy.i ab.

Der deutschnalivnale Mihttauensanlrag anrb hieraus gegen die Stimmen der Deutschnaiionalen, der Deu.scheu Bollspartei und der Kommanistrn abgelehnt.

Darauf vertagt sich das Haus art Dienstag,

Gelsenkirch. Bergw..

Harpener Bergbau. 1745, Oberschl. Eifenb.-B. 680, Oberschles. ©ifeninö. 535, Phönir-Bergb.- Akt. 1010 - ~ 675,

Büchcrlisch.

Deutsches illustriertes

Derniischres.

* Das Schmuggelgut einer einzigen Rächt. Man schreibt uns: Die Schmuggler an derholländischenGrenze haben hohe Zett. In früher nie gekannten Umfange werden tagtäg­lich Waren aller Art in Mafsen über die Grenze zu schmuggeln versucht. Tag und Rächt sind unzählige Grenzoeamte Huben wie drüben an­gestrengt tätig, den Schmugglern auf die Finger zu sehen, und daß das Schmugglergewerbe nicht ohne Gefahr ist, zeigt die Tatsache, daß erst vor einigen Tagen an einem von jenen dunklen Ele­menten viel benutzten Grenzübergang ein Dauer nächtlicherwette beim Schmuggeln erschossen wurde. In derselben Rächt gelang es den Beamten an dieser UebergangsstÄle die folgende stattliche An­zahl von Gegenständen, die geschmuggett werden sollten, zu beschlagnahmen: 1 Brotschneidemaschine, 3 Damenhüte, 63 Paar Stiefel, 1 Posten künstliche Blumen. 1 Geldkassette, 2 Harmonikas, 4 Pakete Zimmermannsnägel, 1 Waschkessel, 1 Kaffeemühle und mehrere Dutzend Porzellanteller und Tassen. Diese Deutt^iste einer einzigen Rächt gibt gewiß einen anschaulichen Begriff von der beispiellosen Dreistigkeit, mit der die Schmuggler ihrem dunklen Handwerk ungeachtet der schärfsten Kontrolle ob-

Turnen, Sport und Spiel.

* ©eitle Glasgow gegen Preußen Berlin 1:1 (1: 1>. Bor zirka 20 000 Zuschauern sand am Dienstag abend im Deutschen Stadion ras T essen des icho tt d>?n Fnßballm.i'ters gegen Preußen Rorden-Rordwest lomd. statt, das einen ür die Berliner Vereine sehr erfreulichen Aus- gang nahm, denn der Kampf endete unentschieden 1: 1 Das Hauptverdienst an dem guten Abschnei­den der Berliner hal der Torwächter Menzel ,Preußen), der mehrere Glanzleistungen voll­brachte. Die Schotten gingen in der sechsten Minute in Führung und führt en ein überlegenes, schönes Spiel vor, reich an Finessen. Alle Anstrengungen schetterten aber an der Aufmerksamkeit des Ber­liner Torhüters. In der 37. Minute fiel der Aus­gleich. und zwar durch ein Selbsttor der Celtics. Der Celtic-Berieidiger schoß den Ball langsam dem eiginen Torwart zurück, dieser verfehlte und der Ball rollte langsam ins eigene Retz, dadurch Preußen den erhvssten Ausgleich bringend. Die Schotten legten wohl i)auptsächlich Werl darauf, ein vorbildliches Fußballspiel vorzuführen. Bei größerer Anstrengung hätten sie sicher gewinnen können.

Sübbeutfchlanbs Fuhballmann- fchaft für die Kampf spiele. Rachdem als erste Südostdeutschland und der Baltenverband ihre Fußballmannschaften für den Kampfspiel- Pokal gemeldet hatten, folgt nun auch der Süd­deutsche F u h b a l l - B c r b a n d, der folgende Elf namhaft macht: Tor: Stuhlfaut (l.F. C. Aürn- berg). Verteidiger Kugler (l.F. C. Rürnberg), Müller (Spielvereinigung Sürth): Läufer: Hagen iSpielvergg Fu thKalb (l.F.E. Rümbe-gl. Rie­gel ll.F.C. 'Öiürnbergi, Stürmer: Retter (Spor:si. Stuttgart), Franz, Seiderer (Spielvergg. Fürth), Träg, Sutor lbeide l.F.E. Rürnberg). Erfah: Lang (Spi^vergg. Fürth) und Schmidt (l.F. C. Rürn­berg). Da Kalb und Sulor in ihrem letzten Spiele erheblich verletzt wurden, so dürften an ihre Stelle sicher die Ersatzleute treten. Erwähnt sei noch, daß bereits über 1000 Eintrittskarten im Vorverkauf abgesetzt sind.

- Das Englische Derby wurde gestern auf der klassischen Stätte zu E p s o m in Anwesen­heit einer großen Zuschauermenge entheben. Wie uns ein eigener Drahlbericht meldet, sand sich für die mit 5000 Pfd. auSgestattete 24M-Meter-Prü­fung ein Feld von etwa 20 Pferden am Start ein. Sieger blieb Lord Woolcrvrngtons Captain E u t t l e (T. BurnS) vor Vicomte Astors Tamar (F. Dullock) und M. Barclay Walkers Craigan- dower (Deary).

I n dem Rett- und Fahrwett­bewerb am letzten Sonntag wurde, wie uns mil- geteilt wird, das Pferd des Herrn Ludwig Fil- finget von Llnter-Schmitten von dessen 70jähr. Vater Carl F i l s i n g e r zum Siege gertiten.

Amstd.-Rotterd. 10511.8010538^010711,55 10738,46 ------------- 2337,50 2 14-.95 4993,-5 5006.26

(In einem Seil der Auflage wiederholt.) DefriLbigung über die deutsche Antwort in Brüssel.

London, 31. Mai (WTB.) Reuter be­liebtet aus Brüssel, datz die Antwort der deutschen Regierung an die Reparations- kommission in Den dortigen alliierten Kreisen als befriedigend angesehen werde.

Die englisch-irischen Verhandlungen ans einem loten Punkt.

London, 31. Mai. (WTB.) Der polttisch» Berichterstatter desDaily Chronicle" schreibt, dah die Berbandlungen zwischen der britischen Regierung und den Sinn­sein e r n auf einem toten Punkt angdangi sind. Churchill werde in feiner Rede im Unter« Hause ein Bild der Sage geben und aif ihren Ernst Hinweisen. Die britische Regierung stütze sich aus den Vertrag, die Führer des ttischen Freistaates behaupteten, daß ter Ver­trag durch ihren Kvalttionspatt nicht verletzt wor­den fei

Lloyd George sott sich nn Unterhause über die Reparattonsfraae äußern.

London. 31. Mai (WTB.) Der polttischt Berichterstatter der .Westmiaster Ga'ette" meldet, Lloyd George habe gestern kx.sHirsen, datz er heute hn Unterhause keine Rede über die deutschen Reparationen hallen werde. Als die Führer der Arbeiter hör­ten. dah Lloyd George nicht sprechen würde, fachten sie den Premierminister gestern abend im Unterhaase aus. Sie wurden durch feine Der- ficherangen bezüglich der Haltung Frankreichs gegenüber der neuen Regelung nicht b s iedigt und teiüen Lloyd George mit, dah sie die Re­parationsfrage heute im Unter» Haase aufwerfen würden and erwarteten, dah der Premierminister auf ihre Kritik an!» toonen wurde.

Taschenbuch 1922/23 mit Rekordlisten und Fuhballlalender. Don Sportlehrer W. Dörr, Franckhs Sportverlag, Dieck u. Co., Stuttgart Weltrekorde und deutsche Rekorde sind Übersicht sich für die verschiedenen Sportarten und für die lebten Jahre geordnet, ausgezeichnete Dilder zei- qcn deutsche Meister von 1921 in ihrer Meister- lcistung, eigene Sporttagc und Sporlleistungea können in den auf bestes schreibsähiaes Papier gedruckten Kalender' eingetragen werden.

Deutscher Reichstag.

224. Sitzung, vvrmtttags 11 Uhr.

Berlin, den 31. Mai 1922.

Der Vertrag zwischen Deutschland uno Däne­mark zur Regelung der durch den Uevergang der Staats ho hcii in RordschleSwig auf Dänemark ent­standenen Sage kommt zur zweiten -Beratu :g.

Reichsia.izler Dr. Wirth: Dem Bestteden der Regierung, mit Dänemark zu einer günstigen Becfldnbigung zu kommen, stand ursprünglich der Gedanke eines dreiseitigen Dertrages entgegen. Dänemark selbst hat aber schließlich die direkte Verständigung vorgezogen. Der günstige Abschluß der De Handlungen ist nicht zuletzt iem sachlichen und weil sicht igen Sluftreten des dänischen Außen Ministers zuzusck-reiben. Der 2ieichskanzler dankt den Peis.nilichlelten. die die Dei-tragsberhand- lungen gjorberl haben. Er spricht die Hoffnung .ms, dah die zu Dänemark geschlagenen ehemali­gen deulschen Staatsvarger auch unter ihrer neuen -Regierung die deutsche Kultur pflegen können. Dr. Wttch empfiehlt schliehlich de.i Bertiag zur Aanahme. der geeignet sei, die nationalen Gegen- 'ätze zu überbrücken.

Abg. F r o hme lSoz.) stimmt in einer kurzen cflärung dem Vertrag zu

Abg. Thomsen lD.R.) erkennt die unter dem Dimck des Versailler Gewattvertrages wlll- kürlich gezogene Grenze nicht an. Die Zustimmung seiner Partei zu dem Vertrag ändere nichts an ?-em Protest gegen bas Deutschland zugefügte ' Inrecht.

2Lbg. Runkel (D. Dpt.) stimmt dem 33er- :rag zu, hält aber den Schutz der Minderheiten durch den Widerstand der dänischen Regierung für nicht genügend gesichert. Unser Protest gegen die unter Mißachtung des Selbstbestimmungs- rechtes der Völker gezogene Grenze bleibt bestehen

Abg. Dr. D r e i t s ch e i d (11.) bedauert eben- >allS. daß der Minderheitenschutz nicht ausreichend durchgcßühr-t ist, hofft aber, daß das freundschaft­liche Verhältnis zwischen Deutschland und Däne- utarf verhüten werde, daß dieser Mangel pcak- 'ische Folgen habe. Er stimmt dem Vertrag zu.

Abg Gothein (Dem.) schließt sich deni De- oauern über den Rkangel eines linderheiten- lchühes an, spricht aber gleichfalls sein Vertrauen ^ur dänischen Regierung aus, daß sie die deutschen Minderheiten nicht unterdrücken werde.

Der Vertrag wird hierauf in zweiter und dritter Lesung fast einstimmig angenommen.

Abg. Dr. Decker (D.Vpt.) beantragt, sofort oie Besprechung der deutschen Antwort an die Reparationskommission aus die Tagesordnung zu setzen, da hiervon die Haltung der Deutschen Bolks- vartei zum Mißtrauensvotum abhänge

Abg. ^ittmann (11.) stimmt dem Anträge zu, fordert aber Verschiebung aus morgen.

Rach kurzer weiterer Geschäftsordnungs Schatte wird die Angelegenheit beni Aeltesten- rat überwiesen, der im Lause der Sitzung seinen Vorschlag machen wird.

Der Gesetzentwurf über die Erhöhung der -ulagen in der Unfallversicherung, wobei der Iahresarbe tZverdiensi dem gcsu-ke:en Geldwert entsprechend höher angerechne. werden soll, wird ohne Debatte bi der zweiten und dritten Lesung angenommen. Der Entwurf über die Er­höhung der Dersicherungsps'icht in der Kranken­versicherung, der eine Erhöhung der Beiirags- pflicht auf 72 000 Mark vorsieht, wird in zweiter und dritter Lesung angenommen, ebenso die Ge­setze über die Wochenhilfe und Wochensürsorge, über die Qlenberung der Geldbeträge in der Sozialversicherung und über teilweise Umgestal­tung der Angestelltenvcrsicherung, d. h. Aus­dehnung der Deitragöpflichl auf 100 000 Mark. Auch das Soldatenvel-sicherungsgeseh und der

hauptete, der Unfall auf der Jagd, der ihm das Leben gekostet, wäre von ihm selbst herbeigeführt worden. Aber es mochte etwas Wahres daran fein, denn mir gegenüber hatte er mehr als einmal geäußert, er warte mir daraif, bis zr an dem Hundeleben da unten an der riffischen Grenze genug abgebüßt habe von vergangenen Sünden, um bann selbst ein Ende zu machen . . .

Und schließlich ist es auch wohl so gekom­men. denn trist und einförmig genug war das Leben, das er in den letzten Hahren auf seinun kleinen Gats Hofe Sucholasken führte. Viel Sil­be it, eintönige und kärglich lohnende Arbeit, ein bißchen 3ajb und an den langen Winterabenden ein Buch ober ein Glas Groy in Gesellschaft irgend eines Rachbavn samt einem wenig an­regenden Gespräch über Viehschaden. Stallfüt­terung, künstlichen Dünger oder dergbichen.

Die kurzen Serientage, die ich alljährlich bet ihm in Sucholasken verbrachte, waren ihm zedes- mal eine Art Erholung Er meinte, ich brächte doch wenigstens so etwas mit. wie eine .Wit­terung aus der Well, der er doch frriwilltg für immer den Rücken gekehrt hatte. Dann gin­gen wir zusammen auf die Hühnerjagd, zi der er die paar Völler in seinen Lupinen und Kar­toffeln wie leibliche 'Kinder gehegt hatte, und des Abends saßen wir aus der Freitreppe vor der Haustür mit dem wetten Ausblick über öie kahlen Felder bis zu dem glitzernden 'Binde des Grenzflusses und'der dahinter antergehenden Sonne. Tranken Grog rauchten unsre Zigarre, simpellen Korps und Mensuren and erzählten ans alte Geschichten.

An einem solchen Abende war es auch, datz ich erfuhr, wie er dazu gekommen war. sich mtt

verhältnismäßig jungen Jahren hier unten za vergraben. Rach einer flotten Smßenlenzt-tt und einer Reihe von unRäten Wanderiahren fast um die halbe Erde . . .

Cs war sonst nicht seine Art. von innerea Erlebnissen zu sprechen, selbst nicht zu denen, die ihm nahe standen. Datz er damals aus sich her- ausging, lag vielleicht daran, dah es das letzte Beisammensein war vor einer voraussichtlich Jahre dauernden Trennung . . .

Wir hatten schon die ganze Weile schweig­sam vor der mtt einem Tuche umwickelten Kanne mtt heißem Grog wasser einander gegenüber gz» 1 essen. Ich folgte mtt den Augen dem Flage eines hoch oben hinziehenden Reihers and überlegte eben, ob er wohl am Flusse einsallen mürbe, Iofua taute an seiner aisgegangenen Zigarre; ba sagte er plötzlich: .Ra. bann werbe ih das nächste Jahr auch in deiner Stube Getreide aif- fchütten lassen, wenn tu ja doch nicht wieder- kommst?! . . . Eigentlich infam, dies AaSdn- andergehen für längere Zett, man weiß nie, ob's nicht für immer iftl

Qta, na, Alter," erwiderte ich, .ich gehe ja nicht aus der Well! Und dann hast du es ja doch stets fdbft in der Hand, dir Abwechslung za fchassen. Brauchst ja nir einmal heraiS- zukriechen aus öd iem Dachsbr i . .

lieber Josuas Gesicht zog ein dunkler Schatten, so datz ich rasch abbrach, aus Furcht, an eine wunde Stelle zu rühren . Er machte eine ab­weisende Handbewegang. stand auf ind ging tn das Haas hinein. Erst nach einer ganzen Weile kehrte er wieder zurück und legte ein verschnürtes kleines Paket vor mich auf den Tisch: .Da, moch'8 auf und sieh e8 bir an! (Forts, folgt.)