Ausgabe 
31.12.1921
 
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Unterhaltung Erhebung Belehrung

W. Keumann.

Handeln, no«

Dorbild und

neun 5.XJVI, vu LvHe

Selbstlos und stark, die treu sie aufwärts lenken Und sie befretn auL Bruderzwist und Dahn?...

Der Turmuhrhammer lüft bi 'Räberlaufen Sich hastig au«: da« neue Hahr ist dal

Wer im neuen Jahre sterben muh.

tSin gnädige« Geschick hat unS Tag und Stunde unseres Scheidens au« dieser Welt in Dunkel gehüllt, und kein Sterblicher begehre da« Geheimnis zu enthüllen. Wer aber doch den Schleier von seinem legten Stündlein zu ziehen und dem Tod ins knöcherne Antlitz zu schauen ver­sucht. der wird nach dem Volksglauben bald vom Leben scheiden müssen.

Neukirchen im Haungrund hatos dem Stei- mich" -wischen Dors und Galgenbergswald ein wunderbares Fleckchen Erde alS Gottesacker. Wer dort In der Silvesternacht auf eine der hohen Gin-

Ano I sprang dann tollkühn, mit selbstverleugnender

aiuu/iiv. Todesverachtung auf seine Auserkorene los Was

Sin Kapitel aus dem obmneiüeben ). keiner gewagt, dieser Kleine tat e« Mit allen 3n Lust und Sorge verstrich der Sommer. I acht Deinen umfing er die Liebste, so bah sie ihm Wo Liebe zu Haus war, da reiften Früchte, weder plötzlich entschlüpfen noch einen Angriff und überall, wo die Sonne lachte, gab*« längst I Werk sehen konnte, verharrte in solcher schon, vor Monaten, fröhliche Hochzeit. I Licbesumarmung wohl eine Tiertclftunbc lang.

Aur Jungfer Ar ach ne war einsam geblie- licfj schließlich ebenso urplötzlich los, wie er sie den. nonnenhaft einsam m ihrem Netze. denn rwrher umklammerte, und senkte sich wie ein er- niemand kam, der sie freien mochte. Sie sah in der I tappter Dieb blitzschnell an einem Faden herab

I Den Lauf der Sterne selber weih zu wend«, | Bleib uns als Retter und Erhalter nah!

Doch eine dritte wispert jetzt dazwischen. Die kleinste, die den Weg des TLuslinaS weiht Wie sich auch Deutschland« ZuknnftSlvse mischen. Es wird sich läutern in der trüben Zettl Ich grübe hell die kommenden Geschlechter Als deutscher Heimat schaffensrege Wächter, Die neu erbaun des Reiches Herrlichkeit! . ,

Hetzt aber erscheint daS Zeichen, dah JDHen- schen heranreifen, die fähig sind, echte Gefährten des Zarathustra zu werden, da« Zeichen, auf daS

Vorabdruck au« dem im Januar erscheinen­den Buch Prof Dr. Messers .Erläuterungen zu Aietzsches Zarathustra" (Stuttgart. Verl. Strecker & Schröder. 170 S. Preis 10 Mk.).

Zwar etwas anders hatte Arachne sich ihren I hinaus und lausch der tiefen Stimme,

Freiersmann vorgestellt: alS einen stattlichen. uy Jahrhunderten den Bau durchdröhnt, stolzen Ritter, kühn und entschlossen wie sie selbst Dleicy dunller Klage rauscht'«^ in herbem Grimme: Der abgezehrte hagere Jüngling, der schüchtern der Geist, der Volk mit Dolk versöhnt?

an seinem Liebesseil zog, war herzlich wenig q deutsches Land, tote schwer hast du zu tragen, nach ihrem Geschmack. Er würde vermullich die I ,D[[ dich grüben ach. ich kann nur klagen Flucht ergreifen, sobald sie ein paar Schritt« H^ang noch Hast dein redlich Streben höhnt!

f Arachne tat es, doch siehe da: der Spinnerich älnd eine zweite, markiger und heller.

hielt nicht nur wacker stand, er führte sogar au! Gibt Antwort drauf. ^^<Uostst A ^hn, dem schwanken Selle ein niedliches LiebeStänz- Aus der dk ArWetäuscht« ^?^ und s<dneller chcn auf Mit allen acht Beinen tanzte der Kleine. Trotz aller A^t sich dem

hob rhythmisch den Unterleib empor, al« wollte' ifm*n '**n!rn

er Purzelbäume schlagen, wiegte sich bald nach recht«, bald nach lttik«. dast daS Seil die ent­sprechenden Schwingungen machte, und l^ate ein Temperament an den Tag, wie Arachne ihm nie eines zugetraut hätte. Er flieg so bedeutend m ihrer Achtung, dah sie ihn am Schlüsse der Tanz- aufführuna sogar mit dem Seile zu sich heranzog

Der Zwerg sah die Riefenjungfrau an, al« sei sie ein Wefen au« anderer Welt Dann streckte er seine Storchbeine au«, duckte sich nieder und

Zarathustra gewartet, um wieder hinab zu gehen I zu den Menschen (S. 287, 346): Der Löwe mitj dem Taubenschwarm: der Löwe das Sym­bol der Stärke, die Tauben das der Zartheit. Das Zeichen kündet ihm, dah feine .Kinder" nahe sind. Menschen, innerlich zart genug, alles Schöne und Süße des Lebens zu kosten, und innerlich stark genug, Leid und Ekel zu tragen. Zarathustra kostet die Seligkeit der Gewißheit. dah nun seine Sehnsucht nach echten Gefährten sich erfüllen wird.

Inzwischen sind die .höheren Menschen" wach geworden und nahen ihm. Schon beim Zusammen­lein am vorhergehenden Tage hat sich Zarathustra wiederholt das Gefühl auf gedrängt, dah sie noch nicht reif für ihn feien; auch ihr Rückfall in.den Pessimismus und in eine alberne Frömmigkeit hätte ihm dies verraten können, aber mitleidigen Sinnes hatte er darüber hinweggesehen. Jetzt aber bestätigt sich, was der Vortag vermuten lieh: beim Anblick des Löwen ergreifen diehöheren Menschen" die Flucht. Der Anblick eine« echten Jüngers Zarathustras erfüllt sie mit dem Be­wusstsein ihrer Richtigkeit und überzeugt sie, dah ie noch nicht reif sind für Zarathustra.

Beim Anblick ihrer Flucht erinnert sich Zara­thustra an das rätselhafte Wort, das der Wahr­sager zu ihm sprach, ehe derNotschrei" der höheren Menschen sich vernehmen lieh, er komme, Zarathustra zu seinerletzten Sünde" zu ber­ühren. Welches war doch diese letzte Sünde?

Er erkennt jetzt: es war das Mitleiden mit den höheren Menschen, er hat sich wirklich zu dieser- Sünde verführen lassen: er hatte die Schwachen und das törichte Tveiden der höheren Menschen ertragen, ja gebilligt; er hatte es nicht gewagt, ihnen die Wiederkunftslehre mit ihren Schrecknissen offen zu verkünden (Lieber will ich terben, als euch sagen, was mein Mitternachts- Herz eben denkt", 6.465); nur in dichterischen Gleichnissen und in geheimnisvollen Andeutungen hatte er davon geredet.

Und doch hatte sich Zarathustra gerade darum in seine Bergeseinsamkeit zurückgezogen, damit er selbst reif werde für die Lehre von der ewigen Wiederkunft, und damit Menschen heran­wüchsen, die dafür reif wären (vgl. S. 218f.).

Er selbst ist in furchtbarem Seelenkampfe dafür stark genug geworden, er hat mit dem abgründlichen Gedanken", dah auch der lleine Mensch ewig wiederkehrt, gerungen (S. 314ff.), er ist Herr geworden über den lähmenden Pessi­mismus, den dieser Gedanke erzeugen kann.

Run deutet dasZeichen" ihm an, dah es nicht mehr an Menschen fehlt, die kraftvoll genug sind, die Lehre von der ewigen Wiederkunft zu

3n Deutschland galt, als das Christentum eingeführt wurde, entweder der Taa des Win­ters olsttttums oder auch noch verschiedentlich der Frühlingsanfang als Neujahr. Seit dem 10. Jahrhundert setzte sich mehr und mehr die Sitte durch, den Geburtstag Christi, also den 25. Dezember, zugleich für den Anfang des Jahres zu erklären. Es mag wohl der altger­manische Einfluß gewesen sein, der die Kirche bewog, das höchste kirchliche Fest, das ja un­gefähr in die Zeit der winterlichen Tag- und Nachgleiche siel, zum Jahresanfang zu be­stimmen, doch hielten die Deutschen auch noch zum großen Teil an dem 25. März als Neu­jahr fest, und auch dies lieh sich durch eine kirchliche Feier begründen, da ja auf dielen Tag die Verkündigung Mariä und damit der Uranfang der Welterlösung fiel. Unter Karl dem Großen galt jedenfalls in IDeutschland noch offiziell der 25. März als Neujahrsfest, und noch bis ins 12. Jahrhundert hinein war an manchen Orten, fo z. V. in Köln, in Bafel und in 6er ganzen Schweiz, der erste Öfter» tag auch zugleich der Neujahrstag. Urkunden aus der Zeit Kaiser Konrads II. rechnen an­dererseits den Anfang des Jahres von Wech- nachten an. Jedenfalls war in dieser Zeit die Entwicklung noch in Fluh, die darauf abzielte, das Naturjahr mit feinem Frühlingsanfang in das Kirchenjahr mit feinem Anfang im Win­ter umzuwandeln. Dieser Kampf um den 1. Ja­nuar ist Dann durch die Jahrhunderte fvrt- gegangen. König Philipp II. von Spanien er­ließ 1575 für die Niederlande ein Gesetz, nach dem fortan das neue Jahr am 1. Januar ge­feiert werden müsse. In Spanien selbst war der 25. März bis 1350 begangen worden, in welchem Jahre Alfons II. für Arragonien den Weihnachtstag zur Neujahrsfeier bestimmte. Die Erinnerungen an das Naturjahr erhielten sich besonders lange in Venedig, wo man noch 11652 den 1. März als NeujahrStag beging. In Florenz hob erst 1745 ein Erlaß des Kaisers Franz I. den 25. März als Jahresanfang auf und verlegte die Feier auf den 1. Januar.

Wie der erste Januar zum Neujahrsfest wurde.

Das Neujahrsfest feiern jetzt fast alle Völler zu gleicher Zeit, aber es hat lange ge­dauert, bevor sich nur unter den christlichen Nationen und selbst in den einzelnen Ländern Uebereinstimmung in dieser Hinsicht heraus- bildete. Obgleich das Neujahr ja eigentlich nicht von den so verschiedenartigen Anschau­ungen der Menschen bestimmt wird, sondern seine Festsetzung durch die ewigen Gesetze des Sternenhimmels erfährt, hat man doch den Anfang des Jahres in sehr mannigfacher Form zu fixieren gesucht. Da man im Kreis­lauf des Naturjahres entweder das Abster­ben alles blühenden Lebens im Winter ober öa« Wiederaufspriehen der Natur im Früh­ling als Beginn annahm, so feierten die einen das Neujahr im Frühling, die anderen im Herbst. Da die Urheberin aller der Wandlun­gen im Laufe des Jahres die Sonne ist, so lag es nahe, die Tag- und Nachtgleiche im Sommer oder Winter als den Geburtstag des neuen Jahres zu betrachten. Es wurde daher entweder das Winterfolftitium oder das Svm- merfolstitium als Jahresanfang erwählt. Und zwar gingen die indogermanischen Völker zuM großen Teil vom Frühlingsanfang, den sie zu- erst gefeiert hatten,' auf die winterliche Tag- und Nachtgleiche zurück, während die semiti­schen und hamitischen Völker, die zunächst mit dem Herbstanfang das Jahr begonnen hatten, den Mitsommer erkoren. Mit der -Sommer­sonnenwende begannen die Aeghpter ihr Son­nenjahr; die Juden dagegen blieben bei der Mondrechnung stehen und feiern noch bis auf den heutigen Tag das Neujahr im Herbst. In Griechenland und Nom blieb man lange Zeit bei dem Frühlingstermin; doch finden wir im römischen Reich schon früh den 1. Januar als Jahresanfang, der sich aber erst spät in der ganzen Welt als Neujahrsfest durchgesetzt hat. Die julianische Zeitrechnung erhob in der rö­mischen Kaiserzeit diesen 1. Januar zum 21 n- fangStag des bürgerlichen Jahres, und sie wurde von dem Christentum übernommen, alS es Staats- und Weltreligion wurde. Deshalb haben aber die Völker, die allmählich zum Christentum bekehrt wurden, noch lange nicht sofort den 1. Januar als Neujahrsfest mit übernommen, sondern es haben sich noch er­staunlich lange andere Berechnungen und an­dere Jahresanfänge erhalten.

ertragen.

Ihre Furchtbarkeit liegt in der klaren, nüch­ternen Einsicht: auf dieses Geben folgt kein besseres" Geben in einer jenseitigen Seligkeit, es mündet auch nicht in einen idealenZukunfts­staat', in dem alles vollkommen wäre, sondern dieses Geben mit all seiner Plackerei und Ent­täuschung, all seinem Kleinen und Ekelhaften, all seinem Mißraten und seinem Geid bleibt Immer fo, toie e8 ift: der kleine Mensch kehrt ewig wieder. Aber wer den Wert des Gebens bejaht, der muh auch seinen Unwert in Kauf nehmen, wer zu Höhen will, muh durch Niede­rungen wandern und die Mühen des Steigens nicht scheuen; wer nach der Idee des Heber- menschen sich sehnt, der muh auch das Allzu­menschliche durchkosten und daran leiden; wer die Seligkeit des Schaffens erfahren will, muh auch seine Mühsal und seine Enttäuschung auf sich nehmen. Das Volllommene aber, derileber- mensch", er wird niewirklich", niemalsEr­eignis", er bleibt stetsIdee", aber sie zieht immer den hinein, der strebend sich bemüht.

Goethe hat seinemFaust" einen religiösen Abschluß gegeben im Stile des christlichen Glau­bens: er schließt mit dem Ausblick auf eine höhere, bessere Welt im Jenseits, in der das Unzulängliche Ereignis" und dasUnbeschreib­liche getan wird.

Nietzsche verneint jene bessere jenseitige Welt; er kennt keine Gnade, die uns hinanzieht, er kennt keinen endgültigen Abschluß der Entwick­lung, ihm ist alles Unvergängliche nur ein Gleichnis. Er hat mit der deutschen idealistischen Philosophie erkannt, dah echtes Geistesleben stets ins ilnenblidje hinausweist und hinauf ftrebt So hat er die Idee desFausttschen" Menschen, derimmer strebend sich bemüht", in seinem Zara­thustra noch reiner zum dichterischen Ausdruck gebracht als Goethe im F a u st" s e l 0 st.

Wenn aber sogar ein Goethe deS erbaulichen religiösen Abschlusses nicht glaubte entraten zu können, wie sollten die Dielzuvielen ihn missen

wollen! _

Jedoch Nietzsche in seinerintellektuellen Red­lichkeit" verschmähte jeden Trost, den er als un­wahr empfindet. Seine Gehre von der ewigen Wiederkunft ist gar nicht tröstlich, ist gar nicht erbaulich: sie eröffnet keinen Ausblick auf eine ewige Seligkeit, sondern auf eine ewige Mühe, ein ewiges Ringen.

Darum werden an dieser Gehre von der ewigen Wiederkunft" sich die Geister scheiden. Die vielen, denen sie unerträglich ist, werden zur Ginfcn gehen, sie werden wieder beten und Hände falten lernen oder bemüht, dies Geben sich fo leicht und behaglich wie möglich zu machen, die breite Bahn hinabgleiten, die zumletzten Menschen" führt. Die wenigen aber, bie stark genug sind, den Jenseitigkeit«- und Glücksillusio­nen zu entsagen, sie werden zur Rechten gehen, den steilen, mühevollen Pfad hinan, über dem die Idee desilebermenschen" schwebt.

Hier tritt uns eine letzte bedeutsame Ueber- einftimmung de« Zarathustra mit den Evangelien entgegen Sie verheißen eine Wiederkunft Christi zum Weltgericht. Daß nun Zarathustra nochmals hinabgeht zu den Menschen, um ihnen die Gehre von ber ewigen Wieberkunft zu verkünben und ihnen dadurch mitleidlos bas Wesen des Geben« zu enthüllen, das bedeutet ein Weltgericht, eine Scheidung der Geister. (Dgl. S. 262, 280.) ilnb so schreitet Zarathustra hinabglühenb und stark" wie ein Weltenrichter. Aber nicht e r wird richten, noch weniger wird er himmlischen Gvhn ober höllische Strafe au«teilcn wie der wieberkehrenbe Christus, fonbem im Angesicht Zarathustra- unb seiner Lehre werden die Menschen sich selbst richten, indem sie sich Har darüber werden, ob ihr tiefste« Sehnen nach dem .letzten Menschen" |gebt ober nach demilebermenschen".

Währung zu suchen.

Just hatte Arachne im neuen Rade bie letzte Speiche eingezogen und sich in ihrer ganzen Schönheit im Zentrum des Netzes niedergelassen, da spürte sie plötzlich im Fadengewebe ein merk­würdig rhythmisches Zerren und Zucken. Es war,-------- - . , -, ... h

feine Fliege, fein Schmetterling. lein Henlchreck. den vor dem «irchhos steigt, lieht ztvilchen eil und fein Käfer lein Stachelträoer. was die Erlchütte- »Wal, die Toten de« neuen öafrre« in traurtgom rangen Hervorriel, es muhte ein Bast ganz be- Zuge voruherztehen. Wo aber in der «eihe der londerer Art lich mit Jung,er Arachne ein vom Tode Luck-Nallst da ist de.

Scherzsviel erlauben. Neugierigen Platz, denn sich selbst vermag b«

Sie drehte sich langsam im Kreise herum und Zuschaucn!^. auch im Laufe de« (^hr^ chickte aus ihren vier Augenpaaren die Blicke sterben muß, m der Rethe der Toten nicht zu er an sämtlichen Speichen entlang, doch konnte sie blicken.

nicht das geringste entdecken. Zuckzuck ging es

weiter, zuckzuck, zuckzuck. Sie mußte sich wohl oder man: Wer gern wi sen möchte, wer im kommenden Übel bequemen, die Ecke. auS der die Srschütte- Jahre sttrbt rnuh llch in t>cr ^u^nach zwi- rung kam. ein wenig näher ins Auge zu fassen. I schen elf unb zwölf in da« SriedhofStorstellen. Sie tat ein paar Schritte: zuckzuck. zuckzuck. Ze Dann ziehen alle, bie demZahre Serben wer naher sie ihrem Aehrahmen tarn, desto lebhafter den an ihm vorüber Da« wollUi mm au$ eta- wurden die rhythmilchen Züge. mal ein Holzhauer ta 3e Ifesten 'lia« M

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einen Liebessteg nach dem Nehrand gesponnen, wurde als letzter Toter Im Jahre begraben.

ein ungewöhnlich starke« Seil, und zerrte daran a_rr,n n x -7» . f

mit den Vorderbeinen, um die bezaubernde )S a g en 5^ ^efV' Arachne auf seine Wenigkeit hinzulenken Sm Gesammelt unb berau^a^i Karl Wehe» Zwergenjüngling, ber sich vermaß, eine Riesen- ban. a- Hermann Eichblatt, Verlag,

Jungfrau umwerben zu wollen. Letpzig-Gohli«. ______

Gin Glück, daß ber Spinnerich jeftt erst er­

schien und nicht vor Wochen-, vor Monatsfrist. IUM nCUCIt Jahr 1922.

Arachne hatte ihn ohne Gnade mit ihren ge- v nr»ml n t? Am,r

wattigen Kiefern gepackt unb wie einen Alltags- 3l»in

braten verzehrt Zetzt aber, nach ihrer letzten Der Türmer raunt: 3m Turm die ölrxicn leven Häutung, nach ihrem HochzeitSkleiderwechsel, war ilnb reden menschlich in ber NeujahrSnacht, ihr bie Stillung be« Appetits nicht mehr das A Sh die mctallne Stimme sie erbeben unb O ihre« Geben«. Sin höherer Hunger be- Zum Feiergruß auf hoher Winkerwacht! schäftigte sie: ber alle« bezwingenbe Hunger nach Al« Künder froher und umflorter Stunden Liebe, unb ben stillt man auch bet ben Spinnen Sinb sie bem Menschendafein eng verbunden, nicht, indem man den Giebhaber einfach auf frißt. Unb geben auf des Schicksals Wege Acht . .

Das Schlutzkapitel von Nietzsches Zarathustra.')

Da« Zeichen.

Sin Gebet zur Sonne eröffnet bieses Vchluh- kapttel. wie es baS Anfangskapitel bes ersten Teiles eröffnet hat; ist ja doch bie ewig Gicht unb Wärme spendende Sonne das Ebenbild von Zarachustra« schenkender Seele.

Aber ach. ihm fehlen die. denen er schenken könnte: diehöheren Menschen" schlafen noch Wohl haben sie sein trunkene« Gieb vvm tiefsten Wesen der Wett vernommen, aber sie träumen nur davon, noch befruchtet e« nicht ihr Geben unb ch gehorchen sie nicht Zarathustra« Mahnruf.

Tat schon den ganzen Sommer wie ein verzau- I Arachne sah ihm verwundert nach, verließ die bette« Rätselwesen. wie eine verschwundene Prin- I schaukelnde LiebeSbrücke und nahm wie vorhin zestin in ihrem blinkenden Seidenschloß, al« harre Lieblingsplatz im Zentrum des großen Rad- lie unablässig des Einen, ber die erlösende For- I neyeS ein.

mel wisse. Und nun sich der Sommer verabschiedet I^ch einiger Zeit ging es wieder: zuckzuck hatte und herbstliche Winde das welkende Laub Der Zwerg war nach kurzer Erholungspause auf von Bäumen und Sträuchern zu pflücken be- I heimlichem Schleichweg zurückgekehrt und zog gannen. ward ihr Verhalten noch rätselhafter, kreuzfidel an dem Giebesseil. Und wiederum Sonst galt dem Netz ihre vornehmste Sorge, and spielte sich alle« ab, wie co beim ersten Mal nie war sie froher, als wenn sie im Zentrum gan war. Arachne kroch dem Bewerber ent- des perlenbehangenen Flechtwerts thronte. Jetzt I ^egen. der sich zum neuen Sprung Mut antanzte, saß sie verzichtend in ihrem Winkel, ließ Flie- I bann abermals eine heiße Umarmung, unb dann gen und Mücken sich müde zappeln, ohne ein Glied I ja, bann kam es freilich anders Ob sich ber danach auszustrecken, inb gönnte dem Wind seinen I Spinnerich sicherer fühlte als nach dem ersten boshaften Spaß, das 'Maschengewebe mit Staub Licbesvorstvß, ob bie Verzückung ihn kopflos zu beschütten und Faden im Faden des stolzen I machte kurzum, er verschwand nach ber -wetten Rades von feiner Haftstelle loSzureißen. Umarmung nicht wieder urplötzlich in der Der-

Drci Tage und Nächte blieb sie verschollen, senkung. wo er vor -der Gicbften in Sicherheit Als aber der vierte Tag hereinbrach, ein präch» toar, sondern taumelte, scheinbar noch toonnctrun- tiger leuchtender Frühherbstmorgen, erschien sie sen. ben schwankenden Giebessteg entlang. Kaum stattlicher als zuvor, angetan mit dem Hoch- u^r er wenige Schritte gewandert, da stürzte zeitsgewande. von dessen rostbraunem Unter-1 Arachne ihm wütend nach, schlug ihm bie gif- gründe wirklich ein Kreuz weithin schimmerte, ^igen Kieferklauen in seinen noch leise erzitternden Sie hatte sich wieder einmal gehäutet, war wieder geib. umspann ihn wie ein beliebige« Opfer mit ein Stückchen größer geworden, so daß sie an einem seidenen Geichentuch unb schleppte ben Umfang nun ungefähr einer mittleren Haselnuß armen, betörten Ritter in ihr verschwiegenes gleichkommen mochte, und ging jetzt mit Feuer- Durgverlie«. Ihr rascher GiebeSrausch war »er­eifer daran, an Stelle der Reste des alten Ge- flogen, bie Teufelin war von neuem erwacht. Der web es ein mächtiges, funkelnagelneues und fünft- Gatte war nur noch ihr Hochzettsbraten! lerisch schönes Radnetz zu weben. Sind aber muß man ber Teufelin lassen: sie

Zur selben Zeit sah der Wald etwas Neues^ ^elt ihrem auf so seltsame Weise zur ewigen was niemand bis dahin beobachtet hatte: halb Stube bestatteten Liebsten bie Treue auch über hier, bald da gab es Spinnengestalten mit an- pen Tob hinaus. Er war der Erste, dem sie sich heimlich langen Stackeibeinen und einem überaus I schenkte zu kurzem, seligem GiebeSrausch er blieb schmächtigen Körper, die allesamt auf ber I auch der Getzte, ber Einzige. Wer immer fortan Wanderschaft waren, und zwar ging die Reise um bje Gunst Frau ArachneS mit Schmeichel- von Busch 51 Busch auf sehr eiikfache, praktische I fünften zu buhlen wagte, er wurde rücksichtslos Weise vor sich. Tie Wanderer schossen 5äten I aufgefreffen, bevor er da« Ziel seiner Wünsche aus, vielmeterlange flatternde Fäden, und über-1 erreicht ließen bem freundlichen Wind, sie irgendwo za I Ms über bie abgeernteten Felder ein häh- befestigen. An kiesen Fäden turnten heta11 lieber kalter Oktoberwind blies, ba legte Arachne mit bem Bauche nach oben geschwind durch die toten Giebftcn zu stillem Gedächtnis ein Gust, durchsuchten die Gegend, in ber sie ge- I Häuflein Eier am wlnbgeschühten Orte nieder, landet, und strebten, toenn ihrem Herzenswünsche schach ein paar Tage noch müde umher unb ließ dort keine Erfüllung deschieden war, auf einem dann, dabie Zeit erfüllt wär", vom bunten neuen Silberstege nach einem anderen Zufalls- Knisterlaub begraben, ziel. 3^ man die nixenhaardünnen Fäden im günstigsten Falle wahrnehmen konnte, wenn sich ein Sonnenflih daran fing, |o schien es, als schwebten die munteren Tierchen bei ihren Reisen ganz frei im Raum. Unb alle hatten es furchtbar eilig, als locke sie ein entschwindendes Ziel. Es waren verliebte Spinnenmänner, ans Nimmer- mehrsland Plötzlich aufgetaucht, wo sie den Früh­ling unb Sommer verschliefen. Nun, ba ber Walb sich zum zweitenmal schmückte, nun hatten fie s über bie Maßen eilig, bem Liebesverlangen Ge-

) Wir entnehmen diesen Abschnitt mit De- Sich hastig au«: ba« neue Oabr ift&al nebmtgung des Berlages Quelle & Meyer in Unb alle Glocken fallen ein mit Brausen Leipzig der SpinnengefchechteArachne" an» bem ilnb fingen Gott bem Herrn Hattettttai fvebsr erschienenen Buche Am Wa lde n t la n g. O. Wettenschöpfer, der mtt weilen Händen Erlebte unb erlauschte Tiercreschichten von Earl *" * *** *'*'*