Gießener Anzeiger (Gencral-Anzeiger für Dberhessen)
Nr. 205 Zweites Blatt
Mittwoch, 51. August 1021
Das vorläufige Abkommen mit Italien.
Berlin, 30. Aug. (Wolff, f 3m Auswärtigen Amr wurde am 28. August ein vorläufiges Abkommen mit Italien unterzeichnet, das folgenden Wortlaut hat:
Die Regierung des Deutschen Rcnchrs und die Italien il^e Regierung haben das Bestreben, die gegenteiligen Handelsbeziehungen zu regeln und zu erleichtern, Es wird nachstehendes vorläufiges Abkommen geschlossen:
Att 1 Die deutsche Regierung und die italienische R. nierung werden sich ohne rtüclsicht aus gegenteilige Verfügungen, die gegenwärtig Gültigkeit haben oder in Zukunft erlassen werden könnten, die Erteilung von Ein- und Ausfuhrbewilligungen für die in den Listen A, B, C und D oufgcfubiien Waren gegenseitig erleichtern und bei Prüfung bei cinzelnen Fälle mit möglichstem Wohlwrl'en verfahren. Für die Ausfuhr solcher Waren, dir in Anlage D aufgeführt sind, wird sich die deutsche Regierung von dem Grundsatz leiten lassen, nach Deckung des inländischen Bedarfs. de» Anträgen auf Ausfuhrbewilligung die im Verhältnis zur Deckung des ansuchenden Staates stehen, grundsätzlich zu willfahren. Die Best immungen des Absatz 1 beziehen sich auch auf Waren, die durch Postpaket zum Versand gelangen.
Art. 2. Die deutsche Regierung und die italienische Regierung werden in Bezug auf den gegenseitigen Warenverkehr k inrrlei neue Verfügungen und Maßnahmen verwaltungstechnischer Art, Verbote oder Bestimmungen treffen. welche im Gegensatz zu dem Geist und Wortlaut dieser .Abmachung geeignet wären, die sich daraus ergebenden Vorteile ganz oder teilweise auf^uheben. Sollte sich trotzdem aus schwerwiegenden Gr-ünden eine der "beteiligten Regierungen genötigt sehen, derartige Verfügungen. Mahnah- men, Verbote oder Bestimmungen zu treffen, so wird sie sich vorher mit der anderen Regierung in Verbindung setzen, um im gegenseitigen Einverständnis Mchilfe zu schaffen. Gelingt dieses nicht, so finden die etwa erlassenen Gin- und Ausfuhrverbote auf Waren, die am Tage des Inkrafttretens derselben bereits zur Beförderung aufgegeben worden waren, keine Anwendung.
Art. 3: Die auf Grund dieses Abkommens eingeführten oder ausgeführten Waren müssen von einem Ursprungszeugnis begleitet sein. Diese Bescheinigungen sollen von den zuständigen Be- Hörden kostenfrei ausgestellt und beglaubigt werden.
Art. 4. McinnngsVerschiedenheiten über die Auslegung und Durchführung der vorstehenden Abmachung sollen von einer gemischten Kom- nnsiion entschieden werden, die für jeden einzelnen Falt aus einer von der deutschen Regierung und einer von der italienischen Regierung zu ernennenden Person zusammengesetzt wird und an einem von diesen beiden Personen zu vereinbarenden Ort zusammentritt. In allen Fällen, wo sich "die beiden Kommissionsmitglieder nicht einigen können, entscheidet ein von ihnen hinzu - zuziehender Schiedsrichter. Können sie sich auch über die Person des Schiedsrichter- nicht einigen, so soll um dellen Ernennung der schweizerische Bundespräsident gebeten werden.
Berlin, 28. August 1921.
gez Haniel von Hainhausen- t s. gez. Alfredo Frassati. 1. s.
Zu dem Abkommen ist noch zu bemerken, bah die Behandlungen, welche den deutschen Staatsangehörigen, Waren oder Schissen in bezug auf Riederlassung, Ausübung des Berufs. Handel und Gewerbe, labuftriclle Betätigung. Schiffahrt und den Verkehr in Italien gegenwärtig zuteil wird, tatsächlich schon die gleiche ist, wie bte- jemge, welche den Staatsangehörigen, Waren, Schisfen von anderen Rationen zugute kommt, abgesehen allerdings von der Zollfrage. Falls diese Behandlung eine Aenderung erfahren sollte, besteht ein Einverständnis darüber, das) Deutschland berechtigt ist, von der getroffenen Abmachung zu- rückzutreten. Die deutschen Staatsangehörigen formen daher damit rechnen, bah Italien an der gegenwärtig ihnen gegenüber geübten wohlwollenden Behandlung keine Aenderung vornehmen wird.
Liste A.
Verzeichnis derjenigen Waren, die für die Einfuhr aus Deutschland nach Italien in Frage kommen:
Kaffee-Ersatz, Heiz-. Schmier- und Treiböle aus Stein- und Braunkohle, Braunkohle, parfümierte Toiletteseifen, Parfümerien, Kosmetika, Tollettewasser mit und ohne Alkoholgehalt, künstliche Riechstollessenzen u. a., Sprengstoffe, Pulver, geladene Zagdpatrvnen. Zündhütchen. Zündschnüre, Gelatine, bestickte Gewebe aus Leinen, Baumwolle. Wolle. Seide, Hanf einschliesslich der bestickten Tülle, Schirme jeder Art. Spitzen aus
Die Nothersteins.
Roman von Erich Eben st ein.
Copyright 1919 by ©reiner & Comp., Berlin W 30.
42. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.)
Auster dem groben, nach Rorden gelegenen Atelier enthielt der Pavillon noch zwei behagliche Wohnzimmer, einen Baderaum und ein Zimmer für den Diener.
Waldemar, der eben alte Reiseskizzen ordnete fuhr wie eleltrifiert waus. alS ihm fein Diener die Grafenegger Herrschaften meldete
Freudig bewegt eilte er ihnen entgegen. Dann freilich flog es wie leise Enttäuschung über lein hübsches Gesicht — Do. die er so lange vergeblich erwartete, war ja wieder nicht mitgekommen .
Magelone rückte gleich nach den ersten De- grüstungen mit dem Zweck ihres Kommens heraus.
,Lieber Weister Ruhland. Sie haben uns im Sommer eingeladen, Ihr neues Bild anzusehen und — da sind wir nun.“
Herthas Blick hing gespannt an Waldemars Gesicht. Sie allein tourte, daß er sich vor genommen hatte, es Do zuerst zu zeigen, und daß er deshalb sogar auf die Ausstellung verzichtet hatte
In der Tat spiegelte sich grobe Verlegenheit in Waldemars Zügen. Es sei austerordentlich liebenswürdig von den Herrschaften, dast sie eigens aus Interesse für seine Arbeit den Weg von ©rafenegg her gemacht hätten, sagte er, aber das Bild könne er leider momentan nicht zeigen. Er habe sich zu einigen Aenderungen genötigt gesehen,
blieben also nur noch Materialien. Um uns diese zu verschaffen, brauchen wir Geld, um sie zu kaufen, und Arbeit, um sie zu erzeugen. Wenn Deutschland uns diese Materialien liefert ober we igftens den größten Teil derselben, dann werden wir durch Einsetzung der ganzen f r a n z ö s i s ch c n Arbeit den Wiederaufbau der zerstörten Gebiete beschleunigen können. Gegenüber Befürchtungen der französischen Industrie, daß ein neuer Konkurrent auf dem französischen Markte auftauche, sei zu erwähnen, dast deshalb das Abkommen die deutschen Lieferungen ausschließlich für die zerstörten Gebiete vorsehe, während die französische Industrie ihre normalen Märkte weiter behalten werde. Es sei für Frankreich nur die Wahl zwischen zwei Dingen gewesen: Richt bezahlt zu werden ober Lieferungen in natura seitens Deutschlands anzunehmen. In diesem Falle habe man den Ausweg gewählt, die Naturallieferungen anzunehmen. Dadurch würde übrigens auch der finanzielle Ruin Deutschlands verhindert.
Die Verpflichtung, eine Milliarde Goldmark zu bezahlen, habe durch den Aufkauf fremder Devisen einen großen Marksturz hcrvorgernfen. Wenn dieser Sturz sich bei jeder deutschen Iahlungserledi- gung wiederholen würde, würde die wirtschaftliche Lage Deutschlands gefährdet werden. Der Zuschuß, den Deutschland durch die Naturallieferungen bekomme, werde diese vernichtenden Wirkungen mindern und infolgebeffen würden alle Alliierten einen Vorteil von dem Abkommen haben, da dadurch die Zahlungsfähigkeit Deutschlands erhalten bleibe."
Auf eine Frage, ob er mit dem Abkommen zufrieden sei, erklärte Loucheur: „Sehr. Nathenau war voll guten Willens. Wir sind leicht zu dem grundsätzlichen Abkommen gelangt und die Frage der Naturallieferungen ist jetzt vollständig geregelt. Man hat auf beiden Seiten wirkliche Anstrengungen gemacht um zu einer befriedigenden Lösung zu kommen. Jur Erledigung der vier Zusatzprotokolle werde wahrscheinlich eine neue Konferenz notwendig werden."
Die Stellungnahme der Zeitungen, soweit sie nicht in Opposition zur Regierung stehen, ist im allgemeinen dem Abkommen günstig.
Englische Äenßerungen.
London, 30. Aug. (WTB.) Der diplomatische Berichterstatter deS .Daily Telegraph" schreibt zum Wiesbadener Abkom m e n: In britischen Kreisen herrscht grobe Zurückhaltung bei der Erörterung der Ergebnisse des neuen Loucheur - Rathen au - Abkommens Es sei sehr zu bezweifeln, dast Deutschland wahrend der ersten Jahre seiner Wiederherstellung wirklich Ratenleistungen im Gesamtwerte von 350 Millionen Pfund Sterling jährlich für Frankreich allein auflringen könne. Wenn Deutschland dazu wirklich in der Sage fei, ßnnc «S Mefl kaum tun, ohne sich selbst und den Alliierten Frankreichs Schaden zuzufügen. Der gesamte Plan müsse daher forafAItig von den englischen Sachverständigen untersucht werden. Wenn Deutschland sich für fähig erkläre, seine Erfüllungen rascher zu erfüllen, als es zugesagt habe, indem es während der ersten Jahre weit größere Lieferungen mache, als versprochen, so scheine der dringende Grund dafür zu bestehen, dah der Vorteil dieses intensiv verstärkten Systems nicht für alle Alliierten gelten könne .
Aus 5tabt und Land.
Giehen, den 31. Aug. 1921.
Personalien. Dem am 1. August in den Ruhestand getretenen langjährigen Vorsteher der hiesigen Eilgutabfertigung, Obergütervorsteher Georg G i e g I i n g, wurde der Titel Gisenbahn- inspeövr verliehen.
"DieOrtsgruppeGießenderhei- mattreuen O b e r f ch 1 e s i e r veranstaltet am Donnerstag abend 8V: Uhr im „Postkeller ' eine Versammlung. Da zur Unterstützung der notleidenden Landsleute in Oberschlesien ein Oberschlesier-Fest geplant ist, wird eine Beteiligung sämtlicher Mitglieder der Ortsgruppe erwartet.
* FürdaSausterdienstlicheöffent- licheMusizieren der Militärmusiker lind vom Reichswehrministerium im Benehmen mit dem Deutschen Musiker-Verband neue Bestimmungen er lasten worden. ES ist freiwillig und soll sich vorzugsweise auf die Veranstaltung musikalisch wertvoller Musikaufsührungen der geschlossenen Musillorps erstrecken. Die Interessen der Zivilberufsmusiker sollen durch die außerdienstliche Musiktätigkeit der Militärmusiker nicht geschädigt werden. Spielaufträge für daS Kleins Piel dder 'Einzelspiel sind nur von dem öffentlichen Arbeitsnachweis anzunehmen. Wo ein solcher nicht eingesetzt ist, sind Spielaufträae mit der örtlichen Kommission — die aus mindestens 2 Zivil- und 2 Militärmusikern besteht — oder den Bezirksvertretern des Deutschen MusikerverbairdeS zu vereinbaren. Die Forderungen der Militärmusiker
sind den Sätzen der Zivllmusiker anzupasten Bei Ankündigungen in den Tagesblättern ist mir die Benennung des Truppenteils und der Rame deS Musikmeisters sowie die Heraushebung einiger musikalisch besonders wertvoller Musikstücke zu- lästig Uniform darf nur ausnahmsweise angelegt werden. Bei Lohnbewegungen der Musiker haben sich die Militärmusiker jeder Einmischung zu enthalten. Die Musikausübung bei parteipolitischen Veranstaltungen ist den Militärmusikern verboten. Die Militärmusiker sind verpslichtet zum Spielen bei der Truppe, auf Märschen, in Lazaretten u. bergt. Sie müssen, bei der berittenen Truppe, als öignalbl'älct unb M?ld.r iter. eotl auch als Pferdehalter verwendet werden Die Musik hat dienstlich regelmäßig für die Mannschaften und ilnteroffijiere auf dem Kasernenhof zu spielen, und je ein- biS zweimal im Monat zu Festlichkeiten des Truppenteils, der Unieroffizier- vereinigungen, und zu den Zusammenkünften deS Ofsizierkorps Sportliche Ausführungen der Trup- penieile sind Dienst, auch wenn Zivilpersonen. zum Beispiel Frauen der beteiligten Soldaten, daran teilnehmen Tanzsestlichkeiten werden nicht al# Dienst angesehen
Landkreis Giehcn.
D. L a ng - D ö n S. 30. Aug. Der Land- tagSwahlkampf wurde hier gestern durch die Deutsch-nationale VolkSpartet eröffnet. 3n sehr stark besuchter Versammlung sprachen ReichStagSabg. Arnstadt-Thüringen, Prof. Dr. Werner und der Prov.-Vvrf. Kohl- tz a f e - Gießen. Die Ausführungen wurden sehr beifällig ausgenommen, ebenso die der beiden Diskussionsredner Konr. Schaum, Bors, der hiesigen Ortsgruppe des Hess. Bauernbundes und Kaufmann Albert Schmidt.
Kreis Büdingen.
tzDüdingen, 31. Aug. Wie wir vernehmen, wird auf Anregung der Deutschnationalen Partei der bekannte Reichstagsabgeordnete D. Mumm aus Berlin am nächsten Sonntag hier sprechen.
--- Ortenberg, 31. Aug. Der hiesige Schühenverein, der durch den Krieg eingegangen war, tat sich wieder neu auf, als Vorsitzender wurde Dachdecker Mauer gewählt. Der Verein hält seine regelmäßigen Schießübungen auf feinem Schicßstand bei der Klippe ab. Unter Gesangverein Frohsinn beteiligte sich an dem BundeSsest deS Ridder-Seementalbundes in Düdelsheim und kehrte sehr befriedigt zurück. DaS Bntidesfest im nächsten Jahr wird anläßlich deS 80jährigen Jubiläums unseres Vereins in unserem Städtchen gefriert werden.
’ Stockheim, 31. Aug. Zu unserem gestrigen Bericht über die Versammlung dcs Hessischen Bauernbundes wird uns von der Geschäftsstelle des Bundes geschrieben: Die Versammlung in Stockheim hatte unter anderem den Zweck, di« Wünsche der Vertrauensmänner für die Listenaufstellung zu hören. Es ist von feiner Seite verlangt worden, dah die Entscheidung deS bauembündlerischen Wahlvorstandes, mit eigenen Listen vvrzugehen, einer erneuten Prüfung unterzogen werden soll. Es ist lediglich darüber ge- spi.wchen worden, ob man bei der bevorstehenden Landtagswahl mit einer rein bäuerlichen Liste vorgehen oder ob auf der Liste des Bundes auch Angehörige anderer Stänbe vertreten sein sollen. Heber diese Frage wird der Wahlvvrsland endgültig entscheiden. Der Rame Dr. Werner hat in der Versammlung überhaupt keine Rolle gespielt.
KreiS Schotten.
rr. Schlitz, 29. Aug. Der Besuch des Dauerschen Gesangvereins aus Gießen war für die gefang- und mufiklie- bende Bevölkerung unseres Städtchens ein Ereignis. Der geräumige Saal der Guntrumschen Brauerei war bis zum letzten Platz dicht besetzt und die Zuhörer hielten bei dem sehr reichhaltigen Programm bis weit über Mitternacht aus. Schlitz lernte einen Gesangverein kennen mit ■ vorzüglichem 6timmaterial und sicher geleitet vorn Taktstock seines Dirigenten. Durch besonders stürmischen Beifall wurden ausgezeichnet: „Schäfers SvnntagSlied", „Neuer Frühling", „Ein Jäger aus Kurpfalz" und ein hervorragend besetztes Quartett. Auch die Biolinfoli und Diolin-Duo waren des reichen Beifalls wert. Die Couplets wären dagegen besser unterblieben, da sie in den Rahmen der festlichen Veranstaltung nicht recht paßten. Eine Besichttgung unseres Städtchens und ein gemeinsamer Ausflug am Sonntag nach dem schönen Eisenberg bildeten den Abschluß der Veranstaltung.
Leinen, Baumwolle, Wolle und Seide, Fächer, Gaze, Tülle, Krepp, Flor und ähnliche undichte Gewebe nicht bestickt, Bodenteppiche auS Wolle, Federschmuck roh und verarbeitet, Haararbeiten, aufgeputzte Damenhüte aus Seide, Spitzen, Stickereien, Kinderhüte. . aus allen Gespinst- u>ayn, künstliche Felle, Pe zr. Waren auS Elfenbein. Perlmutter, Korallen, Schildpatt, Horn, Knochen und KLi.ien, f ine Holz waren einschließlich Rahmen, Dilderleistcn. Spielzeug auS Holz, feine Möbel und Teile, Waren aus Papier und Pappe, Waren aus Edelmetallen, auch in Verbindung mit Edel- und H^ll edelsteinen. auch gezogen, gewalzt, gehämmert ufto, frinc Porzellanwaren, Schleif- und LuxuSwaren, Automobile, belichtete kinematographische Filme, Uhren. Uhren aus Gold und andere Uhren. Wand-, Turm- und Standuhren ufto., Uhrgehäuse und Teile, Iagd- und Preßluftgewehre, kurze Pistolen. Teile für Handfeuerwaffen, Klaviere. Klavierteile, Teerfarbstoffe, Mineralfarben, natürlich und künsllich oder sonstwie zubereitete Farben, Kurzwaren, gewöhnliche und feine aus allen Stoffen außer Holz einschließlich Kinderspiel-rüge, '«rechte Bijouteriewaren. Kanzleiwaren, Bier, Hopfen. Kakao-Erzeugnisse. Zuckerrübensamen. Wein in Fässern und Gebinden. Wein in Flaschen. Spirituosen.
Liste B.
Verzeichnis derjenigen Waren, deren Einfuhr aus Italien nach Deutschland in Frage kommt: Marsala in Fässern und Gebinden. Wermuth in Fässern und Gebinden, Wein in Fässern oder Zisternen, Olivenöl, Sulphuröl, Pflanzenöl und anderes, Efsenzen aus Südfrüchten. Essenzenöle und andere, Tabak verarbeitet. Borsäure, Glyzerin, zitronensaurer Kall. Lorbeer blätter, getrocknete und frische Schalen von Süosrüchlen. Lakritzensaft, Hanfgespinste von Rr. 1 vis 10, Hanfgespinste von Rr. 10 aufwärts. Tülle und Leinen und Hanf, Baumwoll Gespinste, Baumwollgewebe. Rohseide einfach. Rohseide gedoppelt oder gezwirnt. Seide gefärbt, gesponnene Seidenabfälle roh. seidene Bänder, rohe Wurzeln für Dürsten, rohe Pfeifenkdpfe unangebvhrt, neue Möbel und Teile davon, Steinnußknöpfe, Geflecht auS Stroh, Bast und dergleichen, Lederhandschuhe aller Art, Fußbelleidungen, Automobile, Marmor, Alabaster roh, gesägt und bearbeitet, Bimstein. Graphit. GlaSwaren, GlaSschmelz. Laufdccken, Vollreifen für .Kraftwagen, Kartoffeln einschließlich Frühkartoffeln, Weizengries, Teigwarm ausWeizenmehl, frisches Gemüse, frische Tomaten, Orangen, Zitronen, Mandarinen, frische Taseltrauben. frisches Obst, getrocknetes Obst, Mandeln, Korinthen, Rosinen, Feigen, Haselnüsse, anderes Obst, getrocknet oder gedörrt, Tomaienlonserven und andere landwirtfchastliche Erzeugnisse, Stroh, Heu und dergleichen. Wachhold er beer en. Weichkäse, Hartkäse, Bettsedern roh oder gewaschen, bearbeitete ober unbearbeitete Haare. Schwämme roh und verarbeitet, Korallen bearbeitet. Elfenbein. Perlmutter. Schildpatt roh. und Arbeiten daraus, Arbeiten aus Horn, Dein, belichtete fine- matographische Filme. Musikinstrumente. Zupf- inftrumente. Hüte aus Haar. Wolle. Filz, fertige Stumpen. Hüte au« Stroh, Asbestarbeiten.
Liste C.
Verzeichnis derjenigen Waren, deren Einfuhr im Transit über Triest in Frage kommt: Kaffee, Tee, Gewürze, gewöhnliche Ware, getrocknetes Obst für Industriezwecke, ReiS, Rohtabak, Kakaobohnen.
Liste D.
Verzeichnis derjenigen Waren, deren Einfuhr aus Deutschland von Italien gewünscht wird. Ungebrauchte Maschinen, Zellulose. Thornas- fchlacke. künstlicher Dünger, Zeitungspapi^r.
Französische Stimmen zum Wiesbadener Abkommen.
Paris, 29. August. Im Vordergründe des Interesies steht das Wiesbadener Abkommen. Heber seinen Inhall werden allerhand Einzelheiten gemeldet, die sich vollständig mit der Samstagsveröffentlichung des „Temps" decken.
Aus dem „Petit Journal" erfahrt man noch, daß Loucheur bis zum Jahre 1937 die 5pro- zentige einfache Verzinsung der Summe, die Frank" reich schuldig bleibt, durchgesetzt hat und daß Frank- reich dieDestellungen inHöhe von sieben Milliarden Goldmark vom 1. Oktober 1921 bis 1. Mai 1926 nicht, wie ursprünglich im Entwurf in Aussicht genommen war, bis 1. Mai 1925 an Deutschland zu erledigen hat.
Heber den Zweck des Abkommens äußerte sich Loucheur den in Wiesbaden oertretenen französischen Zeitungen gegenüber folgendermaßen:
„3um Wiederaufbau der verwüsteten Gegenden, der möglichst rasch vor sich gehen muß, sind zwei Dinge notwendig, Arbeit und Materialien. Die Verwendung deutscher Arbeit in größerem Maßstabe war aus den bekannten Gründen unmöglich. (Es
wolle nicht, daß man efc in unfertigem Zustand sehe ufto.
Magelones Reugier wurde durch diese ziemlich ungeschickt vorgebrachten Ausreden nur verstärkt. ©re war nun fest überzeugt, daß es eine besondere Bewandtnis mit diesem Bilde haben müsse. Ihr spähender Blick hatte gleich beim Eintritt eine Staffelei entdeckt, vor der ein grüner Samtvorhang hing, hinter dem stch der Rahmen eines mittelgroßen Bildes deutlich bemerkbar machte.
Mit übermütig funkelnden Augen ging sie nun rasch darauf zu unb zog, ehe sie Waldemar daran hindern konnte, den Vorhang mit den Worten weg:
.Ach. machen Sie doch keine Ausreden. Herr Rußland! Damen schlägt man keine Bitte ab. ES liegt ja nichts daran, wenn —"
Sie verstummte einen Augenblick und rief dann überrascht:
.Aber das ist ja herrlich. Und das schlafende Mädchen hier ist ja — Dorothea. Sehen Sie an — darum taten sie so geheimnisvoll?"
Sie lachte und drohte Waldemar, der dunkel» rot vor Aerger daneben stand, mit dem Finger' .Sie haben sie also schon in MonrepoS gekannt — und in ihrem .Luginsland" gemalt. Denn das kann nur d-e Mau er dresche sein, von der sie mir einmal so begeistert erzählte, nicht wahr? Die Heckenrosen ringsum, die alten Ulmen dahinter und das verwitterte Gemäuer, nicht wahr, es ist Monrepvs?"
Waldemar nickte stumm.
.Und Sie haben es nach der Ratur genölt. Wenigstens die Skizze."
Wieder nickte er stumm. Immer dunkler wurde die Glut auf seinen Wangen. Sein Blick glitt scheu zu Hertha und Rüdiger, die beide schweigend auf kxis Bill» blickten, während peinliches Erstaunen sich in ihren Zügen ausdrückte.
DaS Bild war zweifellos ein Kunstwerk. Mit großer Meisterschaft war die poetische Romanttt deS Ortes herauSgearbeitet. Ebenso der Farbenzauber dieser Rosen, die zu buften, dieses lieblichen schlafenden Mäbchenkopfes, der leise zu atmen schien.
Aber daran dachten jetzt weder Hertha noch Rüdiger. Für beide existierte nur die schmerzliche Tatsache, dah Do ihnen ihre Bekanntschaft mit Waldemar verschwiegen hatte.
.Wie falsch ist fie!" bachte Hertha. .Wenn sie sich 'so von ihm malen ließ, muß sie ihn doch auch lieben! Und doch tut sie vor mir so gleichgültig und bringt den armen Menschen durch ihre berechnende Kälte ganz auS Rand unb Band . .
DaS Bild machte in der Tat den Eindruck einer unendlich zarten Liedesszene. Ruhland'hatte die schlafende Do genau so gemalt, wie seine Skizze ihr Bild festgehalten hatte: mit einem süßen Traum lächelnd und die Lippen in hingebend weicher Stellung. Aber er hatte diesem unbewußten Lächeln eine besondere Deutung gegeben durch Hinzufügung einer männlichen Gestalt in mittelalterlichem Iägergewand. die sich entzückt über die schlafende beugte und im Begriff stand, sie durch einen Kuh zu erwecken.
Freilich hatte er alles ins Gebiet des Märchens verlegt. Aus Dos seidigem, braunem Haar schimmerte ein Krönlein, und der prächtige Anzug des Jägers sollte unverkennbar auf einen Königs-
lohn hindeuten. Auch war unten am Rahmen deS Bildes ein Täfelchen angebracht, auf 'dem in Metallbuchstaben deutlich zu lesen stand: „Dornröschen". Aber die jetzt vor dem Bilde standen, wußten, daß dieses Dornröschen Dos meisterhaft getroffenes Porträt war und dah die Skizze nach der Wirklichkeit entworfen worden war.
Rüdiger wandte sich plötzlich an den Maler. Keine Spur der alten herzlichen Freundschaft, die sie von Kindesbeinen an verbunden hatte, zitterte in dem Ton seiner Stimme nach, als er nun scharf frag:
„Und du hast dieses Bill) — aus stellen wollen T
„Ja. Selbstverständlich nur, wenn Komtefle Dorothea nichts dagegen einzuwenden gefabt hätte. Sie weiß noch nicht, daß ich es gemalt habe . . ich erwarte ihren Besuch von Woche zu Woche . . von ihr soll es dann abhängen, ob . . .
.Ich verbiete es dir als Dorotheas Tormunb dieses Bild ausrustellenl" unterbrach ihn Rüdiger heftig. »Die Abenteuer einer Komtesse Rotherstein sind nicht dazu da, gemalt und den Augen jedes Laflen zur Schau gestellt zu werden. Traurig genug, ba ; du nicht selbst so viel 'Anstandsgesühl hattest!"
Waldemar war blaß geworden. Dann wallt- es auch in ihm heiß empor.
„5>u schlägst einen sehr merkwürdigen Ton an, Rüdiger. Erstens hängt die Entscheidung nicht von dir, sondern von deiner Kusine ab. und zweitens müßtest du doch auch den rein fünftlerifdjen Standpunkt in Betracht ziehen."
(Fortsetzung folgt)


