betten Regierungen entstehenden Streitfragen, die nicht auf diplomatischem Wege erledigt teerten können, entteeder em obligatorisches Schiedsverfahren oder ein obligatorisches Vergleich-- versahren zu vereinbaren. Die eriren Deiprechun- gen finden in diesen Tagen im Auswärtigen Amte statt. Sic teerten auf schweizerischer Seite von Prof. Max Huber, einer der bekanntesten Autoritäten auf dem Gebiete des internationalen Rechts, geführt.
Lenins Vemnbnngrn um Anerkennung der russischen Sowjetrepublik.
London. 29. 3uli. (WTD.) „Daily Mailmeldet aus Moskau, dah Lenin die Anerkennung der russischen Schuld beschlossen habe, um sich dadurch den Schutz Englands zu sichern, jedoch unter der Bedingung, dah die Höhe der Schuld endgültig durch eine internationale Kommission festgesetzt werde, und dah die Bezahlung der Schuld und der Zinsen bis 1925 verschoben werde. Lenin verlangt auch, dah die fremden Machte die Sowjet- regierung anerkennen sollen.
Mensches Hilfswerk für Rußland?
Berlin, 29. Oufi. Wegen Hebernahme der Organisation des deutschen Hilfswerks für Rußland, das naturgemäß. als charitative Mion der vridaten Fürsorge überlassen werden muhte, hat sich die deutsche Regierung sofort nach der Liebermittlung des Hilferufs Marim Gorkis an das Rote Kreuz gewandt. Rachdern sich daS Rote Kreuz bereit erklärt hat, die Aufgabe zu übernehmen, ruht die weitere Ausführung ausschließlich in seinen Händen, waS nicht auS- schlieht, dah die Reichsregierung dem Werke jede nur denkbare Förderung angedeihen lassen wird.
(Srff. 3tg.)
Aus dem Reiche.
Die neuen Steuern.
Berlin "0 3u't Das DeichSkabinett veschäst'gte sich reifem mit den reuen Steuer- Vorlagen. Rach fern „Vorwärts" einigte man sich auf eine Dermögenszuwachssteuer, eine Zuwachssteuer auf Kriegsgewinne und eine Abänderung des ilmfah- und Stern- Velabgabengesetzi'S Wie der „L k la^z*• erfährt, dürften die Besprechungen über das Steuerproblem mindestens noch zwei Kabinetts- fitzungen in Anspruch nehmen.
Die neue Tabaksteuer.
Berlin. 29. Juli. (Priv.-Tel.) Wie das „2. T." hört, werden in dem neuen Tabak- steuergefeh alle Steuerermähiaungen fort- sallen. Während der ©teuerert'-aq für das Jahr 1921 auf 1,8 Milliarden veranschlagt worden sei, erwarte man von dem neuen Gesetz einen Ertrag von 2,7 Milliarden.
Die Aufhebung -er ZuckerzwangSbewlrtfchaf- tung.
B e r l i n. 29. Juli. (WTB.) Der Wirt- Lhaftspolittsche Ausschuß und der Außen- yanbelS-KontrvllauSschuß des vorläufigen l Reichswirtschaftsrats berieten in ge- metnfamer Sitzung den Gesetzentwurf über die 1 Regelung der KaNwirtschaf t und stimm- . ten dem Beschluß des UnterauSschusseSs für Landwirtschaft und Ernährung betreffend die Aufhebung der Zuckerzwangsbewirtschaftung zum 1. 10. einstimmig zu. Anschluß deS Eisenacber Lande- an Hessen-
Rassau?
Berlin, 29. Juli. (IDoIff.) Zn der Frage Ves Anschlusses des Eisenacher Landes an die Provinz Hessen-Rassau sprach eine Abordnung aus Eisenach beim preußischen Mi- infter des Innern vor. Der Minister verwies die Erschienenen auf Art, 186 der Reich-Verfassung, der allein die Voraussetzung regele, unter denen Gebietsveränterunge i der Lander erlo gen könnten. Das Schwergewicht liege hiernach in dem Willen der beteiligten Bevblkerunaskreise. Bereits die frühere preuhifche Regierung habe gelegentlich einer kleinen Anfrage in der LandeS- versammlung im Rovernber 1920 erklärt, daß, falls von thüringischer Seite der Wunsch einer wirtschaftlichen oder politischen Annäherung an Preußen hervortrete, die preußische Regierung ihrerseits der Erfüllung solcher von den breiten Bevölkerungsmassen getragenen Wünsche kein Hindernis in den Weg legen werde.
Die KrisiS in Sachsen.
Dresden, 29. Juli. (WTB.) Im Landtag gab der Minister des Innern, L i - P i n s k l, eine Erklärung über die Ablehnung der Steuervorlage der Regierung durch eine aus den bürgerlichen Parteien und den Kommunisten bestehende Mehrheit ab. Der Minister sagte, phne Grund- und Gewer-
Die Rothersteins.
Roman von Erich Eben st ein. Copyright 1919 by ©reiner L Comp., Berlin XV 30.
20. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.)
So türmte sich eine Fülle ungewohnter Arbeit vor der Gräfin auf und verschlechterte noch ihre Laune. Der ganze Haushalt stöckle wie eine Maschine, auS der man das treibende Rädchen entfernt hat.
„Hnb alles daS, weil Papa in seiner schlimmen Laune mit jedermann Streit vom Zaun brechen muh!" sagte die Gräfin erbost am Frühstückstisch zu ihrem Gatten. „Ich weiß wirtlich nicht, wie ich dazu komme, mir solche Eingriffe in meine Rechte gefallen zu lassen! Weißt du übrigens schon," wandte sie sich an Anneliese, „daß er Dorothea nun doch nach Grafenegg nahm?"
„Dorothea? Wieso?"
„Jawohl. Sie verbrachte gestern mit Hertha den Rachmittag und Abend bei ihm und schlief dann in Herthas Zimmer. Heute sollen ihre Sachen aus dem Fürstenhaus he.übergeschafft werden. Papa soll ganz entzückt von ihr sein. Hampe erzählte es meiner Kammerfrau.'
„DaS sind ja nette (Neuigkeiten!"
-Ja, und denke nur, sie war eS eigentlich, die -er Mamsell den letzten Stoß versetzte. Sie kam gerade mitten In den Streit zwischen Papa und der Miller hinein und wies diese auS dem Zim- jtner, als hätte sie hier das allerbeste Recht, Be- tzhls zu erteilen 1",, »
b e ft e u e r sei keine Besoldungsordnung und keine Erhöhung der Pensionen möglich. Die Regierung würde es begrüßen, wenn der Landtag, wie die Verfassung es vorschreibe, durch eigenen Beschluß sich auflöse und so das Volk selbst entscheiden lasse. Die auf diese Regierungserklärung folgende Debatte brachte keine Klärung Der Lage. Schließlich wurde ein Anttag angenommen, nach dem die Regierungsvorlage noch einmal an den Ausschuß zurückverwiesen wird.DaS Haus beschloß ferner, die Einsprüche des ReickSfinanzministeriums gegen die sächsische Desoldungsvorlage vor das DeichSschiedsge- richr zu bringen. Das Haus vertagte sich dann bis zum September.
Bedenkliche Sozialis'ierungsvorschlaqe.
Berlin, 29. Juli. (Wolff.) Ein Teil der Mitglieder bet Sozialisierungskommission veröffentlicht einige Grundsätze für eine wirksame Reparation spolitik. Die Unterzeichneten der Erklärung halten eine unmittelbare Anteilnahm«' des Reiches an b en ErträgulssenDerLandwirts'chnftder 3 n b u ft ri e , des Hande l s und der Banken geboten, erstens als beste Erfassung der Steuern an her Quelle, zweitens als Anteil der Allgemeinheit an her Preissteigerung. Diese Art der Aufbringung könne daS Reich in den Besitz von Substanzwerten sehen, welche geeignet sind, bei zwingender Rotwendigkeit durch Beleihung ober Veräußerung Vermögenswerte zu sch ffen, um die Reparationsverpflichtungen zu erfüllen, und um gleichzeitig den mit der Hcberfrembung verbundenen Gefahren zu begegnen, indem durch eine planmäßige Regulierung ein regelloser Ausverkauf des Volksvermögens hintangehalten werde.
Die Zusammenstöße m Stettin.
D e r 11 n, 29. Zull (Wolfs., Wie das Reichs- wehrministerium mitteilt, wurde die Angelegenheit der Zusammenstöße zwischen Schupo und Reichswehr in Stettin der Staatsanwaltschaft übergeben.
Die Beisetzung Trimborns.
Berlin, 30. Juli. Den Blättern zufolge fand gestern in Unkel am Rhein das Leichenbegängnis Trimborns statt. Anter den Erschienenen befanden sich u. a. Minister Gies- berts, zahlreiche Mitglieder der Zenttums- fraktion usw. Der Abg. Herold gedachte in einer Rede der Verdienste des Verstorbenen.
Aus Stabt und Land.
Gießen, den 30. Iuli 1921.
Wettervoraussage
für Sonntag:
Vorwiegend wolkig, zeitweise leichte Riederschläge, wieder etwas wärmer, nach Südwest zurückdrehende Winde.
Der In nordöstlicher Richtung über Skandinavien abzlehenden Depression folgt vom atlantischen Ozean her eine weitere Depression, die zuerst wieder einen leichten Anstieg der Temperatur und später Riederschläge bringen dürfte.
Darmstadt: Höchsttemperatur 29 Grad, niedrigste 15 Grad. — Lauterbach: Höchsttemperatur 24 Grad, niedrigste 14 Grad.
38 Grad im Schatten.
Dlättermclduugen aus Karlsruhe zufolge sind gestern in den Städten der Rheinebene Temperaturen bis zu 38 Grad l m Schatten fest- gestellt worden. Auch In den höchsten Schwarzwaldorten stieg die Temperatur bis über 30 Grad.
♦
* Der heutige Wochenmarkt war wieder gut befahren. Trotz der anhaltenden Trockenheit war Grüngemüse in genügenderMenge vorhanden, kam aber bei erhöhten Preisen zum Verkauf. Es kostete Weißkraut per Pfund 1,50 bis 2 Mk.. Wirsing 1.80-2 Mk., Rotkraut 2.20 bis 2,40 Mk., Blumenkohl per Stück 7—10 Mk.. Gelberüben 2—2 30 Mk., Oberkohlrabi per Stück 0.70—1 Mk., Rhabarber 0,90-1,10 Mk , Römisch- Kohl 0,70—0,80 Mk., Stangenbohnen 2,80—3 Mk., gelbe Dohnen 2,50—3 Mk., Buschbohnen 2 Mk., Einmachgurken per Stück 25—30 Pf., Roterüben per Pack 60 Pf., Zwiebeln 1.50—1,70 Mk. Obst war sehr teuer und wurden folgende Preise gefordert: Ae"fel 2.50—3 Mk.. Falläpfel 50-60 Pf., Birnen 2,50 Mk., Pflaumen 3 Mk., Zwei scheu 4 Mk. Landbutter kostete 24—25 Mk., Eier per Stück 1,65 Mk.
•* Ein Oberschlesiertag. Nack einem Telegramm des Hess. Landesvereins vom Roten Kreuz In Darmstadt hat der Verband der Eaf^hauSbesitzer alle Caf6s zur Veranstaltung eines Oberschlesiertages aufgefvr- dert. Dieser Oberschlesiertag findet in Gießen morgen statt. Durch den Zweigverein vom Roten Kreuz in Gießen wirb in allen Eafes
»Welche Dreistigkeit I Hnö Papa duldete daS?"
»Er dankte ihr noch dafür! Aber verstehst du, was sie damit bezweckt, daß sie sich Io einschmeichelt bei ihm? Sie will sich bei ihm unentbehrlich machen, damit er ihr hilft, dem Kloster zu entgehen und Monrepos doch zu bei;alten. Ich habe sie nie für so harmlos gehalten, wie ihr andern. Ich fürchte, sie ist eine sehr schlaue Intrigantin . . .“
.Aber Carola!" fiel ihr Gatte beschwichtigend ein.
Doch die Gräfin machte nur eine ärgerliche Bewegung. .Ich bitte dich um alles in der Welt, Rainer, mische nur du dich da nicht hinein. Du bist das reine Kind in praktischen Dingen und siehst nie, was du eigentlich — sehen sollstl So natürlich auch jetzt wieder nicht, welches Einheit speziell 'uns von dieser Dorothea droht."
„Willst du es mir dann nicht wenigstens lagen, liebe Carola? Denn ich kann wirklich "beim besten Willen nicht einsehen . . .,r
.Daß wir beide allein die Verlierenden sind, wenn Monrepos uns verloren geht. Ratürlich siehst du dies nicht ein. Aber es Ist doch so. Wenn Papa stirbt, übernimmt Rüdiger das Majorat und wird sicher bald heiraten. Daß and) Anneliese und Magelone betraten und dadurch ein eigenes Helm gewinnen werden, versteht sich von selbst. Aber wir? Glaubst du, es wird mir ein Vergnügen fein, neben Rüdigers Frau hier die zweite Rolle zu spielen und meine Kinder als die Geduldeten zu sehen?"
»Liebe Carola . . ."
„Ditte, laß mich ausreden! Es stand von allem Anfang au, seit ich Ontei Achims Pläne
eine Büchsensammlung für das oberschlesische Hilfswerk veranstaltet. — Eine Sammlung zugunsten der „Oberschlesierhilfe" innerhalb der Mitgliedschaft des „Allgemeinen freien Angestelltenbundes", Ortsgruppe Gießen, erbrachte den. Betrag von 335 Mk., einige Sammellisten stehen noch aus.
♦* Fahrradmarder. Kurze Freude an seiner Beute hatte am Freitag ein Fahrraddieb. Bald nachdem der Kriminalpolizei der Diebstahl telephonisch gemeldet wurde, erhielt diese auch schon Kenntnis durch einen Wirt, daß ein Unbekannter soeben ein Rad für 25 Mk. angeboten habe. Der Dieb, der alsbald festgenommen und dem Gericht zu- geführt wurde, wird noch wegen anderer Fahrraddiebstähle gesucht. Das Rad konnte dem Bestohlenen wieder zurückgegeben werden.
•* Die Warenausgabetabelle deS städtischen Lebensmittelamts ist im Anzeigenteil unseres heutigen Dlattes veröffentlicht.
** Zur Notlage der Studenten stnd der Redaktion verschiedene Zuschriften zugegangen, in denen angeregt wird, daß In erster Linie die bemittelten Studenten zur Unterstützung ihrer notleidenden Kommiliwnen herangezogen werden. Wir halten eS für selbstverständlich, daß die geringe Zahl der bemittelten Studenten von sich aus versucht, einen sozialen Ausgleich zu schaffen und dah auch der Allgemeine Studentenausschuß in dieser Hinsicht tätig ist. Wenn einige Ausschweifungen vorgekommen sind, die ebenfalls in den Zuschriften angeführt werten, so Ist dies im Interesse "ter Studentenschaft selbst bedauerlich, sollte aber niemand ab halten, seine hellende Hand zu bieten, soweit dies in seinen Kräften steht.
VornoUzen.
— Tageskalenber für Samstag: Lieblgshöhe, 8 Uhr, Sommemachtsball der Dür- gergesellschaft. — Lichtspielhaus, „Ich bin Du". »Fata mvrgana". — Lichtspiele: „Großstadt- mädels".
— Tageskalender für Sonntag: 2Iuf der Hardt, 3 Uhr, Leichtathletische Wettkämpfe. — Lieblgshöhe, 4 Uhr. Dauerscher Gesangverein, Sommerfest. — Kaufmännisches Vereinshaus. 4 Uhr, Sommerfest. — Stadttheater, 7 Uhr, 8tz°Koller.
— Aus dem Stadttheaterbureau. Nochmals sei auf die morgen, Sonntag, abends 7 Uhr, stattflnbende Erstausführung der Schwauk- neuhelt Koller" dringend hingewiesen.
— Waldbühne. Für morgen, Sonntag, war die Wiederholung des flämischen Spieles „Lanzelot und Sanderein" geplant. An demselben Tage bringt das Stadttheater einen zugkräftigen Schwank von Arthur Hoffmann heraus. Um zu verhüten, daß zwei Aufführungen gleichzeitig stattfinden, hat die Waldbühne die von ihr vorgesehene bis auf weiteres verschoben.
— Erster 116er Tag. Die Vorbereitungen zum ersten 116er Tag sind flott im Gange und wie zu erwarten, laufen die Anmeldungen sehr zahlreich ein. Eine gewaltige Aufgabe hat der Wohnungsaussckuh zu erledigen, indem es gilt, eine große Anzahl ehemaliger Soldaten unseres früheren Regiments unterzubringen. Da bei vielen Kameraden irrige Auffassungen bestehen ' und bei dem Festausschuß eine Menge Anfragen einlaufen, die nicht alle beantwortet werden können, findet heute abend 9 Uhr im Hotel „Einhorn" eine Versammlung statt, in der berettwilligst jede Auskunft erteilt wird und zu der alle in Frage kommenden Kameraden des Regiments Nr. 116 und seiner Kriegsformationen sowie Freunde etngeladen sind.
Starkenburg und Rheinhessen.
x Offenbach a. M. 29. Juli. Die Allgemeine hessische Deamten-Sterbelasse zu Darmstadt hielt am 2t. L Mts. itee 19. Mitgliederversammlung in Offenbach ab. Die Mitglieder nahmen von der dauernd günstigen Entwickelung der Kasse Kenntnis, genehmigten einstimmig den Jahresbericht und die Bilanz und wählten den bis erigen Vorstand wieder. Aus dem Iahresdericht und der Bilanz |ct hervor- gehoben. daß die Sichertzei;sre|erve 33 500 Mart, die Prämienreserve 333 665 Mark und die Gewinn- rescrve 41 490.57 Mark beträgt. Nach Rückstellung aller Reserven ergab die Bilanz einen Heber- schuß von 10 001.17 Mark, ter die Verteilung von 23 Prozent Dividenden au8 dem Geschäftsjahre 1920 gestattete. Gestorben sind in dem abgelaufenen Zähre 34 Mitglieder, neu zugegangen sind 39 Mitglieder und Nachversicherungen bis zur Höhe von 3000 Mark. Versicherungskapital wurden von 27 Mitgliedern mit zusammen 32 100 Mark abgeschlossen. — Nach V.sckluß der Mitgliederversammlung können nunmehr Versicherungen ohne ärztliche Untersuchung abgeschlossen werden und zwar für Männer bis zu 3000 Mark und für Frauen bis zu 1500 Mart.
in bezug auf Dorothea erfuhr, in mir fest, das? Papa Monrepos für uns instand setzen und es uns als Erbe bestimmen müße. Mit ter Apanage, die Rüdiger dir zahlen mutz, und dem Meierhos, der zu Monrepos gehört, können wir ganz gut auskommen, und wer weiß, wenn Papa seinen Millionenprozetz gewinnt, kann er Monr.'pos noch arrondieren. Jedenfalls halten wir aufter eigenen Scholle ein ganz anderes Leben als hier, wo wir doch, wenn Rüdiger erst verheiratet ist, nur sozusagen das Gnadenbrot essen müßten. Leuchtet dir das endlich ein?"
Rainer rückte untehagttch auf |einem Stuhl herum. Er war ein gutmütiger Mensch, nicht sehr begabt, aber dafür von durch und durch anständiger Gesinnung. Es widerstrebte ihm, daß seine Frau so berechnend dachte und eine arme Waise um ihr Erbe gebracht werten sollte.
„Wenn nun aber Dorothea gar nicht In« Kloster will?" sagte er zögernd, denn aller Streit war ihm qualvoll.
Die Gräfin lachte trocken auf.
„Richt will! DaS fleht dir wieder ähnlich! Sie muß eben! Ihr Großvater bestimmte es doch, ES gibt In ihrer Lage ja auch gar keine bessere Versorgung. Emen Bürger.lch«n kann sie ihre- Ranges wegen nicht heiraten, ein Aristokrat würde Ile Ihrer Mutter wegen schwerlich nehmen. Was bleibt Ihr also in ter Welt übrig ? Doch nur eine überall überläftlge alte Jungfer zu werden I"
„Wählte Dorothea jedoch daS Kloster zur Heiligen AgneS, das den Rothersteins |o blei verdankt, könnte, sie eS dort ganz leicht zur Aed- tissin bringen," bemerkte Graf Rainer
„Ratürlich hat Carola recht," nickte nun Anneliese sehr energisch. .Wenn du ihr schon nicht
* Gerichtsfaal.
Frankfurter Eondergericht
Frankfurt a. M.. 29. Juli. Bei Beginn der heutigen Sitzung stellte Dr. Seckel einen Haf'entlaslungsantrag für Lehmann. Staats- antoaltschaftSrat Ramin widerspricht der Haftentlassung wegen Fluchtverdachts. Es soll jedoch durch eine neue Untersuchung durch den Gerichts- arzt fest gestellt werden, ob Lehmann verhaud- lungSfähig ist.
Kaufmann Rikvlaus Esch (Frankfurt), ter das Bureau der Allgem. Arbeiter-Union führte, erflärtc, Kunz sei innerhalb der Partei für die Bildung einer K. O. eingetreten, so daß sich der Aküousausschuh veranlaßt sah. gegen, shn vorzu gehen. Der Zeuge bestätigte, daß der ÄkllonSaus schuß ein Rundschreiben erließ, in Dem er vor dem Zusammengehen mit den Radikallsten warnte. Landtaasabgeordneter K n v t h fei für die I.K.O eingetreten und Hube einen Haftbefehl gegen Den Aktionsausschuß beantragen wollen, lieber daS Lehmannsche schwarze Buch bekundete Esch, daß eS beim Kapp-Putsch noch nicht bestanden haben könne, denn sonst wäre eS in seinen Händen gewesen. Kuriere habe es schon beim Kavp-Putsch gegeben. In bem Buch befindet sich hinter dem Ramen deS Zeugen u. a. auch ein klelngeschrie- benes 8p. Der Zeuge erklärt DaS baßln, daß es Spitzel bber Spion heißen solle. $>le Vernehmung deS Zeugen Kaufmann« Esch gestaltete sich Welter noch recht spannungsvoll. Wie der Vorsitzende konstatiert, hat der Zeuge bei einer Vorvernehmung ausgesagt, daß ein Rundschreiben an einzelne Mitglieder der K. A. P. D. bestand, worin mitgeteilt wurde, dah die I. K. O. ein Hemmnis für die Partei sei und ansaemerzt werden müsse Esch bekundet weiter, daß für die Zeit deS Kavv-PutscheS sich die beiden kommunistischen Parteien bereinigt hätten. Don militärischen Hebungen sollte In Versammlungen im Piederwald ober In der Ostend- stnaße die Rede gewesen fein. Auf eindringliches (Befragen verneint der Zeuge, daß er ter Polizei jemals Spltzeldlenfte geleistet bäte, ebenso, daß er Pulver ober Dynamit in Lehmanns Wohnung gebracht ober Lehmann (ingeboten habe.
Der Angeklagte Schwarz erfHrt hierzu, dah Esch sich bei ihm erkundigte, ob er nicht russische Genossen kenne, denn ein Dekannter habe eine sehr wichtige Erfindung gemacht und wolle sie nicht Den Parasiten In Deutschland anbieten, sondern den russischen Genossen überlassen. Esch habe ihn eingeladen und ihm dann ein Pillenpulver und Sprengstoff gezeigt. Esch befreitet DaS Schwarz behauptet, bah ihm Esch angeboten habe, mit dem Pillenpulver hausieren zu geben; ter Sprengstoff habe grünlichgrau auSgesehen.
Der ^getagte Dufraln bemeßt zu der Aussage E'chs, daß dieser Zeuge ihn gefragt habe, ob er nicht eine Vermittlungsaktion nach Gowjet- ruhland auSfübren könne zur Verwertung eines hon feinem Schwager erfundenen Sprengstoffs. Esch beftreitet die Richtigkeit dieser Darstellung DaS Gericht beschließt, den 6trafau6xug des Zeugen aus dessen Heimatsort telegraphisch einzuziehen.
Inzwischen hatte der GerichtSarzt Dr. Roth den Angellagten Lehmann untersucht. Der Sachverständige steht auf dem Standpunkt, dah Lehmann trotz seiner Hysterie haftsähig sei. Rach kur-zer Derntung lehnt daS Gericht den gestellten HaftentlasfungSantrag ab. Der Vor sitzende erflärt aber, dah er persönlich Dafür Sorge tragen werbe, dah Lehmann Im Gefängnis die größten Erleichterungen sowohl hinsichtlich der Ernährung als auch Der Spaziergänge erhalten soll. Lehmann tourte toieDer In ten Sitzungssaal gebracht.
Der Zeuge Kauern->nn Georg M ä ck e l äußerle auf Die Frage tes Vorsitzenten, ob ihm etwa- von einer K. O. bekannt sei. bah eS sich um einen Apparat g-hanbelt habe. Der sich mit Der UnterftüDung der Mitglieder befaßte. Man habe auch Gruppen gründen toollen. Die sich mit Der Bespitzelung bei Rechtsparteien belassen sollten. Vor!: Sie haben einmal bei einer polizeilichen Vernehmung gesagt Ausgabe Der K. O. sei Die Vekämvsung Dei Putsche? Zeuge: Ja, ter Au-Druck K. O. ist mir allerdings unbekannt gerieten. Der Zeuge Ist bei? Ansicht, Daß Esch eine eigenartige Rolle In Der Partei gefhrlt habe. Der Mechaniker PH. Groß hielt Die I K. O. für eine zwanglose Vereinigung Innerhalb Der Partei. SS bestanDen in Dieser Vereinigung etwa sechs bis sieben Distrikte. jeDe zu 20 bis 30 Mann stark. Wenn etwa- „vorkommen" sollte, Dann sollte eS von Distrikt zu Distrikt gemeldet werden. Die Aussagen tes Zeugen haben wiederholt gewechselt.
Dermsschtes.
Waldbrand.
fpd. Kreuznach, 29. Juli. Auf noch unaufgeklärte Weise brach im Kreuznacher Stadtlvald Feuer auS, das mit rasender Geschwindigkeit um sich griff. Die Wehren
beistehft, |o lasse sie wenigstens ruhig gewähren. Rainer. Sie versteht ja doch alles viel besser als du. WaS diele gute Dorothea mit dem lausten Gesicht anbelangt, |o habe auch Ich ihr von Anfang an nicht getraut und damit ja recht behalten Armselig und häßlich wie ein Rauhbeinchen tarn sie hierher und tat, als wagte sie nicht den Mund aufzutun. Aber sie hat sich unter Magelone- Leitung lehr rasch herauSgemaulert und, wie man sieht, sogar schon das Befehlen gelernt. Wir müssen uns also energisch gegen sie verbluten und trachten, fle beizeiten los zu werden, ehe sie Boden gewinnt. Ich werde darüber mit Rüdiger sprechen, Denn Papa halte ich, unter uns gesagt, überhaupt nicht mehr für ganz zurechnungsfähig. Sr ist eben schon ein GreiS, mit Dem jeder machen tarnt, waS er tDULT*
„Aber Anneliese! DaS ist doch gar nich wahrl Wie kannst du so von Papa sprechen, der es an geistiger Frische mit jedem von uns auf* nimmt!" rief Rainer unwillig.
Aber seine Schwester beachtete seinen Siu* Wurf nicht einmal. Sie wandte sich wieder ar die Gräfin.
.Trachte nur recht rasch, einen Sri oh für die Miller zu finden, liebe Carola, damit am Sonntag alleS klappt. Ich erwarte Weudloh und einige Ieiner Kameraden. Auch Die KrackclSbergS unD Sepbwe von Lautereck Haden stch für Den Rach mittag angemettet."
„So — nun will ich daun gleich nach bet Stadt fahren und' auch nach Wien an ein Bureau telephonieren. Ratürlich müssen wir |ch!eu- nigst Ersatz haben."
(Fortsetzung folgt) *


