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2*nB freie Gieße».

x Leidg « st « rn. 29 3um Rächst« Sonn­tag. bei 3.. und Montag, den 4 Juli, begebt ber (Bdanfperetn ..Eintrachf-Leihgeftern )<nn 60- I ädriges S t i s t u n g S f e st. verbunden mit Ardaenweihe. Es haben sich diS jetzt 27 aus- öärtige Gesangvereine angemeldet. Das Fest ver­spricht einen schönen Verlauf zu nehmen.

Trohe, 28 3unL Unter der Teilnahme ber ganzen Gemeinde feierten wir am Fuße des Burgberges unter Iugendsest. Auch von aus» eätu waren Gäste erschienen. Die Kinder sagten Gedichte auf und spielten einige Theaterstückchen im Freien, während die Buben sprangen und allerhand Spiele veranstalteten, führten die Mäd­chen einige Beigen auf. Die Verteilung der von der Gemeinde gestifteten Brezeln bildete für die Kinder den Höhepunkt des Festes.

Ärcie Büdingen.

Groh« Feuersbrunst

n. Schwickartshausen .29. Juni. Heute morgen gegen Vj12 Ufcr brach hier in einer Scheune Feuer aus, zu einer Zeit, in der die Dorfbewohner zum größten Teil auf dem Felde mit der Einbringung- der Heuernte befchästigt waren Das Feuer breitete sich mit rasender Schnelligkeit auS und griff tm Ru auch auf die umliegenden Gehöfte über. Als die in den nächsten Ortschaften sofort alarmierte Feuerwehr auf der Brandstätte erschien, wütete das Feuer bereits in vier Gehöften. Das zum großen Teil in den Scheunen schon aufgespeicherte Heu, große Strohvorräte, die ländliche Holzbauweise gaben den Flammen reichliche Rahrung Dazu tarn noch der große Wassermangel, so daß man sogar Jauch« zum Löschen verwandte. Trotzdem die Feuerwehren von Eckartsborn. Ortenberg, Hirzenhain, Ltßderg. Fauerbach. OberlaiS und Bavenhausen sv schnell wie irgend möglich zur Stelle waren, konnte eS nicht verhindert werden, faß tm ganzen ein Wohnhaus, fünfgroße Scheuern und einige Stallgebäude bis auf bi e Gru ndmauern nieder­brannten. Darunter befindet sich auch das ganze Anwesen deS allen Bürgermeisters Bechtold von hier, der kaum das notigste Inventar retten konnte. 3m Augenblick, 4 ilßr nachm. sind die Wehren bereits ko weit Herr der Lage, daß die Flammen auf ihren Herd beschränkt sind. Es ist nur dem hillsbereiten und rechtzeitigen (Ein­treffen der Männer aus den Rachbargemeinden und deren angestrengten Bemühungen zu danken, daß die Wohnhäuser der betroffenen Anwesen, die alle bereits geräumt und zum Teil auch schon mehr oder weniger vom Feuer gelitten hatten, doch gereitet wurden Das Hausgerät aus den ge­läuteten Häusern und waS sonst gerettet werden sonnte, liegt kunterbunt in den Straßen umher Der Desamtschaden ist erheblich und kann noch wicht genau geschätzt werden. Die Betroffenen find zum Teil gar nicht, zum andern Teil nur mit VorkriegSwerten versichert. DaS in den Ställen stehende Großvieh konnte rechtzeitig in Sicherheit gebracht werden Die zwei Pferde des Bürger­meisters Bechtold wurden aber erst tm letzten Augenblick von zwei beherzten Lißberger Män­nern aus dem brennenden und einstürzenden Stall gezogen. Schweine, Ziegen, Geflüge. wurden fast ausnahmslos ein Raub der Flammen. Die Feuer­wehrmannschaften werden wohl auch noch den ganzen morgigen Tag mit dem Riederkämpsen deS Feuers zu tun haben Die Ujfacßc des Bran­des ist unbekannt. Angeblich soll es in der Scheune de- Landwirtes Gustav Fritz seinen Ausgangs­punkt gefunden haben.

Kreis Lauterbach.

L. Lauterbach. 27. Juni. Die von Ober- Pfarrer Knodt-Schlitz herausgegedenen und seil Jahren hier erscheinendenGeschichtSblät- t er für ben'Äre i« Lauterbach" waren nissige der Zeitverhältnisse in finanzielle Schwie­rigkeiten geraten, wodurch ihr weitere- Erscheinen in Frage gestellt wurde. Bun Hal Graf Wilhelm von Schlitz 2000 Mk. gestiftet, um das weitere Di scheinen der Blätter zu ermöglichen.

Hessen-Nassau.

Frankfurter Stadtverordnetenversammlung.

mc Frankfurt a. M., 29. Huni. Die gestrige Sladtverordnetenversammlung beendete nunmehr endgültig die Generaldebatte des diesjährigen Haushaltsplanes. Die Stadt­verordneten Fammler (Ztr.), Landgrebe (D. Bp.) und Ragel (D.-R.) betonten die Aotwendigkeit des Sparens in der städtischen Berwaltung und 1 orderten vermehrten ArbeitSgeist sowohl unter den städtischen Beamten wie Arbeiterschaft. Stadt­verordneter Plewe (ASP ) und gleicherweise Stadtv. Lang (Kommunist) kamen zur Ablehnung des Etats, da er nicht ihren Anschauungen vom wirtschaftlichen Leben einer Kommune entspreche.

3n ferner Schlußerklärung betonte der Oberbür­germeister. auf seine vielbesprochene und trmfietle Watrebe zurückkommend, «r hab« die geistige Ar- keit keineswegs geringer bewerten wollen, wie bi« rein körperliche Gr betonte jedoch, daß die Lehrer- fchaft di« Pflichtstundenzahl erhöhen müsse, denn wenn jeder Lehrer wöchentlich nur eine Stund« wehr übernehme, spare die Stadtverwaltung im Hahre rund 1 Million Mark Aach kurzen Er­klärungen des Bürgermeisters Gräf trat Der- lagung bis Donnerstag ein.

Kirche und Schule.

rt 2idß. 30. Juni Der Ougenbtag wurde hier von der Schule nur in ganz schlichter Weile begangen. Dasür soll am Sonntag den 10. 3uli ein allgemeines x) u g e n b f e ft stattfinden Es soll am Rachmittag 1 Uhr durch einen mit ge­fänglichen Darbietungen verfchönten Festgoties- dienst eingeleitet werden 'Darnach wird auf dem Hardtberg unter Mitwirkung der Schule und der Dereine ein allgemeines Jugend- und Volksfest gehalten.

Gerichlssaal.

Jl Marburg, 28. 3unt Aachdem das letzte Schwurgericht zwei ältere Schreiner wegen Ein­dringens in die Werkstatt des Obermeisters Ros« gelegentlich des Schreinerstreik- im August v. Hs. zu mehrmonatigen Gefängnisstrafen verurteilt hatte, standen heute abermals sieben Schrei­ner wegen derselben Sache vor dem Gericht. Sie gaben an, baß sie die in der Werkstatt ar­beitenden, sämtlich nicht organisierten Gehilfen an ihre Kollegenpflicht hätten erinnern wollen Mißhandlungen stritten fie ab. Die sämtlich sonst unbescholtenen Männer wurden unter Annahme mildernder Umstände wegen einfachen Haus­friedensbruchs zu je 150 Mk Geldstrafe ver­urteilt

Landwirtschaft.

X L i ch. 29 3um. Rächst en Samstag, nach­mittags 33/, Uhr. findet im Gasthaus zum Löwen die diesjährige ordentliche Mitglieder­versammlung des Kreisrinderzuchtver- eins Gießen (Simmentaler) statt, wozu der Di­rektor deS Bereins in seiner Bekanntmachung im Gießener Anzeiger am letzten Samstag alle 3nterefsenten eingeladen oat

Turnen, Lpiel und Sport.

Radfahrer-Fest. Zu dem vom 2. bis 4. Juli auf der Liebig-Höhe stattfindenden Gau- Sommerfest des Gaues IXa Sieg-Labn des Bun­des Deutscher Aadfahrer ist es dem Bemühen des G. R. D. 1885 gelungen, die KreiSmeister im 8er Kunstreigen zu gewinnen. Außerdem haben sich die weit über ihren Gau in Aadsportkreisen be­kannten Debr. Schreibweis vom Radfahrer-Verein Germania" Höchst a. M. bereit erklärt, ihre Duo- Szene auf dem BadeDas lustige Ehepaar" vor- zuführen. Bei dem zu erwartenden großen An­drang empfiehlt es sich, schon im Vorverkauf Dauerkarten zu lösen.

Vermischtes.

Unfall eines französischen Truppentransport- S»ges.

L u n e v i l l e . 29. 3uni. (WTB.) Heute mor­gen stieß ein TruppentranSportzug aus den Rheinlanden mit einem Zug. der bei Suneville rangierte, zusammen. Drei Soldaten wurden getötet und 17 verwundet, drei davon schwer. 'Die Geleise waren für mehrere Stunden gesperrt.

Müllcr'schc Badeanstalt

Wasserwärme der Lahn am 30. 3tmi: 18° R.

Handel.

Disconto-Gefellschast Die Direk­tion der Discontv-Gesellschafi schlagt aus den reichen Gewinnen des Hahres 1920 eine Erhöhung der Dividende um 6 Pro.;, auf 16 Proz. vor Ferner hat der Aufsichtsrat beschlossen, der Ge­neralversammlung die Erhöhung des Kommandit- kapitals um 90 Mill. Ml. auf 400 Mill. Mk. vorzuschlagen. Der Bruttogewinn beträgt 397 936 Mill. Ml. gegen 128,37 Mill. Mk. i. B. Dte Un­kosten haben sich in demselben Umfange vermehrt Die Derwaltungskosten betragen 198,59 gegen 59,8 Mill. Ml. Die Steuern 45,6 gegen 153 Mill Ml. Unter Berücksichtigung des Gewinnvortrages ver­bleibt ein Reingewinn von 160,13 Mill. Mk. gegen 53,5 Mill Mk

Berlin, 29.3um. B ö r s e n st i m m u n g e- bild. Wegen der gestrigen Meldung über die bevorstehende Herbeiführung des Friedenszustan­

des zwischen Amerika und Deutschland ba:tx man eine beträchtlich« Besserung des Re« Yorker Markkurie». als tatsächlich eingetreten. erwartet Die Enttäuschung hierüber trug zur beträchtliche.-. Steigerung der Devisen kurte uu heutigen Verkehr bet Man nahm aber an, baß hierbei rein spekulative Käufe tm Hinblick auf Anschaffungen für die Repara- tionsfchulben eine wesentliche Rolle gespielt ha­ben. 3nfolgebef)en gestaltet« sich b#r Verteyr in 3ndustri«w«rt«n unregelmäßig, kein«»weg- herrscht« «in grohrr Kaufandrang im freien Ver­kehr Am Montanmarkt waren anfangs vielfach leichte Abschwächungen bemertbai. Spalcrhin trat dort eine entschiedene Befestigung hervvr Rdein- metali gewann auf 3nt«resfenkäufe 30 Prvz. Sen- sotionest höher wurden Adler & Oppenheimer, nämlich auf ca. 1400 angenommen, wegen be­günstigen Bezug» rechts infolge der Vertuns- fachung des Kapitals. Diskonto Sommandit etwas anziebend auf bi« bevorstehend« Kapitolserhöhung Schantungbahn stiegen unter lebhaften Schwan­kungen 12 Prvz. auf neuerliche Gerüchte ubei Ver- banblungcn mit Hapan über di« Entfchadigungs- fragc Der A»lag«markt blieb fest Deutsche An­leihen waren teilweise anziehend Jlkfitancr waren auf die Steigerung der Devisen höher.

Frankfurt a. 29. Juni. Bdrsen- stimmungsbild. Die feste Grundstim­mung hielt gegen die Lchlußkurfe an, und es kam besonder- in Kassainduskrieaktien zu er» chebltchen Kursbefestigungen. Zement Lothrin­gen, Gelsenlirchen Gußstahl je 10 Proz. ge­steigert Leders. Adler und Oppenheim zirka 1400- 1500 stark gefragt. Mangels Angebots kam eine Notiz zustande. Montanaktten fester. Kali Westeregeln stiegen 20 Prvz. Ehemische Werte behauptet. Slektrvtoerte lebhafter. Bergmann 346, 344. Schantungdahn mit 580 gut behauptet. 3m freien Verkehr Gebrüder Fahr Awstchen 338 und 345 gehandelt. Der Schluß gestaltete sich fest. Deutsche Petorleum lebhaft 780, 790.

Frankfurt a.DL. 30. Juni.

Berliner Devisenmarkt.

Geld Brief Geld Brief Taturn . 28. juni. 29. Zum.

Amsterdam- Jlohttö. 2407.55 2412,45 2442,55 2447,95 Brüssel-Antmerpen . 586,90 588,10 596,40 597,60 Thristiania 1043,95 1046,05 1064,90 1067,10 Kopenhagen 1233,75 1236,25 1253,70 1256,30 Stockholm 1623,35 1626,65 1645,85 1649,15

Helstngfor» 120,35 120,65 118,35 118,65 Italien . . I 357,10 357,90 367,10 367,90 London........ 273,20 273,-0 278,70 279,30

NeuyorK 72,67 72,83 74,29 74,45 Pari» 589,40 590,60 599,40 600,60 Schwei, 1233,75 1236,25 1253,701256,30 Spanien 959,- 961,- 976,50 978,50 Wien (altes),-

Deutsch. Oesterr. . . . 12M 12^2 12,88 1'2,92

Prag 98,80 100,- 100,45 100,75

Budapest 28,07 28,13 27,97 28,03

Bulgarien ..... K»av«rtvu>pel. . . .

vörfenlurse.

Datum: Sh, Disch Ariegsanl. 4/, Dtfch. Reich »an!. 3*/, DtschJtcld>s«n!. 4e/, Preuß Aon|els Darmstädter Bank Deutsche Bank Disronio.Gejeüschoft Dresdner Bank Nationaldank f. D. Mitteid. (Irebitbank . A.-Smerih Paketj. Nordbrutscher Lloyd. Doch Gußstahlwerk D.-Luxernh Berg«. Gelsenkirch. Bergw. . fyarptnerBergbau . Oberschles. Lisenb -B Oderschlef. Lifeninb . Phönir-Bergd -Aki . Bad. Lmlin- u. Loba Höchster Farbwerke. Llektr.L L G . . . Schuckert-Werke. . . Felten-Guilleaume. . Daimler Bub.- Lifeno» - Akt. . Adlerwerke 4*/0 fXÜ Sioaisanl . Elektron Griesheim

Frankfurt Berlin

Hbenb- Abend- Schluß- vchluh- ÜurS Stur» Kurs LurS

28.6. 29.6. 29.6. 29.6.

77,50 77,50 77,50 77,50

77,60 78,10

- - 76,- 75,75

- - -,- 70,- 69,70 177,50 168,-

324 - 323. 322,60

278,50 273,25 275.50

226,50 226,50 181,50 181,-

166,- 166,50 166,- 167,-

167,- 168,75 165,25

- - 148,- 147,50

--539,- 525,- 360'- 364,- 363,- 364,- 384 - 395,- 334, 395,- 555 - 555, - 560, - 553,50 309*- 315,- 306,50 316,-

275,- 274,- 277,-

-'- 757,- 760,-

403'- 503,- -,- 398,

329*50 328,-

299,25 299,50 299,50 299,50 276,- 278,- 273,- 280,-

-,- 545,- 532,- 510,- 235,50 225,25 236,50 227, -

585,50 585,- 283,- 283,- 282,- 288,50

-,- 71,60 71,50

-,- 305,- -, 305,-

IRcrfiwtimnitnt.

Für 100 deutsche Mark wurden gezahlt.

' Taten: 1-7,14. 28.6. 29.6,

Zürich Fr 125,43 RJC 7^5

Amsterdam Fl 50^0 4,17 4.06

Mopenbeg«........Ar 88^1 8^0 8.»

Prag Ar 117,*) Stockholm Ar 88.3) 6,15 6.25

IDttn Kr 117,88 963,52 l'Bwbon LH. 97,8) 7,14 7,77

P«ie ..........Fr 125,40 16,87 16,75

NeuperK..........| 23,8 J 1,35 1,34

Züricher Devisenmarkt.

Bechtel auf: Schweizer Front»

Holland 100 rn 19 19 .40

Deutschland 100 L8fc. = 8.15 7.8"

Wien 100 Ar. a 1.075 1.02k

Prag 100 Ar. = L20 7.90

Vari» 160 Je. 47.65 47.45

Land»« ! t = 22.27 22.20

Italien 100 L. - 29k25 28.90

Brüssel 100 %r. 47.45 47.25

Budapest 100 Ar - 130 2.22t

NeuyorK. ...... 100 $ = 590-- 594.-

Ägram ....... 100 Ar. == 3.90 :<-85

Bukarest 100 C. 9.15 9.-

Markte.

Frankfurter Obst- und Gemüsemartt.

8 r a n 1 f u r t a. HL. 29 Juni Der Cbftmartt war beute mit Kirschen, Fohaimiv-. Htm leere«. Birnen und Heidelbeeren gut be'chickt. doch urnren die Preis« srst Stachel- und C rbbccrenÄulvhren waren ungenügend^ bi« Preis« ßoch D«r Gemüse­markt batte reichliche 3ufubren von Erbsen: Preise sest. All« anderen Gemüse mären nicht lehr reich­lich angefabren und wurden zu hoben Preisen schnell gciäumt. 3m Großhandel wurden be­zahlt Aprikosen 9. bis 12 Mk. Pfirsiche 10 bis 12.- Mk. Kirschen (süß«) 3. bii 4 Mk . (1aurei2.80 biö 3 30 TU . Birnen 2 30 bi» 4 Mk.. Erdbeeren (große) 9. bi» 12 Mk (kleine) 5. bis 6 Mk. Johannisbeeren 2 50 bis 270 Mk.. Stachelbeeren (reife) 3. Mk, Himbeeren 4 50 Mk.. Heidelbeeren 3.50 bi- 3.80 Mk.. Tomaten (span.) 5.- Mk . (deutsche) 6 bi» ? Mk.. Erblen 1J0 bis 2. All, Weißtraut 1.20 bi« 1.50 Mk.. Wir­sing 1.20 bis 1.50 Mk. grüne Bohnen 3.50 bis 4 - Mark, dlcke Bohnen 2.

bis 080 Mk . Blumenkohl (holl ) 5 bis 6 Mk.. (deutscher) 1.50 bis 8 Mk Gurten (boll.) 3. bis 4. - Mk. (deutsche) 1.50 bi« 6 50 Mk

(3n einem Teil der Auslage wiederholt.) Befreiung von Gleitoitz und Hindenburg.

B c r I i n, 29. ^uni Wie der ..Vorwärts" au« Oppeln meldet, haben nach dort vorliegenden Rachrichten die Polen tatsächlich begon­nen. das von Ihnen besetzte Gebiet z u räu­men. Gleiwit, und bas .Industriegebiet um Hindenburg mit der Stadt Hindenburg selbst sind frei, jedoch noch nicht pafficrbar Sämtliche» zur Verfügung stehende deutsche Eisenbahnmatertal wurde von den Bolen mitaeschleppt, so daß bUßer noch leine Möglichkeit besteht, den Sisenbahnver- tehi wieder einzuleiten. Die Polen haben ihr ge­samte» Kriegsmaterial aus der Eilenbahn abtrans­portiert. 3n den Dörsern sind eine Menge Leute zurückgeblieben, die bei den Insurgenten Dienst getan haben

Line Kundgebung Sschertchs.

München 29. 3unL (WTB.) Dr Esche- rich hat an alle Krei«- und Gauhauptlente eine Kundgebung gerichtet in der er ihnen mit­teilt, daß er infolge der Verfügung der Reichs- rcglerung zur Auflösung der Einwohnerwehren 'Bayerns sein Ehrenamt al« Landes­hauptmann der Einwohnerwehren 'Baßem« niederlege.

Spruch eines außerordentlichen Gerichts.

2( o r b b a u | c n, 29. 3uni (WT B ) Vor dem außerordentlichen Gericht hatte sich der lommu- nistische Stadtrat Franke aue Sangerhausen wegen Hochverrats zu verantworten. Di« Vei Handlung endete heute mit der Verurteilung des Angeklagten wegen Beihilse zum Hochver­rat zu 6 fahren Znchlhau «. 6 fahren Ehrverlust, woraus 2' Monate Untersuchungs­haft angerechnel wurden

Rach Rußland geflüchtet.

Berlin, 29 3uni Der Adjutant von Hölz während de» Märzaufruhrs. der früher« Redakteur der Mansfewer -iritung. Josef Schneider, der von den Behörden eifrigst ge­sucht wurde, ist lautBerliner Tageblatt" in Mos­kau in Sicherheit und nimmt an den Beratungen des Kongresses der dritten Internationale teil.

Mittelalterliche Volks- und Mysterienspiele.

Groß ist die Zahl der (Erneuerer, Verbesserer und Sttocdcr, die guten Willens sind, die Welt oder Seele des Menschen umzuschaffen. Gemein­schaften, Sekten und Bünde gründen sich in der Sttlle oder unter lautem Tamtam, schleudern Aufrufe, Manifeste und Proklamationen auf die arme Menschheit, die nicht weiß, welcher Bot­schaft der Glaube gebürt aber nur wenige bringen bis zur eigentlichen, fruchtbringenden Tat vor. Der Gemeinschaft Haaß-Berkow ist sie ge­lungen. Richt weil es sich um eine Gemeinschaft handelt, die sich in einem fast religiösen Geiste zutammcnschloß. sondern, weil ein Führer an ihrer Spitze steht, der die Einzelglieder zum Werk­zeug seines Gestaltungswillens zusammenschweißt: nicht, weil dieser Führer das Reue um icden Preis suchte, sondern weil er das gute Alte mit neuem Geiste belebte und wieder auserstehen ließ.

Die die Spiele sich entwickelten, geht aus eir.cm Prwspekt der Gemeinschaft hervor. Gott­fried Haaß-Berkow war bis Kriegsausbruch bei Mar Reinhard Schauspieler und Lehrer an der Schauspielschule des Deutschen Theaters 'Berlln sowie an der von Maria Moisli. Im Dezember 1914 wurdc unter seiner Leitung das EHrist- geburtsspie! aus Oberuser in Göttingen aufge- füßrt. Zum ersten Male verwendete er keine Berufsschau'vieler, sondern Studenten und andere künstlerisch intcreffierte junge Menschen Der Ein- $en d^se Aufführungen machten, bewirkte. ^^Haatz-Dertow in den folgenden Jahren auch .^anderen Orten Deutschlands zur Leitung uyrürcher Spiele berufen wurde. Rach dem Kriege es ihm, auf Anregung von Eugen Diebe» "Ä 'm Einvernehmen mit der Volkshoch» Thüringen ' Jena aus früheren Spielern, r rrrllu?CRtcn Kunstschülern, eine ständige E)rtelllchaft von ^Damen und 8 Herren zusam» merizustellen.

Haaß-Berkow hatte also, und das war die Vorbedingung feines Erfolges junge begeisterungs­fähige und bildfame Menschen zur Verfügung, die keine fchauipielerische Gewöhnung abzustreifen hat­ten und seinen künstlerischen Intuitionen sich rest­los hingeben konnten. Der Prospekt lehnt es zwar ab. daß Berlow sein künstlerisches Dollen mit Reinhardtidentifiziert" habe, aber man gebe auch Reinhardt, was Reinhardts ist und erkenne seinen unverkennbaren Einfluß auf die Stilrichtung der ganzen Spiele an. Damit soll nicht bestritten wer­den, daß Haaß-Berkow ein genialer Spielleiter ist ünd es als sein Verdienst bezeichnen kann, das Schau-Spiel der Augen zu einem Schau-Platz des Seelischen verwandelt aus impressionistischen Bil­dern expressive (um das Wort erprefsionistlsch zu meiden) Gestaltungen gemacht, das flüchtige Büh­nenbild zur wuchtigen Bedeutung tiefer Symbole emporgehoben zu haben.

Die Mittel mit denen er dies erreicht, sind ebenfalls nicht neu. aber in vollendete Harmonie gebracht. Wort und Geste und Farbe stehen in innerllch bedingtem Einllang. fließen in den rein­sten und ausdruckstlarsten Akkorden zusammen. Die Gesten Hodlcrfcher Gestalten wurden au vielfach sichtlichem Vorbild. Denn tm Paradeisspiel der Herrc Gott über die Bühne schreitet, so,'cheint er sich losgelöst zu haben aus jenem Hodlerbilde wun­dervoll schreitender Greisengestalten, baa bie Un- terfchrist .Eurhythmie" tragt. Eurhythmie vollendeten Rhythmus möchte man auch die Gest« dieser Schauspieler nennen. Möglich, daß von ihnen Fäden zu dem Anthroposophen Dr. Rudolf Steiner "hinüberlausen. der neuerdings in einer Sch-lc der Eurhythmie den belar^lnswer- ten Versuch machen läßt, die innere Schönheit Goethescher Lyrik durch Körperbewegungen junger Mädchen zu verdeutlichen. Aber wenn Haaß- Berkow seine Schauspieler zu e m em Stall an g zwi­schen dem Rhythmus des Vers^, des ®ange< und l^rGeste erzieht, so hat di^Smr' unbabelt &en nrtmrschen Ausdruck in ungeahnter Werfe. Der

Vers bleibt jedoch nicht Musik allein. Er wird von lebendigstem Atem erfüllt, der jedes einzelne Wort in her ganzen Mystik feiner Vedeutung und seines Ötimmungegebaltcö auf blühen läßt. So wird auch hier über Versdellamation und Sinninterpretation hinweg eine höhere Synthese geschaffen, in der Klang, Sinn und Stimmung zufarnmenfließen.

Dies alles wird übertragen und neuerlebt an Dichtungen wertvollsten Volksgutes Der letzte Ausdruck den man für die so erreichte Wirkung ftnben kann, ist religiöse Weihe. Wer am ersten Abend das Theater verließ, hatte den Sinn von Schillers Wort vorn Theater als moralischer An­stalt erlebt, denn hier kamen dem ausgeprägten Stilwillen die mittelalterlichen Szenen selbst ent­gegen.

Der zweite Abend mit Vollsschwänken war keine Enttäuschung, aber er zeigte die Grenzen, an denen das feste Gefüge dieses Stiles sich lockern muß Auch in derAugen Bauerntochter und den .zertanzten Schuhen" blieben die Harmonie von Farbe. Wort und Bewegung erstaunlich, aber das zwingende Gefühl dies ist der letzte, endgültige Ausdruck, kam nicht auf. Der Stil Haaß-Berkow bleibt in seiner reinsten Form an Spiele religiösen und symbolischen Inhaltes gebunden

Im ..Pa radeis spiel" war er bewun­dernswert herausgearbeitet Die tiefe Einfalt, die handelnden Personen von den bäuerlichen örjah- lern einrahmen zu lasten, die plasttschen Gesten der Engel, Adams Erweckung auS dem Schoße ®otiee: die Erschaffung der der Teufel. Schlange geworden vor dem Baume der (Srfennt- ui»; die wundervolle Losung desHinairSschla- gen-E aus dem Paradiese.

Im Totentanz war der Stil erfühlt und erfüllt. Man wird es nicht vergessen, wie nach dem macabrcn Rhythmus des Totentanzes die Vertreter der Menschheit wie starre MarroneUen im Streife um den Tod tanzten und in ihrer Hal­tung erstarrt fernes Anrufes warteten. Wie er den Machtwort-, des Königs brach: wie er die

Edelfrau im Menuett geleitete: wie er dem Bauern aufspielte: die schöne Maid das Leben vertanzen ließ; mit dem Land-knecht den letzten Marsch tat. das sieche Mädchen erlösend fußte und da« Kind der Mutter in den iBugen Schlaf wiegte. Wie der Tod jeden bei feiner Art packte, wi« er die Seele jedes Menschen in verschiedenem Tanz« und verfchied«n«r Melodie ausdeutete, dies wai ganz groß; war die reifste und tiefste Möglichkeit eines unerhört geballten Stilwillen«.

Es mag dem Ginnt der Spielaemeipschaft widersprechen, einen einzelnen Schauspieler bet- au-zugrcisen. da alle in der Ankündigung ano­nym bleiben Aber die Verkörperung des Tode» durch Haaß-Berkow selbst tvar eine so fabelhaft« schauspielerisch« Stiftung, ttnt Io aufwühlende Be­seelung einer allegorischen Gestalt, daß auch her Unempfindlichste von ihr erschüttert wurde.

Man muß es schmerzlich bedauern, daß eine Wiederholung de- Totentanzes am heutigen Tagt sich nich' mehr ermöglichen ließ, da die Gemein­schaft an diesem Abend schon wieder in Solingen spielt. 5ine Wiederkehr wird vor Winter nicht möglich fein, llmfomehr ist dem Bund zur Pflege von Mufi! und Literatur zu danken, daß er die Bekanntschaft mit den Spielen überhaupt ver­mittelt hat Leine Bemühungen waren die-mal von dem 'chbnsten Ertolge getränt Erwähnt sei noch, daß das Quartett des Bundes hinter der Bühne die Musik zu den Totentänzen ou-führte.

Rachdem biefe Zeilen geschrieben sind, bittet uns die Gießener Ortsgruppe des Bundes für Dreigliederung des sozialen Organismus (An­throposophisch Gesellschaft) daraus hinzuweijen, daß die Ortsgruppe am nächsten Dienstag einen Vortrag aberDie geistigen Grundlagen der Haa'^-Derkvw-vpiele" reranftalten werde. Das Lokal werde twch im Anzeigen teil bekannt gegeben, liniere Vermutung, daß Fäden von Steiner zu Bertow oder umgetehrt laufen, scheint dadurch be­stätigt. - zz.