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'ZteUanfcDauung io eng verknüpft sind, bah, wenn man die Weltanschauung bekämpft, man unbedingt die Person mit bekämpfen muh. 3m übrigen aber totrb es niemand gelingen, mir oder einen unserer Redner eine rein persönliche Kampfes weife nach-- Mweifen Es ist uns auch niemals eingefallen, etwa bas Pflichtgefühl Der Herren Minister zu bezweifeln oder der Regierung einen Mangel an Pflichtgefühl vorzuwerfen. Einzig über CBc- fähigung kann und ist man In weiten Volts- lreifen verschiedener Ansicht. Auch in den Aus­führungen über daS befehle Gebier kann ein Dor­wurf mdngelnden Pflichtgefühls nicht liegen. Frei­lich, für die höheren Verwaltungsstellen (sind wir der Ansicht) kommen nur solche Beamte in Betracht, die über die unbedingt notwendigen Dorkenntnisfe in rechtlicher und verwaltungstech­nischer Beziehung, in der Geseheskunde usw. ver­fügen. Wir meinen doch, das) selbst der tüch- tigfte Gewerkschaftssekretär für solche Posten nicht in Frage kommt, und wenn die Regierung sich da­gegen wehrt, so dient sie tatsächlich den Inter- efse.i des Staates. Tie (zur Linken) haben es ja völlig in der Hand, dahin zu wirken, daß der akademische Beamtennachwuchs sich einstmals zu 3hren politischen 3deen bekennt. Wenn ich auch meine Zweifel daran habe, bah Ihnen das ge­lingen wird, so haben Sie es tatsächlich In der Aanb, und wenn Ihre politischen Ideen lebenS- sähig sind, wird eS Ihnen auch gelingen. Was nun die Vereinfachung bei Staatsverwaltung betrifft, so sind natürlich nicht Ersparnisse klein­licher Posten gemeint. Aber, wenn man sieht, wie heute noch daS völlig überflüssige Ernäh­rungsministerium in zweierlei Form bestehen bleibt, so kann daS eben nur aus parteipolitischen Gründen verstanden werden Wenn die Zunahme der Eingänge bet den einzelnen Stellen hier ein­gewendet wurde, so möchte ich doch feststellen, daß diese Zunahme sicher schon während des Krieges eingetreten ist. Tlun ein paar Worte nu dem Herrn Staatspräsidenten und seiner Ar- hdlger Siebe: Ich meine, ein Ressortminister kann recht wohl seinen Parteistanbpunkt vertreten unb propagieren, wie er will Der Gtaats- präfibent hingegen ist eine verfassungsgemäße, an ber Spitze des Staates stehende Persönlichkeit, die nicht nur für die Parteien der Regierung, sondern für alle Staatsbürger da ist, und die daS unbedingt notwendige Mast von Rücksicht auf ihr hohes Amt nehmen must. Auch ein paar Worte zu den Regimentsfeiern. Ich meine, die Regierung hat die Pflicht, derartige Zusammen­künfte, soweit sie sich auf gesetzlichem Boden bewegen, zu schützen gegen Dinge, die aus un­gesetzlichem Boden stehen. Diese Pflicht besteht auch, wenn ber Grohherzog an diesen Zusammen­künften teilnimmt. Tatsächlich ist aber der Poli­zei siche Schuh allen Teilnehmern ber Zusammen­künfte versagt worben. Es ist in keiner Weise etwas vorgekommen, waS irgendwie als staats- aefährbenb auggelegt werden könnte. Auch In Den vom Herrn Staatspräsidenten angeführten* Reden der Generäle ist nicht« anderes zu finden, als die selbstverständlich durchaus zulässige Be- ftonung des Standpunktes, den die doch auch im Dienste deS Staates grau gewordenen Männer »nun einmal einnehmen unb ber Ibeale, bte sie chon ber Zukunft toieber erhoffen. Wenn etwa fdn Hoch auf ben Grohherzog bte Republik ge- ffdbrben könnte, so meine ich doch, dah die Repu­blik, die den Schaden haben könnte, auf sehr schwachen Fühen stehen muh. (Sehr richtig!) Herr !Abg. Kaul jjat eine unglaublich reaktionäre Rebe gehalten, bie auf nichts anbereS hinaus- fling. als einen reinen Polizeistaat Hessen zu errichten. (Unruhe.) DaS habe ich von Herrn Kollegen Kaul nicht erwartet. Unbegreiflich ist auch bie Behauptung beS Herrn Kaul, dah wir keinen Grund hätten, von ben kommenden Wahlen eine Aenberung ber Stärkeverhält­nisse in diesem Hause zu erwarten. Herr Kaul glaubt bas wohl selbst nicht, ober er fann absolut nichts aus Zahlen lesen Es ist doch klar, bah ein starker Zug nach rechts er­folgt und dauernd zunimmt. Was die Frage des Ultimatums unb der Sanktionen betrifft, so gehöre ich nicht zu denjenigen, die etwa von vornherein und unter allen Umständen für Ab­lehnung deS Ultimatums eingetreten sind. Ich bin erst nach Tangen unb schweren Uebcrlcgungen zu ber Ueberzeugung gekommen, bah bte Ablehnung besser gewesen wäre Es ist aber völlig ausgeschlos­sen. bah ich ober sonst jemanb auS meiner Partei den Unterzeichnern deS Ultimatums einen Vor­wurf macht Wir sind überzeugt, bah sie ebenso ernst und eingehend jede- Für und Wider erwogen haben. Unverständlich ist allerdings, wie Herr Dr. Büchner sagen konnte, für ihn als Wirtschaftler habe eS von vornherein feftgeftanben. dah das Ultimatum unterschrieben werden müsse Herr Dr. Büchner muh wissen, bah die Industriellenorgani- lattonen noch kurz vor ber Unterzeichnung Gut- schliehungen fahlen, bie si chgegen bie Unterzeich­nung aussprachen. Auch eine starke Gruppe der MehrhettSsozialisten bat da- getan. Unterstrichen bad werben, bah auch Abg. Büchner feststellt, die Leistungsfähigkeit unserer Industrie und Wirt­schaft werben weit überschätzt, sowohl im feind­lichen. wie Im neutralen Ausland. Darum ist es um so unbegreiflicher, bah der derzeitige Reichs­kanzler aussprechen konnte, die Erfüllung des Ulti­matums hänge allein vom Willen des deutschen Volkes ab. (Sehr richtig.) Schon jetzt sieht man bie furchtbare Verschlechterung ber Valuta infolge ber Zahlungen, und die noch fehlenden Zahlungen aufzubrlngen wirb schon im ersten Jahre unmög­lich Auch die Erwartung, bah uns Oberschlesien gerettet unb trbaltcn bleibe, wie wir annahmen, bat sich als schwere Täuschung erwiesen. Schon jeni lesen wir toieber, dah die Insurgenten baS Raumungsabkommen nicht halten. Schliehlich noch em Wort Zu bern Abg Kaul wegen beS Liedes Deutschland über alles". Ich möchte unterstreichen, waS ich ihm neulich schon zugerusen habe, zum Parteilieb kann allein Ihre Partei dieses Lied stempeln. Bringen Sie Ihre Leute dazu, dah das was dieses Lied, daS doch sicher nicht von einem reaktionären Dichter stammt geistig ausdrückt zum Gemeingut des ganzes Volkes wird, dann kann es niemals zu einem Parteilied werden. (Bravo )

Sthg. Reiber (Dem) polemisiert zunächst In allgemeinen Ausführungen gegen einige Vor­redner und verteidigt die Koalition, ihre Zusarn- mensetzung unb ihre Tätigkeit unb ihre (Jrlolgc. Der Grundsatz ber Gleichberechtigung hat sich noch nicht allen Volksgenossen genügend ausgeprägt Wenn Herr Dlngeldey toieber rfon bürgerlicher Minderheit unb sozialdemokratischer Mehrheit sprach, so ist bas nichts anbcrcS, als wieder eine . Söaneneintcilung. Wir erkennen baS Recht am Wiederaufbau mitzuarbeiten nur denen zu, die ben Grundsatz der Gleichberechtigung unbedingt festhalten. Was bas Ultimatum betrifft, so glaube auch ich n ich t, dah wir es erfüllen tonnen,

aber ich meine, der beste Wille, es so weit bas irgenb möglich ist. zu erfüllen, muh bewiesen werden. Die Unterschrift war notwendig schon in Rücksicht auf bas besetzte Gebiet. Die AusfüH- rungen ber Abgg. Köhler und Dr. Osann, bie sich mit bem besetzten Gebiet befassen, sind ungerecht­fertigt. Gewih kann drüben, vielleicht bei Un­eingeweihten der Eindruck entstehen, als tue man hier nicht alles für das besetzte Gebiet. Aber wir Abgeordnete wissen doch, was geschieht, und was sich für die öffentliche Erörterung nicht eignet, ich begreife darum solche Vorwürfe nicht. Was die Hochschulen betrifft, so vermissen wir dort Führer, die es verstehen und unternehmen, die Studenten mit dem Geist der neuen Zeit, mit der neuen Staatsform zu versöhnen. Was die Re­gimentsfeiern betrifft, so wäre es vielleicht besser gewesen, dem früheren Brauch entsprechend, die Person des früheren Grohherzogs nicht in die Debatte zu ziehen. Die Rervosität der Linken gegenüber diesen Dingen ist mir unbe­greiflich, sie fann dem neuen Staat nur schaden Der Redner kommt dann auf Einzelheiten zu sprechen unb stellt bie Aufwendungen für 1500 Mann Schutzpolizei mit 46 Millionen den Auf­wendungen für Volksschulen mit 68 Millionen, für bie Hochschulen mit 19 bzw. 17 Millionen gegenüber, bie in gar feinem Verhältnis zueinan­der stehen.

Abg. Kiel (USP.): Wir stehen auch heute noch auf bem Standpunkt, dah wir alle indirekten Steuern ablehnen. Das derzeitige Steuersystem betrifft nur bie breiten Massen. Das kann nicht so weiter gehen. Jede Erhöhung der Tabak­steuer vergröbert das Heer ber Arbeitslosen. Die besitzende Klasse, die Grohgrunbbesiher unb Groß- inbustriellen und Aktiengesellschaften können noch weit höher herangezogen werden. Die Reugrün­dungen ber Aktiengesellschaften, die meist auf bie Familien sich beschränken, haben nur ben Zweck ber Steuerhinterziehung. Im Verlaufe seiner ex­tremen Ausführungen meint ber Redner, wir wollen den Sozialismus auf Erden, den Himmel überlassen wir ben Engeln unb den Spatzen. (Unruhe. Justizminister v. Brentano: Blöd­sinn!) Wenn der Herr Justizminister. ober wer es war, mir Blödsinn zuruft, so empfehle ich ihm den Geheimen Medizinalrat Below, der ihn auf seinen Geisteszustand untersuchen fann. (Heiter­keit, Unruhe.) Die Vorgänge in Mitteldeutsch­land verurteilen auch wir. Aber die Regierung hat da sehr schnell zugegriffen, während sie in der bayerischen Gntwafsnungsftage sehr langmütig ist. Der Orgesch gegenüber sollte der Herr Staats­präsident nicht zu vertrauensselig sein, ich er­innere an Roske. Die Schupo wird schon wieder gegen streikende Arbeiter aufgeboten. Dagegen muh ich protestieren. Bei ber Schupo könnte tat­sächlich gespart werben. In ber Justiz herrscht vielfach noch sehr reaktionärer Geist. Ich gebe zu, bah man heute eher Gehör und offene Türen findet beim Staatspräsidenten, so muh ich es doch aufs schärfste rügen, dah der Staatspräsi­dent bann in öffentlichen Versammlungen den Betreffenden Vorhaltungen macht, die bei ihm Rat unb Hilfe gesucht haben. Ich muh sagen, bah ber Herr Staatspräsibent sich in letzter Zeit boch weniger als solcher, wie als Spaßmacher unb Clown benommen hat. (Gröhe Unruhe. Ruse links: Unerhört, Frechheit! Das ist echt Kiel!) Präsident Adelung rügt diesen Ausdruck. Auch die SchluhLusfuhrungen des Redners werden vielfach durch Unruhe und Zwischenrufe der Linken unterbrochen.

Finanzmini st erHenrich: Ich darf für die Hessische Regierung in Anspruch nehmen, bah sie mehr wie ein anderer Staat auf die Röte und Bedrängnisse der Gemeinden Rücksicht nimmt. Begründet sind sie einfach durch ben allgemeinen Gelbmangel. Die Steuerquellen des Staates fliehen noch nicht so stark, tote es sein sollte. Unser Bestreben ist, die Gemeinden, soweit es irgendwie tm Rahmen der Finanzgesetze möglich ist, wieder selbständig zu machen. Alle Bestim­mungen der Einkommensteuergesetze usw. können nur als vorübergehend betrachtet werden, bis man endgültig sehen kann, welche Mtttel eingehen. Die 'Frage, den Gemeinden bas Zuschlagsrecht zu gewähren, wird zur Zeit sehr ernstlich er­wogen. Man kann von Landes wegen aber nicht ReichSgesehe umftohen. Der Abg Dingelbey meinte, bah der Schwerpunkt der Frage in ber Zentralisierung zu suchen sei. Auch ich habe seiner­zeit gegen bte Zentralisierung gesprochen Aber die Dinge haben boch eine anberc Seite. Preuhen hatte nicht bie gleich gute steuerliche Organisation wie bie süddeutschen Staaten, unb biete wären natürlich, wenn es geblieben, wie es toar, im Rachteil gewesen. Der springende Punkt liegt fn der Abgrenzung der Steuer. Dem Reiche muh man natürlich erst die Existenzsicherheit gewähr­leisten, dann kommen bte Länber unb Gemeinden. In der nächsten Woche totrb sich eine Konferenz ber Flnanzmtnlster wieder mit der Frage be­fassen. Ich darf'feststellen (dem Abg. Delp gegen­über), dah wir das 'Bauwesen doch nicht vernach­lässigen. Was die Besolbungsordnung betrifft, so ist eS richtig, dah diese In etwa 100 Punkten beanstandet worden Ist. Ich habe vorausgesagt, dah eine Anzahl Beschlüsse zu 'Beanstandungen Aniah gibt Ein groher Teil der 'Beanstandun­gen ist gegenstandslos, beweist aber, wie scharf man in 'Berlin prüft und kontrolliert. Das Schrei­ben selbst möchte ich noch nicht bekannt geben. eS bietet die Grundlage für weitere Verhand­lungen. Im Ausschuh bin ich natürlich zu jeher Auskunft bereit. Die Verhandlungen über die Ortsklasseneinteilung werden nächste Woche fort­gesetzt. Wir müsten erreichen, bah die Span­nung vermindert wird. Zwei Punkte haben etwas peinlich berührt in der Aussprache. Herr Delp sagte (zu den Betriebskrankenkafsen), die Re­gierung habe die Kammer brüskiert. Das muh zurückgewlesen werden. Durch Strich des Betrages konnte doch nicht eine gesetzliche Einrich­tung beseitigt werden. (Widerspruch links.) Das ist nur ein Schlag ins Wasser. Aehnlich ist es mit dem, toaS der Abg. Köhler zur Frage der Fähig­keiten der Minister gesagt hat. Sachliche Gegner­schaft ist begründet und begreiflich Gegen sachliche Kritik wird niemand etwas einzuwenden haben. Die Abschwächung des Abg. Köhler, nur manche feien unfähig, verschlimmert die Sache nur. Eine ehrliche und offene Stellungnahme ist da doch bes­ser. Wenn Herr Dingelbey sagt, seine Partei habe nie persönlich bekämpft, so erinnere ich doch daran, bah auch mir Eigennutz vorgeworsen wurde, ab- gesehen von bem Kamps gegen Dr. Strecker Das baS besetzte Gebiet betrifft, so können wir einfach nicht alles sagen, toaS wir tun, weil man damit nur Schaden, niemals Rutzen stiften kann Ein Wort noch zur Demokratisierung der Verwaltung. Die Regierung hat boch die Pflicht und bas Recht, in bie leitenden Stellen nur Beamte zu berufen, bie auf bem Boden der Regierungspotitik stehen. Die sachliche Geeignetheit ist natürlich Dorbedin-

I gung Gleichgültig ist aber, auf welchem Wege der Beamte sich die Geeignetheit erworben hat. WaS die Reparationen betrifft, so müllen wir un­bedingt den ehrlichen Willen zur Erfüllung be­zeugen. Rur dadurch können wir die Unmöglichkeit der Erfüllung und cventl. Milderung beweisen.

Staatspräsident Ulrich: Ich hatte nicht die Absicht, noch einmal zu der Debatte das Wort zu ergreifen, aber die Bemerkungen einiger Redner zwingen mich zur Zurücttveifung von dieser Stelle aus. Der 2tbg. Kiel hat sich beschwert darüber, dah ich nicht stille geschwiegen habe auf seine Zu- unb Zwischenrufe, bie er in seiner bekannten harmlosen Weise auf der Arheilger Versammlung gemacht hat. Ja, meine Herren, es geht einfach nicht, dah man alles über sich ergehen läßt. (Im weiteren macht Abg. Kiel dauernd Zwischenrufe. Unruhe. Glocke des Prä­sidenten.) Was Sie, Herr Kiel, von mir ver­langt haben, als Sie bei mir waren, darauf habe ich, soweit es das Staatsministerium angebt, geantwortet. Wenn ich Sie aber schliehlich nicht mehr ernst nehmen konnte, so waren Sie selbst daran schuld. (Erneute Unruhe. Präsident Adelung: Sie meinen doch nur auherhalb dieses Hauses, Herr Präsident. Jawohl! Heiterkeit.) An den Auskünften, die ich Ihnen gab, ist nicht zu rütteln. Wenn Sie glaubten, mich in Bezug auf die Orgesch an Roske zu erinnern, so muh ich sagen, wir wissen genau, dah eine Orgesch wie in Bayern bei uns nicht besteht. Wenn Herr Kiel mehr weih, muh er uns Be­weise bringen; mit Andeutungen können wir nichts anfangen. Ich habe keine Reigung, auf Gespenster einzugehen, die andere Leute sehen. (Zwischen­rufe. Unruhe.) Wenn der Redner weiter sagte, wir hätten unsere ursprüngliche Auffassung vom Sozialismus geändert, so ist das nicht richtig. Ein paar Bemerkungen zu Herrn Köhler. Ich freue mich, dah er seinen schweren Vorwurf ab- geschwächt hat, wenn er auch mit dieser Ab­schwächung nichts besser gemacht hat. Er wird nicht beweisen können, day Beamte in leitender Stellung ihre Arbeit von unter ihnen stehenden Organen machen lassen. Immerhin hat Herr Köhler die in Alzey ausgesprochene Verunglimp­fung wieder gut gemacht. Wiederholt zurück- weisen muh ich, dah wir nicht genügend für das besetzte Gebiet getan hätten. Von unseren Mini­sterien ist fast jeden Tag ber eine ober anbere drüben. Wie vorsichtig man fein muh, dah ist doch dem Herrn Abg. Köhler am besten bekannt aus der Tatsache, wie die französische Presse seinen Brief ausgenuht hat, in dem er bekennt, dah er über die schwarze Besatzung keine Klagen hat usw. Leider zeigen nicht alle deutschen Be­amten drüben, dah sie das Mas) von Eigen­schaften, vor allem Standhaftigkeit und Würde, besitzen, um sich drüben durchzusetzen. (Unruhe. Rufe links: Angstmeier. Rapoleon!) Wenn Herr Dingelbey meinte, wir hätten etwa von ihm ein Vertrauensvotum erwartet, so irrt er. Das erwarten wir gar nicht. Was wir er­warten, ist nur, dah man uns nicht dauernd Schwierigkeiten macht. Dah Herr Dingelbey von der persönlichen Kampsesweise ab- winkt, berührt angenehm. Zur Frage der Demokratisierung der Verwaltung sprach Redner sich in gleichem Sinne aus wie ber Finanzminister. WaS die Zahl der Ginläufe in den Ministerien betrifft, so sind sie sicher auch schon im Kriege gestiegen, aber nicht so wie nach bem Kriege Die Ausfällung DingeldeyS von ber Person des Staatspräsidenten ist sicher ibeal. Aber kein Mensch kann aus seiner Haut. Auch ein etwa rechtsstehender Präsident totrb daS nicht können. Dah ich Rücksichten zu nehmen habe, weih ich, und das tue ich auch. Ich kann aber nicht verhindern, dah meine Ausführungen von den Franzosen willkürlich ausgelegt werden. WaS die Regimentsfeiern betrifft, so sotten wir nie­mals den allgemeinen Polizeischuh versagen, wohl aber besonderen Schutz. Die Tatsachen haben ja auch gezeigt, dah unsere Auffassung die rich­tige toar.

Damit schlieht bie Generaldebatte.

In persönlichen Bemerkungen ver­teidigt sich Abg. Kaul (Soz.) gegen den Vor­wurf, dah er ben Polizeistaat errichten wolle unb Abg. Köhler (D. Vp.) meint, wenn die etwas unklaren Bemerkungen des Staatspräsiden­ten sich etwa auf seine Person bezogen hätten, müsse er es sehr entschieden ablehnen, sich etwa in Bezug auf fein Verhalten im besetzten Gebiet irgendwelche Vorschriften machen zu lassen und dah er es entschieden zurückweisen müsse, wenn ihm ettoa, ber Vorwurf des Mangels an natio­naler Würbe gemacht werben sollte

Rächste Sitzung Donnerstag 91.» Uhr. Schluh l1/» Uhr.

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rm. Darmstabt, 30. Juni. Der Finanz- ausschuh bes Landtags beriet heute früh eine Regierungsvorlage betr. die durch ben Brand der Landes-Heil- unb Pslegeanftalt in Heppen­heim notwendig gewordene Herstellung einer neuen Zentralkücheneinrichtung. Es ist hierfür ein Ge­samtbetrag von 348 000 Mk. notwendig geworden. Der Ausschuß stimmt der Forderung zu. Für bie Beschäftigung von eitoa 250 Arbeitslosen in ber Gemeinbe Lampertheim wird für Wegever­besserungsarbeiten ber Betrag von 144 840 Mk. gefordert, ber aus dem 20-MillionenfonbS ent­nommen werden soll. Der Vorlage wird zuge­stimmt. Ueber die Vorstellungen des akademi­schen Assiftentenverbandes und der Hochschul - a 11 i ft c n t e n betr. Regelung ihrer Besoldungs- verhältnisie wurde eine Verständigung erzielt.

Aus Stabt unb ßanb.

(Stehen, den 30. June 1921.

DieLchncllzngsvcrbindunq mitBerlin.

DerRass. Bote- in Limburg veröffent­licht folgende Rotiz über die mangelhafte V-Zugverbindung mit Berlin: wir können uns diesen Forderungen nur anschliehen.

Die Hoffnung vieler Reisenden auf eine bessere Schnellzugsverbindung mit Berlin ist durch den Sommerfahrplan leider nicht erfüllt worden. Die neueingelegten V-Züae 123/124 haben in Gießen weder Anschluß nach als auch von Berlin und find daher für den Fern- verkehr zwecklos. Die schlechte Verbindung mit Berlin hat ihren Grund in der teilweisen Verlegung des Fernverkehrs FrankfurtBerlin von der Main- Weser»Bahn (Giehen Kassel) auf die Thüringer Strecke (DebraErfurt). An sich ist diese Maßnahme begründet, da die Fahrzeit auf dieser Strecke um 2V« Stunden kürzer ist. Das reifende Publikum an der Lahn,,

dem Mittelrhein und der Mosel, das auf An­schluß in Gießen angewiesen ist, verfolgt je­doch'diese Entwicklung mit steigendem Miß» behagen. Das besetzte Gebiet, einschließlich des Saargebietes, dürfte ein besonderes Recht auf eine dem Bedürfnis entsprechende Verbin­dung mit der Reichshauptstadt haben. 3a diesem Zusammenhang ist erneut auf einen bereits vor dem Kriege bestehenden Plan hin- zuwetsen. demzufolge die Strecke Gießen Alsfeld Hersfeld Bebra für den Durchgangs- und Fernverkehr eingerichtet wer­den sollte. Die 2Posel-Lahn-Strecke erhielte damit eine direkte Verbindung mit der durch Thüringen gehenden Expreßzugsstrecke Frank- furtBerlin. Die Reisenden wären dann nicht nur auf die wenigen Anschlüsse in Gießen an­gewiesen, sondern erreichten in Bebra direkte unb schnellste Verbindungen nach Berlin, Leipzig, Bremen und Hamburg. Da eS sich bei der Ausführung dieses Planes lediglich um Ruybarmachung bestehender Strecken han­delt, wäre es dringend zu wünschen, wenn diese für Rassau und das Rheinland hervor­ragende Derkehrsverbesserung bald geschaffen würde.

Wcttcrvorauss aat für Freitag:

Vorwiegend heiter und troden, warm, nachiS kühl, nördliche Winde.

Der Einflub des britischen Hochdruckgebiets hält an. Es ist daher für die nächsten Tage mit Fortdauer des trockenen, nachts kühlen WetterS zu rechnen.

e

* Amtliche Perfonalnachrichten. Ernannt wurde am 24. Juni ber außerordent­liche Professor in ber theologischen Fakultät der Universität Tübingen Dr. Hans Schmidt in Tübingen zum ordentlichen Profesior in der evan­gelisch-theologischen Fakultät der 2anbeS-Uni6er» fität Gießen mit Wirkung vom 1. Oktober 1921 an. ilehertragen wurde am 24. Juni dem Schulamtsanwärter Karl Hunergarth auS Gießen eine Lehrerstelle an der Volksschule zu Gelnhaar, Kreis Büdingen. Erledigt ist eine mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende Schulstelle an ber Volksschule zu Hungen, Kreis Gießen.

'* Eisenbahnoberinspektor Rech- nungSrat Kutscher, der Leiter des hiesi­gen Bahnhofs, scheibet am 1. August b. Hs. auS bem Eisenbahnbicnst, um in ben wohlverdienten Ruhestand zu treten. In einer Gesamtbienstzeit von rund 50 Jahren leitete er 20 Jahre bie Ge­schäfte bes hiesigen Bahnhofs. Während dieser Zeit hat ber Bahnhof in Ausdehnung unb Ver­kehr sich bedeutenb entwickelt. Ausgestattet mit reichen unb praktischen Erfahrungen, seine uner- mübliche Tätigkeit, unb durch fein sachliches und bestimmtes Auftreten, vermochte eS RechnungSrat Kutscher, trotz ben schwierigsten Verhältnissen ber letzten Jahre, insbesonbere Bahnhofserweiterun- gen Mobilmachung, Revolutionszeit usw., allen gestellten Anforderungen gerecht zu werben. Auch gegenüber seinem runb 1000köpfigen Personal und seinen vorgesetzten Stellen erfreute er sich ber größten Beliebtheit. Herr Kutscher siedelt in ben nächsten Tagen nach Göttingen über.

* * Sein 40jähriges Dienstjubi - l ä u m bei ber Firma H. Schaffstaedt. G. m. b. H , Gießen, begeht morgen Julius Dickorö.

D i e P o st nach Oberschlesien. Rach einer bem Reichspostministerium zugegangenen Rachricht werden bie nach dem oberschlesifchen Aufstandsgebiet beförderten Postsäcke infolge Ein- wirkens ber interalliierten Kommission auf bie Aufständischen von diesen jetzt nicht mehr ge­prüft.

Die Geschäfts st eile ber Preis- prWfungsste 11e für bie Provinz Oberhesien oeftnbet sich nunmehr BiSmarckstraße 14 1.

* A1 s Reinertrag des Konzertes von E. F e 1 ch n e r wurden ber chirurgischen Kli­nik für arme Kranke 200 Mk. zugewiesen

D i eG i b a n a", Rotgeld-, Briefmarken- und Ansichtspostkarten-Ausstellung. bie in Gießen in ber Turnhalle an ber Rord-Anlage vom 2. bis 4. Juli ds. IS. vom LanbeSsekretariat der Weko veranstaltet wirb, übertrifft, tote man uns schreibt, bei weitern bie erste Veranstaltung dieser Art, bie im vergangenen Jahre in der Handels­schule Hermes in ber Bahnhofstraße stattfand. Cs ist Vorsorge getroffen, daß eine lückenlose Vorführung von deutschem sowohl wie öster­reichischem Rotgelb ftattfinbet. In ber Abteilung Briefmarken werden bie Freunde dieses Sammel­sports außergewöhnliche Seltenheiten, z. B. die roten Sachsen und die alte Pern finden Hervor­ragende Sammler von Rotgelb unb Poswiert- Zeichen haben ihre Schätze zur öffentlichen Aus­stellung unb Prämiierung angcmclbet. Ebenso wird in Ansichtspostkarten ein interessantes Bild zusammengestellt unb auf derGibana" vertreten sein.

"DiePreisezumGau-Sommerfest des Gaues IXa Sieg-Lahn des Bundes Deutscher Radfahrer sind in ben Schaufenstern der girma Brück & Janz, Seltersweg (Ecke Plockstraße) aus­gestellt.

Vornotizen.

Tageskalender für Donners­tag: Lichtspielhaus,(Sabina'", 1. Teil. Licht­spiele, SelterSweg. .DaS Rattenloch" und .Kärt­chen auf ber Walze".

Die Hessische Vereinigung für VolkSkunbe veranstaltet am SarnStag einen volkskundlichen Ausflug in den Hüttenberg. Siehe Anzeige.

- Die diesjährige Generalversammlung beS Glcibergvereins findet am 2. Juli, nachmittags 3 Uhr. auf ber Burg Gleiberg statt. AIS geeig­netste Bahnverbindung kommt der um 1.20 Uhr nachmittags von Gießen nach Bieber abgehende Zug der Biebertalbahn in Betracht. Aussteig­stelle Station Ärofborf-Olcibcrg; von da ab Fuß­marsch nach der Burg. ES ist Vorsorge getroffen, daß für diejenigen Mitglieder mit Angehörigen, die an der Generalversammlung teilnehmen wollen. Wagen um 2' Uhr am Selterstor bereitgestellt werden

Der Wartburg-Verein veranstaltet am Donnerstag den 7. Juli, abcnbS 8 Uhr. im großen Saale bcS Hotels Einhorn einen Fa - milienabenb (Konzert- und Theaterabend) unter Mitwirkung von altbekannten Kräften. Die Geltung bcS Konzerts liegt in den Händen des Musiklehrers und Kapellmeisters H. Weller, Gießen. Die Leitung der AusführungDer Racht- wächter" von Theodor Körner liegt in den Hän­den von grau MendelSsohn-Bartholdy. Av»S Rähere siehe Anzeige.