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Manchmal brachte sie auch seltene Treib- Hausblüten oder besonders schöne Früchte aus den Wilhelminenruher Glashäusern mit, oder einen mit künstlerischem Geschmack zusammen- gestellten Herbstblumenstrauh.

Das schickt er dir! Hni> du solltest ihn nicht ganz vergessen . . ."

Do quittierte alles mit höfllchem Dank. Aber sie trug Hertha nie einen Gruß an Waldemar Ruhland auf. stellte die Blumen in des Fürsten Stube und servierte ihm die Früchte als Dessert.

Auch vermied sie jedes Gespräch über Walde­mar -so geflissentlich, daß Hertha schließlich ärger­lich darüber ward und ihre Besuche im Kranken­zimmer immer mehr abkürzte.

Draußen hatte der Herbst mit Sturm und Regen seinen rauhen Einzug gehalten. Man muhte früher als sonst mit dem Heizen beginnen und konnte wochenlang nicht vor die Tür.

Rur Rüdiger war fast immer unterwegs. Bald oben in den Wäldern, wo fleißig geschlä- gert wurde, bald am Mühlenwerk, wo die neue Fabrik sich immer mehr der Vollendung näherte.

Wenn er dann spät abends trotz Lodenmantel und Wasserstiefel oft ganz durchnäht nach Hause kam. hatte er keine Lust, erst extra Toilette zu machen und den Damen Gesellschaft zu keiften.

Er lieh sich also das Abendbrot aus sein Zimmer kommen, zog bequeme Hauskleider an unb ging dann zum Fürsten hinüber, um noch ein falbes Stündchen mit ihm zu verplaudern, ehe er todmüde ins Bett sank und sofort in ttaumlosen Schlaf verfiel.

Wehr aE einmal ruhte dann des Vaters Blick besorgt auf seinem bleichen Gesicht.

Du überanstrengst dich entschieden. Rü­diger!" sagte er eines Tages.Ich dachte es mir ja gleich, als du Weivert enlliehest. Run hast du dir noch diese Fabrikgeschichte aufgeladen, und ich fürchte, eines Tages wird'du einfach zu- sammenbrechen. Kein Tagelöhner würde solch ein Leben auf die Dauer aushallen!"

Aber Rüdiger wehrte lächelnd ab.

Das gerade ist mir recht. Habe keine Sorge, Papa. Wir Rothersteins sind zäh und aus­dauernd. Die Hauptsache ift, dah wir dabei vor­wärts kommen 3m Januar, wenn ich die erste Rate von der Exportgesellschast ausgezahlt be-

Die Rothersteins.

Roman von Grich Eben st ein.

Copyright 1919 by Greiner & Eomp., Berlin W 30.

40. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.)

Rein, das war vorüber. Er hatte weder ein Recht, noch Lust, Freundschaft zu verlangen, wo er, wie ihm leider klar genug geworden war. ganz etwas anderes zu finden gehofft hatte

Er chatte kein Glück mit seinen . Träumen.' Mochte es denn so bleiben zwischen ihnen.

Du hast recht." sagte er mit einer Ver­beugung förmlich.3d> habe lein Recht, dir zu befehlen. Berzeihe, dah ich es aus Sorge für dich einen Augenblick vergast."

Bon diesem Tage an wichen sie einander aus. Do blieb unsichtbar, wenn Rüdiger seine täg­lichen Besuche im Krankenzimmer machte, und er vermied es ängstlich, den Wirtschafts Hof zu betreten, wenn er sie dort beschäftigt wustte.

Die Genesung des Fürsten machte viel lang­samere Fortschritte, als cr selbst gehofft hatte.

Es gab alle Mlgenblicke etwas, das ihn wieder zurückwarf und nicht recht zu Kräften kommen liest. Einmal eine 3nfllienza. die sich wochenlang hinzog, dann wiederholte Rlagen- verstimmungen, die er auf die neue Diät schob, und Gichtanfälle, die mit dem feuchten Herbst- Wetter zusammenhingen.

Do kam tagelang nicht aus dem Kranken­zimmer, auster frühmorgens und nach Tisch m den Wirtschafts Hof. Hertha nahm ihr dies sehr übel. Anfangs war auch sie tägllch für längere Zeit im Krankenzimmer erschienen und wollte Do durcharcs ablösen.

Denn du muht an die 2uft! Du siehst jetzt schon ganz bläh und elend aus!" sagte sie.

Hnb jedesmal, wenn sie kam, war ihr Erstes, Waldemar zu erwähnen.

Er läht dich grüßen. Der arme Kerl sehnt sich so danach, wieder einmal mit dir zu plau- dem! Er ist ganz desperat, dah du noch nicht mit mir im Atelier bei ihm warst, sein Bild an« zufehen! Denn stell dir nur vor: er hat sich in den Kopf gesetzt, das Bild muht du zuerst 'ehen und begutachten eher darf es nicht aus die Ausstellung!"

Nr. 201 Zweiter Blatt Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen)Montag, 29. August 192s

Eine neue deutsche Note au Frankreich.

Berlin, 27. Aug (Wvl'f ) Der deutsche Geschäftsträger in Paris, Botschaftsrat von H ö s ch Hal dem französischen Ministerpräsi­denten Briand als Borsitzenden des Obersten Rates am 26. August folgende Rote übergeben

Euer Exzellenz teilten mir mit Schreiben vom 14 August im Ra men der im Obersten Rat bet- ii.«lenen alliierten Mächte den Beschluh deS Ober­sten Ralc^ vom 13. August über die teilweise Aushebung der Sanktionen ab 15. Septem­ber mit 3m Ramen meiner Regierung beehre ich mich. Eurer Erzellenz als Vorsitzenden des Obersten Rates während seiner letzten Tagung, hierauf folgende- zu erwidern:

Die deutsche Regierung legte seinerzeit gegen die Verhängung der Sanktionen als eine mit dem Vertrag von Versailles und dem Völker» iecht unvereinbare Mahnahme Verwahrung ein Rochdem deutscherseits das Ultimatum an­genommen war und alle bisherigen Zahlunas- fristen pünktlich eingehallen wurden glaubte sich die deutsche Regierung zu der bestimmten Er­wartung berechtigt, dah die Sanktionen alsbald r e st l o s aufgehoben würden. Sie bedauert aufs tiefste, dah sich die alliierten Regierungen hierzu nicht haben entschliehen können.

Die deutsche Regierung sieht sich genötigt, den ihr gemachten V o r w u r f zurückzuweisen, dah sie bei der Handhabung des deutschen E i n - und Ausfuhrsystems unter Verstoß gegen die Vorschriften der Artikel 264 bis 267 des Ver­trages von Versailles Angehörige oder Waren irgend einer der alliierten Mächte schlechter be­handelt habe als diejenigen eines anderen Lan­des. Dieser Behauptung können nur gelegentliche Mißgriffe nachgevrdneter Stellen zu Grunde lie­gen. Die deutsche Regierung ist durchaus ent­schlossen, die in den Artikeln 264 bis 267 über­nommenen Verpflichtungen sowohl im besetzten wie im unbesetzten Gebiet Deutschlands zu er­füllen. Sie sieht sich aber genötigt, darauf hin- zuweisen, dah weder der Vertrag von Versailles noch das Rheinlandabkommen den alliierten Mäch­ten oder den an der Besetzung des Rheinlandes beteiligten Staaten ein Kontrollrecht über die Einhaltung dieser Bestimmungen in Bezug auf das besetzte Gebiet gibt. Hm indessen den alli­ierten Regierungen die Heberzeugung von der loyalen Handhabung der deutschen Ein- und Ausfuhrbestimmungen zu verschaffen, will sich die deutsche Regierung mit der Schaffung der unter Ziffer 2 a in der Rote Eurer Exzellenz vorge­sehenen Organe einverstanden erklären. Sie knüpft aber dieses Zugeständnis an die Voraus­setzung. dah das alliierte Organ sich bei seiner auf das besetzte Gebiet beschränkten Tätigkeit jeder Einmischung in die deutsche Exekutive enthalten wird. Die deutsche Regierung glaubt, dah die Frage nur in der Form einer wechselseiti­ge n Verständigung zwischen der deutschen Regierung und den Regierungen der beteiligten alliierten Mächte geregelt werden kann. Dem­nach würde also auch die Einführung der zu vereinbarenden Regelung im besetzten Gebiet der deutschen Regierung zufallen, so dah die Verord­nung der interalliierten Rheinlandkommission nicht in Frage käme. Die interalliierte Rhein- landkommission wäre hierzu auch nicht befugt, da ihr das Derordnungsrecht gemäh Artikel 3 des Rheinlandsabkommens nur zusteht, soweit dies für die Gewährleistung deS Unterhalts, der Sicher­heit und der Dedürfnisfe der Stteitkräfte der alli­ierten und assoziierten Mächte nötig ist. Eine Erweiterung dieser Befugnisse durch einseitigen 'Beschluh des Obersten Rates ist weder im Rhein- landkommissivn noch im Friedensvertrag vorge­sehen. Die deutsche Regierung sieht die wesent­liche Aufgabe des interalliierten Organs darin, die Beschwerden der Angehörigen der Alliierten über die Handhabung der Gin- und Ausfuhrge­nehmigung durch die deutschen Behörden in Bezug auf das besetzte Gebiet möglichst schnell aufklären bzw. beilegen zu können, und gibt sich der Hoff­nung hin, dah es den beiderseitigen Bevollmäch­tigten bei den in Aussicht stehenden Verhand­lungen in Koblenz gelingen wird, für das alliierte Organ eine Form zu finden, die annehmbar ist. Die deutsche Reaieruna könnte lick leichter mit her

in Aussicht genommenen Einrichtung abfinden, wenn deren Tätigkeit von vornherein ein festes, zeitiges Ziel gesetzt werden würde, unter grundsätzlicher Wahrung ihres Standpunktes über die rechtliche H n z u l ä s s i g k e i t der Sank­tionen. lleberhaupt will die deutsche Regierung gegen die Gültigkeit aller Handlungen, die wäh­rend der Dauer der Sanktionen nach Maßgabe der von der interalliierten Rheinlandkommission in Ausführung der Beschlüsse der Londoner Kon­ferenz vom März 1921 erlassenen Verordnungen vorgenommen worden sind, keine Einwendungen erheben und auch von allen gerichtlichen und verwaltungstechnischen Mahnahmen gegen die Ur­heber solcher Handlungen absehen. Sie erwartet ober dah in der H e be r g a n g s z e i t bis zum 15. September keine das augenblickliche Bedürf' nis der besetzten Gebiete überschreitenden Ein- und Ausfuhrbewilligungen für das Ausland er­teilt werden und dah auch bei Erlab der in Ziffer 3 der Rote Eurer Exzellenz vorgesehenen UcbergangSbeftimmungen auf den Schuh des deut­schen Wirtschaftslebens und der deutschen Finan­zen die größtmöglichste Rücksicht genommen wird, womit die alliierten Mächte zugleich der Repa­rationsfähigkeit Deutschlands und damit ihren eigenen Interessen dienen würden.

Indem die deutsche Regierung die Ehre hat, mitzuteilen, dah mit der Führung der Verhand­lungen auf deutscher Seite der Gesandte von M u t i u s beauftragt ist, spricht sie nochmals die feste Erwartung aus, dah auch die militäri­schen Sanktionen alsbald aufgeho­ben und die neu befetten. Gebelle von der drückenden Last der Besetzung befreit werden.

Die deutsche Bürde.

Auf eine Anfrage im englischen Parla­ment über die deutschen Reparationszahlun­gen hat am II. August der englische Schatz­sekretär John Butcher folgende Aufstellung gegeben, deren erschreckende Ziffern dieBürde, unter der Deutschland stöhnt, grell beleuchten und zeigen, wie Deutschland von den Alliierten auSgesaugt wird. Die englischen Ziffern sind ohne Zweifel zuverlässig. Der englische Schatz­sekretär stellt fest, dah bis zum 30. April 1921 die deutschen Zahlungen die Gesamthöhe von rund 284 Millionen Pfund Sterling betrugen. Bei einem Durchschnittskurs von 300 Mk. für das Pfund Sterling sind das 85 200 Millionen Mark. Die Aufstellung besagt:

Rach Mitteilungen der Reparattonskom- mission hat Deutschland vom 11. November 1918 bis zum 30. April 1921 folgende Zah­lungen geleistet:

Zahlungen

Betrag in Goldmark

Englischer Anteil

in bar

99 334 000

Schiffe

270 33 1 000

190 816 000

Kohlen

437 100 000

Farben Unbewegliches Ligen-

36 823 000

8 421 000

tum und noch nicht realisierte Werte

2 754104 000

450 000

Andere Werte

937 040 000

6 210 000

Zusammen:

4 554 792 000

205 897 000

In Pfund Sterling

284 500 000

13000 000

Don dieser Summe von 13 Millionen Pfund Sterling schreibt, wie der englische Staatssekretär ausführt, England nahezu 7 Millionen Pfund als Kosten für die engli­sche Desatzungsarmee ab. Don Interesse ist der verhältnismäßig geringe Anteil Englands an den deutschen Zahlungen, denn er beträgt weniger als 5 Prozent.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 29. Aug. 1921.

Der Krieg und die Eheschließungen in Hessen.

Die Gleichgewichtsstörungen, die allent-

fpiegelt auch die Statistik der Ehefchlie- hungenwider. Zunächst brachte der Ausbruch des Krieges eine erhebliche Vermehrung der Eheschließungen. Die plötzliche Einberufung vieler Männer zum Heer hatte zur Folge, dah einerfells zwar viele geplante Ehen teils verzögert, teils überhaupt verhindert wurden, andererseits aber auch beschleunigt und ihr Abschluh auf wenige Tage aufammengedrängt wurde. Im IuN 19 14 betrug die Zahl der Eheschliehungen in Hessen 6 5 5, im August 1 757. Dieses Ernporschnellen ist besonders stark in den gröberen Städten. In Darmstadt stieg die Zahl in den beiden Monaten von 47 aus 234, in Mainz von 59 auf 258. Danach aber trat ein plötzliches Sinken der Ehe­häufigkeit ein. Der September wies für Hessen nur noch 345 Eheschließungen auf gegenüber 684 im Vorjahr. Im ganzen Jahr 1914 wurden dem­entsprechend nur 8952 Eheschließungen gezählt gegenüber 9621 des Vorjahres. In den folgenden Jahren kommen die Einwirkungen des Krieges deutlicher zum Vorschein. Die Zahl der Gheschlie- fjungen sinkt 1915 auf 5235, 1916 gar auf 4987, von da an steigt sie wieder allmählich, wenn auch ganz langsam. Es beginnen die sogenannten Kriegstrauungen. 1917 zählt 5727. 1918 wieder 6740 Eheschließungen. Rach Beendigung des Krie­ges und nachdem die ersten Schrecken der Revolu­tion vorüber sind, sind alle Hemmungen überwun­den und eS entsteht eine wahre Heiratsepi­demie. Die Zahl der Eheschliehungen betrug (in Klammern sind die entsprechenden Zahlen des Vorjahres beigefügt) im Dezember 1918: 675 (724), Januar 1919 : 602 (459). Februar 938 (460), Juni 1504 (581), Dezember 2139 (675), im ganzen Jahr 1919: 16 945 (6740). Das Jahr 1920 bringt eine noch gröbere Flut. 19 315, das ist mehr als das Doppelte der normalen Friedensjahre. Diese bei­den Jahre haben bereits ausgereicht, um den gan­zen Kriegsausfall an Eheschliehungen zu besei­tigen. Denn 1911 bis 1913 betrug die durchschnitt­liche Zahl der Eheschliehungen 9636, 1914 bis 1920 jährlich 9700. Es ist also alles wieder wettgemacht. Das ist deshalb merkwürdig, weil man doch er­warten sollte, dah der Tod so vieler heiratsfähiger Männer während des Krieges feinen Einfluh gel­tend machen würde. Im Rovember 1920 beginnt aber bereits wieder der Hmschwung. Im Oktober wurden 1730 Ehen gegen 1673 des Vorjahres ge­schloffen, im Rovember 1737 gegen 2^83. im De­zember 1952 gegen 2139, im ersten Vierteljahr 1921 3685 gegen 4060, im zweiten Vierteljahr 3926 ge.'en 5764 des Vorjahres. Immerhin sind diese Zahlen noch sehr hoch gegen die Friedensjahre. 3m Jahre 1914 betrugen die entsprechenden Zahlen 1889 und 2856. Auch im Heiratsalter und Familienstand der Eheschliehenden hat der Krieg erhebliche Verschie­bungen hervorgerufen. Die mittleren Altersstufen, bei den Männern die Jahre 30 bis 40, bei den Frauen 25 bis 35, traten stärker hervor, ebenso hat sich der Anteil der Verwitweten besonders unter den eheschliehenden Frauen stark vermehrt.

*

Personalien. Dem bisherigen Stabs­arzt der Reserve Professor Dr. Heinrich Walther, während der Kriegszeit Chefarzt des Res -Laz. I, wurde der Charakter als O b er­st a b s a r z t mit Erlaubnis zum Tragen der Hnt- form der Sanitätsoffiziere des Beurlaubtenstandes verliehen.

Sklaven des zwanzigsten Jahr­hunderts. Dieser Film, der am Samstag vor geladenen Gästen abgerollt wurde und von Deute ab in den Astorialichtspielen, SelterSweg öffentlich gezeigt wird, ist als Propagandafilm für bic Avignon-Gcfangenen gedacht und erscheint unter dem Protektorat der Reichsveretni- gung ehemaliger Kriegsgefangener. Als Ganzes gesehen, ist er nicht schlechter, aber auch nicht besser als jeder Durchschnittsfilm und repräsentiert mit seiner raffiniert konstruierten, aber innerlich hohlen Handlung, mit feinen Effekten und Heberraschun- gen echtes Kino. DaS Schluhbild zum Beispiel zeigt eine ganz unmotivierte Verbrüderunasszene zwischen einem sterbenden Deutschen und zwei Franzosen, die sich eben noch auf Tod und Leben bekämpft "hatten, wobei ein Franzose und der aus dem Lager geflohene Deutsche getötet wurden. Was den Film aber des Ansehens wert macht, das sind die ganz vorzüglichen Aufnahmen auS den groben Kämpfen im Westen, die sicherlich

seinerzeit an der Front selbst ausgenommen wur­den. Die Ausschnitte aus her Arras-Schlicht zie­hen so eindringlich und bildhaft vorüber, bah man sich mitten drin in diesen furchtbaren Kämpfen glaubt, dab man fast das Tosen und Krachen des Trommelfeuers im Ohr spürt, das unheimliche Zischen der Flammenwerfer, das wuchtige Heran- stapfen der Tanks. Hnd wie erschütternd sind die Bilder aus dem eingetrommelten Unterstand, in dem sich die dem Wahnsinn nahen Soldaten gegen­seitig aus ihrem Leben erzählen, um N'.>5 der Er­innerung Kraft zu schöpfen zum Festhalten am entgleitenden Mut zum Leden Ergreifend wirken auch die Bilder aus dem französischen Gefangenen­lager mit all seinem Fron and Jammer, seiner Verzweiflung und Trostlosigkeit, die sich steigern, als sich die unbarmherzigen Stacheldrähte auch nach Kriegsende nicht offnen wollen

Landkreis Gieren.

0 Gründe rw 26. Aug. Der Plan zur Ehrung unserer Gefallenen beginnt jetzt greifbare Gestalt anzunehmen. Nachdem in ^cr notigen Woche Professor Walde- Darwindt hier zur Besichtigung weilte, hat er nächst . ende» Vorschlag gemacht. In der Kirche sollen luf zwei groben Tafeln die Ramen der Gefallenen ver­ewigt werden, während auf der Höfetränksbrnctt in der Mauer eine Rische errichtet werden soll, die einen einfachen Gedenkstein auf nimmt Der Blick auf die dahinter liegenden Baumgruppen und weiterhin bis nach dem benachbarten Lehn- heim würde diesen Platz wirkungsvoll umrahmen. Der Ausschub für die Errichtung eines Denkmale hat nun diesen Plan in seiner letzten Sitzung gut- geheiben, jedoch soll vor der endgültigen De- schluhfassung noch eine Burgerversammlnng Stel­lung dazu nehmen. Dis jetzt sind durch Haus­sammlungen ungefähr 11000 Mark aufgebracht man hofft diese Summe noch etwas erhöhen zu können.

x W i e f e d, 27. Aug. In der gestrigen G c - meinderatssihung wurden Iahresbeträge der Gemeinde bewilligt für den Landesverband zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten: 100 Mark, für die Krüppelfürsorge 75 Mark. Zur weiteren Abhilfe bei der noch immer großen Wohnungsnot soll eine Kommission auS dem Bürgermeister und den Gemeinderäten Luh und Kümmel, die noch zu vermietenden Wohnungen aufnehmen und dann dem Gemeinderat Vorlage machen. Dem Gesuch einer Giebener Firma um Freimachung einer Wohnung für ihren Werk­meister konnte nicht entsprochen werden. Der Stenographen-Vereinigung Gabels­berger wurden jür ihr im Herbst stattfindendes Wettschreiben zwei Schulsäle überlassen und 50 Mart für Stiftung eines Ehrenpreises betoilligt Der Firma Cohn wurde zur Errichtung eines Verwaltungsgebäudes Gelände an der Ba­de n b u r g, etwa 7000 Quadratmeter verkauft, der Quadratmeter zu 6 Mark. Die Anschassung einer Schreibmaschine wurde nachträglich geneh­migt. Die Hmpslasterung derSrunnengaffe und Qlbleilung der zu walzenden Strahen soll In zwei Losen auf dem Submissionswege vergeben werden. Für die Mehlversorgung wird ein Ausschuß gebildet aus dem Bürgermeister und den Cemeinderäten Wacker und Laudon. Den Schluß der bis Mitternacht währenden Sitzung bildeten Mitteilungen deS Bürgermeisters über den angefertigten Bauplan tarn SchühenhauS bet der Badenburg.

Hessen-Nassau.

Frankfurta. M., 27. Aug. (WTD.) 3n einer Versammlung des Verbandes mittel­deutscher Industriellen und des Mittelrheinischen Fabrikanten­vereins wurde nach einem. Referat des Fi- nanzministerS a.D. Dr. Decker-Lärm­st aot eine Entschließung zu dem Steuerprv- gramm des Reichskabinetts angenommen. Die Versammlung begrüßt, daß sowohl direkte wie indirekte Steuern vorgesehen sind; sie tritt für die Beseitigung der Hmsaysteuer in ihrem jetzigen Hmfange ein, weil diese vor allem die Qualitätserzeugung trifft. Für dringend nötig wird die Festlegung der Bewertungssätze der laufenden Vermögenssteuer im Gesetz ange°

lornrne, tilge ich das Darlehen auf den Erbrsicher Forst, unb Im Februar hoffe ich die Fabrik'in Betrieb stellen zu können. Dann habe ich Luft und kann mir auch wieder ein bißchen Ruhe gönnen."

Ra, hoffentlich widmest du dich dann auch wieder ein bißchen mehr der Familie und Ge­selligkeit. Die Damen klagen schon bitter, daß du dich ihnen ganz entfremdest."

So? Das tut mir leid. Run, im Frühjahr wird es wohl bester werden, und ich werde trach­ten, meine Fehler gut zu machen."

Do faß im Rebenzimmer und horte jedes Wort. Die letzte Bemerkung Rüdigers ließ ihr Herz Plötzlich stürmisch schlagen.

Im Frühjahr! War das vielleicht der Ter­min, den er sich gesetzt hatte, um Magelone Heun- zuführen? Von Tag zu Tag wartete sie un­ruhig, daß es geschehen würde. Ihr düntte, alles würde dann leichter und bester werden auch für sie . . .

19. Kapitel.

Aus den regnerischen Herbst folgte ein milder, schneearmer Winter. Rüdiger war sehr froh darüber. Denn nun konnte die Arbeit ruf den Holzschlägen ungehindert fortgesetzt werden.

Desto weniger entzückt waren Magelone und Anneliese davon. Welch ein öder, langweiliger Winter! Richt einmal Wintersport konnte man betreiben! Hnd die meisten Bekannten aus der Rachbarschaft hatten ihre Güter verlassen, um die Saison in Wien mitzumachen.

Auch Edith Ruhland war fort. Sie hatte sich ganz plötzlich entschlossen, mll ihrer Tante, der Baronin Sester, den Winter in Kairo zu verbringen, nachdem Mr. Parker ihr geschrieben, daß seine Mutter und Schwester gleichfalls dahin gingen und sich freuen würden, ihre Bekanntschaft zu machen. Auch er selbst würde trachten, um Weihnachten herum ein paar Wochen dort za verbringen.

Hm dieses langwelligen Menschen willen willst du mich nun allein hier lassen?" klagte Magelone vorwurfsvoll.

Edith errötete.

Was fällt dir ein: Ich gehe doch nutzt Parkers wegen hin! Hebrigens: komme doch mit: Es kostet btxß kein Vermögen und wäre so nett!"

Magelone schüttelte den Kopf.

Ausgeschlosten, Liebste! Mein Schwager hat uns ja sogar den Fasching in Wien heuer ge­strichen aus Sparsamkeitsgründen! Hnd über­haupt . . .

Sie dachte an die heilige Rot, die es ihr schon immer machte, jeden Monat die hohen Zin­sen für Markus Lob cmfzubringen. Das Dar­lehen selbst elende fünftausend Kronen war ihr wie Butter in der Sonne unter den Händen zerronnen. Ein paar Tolletten in Wien damals, ein neuer Teppich in ihr Boudoir, Hand­schuhe, ein paar Garnituren entzückender Halb» schuhe mit den dazu passenden Strümpfen und ein paar Sendungen Konfitüren, für die sie schwärmte und weg war alles gewesen. Rur die fünfzehn Prozent Zinsen blieben als Daumen­schrauben und das Schwert der Rückzahlung über ihrem Haupte

Wenn es ihr nicht gelang, Rüdiger vorher zu einer Erklärung zu bringen und dann auf rasche Heirat hinzuarbeiten, so mußte es im Sommer einen Eklat geben, den sie um keinen Preis erleben wollte. Denn Markus Löb toanete nicht, das wußte sie.

Hein, nein, ich muß schon aushalten hier,' schloß sie fleinlaut.

Hm sich ein bißchen zu zerstreuen, fuhr Ma­gelone nach Ediths Abreise dann häufig in bic Buchau spazieren und interessierte sich lebhaft für die Herstellung von Stacheldraht und Eisen­blech.

Sie nahm dazu meist ihren Ressen Lothar mit, der ganz glücklich darüber war, wennOnfei Eugen" ihnen alles eingehend erklärte.

Mein Gott, es ist ja so wenig, sich von Eugen Ruhland anschmachten zu lassen!" dachte Magelone ost.Aber es ist doch etwas!" Mit Rü­diger ließ sich nun einmal nichts machen, |o lange er den Kops ausschließlich mit Arbeit angefüllt hatte .

Auch Wendloh war wie verschollen. Jm Herbst hatte er noch ein paar Karten von den Manövern geschrieben und seinen baldigen Besuch in Aussicht gestellt. Run war es bald Weih­nachten, aber gekommen war er nicht.

(Fortsetzung folgt)