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Lenin über Reformen r in Sowjet-Ruhland. London, 27. Dez. (WTB Der Sonder­berichterstatter des ,Observer" melde, aus Mos­kau: Lenin hielt bei (Eröffnung des 9. S o w- jetkongresses eine von 2C00 Delegierten be­geistert ausgenommene Rede, worin er die inter­nationale und die innere Lage der Sowjetrepu­blik barlegte Lenin sprach nicht als Führer der Kommunistischen Partei, »ondern als Premier­minister. Er griff mit bitterem Sarkasmus die Kommunisten wegen ihrer Ansicht an, dah es noch möglich sei, das Wirtschaftsproblem durch die Methode des Bürgerkrieges und kommuni­stischer Abgeschlossenheit zu lösen. Ruhland sei arm, erschöpft und schwach. Es werde jedoch nicht dulden, das) seine 5riebfertigleit zum Zwecke eines Angriff- benutzt werde. Das sollten sich Polen, Finnland und Rumänien gesagt sein lasten. Grobes Aufsehen erregte die Erklärung Lenins, dah die Regierung vor den Sowjetkongceh trete mit dem endgültigen Ersuchen, die Befugnisse der auherordentlichen Kommission drastisch zu beschränken. Er sagte, der ursprüngliche Zweck a-t autzerordentlichen Kom­mission sei unvereinbar mit der neuen Wirt­schaftspolitik und müsse den neuen Zeiten und der neuen Politik angepabt werden.

LautDaily Telegraph" sind besondere Mah­nahmen getroffen worden, um zu verhindern, dah irgendwelche Informationen über den 9. Sowjetkongreh durch'ickerten. Jedes Mitglied deS Kongresses müsse einen besonderen Ausweis be­sitzen, und die Sekretäre und Stenographen wür­den einer strengen Kontrolle unterzogen. Auf dem Kongreh würde auch die Anerkennung der russischen Staatsschulden erörtert werden. Die britische Delegation in Moskau verfolge die Lage sehr genau und werde au-giebig Bericht erstatten.

Tinowjetv sucht aufznmuntern.

Die immer wiederkehrenden Blamagen des deutschen Kommunismus sind natürlich auch auherhalb des Reiches, und nicht zuletzt in Mos­kau und Petersburg, bemerkt worden, und so hat, wie die .Boss. Ztg." schreibt, der Dor­fitzende des Sxekutiv-Komitees der III. Inter­nationale, der auch in Deutschland bekannte Herr Sinowjew, Anfang Dezember durch eine sei­ner groben Agitation-reden in einer Sitzung der l^ekutive versucht, den deutschen Genossen Mut zu machen. DieRote Fahne" druckt die Rede ab. Mit seiner agitatorischen Taschenspieler­kunst unternahm es Sinowjew, das tatsächliche Bild geradewegs ins Gegenteil zu verkehren. Er behauptete, die Arbeiter begännen jetzt Epi­soden, wie die Märzaltion,die manchmal leicht­fertig und ein bihchen nach Abenteuertum zu riechen schienen", langsam ganz anders einzu­schätzen, und das Ansehen der Kommunisten in Deutschland fange an zu steigen! Dermutlich sieht er auch in den Enthüllungen desDorwärts" über die Märzattion, die eine Krise in der deutschen Partei hervorgerufen haben, nur eine Bestäti­gung für feine Darstellung. Er erklärte, Deutsch­land lei augenblicklich das wichtigste Land der Re- volution, well dort die Revolution am nächsten sei. Mancher sähe zwar vorkonkreten F agen" noch nicht!)as Allgemeine", und die Richtung sei auch nicht sofort zu erkennen, aber man merke, doch, bat) es sich bei den Wandlungen und bei dem Ringen in der Partei während des letzten Jahres nicht n u r um Kleinigkeiten und Dumm­heiten gehandell habe, die zwar dagewesen 1 el en, aber nicht die Hauptsache darstellten. Jetzt sei ein gewisser Entwicklungsprozeß ab­geschlossen. Dann fuhr er fort:

Die haben die Resolution des Zentralaus­schusses gelesen, in der die Deutsche Partei ganz fest und entschlossen für die Parole der revolu­tionären Einheitsfront auftritt und sogar unter ^gewissen Bedingungen ihre Zustimmung dazu Hibl. in eine Arbeiterregierung einzutreten. Da- *oci haben wir den Spektakel erlebt, daß Levi und tfeine Gruppe dagegen auftrat, soweit ich nicht irre. (Radek: Rein.) Rein, nicht ganz klar, aber sie versuchen doch, dies als etwas ganz Un­erhörtes für den Kommunismus, für unsere Li­nie hinzustellen. Ich gehe nicht auf De­tail- ein. ES genügt, zu sagen, dah die deut­sche Partei, eine der wichtigsten Sektionen der Kommunistischen Internationale, jetzt mit gro- heb Majorität eine solche taktische Linie an­genommen hat, und dah die Folge nicht ist wie Levi angibt. dah der Kommunismus jetzt in Deutschland im Sinken ist. Jedermann (!) sieht ein, dah der Kommunismus und fein Ein- flust in Deutschland fern Wachsen begriffen ist, daS ist absolut ein Ariom, nicht schnell, aber die Linie ist steigend."

DaS rosige Bild, daS Sinowjew von der deutschen Partei entwirft, wird eigentümlich be­leuchtet durch einen Aufruf der kommunistischen Arbeitsgemeinschaft an die Mitglieder der K. P. D., den dieRote Fahne" in der gleichen Rümmer veröffentlicht. Daraus wird auch FLir. dah der Vorsitzende der Erekutive noch ein be­sondere- Interesse daran hat, die K. P. D gegen die K. A G. zu stützen. In dem Aufruf heibt es

Don neuem stürzt man die Partei in eine schwere Krise, «an derem Ende, wenn sie nicht schnell und restlos beseitigt wird, der Zerfall stehen muh. Rach den Enthüllungen über die Vorgänge während der Märzaktion wäre es Pflicht gewesen, nicht einfache Ar­beiter, die aus ihre Anweisungen gehandelt haben, al- Lügner und Phantasten zu be­schimpfen. Von den Führern erwarten die Ar­beiter. bah sie zu ihren Taten stehen und das auf sich nehmen, was sie selber zu verantworten Haden. Der freiwillige Rücktritt der durch die Enthül'ui gen k. mpromit ierten Genossen toire die Lösung gewesen, die nach auben sichtbar ledern Arbeiter gezeigt bdtte. bah die Kommu­nistische Partei mit den Methoden der Pro­vokation rücksichtslos und endgültig gebrechen hat. Die Parteifühi-ung hat durch ihr Verhalten die luertrx'IPcn Stunden verpatzt. Anstatt die feikftverstä. d.ichen personelle i Fo gerung n au<s Enthüllungen über die Märzaktion zu ziehen will die Zentrale den Kampf gegen die K A G aufnehmen. Die Krise, die jetzt über unsere Partei hereinbricht ist mit Iieraufbeschworen durch die unheilvollen Einflüsse, die einzelne Mitglieder der Exekutive unkontrollierbar und ohne Willen der Mitgliedschaft auf die önttoiJIung unserer Partei feit ihiem Bestehen auSüben. RiemalS tnirb die deutsche Partei gefunden können, niemals werden fih verant­wortlich denkende Genossen zur Leitung der Partei finden, wenn nicht endlich mit dielen Machenlchrsten au geräumt wird. Darum for­dern wir als daS.dringendste Gebot dec Stunde: Garantien von der Erekutive, dah nicht einzelne

ihrer Mitglieder Streitigkeiten in unserer Par­tei erzeugen."

Die ilnftiirmigfeüen in der kommunistisch«! Zentrale.

D e r l i n, 28. Dez. Wie dieRote Fahne" mitteilt, hat die Zentrale der K. P. D. einstim­mig beschlossen, Friesland seiner Funk­tion als Mitglied der Zentrale und Drah und Mal zahn ihrer Funktionen bis zur Tagung des Zentralausschusses zu entheben. Friesland hatte gemeinsam mit Braß und Malzahn einen Aufruf an die Parteimitglieder unterzeichnet, in dem die Parteipolitik einer scharfen Kritik unterzogen wird.

DaSGutdünken" eines kommunistischen StadtrateS.

München, 27. Dez. (WTD.) Der Un- tersuchungSauSschuß der K. P. D. fällte eine Entscheidung, wonach der kommunistische Stadtrat Weigel dringend verdächtig ist, eine Spende der amerikanischen Genossen zu­gunsten der kommunistischen FestungSgefange- nen an ihm persönlich nahestehende Personen nach seinem Gutdünken verteilt zu haben. Bis zur vollen Klärung der (Angelegenheit dürfe Weigel seine Funktionen innerhalb der Partei und sein Mandat als Stadtrat nicht auSüben.

Aus dem Reiche.

Drohender Eisenbahnerstreik.

Berlin, 28. Dez. Die vor Weihnachten begonnenen Besprechungen mit den Eisenbahnern wurden gestern im ReichSver- kehrSministerium fortgesetzt. Die Beratungen hatten ein negatives Ergebnis, sollen jedoch heute fortgesetzt werden.

Wie derVorwärts" aus Düsseldorf mel­det, haben die Funktionäre des Deutschen Eisenbahnerverbandes aus den Di­rektionsbezirken Elberfeld, Köln und Essen in einer gemeinsamen Beratung eine Entschließung gefaßt, in der für ver­heiratete männliche Bedienstete ein Vor­schuß von 1000 Mk. und für Ledige und Weibliche ein solcher von 750 Mk. gefordert wird. Wie eS weiter in der Entschließung heißt, wird die Bewilligung dieser Forderung bis spätestens Mittwoch, 28. Dezember, mittags 2 Uhr, erwartet. Die Ablehnung der Forde­rung würde zweifellos für die genannten Di­rektionsbezirke den Streik bedeuten. Wie das Blatt weiter erfährt, sind auf einzelnen Bahnhöfen des Direktionsbezirks Elberfeld die Cisenbahnarbeiter bereits In den Ausstand ge­treten. Die Beamten verhalten sich bisher noch passiv.

Aus Hessen.

DaS Arbeitsprogramm des Landtags. « rm. Darmstadt, 27. Dez. Dem Landtag sind während und nach seiner letzten Tagung eine ganze Reihe Regierungsvorlagen, Anträge und Anfragen zugegangen, über die wir zum Teil schon berichtet haben. Don Interesse ist aber eine Re­gierungsvorlage betr. die Abänderung des Ge­setzes über die Landwirtschaftskammer, durch welches dieser zur Abbürdung der Schweizer Schuld und Ermöglichung der Bankschuld in eine Obligationenschuld das unbeschränkte Um­lag e r e ch t und für die Deckung der erhöhten laufenden Ausgaben eine Erhöhung der Umlage auf 3 Mk. auf das Tausend gestattet wird. Hierzu liegen Anfragen des Zentrums und der Demokratische^n Partei vor. Die Abg. Hofmann u. Gen. (Z.) beantragen eine Vorlage zwecks gerechterer Verteilung der Kosten der höheren Schulen, anderweite Festsetzung des Verkaufspreises der Kleie aus demUmlagegetreide, Gewähi-ung von Dtaatszufchüssen an Privatschulen, vermehrte Streuabgabe gus den staatlichen Wal­dungen. In einer Regierungsvorlage wird di? Einstellung eines Ver ährens gegen K Drügge- mann u. Gen. in Mainz gefordert. Eine Weitere Regierungsvorlage fordert die Ermächtigung zur Verhandlung mit der preußischen Regierung wegen Abschlusses einer Vereinbarung über die Auflösung des gebundenen Vermögens des Gräfl. Hauses Alt-Leiningen-Westerburg Durch einen im letzten Sommer abgeschlossenen Vertrag ist im Interesse des hessischen Siedelungs- wesens der gesamte im Volksstaate liegende Besitz des Hauses Alt-Leiningen-Westerburg nach der Veräußerung des Besitzes vom hessischen Staat erworben worden. Endlich fordert eine Regie­rungsvorlage einen Zuschuß von 300 000 Mk. aus dem 20 Millionenfonds zu den Kosten der Räu­mung des Land- und Scheidgrabens im Kreise Groß-Gerau.

Die Abg. Dr. Osann und Gen. (D. Dp.) beantragen die Verfügungstellung von Holz für Wohnungsbauten, Beihilfen für die Kleinrentner unb Bereitstellung von Mitteln zur Unter- ft Übung de r außerord. Professoren und Privatdozenten an der Univer­sität und der Techn. Hochschule: sie fragen ferner an wegen b?r Schaffung von Kraft­wagenlinien in den verkehrsarmen Gegenden des Landes, wegen der Behebung der Kvblenknapp- heit und wegen Sicherstellung von Kraft und Licht durch die Grube Wölfersheim.

Eine Regierungsvorlage betrifft die Besol­dung, die Ruhegehalts- und Hinterbliebenenver- forgung der israelitischen Bolksschul- bzw. Reli­gionslehrer, eine andere Regierungsvorlage for­dert einen Staatszuschuß zur Zentrale für COlutter - und Säuglingsfürsorge Die Zentrale ist in schwere Rot geraten und hat eine Unterbilanz von 376 000 Mk. zu verzeichnen. Die Rachzahlungen für die Bezüge der Schwestern und sogar ba« Monatsgehalt für den Rovern- b er konnte nicht zur Auszahlung kommen. ES ist daher bringende Eile geboten, damit der Betrag aus Staatsmitteln gedeckt werden kann. Voraussichtlich wird sich der Finanzausschuß schon in der allernächsten Zeit mit der Angelegenheit beschäftigen müffen, und es ist daher nicht un­wahrscheinlich, daß aus diesem Grunde der Land­tag früher, wie vorgesehen, einberufen wird.

Der Abg. Köhler tD. Vp.) bat wegen der immer noch beabsichtigten Umwandlung der Bahnstrecke Worms Bensheim trotz des Beschlußes des Landtages eine Anfrage an die Kammer gerichtet, in der Auskunft gewünscht wird, waS die Regierung getan hat. um dem Beschlüsse der Kammer Geltung zu verschaffen.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 23. Dez. 1921.

Vereine für hygienische T-olkS- bclcl)iiuiq.

Eine großzügige Voltet> lehrung unb ®e|_nb- heitspflege ist für unsere jetzt fo schwer gefähr­dete Ration von besonderer Wichtigkeit, unb d e Berufensten für diese Au'gade sind Du Aerzte, die durch festen Zu-anrrnenschluß das Licker un­geeigneter Persönlichkeiten unschädlich machen müssen. Als ein DU Piel für eine einfache, 54- lige und wirksame Art der hygienischen Volle- belehrung führt Dr. E. Welbe in derDeutschen Mcd^imschea Wochenschrift" den Leipziger Ver­ein für Volksbelehrung in SauglingS-, Kind^r- unb Mutterpflege an. Seit 1915 werden hier leg. Mutterkurse in Säuglings- und Kinderpflege veranstaltet, an denen dis 1919 über 2000 Teilnehmerinnen gezählt wurden. 1920 wurde bann der Verein gegründet, der außer den Muttertursen monatliche DereinSabende adhält unb auch ab unb zu größere Werbefeste mit Vor­trag, Kunftvorfahrungen unb Tanz veranstaltet. Auch auf dem Lande ist der Verein mit Erfolg tätig gewesen. Verschiedene AmtShauptmannschaf- ten der Umgegend von Leipzig Deranftaüctcn solche Lehrkurse in den kleinen Städten und Dör­fern. Auch wurde dem Verein die Fortbil­dung der Fürsorgerinnen und Heb­ammen übertragen. D.e Erfolge dieser Lehr- furle sind überraschend günstig. Sie finden in einem Gasthofsaal statt und werden durchschnitt­lich von 300500 Frauen, Mädchen unb Männern aller Stände unb Partrtea besucht. Diese starte Beteiligung wird hauptsächlich dadurch erzielt, daß nicht nur der belehrende Vortrag geboten wirb, sondern gesellige Veranstalrungen. bisweilen auch Tanzvergnügungen, dami: verbanden finb. Mancher kommt zunächst der Ges l.igteit halber und erhält bann hygienische Aufklärungen. Durch diefes zunächst örtliche Zusammenkommen der ver­schiedenartigsten Elemente in einem Raum zu gemeinsamem Zweck wird auch eine geistige An­näherung her zer plitterten Volkskreise angebahnt die erste und wichtigste Grundlage für eine großzügige Fürsorge, die dem deutschen Rach­wuchs zuteil werden soll. Der Verfasser glaub:, daß derartige Vereine auch in andern Städten und Ländern die so dringend notwendige hygienische Aufklärung unsere- Volles fördern würde.

Amtliche Persvnalnachrichten. Ernannt wurde am 22 Dezember Frciin Elisabeth von Bie geleben aus Hannover zur Labora- toriumsfckwester (Laborantin) an her Landes- He.l- unb PflegeanstaltPhilippsh jpitcf bi Goddelau mit Wirkung vom 1. Rovern der 1921. Am 23. Dezember 1921 wurde der Ministerin!- oberrebifor Ludwig Beck zu Darmstabt vom 16. Januar 1922 ab zum Rechnung-rat bei dem Ministerium der Finanzen ernannt. Am 23. Dezember 1921 wurden die Daupraltikanten Jakob Maus aus Dornberg, Kreis Groß-Gerau, und Philipp W a m b o l d auS Darmstadt zu Ober­bausekretären ernannt Durch Entschließung des Landesamts für das Dlldungswesen wurde der Studienreferendar Fräulein Dr. Elsbeth S e i p zu Bingen zum Studienassessor ernannt Heber tragen wurde am 22. Dezember dem Schulamtsanwärter Karl Reitz aus Rieder- Ohmen eine Lehrerftelle an der Volksschule zu Kefenrod, Kreis Büdingen. In den Ruhe­stand versetzt wurde am 22. Dezember der Real­lehrer an der Realschule zu Lauterbach Adam K a d e l auf sein Rachsuchen unter Anerkennung seiner dem Staate geleisteten Dienste mit Wir­kung vom 1. Januar 1922 ab. Am 23. Dez. 1921 wurde der Rechnungsrat bei dem Mini­sterium der Finanzen Ludwig Duttron zu Darmstadt auf sein Rachsuchen vom 15. Januar 1922 in den Ruhestand versetzt

** Ausfallen de Züge. Wie wir von zu­ständiger Stelle erfahren, fallen wegen Kohlen­mangels noch folgende Züge außer den schon kürzlich angegebenen auS: O-Zug 81 (Frankfurt HagenKöln) ® iebe n ab: 8,41; L)-< ug82 (Köln HagenFrankfurt) Gießen ab: 10,19 abds.; ferner Pz. (Frankfurt-Hannover) Gießen ab 12,37, sowie Pz. 776 (HannoverFrankfurt) Gießen ab: 2,40.

<Aortt othen.

Tageskalender für Mittwoch: Stadttheater, 7 Uhr:Alt - Heidelberg". Astoria - Lichtspiele:Taschendiebe" und Bauernhaß".

Aus dem Stadttheater­bureau. Die allgemeine Preissteigerung macht eine weitere Erhöhung der Eintritts­preise nötig, die sich aber immer noch in mäßigen Grenzen halten und die Preis­erhöhungen in anderen Theaterstädten nicht erreichen wird. Der stärkste Zuschlag ist für die Operelten-Vorstellungen vorgesehen, ba für die Musik erhöhte Aufwendungen in Aus­sicht stehen, die sich bei der weiteren Tarif» erhöhuktg der Eisenbahn ab 1. Februar noch weiter steigern werden. Bei Heinen Preisen und Volkspreisen hat nur eine Abrundung taktgefunden. Rach dem Vorgang in an­deren Städten wird auf alle Plätze im ge­samten Sperrsitz und 1. Rang an Sonn- und Feiertagen ein besonderer Zuschlag von 1 Mk. erhoben. Der Preis des Theaterzettels ist auf I Mk. festgesetzt worden. Die neuen Preise treten am 1. Januar 1922 in Wirkung. Im übrigen verweisen wir auf die heutige Anzeige.

Kreis Büdingen.

][ Ort en berg, 27 D.z Fünf Geschlech ter. An Weihnachten fand in der Familie Ior- b e n S * P f e i f f e r ein seltenes Tauffest statt. Bei bei Taufe des Stammhalter- waren zugegen: Mutter, Großmutter, Urgroßmutter, außerdem lebt auch noch bie -Ururgroßmutter beS Kindes in Bellmuth im Alter von 90 Jahren in voller gei- tiger und körperlicher Gesundheit Sie war nur durch das schlechte Winterwetter am Erscheinen zur Taufe ihres Ururenkels verhinbert. will aber sobald wie möglich sich den jüngsten Svroß der Familie ansehen. Am Weihnachtsabend fand in unserer Kirche eine sehr gut besuchte Christ- e i e r statt, die durch drei oreiftimmige Chöre der obersten Schulklasse verschönt wurde. Am ersten Feiertag fang im Festgottesdienst der Kirchen- gefangoerein. Er brachteEs ist ein RoS entfbrun- en" unbKrmmt, laßt un- Christum ehren" zum Sortrag. Am Abend hielt der neue Schützen- v e r c i n im Darmstädter Hof fein wohlgelungenes Wintervergnügen ab.

Kreis Schotten.

eb. Eichelsdorf, 28. Dez llnfere beiden Schulklassen veranstalteten im, bis auf den letzten

Pla.) ge uilten geräumigen Lehrschen Saale c ne toobigdungen? Weihnachtsfeier. Vier W-eihnachrsstüle wurden »ur Darstellung gebracht unb fanden reichen Beifall. Eine Bescherung be- fchloß bie schöne Feier. Wre alljährlich, so läutete es wiederum btt: am 1. Feiertag von 56 Uhr dem Sh.istkindchen. Von 67 Uhr wurden unter großer Beteiligung von jung und alt. während alle Christ bäume brannten an Pier Stellen im Dors W, hnachtslieder aefungen. Dieser schöne Brauch scheint auf eine nächtliche Christ - mette zurückzugehen. Außer diesem .Cristkind- ches singen . das nirgend- sonst in unserer E-egend grübt wird, besitzt unser Dorf eine lehr schöne Volksweise zu »Fröhlich soll mein Herze springen".

ed. C s che n r v d. 28. Dez. In den abgelegenen Bauerndörfern deS Vogelsberg- hat sich mancher Iah. Hunderte alte Brauch erhalten, der in den KricgSjahren etwa- in Vergessenheit geraten, nun wieder neu in Hebung kommt. So wurde hier der Penge-abend (lange Rächt) zum ersten Male seit 1913 wieder allgemein in Familie. Spinnstube und WirtShauS gefeiert. Diese Feier ist eine letzte Erinnerung an die Iulnachtseier unsrer heidnischen Vorfahren. Am PengeSabend wurde der Iulblock angepengt = angcVinbet; al« ZestschmauS ver­zehrte man Hülfest -Schweinebraten. In Anlehnung hieran ißt man am PengeSabend Bratwu rächen Dis vor kurzem kannte man hier auch Noch den Iulblock unter dem 21 amenEhrtstbrand". Der während deS FesteinläutenS im Herdfeuer an­gekohlte Holzklotz wurde al- Schuh gegen Blitz- gefahr unter« Dach gelegt

Kreis Friedberg.

^lBad-Raubeim, 27. Dez. Die Weih- nacht - tage zeichneien sich durch lebhaften Verkehr aus. Die Gottesdienste waren nach altem Drauch von zahlreichen Airdächtigen besucht. Be­sonders bie liturgische Feier am Weihnachtsabend in her Dankeskirchr war so stark besucht, baß der große Raum alt und jung kaum fassen konnte. Die Chorschule unter Leitung von Lehrer Diehl verschönte die Feier durch Gesang. Im Kurhaus verspürte man auch rechte Weihnachtsstimmung. Anter strahlenden Christbäumen lauschten Ein­heimische unb Kurgäste der weihnachtliä^n Musik der Kurkapelle. Der zweite Frtertag gehörte den Vereinen. Turnverein 1860, Männerturnverein, Gesangverein .Concordia" unb ber Jünglings- und Männerverein veranstalteten Familien- feiern, die in Darbietungen unb Verlauf von weihnachtlicher Stimmung g.tragen warm. Der Droste Sprudel, bas reiche Ehristgeschcnk von 18(6, trug von feinem 75. Geburtstage her noch festlichen Schmuck, beim die Bade- und Kur- verwaltuna unb dankbare Verehrer des großen Segenspenders unb Heilbringer- hatten Kränze am Sprudelbecken nicbergelegt. Auch bei der Weihnachtsfeier derConcordia" wurde durch einen Prolog und bei der Weihnachtsfeier des Turnvereins 1860 durch eine Ansprache des al« Dast anwesenden zweiten GauvertrclerS Schneider (Butzbach) des GedurtstagsliideS ehcend gedacht.

2$. Dad-Rauheim, 27. Dez. Der Turn­verein 1860 bot seinen zahlreichen Mitgliedern ge'ejent i.h feiner Weihnachtsfeier gestern abend wieder ein schönes Programm. Tumeti'che und gesangliche Darbietungen um, ahmten stim­mungsvoll das flott gespielte Lustspiel .Eine schöne Befck>erung" und das Weihnacht, manchen .'Wald­geister in der heiligen Rächt". 'Da« lentere fand mit feinen anmutigen Glfenreigen und 3tverg- tänzen so viel Anllang, daß es auf vielseitigen Wunsch hin für Jugend und Grwach'ene wieder­holt werden muß. Heute veranstaltete der Turn­verein 1860 eine Weihnachtsfeier für feine Schüler­abteilung. wozu bie Eltern ber Tumschuler ge­loben waren. Rach einer Ansprache des 2. Vor­sitzenden Lehrer Ostwald wickelte sich ein reich­haltiges Programm flott und frisch ab Es war eine Lust, die 40 jugendlichen Turner an den ver­schiedensten Geräten zu sehen. WaS turnerisch gezeigt wurde, legte Zeugnis ab von fleißiger Arbeit der Iugcndturnwarte und frohem Ciser dec Schüler. Freunde des Vereins hatten in an- erkennenswerter Weise Gaben so reichlich zur Derfüaung gestellt daß jedem der Heinen Turner eine schone Weihnachtsfreude ber-jtet werden konnte.

Hcffcn-Naffau.

Die Grippe.

ntc. Frankfurt a. M. 27. Dez. Die Dripd« hat über die Feiertage so stark um sich gegriffen, daß man von einer Epidemie sprechen kann. In den meisten Familien finden sich erkrankte Mit­glieder. Die Krankheit tritt dieses Mal ziemlich plötzlich auf und verläuft in vier bis fünf Tagen, wobei die beiden ersten sich meist durch hohes Fieber auszeichnen. In den Geschäften macht sich da- massenhafte Fehlen des Personal- sehr unangenehm bemerkbar. Bei der Straßenbahn mußten am ersten Feiertag 50 Mann während de- Dienstes abgclöfl werden, da sie krank geworden waren. Am zweiten Feiertag wurde an ber Ecke ber Jeldbergstraße ein vollbesetzter Wagen der Linie 6 gerade tm letzten Augenblick vor b^m Entgleisen bewahrt, ba der Fahrer ebenfalls zusammengebrochen war. Wie stark Ne Grippe diesmal auf tritt, geht auS den Fehlzahlen der Ge­schäfte hervor. So blieben heute früh bei einem gi Dfien Waren hau- auf der Zell allein 74 Ar­beiter und Angestellte au-. Die Krankenhäuser sind überfüllt

fpd. Frankfurt a. M. 27. Dez^ Vor einigen Wochen wurde in einem hiesigen Hotel einem Juwelier ein Perlenkollier im Werte von 160000 Mark abgeschwiadelt. Al- Täter ist an der Hand von Lichtbildern ber 28iäbrtge Kaufmann Joses Klug auS Köln- Mülheim ermittell worden. Klug ist flüchtig. Auf die Wiederherbeifchaffung be- Schmuck­stückes und die Ergreifung de- Schwindlers ist eine Belohnung von 30000 Mark au-gesetzt worden.

Kassel, 27. Dez Bei der Ucberfübrung von 18 Pollzeigefangenen, die in bas Zuchthaus nach Celle tran-portHert werden sollten, ent­sprangen auf dem Oberstadt bahn dos fünf Mann. Durch einen Helfe«heller war der G e- angenentoagen mit Rachschlüsfeln geöffnet worden, so baß die fünf Verbrecher entweichen konnten. Die anderen Gefangenen blie­ben Im Wagen fitzen, bi- sie in »den Eisenbahn- -ug gebracht werden konnten. Die Entflohenen, bie zu längeren Zuchthausstrafen verurteilt find, tammen sämtlich auS Kass<L

Hochschulnachrichten.

Heidelberg, 27. Dez. (Wolff.) Die philosophische Fakultät der Aniverjttät hat