Nr. 9i Zwitter Blatt
Var -rutsche Angebot.
Die Rote an die Vereinigten Staaten.
B e r l i n, 26. April. (DTB.) Dem stellvertretenden amerikanischen Geschäftsträger ?n Berlin wurde am 24. April folgende Note übergeben:
Die Negierung der Vereinigten Staaten von Amerika hat durch ihr Memorandum vom 22. April in dankenswerter Weise die Möglichkeit eröffnet, nochmals auf dem Wege von Verhandlungen das Repararionsproblem zu losen, bevor es durch Zwangsmaßnahmen unlösbar geworden ist Die deutsche Regierung würdigt diesen Schritt der amerikanischen Regierung nach seiner ganzen Bedeutung. Sie hat sich bemüht, in den nachstehenden Bor- chlögen das Aeußerste anzubieten, was nach chrer Ueberzeugung die deutsche Wirtschaft, selbst bei günstigster Entwicklung aufzubringcn / vermag Sie lauten folgendermaßen:
1. Deutschland erklärt sich bereit, zum Zwecke der Reparation eine Gesamtverpflichtung von 50 Milliarden Goldmark Gegenwartswert anzuerienneii. Deutschland ist auch bereit, den Wert dieser Summe in Annuitäten, die seiner Leistungsfähigkeit angcpaßt Jinb, zum Gesamtbeträge von 2 00 Milliarden Golb- i!»orf in zahlen. Deutschland will feine Zahlungsverpflichtungen in nachstehender Form mobilisieren:
2. Deutschland legt sofort eine i n t e r n a t i o- H uale Anleihe auf, deren Höhe, Zinsfuß und Amortisationsquote zu vereinbaren wären. Es wird sich an dieser Anleihe beteiligen und weitgehend Vergünstigungen gewähren, sie auch mit solchen Unterlagen ausstatten, daß ein mög- , Uchst großes Auskommen rrnxrrtct werden kann. I Der Ertrag der Anleihe wird den Alliierten ■ <*ui Verfügung gestellt.
3. Ten Betrag der *u zahlenden Summe, oer durch eine internationale Anleihe nicht gedeckt ist, ront) Deutschland nach Maßgabe feiner Leistungsfähigkeit verzinsen und amorti- / fieren. Deutschland hält hierfür zur Zeit nur eine Verzinsung von 4 Proz. jährlich für möglich.
4. Deutschland ist bereit, die beteiligten Mächte an einer Besserung seiner Finanz- und Wirtschaftslage teilnehmen zu lassen. Tie Amortisativn der Re st summe wäre zu diesem Zwecke variabel zu gestalten. Im stalle einer Besserung, für die ein Jndexschema festzustellen wäre, würde sie steigen, im Falle einer Verschlechterung entsprechend sinken.
5. Um die Restsumme möglichst rasch ab- Mttagen, will Deutschlcuw sich mit aller ftraft au dem Wiederaufbau der zerstörten Gebiete beteiligen. Es hält den Wiederaufbau i *ür die dringendste Aufgabe der Reparation, weil ' dadurch am unmittelbarsten das KriegSeleno mtb der Bölkerl/aß gemildert wird. Deutschland er- ' Mietet sich, den Wiederaufbau bestimmter Städte, Dörfer und Flecken selbst zu übernehmen oder auf lebe andere, den Alliierten erwünschte Weise mit seiner Arbeit, seinen Materialien und feinen Hilfsmitteln am Wiederaufbau mitzuwirken. Tie Kosten feiner Leistungen würde es selbst zu tragen haben. Näheres hierüber ist in der deutschen Wiederaufbau- note an die Revavationskommission gesagt.
6. Zum gleichen Zwecke ist Deutschland bereit, über den Wiederaufbau hinaus nach möglichst rein kaufmännischem Periahi^n Sachleistungen für die geschädigten Staaten zu übernehmen.
7. Um einen unverkennbaren Beweis seines guten Willens zu geben, ist Deut'ch'and bereit, der RcvarationSkommission alsbald den Betrag or». einer Milliarde Goldmark in folgender Form jur Verfügung zu stellen: a) 150 Millionen Goldinark in Form von Gold, Silber und Devisen, b) .850 Millionen Goldmark in ReickSschaywechseln, die längstens innerhalb drei Monaten in Devisen und ausländischen '©erb papieren eingelöst werden.
8. Falls es dem Wunsche der Bereinigten •Staafnt von Amerika und der Alliierten entsprechen sollte, würde Deutschland willens sein, nach Maßgabe feiner Leistungsfähigkeit die Ber- v f.l i ch t u n g der Alliierten aus ihrem Schuldverhältnis zu den Bereinigten Staaten auf f i ch zu nehmen.
9 Deutschland schlägt vor, daß über die Art und Weife, wie die deutschen Leistungen, ui ReparationSzwecken auf die deutsche Cfosamt schuld anzurechnen sind, insbesondere üter die Festsetzung der Preise und Werte, unter Hinzu- ziehung .von Sachverständigen verhandelt wirb.
10. Deutschland würde bereit sein, für alle Arten von Kredit den Geldgebern in einer näher zu verrinbarenden Wecke aus öffentlichem Eigentum un d öffentlichen Ein fünf»
(Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderhessen)
Mittwoch, 27. April (921
ten lebe erforderst che Garantie zu geben
11. Mil der Annahme dieser Borschkä^ erlöschen sämtliche anderen Verpflichtungen Teutfdiaite zu Reparations. wecken. Auch wird dadurch das deutsche Privatvermögen im Au-slandc frei.
12. Deutschlaich hält ferne Vorschläge nur für :luchführbar, wenn das System dec Sanktio- n en alsbald aufhört, die gegenwärtige Basis der deutschen Produktion nichr nochw eiter verringert, die butsche Wirtschaft zum freien Weltverkehr zugelasien unb von unmvdilktlven z'lusgaben en kästet n>i d
Diese Vorschläge sollen den festen Willen Deutschlands be»aixn, die Kriegsschädeii bis an die Grenze seiner Ler'stungSsährgfcrt ;u ersetzen. Sowohl "b c angeborenen summen w t- die Zäh:ungsmodalitäicn richten sich nach bi: er Leistungsfähigkeit. Soweit über deren Xtant itimg Meinungsverschiedenheiten teste e > sollten, empfiehlt die deutsckx Regierung, f.e burch eine allen beteiligten Regierungen genehme Kommission anerkannter Sachverständigen prüfen vu lassen. Sie erklärt im voraus, deren guracht'iche Entscheidung als bindend anzunehmcn.
Sollte eine andere Form der Vorschläge nach Ansicht der Regierung der Vereinigten Staaten die weitere Behandlung der Angellgenhrö erleichtern, so würde die deutsche Regierung bitten, daß sie auf die Punkte aufmerksam gemacht wird, worin etwa der amerikanischen Siegienmg eine Aenderung als wünschenswert ersckröll. Auch roürbe die deutsche Regierung ander« Bor sch läge der amerikanischen Regierung bereitwilligsten t- gegenn ehmen.
Die deutsche titegirrung ist zu tief überzeugt, daß der Fnicden und die Wot^sahrt der Welt txm einer schleunigen, gerech ten und billigen Lösung der Reparationsfrage abhängt, um nicht alles zu tun, was itf ihren Kräften steht, damit die Bereinigten Staaten in die Lage versetzt werden, die 2uf- merksamkeitderalliierten Regierungen auf die Angelegenheit zu lenken.
Deutscher Reichstag.
9 6. Sitzung.
Berlin, 26. Avril.
Haus und Tribünen sind start besetzt, ebenso die Dirtomatenloge. Am Minrstertiich die Mitglieder des Kabinetts
Anfragen.
Abg Breunig lUSP.) eifimbigt sich nach dem Verbleib der 41/. Millionen, die dem Reichs- kvmmissar für Fischverforgung vom Reichs verband für See- und Küstenfahrer zur Unterstützung her auS dem Felde beim dehnenden Seefi scher übergeben worden sind.
Regterungitzeittg wird geantwortete Der Reichsverband, ter erst 1920 gegrünter worden ist, hat niemals 41/* Millionen für den in der Anfrage erwähnten Zweck aufgebracht.
Abg. Kun er t <USP ) führt Beschwerde darüber, daß die Redakteure des Meitzer „Bolksboten" verurteilt worden sind, weil jte von Klassenjustiz in den Fällen Marboh, Hiller und Kessel gesprochen haben.
Ein Regierungsvertreter weist auf das Strafgesetzbuch hin, das die Verurteilung rechtfertige.
In einer weiteren Anfrage wirft Abg. Kuner t der Regierung vor. sie habe die kommunistischen Unruhen in Mitte deutschland dadurch verschuldet, daß sie den deutichnationalen Oraesch- hetzereien nicht redjiyitig entgegengetreten fei.
Reichskommissar Künzer antwortet, die Verantwortung für den Aufstand treffe ausschließlich die kommunistischen Hetzer, nicht die deutschnatro- nccke Presse
2ll»g Dr. Rosenfeld ttlSV.) fragt nach dem Erfolg der Münchener Reise des Munsters Dr. Heinze zur Entwaffnung der bayerischen Einwohnerwehr.
Ein Regierungsvertreter svAt in seiner Antwort, daß der Vorwurf einer Sabotage der Entwaffnungsaktion der banerifchen Regierung nicht gemacht werden könne. Die Meinungsverschieden- Imitat über den Zeitpunkt würden gedichtet werden. Ter Besuch Dr. .Heinzes in München sei von einem Teil der Presse außerordentlich ent- Wit geschildert worden
Tas Haus setzt sodawt die Besprechung der Interpellationen über die auswärtige Politik fort.
Reichsminifter Dr. SimonS
verliest zunächst den Wortlaut der Rote an die amerikanische Regierung und gebt sodann auf dir Entwicklung der ReparativnSfrage ein.
Die Kluft, die in London bestand, war noch zu groß, um noch während der letzten Konferenz überbrückt werden zu können. Reue Verhandlungen
wurden uns durch die Entente sehr erschwert. ES mußte aber ein Weg gesunden werden, um zu neuen Verhandlungen zu lummen. Unser erster Plan, oui dem Wege der Typenhäuser den Wux-er- aufbau in Frankreich zu betreiben, wobei nicht allzu viele deut,che Arbeiter nach Frankreich verbracht werden sollten, bat sich nicht als glatt durchführbar erwiesen. Znsolgcdenen haben wir andere Vorschläge unterbreitet, die sich au die cktaahrungen milehnen, die wir beim Wiederaufbau Ostpreußens gemacht haben. Die Pläne der 'reien Gewerks clxiften, welche die Regierung in ihren Voranschlag ausgenommen hat. könnten erst nach einer gerollten Verständigung mit den fremden Regierungen durchge übrt roerden. Der -tveite gwße Gedanre, der uns leitete, roar der Plan einer im Reichsfinanznrinisterium au.'gearbeiteten internationalen Anleihe, dre auch zugleich unferm eigenen GeltBedürfniS abhelfen fall. Daß ich zu diesem Zweck mit den Entendereg^nuigeu neue Verhandlungen einleiten mußte, leudrtci ein. Eine Vermililniig neutraler Regierungen lmbe ich nicht nachgemctst. Tas Beste wäre es gewesen, mit Frankreich direkt zu verhandeln. 9tber was uns aus Frankreich entgegentönt, war nicht ermutigeiih. Deshalb habe ich mich während meines Schweizer Aufenthaltes auf daS bekamite Interview cm- gclaifen, um den Eindruck in Frankreich zu zerstören, als seien wir lediglich ein unwilliger 3a hkr. Reu in den Interview war nur der Satz über die Zu«Hörigkeit zum Kabinett. Dieser bezog sich aber nicht aut das augenblickliche Kabinett, sondern auf ein baldige^' Kabinett der Zukunft. Somit schien der Weg scher Amerika der beste. Eine neutrale Macht bot sich uns an, uns dm Weg nach Amerika zu ebnen. Das habe ich ohne Bedenken angenenn men. Was die Indiskreturnen in der deutschen Dresse anbetreff etf, die an Landesverrat grenzen, so habt ich bislang, um nicht etwa eine fremde Macht zu kompromittieren, von einer Verfolgung der Lache Abstand genommen, werde jetzt aber ent* sprechende Schritte einleiten. Der Schritt bei Amerika war gewiß ungeroobnlid). Aber ein Staat, der sich selbst auf den Boden des Schiedsgerichts fallt, eignet sich am besten zum Schiedsrichter. Wir haben ja auch nicht Amerika selbst angentfim, sondern die Instanz der Gerechtigkeit. Ist das nun eine Wiirde- losigkeit? lZuruse rechts: Ja! Zurufe des Zentrums und der Linken: Nein, nein?) Die Geschichte selbst wird die Berechtigung meines Standpunktes anerkennen. Die Verantwortung war groß. Tas Kabinett hat sie übernommen, mW ich null sie tta am. Nachdem nun Präsident Harding wohl das Schiedsgericht abgelehnt, aber sich zu einer Dermilt hmg bereit gefunden hat, mußte auch der zweite Schritt getan werden. Bislang find allerdings noch keine Rückfragen von amerikauifcher Seite an uns gelangt, was bei der Kürze der Zeit ja auch nicht wundernehmen tonn. Redner bearünbet bat Inhalt der Note int einzelnen.und geht insbesondere auf die Annuitäten ein, für die ivir trotz der Schwankungen im Wirtschaftsleben noch eine feste Summe anbieten müßtm. Nur durch eine finanzielle Krastleistung können wir aus der ttaurigen Lage herauskvmmen, in der wir jetzt zu verkümmern drohen. Deshalb brauchen wir die internationale Anleihe, an der sich Deutschland selbst natürlich beteiligen wird. Was nun als Rest der Cntentefcrbcrungen bleibt, das ist mehr eine politische als eine technische Angelegenheit. Unser Nationalvermögen ist dalnngeschwundm. Wir tonnen daher auch der deutschen Produktion keine neuen Fesfcln mehr anlegen. Alle Beschränkungm des deutschen Wirtschaftslebms müssen fallen. Sollten wir uns überschätzt haben, so soll die Ziffer 4 der Note für eine BerichtigungsMöglich- feit Vorsorge treffen. Redner geht fooann eingehend auf dm Wiederaufbau Frankreichs ein Unser Standpunkt, daß Deutschland alle fein? NeparationSverpflichtungm bis 1921 m Höhe von 20 Millionen Goldmark voll erfüllt habe, wird von der Entente nicht geteilt. Schon bei den Schissen rechnet die Entente anders wie wir. Wir bieten nun nochmals eine Mllliarde Goldmark auf diesen Posten an, aber der Eingriff in unsere Reichsbank wäre ein Eingriff in die Privatrechte. Gegen diesen müsse protestiert werden. Was wir also auf Repa rationskvnto geleistet haben, soll durch ein Schieds gericht fest gestellt werden Ebenso sollm in allen strittigen Fragen Sachverständige ihr Urteil ab geben. Redner warnt davor, übertriebene Hoffnungen auf die Annahme Amerikas zu setzen. Es werden noch viele Schwierigkeitm sich ergeben Auf dem Boden der Pariser Forderungen ist die Gesundung Europas nicht möglich. Deutschland allein kann nicht die Kriegsschuldm der ganzen Welt tragen. Nur eine allgemeine internationale Wirtschaßskonferenz wird bie Schwierigkeitm aus der Welt schaffen können. Zur Schuldfrage meint Redner, daß es Aufgabe des AuSwärtigm Amtes sei, dm Stoben zu bereiten für die geschichtliche Forschung. Im übrigen halte er sich an Lloyd Georges Worte, daß alle mehr oder weniger in
ben .<hTeg hineingeftolpert feien. Ta» genüge ihn ^onte aber die ammfanifdr Vermittlung frbl- idjlogcn, Jo fei er überzeugt, daß unser Volk auch darüber binroegto.-nme und die Sankt ronm eniagen roerbe. Und wenn wir 40 Ialnr durch die Wüst'- gehen müssen, wir werden schließlich doch m ba» Vmib der Freiheit gelangen! (Bravo!)
Präsident Loebe tritt mit. das; zwei Fra/* turnen dm Sdunfth geäußert hätten. Nr Debatte zu Vertagen.
In Der Abstimmung wird die Venagima genex die äußerste Linke besctäosß-n
Morgm mittag 1 Uhr atoiterbcrahmn.
Schluß 4’/4 Uhr.
Kirche und Schule.
— Pfingsttaaung des Bundes ent- ichiedcner Schulreformer. In Frankfurt a M. fiiWet während der Pfingstwoclie. am 17. und 18. Mai d. I., eine Tagung des deutfchm Bundes entschiedener Schulreformer Kfltt, zu der alle Schulbehörden, Pädagogm. Cüimbcirätr und Schulfreunde von Südivest deutschland einaelaben sind.
■=. Friedberg, 25. April Unsere Stadt inert» ihre Sutter feier erst int Läufe dieser A-'ochc haben, am 28. April, an dem vor 100 Jahren Luther aui der Rückveife von hier im Hause jiini Grünberg Einkehr hielt Tie evangelische Ber- eiingung, die durch ihre alliährTteben Feiern zu ^uthors Geburtstag bekannt ist, wird den lokal geschichtlich bedeutsamen Gedenktag durch eine besondere Feier im Saalbau begehen. Rebm einer Festrede und musikalischen Tarbietungm wird mü besonderer Spannimg daS Iestspiel „Luther in Friedberg erwartet. Dir Feier wird am 29. April wiederholt loerbat. Das LandoSarnt für das Bildungswesen hat die Erlaubnis gea-.bm, daß der denkwürdige 28. April schulfrei ist. Alle Sckwlen der Stadt veranstalten eine gemeinsame Gedenk h ier. Vormittags ist Festgottesdimst in der Stadl lirche, wobei Professor LamvaS die Festrede hält; anschließend daran zichl die Jugmd unter Glockengeläut c nach dem Luther Haus, wo Prof Dreher die Anspradze hält.
B ü d i n g e n, 25. April. Zur größten Freude aller Eltern, besonders derzenigen der auÄvärtigen Schüler des hiesigen Wolfgang- Ernst-Gymnasiums hat das Landesamt für das Bildungswesen auf eine Masseneingabe verfügt, daß an unserem Gymnasium ver suchsweise der Nachmittagsunterricht Dienstags und Freitaas aussallen und durch Kurzstunden an den Vormittagen ersetzt werden soll. Es kann an den Vormittagen l/4 Stunde früher begonnen und geschlossen werden.
4- Büdingen, 26. April AuS dem foeben erschi.-uenm Reckenscl-«ftSbericht deS Dekanates Büdingen ist folgendes zu entnehmen: Das Dekanat Umfaßt 21 Pfarreien mit 40 Gemeinden und etwa 22537 Gtemeinbegliefcer, von ber Landeskirche getrennt leben 225 Personen, cS fand ein llebertritt txon ber katholischen Kirche statt, getraut wurden 333 Paave (gegen das Borjahr das Vierfache), darunter 10 Mischehen, 2 Trau- Verweigerungen kamen vor, getauft wurden rar Berichtsjahr 397 Kinder, darunter 15 aui txntem Ighren, 338 aus rein evangelischen Ehen, 12 aus Mischehen, 26 imtbdidje, auswärts geboren 6 Xaufoernx-igerungen Tarnen nicht vor Konfirmiert würben 548 junye Ehrrsten. Kirckckich beerdigt rourx den 370 Gemerndeyli^er. An den 3 Zählsonro- tagen wurde die Kirihe von 10245 Erwachsene» und 4952 Kindern besucht, b h von 27,75 Proz der Erwachsenen, gegen die Vorjahre eine 5bn> lentige Zunahme, zum heiligen AbenNnahl gingen 12 271 Personen oder 81.67 Pocken! gegen 69.29 Pvozent in 1918. Die Gaben Mißlicher Siebet- lätigleit betrugen 31850 Mk., d. h 1,42 MT auf den Kopf ber Bevölkerung
0 Usenborn, 25. April. Am Himmel- ohrtstag findet nachmittags um 3 Uhr in ber Rahe bet Schwederreiche ein christliches W a l d f e st statt. Mehrere Redner werben prechen über bad, was unserer Volksseele nottut zu ihrer inneren Gesunoung Den musikalischen Teil beS Festes haben über itomitten die Kirchenaesangvereine von Gebern unb Ortenberg sowie ber Bosaunenchor von Ober-Mockstadt.
Kirc^ficbe nacbricbteit
Israel. Religions - Gesellt chatr. Freitag, 29., und Sam» tag, 30 April Passahsest-Ende. — 7. Tag. Barabd 7 Morg. 8.00 — 8 Tag Vorabd 7.20. Mora. bXX). Nack>m. 4.00. Festesausgang 8 35. — Wochen- gottesdienst: morg. 6.30, abdS 700.
Herrn Collins Abenteuer.
Roman von Frank Heller.
2. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
Philipp Collin — baut er roar ei wirklich — machte einen letzten Schluck aus der Vertane, be- stellte einen Beinen Schluck Mhgnaf zum Sckwtz gegen die Winderkälte und wart^dann nnen da- st.gQt Blick auf 1 röten NaLarn. -Lain trotz ollem, qal) es doch etwas, doS ihn, wenn auch nicht beunruhigte, fo doch seine Auffnerk'amkrö erregte: dieses Envas war ber grau<K.Irö>ett -Ven, k- neben ihm saß und aMgenblicf.Kh tum „Tailv Ehioniele" so gut rote vcttwrgmi war. xrnmal im Laufe des Morgens war Pkn tpv nttt x m «arfammengeftüYen uv.d ha seine i^a.tcn grauen Augen auf sich geheftet gesehen: und obgleich er nicht nervös war, war es ihm doch borge tommen, daß dieser scharfäugige Herr sich alliu lehr rur Ittn Tun und Lasten interessierte. Lte waren Zca- iütenlameraben auf dem Tamp er ,,Prrnzregeni ton Hoek nach Harwich gewesen, aber in der Kajüte hatte Philip» den Mann kaum tarntet. »18 er seinen Kaffee in der Bar des Tampiers trank, war ihm hingegen plötzlich int Spiegel ■ mter dem Bartender anfge aCen, daß ihn jenw: d rn Schutze einer weiten Sportmütze fipeile, und a s er sich umdrehte, sand er, day es ber e.'tnta.i'e Kajüten-ametaö war. Tann war befer rer'nxwr-- den, und Pdilipp hatte ihn erst wieder b.t n Pausieren des Landungssteges gesehen, wo fein schart es Auge den Mann im Schatten einer Haienbaracke entdeckte, von wo auS er die Reisenden firierte ui d wie es PhUipp vorkam, hauptsächlich i B.t dieser Gelegei'.heit roar Herrn Col.iit plötzltä'- ber Gedanke ßefiontui£nt daZ ijt eiü Zetektiv^ Wer
er hatte ihn als unnütz wieder verabschirbet. Denn ist cS ein Detettiv, dachtt er, fo kann er doch nickst hinter mir her fern — noch nicht! Es roirb noch emtge Stunden dauern, bis auch nur Herr Lukas Gr een berg und be guten Kopenhagener daran i kommen, was sic an mir verloren haben! Aber, obgleich über diesen Punkt beruhigt, hatte Herr Collm doch ein Gefühl des llnbel-agens nicht unterdrücken können, als er beim Frühstückstisch im Speisewagen den Mann zum dritten Male aui» tauchen und am fdben Tisch, iwe er selbst, Platz nehmeu sah. Tieicdmal hatte jedoch ber schari- äugige Herr in dem grauen Anzug keinerlei Mtcne gemacht, Philipp zu beobacht'.:, sondern jein en Schinken versch'ungen unb sich bann im „Tolly Ehronicle" versenkt.
Ja, ja, dachte Herr Collin, roä&renb er an feinem Kognak nitwie. das ist eine fthr fnipeftr Erfcheinung, aber mich wirb er gerade rangen!
Unb während ber Zug zwischen den winterlichen, gefrorenen Fe idem dahinflog — es roar eine bittere Frosmacht gewesen —, verjank er in süße Zukmiftsträume, in denen er den graa- gelle^ewn Detektiv ganz vergaß. Das fremfr* Summen leiser enolvicber Stimmen stieg n -52 utn ihn tun den Tischen am, und aas oteiem Summen erhoben sich ein paar ameniasn ehe 3 tatmen wie der Schrei der Möwen aus dem Murmeln stiller Dbendwellen. Alles war reu, in die em Morgcnlicht gesehen. 2et Wind und bte Winter^ kälte hatten fern Blut in Wallung gebracki, und während fein Blick hie und da liebevoll bt liönc Rundung feiner Brust:m'cke liebkoste, in deren Inneren eine Reine Krokodillederbrieftasche -rrka 70000 Kronen dänischen Gech.'s umschoß, »im- merte er Luitschlösier für b.e Zukunft. Halb llü- stexnd giüg et in Mnem wMberlichen .Länrjch-
1 Französifch-Schwetstsch ntnerlid) fette neg'n jenen Taten wieder durch. T« Niederlage m St t-nane* hamn war gerächt, die falschen Vettern waren grünlich geschlagen, und mit ihrer Kriegsentichä- biqnng in ber Tasche, zog er jetzt in me Haupr- itabt des Geldes em. Ah, sacr6 nom, wenn er sich au» 'ihre Kosten bereichern sollte! Tenn London — das waren alle Chancen — toutee les cbances poasibles, und fein Start war schm voll non Plänen, bt* ihm GoL bringen sollten, viel Gold! 'itorläung mußte er im Reinen feg nm en, aber so haben es alle Mllltonäre gemacht. Uno mas tont röt kluger Mann mit 70 000 Kvonen nicke alles amangen! Alles, nm er nur gc- Dulbig ist.
Herr Collin fuhr aut, als er rings an den Tmtan Gold und Ti ber rafidn hörte u b iah, Dab man schon überall bezahlte Tas Tageslicht strömte matt und blaßgelb durch bi* Skllpeetenster hertm, und di* Stöße zahlreicher Stationsweckne. sündigten bte Nähe von Lont»m an. Er bezahlt: und ging in sein Kupee. Tann zog er fernen Ulster an und blieb mit der Reisetasche m te- HM'd im Gang stehen, während brr Zug stoßend in das schmutzige Castend hirernrollte Tas Lrchr der blassen Wintersonne neie.'te aus dem ne5:t*en Morn-H:mmel und senkte sich wie en-e rnlisch? LiebTofung aus die rrauei Wohnstätten der Arbeit unb der Rot. In den engen Hbiteihö»cn .waren id-le±: geReibe-e Frauen mix ihren Haushaltungs- xiVe'-Äen beRhäftitt, es wimmelte von b.as en Kia- und vo?i den Wäfclzeleinen flatterten grau? Fetzen. Plötzlich bog ber Zug in ein Gewirr r oa Dch'-men ein, rassel:e lärmend an leeren Waggons vorbei und biieb mit einem Ruck ti Lircr- xvo.-Ltteet-Staxfon stehm. Aus bei 2 tanan 1 herrschte ein Gewühl wie auj einem Ameisen Houten. I
Passagiere, Träger und Zugpersonal riefen alle durcheinander. Philipp, ber mit leichter Feld- Packung in London etnwg, stürzte sich entschloßen in das Gewühl, puffte iBeiltmen und bat um (Sm* schuldiguna, ahne eine Antwort zu bekommen, wurde selbst gepufft unb blieb für rintge Sekunden m einem Menschen knäurl stecken. Endlich gelang es ihm, sich an einem grauen Ueberrock uno enter Sportmützr vorbeizudrängen, bte er rtn derer kannte — ber Kajütenkamerab —, u b t uten Cab zu erretten. Ter Eabby bekam die An Weisung, zu einem Hotel zu fahren, dessen Adrefie er zufällig in einer Zeiümg gefefen hatte, und nun rollten sie durch das Tor ber Bahnhofs- Imlle.
Also London . Ter Verkehr ber Sieben, Millionenstadt dröhntt in ber nrinierta'tct Lust rings um ihn, während di- aufgehe, be rote Ia- nuarionne ein ungew6l)nliches Licht aus bte ber* rmtrfrten Cittchäiffer toari. Autornobüe unb Pserbe- fuhrwerke rollten m zwei rasselnden, glrichHrnte-t Ströme-, dahm: Daremvagen, mit riesenhaften Pferden bcüxnntt, deren Huie txm buschigen Haaret umgehen waren, Motocycles, von den kleinen Jürgen gelenk:, be oorne daraus faßen, £nnttbuhr zierliche Cabs u. d mattb in e’be x.upjSanto» H' urd ba teqcgneie Philipps Cab einem förmlükv. Zug, bestehend aus zwei oder b ei Lastwagen gezogen von einer keuchenden, hämmernden Srraßenlokomo'we: dann erzitterte die gante Straße unter dnn unerhörten Truck, und dtc Lickt vibriere von dem Lärm des Kolases. Plakate bedeckten Häuser und Wogen mit ihren bunten, grellen Farben, es roch nach Benzin, Steinkohlen* rauck und Tabak, imb hie u d da drang röre Welle von Spri'egeridhen aus der Türe emes Gasthames.
(Fortsetzung folfltj


