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Herr. DaS fei die ReglerungLpoliük Ser sozialen SaLspaimung. Cach n spricht alsdann über die auswärtige Prlittk dec Regierung und fragt, ob die Dom Minister Lou cheur in Wiesbaden begonnene Politik die Polltk der Regierung gegenüber dem neuen Deutschland sei. Ministerpräsident Rriand unterbricht: Das wird von Deutschland abhängen. (Sehr richtig.) Wenn Deutschland sich von einer Legierung führen läßt, die ihre Verpflichtungen erfüllt, werden wir keinen Grund haben, zur Drohung und Gewalt unsere Zuflucht zu nehmen, aber toemt Deutschland durch eine zu befürchtende Schwenkung aufs neue dem Imper alismus in die Avne fällt, wenn es sich weigert, seine Verpflichtungen zu halten und unS mit Revanche bedroht, dann ist es natürlich, baß die Haltung der fran- zSNschen Regierung geändert wird. (Lebhafter Beifall.)
C a ch i n fährt fort, indem er den Marasmus der siegreichen Rationen der industriellen Tätigkeit Deutschlands gegenüberstellt. Cachin lenkt die Aufmerksamkeit der Kammer auf die g e- fährtichefinauzielleLageinDeutsch- land, das vom Vanlerott bedroht fei Die Inflation werde eine Krisis und Lebensteuerung, sowohl in Frankreich als auch in Deutschland Hervorrufen. Der Redner spricht alsdann von ber Konferenz in Washington, und erklärt, dah er nicht den Optimismus Vriands über die Herab- lsetzung der Rüstungen teile, der zwar Hohes Der» I suche, aber auch Wilsons sämtliche Versuche seien i vergeblich gewesen. Was aus der Konferenz von Washington hervorgehe, fei wahrscheinlich ehr | neuer Krieg. Rach Cachin spricht der Kommunist ' L a f v n t von der Hilfe für das verhungernde 'Ruhland.
Paris. 25. Olt (WTD.) In der Rachmittagssitzung wird die Debatte über die Interpellat onen eröffnet Der reaktionäre Magallon ertlärt, wenn man nach der Ruhr gegangen fei, hätte man in diesem Lande leicht Die i VZatzungskosten aufbringen können.Seine Freunde .und er wollten die Außenpolitik der Regierung «nicht mitmachen. Er verlangt von der Regierung 5 eine authentische Interpretation des Degrisfes !Republik. Hierauf spricht Tardieu. Cc sagt: Wenn sich die Regierungen nicht über das Problem des Pazifismus einigten, dann werde es in 'Washington keine Diskussion über die Einschränkung der Rüstungen geben. Die Frage des Pazifischen Ozeans sei nicht nur eine technische Frage. Die Gefahr vom Rorden bestehe in der Vereinigung Deutschlands mit dem russischen Dol- schewismus und mit der chinesischen Anarchie. Man solle nur die deutschen Zeitungen lesen, um aufgeklärt zu fein; es fei dringend notwendig. Latz die französische Regierung mit ihren Verbün- beten studiere, wie Japan ihnen zur Bekämpfung Lieser Gefahr behilflich sein könnte. Rach seiner Ansicht habe die Konferenz von Washington nicht die erforderlichen technischen und a Lgemcinen Vorbereitungen gefunden. Er bedauere deshalb, der Legierung nicht das Vertrauen betoUHgen zu können, das sie zu dieser Konferenz verlange. — Die Kammer entschied, die Antwortrede des Ministerpräsidenten erst morgen nachmittag an° zuhören.
Der Streik in Nordfrankreich.
Paris, 25. Oft (Wolff) Der Streik der L ertilarbeiter in Lille ist gestern abend zu Ende gegangen. Havas berichtet der Unter» nehmender band habe im wesentlichen folgende De- Lingungen angenommen: Die Arbeiter nehmen mit einer zeitweisen Herabsetzung des Stundenlohnes von 15 Centimes die Arbeit wieder auf. Diese Herabsetzung bleibt in Kraft solange der Teuerungskoeffizient unter 350 liegt Wenn der Koeffizient diese Ziffer übersteigt soll der Stundenlohn wieder erhöht werden. — Die seit zwölf ^Wochen ausständigen Bauarbeiter von Tour- Jcoing haben die Arbeit wieder aufgenommen auf b Grund einer Abmachung, nach der bis zu der neuen ^Regelung die Iulilöhne in Kraft bleiben.
Internationale Arbritskonfercnz.
Genf, 25. Oft. (WTD.) Heute vormittag 'wurde in Genf die internationale Arbeits - ikonferenz eröffnet, zu welcher etwa 420 Ver- , tretet aus 40 Staaten Der ganzen Welt erschienen waren. Präsident Fontaine (Frankreich) be- grühte die Versammlung und wies auf die Fortschritte hin, die in der internationalen Arbeiter- gefetzgebung gemacht worden sind. Er mahnte zur Vorsicht und warnte vor einer tleberhaufung des Konferenzprvgramms, wobei er auch die allgemeine Anerkennung der Prinzipien des Internationalen Arbeitsamtes betonte.
Der schweizerische Bundespräsident Schul- thetz hob die wirtschaftlichen Schwierigkei en hervor, deren Ursache der Weltkrieg, nicht aber die soziale Gesetzgebung sei; die wirtschaftliche Rot dränge aber auf eine behutsame Abwägung aller Maßnahmen, die die Entwicklung der Produktion betreffen.
Ramens der Stadt Genf begrüßte hierauf Präsident G i g n a u die Konferenz und erinnerte
Giehener Stadttheater.
Fuhrmann Henschel.
Schauspiel von Gerhart Hauptmann.
Gießen, 26. Ott 1921.
Gerhart Hauptmanns schlichtes Fuhrmanns- hrama mit feiner feinen Menschlichkeit und seinem tief ergründenden Verstehen des Lebens ist eine Schicksalstragödie von eindringlicher Wucht und Größe.
Wilhelm Henschel ist das Opfer eines unabwendbaren Schicksals, nicht irgend einer tragischen Schuld, weder eigner noch fremder, für die er etwa büßen mühte. Zwar hat er das Versprechen gebrochen, das er seinem sterbenskranken Weibe gegeben und die Magd doch geheiratet Aber was wissen wir, ob das wirklich eine Schuld. Glaubte Henschel doch, das Richtige zu tun und das Andenken der geliebten Toten am besten zu ehren, dah er die Magd nahm, um dem Kinde die Mutter und dem Hauswesen die fleißig schaffende Hand wiederzugeben.
Aus der Beschaffenheit der Menschen, der Umgebung, der äußeren Geschehnisse und Verhältnisse tarnen die Fäden, die sich zum unzerreißbaren Band zufammenwoben, womit das Schicksal den unglücklichen Fuhrmann fesselte und führte bis zum schrecklichen Ende.
Und das ist wohl das Höchste an diesem Drama: an einem kleinen, einfachen, starken und braven Durchschnittsmenschen auf u eigen, daß wir ewig Schicksalsgebundene sind. Fragen werden gern eat, die an den Pforten unserer Erkenntnis rütteln: Warum sind wir, was wir sind? Warum leiden wir an dem, was wir sind? Obwohl wir
hierbei an Rousseaus Worte vom Zusammenwirken der Völker. Alsdann wurde bei der Präsidentenwahl Lord B u r n h a m ((Jnglanb) einstimmig gewählt, der in feiner Rede auf das Fehlen der Vereinigten Staaten im Arbeitsbunde hm wies. Er betonte, daß der Wiederaufbau der Welt nur durch die gemeinsame Arbeit aller Rationen möglich sei.
Tie Wirtschaftslage Dänemarks.
Kopenhagen. 25. Ott (WTD.) Der Handelsminister legte im heutigen Mi- nisterrat einen Bericht über die im Laufe des Sommers eingeleitete Untersuchung betreffend die gegenwärtige Industriekrise vor. 3n dem Bericht wird erklärt, daß die vorgeschlagenen Mahnahmen Mr "Beteiligung der Krise, namentlich die Einführung zeitweiliger Erhöhung der Einfuhrzölle und des Gesetzes gegen die Valutadumping weder zweckmäßig noch durchführbar feien. Es werden folgende Vorschläge gemacht: Aufrechterhaltung der Bestimmungen über die Begünstigung dänischer Arbeit bei staatlicher Anschaffung und Käufen von Materialien und Unternehmungen, die mit Unterstützung des Staates ausgeführt wnden, ferner z it rei ige Ar he'ung des Zolles auf gewisse Rohstoffe, staatliche Unterstützung zur Abhllfe der ungleichen Konkurrenz, Frachterleichterungen, staatliche billige Darlehen für bedrängte Industrieunternehmungen, deren Aufrechterhaltung von allgemeinem Interesse ist. staatlicher Beistand für die Gewährung von Exportkrediten und schließlich die Mitwirkung des Staates bei Stärkung der Konüirrenzkraft in gewissen Industrien gegenüber dem Auslande.
Die Verhandlungen zwischen Danzig und Pole«.
Danzig, 26. Olt. (WTD.) Zwischen der Freien Stadt Danzig und Polen wurde vereinbart, den Termin der Uebergäbe der deutschen Eisenbahnen an die polnische Eifenbahnbehörde bis zum 1. Dezember zu verlängern. Die ursprüngliche Uebergabe sollte bereits am 1. Rovember erfolgen.
Danzig, 26. Ott. (WTD.) Am Montag nachmittag erfolgte in Warschau in feierlicher Form die Unterzeichnung des wirtschaftlichen Abkommens zwischen Danzig und Polen.
Lloyd (&roY<xe nnd die Iren.
London, 25. Oft. (WTD.) Lloyd George erklärte im Unterlaufe, die Veröffentlichung der Telegramme de Valeras an den Papst mitten in den Friedensperhandlungen bedeute eine ernste Herausforderung. Die Stellungnahme der Regierung fei vollkommen klar. Auf einer anderen Grundlage könne die Konferenz nicht fortgesetzt werden. Weiter erklärte Lloyd George, daß die britische Regierung die wirksamsten Maßnahmen gegen die bolschewistische Werbetätigkeit in England und im Osten ergreife. Eine sehr energische Mitteilung fei in diesem Zusammenhang an die Sowjettegierung^ ergangen.
Aegypten.
London. 25. Oft. (WTD.) Infolge der Londoner Verhandlungen zwischen dem Fo- reiqn Office und der ägyptischen Delegation befaßte sich das britische Kabinett augenblicklich mit der Gesamtfragc der zukünftigen Gestaltung Aegyptens. Die Grundlage der Erörterung bildet die Erklärung der Unabhängigkeit Aegyptens und die Schaffung eines Protektorates, sowie der Abschluß eines dauernden Bündnisvertrages mit dem brittschen Reiche» diese ist bereits im Prinzip angenommen worden.
Aus dsm Reiche.
Die bürgerliche Mehrheit in der Berliner Stadtvcrordueten- versarnJnlnna.
Berlin, 25. Ott Der Berliner Stodtwahl- ausschust hat heute das endgültige Ergebnis der Wahlen zur Berliner Stadtverordnetenversammlung festgestellt. Danach werden die drei sozialistischen Parteien 110 Mandate und die bürgerlichen Parteien 115 Mandate erhalten.
Aus Hessen.
— Der Gesetzgebungsausschuß des Landtags trat am Dienstag früh zusammen und erledigte die Regierungsvorlage bett, die Aufhebung der Bestimmungen über die Eidesleistungen der Geistlichen im zusagenden Sinne. Die Vorlage bett, die Einstellung des Verfahrens gegen den Forstmeister i. R. in Bad-Rauheim wurde angenommen.
Aus Stadt und Land.
Gießen, den 26. OIL 1921.
Wettervoraussage
Dunstig, heiter, trocken, kühl. Rachtstost. Winde aus nördlichen Richtungen.
Dem nach Rorden abgezogenen Tief ist hoher Druck gefolgt und liegt heute mit feinem Kem über den brittschen Inseln. Ueber dem nördlichen Frankreich entwickelt sich ein neues Tiefdruckgebiet. Morgen wird die bestehende Witterung noch anhallen. e
*• Eine Stadtverotdneten-Der- fammluna ist auf Freitag, 28. Oktober, nachmittags 5 Uhr, ht das Stadthaus Bergstraße 20, Schungssaal. einberufen worden. Die umfangreiche öffentliche Tagesordnung enthält: Gesuch der 'Freiwilligen Sanitätskolonne vom Roten Kreuz um Gewährung eines Jahresbeitrags. — Desgleichen der Universität für das Institut für Körperkultur. — Beitragserhöhung an den Verein für öffentliche Gesundheitspflege. — Desgleichen an den Verband Hessischer Verkehrsvereine- — Gewährung von Freitischen beim Gießener Studentenheim. — Gesuch des Kaninchenzuchtvereins Gießen um Stiftung eines Ehrenpreises zur Ausstellung. — Desgleichen des Vereins Äanaria um Derwil- ligung eines Ehrenpreises. — Bericht des Gaswerks über die Beschaffenheit und den Druck des Gases. — Einfriedigung des Grundstücks Bahnhofstraße 56. — Baugesuch des Schühenvereins für Kaiser-Allee 122. — Baugesuch der Firma Hey- ligenftaebt & (So. zu Gießen für den Riegelpfad 41. — Errichtung eines Lagerschuppens auf dem Lagerplatz der Firma Abermann am Schiffen- berger Weg. — Anbringung von Fenstern in der Brandmauer des Hauses Ost-Anlage 16; hier: Dispens von der Vorschrift des 'Art. 45 ber A. B. O. — Teilung der Hosreite Frankfurter Str. 36. — Errichtung eines Pförtnerhaufes auf dem Vvr- gaitengelände und Erneuerung der Einfriedigung des Grundstücks der Firma Poppe L So., Leih- gefterner Weg 13. — Errichtung eines Anbaues am Sägereigebäude auf dem Grundstück der Gesellschaft für Beton- und Eisenbeton Fl. XI! Rr. 8 der Gemarkung Gießen. — Baugesuch des Pros. Brüning für das Grundstück An der Warte 6. — Antrag auf Belastung eines Firmenfchildes mit 63 Zentimeter Ausladung am Hause Frankfurter Straße 69. — Antrag auf Belassung eines Firmenschildes mit 85 Zentimeter Ausladung am Hause Brandgasse 5. — Bewilligung eines Kredits für Einrichtung Der Küchenbaracke des Landsturm- Lagers zu Rotwohnungen. — Bewllligung eines Kredits für bauliche Herstellungen in der Wohnung des Eisenbahnsekretärs Immel im Barackenbau der Alten Klinik. — Ausführung von Weiß- binbcLacberten in der Wohnung des Dieners des Vers.-Amtes Fißler im Barackenbau der Allen Klinik; hier: Antrag auf Ueberncchme der Kosten auf die Stadt. — Ankauf von Gelände von W. Plant If. am Leihgestern er Weg. — Erhöhung der Preise für die Begräbnisplätze auf dem den Isra- eitten überlassenen Teil des Friedhofes am Rodberg. — Beschlüsse des Ferien-WSschusses der Stadwervrdneten-Versammlung. — Erbauung von Beamtenwvhnungen durch den hessischen Staat; hier: Antrag auf Gewährung des Gemeinde- Pflichtdarlehens. - Bauprogramm für das Jahr 1922. — Einteilung der Stadt Gießen in Wahlbezirke für die Landtagswahl am 2c. Rovember 1921. — Darlehen an Den Oberhessischen Verein für Innere Mission. - - Polizeivervrdnung. die Erhaltung der Sicherheit und Ordnung in und vor dem Stadttheater zu Gießen. — Beschwerden der Anlieger des Oswaldsgartens über die nächtlichen Zustände auf Oswaldsgarten anläßlich der Jahrmärkte usw. — Die Herrichtung des Viehmarktplatzes am (Jüterbahnhof. — Gesuch des Heinrich Rusch II. um Erweiterung seines Wirtschasts- betriebs im Hause Kanzleiberg 5. — Gesuch der Peter Sommer Ehefrau um Erlaubnis zum Schank- wirtschaftsbetrieb im Hause Steinstratze 23.
** Diebische Verkäuferinnen. Vor einiger Zeit wurden aus einem hiesigen Geschäft von verschiedenen Verkäuferinnen eine ganz erhebliche Mengen Waren entwendet. Es gelang nun, einen großen Teil der abhanden gekommenen Gegenstände bet den, in diesem Geschäft tätig gewesenen Verkäuferinnen in Gießen und auswärts zu beschlagnahmen und dem Geschädigten im Werte von etwa 6000 Mk. auszuhändigen.
** Diebstahl. Am Freitag wurde aus einem Hofe in der Walltvrstrahe ein zweirädriger Handfederwagen im Werte von 7—800 Mk. entwendet. Der eine Arm des Wagens war beschädigt. Vor Ankauf wird gewarnt.
♦* Straßensperre. Wegen Auswechslung eines schadhaften Schrankenbaumes an der Schrankenanlage des Wegüberganges der Liebt g st r a h e über die Oberhessischen Eisenbahnen wird am Freitag den 28. Oktober der Uebcr- gang von 8 lUjr vormittags bis 12 Uhr mittags für den Fuhrwerksverkehr gesperrt.
— Der Deutsche Konditorengehil- fen-Verband, Ortsgruppe Gießen, schreibt uns: „3n den letzten Tagen ist hier ein neuer Tarifvertrag abge'chlrsten werten. Es dürfte mit diesem Zarifabfontmcn wohl ein kleiner Preisaufschlag durchaus berechtigt fein, und wir hoffen, dah die Einwohnerschaft von Gießen unb Umgegend sich damit abfinbea wird. Ferner müllen wir bitten, daß mit dem Verlangen nach Schlagsahne zurück- gehalten toirb. Wir müssen feftfteUcn, daß Schlagsahne in jeder Herstellungsweise ;ur Er Haltung der Konditoreien nicht notmenbig iß. und der Verkauf von Schlagsahne arir* in allen Ge chä trn Gießers xänzlich eingestellt. 2m Interesse der vielen Kinder und Kranken stellen wir diese Bitte: wer das grohe Kinberelenb kennt, wirt gern das Opfer bringen. Wir fühlen uns mit unseren Arbeitgebern darin einig und hoffen auch auf Verständnis beim Publikum."
Bornolizen.
— Tageskalender für Mittwoch: Stadttheater, 7 Uhr: Gastspiel des „Reuen Theaters", Frankfurt a. M, .Die Koralle'. — Hotel Einhorn, 8 Uhr: Vortrag des Raturheilvereins. Hotel Köhler, 8 Uhr: Vortrag des D. H. V.. Ortsgruppe Gießen. — Astoria-Lichtspiele, heute: .Le granb jeu", ab morgen. „Caro Aß", 6. Teil: »Das Tal des Schreckens" und .Eity Bank".
— Aus dem Stabttheaterbureau. In letzter Stunde sei nochmals auf das heutige, interessante Gastspiel des .Reuen Theaters" Frankfurt a. W. mit Georg Kaisers .Koralle" fangetoiefen. — Außer den neulich au?geführten W^ken stehen in Vorbereitung: Hebbels .He rodes undMariamne" und die Operette „S er Vetter aus Ding s da" von Künneckc dem Komponisten der hier mit so großem Erfolg aufgeführten Operette „Wenn die Siebe erwacht"
— Turnerischer Kunstabend. Der nächsten Samstag stattfindende Turnerisch« Kunst- abenb übte eine so mächtige Anziehungskraft aus, daß die Eintrittskarten im Ru verkauft waren. Roch immer laufen neue Bestellungen ein. Um nun allen Wünschen gerecht zu werden, hat sich die Gießener Lurnerschaft entschlossen, das Kunstturnen zu wiederholen, und zwar im hiesigen Stasdttheater am nächsten Sonntag, norm. 10 Uhr. Der Kartenverkauf findet bei <L. Challi« r, Reuenweg 9, statt. (Siehe Inserat.)
— Im Auftrage der Liga zum Schutze der deutschen Kultur wird am Frei ig. 28. Olt, im (Safe Leib Ingenieur Ertel ubir bas Thema: „Die Hungersnot in Rußland unbihrewirtschastlichenFolge n" spre^ chen. Herr Erlll ist, wie uns geschrllbin wird, erst ttcr kurzem aus Rußland zurückgrkehrt, wo e* bis zu feiner Rücttehr als Sowletbeamter in Hetzer leitender Stellung tätig to-.xr. EZ spritzt hier also ein Mann, ber die Verhältnisse io SvL^etrußlaird, über die in unsrem Velll immer noch Unklarheiten herrschen, bis ins einzelnste kennt, und so wird dieser Vortrag für j:b:n. her sich über diese Verhältnisse aus unparteiischer Quelle orientieren will, das größte Interesse haben. Die katastrophale Hurg rsnot in Rußland, die ja in unserer Pref >e oft behandelt wurde, und die gerade in der A .bciterschast die größte Beachtung sand und Millrid für bas russische Voll erregte, soll hier tnn einem Augenzeugen in ihrem Verlauf geschildert und ihre wirtschaftlichen Ursachen und Fv'grn ifargri-gi werden. Di: Part, ip I ich "5 Ta ne R u ra' > ll der Liga verbürgt dafür, daß hier jede harter Politische Tendenz ausgeschaltet wird, sondern es Icmmt ihr nur daraus an, die völlige Wahrheit über die Zustände in Rußland b:n breitesten Masten unseres Volles zu vermitteln.
.Ärcis Büdingc'.:.
-)(- Setters, 24. Ott. Gestern war ein Doppel-Feiertag für unsere Gemeinde, galt es doch am Erntedankfest der Gemeinden Seilers und Wippenbach, die beiden neuen Glocken der Gemeinde einzuweihen. Die Glocken waren bereits vor 8 'Tagen eingetroffen und in feierlichem Zuge und mit festlicher Ansprache des Ortspfarrers und Gesang vom Bahnhof eingeholt und Mr Kirche gebracht worden. Rachdem sie dann an Ort und Stelle aufgehängt waren, wurden sie gestern feierlichst in Gebrauch Genommen. Der Männergesangverein, der Madchenchor und ein Gemischter Chor unter Leitung unsere- Lehrers toirtten bei ber Feier mit. Rach enl- svrechender Handlung des Ortsgeistllchen am AI tar wurden die Glocken erst einzeln, dann M- samrnen geläutet Die Glocken sind ein Geschenk der Gemeinden Setters und Wippen doch an dre Kirche, sie wurden von der Glockengießerei Rinker in Sinn gegossen und wiegen zusammen etwa 9 Zentner.
Kreis Schotten.
§ Herchenhain. 24. Oft Gestern abend fand in der Wirtschaft von Karl Adolph ein sehr interessanter Vortrag über Hercheohatn und seine Entstehung durch Profellor Röschen, Laubach, statt Der Redner führte
uns doch nicht zu dem gemachthaben, was wir i sind. Warum?--Und den Menschen in diesen
Tiefen aufzuwühlen, ihm solche Fragen auf die Lippen zu zwingen, das vermag nur ein Großer.
Ein Großer ist Hauptmann hier auch in seiner Technit. Aach der „Versunkenen Glocke" und ähnlichen Werken kehrt der Dichter wieder zum „Raturalismus" zurück. Das Drama auf der Bühne könnte sich fast so auch irgendwo im Leben abfpiclen. Und nicht zum letzten ergriff das Werk so stark durch feine Erbenschwere unb Menschennähe. wenn's sein muß, durch feinen ..Raturalis- mus" Jedenfalls standen auf der Bühne wirkliche Menschen mit gemeißelten Zügen und scharfen llm- riff en, nicht bloße Schemen oder sprechende Puppen, wie sie die Modernen leider so häufig hin- ft eilen.
Zunächst Henschel: zu Beginn des Dramas ein Hüne, ein gerader, zuverlässiger Mensch, der allgemein geachtet und dessen Rat gerne gehört und befolgt wirb, bis dann ein Dunkles. Unbegreifliches in sein Leben greift, gegen das er sich nicht wehren kann, und das ihm schließlich im freiwilligen Tod den einzigen Ausweg sehen läßt. Die Unentrinnbarfeit dieses Schicksals wurde von Georg B a- d u r a überzeugend gestaltet Heber die gütige Knorrigkeit und Herzenseinfalt Henschels lleh er gleich zu Anfang einen müden tragischen Schatten gleiten, und nach der entscheidenden Szene des vorletzten Alles war er ganz der Schicksalszer-- schlagene, für den es keinen Eigenwillen mehr gibt.
Auch die große Rolle der Hanne lag in bester Hand. Rose R u 6 u e r ist schon äußerlich wie kaum eine zweite Schauspielerin für diese Gestatt geschallen. Die stramme Bauernmagd mit ihrer profitwütigen ur* skrupellosen Zielstrebigkeit, dann
mit ihrem gemeinen Triumphieren unb am Ende mit ihrem grellen Aufflackern und Zusammensinken stand so wunderbar „echt" auf der Bühne, daß einem kaum der Gedanke aufkam, das werde ja nur „gespielt".
Die Schar der Aebenperfonen ist recht groß. An einigen konnte man seine wahre Freude haben. Der gute Siebenhaar, der mit Lauen Phrasen Henschels Röten abbelfen zu können glaubt, wurde von Karl V ol ck gegeben; diese Rolle bietet ja kaum Gelegenheit zu besonderem Hervortreten. Auguste M a r ck s war als Molchen Henschel,dem grüblerischen Ebenblld ihres Mannes, mitunter etwas schlecht verständlich, wodurch die ergreifenden Szenen des ersten Alles manches verloren. Glanzleistungen waren der schwindsüchtige Komödiant Wermelskirch (Richard Hellborn), feine abenteuerlustige, naseweise und tanzwüiige Tochter ((Cläre T ü r f), der zotiae unb geschniegelte Kellner George, der nur an P.nke-Pi üe" denkt (Fredy Döring) und als köstliche Wiyblatlfigur der fieine jiddische Handelsmann Fabich (Paul 0H e fr- nett). Weiter sind noch Karl Z u fr n f e als seind- lichir Schwager Henschels und Heinz B e ch st e i n als alter,DerbUterter Hausse h^vorzuheben.
Die Regie Adolf T e l e k h s verstand eS ausgezeichnet. die ganze Bildfrast und Lebensfülle des Dramas lebendig werden zu lasten. Kleinere Streichungen halsen leichter über manche Längen hin- weg.die eben der „naturalistische Stil" bedingt, die aber dem wertvollen Stücke keinen Abbruch tun.
Das sichtlich ergriffene Publikum kargte nicht mit herzlichem Beifall. gk.
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- EincLeuthoLd-Grinnerungvon Wilhelm Steinhaufen. Wilhelm Stein
haufen, der greife Frankfurter Meister, erzählt in der Schweizerischen Zeitschrift „Das Werk" von seinen Münchener Zähren, in denen et viel mit Thoma verkehrte. Eines Tages befanden sich beide in einer Künstlergesellschaft. .Ich kam In die Rachbarschaft von Leuthold, dem Dichter, zu fitzen", schreibt Steinhaufen. .Er war eine Lange grobknochige Gestatt, fein bartloses Gesicht hatte etwas Mephistophelisches. Er sprach seine oft sarkastischen Sätze im reinsten Schuoeizertvn, gurgelnd und krachend. Er schien seine Malerfreunde zu bewundern und zu beneiden, tote Leute, die cs mit der Kunst leichter hätten, als er mit der feinen. Richt weit von uns saß der Maler Pigl- heim den Kopf nachlästig-träumerisch auf ferne Hand gestützt Leuthold stieß mich an und sagte, bewundernd auf ihn hinweisend. „Ist der nicht ein wahrer Antonius?"' Und wirklich, Piglheim war ein auffallend schöner Mensch, fein Kops mit dunkellockigem Haar, den großen dunkeln Augen konnte wohl an den eines griechischen oder eines römischen Jünglings erinnern. Ich glaube, Ccut- holb sprach dann weiter, wie schön der herrllche Jüngling sich im Gefolge des Bacchus, den Thyr- fus fchwinaenb, machen würbe, unb zitterte dabei feine klassisch gebauten Verse. Man weiß, wie schnell Piglheim zu einem großen Erfolge kam unb wie man ihn auch als Maler und KünfUcr bewundert hat; um so mehr war sein früher Tot traurig, der ihn schon im Anfang der 80er Iah» ereilte. Die Erinnerung an diesen Wend ist mir wohl nur im Gedächtnis geblieben durch die Gestalten Leuthvlds unb Piglheirns In ihren merkwürdig tont rafl terenben Erschiinungen. Der Tot ha: beide saft zu gleicher Zeit unter die Erde gezogen."
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